
von FreyaLi
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Hallo!
Hat mal wieder länger gedauert - tut mir Leid! Und noch dazu ist es ein wohl wenig spannendes Übergangskapitel, aber leider müssen die nun auch mal sein - ich hoffe, es gefällt euch trotzdem!
LG
F.L.
@*Lillian*: Hallo und danke für dein Review! Ja, ich war selbst ganz schön erleichtert ;) heute passiert zwar noch nicht so viel, aber es geht noch spannend weiter - versprochen!
@Chellie: Hallo, danke für dein tolles Review und dein Lob! Mir ist ja selbst ein Stein vom Herzen gefallen, als Malfoy endlich tot war - fiel mir gar nicht schwer, ihn sterben zu lassen :) was Harry so zu sagen hat, erfährst du in diesem Chap und wie es mit den beiden weiter geht … mmh … es geht auf jeden Fall weiter, aber dafür werde ich noch ein paar Kapitel brauchen ;) wünsche dir auf jeden Fall mit dem heutigen viel Spaß!
@Karla: Danke für dein Review! Snape als verkrachtes Sensibelchen - da musste ich echt Lachen! Jetzt gehen die beiden aber fürs erste Mal getrennte Wege, wenigstens für ein paar Kapitel ;) und keine Sorge: Ron ist wohl auf - er war nur nicht so wichtig für mich :) Ich hoffe, das heutige Chap gefällt dir!
@Kate Femming: Hallo und danke für dein Review! Dann hatte das Urlaubsende wenigstens ein bisschen was Gutes ;) Ich hoffe, das neue Chap gefällt dir auch!
@Suschi: Hey und danke für dein Review! Du hast Recht, jetzt kommt erst einmal ein Aufklärungs- und Zwischenkapitel, aber es dauert nicht lange, bis die beiden wieder aufeinander treffen!
Als Hermine in das Gästebett im Grimmauldplatz Nr. 12 fiel kam es ihr so vor, als hätte sie seit Jahren nicht mehr geschlafen und hätte nun endlich, endlich die Möglichkeit dazu. Ihr Körper und ihre Gedanken, jede Faser in ihr schrie nach Schlaf - nach Schlaf und Zeit und Vergessen.
Sie hatte sich noch verarzten lassen, direkt an der Stelle, an der Harry auf sie zu getreten war - auf keinen Fall hätte sie mehr die Kraft gefunden, irgendwo hin zu gehen. Ron und Ginny - wo auch immer sie her gekommen war - hatten sie mit Fragen bestürmt, doch sie hatte sie nicht beantworten können. Wie, bei Merlin, hätte sie die letzten Wochen in Worte fassen können, gerade jetzt, wo sie nicht einmal hätte auf eigenen Beinen stehen? Einzig die Frage, wo sie denn gewesen war, hatte sie mit „bei Snape“ beantworten können. Und dann hatte sie sie einfach nur gebeten, ein Bett für sie zu finden, irgendeines, egal wo und egal wem es gehörte; Hauptsache, sie dürfte es haben, am besten für die nächsten zwei Tage.
Sie hatte ihn am Rande sitzen sehen, wie er vor sich hin starrte, sich widerwillig verarzten ließ. Wie Daria auf ihn zu kam, völlig unversehrt, und er sie barsch weg geschickt hatte, genauso wie alle anderen. Selbst wenn sie dazu imstande gewesen wäre, Hermine wäre nicht aufgestanden um zu ihm zu gehen. Was hätte es denn noch zu sagen gegeben? Es war längst alles ausgesprochen. Vielleicht hätte sie ihm danken sollen, aber dazu war sie zu stolz. So seltsam es auch war, nach all dem Erlebten, sie konnte in diesem Moment nichts mit diesem Mann anfangen, den sie wohl nie würde einordnen können. Sie wollte einfach nur schlafen, schlafen und vergessen. Für kurze Zeit schaffte sie sogar sich einzureden, dass Vergessen eine Option war.
Als sie erwachte, war es dunkel. Ob schon wieder oder immer noch vermochte sie nicht zu sagen, doch es war ihr egal. In den letzten Wochen hatten Tag und Nacht ihre Wichtigkeit verloren und sie sah keinen Grund, sie ihnen nun wieder zu geben. Sie fühlte sich immer noch abgeschlagen, aber doch nicht müde genug um sich zur Seite zu drehen und weiter zu schlafen. Außerdem würden ihre Freunde eine Erklärung wollen und es war besser, ihre Fragen so bald wie möglich aus der Welt zu schaffen.
Sie griff nach einem Stück Stoff neben dem Bett, einer von Ginnys Morgenmänteln. Lächelnd über die Voraussicht ihrer Freundin streifte sie sich ihn über und verließ das Zimmer.
Im schummrigen Halbdunkeln des Flurs hörte sie leise Stimmen aus der Küche, gedämpft, offenbar bedacht darauf, sie nicht zu wecken. Sie kam nicht umhin, zu lächeln. Es fühlte sich sonderbar an - sie war schlichtweg nicht mehr daran gewöhnt. Ein letztes Mal tief einatmend trat sie vor die Küchentür und öffnete sie, augenblicklich verstummten alle und blickten sie an. Es fühlte sich genauso an wie früher - ein Früher, das heute beinahe wie ein Märchen schien - als sie und ihre Freunde eines ihrer Abenteuer beendet hatten. Danach war immer Ruhe eingekehrt und das Beisammensein und Reden war wieder zu einem der wertvollsten Dinge geworden. Nur dass sie dieses Mal allein - beinahe allein - ein Abenteuer bestritten hatte und nun zurück gekehrt war. Ginny erhob sich rasch vom Tisch und schloss sie wortlos in die Arme. Sie war nicht auf der Lichtung gewesen, jedenfalls hatte Hermine sie nicht gesehen. Die leichte Wölbung ihres Bauches ließ sie vermuten weshalb, doch hier und jetzt würde sie nicht danach fragen.
Sie setzte sich zu Harry und Ron, die sie immer noch schweigend ansahen, während Ginny ihr eine Tasse Tee hinstellte. Ron starrte sie an, als könne er immer noch nicht wirklich glauben, dass sie hier war. Harry hingegen wirkte nachdenklich, musterte sie eingehend, als würde er irgendetwas suchen, aber nicht finden können.
„Na los“ sagte Hermine, schief lächelnd und nippte an ihrem Tee.
„Vielleicht solltest du damit beginnen, wie es kommt, dass du hier sitzt - obwohl wir alle auf deiner Beerdigung waren“ sagte Ginny vorsichtig und setzte sich wieder zu Harry, nebenbei eine dampfende Kanne Tee auf den Tisch stellend. Hermine nickte bedächtig.
Sie atmete einmal tief durch, dann begann sie damit, wie sie ihn Malfoys Kerkern aufgewacht war, erzählte, wie sie zu Snape gekommen war, wie er ihr von seinem Überleben und seiner Farce erzählt hatte. Sie erzählte von den Unterrichtsstunden - bis auf einige, die sie weg lies - davon, wie sie erfahren hatte, was Malfoy mit ihr vor hatte und wie sie sich dazu entschieden hatte, dort zu bleiben anstatt zurück zu kehren und endete schließlich mit jenem Abend, an dem Malfoy durch Snapes Hand gestorben war. Ihre gemeinsame Nacht mit Snape ließ sie freilich weg, genauso wie die tausend verschiedenen Gefühle, die sie inzwischen hegte. Sie musste sich am Riemen reisen die letzten Woche zu schildern und dabei ihre Emotionen beiseite zu schieben. Doch selbst wenn diese drei hier ihre besten Freunde waren - würden sie jemals verstehen können, wenn sie es ihnen erzählte?
„Du meinst also, Snape hat die entführt?“ schließlich war es Ron, der die Stille durchbrach, natürlich mit einer absolut typischen Frage.
„Er hat es nur getan, um seine Farce aufrecht zu erhalten Ron“ erwiderte sie ruhig, Severus automatisch verteidigend. Es kam ihr falsch vor, diesen Mann in Schutz zu nehmen, der sie so gedemütigt hatte - und doch musste sie es einfach tun. Es war ihre eigene Naivität gewesen, die sie erst in diese Situation gebracht hatte.
„Es war sicherlich trotzdem nicht unbedingt ein Spaß, mit ihm zusammen zu leben“ warf Ginny ein worauf hin Hermine ein leichtes Auflachen entwich.
„Das war es nicht, nein“ antwortete sie überzeugt „wisst ihr, wo er jetzt ist?“ fügte sie noch vorsichtig hinzu, ehe weitere Fragen zu ihrer erzwungenen Wohngemeinschaft mit Snape aufkommen würden. Sie war sich nicht sicher, ob diese Frage schon zu weit ging, aber anscheinend fanden ihre Freunde es absolut natürlich, dass sie das wissen wollte.
„In Hogwarts, wenn auch nicht ganz nach seinem Willen. Minerva befand, dass er nicht allein gelassen werden sollte … “ erklärte Harry „jedenfalls nicht bis zu seinem Prozess.“
„Prozess?“ fragte Hermine verwirrt. Was wurde ihm den vorgeworfen? Harry nickte.
„Er hat sich immer noch für seine Zeit als Todesser zu verantworten. Es steht natürlich außer Frage, dass er frei gesprochen wird - mit den Erinnerungen die er mir gegeben hat und deiner Aussage. Es ist eine reine Formsache, dann ist er ein freier Mann“ Hermine nickte bedächtig. Ein freier Mann. Ob Snape damit etwas anfangen konnte? Sie zwang sich erneut, nicht über ihn nachzudenken. Er hatte ihr gut genug zu verstehen gegeben, dass er nichts von ihr wissen wolle, sich einen Dreck um sie scherte - und trotzdem hatte er nicht nur wiederholt ihr Leben gerettet, er hatte sie auch davor bewahrt, eine Schuld auf sich zu nehmen, die sie vielleicht nie hätte bewältigen können; und sie stattdessen sich selbst aufgeladen. Ob für ihn ein weiterer Mord überhaupt noch zählte?
„Wissen es meine Eltern schon?“ fragte sie in die Stille hinein, die niemand der anderen durchbrechen wollte und versuchte damit, die Gedanken an Snape zu verbannen. Sie würde sich daran gewöhnen müssen dies zu tun. Sie hatte ihm zeigen wollen, dass er nicht durch und durch schlecht war und auch wenn sie immer noch davon überzeugt war: er war es nicht. Er würde irgendwie weiterleben, genauso wie sie. Und sie würden, soviel wusste sie bestimmt, nichts mehr miteinander zu tun haben. Was wollte sie denn noch von einem Mann, der sie so offensichtlich weg gestoßen hatten? Sie war froh, dass Ginny zu sprechen begann - sonst hätte sie tatsächlich über die Frage, die sie sich gerade selbst gestellt hatte, nachdenken müssen.
„Ja. Sie werden morgen früh hier sein - wir wussten nicht, bis wann du wieder fit sein würdest. Sie sind, gelinde gesagt, ziemlich aus dem Häuschen“ Ginny grinste schief, ganz so, als wäre es ihnen allen anders gegangen. Der Schock, Hermine lebend wieder zu sehen, saß in allen noch so tief, dass sie es wohl noch nicht wirklich begreifen konnten. Wie denn auch - sie verstand ja selbst kaum, dass sie am Leben war.
„Dann werde ich mich, wenn es euch nichts ausmacht, noch einmal hinlegen“ sagte sie leise und erhob sich „es kommt mir so vor, als hätte ich den Schlaf von zwei Jahren nach zu holen“. Ginny erhob sich gleich und umarmte sie abermals.
„Ich bin wirklich wirklich froh, dass du noch da bist“ sagte sie leise und Hermine konnte nicht anders, als eine kleine Träne zu verdrücken. Es war unbeschreiblich, wieder hier zu sein. Wieder am Leben zu sein. Sie wünschte Harry und Ron noch eine gute Nacht, dann machte sie sich wieder auf den Weg in ihr Zimmer, hoffend, dass dieser Schlaf wieder so traumlos wie der vorherige werden würde.
Sie hatte kaum die Schlafzimmertür hinter sich geschlossen und war aufs Bett zu getreten, als es schon daran klopfte. Sie hoffe inständig, dass es nicht Ron war. Mit seinen Gefühlen wollte sie sich im Moment nicht auch noch rum schlagen müssen, die ihren waren ihr schon zu viel. Doch er war es nicht, der in der Tür stand, sondern Harry.
„Kann ich noch kurz rein kommen?“ fragte er und Hermine ließ ihn an sich vorbei ins Zimmer treten. Bei jedem seiner Worte schien ihr, als wäre er in der kurzen Zeit, die sie nicht hier gewesen wäre, um Jahre erwachsener geworden. Seine ganze Art war irgendwie besonnener und ruhiger, sie fragte sich kurz, ob das etwas mit ihrem vermeintlichen Tod zu tun gehabt hatte. Er ließ sich auf die Bettkante fallen und betrachtete sie eingehend.
„Was ist den los?“ fragte sie, obwohl sie schon eine dunkle Befürchtung hatte, was er wollte.
„Ich dachte, es gibt vielleicht noch etwas, was du nicht erzählen wolltest - vor Ron“ sagte er und Hermine stellte fest, dass sie genau richtig gelegen hatte. Doch woher konnte er das wissen?
„Wir sind nicht zusammen, Harry. Ich bin ihm nichts schuldig“ sagte sie leise und setzte sich neben ihn aufs Bett.
„Ich weiß, das habe ich auch nicht gesagt. Ich weiß aber auch, dass du zu viel Taktgefühl hast, um irgendetwas anzudeuten, was ihn verletzen könnte. Und außerdem weiß ich, dass zwischen dir und Snape irgendetwas vor gefallen ist, was du uns noch nicht gesagt hast.“
„Du weißt aber eine ganze Menge Dinge“ murmelte Hermine in sich hinein. Harry hielt ihrem Blick stand.
„Ich bin ein schlauer Bursche. Was auch immer es gewesen ist, du kannst es mir sagen. Wenn er irgendetwas getan hat …“
„Er hat nichts getan, Harry“
„Na gut, wenn irgendetwas zwischen euch … passiert ist … es …“
„Ich habe mit ihm geschlafen. Ich habe mit Severus Snape geschlafen“ sagte sie hastig, erschrocken darüber, die Worte von sich selbst ausgesprochen zu hören - gerade Harry gegenüber - und erleichtert, es endlich getan zu haben. Es machte die ganze Sache erschreckend real und sie wunderte sich, warum sie sich gerade für diese Worte entschieden hatte. Aber vermutlich war die Vorstellung, mit Severus geschlafen zu haben immer noch weniger bedrohlich für sie, als etwas für ihn zu fühlen, von dem sie immer noch nicht wusste, was es genau war.
„Das habe ich mir schon gedacht“ antwortete Harry, was Hermine noch perplexer werden ließ. Wenn nicht einmal sie selbst es Recht glauben konnte, woher bei Merlin wusste dann er es?
„Ich habe ihn mit einer Frau reden hören … Daria, glaube ich. Sie sprachen davon.“ Hermine wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. Dieses Gespräch hier machte die Tatsache, dass es tatsächlich so gewesen war, erschreckend real. Nun, wo es Harry ebenfalls wusste, konnte sie es kaum mehr vergessen oder leugnen. Und obwohl er sie zurück gewiesen hatte, obwohl er ihr so verständlich gemacht hatte, dass er es nur aus Egoismus getan hatte und sich rein gar nichts aus ihr machte, obwohl er ihr so deutlich zu verstehen gegeben hatte, was für ein Mensch er war - empfand sie etwas für ihn. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, schluchzte hemmungslos und ließ sich auf Harrys Schulter fallen. Er strich ihr tröstend über den Rücken.
„Hast du den gar nichts dazu zu sagen?“ fragte sie schließlich, nachdem sie sich die Nase geputzt und sich halbwegs wieder gefangen hatte. Ihr Gegenüber zuckte mit den Schultern.
„Was soll ich denn sagen? Ich verstehe es nicht, ich finde es sogar mehr als merkwürdig, aber ich war nicht in deiner Situation. Ich kenne ihn nicht so, wie du ihn nun vielleicht kennst. Wie soll ich dich da verurteilen?“ seine Worten brachten Hermine dazu, abermals in Tränen auszubrechen. Mit vielem hatte sie gerechnet, aber so viel Verständnis hatte sie nicht erwartet.
„Wann bist du den so erwachsen geworden?“ fragte sie schwesterlich, was Harry ein schiefes Lächeln entlockte.
„Irgendwann zwischen deinem Tod und deiner Auferstehung, denke ich“ er erhob sich, stand für eine Weil etwas verloren im Raum. Hermine bereute es beinahe, ihm die Geschehnisse in Spinners End anvertraut zu haben. Selbst wenn es ihr gut getan hatte, für ihn musste es mehr als verstörend sein.
„Ich lass dich dann mal schlafen“ er zog sie in eine rasche Umarmung, dann verließ er das Zimmer. Hermine atmete auf. Es war so sonderbar, wieder mit ihren Freunden zu sprechen. Als ob sie eine Welt wieder erlangt hätte, die längst verloren geglaubt war. Pläne zu schmieden, die nichts mit Kämpfen und Tod zu tun hatten, sich auf ein Essen im Fuchsbau zu verabreden, sich auf ihre Eltern zu freuen - das alles war so unglaublich, dass sie immer noch an der Wirklichkeit zweifelte. Sie weilte wieder unter den Lebenden. Ruckartig ließ sie sich in das Bett fallen, wissend, dass es keine Gefahr mehr gab, die sie bedrohte. Es war ein Gefühl, dass sie nie in ihrem Leben würde beschreiben können.
Bevor sie die Kerze neben ihrem Bett auslöschte, glitt ihr Blick zur Decke und wie jeden Abend suchte sie automatisch nach den Rissen darin, die sie bis zur endgültigen Ermüdung gezählt hatte. Es dauerte ein paar Sekunden bis ihr klar wurde, dass sie nicht mehr in dem Bett schlief, in dem sie die letzten paar Wochen geschlafen hatte und sie schüttelte den Kopf über ihre eigene Dummheit. Die Decke am Grimmauldplatz war neu und schön, kein einziger Riss hatte sich noch in die Decke gestohlen. Als sie sich zur Seite drehte und den Kopf in der wohlig warmen Bettdecke verbarg, musste sie sich eingestehen, dass sie fehlten.
So - und nächstes Mal? Da seht ihr dann, was Snape so treibt!
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