
von Peeves
Prolog
Ich kann mich noch daran erinnern, als er nach Hogwarts kam.
Er war eindeutig der kleinste in der Reihe der Erstklässler.
Er ist mir sofort aufgefallen.
Denn als der Sprechende Hut ihn nach Slytherin geschickt hat, ist er fürchterlich erschrocken.
Er ist ganz blass geworden und er hat gezittert.
Beim Festmahl hat er sich dann etwas beruhigt, aber ganz so ausgelassen und fröhlich wie die anderen war er nicht.
Nach der Eröffnungsfeier habe ich ihn aus den Augen verloren.
Die Vertrauensschüler haben die Neuen wie jedes Jahr zum Gemeinschaftsraum geführt, während ich mit den Älteren vorrausging. Erschöpft von der langen Reise gingen wir alle sofort in unsere Schlafsäle.
Aber gegen Mitternacht bin ich noch einmal in den verlassenen Gemeinschaftsraum gegangen.
Ich hatte etwas auf einem der Tische vergessen.
Der Raum war vollkommen abgedunkelt und ich dachte ich wäre vollkommen allein.
Doch da hörte ich plötzlich ein Geräusch aus einem der Stühle in der Ecke.
Vorsichtig näherte ich mich und da sah ich den kleinen blonden Jungen wieder.
Er hatte das Gesicht in den Händen vergraben und weinte leise.
Als ich ihn ansprach, fuhr er zusammen.
Für einen Moment war ihm das Weinen vergangen.
Ich glaube ich habe ihn damals ziemlich grob angefahren, damit er endlich mit dieser Heulerei aufhörte.
Doch er stammelte nur irgendetwas von seinem Vater, der Abteilungsleiter im Ministerium war.
Und dieser Vater hasste anscheinend alles, was mit schwarzer Magie zu tun hatte. Das Haus Slytherin eingeschlossen. Außerdem war der Vater sehr jähzornig und streng. Wenn etwas nicht nach seinen Plänen und Regeln lief, musste sich der Verantwortliche auf etwas gefasst machen und sein Sohn im Haus der Dunklen Magier war sicherlich nicht sein Plan gewesen.
Der Kleine weinte also aus Angst vor der Reaktion seines Vaters. Ungläubig schüttelte ich den Kopf, über die verdrehte Vorstellung dieses Mannes.
Widerwillig setzte ich mich zu dem Jungen. Denn auf unangenehme Art und Weiße hat er mich an meine eigene Familie erinnert. Den Erwartungsdruck und die Intoleranz gegenüber Sachen die gegen die Familientradition verstießen, kannte ich zu genüge.
Ich bekam Mitleid mit dem Erstklässler.
Eine Weile unterhielten wir uns und mit der Zeit beruhigte er sich.
Ich glaube schon an diesem Abend haben wir uns angefreundet.
Wir waren uns sehr ähnlich. Zum einen durch unsere Familien, aber auch durch unsere Leidenschaft zum Quidditch.
Die nächsten Wochen setzte er sich in der Freizeit zu mir und meinen Freunden und bald akzeptierte er auch Slytherin als sein Schulhaus.
RAB
An meinem ersten Abend in Hogwarts kann ich mich noch gut erinnern. Alles war so neu und aufregend für mich.
Doch dann kam der Schock, als ich den Sprechenden Hut aufgesetzt habe, wurde ich nach Slytherin gewählt.
Ich war entsetzt, immerhin war Slytherin das Haus der Schwarzen Hexen und Zauberer.
Und mein Vater war einer der führenden Personen im Kampf gegen Du-weißt-schon-wen!
Die Slytherins die neben mir am Tisch saßen, waren auf den ersten Eindruck trotzdem netter als ich gedacht habe.
Nervig fand ich nur, dass jeder Neue sofort über seinen Blutstatus ausgequetscht wurde.
Als sie hörten, dass meine Eltern beide Zauberer waren, behandelten sie mich gleich viel besser, als zum Beispiel das Mädchen neben mir, das nur Halbblüterin war.
Aber nun zu ihm, er saß nur ein paar Plätze neben mir.
Er war im Gegensatz zu den anderen Älteren, eher zurückhaltend, er musterte uns alle mit einem kühlen, fast schon arroganten Blick.
Mein erster Eindruck war, dass man sich mit ihm besser nicht anlegen sollte. Denn selbst die Fünftklässler schienen ihn zu achten.
Auch wenn er für einen Zweitklässler ziemlich dürr und klein war, wirkten seine Statur und seine Gesichtszüge auf eine eindrucksvolle Weise aristokratisch und Ehre gebietend.
Als ich den Tisch auf und ab sah, bemerkte ich noch weitere Schüler wie ihn. Schüler die achtungsheischend in die Runde sahen und von allen mit Respekt behandelt wurden.
Durch Gespräche mit verschiedenen Slytherins fand ich schließlich heraus, dass diese Schüler alle, die reinblütigen Nachkommen von den alten, traditionsreichen Zaubererfamilien waren.
Ich hörte einige Familiennamen wie Black, Malfoy, Lestrange und Rosier.
Schnell merkte ich, dass ein Name hier maßgebend für den Stand im Haus war.
Wer hier ein Reinblüter und zudem noch ein einigermaßen guter Zauberer war, hatte das Sagen.
Akzeptiert wurden die Halbblüter und verachtet wurden die Muggelgeborenen oder auch die Schlammblüter.
Willkommen in Slytherin, dachte ich bitter, dem Haus der Reinblüter und zukünftigen Todesser.
Meine letzten Hoffnungen, dass mein Vater dieses Haus akzeptieren würde, schwanden schon nach den ersten fünf Minuten dieses Festmahls dahin.
Deshalb konnte ich diese ganzen herrlichen Speisen überhaupt nicht genießen.
Bevor ich in den Zug gestiegen bin, hat mein Vater mir noch gesagt, dass ich sicherlich nach Ravenclaw kommen würde, wie er damals auch.
Er hatte das scherzhaft gesagt. Bestimmt wären auch Gryffindor oder Hufflepuff in Ordnung gewesen, aber Slytherin war etwas ganz anderes.
Vor Angst zitterten mir die Hände.
Die einzige Beruhigung war, dass ich ihn erst in einem halben Jahr wiedersehen würde.
Aber einen Brief würde ich ihm trotzdem schreiben müssen.
Bei dem Gedanken an seine Antwort lief mir ein kalter Schauer auf den Rücken.
Alles in allem war der Abend nicht gerade lustig.
Nach dem Essen wurden wir von einem Fünftklässler in den Gemeinschaftsraum geführt.
Er lag in den Kerkern hinter einer einfachen Steinwand.
Der Raum war sehr schön. Durch die hohen Fenster sah man nicht den Himmel, sondern das trübe Wasser des großen Sees. Dadurch schien das Licht leicht grünlich.
Unser Schlafsaal war mit hohen Himmelbetten ausgestattet.
Auf den blütenweißen Laken lagen ein Schal, eine Krawatte und ein Abzeichen mit einer Schlange. Alles in den Farben unseres Hauses.
Die anderen Jungen in meiner Klasse tauschten begeistert ihre ersten Eindrücke über Hogwarts aus.
Sie waren alle so stolz darauf, in Slytherin zu sein.
Dadurch fühlte ich mich merkwürdig ausgeschlossen.
Als sie alle in ihre Himmelbetten krochen, schlich ich mich leise zurück in den Gemeinschaftsraum.
An Schlaf war für mich nicht zu denken.
Still setzte ich mich in eine Ecke und grübelte vor mich hin.
Aus Angst und Verzweiflung liefen mir daraufhin die Tränen übers Gesicht.
Ich weiß nicht wann er kam, aber plötzlich stand er neben mir.
Zuerst schaute er mich so überheblich und verächtlich an, wie schon zur Eröffnungsfeier.
Doch dann erzählte ich ihm von meiner verzwickten Lage.
Und plötzlich flackerte Mitleid über sein Gesicht.
Er setzte sich zu mir und hörte mir zu.
Dann redete er auch von sich selbst.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich erkannt, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben.
Ja, in ihm habe ich einen Seelenverwandten gefunden.
Kein Wunder, dass wir bald die besten Freunde wurden.
BC
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel