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Fanfiction

Dämmerung - Machtlos wie eine Kaffeetasse

von FreyaLi

Untitled

Hallo ihr! Heute kommt wieder ein neues Kapitel, es geht weiter mit Hermines „besonderem Training“ ;). Das nächste Kapitel kommt vermutlich noch vor dem Wochenende!
LG F.L.

@ Chellie: Danke für das wie immer ganz tolle Review! Heute geht's mit den Unterrichtsstunden der beiden auch schon weiter und vielleicht gibt's auch eine Stelle, die zur Freude anregt ;) wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen!
@NicoleSnape: Danke für deinen Kommentar! Ja, für Hermine wird es in dieser Hinsicht sicherlich nicht leichter, ganz im Gegenteil. Aber der Alltag in der Wohngemeinschaft Granger/Snape besteht ja nicht nur aus Training ;) Wünsche dir viel Vergnügen mit dem heutigen Chap!
@*Lillian*: Danke für dein Review! Freut mich, dass es dir gefallen hat - über den Kapitelnamen habe ich auch ziemlich lange nachgedacht :) Hoffe, dass dir das heutige Chap gefällt!








Hermine saß in der Küche, bereits den dritten oder vierten Kaffee an diesem Tag in der Hand. Einen kurzen Gedanken hatte sie an diese Ansätze einer Kaffeesucht verschwendet, dann hatte sie sich vor Augen gehalten, dass sie sich besser über andere Dinge den Kopf zerbrechen sollte als über ihren erhöhten Koffeinkonsum. Zum Beispiel über das aufgeschlagene Buch vor sich, dass ihr bei jeder neuen Seite, bei jeder Skizze und bei jeder Überschrift die Haare zu Berge stehen ließ. Snape hatte es ihr nach dem Mittagessen in die Hand gedrückt und war wortlos gegangen. Sie kannte dieses Buch, aber auch nur deshalb, weil sie seinen Namen auf der Liste der verbotenen Bücher im Ministerium gelesen hatte. Sie hätte nicht gedacht, dass tatsächlich noch Exemplare davon im Umlauf waren, doch Snape hatte seines anscheinend über die Jahre gut verstecken und aufbewahren können. Sie erkannte seine Handschrift an den Rändern, es reihte sich Notiz an Notiz; auch wenn es nicht der säuberliche Schriftzug war, mit der er ihre Arbeiten in Hogwarts verbessert hatte. Vielmehr war es die rasch dahin gekritzelte Feder eines übermütigen Jugendlichen, der er wohl einst gewesen war als er sich den Todessern angeschlossen hatte.
Hermine kannte nur etwa die Hälfte der Flüche die hier in altertümlich scheinenden Worten beschrieben waren und der Gedanke, dass ein einziger Mensch all diesen Schrecken beherrschen konnte ließ sie erschauern. Stumm fuhr sie mit dem Zeigefinger die Überschrift des eben aufgeschlagenen Kapitels nach. Der Cruciatius. Sie sah auf das Bild, dass einen schemenhaft dargestellten Mann zeigte, der sich unter Todesqualen zu winden schien. Sie besah sich die wenig komplizierte Zauberstabbewegung und ihr Blick fiel unweigerlich auf die danebenliegende Notiz, die schon fast verblast und kaum leserlich war. Kontrollierte Gefühle - mehr Schmerz. Genau das hatte Snape ihr gesagt - sie musste hassen, Wut empfinden um diese Art von Magie nützen zu können. Er hatte es sich bereits in seiner Jugend selbst beigebracht. Ihre Gedanken wanderten, wie sooft, zu dem jungen Snape. Der Mann, der eigentlich noch gar keiner gewesen war, und in dem so viel Böses und Dunkles geschlummert hatte und schließlich ausgebrochen war. Sie schüttelte den Kopf. Es brachte ihr nichts an jenen Snape zu denken, sie hatte nichts mit ihm zu tun. Sie redete sich ein, dass er heute anders war. Etwas weiter unter stand eine Notiz, die jünger zu sein schien. Abschwächbar? Es war nur ein einziges Wort und trotzdem richtete sich Hermine unwillkürlich auf, als sie es las. Genau das hatte er getan, als er den Fluch auf sie gelegt hatte und vermutlich hatte er es bei vielen vor ihr ebenso getan. Severus Snape war zwar ein Mann, der mit Mitteln kämpfte, vor denen ihr graute - aber er suchte immer nach dem kleinst möglichsten Verlust.
Sie blätterte eine Seite weiter und zuckte kurz vor der Überschrift zusammen. Der Todesfluch. Sie hatte noch nie im Leben Aufzeichnungen darüber gesehen, wie er auszuführen war, kannte kein Buch, in dem auch nur entfernt darauf hingewiesen wurde. Und hier, auf einer Doppelseite, stand alles, was jemand wissen musste, um es zu lernen. Sie schüttelte den Kopf und blätterte weiter. Snape hatte gesagt sie würde wissen müssen, wie man tötete - sie hatte zugestimmt auch wenn sie in eben jenem Moment gewusst hatte, dass sie es niemals würde tun können. Wenn schon der Imperius Gefühle in ihr verlangte, die sie nicht zustande brachte ohne dass Snape sie vorher in ihr weckte, wie würde sie dann jemals all die dunkle Magie herauf beschwören können - oder wollen - die zu diesem schrecklichsten aller Flüche von Nöten war? Der Inhalt der nächsten Seite überraschte sie - nach dem Todesfluch hätte sie andere Grausamkeiten erwartet, Folterflüche oder ähnliches - stattdessen stand dort, in altertümlicher Schrift, Legilimentik. Ihre Augenbrauen kräuselten sich während sie versuchte, die Buchstaben und Worte zu entziffern die den Zauber beschrieben. Snapes Notizen, die er den verschiedenen Schriftbildern nach zu urteilen über Jahre hinweg hinzugefügt hatte, waren so dicht an die Lettern des Buches gedrückt, dass sie kaum ein Wort lesen konnte. Sie legte das Buch vor sich auf den Tisch und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Weshalb wurde dieser Zauber, von dem sie viel gehört, aber nie auch nur daran gedacht hatte ihn anzuwenden, neben den grausamsten Flüchen die sie sich vorstellen konnte, genannt?
Sie wollte gerade das Buch zuschlagen und sich eine Pause von all diesen Grausamkeiten gönnen, als Snape die Küche betrat und sich wortlos eine Tasse Kaffee einschenkte. Er stellte sich neben sich und lugte über sie hinweg zu dem aufgeschlagenen Buch. Bei ihrer aktuellen Lektüre hob er eine Augenbraue. Hermine war froh, ihre Frage nun loswerden zu können.
„Was hat Leglimentik hier drin zu suchen? Ich meine - es ist wohl kaum schwarze Magie“
Snape betrachtete sie zweifelnd.
„Du schaffst es vortrefflich mich immer wieder an deiner Intelligenz zweifeln zu lassen“ warf er beiläufig ein. Hermine hielt sich am Riemen und anstatt zu antworten, wartete sie darauf, dass er fort fuhr.
„Du denkst, in den Geist eines anderen Menschen einzudringen, ihn seiner intimsten und geheimsten Gedanken zu berauben sei keine schwarze Magie?“
„Immerhin füge ich damit niemandem Leid zu“ warf Hermine ein, Snape schüttelte den Kopf.
„Körperliches Leid ist nicht alles, worauf Menschen aus sein können - dieser Zauber hier kann einem Menschen größeren Schmerz zufügen als der Cruciatus, man kann jemanden damit die Kontrolle genauso entreißen wie mit dem Imperius, seinen Gegner damit sogar in den Tod schicken. Wenn du die Gedanken eines Menschen kennst, die er um alles in der Welt vor Anderen verstecken will, dann hast du unvergleichbare Macht über ihn. Die dunklen Zauberer die du kennst sind von Macht besessene Dummköpfe wie Malfoy. Sie denken, es würde reichen ihre Opfer zu quälen, zu demütigen und dann zu töten. In Wahrheit ist es um einiges effektiver einen Menschen zu kennen - wirklich zu kennen. Heraus zu finden, was ihm am Herzen liegt und ihn dann von Innen hinaus zu zerstören. Glaub mir, dass hier ist einer der finstersten Zweige der Magie“ der Ausdruck, den seine Augen bei diesem Monolog bekommen hatten, mochte Hermine gar nicht.
„Dumbledore konnte es“ murmelte sie in sich hinein, mehr zu sich selbst als zu Snape gewannt. Er sah sie höhnisch an.
„Du weißt so gut wie ich, dass Dumbledore nicht immer der Mann war, der er zum Schluss gewesen ist“ sagte er kalt. Hermine nickte langsam. Sie wusste von Dumbledores Geschichte, natürlich. Sie sah ein, dass es ein dummer Einwand gewesen war. Ein Einfall überkam sie, der vielleicht lächerlich und unbedacht war, trotzdem sprach sie ihn aus.
„Kannst du mir beibringen, mich davor zu schützen? Du beherrschst es, du hast es Harry beigebracht“ Snape schnaubte.
„Potter hat sich nichts beibringen lassen. Und Malfoy wird kaum Legilimentik gegen dich anwenden - die Wahrheiten, die er braucht, kann er sich auf leichtere Wege beschaffen. Du solltest dich auf Dinge konzentrieren, die dir etwas nützen.“
„Vielleicht kann ich es brauchen - irgendwann, wenn das hier alles vorbei ist“ warf Hermine ein. Snape sah auf - sein Gesichtsausdruck ließ sie darauf schließen, dass er seine Zweifel an ihrem Optimismus hatte. Und trotzdem glaubte sie ihm anzusehen, dass er kurz davor war einzuwilligen.
„Glaub mir, du willst mich nicht in deinem Kopf haben“ erwiderte er kalt - und doch: sie glaubte ein Blitzen in seinen Augen zu sehen, das verriet, dass es ihn reizte. Das ungute Gefühl, das sie haben sollte, wollte sich nicht einstellen.
„Aber vielleicht will ich dich irgendwann davon abhalten können“ konterte Hermine. Darias Worte kamen ihr in den Sinn, doch sie schob sie rasch beiseite. Vielleicht traute ihr die Hexe wirklich nicht zu mit Snape fertig zu werden, vielleicht war es einfach nur ihre lächerliche Angst, Hermine würde in ihr abspenstig machen. Egal was es war, es war unsinnig und im Moment nicht bedenkenswert.
„Du weißt, worauf du dich einlässt“ Snapes Stimme war leise geworden, was sie gefährlich klingen lies. Hermine nickte unmerklich. Sie hatte sich geschworen, keine Angst mehr vor diesem Mann zu haben. „Dann steh auf“. Hermine erhob sich und zog ihren Zauberstab, Snape winkte abfällig ab.
„Den wirst du nicht brauchen. Wenn du dich wirklich irgendwann vor jemanden verschließen musst, dann kannst du dich nicht darauf verlassen, noch an deinen Zauberstab zu kommen.“
„Was muss ich machen?“ fragte sie und versuchte, ihre Nervosität zu verbergen. Sie konnte ihrem Gegenüber nicht ansehen, ob es ihr gelang.
„Du musst dich von deinen Emotionen frei machen, mach deinen Geist einfach leer. Du hast dich ansatzweise gegen den Imperius wehren können - hierfür wirst du ähnliche Kräfte brauchen“ Hermine nickte, doch noch ehe sie überhaupt versuchen konnte sich vorzubereiten, hatte Snape seinen Zauberstab gehoben.
„Legilimens!“
Die Bilder und Erinnerungen überrannten Hermine mit einer Wucht, dass alles andere um sie herum zu einer grauen Masse verschwamm. Szene für Szene flackerte vor ihren Augen auf, wie die Bilder einer zu schnell ablaufenden Filmrolle.
Ihre Grundschule, sie selbst wie sie allein in einer Ecke des Pausenhofes saß und den anderen Kindern beim Spielen zusah … ihr erste Woche in Hogwarts, wieder saß sie alleine da, dieses Mal im Gemeinschaftsraum über ihren Büchern … versteckte Tränen der Wut in den Kerkern, vor Snapes Klassenzimmer … Victor Krum beugte sich zu ihr nach vorne und fuhr ihr durchs Haar ... Der Moment auf ihrer Suche nach den Horcruxen, als Ron sie und Harry alleine gelassen hatte … Remus und Tonks, tot auf dem kalten Steinboden der großen Halle liegend … sie und Ron im Raum der Wünsche, seine Hände auf ihrem Gesicht, sein Kopf immer näher kommend, Worte flüsternd, die nur für ihre Ohren bestimmt gewesen waren und wie sie ihn keine Sekunde darauf zurückwies - das alles erlebte Hermine nach, fühlte ein weiteres Mal was sie damals gefühlt hatte und der Strudel aus sich sekündlich abwechselnden Emotionen übermannte sie schließlich. Als es - endlich - aufhörte fand sie sich zusammen gekauert auf dem Küchenfußboden wieder, Snape stand über ihr und starrte sie emotionslos an.
„Bist du immer noch überzeugt, dass es sich nicht um schwarze Magie handelt?“ fragte er und ließ keinen Zweifel daran, dass die Frage rhetorischer Natur war. Hermine rappelte sich wieder auf. Sie war tatsächlich den Tränen nahe, auch wenn sie geglaubt hatte, dieses Stadium bereits hinter sich zu haben. Ihre Tränen rührten nicht von Verletztheit, sie waren nicht einmal für Snape bestimmt: es waren einfach nur ihre Erinnerungen, die sie so sehr aufwühlten. Sie verstand nicht, wie Snape es fertig gebracht hatte, genau diese und nicht irgendwelche unwichtigen Bruchstücke ihres Lebens aus ihrem Kopf zu holen.
„Ich habe dir gesagt, dass es keine gute Idee war“ Snape wandte sich zum Gehen um, doch Hermine hielt ihn an der Schulter zurück. Er schien unter ihrer Berührung förmlich zusammen zu zucken und ihr wurde im selben Moment bewusst, dass es nicht angebracht war. Sie zuckte ebenfalls zurück, einen Moment lang wie elektrisiert, doch sofort fasste sie sich wieder.
„Ich will es noch einmal versuchen“ sagte sie bestimmt, auch wenn ihre Stimme zitterte. Er sah sie ungläubig an.
„Herr Gott Hermine, hast du immer noch nicht verstanden, dass ich nicht derjenige bin, dem du solche Erinnerungen zeigen solltest?“ fragte Snape aufgebracht.
„Warum überzeugst du mich erst davon, dass du kein Todesser bist und willst mir dann um alles in der Welt beweisen, dass du ein schlechter Mensch bist?“ fragte Hermine und legte mehr Gewicht in diese Frage, als sie es in einer anderen Situation getan hätte.
„Weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hat, du dummes Mädchen!“ rief Snape aus „nicht jeder schlechte Mensch schließt sich den Todessern an. Du hast keine Ahnung vom Bösen“
„Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit zugebracht, dagegen zu kämpfen!“ protestierte sie.
„Ja, gegen das personifizierte Böse. Du hast das Schlimmstmöglichste gesehen und deshalb denkst du in schwarz und weiß. Du kannst einen schlechten Menschen nicht an einer Maske erkennen.Du kennst das Dunkle in dir selbst noch nicht und versuchst es bei anderen nicht zu sehen.“ Snapes Stimme war kalt und emotionslos geworden, er starrte an Hermine vorbei an die Wand.
„Ich denke, dass es die viel größere Dummheit ist, das Gute in einem selbst nicht zu sehen“ antwortete Hermine leise. Snape fixierte sie wieder.
„Lass es sein. Hör auf damit deine Kraft zu verwenden, den guten Menschen in mir zu suchen. Das haben schon Menschen vor dir getan und es hatten ihnen nichts als Leid gebracht“
„Wer? Dumbledore? Lilly?“ fragte Hermine und in dem Moment, in dem sie den Namen ausgesprochen hatte, wusste sie dass sie einen Fehler begangen hatte. Snape packte sie grob bei den Schultern, sie versuchte sich seinem Griff zu entreißen doch er war stärker.
„Wage es nicht noch einmal ihren Namen in diesem Haus auszusprechen!“ sagte er langsam, sein Gesicht direkt vor dem Ihrem. Hermine nickte beklommen. Er ließ sie los und sie stolperte in einem Reflex ein Stück von ihm weg.
„Es ist vorbei mit der Legilimentik. Konzentriere dich auf Dinge, du auch brauchen kannst“ schnarrte er und verließ die Küche. Hermine blieb zurück, wusste nicht, was sie tun sollte. Sie sank auf dem Küchenstuhl zusammen. Den Anblick des aufgeschlagenen Buches vor sich konnte sie nicht ertragen, sie klappte es zu, ganz so, als ob sie damit all diese absurden Geschehnisse vor sich verschließen könnte. Doch der Einband starrte sie an, die dunklen Lettern auf dem hellen Hintergrund brannten sich in ihr Gedächtnis. Die dunklen Wege der Magie. Was, wenn Snape Recht hatte? Vielleicht war er wirklich ein durch und durch schlechter Mensch und alles, was er gegen die Todesser unternommen hatte, waren Taten, zu denen ihn sein Gewissen gedrängt hatte - aber hatten so durch und durch schlechte Menschen überhaupt ein Gewissen? Sie seufzte und um sich an irgendetwas fest halten zu können, nahm sie ihre Kaffeetasse in die Hand. Sie schaffte es einfach nicht, sie konnte sich selbst nicht davon überzeugen, dass in Severus Snape nichts Gutes steckte. Hätte er sie sonst gehen lassen wollen? Vor Malfoy beschützt? Überhaupt damit begonnen, gegen Malfoy zu arbeiten? Sie konnte all diese Fragen verneinen. Und wenn es nur ihre eigene Moral war, ihr Vorstellung davon, dass das Gute in einem Menschen immer überwiegen konnte. Snape mochte ihr vormachen wollen, aus welchem Grund auch immer, dass in ihm nur Schlechtes steckte, doch sie glaubte es nicht. Und sie wäre nicht Hermine Granger wenn sie das alles so hinnehmen würde. Entschlossen erhob sie sich, öffnete das unterste Küchenkästchen von dem sie sie wusste, dass stets eine gefüllte Flasche Feuerwhisky darin verstaut war und nahm die Flasche heraus. Den letzten Schritt aufeinander zu - das Du - hatten sie erreicht, als sie sich im Wohnzimmer betrunken hatten und wenn es sein musste, dann war Hermine bereit sich für das Gute im Generellen - und in Snape im Speziellen - zu betrinken.
Sie stapfte durch das Wohnzimmer und klopfte laut an die Labortür.
„Nein“ tönte es von innen heraus, aber Hermine ignorierte seine Worte und trat ein.
„Warum klopfst du überhaupt?“ fragte Snape, der an seinem Schreibtisch saß ohne aufzublicken. Hermine ignorierte auch das, beschwor einen Stuhl aus dem nichts herauf und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch.
„Was willst du?“ schnarrte er sie an, endlich von seinen Unterlagen aufblickend. Sein Blick wanderte zu der Flasche, die sie auf den Tisch stellte. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs ließ sie noch zwei Gläser erscheinen und schenkte wortlos ein.
„Reden“ erwiderte sie knapp und nahm sich ein Glas. Anscheinend hatte sie es tatsächlich geschafft Snape zu überraschen, seine hochgezogene Augenbraue jedenfalls zeugte davon.
„Ich bin nicht der richtige für Small Talk“ erwiderte er kühl, Hermine winkte ab.
„Aber immer noch gesprächiger als die Kaffeetasse“ erwiderte sie sorglos und nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas. Wenn sie Snape nicht mit Wiederworten schlagen konnte, dann vielleicht mit Ignoranz - was schon sehr slytherin war, wie sie sich dachte. Sie unterdrückte ein Husten, der Whisky ran ihre Kehle hinunter und hinterließ ein scharfes Brennen. Um einen weiteren Schluck zu schaffen musste sie sich daran erinnern, dass sie hier etwas für ihr Weltbild tat.
„Außerdem macht man das doch so in Wohngemeinschaften, oder nicht?“ frage sie und war überrascht als tatsächlich der Anflug eine Grinsens über Snapes Gesicht huschte. Er erwiderte nichts, stattdessen trank er sein Glas in wenigen Schlucken leer.
„Ich bin wahrlich nicht die richtige Trinkgesellschaft“ murmelte er, während er sich ein weiteres Glas auf schenkte.
„Aber auch hier sind eindeutige Vorteile gegenüber der Kaffeetasse zu erkennen“ erwiderte Hermine während sie ihm dabei zusah, wie er auch ihr Glas ein weiteres Mal füllte. Sie achtete nicht auf den Unsinn, den sie redete. Alles was sie wollte war Snape so betrunken zu machen, dass sie es wagen konnte, Themen anzuschneiden für die er sie sonst nur wieder seines Labors verwiesen oder einen Snapetypischen Wutanfall bekommen hätte. Allerdings, wenn sie sich ihren eigenen Zustand nach diesem zweiten Glas so besah, musste sie darauf hoffen, dass sie dann überhaupt noch im Stande dazu war. Sie entschied, dass sie es einfach gleich wagen sollte.
„Liebst du sie immer noch?“ fragte sie, gerade heraus. Unter dem Tisch in ihrem Schoß lag ihr Zauberstab bereit - nur für den Fall. Snape stellte sein Glas mit einer Wucht auf den Tisch, dass ein wenig von seinem Inhalt überschwappte.
„Habe ich mich vorhin nicht deutlich genug ausgedrückt?“ fragte er barsch.
„Selbst wenn du es nicht mehr tust - du hast sie einmal geliebt. Und ich glaube kaum, dass schlechte Menschen lieben können“ erwiderte Hermine, ins Blaue hinein redend, und schenkte sich und ihn ein weiteres Glas ein.
„Es reicht“ Snapes Stimme war nicht mehr laut sondern klang nun gelassener, ruhiger. Sie wusste nicht, was schlimmer war.
„Es ist einfacher ein schlechter Mensch zu sein, nicht wahr?“ fragte Hermine und nahm einen weiteren Schluck von dem Whisky. Snape erhob sich so rasch, dass der Schreibtisch gefährlich wackelte. Er stand, mit erhobenem Zauberstab über Hermine und funkelte sie beängstigend ehrlich an. Sie blieb sitzen, zwang sich selbst zur Gelassenheit. Wenn sie Snape irgendwie schlagen konnte, dann mit Ruhe.
„Ich habe keine Angst vor dir“ erwiderte sie kühl - sie war sich sicher, dass er diese Halbwahrheit nicht durchschauen würde, nicht in seiner Gemütsverfassung. Einen Moment lang starrten sie sich an und schließlich war es Snape der ihrem Blick auswich und sich wieder auf seinen Stuhl fallen ließ. Kapitulierend, wie sie glaubte.
„Das solltest du aber.“ murmelte er, ein weiterer Schluck folgte. Hermine schwieg, nicht wissend, was sie darauf antworten sollte. Gott sei Dank hatten sie den Whisky, der sie nicht tatenlos da sitzen ließ. Snape trank sein nächstes Glas leer, während Hermine noch mit dem letzten zu kämpfen hatte.
„Du verstehst nichts vom Bösen“ murmelte er irgendwann „du kannst dich glücklich schätzen noch an das Gute zu glauben. Ich kann es nicht mehr und irgendwann wird dir das Leben diesen Glauben nehmen“ sagte er leise, auf den Boden des Glases in seiner Hand starrend.
„Nicht wenn ich ihn mir nicht nehmen lasse“ erwiderte Hermine langsam, einen weiteren Schluck hinunter würgend. Je mehr sie davon trank, desto mehr gewöhnte sich ihr Mund an den scharfen Geschmack. Trotzdem trieb ihr der Alkohol die Tränen in die Augen.
„Wie kannst du das sagen?“ fragte Snape, aufgebracht und laut „sieh dir Malfoy an! Sie dir Draco an! Er ist noch ein Kind und doch bereit, kaltblütig zu töten, Menschenleben sind ihm egal. Denkst du in ihnen steckt noch etwas Gutes? Das ist kindisch“
„Sie haben ihre Chance vielleicht verspielt. Du hast es nicht.“ Snape starrte sie an, sein Gesichtsausdruck war unlesbar. Er erwiderte nichts.
„Ich habe dir schon gesagt, dass dich diese Ansicht nicht weit bringen wird.“
„Das ist mir egal. Selbst wenn mir irgendwann irgendetwas meinen Glauben nimmt - du wirst es hier und heute nicht tun“ Hermine schenkte nach. Langsam spürte sie die Wirkung des Whiskys, ihr Glieder wurden schwer und der Raum um sie herum schummrig.
„Da bin ich also genauso machtlos wie die Kaffeetasse - ausheulen kannst du dich dann bei ihr“ bei diesen Worten, die so Snape untypisch waren, konnte sich Hermine ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. Die nächsten Schlucke trank sie, als ob es Wasser wäre. Vielleicht war das hier wieder ein kleiner Sieg, den sie zu den anderen dazu zählen konnte. Eine ganze Weile lang, die beiden viel kürzer schien als sie es eigentlich war, tranken sie schweigend, jeder seinen eigenen Gedanken nachgehend. Irgendwann brach Hermine das Schweigen - seltsamerweise nicht weil sie die Stille nicht ertrug, sondern weil sie diese Frage ausgesprochen haben wollte.
„Wirst du mir Okklumentik trotzdem beibringen?“ Snape sah auf, ihre Stimme schien ihn aus Überlegungen zu reisen, von denen man sich nicht so schnell lösen konnte. Vielleicht war es aber auch einfach nur der Whisky, von dem sie viel zu schnell viel zu viel getrunken hatten. Hermines auch so schon verschwommene Gedanken befassten sich nicht weiter damit.
„Wenn du es schaffst mir wenigstens Weasleys Tollpatschigkeiten zu ersparen - vielleicht“ erwiderte er kühl. Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. An diese eine verfängliche Szene im Raum der Wünsche hatte sie gar nicht mehr gedacht, viel zu sehr war sie mit anderen Gedanken beschäftigt gewesen. Das Snape diesen misslungenen Versuch ihres ersten Mals nun ebenfalls in seinem Kopf hervorrufen konnte passte ihr gar nicht.
„Es wäre mir ganz Recht, wenn du das vergessen könntest“ murmelte sie halblaut. Snape entsprang ein kehliges Brummen, dass wohl seine Art war, aufzu?achen.
„Mir auch, glaub mir.“ Danach schwiegen sie wieder eine Weile und Bilder, an die sie schon lange nicht mehr gedacht hatte, machten sich in ihrem Kopf breit. Ron … es war ein paar Tage nach der großen Schlacht gewesen, er hatte sie in den Raum der Wünsche gebracht und hatte alles, für seine Verhältnisse, unglaublich romantisch werden lassen. Doch sie war noch nicht bereit gewesen und er hatte es ihr nicht verübelt - sie hatten es von da an langsam angehen lassen wollen und von dem Moment an war ihre Beziehung wohl zum Scheitern verurteilt gewesen. Hermine fragte sich, in den schummrigen Licht von Snapes Labor, ein Glas seines besten Feuerwhiskys in der Hand, ob sie vielleicht damals schon gewusst hatte, dass Ron nicht der Richtige war.
„Ich muss sagen, dass mich dein … deine Erinnerung mit Weasley überrascht hat“ Snapes Worte überraschten nun wiederum sie - wollte er jetzt tatsächlich ihr Liebesleben diskutieren? Sie besah sich die Flasche, die sie beide bereits mehr als zur Hälfte geleert hatten. Was Alkohol doch anrichten konnte. Ehe sie etwas erwidern konnte, fuhr Snape fort „ich dachte immer, du seist eher Potter … zugeneigt“ Hermine prustete bei dem Gedanken. Er sah sie, mit der obligatorisch nach oben gezogenen Augenbraue, an.
„Tut mir Leid, die Vorstellung …“ murmelte sie den Kopf schüttelnd „Harry war immer nur ein guter Freund - und Ron auch“ den letzten Satz fügte sie leiser dazu. Es war das erste Mal dass sie vor irgendjemanden aussprach, dass ihre Gefühle für Ron nicht mehr vorhanden waren.
„Dann hast du aber eine seltsame Weise, deiner Freundschaft Ausdruck zu verleihen“ meinte Snape knapp und trank auch dieses Glas in einem Zug leer. Hermine musste wieder kurz auflachen.
„Jugendliche Verwirrtheit, denke ich mir. Voldemort war tot - irgendwie muss man seiner Freude doch Ausdruck verleihen“ sie fragte sich, was sie hier eigentlich daher redete und schwor sich, dass dieses ihr letztes Glas sein würde - auch wenn sie in Snape nicht den durch und durch schlechten Mann sah, denn er ihr zeigen wollte, so musste sie ihm doch nicht ihr Liebesleben unterbreiten.
„Weasley hat sich sicher nicht so sehr gefreut“ wand Snape, schelmisch grinsend ein. Hermine wusste nicht, ob sie ihren Augen trauen konnte - dass er zu solchen Gesichtsausdrücken fähig war hätte sie nicht gedacht.
„Ich denke ich sollte gehen - bevor dieses Gespräch weiter ausartet“ murmelte sie, leerte das letzte Glas und erhob sich. Sie schwankte - hatte sie sich im Sitzen bereits betrunken gefühlt so verlor sie jetzt im Stehen einen Augenblick lang völlig die Kontrolle über ihren Körper. Ein Glas viel klirrend zu Boden und zersprang in tausend Teile - sie wusste nicht, wie es zugegangen war, doch Snapes Blick sagte ihr, dass es ihr Verschulden gewesen war. Mit einem Wink seines Zauberstabs fügten sich die Scherben wieder zu einem Ganzen zusammen.
„Ich bringe dich besser nach oben - es wäre zu ironisch, wenn du einem Sturz von der Treppe erliegen würdest“ murmelte er und einen Moment lang glaubte sie, dass der Alkohol an ihm keine Spuren hinterlassen hatte. Nur sein etwas glasiger Blick verriet, dass er an der beinahe leeren Flasche auf dem Tisch nicht unschuldig gewesen war. Hermine nickte nur und wandte sich um, tatsächlich fielen ihr bereits die geraden Schritte schwer. Und trotzdem, sie hatte Recht behalten. Wenn man Snape alkoholisierte, dann war er zwar immer noch nicht umgänglich, aber auf jeden Fall gesprächiger.
Die Treppe schien endlos und als sie endlich oben angekommen waren wandte sie sich noch einmal zu Snape um. Er war so dicht hinter ihr gegangen, dass sie nun mit ihm zusammen stieß. Sie trat einen schwankenden Schritt zurück und versuchte sich daran zu erinnern, was sie ihm hatte sagen wollen, doch es fiel ihr nicht mehr ein. Sie folgte seinem Blick und erkannte, sogar so betrunken wie sie war, dass er sie von oben bis unten musterte.
Und dann kam es einfach so, dass Severus Snape an diesem Dienstagabend im August, im Halbdunkeln des Korridors, einen Schritt auf Hermine Granger zu machte - in so vielerlei Hinsichten, dass es unmöglich war, eine auszusuchen. Es lag nur eine einzige Frage im Raum, die auf eine Antwort wartete und Hermine gab sie, ohne es zu wirklich zu verstehen. Vielleicht war es der Alkohol, vielleicht war es der Drang in ihr daran festzuhalten, dass er kein durchwegs schlechter Mensch war. Vielleicht war es auch einfach nur die Einsamkeit, die sie in den letzten Wochen zermürbt und den Wunsch nach Nähe, egal welcher Art, in ihr geweckt hatten. Sie würde Stunden damit zubringen, darüber nachzudenken, doch in diesem Moment verschwendete sie keinen einzigen Gedanken daran, hörte auf die lautere der beiden Stimmen in ihr und wich einfach nicht zurück.


---
Na? ;)


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