
von FreyaLi
Untitled
Hallo! Heute gibt's ein neues Chap, leider ausnahmsweise ohne Reviewantworten, da ich total im Stress bin - nächstes Mal dafür wieder, versprochen! Als kleine Entschädigung: es ist wieder ein Snape-Chap ;) wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!
LG
F.L.
Hermine stand über den Kessel gebeugt, die Augenbrauen vor Konzentration zusammen gezogen. Gleich würde der wirklich komplizierte Teil dieses Trankes beginnen und Snape wartete, versteckt hinter einer aufgeschlagenen Ausgabe von Zaubertränke heute, darauf, dass sie etwas falsch machte. Er gestand es sich nicht ein, er sagte sich selbst, dass er nur ein achtsames Auge auf sie werfen wolle. Doch in Wahrheit wartete er auf eben jenen Moment, in dem Hermine Granger endlich einen Trank vollkommen vermasselte. Sie hatte heute den ganzen Tag gebraut, hatte wie wild darauf bestanden, und er hatte ihr immer schwierigere Tränke gegeben. Tränke, die er gar nicht benötigte und für die er wohl auch nie eine Verwendung finden würde. Es war beinahe schon lächerlich, er verwendete einen ganzen Tag damit darauf zu warten, dass diese Frau, die sich auf penetrant nervtötende Weise in sein Leben geschlichen hatte, scheiterte. Früher, als sie noch seine Unterrichtsstunden unerträglich gemacht hatte, hatte er Unterrichtsstunde um Unterrichtstunde nach Gründen gesucht, warum er sich für ihr nervenaufreibendes Verhalten rächen konnte. Er hatte immer einen gefunden, wenn auch einen noch so unsinnigen, und er hatte ihre Blicke, voller Abneigung und gefühlter Ungerechtigkeit, genossen.
Sie stellte die Flamme zurück, Snape rückte unmerklich ein Stück auf seinem Stuhl nach vorne. Die nächsten fünf Minuten waren essenziell für diesen Schmerztrank - der viel zu aufwendig in der Herstellung war, als dass es sich auszahlen würde, in zu brauen - und er war sich sicher, dass irgendetwas schief gehen würde. Sie schnitt die Rabiantusknolle in feine, gleichgroße Stücke, fügte sie exakt im richtigen Moment hinzu und rührte sieben Mal in jede Richtung. Sie streute den gemahlenen Ingwer darüber während sie gleichzeitig mit der anderen Hand die Birkenrindestücke in genauen Abständen von zehn Sekunden in den Sud hinein fallen ließ. Mit der rechten Hand ließ sie die Flamme kurz aufzüngeln, während sie mit der linken Hand die Moosbeeren darüber ausdrückte. Er sah, wie sie, die Luft anhaltend, in den Kessel starrte. Sie wartete darauf, dass er sich blau färbte. Snape musste nicht auf ihr erleichtertes Gesicht warten um zu wissen, dass er es tun würde. Sie hatte alles richtig gemacht. Sie wandte sich zu ihm um und er schaffte es nicht schnell genug, wieder auf die Zeitschrift hinunter zu blicken. Ihre Blicke trafen sich und auch wenn es nur eine Sekunde war in der er ihre Mundwinkel zucken sah, so war ihm doch klar, dass sie ihn durchschaut hatte. Er senkte seinen Blick auf die Buchstaben des Artikels, der ihn eigentlich nicht interessierte. Er musste kapitulieren und das war etwas, was Severus Snape nicht gerne tat. Musste einsehen, dass Hermine Granger schlauer war, als er gedacht hatte. Er hatte diesen Trank in ihrem Jahrgang nicht gelehrt und war sich sicher, dass sie ihn nie gebraut hatte. Dazu war er zu ungewöhnlich. Sie hatte es beim erste Mal geschafft und er kannte nur einen Menschen, dem es ebenso gegangen war. Am besten nicht weiter darüber nachdenken, dann hatte sie es eben geschafft - das zeugte von nichts als rascher Auffassungsgabe und dem Talent, Anweisungen genau zu befolgen. Als er sie wieder hantieren hörte, konnte er nicht anders, als erneut aufzublicken. Sein Blick landete auf ihre Händen, er sah, wie sie den Trank geschickt und rasch in kleine Fläschchen umfüllte. Er wanderte ihren Rücken hinauf zu ihren unordentlich zusammen gebundenen Haaren, wieder ihre Hüften hinab und - nein! Er musste damit aufhören; sich in Erinnerung rufen, dass es auf keinen Fall richtig war so über sie nachzudenken. Er ballte die Hand zu einer Faust, verdammt, er war Severus Snape, er würde seine Gedanken doch unter Kontrolle halten können! Doch wie lange war es her, dass er eine junge, attraktive - ja, das musste er zugeben - Frau so lange Zeit um sich gehabt hatte? Daria, natürlich, doch das war etwas anderes, auch wenn sie kaum fünf Jahre älter sein mochte als Hermine. Doch Daria war anders. Sie war wie er: sie war gebrochen von ihrer Vergangenheit, geplagt von dunklen Gedanken. Ihre Seele war von Taten gezeichnet, die sie heute sicher auf das bitterste bereute - das wusste er, auch wenn sie nie darüber gesprochen hatten - sie hatte ihre Chance auf ein reines Gewissen auf ewig vertan, genauso wie er. Und Hermine … natürlich hatte sie viel erlebt, der Krieg war für niemanden ohne Spuren vorbei gegangen. Sie hatte Menschen sterben und Dinge gesehen, die niemand sehen sollte. Sicherlich war sie von diesen Erlebnissen gezeichnet, sie war schneller erwachsen geworden als es sich gehörte. Und doch war es anders - sie hatte reinen Gewissens gehandelt und immer das richtige getan. Er war überzeugt davon, dass ihre Gedanken nie etwas anderes als rein gewesen waren, auf das Gute bedacht und das würde sich wohl auch nie ändern. Hermine Grangers Seele war so unbefleckt wie sie nur sein konnte und auch wenn er es niemals zugegeben hätte, nicht einmal vor sich selbst, so beeindruckte es ihn doch. Mit so jemandem hatte er wahrlich schon lange nichts mehr zu tun gehabt.
Sie hatte unter anderen Umständen gekämpft, war stets an Potters Seite gewesen. Potter, der ebenso moralisch und stets darauf bedacht war, das Richtige zu tun. Jetzt hatte sie sich entschieden, mit ihm zu kämpfen und sie würde lernen müssen, es nach seinen Regeln zu tun. Die Zeit drängte und wenn er sie beide bei diesem Irrsinn nicht in den Tod schicken wollte, dann musste er damit beginnen, sie vorzubereiten. Wenn sie wirklich hier bleiben und diesen Kampf zu Ende führen wollte, dann würde er ihr Dinge beibringen müssen, die für ihn schon lange selbstverständlich und notwendig geworden waren, die sie aber vielleicht nicht mit ihrem Gewissen würde vereinbaren können. Ein leichter Stich durchzog ihn - vielleicht waren es Schuldgefühle. Vielleicht würde er ihr hiermit ein Stück ihrer Reinheit nehmen. Keine Sekunde dauerte das Gefühl an, dann schob er es erfolgreich beiseite. Sie wusste, auf was sie sich eingelassen hatte,dachte er grimmig, sie hatte zumindest eine entfernte Ahnung, wer er war.
Das Klirren der herab gestellten Fläschchen riss ihn aus seinen Überlegungen. Sie war an ihn heran getreten, ohne dass er es bemerkt hatte.
„Ich bin kein Kind mehr, dem du Prüfungen aufgeben musst“ sagte sie, ein schiefes Lächeln auf dem Mund „ich wäre froh, irgendetwas sinnvolleres tun zu können als Tränke zu brauen, die kein Mensch braucht.“ Natürlich wusste sie es.
„Wir wollen sehen, ob dieses Gebräu etwas taugt“ erwiderte er kritisch, nahm ihr das Fläschchen aus der Hand und öffnete den Verschluss. Er musste weder die Farbe begutachten noch den Geruch, er wusste, dass dieser Trank gut war. Er war nicht perfekt, dazu hätte sie wissen müssen, dass man die Birkenrinde vor dem Siedepunkt wieder aus dem Gebräu nehmen sollte, damit wirklich nur der Wirkstoff einkochte, der für die Schmerzstillung benötigt wurde. Soweit er wusste, stand dieser Schritt in keinem Rezept, er selbst hatte es durch Zufall heraus gefunden.
„Ganz in Ordnung“ murmelte er als er ihr das Fläschchen wieder in die Hand drückte. Natürlich war der Trank mehr als in Ordnung, doch das vor ihr zuzugeben, würde einem Eingeständnis gleichen und in solchen war er noch nie gut gewesen.
„Man könnte den Wirkstoff aus der Birkenrinde vorher extrahieren“ erwiderte Hermine schnell „es vorher auskochen und dann den konzentrierten Sud dazugeben. Dann würde der Trank nicht von den anderen Wirkstoffen abgeschwächt, man könnte sicherlich eine stärkere Wirkung erzeugen.“ sie ratterte die Worte herunter, als ob sie sie vorher auswendig gelernt hätte - vermutlich hatte sie das auch, während sie über dem Trank gestanden hatte. Wieder konnte sich Snape in Erinnerung rufen, dass sie einmal seine Schülerin gewesen war. Sie glich in diesem Moment, in dem sie vor ihm stand und ihm voller Aufregung ihre Überlegung unterbreitete, mehr denn je der Elfjährigen, der er bereits in ihrer ersten Unterrichtsstunde überdrüssig geworden war. Er kam nicht umhin zuzugeben, dass ihr Gedankengang richtig war. Es war natürlich leichter, die Stücke rechtzeitig herauszunehmen anstatt noch mehr Flüssigkeit hinzuzufügen, die den Trank wieder verdünnen würde. Und doch hatte sie bewiesen, dass sie mitdachte. In Ermangelung irgendwelcher Worte nickte er nur. Gerade in diesem Moment klopfte Elly an die halb geöffnete Labortür.
„Master Snape, Miss - das Abendessen ist fertig.“ sagte sie höflich, ihr Blick streifte den Zaubertrankprofessor nur kurz.
Snape erhob sich und verließ dankbar den Raum. Er konnte eine wütende Hermine Granger weit besser händeln als eine, die auf Zustimmung heischte.
Er setzte sich an den Küchentisch und begann wortlos zu essen. Hermine setzte sich ihm gegenüber, nahm die Gabel in die Hand, hielt aber plötzlich in ihrer Begegnung inne.
„Warum kannst du nicht einfach sagen, dass es eine gute Idee ist?“ fragte sie heraus fordernd. Snape seufzte innerlich. Es war weitaus weniger problematisch gewesen, als sie noch Angst vor ihm gehabt hatte. Wann zum Teufel hatte er dieses Privileg verloren?
„Dein Gedächtnis ist auf jeden Fall nicht besonders gut. Ich dachte wir wären uns über Gespräche während des Essens einig gewesen.“ erwiderte er schroff zwischen zwei Bissen.
„Ablenken nützt nichts.“ Hermine blieb ruhig, seine Worte schienen sie absolut kalt gelassen zu haben.
„Die Frage ist viel eher, warum dir etwas an meiner Anerkennung liegt“ Snape legte seine Gabel beiseite und betrachtete belustigt Hermines Gesichtsausdruck, der sich bei seiner Frage absolut wandelte. Zufrieden lehnte er sich zurück und wartete auf ihre Antwort - er konnte es also doch noch: Menschen genau dort treffen, wo es weh tat. Hermine Granger war schlau, doch diese Intelligenz war nur halb soviel wert, wenn sie sich ihrer nicht sicher war. Auch wenn sie viel zu früh erwachsen geworden war, dieser Teil in ihr war es nicht geworden. Sie war von der Zustimmung anderer abhängig wie von der Luft zum Leben.
„Weil … nun. Ich wusste, dass es eine gute Idee war und wollte hören, was du davon hältst“ erwiderte Hermine, nun nicht mehr so selbstsicher wie vorher. Sie biss sich auf ihre Unterlippe.
„Du wusstest, dass es eine gute Idee war. Warum brauchst du dann noch meine Zustimmung dazu? Warum hast du es nicht einfach getan?“
„Ich … ich war mir nicht sicher“ murmelte Hermine in sich hinein, nun offenbar völlig aus dem Konzept. Snape lächelte schadenfroh.
„Genau das ist dein Problem. Wenn du wie eine Erwachsene behandelt werden wolltest, solltest du damit aufhören dich zu benehmen wie ein kleines Kind“ seine Stimme war gleichgültig und er wusste, dass er sie damit getroffen hatte. Es tat gut, zu sehen, dass er immer noch die Überhand hatte. Er sah wie sich ein Ausdruck von Zorn über ihr Gesicht legte, denn sie zu unterdrücken suchte. Sie legte ihre Hand so fest um die Gabel, dass ihre Knöchel weiß hervor traten.
„Ich bin ganz sicher kein Kind mehr“ erwiderte sie leise.
„Dann hör auf, dich wie eines zu benehmen. Wenn du weißt, dass deine Idee gut ist, dann sollte das Anerkennung genug sein. Dein Wissen ist nichts wert, wenn du dauernd Bestätigung dafür benötigst. Du wirst immer nur so gut sein, wie der Beste auf seinem Gebiet. Wenn du immer jemanden benötigst, der dir sagt, dass deine Überlegungen richtig sind, dann wirst du nie etwas bisher unbekanntes entdecken, nie etwas Großes erreichen. Alle hielten dich immer für besonders schlau. Was du tust ist nichts weiter als Dinge auswendig zu lernen, die andere bereits heraus gefunden haben. Das zeugt vielleicht von einem guten Gedächtnis, keinesfalls aber von Intelligenz“ Ihr Gesichtsausdruck schlug wieder um, der Zorn war verflogen. Dieses Mal hatte er sie wirklich getroffen. Sie erhob sich, ohne ihr Essen auch nur anzurühren. Er atmete auf. Nun war ihm wohl doch ein Essen in Ruhe vergönnt.
An der Tür hielt sie noch einmal inne, wandte sich zu ihm um.
„Warum hasst du mich?“ die Worte waren leise, kaum hörbar ausgesprochen. Sie waren weder verzweifelt noch irgendwie rührseelig, alles was er heraus hören konnte, war Neugier. Er sah nicht von seinem Teller auf. Sie war offenbar nicht gewillt, auf eine Antwort zu warten, denn er hörte wie die Tür ins Schloss fiel.
Er aß mit der Genugtuung, immer noch die Überhand zu haben. Er zwang sich, das nicht angerührte Teller zu ignorieren und nicht weiter darüber nachzudenken. Erst als er fertig gegessen hatte und sich erhob wanderte sein Blick zu Elly, die ihn offenbar beobachtete hatte.
„Was?“ schnarrte er sie an, die Elfe zuckte zusammen.
„Tut mir Leid, Master Snape“ beeilte sie sich zu sagen und wandte sich eiligst wieder dem Abwasch zu. Snape blieb einen Moment im Raum stehen, nicht wissen, was er mit sich anfangen sollte, dann trat er aus der Küche. Im Wohnzimmer saß Hermine, über ein Buch gebeugt. Ihr Blick war starr auf die aufgeschlagene Seite gelegt, ihre Pupillen bewegten sich nicht. Snape wollte einfach an ihr vorbei gehen, sie ignorieren und hier sitzen lassen, bis der Hunger sie dazu bewegte von der Couch zu weichen. Irgendwann würde sich ihre Zerknirschtheit legen und sie würde sich damit abfinden. Er wollte wirklich einfach in sein Labor gehen und weiter arbeiten. Stattdessen stellte er sich vor das Sofa, wartete nicht darauf, dass Hermine aufblickte sondern begann einfach damit zu reden.
„Du bist penetrant in allem was du tust. Du warst die anstrengendste Schülerin, die man sich vorstellen kann. Du hast meinen Unterricht unerträglich gemacht. Du hältst es nicht aus, nicht Recht zu haben und willst von jedem hören, wenn du etwas richtig gemacht hast. Du heischst nach Anerkennung, bei jedem Wort, dass du sagst. Du bist so moralisch, dass es ein normaler Mensch kaum aushält. Du okkupierst mein Haus, hältst mich von der Arbeit ab, machst alles komplizierter. Aber Hass ist für Menschen wie Malfoy da“ während seiner Worte hatte Hermine nicht ein einziges Mal aufgeblickt, erst als er geendet hatte löste sie sich von ihrem Buch. Snape bereute bereits in diesem Moment seine Worte. Er hätte einfach gehen sollen. Stattdessen versuchte er sie davon zu überzeugen, dass er sie nicht hasste. Snape kam ihn die mehr als unangenehme Situation, etwas getan zu haben und nicht zu wissen warum. Er stand unschlüssig im Wohnzimmer, offenbar hatte Hermine nicht vor, irgendetwas auf seinen Wortschwall zu erwidern.
Erschöpft ließ er sich auf den Sessel fallen, legte die Hände an die Schläfen. Ein pochender Kopfschmerz machte sich breit, wie jeden Abend um diese Uhrzeit.
„Du bist auch nicht gerade umgänglich“ murmelte Hermine nach einer Weile und legte ihr Buch beiseite. Snape schnaubte. Nicht gerade umgänglich. Natürlich würde Hermine Granger die Worte absolutes Arschloch nicht in den Mund nehmen.
„Die penetrante Gewohnheit, Dinge auf lächerlich Art und Weise zu formulieren, habe ich vorhin vergessen“ murmelte er und brachte die Kraft für einen schroffen Ton nicht mehr auf.
„Du musst zugeben, dass die Idee gut ist“ Hermine richtete sich auf und Snape betrachtete sie mit einer hochgezogenen Augenbraue. Doch warum sollte er sich nicht mit ihr über darüber sprechen? Er hatte schon seit Jahren mit niemanden mehr ernsthaft über Tränke reden können.
„Im Ansatz, ja. Aber durch die ganze zusätzliche Flüssigkeit würde der Trank wieder abgeschwächt“ erwiderte er sachlich.
„Nicht, wenn ich ein Konzentrat erstelle“ warf Hermine ein. Snape sah auf - daran hatte er tatsächlich noch nicht gedacht. Er blickte Hermine an, beschwor ein Blatt Pergament hervor und machte sich eine Notiz. Hermines Lächeln versäumte er dabei.
Je später der Abend wurde, desto voller wurde das Pergament. Alle beide versanken so in ihrem Gespräch, dass sie nicht darauf achteten wie die Zeit verging und Snape sogar für kurze Zeit vergaß, dass es die nervtötende Hermine Granger war, mit der er sich unterhielt. Das Gespräch verlief fließend, immer wieder brachte einer von ihnen einen neuen Punkt ein, mit dem man den Trank vielleicht verbessern konnte und Snape musste zugeben, dass dieses Mädchen - diese Frau - mehr Ahnung vom Tränkebrauen hatte, als er ihr zugetraut hatte. Entweder sie hatte in ihrem einen Jahr bei Slughorn so viel gelernt, was er bezweifelte, oder sie hatte sich all dieses Wissen selbst angeeignet. Die Uhr schlug bereits elf als Hermines Gähnen das Gespräch beendete.
„Ich sollte ins Bett gehen“ murmelte sie verschlafe, Snape nickte. Er war verwundert darüber, dass seine Kopfschmerzen wie weggeblasen waren. Vielleicht war es die Erkenntnis, dass er sich in ihr getäuscht hatte. Er hatte wirklich geglaubt, dass sie nur eine halbwegs begabte Hexe war, die es ihrem Ehrgeiz zu verdanken hatte, dass sie soweit gekommen war. Doch diese Diskussion über den Trank hatte ihm bewiesen, dass mehr in ihr steckte. Sie hatte nicht nur Talent zum Brauen, sie hatte auch eine außergewöhnliche Auffassungsgabe. Vielleicht hatte er das all die Jahre einfach nicht an ihr gesehen, oder aber er hatte es nicht sehen wollen, weil sie stets an Potters Seite gestanden hatte - und der zog Aufmerksamkeit bekanntermaßen magisch an sich. Doch das war nun auch egal - selbst wenn er sie schon als Schülerin für so intelligent gehalten hätte, wie er jetzt wusste, dass sie es war, hätte er es nicht würdigen können - dazu war er zu stolz und sie zu sehr gryffindor gewesen.
Gerade in dem Moment als sie über die Treppe nach oben verschwunden war und er sich selbst daran machen wollte, die Notizen ins Arbeitszimmer zu bringen, trat Elly in das Wohnzimmer. Sie näherte sich Snape vorsichtig, wohl noch verschreckt von seiner Schroffheit beim Abendessen.
„Eine Eule für sie, Master Snape“ sagte sie leise und reichte ihm ein Stück Pergament. Er faltete es auseinander.
Gleich, bei mir.
Darias Handschrift. Snape ließ das Pergament sinken. Das war es, was er an ihr mochte. Zwischen ihm und Daria gab es keine vielen Worte. Es war unkompliziert. Sie verlangte keine Nettigkeiten von ihm, stattdessen gab sie ihm das, was er wollte. Es war die Art von Beziehung, zu der er fähig war. Er konnte mit Menschen, die nicht so waren wie er, nicht umgehen - und Daria war so wie er. Er konnte ihr nichts antun, was ihr Leben ihr nicht schon angetan hatte. Er verletzte sie, sicherlich. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann. Das tat er mit jedem Menschen. Früher oder später riss er sie mit sich in die Dunkelheit, die ihn seit Jahren umgab. Doch Daria kannte diese Finsternis, sie war Schmerz jeglicher Art gewohnt. An ihr würde es abprallen ohne allzu großen Narben zu hinterlassen. Er schüttelte den Kopf, fragte sich, warum er überhaupt darüber nachdachte. Dann, aus einem Impuls heraus, zerknüllte er den Zettel und machte sich auf den Weg nach oben. Heute würde Daria umsonst warten müssen.
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