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Fanfiction

Momente fĂĽr die Spielzeugkiste - Momente für die Spielzeugkiste

von Pigwidgeon

Es war als würde Wind unter ihre Arme greifen und sie mit sich davon tragen. Sie drehte sich so schnell um sich selbst, dass ihr dünnes Sommerkleidchen wie ein Kokon um ihren Körper gewickelt wurde. Fort, nur schnell fort. Weg von allem.
Wie gewohnt kam nun die alles verschlingende Schwärze, legte sich wie ein Mantel um sie, hüllte sie ein. Und ehe sie sich versah wurde die Finsternis dichter und enger, drückte mit aller Gewalt gegen ihren zierlichen Körper und hinderte sie einen kurzen, verstörenden Moment lang am Atmen. Aber ehe sie der Panik verfallen konnte, war es auch schon wieder vorbei. Die Dunkelheit gab sie frei und angenehm warme Abendluft strömte verheißungsvoll in ihre Lungen. Es duftete nach Bäumen und Feldern, nach Blumen und Erde. Ein Geruch, den sie unter tausenden erkannt hätte.

Rose schlug erleichtert die Augen auf und ließ den Blick liebevoll über die vertraute Ansammlung willkürlich übereinandergestapelter Stockwerke schweifen. Aus dem kupferroten Dach des windschiefen Gebäudes schossen vier lange Schornsteine in den Himmel und schienen beinahe die tiefhängenden Schäfchenwolken an den Bäuchen kitzeln zu können. An den kleinen Fenstern, die wie viele neugierige Augen in die Welt starrten, waren Blumenkästen befestigt worden, bepflanzt mit prächtig blühenden Gewächsen in allen Farben und Formen.
Der Garten war wild und ungezähmt wie eh und je. Das saftig grüne Gras kitzelte an den Waden, Gnome tollten im sanften Licht unter den knorrigen Obstbäumen herum und sowohl Blumen als auch Unkraut wucherten unbehelligt in den Beeten neben dem unbefestigten Schotterweg. An der mürben, von Moos bewachsenen Steinmauer, die den Garten umgab, lehnte eine kaputte Schubkarre und vereinzelt lugten alte Gummistiefel und heruntergefallene Dachpfannen unter den Büschen hervor. Vergnügtes Vogelgezwitscher erfüllte die Luft, im nahen Teich quakten die Frösche und irgendwo hinter dem Schuppen hörte man die Hühner leise gackern.
Niemand war Zuhause, das wusste sie und doch wirkte das Haus so lebendig als würde im Inneren ein großes Fest gefeiert werden. Sie war allein und trotzdem fühlte sie sich nicht einsam. Es war genau die Art von Frieden, die Rose gesucht hatte, die sie bitter nötig hatte.

Rose ging mit langsamen, beherrschten Schritten auf die Eingangstür zu, Kies knirschte unter ihren Füßen. Immer weitergehen, ermahnte sie sich. Bloß nicht nachdenken, immer nur weitergehen. Nicht zusammenbrechen - noch nicht.

Die Stufen, die hinauf auf die Veranda führten, knarrten leise unter ihrem Gewicht. Auf dem polierten Holzschildchen neben der Tür stand in roten etwas krakeligen Druckbuchstaben Fuchsbau geschrieben. Lächelnd strich Rose mit der Hand über das glatte Holz.

Nach einem kurzen Kramen in ihrer Handtasche zog sie einen kleinen, silbernen Schlüssel hervor und schloss die Tür auf, die ihr leise quietschend Einlass gewährte. Rose trat bedächtig in die gemütliche, etwas gedrängte Küche ein, die trotz des langen Esstisches, der vielen wahllos darum verteilten Stühle, des offenen, rußbefleckten Kamins und der Vielzahl an Küchengeräten sonderbar leer wirkte ohne einen anderen Weasley. Die Wände waren mit gerahmten Fotos übersät, von denen lächelnd und lachend ihre Familienmitglieder auf Rose herabsahen, nichtsahnend und so unbekümmert und sorglos, dass Rose den Blick abwenden musste. Der Kühlschrank war über und über mit selbstgemalten Bildern der Kinder zugeklebt und auf dem Kaminsims stapelten sich gebastelte Geschenke. Wie viele Nachmittage hatte sie in dieser Küche verbracht und ihrer Grandma beim Kochen und Backen geholfen. Wie oft war sie morgens hungrig die Treppe hinunter gestürmt und hatte sich mit ihren Cousins um die Marshmallows in den Frühstücksflocken gestritten. Manchmal hatte sie sich auch einfach an den langen Esstisch gesetzt und gelesen, während die anderen geschäftig um sie herum gewuselt waren.
Weitergehen, immer weitergehen, drängte sie sich selbst.

Eilig verließ sie die Küche und trat hinaus auf den kleinen, dunklen Flur. Von dort ging es weiter die Treppe hinauf, die sich im Zickzack durch die Stockwerke schlängelte. In der zweiten Etage hielt sie inne, überlegte kurz und lief dann zielstrebig auf eine kleine unscheinbare Tür am Ende des Gangs zu. Eine Hand bereits auf der Türklinge verharrte sie einige Augenblicke, dachte nach, sammelte sich für das, was sie hinter dieser Tür erwartete.
Sie schloss die Augen, holte im Geiste tief Luft und drückte ruckartig die Klinge nach unten, fast zeitgleich schaltete sie im Inneren des Raumes das Licht an. Die Augen noch immer fest geschlossen trat sie ein und zog die Tür geräuschlos hinter sich zu. Erst dann öffnete sie die Augen.

Pappkattons, vollgestopft mit Weihnachtsdekoration und Lichterketten, stapelten sich in einer Ecke des kleinen, quadratischen Raums. Die Regale, die an den Wänden angebracht worden waren, bogen sich unter alten, zerlesenen Kinderbüchern, Gesellschaftsspielen und Ordnern, die vor bunten, selbstgemalten Bildern und fantasievollen Basteleien nur so überquollen. Kisten in allen erdenklichen Größen und Farben voller Rennautos, Spielzeugfiguren, Puppenkleidung, Bauklötzen und anderem einst geliebten Spielzeug häuften sich an allen Seiten des Zimmers zu wackligen Türmchen auf. Auf dem höchstgelegenen Regal konnte Rose das alte Puppenhaus von Lilli ausmachen, mit dem sich ihre Cousine früher stundenlang hatte beschäftigen können und in einer Ecke, halb verborgen hinter einem prall gefüllten Sack mit Kuscheltieren und Puppen, entdeckte Rose ihren Puppenwagen, in dem sie ihre Lieblingspuppe einst Tag ein Tag aus im Dorf spazieren gefahren hatte. James halb zerfetzter Lenkdrache, der von der eigenen Schnur wirr umwickelt auf einer Kiste thronte; Albus´ selbst zusammengebastelte Modellflugzeuge, akkurat auf einem relativ leeren Regalabschnitt aufgereiht; Hugos heiß geliebte Ritterburg und Teddys erste eigene Digitalkamera, mit der er seine Leidenschaft für die Fotographie entwickelt hatte - Jedes noch so kleine, unscheinbare Spielzeug hatte seine eigene Geschichte. Erinnerungen strömten haltlos auf Rose ein, prasselten auf sie nieder wie Regen und Rose ließ sich mitreißen, ließ sich einen Moment lang treiben.

Es war ungewöhnlich welche Faszination dieser Raum auch heute noch in ihr weckte.
Sie rief sich ins Gedächtnis, wie sie die winzige Kammer vor zwei Jahren auf der Suche nach der Weihnachtsdekoration entdeckt hatte, wie sie mit großen Augen in der Tür gestanden und unfähig gewesen war den Blick abzuwenden. Als sie ihre Großeltern wenig später nach dem Raum gefragt hatte, hatten beide gelächelt und einen vielsagenden Blick getauscht. Rose erinnerte sich an die Worte ihrer Grandma als wäre es gestern gewesen.
Wir haben alles aufgehoben, meine Liebe, jedes Stofftier, jedes Buch und jeden Baustein und wir werden auch keinen noch so keinen Schnipsel davon wegwerfen. Wir heben alles auf und verwahren es sicher, denn eines schönen Tages wirst auch du Kinder haben, die sich dann über euer altes Spielzeug genauso freuen, wie ihr es immer getan habt.

… denn eines schönen Tages wirst auch du Kinder haben…
Der Sinn dieser Worte traf sie hart wie eine Faust in den Magen, ihre Knie gaben nach und sie rutschte langsam an der Tür hinab auf den kalten Fußboden. All die angestauten Gefühle brachen mit Gewalt durch die Mauern, die sie um sich errichtet hatte und schwabbten wie eine Welle über sie hinweg, rissen sie mit und begruben sie unter sich.
Rose umschlang die Beine haltsuchend mit den Armen und ließ den Kopf hilflos auf die Knie sinken. Heiße Tränen sammelten sich schwer und feucht in ihren Augen, quollen über und flossen in dünnen Rinnsalen ihre Wangen hinab. Ein merkwürdiges Wimmern entwich ihren Lippen.

Unvorstellbar, dass sie vor einer Stunde noch glücklich gewesen war. Alles kam ihr so unwirklich vor. Die ganze Situation war völlig absurd, der größte Schwachsinn den sie je gehört hatte. Wenn sie nicht genau gewusst hätte, dass es Wirklichkeit war, dass sie wirklich untröstlich schluchzend auf dem Boden der Abstellkammer hockte, hätte sie sicher geglaubt, sie würde träumen. Aber es musste Wirklichkeit sein, denn sie spürte den Boden hart und kalt durch den dünnen Stoff ihres Kleides und die Tränen hinterließen heiße Schlieren auf ihrem kalten, blassen Gesicht. In ihrem Kopf hörte sie leise das Blut rauschen, während sich Träne um Träne über ihr Gesicht stahl.

Es war falsch sich zu verstecken, darüber war sich Rose im Klaren. Es war feige und unreif und irgendwie ungerecht, da sie sich eigentlich freuen sollte. Wenn sie die Augen schloss, sah sie noch immer das freudestrahlende Gesicht der Heilerin, die leuchtenden Augen, das breite Lächeln und dann, wie sich ihr Gesichtsausdruck schlagartig veränderte, als ihr bewusst wurde, dass die frohe Botschaft, die sie glaubte zu überbringen, anders aufgenommen wurde, als sie sich ausgemalt hatte. Aufhören, jetzt sofort!, befahl sie ihrem bebenden Körper. Reiß dich zusammen, Rose!

Sie richtete sich auf und wischte sich energisch über das Gesicht, doch der Fluss ihrer Tränen wollte einfach nicht versiegen. Ergeben lehnte sie den Kopf gegen das kühle Holz an ihrem Rücken und schloss erneut die Augen. Fast wie von selbst wanderte ihre Hand zu ihrem Bauch, legte sich vorsichtig und schützend auf die empfindliche Haut.
„Es tut mir leid“, flüsterte sie, die Stimme so zerbrechlich wie Glas.
„Es tut mir leid, dass ich mich nicht über dich freuen kann“
Sie meinte es so, wie sie es sagte. Rose wünschte nichts mehr, als vor Freude Luftsprünge zu machen, auf Tränen des Glücks zu treiben und mit einem so breiten Grinsen durch die Welt zu spazieren, dass alle sich nach ihr umdrehen und resigniert die Köpfe schütteln würden.
Aber die traurige Wahrheit sah anders aus. Sie machte sich so klein wie irgend möglich, versteckte sich vor der Welt, vor sich selbst, vor der Verantwortung und ertrank in Tränen der Verzweiflung. Ihr Gesicht war taub und kalt, sie konnte sich kaum noch daran erinnern, wie sich ein Lächeln anfühlte.
Es war verblüffend wie schnell sich Geborgenheit in Angst verwandeln kann, Mut in Hoffnungslosigkeit, Freude in Kummer.
Sie fühlte sich der Situation nicht annähernd gewachsen.

Sie war doch erst zweiundzwanzig, sie hatte gerade erst alles auf die Reihe bekommen. Sie hatte ihren Abschluss gemacht, die Ausbildung erfolgreich beendet und eine kleine, mäßig bezahlte Stelle im Ministerium ergattert. Das ewige hin und her mit Scorpius hatte endlich sein Ende gefunden und hatte sich in etwas Großes verwandelt, besser als sie je zu träumen gewagt hätte. Vor ein paar Wochen war sie sogar bei ihren Eltern ausgezogen, hatte den entscheidenden Schritt auf ihren Freund zugemacht und wohnte nun mit ihm zusammen in seiner großen, gemütlich eingerichteten Wohnung. Sie führten eine richtige, reife Beziehung.
Sie gaben sich keine peinlichen Kosenamen oder machten sich täglich kleine kitschige Geschenke und natürlich hatten sie auch schlechtere Tage, an denen sie sich noch immer schrecklich gegenseitig auf die Nerven gingen, aber trotzdem - sie waren glücklich.
Sie waren aufrichtig glücklich und das auf eine so natürliche, selbstverständliche Art und Weise, dass es schnell zur Rutine geworden war. Wenn Rose in seinen Armen lag, fühlte sich komplett, als wäre er ein Teil von ihr auf den sie nicht verzichten kann, das letzte fehlende Puzzleteil.

Sie schlug die Augen auf und blinzelte gegen das helle Licht an, glitzernde Staubpartikel schwebten in trügerischer Leichtigkeit durch die Luft. Wie sollte sie das bloß Scorpius erklären?
Sie musste es ihm sagen, soviel war klar. Sie hatten sich geschworen immer offen und ehrlich zueinander zu sein, den anderen mit ein zu beziehen.
Wie würde er wohl auf die Situation reagieren?
Würde er ihr beistehen und das Ruder übernehmen, damit sie sich nicht mehr so schrecklich auf sich allein gestellt und machtlos fühlen musste? Würde er sie küssen vor Freude und ihr überglücklich versichern, dass alle ihre Bedenken unberechtigt waren? Oder - und das, so fand sie, war die wahrscheinlichste Reaktion - würde er flüchten, genau wie sie selbst und sich an die Vergangenheit klammern, voller Furcht vor der ungewissen Zukunft.

Ehrlich gesagt würde sie es verstehen. Sie könnte es verstehen, wenn er sich von ihr abwenden würde. Das alles ging ihr viel zu schnell, zu überstürzt, zu plötzlich. Sie waren erst seit ein paar Monaten fest zusammen und es gab noch so vieles, das sie nicht von ihm wusste. Sie waren zu jung um Eltern zu sein, sie hatten ihr gesamtes Leben noch vor sich.
Aber Merlin, sie hatte solche Angst ihn zu verlieren. Schon allein der Gedanke daran, ließ sie laut und verzweifelt aufschluchzen. Wie sie sollte sie das nur ohne ihn durchstehen?
Sie brauchte ihn, brauchte ihn jetzt mehr als jemals zuvor. Sie brauchte seine Nähe, seine Wärme, das Gefühl, dass sie zusammen alles schaffen und alles ertragen konnten.

Allein würde sie das nicht schaffen. Sie fühlte sich nicht mal ansatzweise wie eine Mutter, sie war doch selbst fast noch ein Kind.
Als kleines Mädchen hatte sie sich einmal hoffnungslos in einem großen Kaufhaus verirrt. Blind vor Tränen war sie durch die Gänge getapert und hatte ihre Mutter einfach nicht finden können.
Sie fühlte sich schmerzlich an die Gefühle von damals zurückerinnert.
Klein, hilflos, allein und vergessen hatte sie sich gefühlt.
Wie sollte sie sich bitteschön um ein Kind kümmern, wenn es ihr manchmal sogar noch schwer viel, sich um sich selbst zu kümmern?

Ein Kind, ein richtiger kleiner Mensch mit Fingernägeln, Wimpern und kleinen Füßchen. Mit einem Mal wurde Rose bewusst, dass sie in diesem Moment das erste Mal wirklich an das Baby dachte.
Nicht an die viele Verantwortung, ihre Ängste oder die Probleme, die die Situation mit sich zog.
Sie hatte den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.
Es war ein komischer Gedanke, dass genau in diesem Moment ein kleines Menschlein in ihrem Bauch heranwuchs, seelenruhig schlief und nichts von der inneren Zerrissenheit seiner Mutter ahnen konnte. Es war merkwürdig, völlig absurd und doch erfüllte sie diese Überlegung mit Stolz. Sie wusste nicht recht, wie sie das neue Gefühl einordnen sollte.

Gedankenverloren strichen ihre Finger über die leichte, kaum merkliche Wölbung ihres Bauches, malten Kreise und zogen zärtlich die Muster auf ihrem Kleid nach. Ihr Baby. Scorpius´ Baby.
Sie fragte sich, ob es ihm wohl ähnlich sehen würde.
Würde es wohl ein Junge werden, oder ein Mädchen?
Ein kleines, zaghaft lächelndes Mädchen mit wundervollen flachsblonden Engelslocken und sanften haselnussbraunen Augen. Ein Junge mit den funkelnden stahlblauen Augen von ihrem Scorpius und den typisch Weasley-roten Haaren, die wirr in alle Richtungen abstanden.
Bilder zogen rasch an ihr vorbei, so farbenfroh, so nah.
Sie selbst Hand in Hand mit Scorpius, er mit einem kleinen vergnügt lachenden Jungen auf der Schulter. Sie beim Einkaufen im Supermarkt, wie sie ein junges Mädchen, das glücklich neben ihr her hüpfe, davon abhalten musste, Hände voll mit Schokoriegeln in den Einkaufswagen zu schaufeln. Sie alle zusammen als Familie in der Winkelgasse, wo sich ihr Sohn, der vor lauter Aufregung kaum stillstehen konnte, den ersten eigenen Besen aussuchen durfte. Ein hübsches, kleines Mädchen, das lächelnd im Schatten eines Baumes in einem Bilderbuch blätterte.
Genauso hatte sie es sich als junges Mädchen immer vorgestellt.
Rose war so überwältigt von den Bildern der Vergangenheit, die sich klammheimlich in Zukunft verwandelten, dass sie nicht merkte wie sie mit dem Weinen aufhörte.

Es waren nur Bilder und doch so viel mehr. Ein Silberstreif am Horizont. Ein kleiner Funken Hoffnung, der ihr verführerisch zuflüsterte, dass alles gut werden würde. Ein rettender Anker, der sie daran hinderte hinaus aufs offene Meer zu treiben. Eine helfende Hand, an die sie sich klammern konnte und die sie vom Fallen abhielt. Es gab da etwas für das es sich zu kämpfen lohnte.
Sie hatte noch immer Angst, fühlte sich immer noch überfordert und winzig in Angesicht der übergroßen Verantwortung, doch sie war nicht länger allein.
„Wir kriegen das hin“, sagte sie leise, sanft. „Zusammen stehen wir das durch“
Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihr Gesicht. Es war verblüffend wie schnell sich Verzweiflung in Hoffnung verwandeln konnte, Furcht in Vorfreude, Einsamkeit in Liebe.

Rose erhob sich so rasch, dass ihr leicht schwindelig wurde und sie sich haltsuchend an den Türrahmen stützen musste. Sie wusste nun, was zu tun war. Sie ließ den Blick ein letztes Mal verträumt durch den über und über mit Erinnerungen vollgestopften Raum schweifen.
Zwischen den vielen Kisten und Kartons gab es noch jede menge Platz, bemerke sie zufrieden und sie freute sich darauf ihn in naher Zukunft selbst mit Erinnerungen zu füllen.
Äußerst widerstrebend schloss sie die Tür hinter sich und ging mit leisen Schritten hinab in die Küche, darauf bedacht die sanfte Ruhe des Hauses nicht zu stören.

Draußen auf der Veranda blieb sie stehen, stützte sich mit den Armen auf die hölzerne Brüstung und blickte in den Himmel, der sich langsam von rosa zu einem zartem Orange verfärbte. Die wenigen Wolkenschafe, die friedlich vom Wind über den abendlichen Himmel getrieben wurden, grasten seelenruhig in dem flammenden Meer aus Farben, das der Sonnenuntergang an den Himmel zauberte.
Es war ein perfekter kleiner Moment.
Ein Moment der in eine Spielzeugkiste gehörte.
Sie würde es Scorpius sagen, gleich wenn sie nach Hause kam. Sie würde es ihm sagen und ihm von den Bildern erzählen. Er würde zuhören, da war sie sich sicher und er würde verstehen. Und wenn er die Bilder nicht sehen könnte, würde sie für ihn sehen. Für sie beide. Für ihre Familie.


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Manchmal nützt es, mich vor all den Leuten lächerlich zu machen, die mich als Autoritätsperson erleben. Auch ich habe nicht auf alles eine Antwort parat, und die Mitarbeiter geben nur ihr Bestes, wenn sie mich nicht für vollkommen halten.
Mike Newell