
von **Minimuff**
Prolog
Einen Moment hatte sie überlegt, ob das alles ein schlecht gemeinter Scherz war. Ob er sie verarschen wollte. Doch dann war ihr alles eingefallen. Alle seine Gründe, warum er nicht mit ihr zusammen sein wollte und konnte.
Er … er war ein Held und sie? Sie war ein Niemand. Ein Niemand, der es für eine Weile geschafft hatte, in sein Leben zu kommen. Wie konnte das denn überhaupt passieren?
Es war jetzt länger als ein Jahr her, dass er sie geküsst hatte. Dass sie sich so berauscht und glücklich gefühlt hatte, wo von jetzt ganz sicher nicht die Rede sein konnte.
Nein, nicht nur, dass Dumbledore gestorben war … jetzt musste auch noch das passieren. Jetzt musste er auch noch seiner Vernunft folgen. Sie verfluchte ihn, dass er mehr Wert auf seine Vernunft, als auf sein Herz legte. Wie konnte er es ihr antun?
Und trotzdem liebte sie ihn. Trotzdem sagte sie sich, dass es besser so wäre und sie ja nicht heulen dürfte. Trotzdem hielt sie für ihn durch.
„ Ginny, hör zu …“ hatte er gesagt und angestrengt versucht, leise zu sein, damit ihn ja niemand außer ihr hörte. „ Ich darf nichts mehr mit dir zu tun haben. Wir müssen aufhören, uns zu treffen. Wir können nicht zusammen sein.“
In diesem Moment war ihre Welt zusammengebrochen, auch wenn man es nicht glaubt. Auch wenn sie so tat, als wäre alles in Ordnung. Ihr Leben war ein Scherbenhaufen und inmitten dieses Haufens lag ein Herz, zerbrochen und blutig, ihr Herz.
„ Es gibt irgendeinen dummen, edlen Grund dafür, nicht wahr?“ fragte sie und versuchte sich an einem Lächeln, was aber nur merkwürdig schief hervorkam.
„ Diese letzten Wochen mit dir … das war wie … wie ein Stück aus dem Leben eines anderen. Aber ich kann nicht … wir können nicht … ich muss jetzt einige Dinge alleine erledigen.“ erklärte er ihr und auf irgendeine idiotische Art und Weise konnte sie es verstehen. Sie konnte IHN verstehen.
„ Voldemort benutzt Leute, die seinen Feinden nahe stehen. Er hat dich schon einmal als Köder benutzt, und das nur, weil du die Schwester meines besten Freundes bist. Überleg mal, in welche Gefahr du geraden wirst, wenn wir zusammenbleiben. Er wird es erfahren, er wird es herausfinden. Er wird versuchen, durch dich an mich heranzukommen.“ redete er einfach weiter, doch in Ginny regte sich ein winziges Gefühl und sie erkannte es als Trotz. Sie liebte Harry, also wieso sollte die Welt so ungerecht sein und ihn ihr wegnehmen? Wieso?
„ Und was, wenn es mir egal ist?“ erwiderte sie grimmig.
„ Mir ist es nicht egal. Was glaubst du, wie es mir gehen würde, wenn das dein Begräbnis wäre … und wenn es meine Schuld gewesen wäre …“ versuchte er, ihr ein schlechtes Gewissen einzureden. Das Gefühl hatte sie jedenfalls. Aus purem Trotz wandte sie sich von ihm ab und sah sich den See in allen Einzelheiten an.
„ Ich habe dich nie wirklich aufgegeben. Nie. Ich habe immer gehofft … Hermine hat gesagt, ich soll einfach weiterleben, mich vielleicht mal mit anderen Leuten verabreden, etwas lockerer sein, wenn du in der Nähe bist, weil ich nie ein Wort rausbrachte, wenn du im selben Raum warst, weißt du noch? Und sie meine, du würdest ein wenig mehr Notiz von mir nehmen, wenn ich ein bisschen mehr – ich selbst bin.“ fing nun auch Ginny an zu reden und sah immer noch über den See. Sie wollte ihn nicht angucken. Konnte ihn nicht angucken.
„ Kluges Mädchen, diese Hermine. Ich wünschte nur, ich hätte dich früher gefragt. Wir hätten Ewigkeiten gehabt … Monate … vielleicht Jahre …“ lächelte er leicht.
„ Aber du warst zu sehr beschäftigt damit, die magische Welt zu retten. Also … ich kann nicht behaupten, dass ich überrascht bin. Ich wusste, dass es irgendwann passieren würde. Ich wusste, du würdest nicht glücklich sein, wenn du Voldemort nicht jagst. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich dich so sehr mag. Nach diesem Jahr … hatte ich trotzdem gehofft, dass meine Befürchtungen umsonst gewesen wären. Dass du …“
Sie hörte auf zu reden, ihre Stimme versagte und gerade, als sie sich zu Harry umdrehen wollte, ertönte Scrimgeours Stimme, der Harry zu sich rief, und Harry war weg. Endgültig weg und sie hatte keine Chance mehr gehabt, ihm zu zeigen, wie es sich lohnte, bei ihr zu bleiben. Oder sie bei ihm.
„ Ich liebe dich, Harry.“ flüsterte sie in die Stille hinein, die nach dem Begräbnis eingetreten war und die ersten Tränen liefen ihre Wangen herunter.
Wie passend dieser Moment doch war. Ein Begräbnis … und zwar nicht nur von Dumbledore. Es fühlte sich an, wie das Begräbnis ihres Herzens. Doch sie wusste auch, dass sie für ihr Herz kämpfen würde. Sie würde um Harry kämpfen, darum wieder ein ganzes, heiles Herz zu haben, mit Harry glücklich zu sein. Und wäre es ihre letzte Tat.
Sie liebte ihn und um die Liebe musste man kämpfen. Man musste!
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