
von summer_123
°°KAPITEL 16°°
Wie kann es falsch sein, wenn es sich so richtig anfühlt?
Als Hermine an diesem Mittwochmorgen die Treppe vor dem Mädchenschlafsaal hinunter kam, bemerkte sie sofort die große Menschentraube, die sich um das Schwarze Brett gebildet hatte.
Mühsam machte sie sich einen Weg durch die Schülergruppe und kam vor einem aufgerollten und an die Wand gepinnten Pergament zum stehen.
Am Samstag, den 18. Mai findet das nächste Hogsmeade Wochenende statt. Alle Dritt-, Viert-, Fünft-, Sechst und Siebtklässler dürfen mit einer Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten daran teilnehmen.
Hermine musste lächeln. Seit Tagen versuchte sie sich alleine mit Malfoy zu treffen und nie fand sie einen Zeitpunkt, an dem sie länger als zehn Minuten ohne Harry und Ron das Schloss durchstreifen konnte.
Der nächste Samstag war sehr sonnig und einer der ersten richtig heißen Tage des Jahres. Man war froh über die paar Wolken, die sich hin und wieder vor die Sonne schoben und, wenn auch nur für ein paar Minuten, die Sonne etwas dämpften und einen angenehmen Schatten über das Land warfen.
Direkt nach dem Frühstück sprach Hermine Harry und Ron auf den Ausflug nach Hogsmeade an.
„Ihr könnt unmöglich schon alle Hausaufgaben gemacht haben.“, meinte sie verwundert. „Der Aufsatz für Slughorn benötigt sehr viel Recherche in der Bibliothek und den Geminio-Zauber für Flitwick sollen wir auch alle noch einmal üben.“
„Den hast du doch schon in der Stunde geschafft.“, sagte Ron genervt. „Und außerdem ist morgen auch noch ein ganzer Tag. Wir wollten doch in die Drei Besen gehen.“
Hermine winkte ab.
„Bringt mir was aus dem Honigtopf mit!“
Mit diesen Worten lies sie Harry und Ron stehen und ging schnellen Schrittes hoch in den Gryffindorturm.
Natürlich hatte sie nicht vor im Schloss zu bleiben. Den Zauber beherrschte sie wirklich schon perfekt und den Aufsatz für Slughorn hatte sie Gesternabend fertig geschrieben.
Sie war mit Malfoy verabredet. Natürlich würde sie sich nicht mit ihm in die drei Besen setzten können, aber sie hatte schon eine Idee, wo die beiden sich einmal außerhalb des Schlosses und fern von neugierigen Blicken sehen konnten. Sie war es satt jedes Mal wenn sie ihn traf darauf achten zu müssen, dass niemand sie verfolgte und jedes Mal wenn sie ihn küsste ihr Herz nicht nur wegen ihm sondern auch wegen der Angst erwischt zu werden, schlagen zu spüren.
Hermine zog sich einen ihrer Schulröcke und dazu eine schlichte weiße Bluse an.
Da das Oberteil nicht eng anliegend war, konnte man die kleine Wölbung in ihrem Unterleib nicht erkennen. Sie war dafür, dass sie in ihrer 13. Schwangerschaftswoche war, nicht sehr groß aber Hermine hatte sich in den letzten Wochen ausgiebig über Schwangerschaften informiert und bei jedem wuchs der Bauch unterschiedlich schnell. Ihr Bauch war von der Größe her vollkommen in Ordnung.
Hätte Hermine ein hautenges Top angehabt, hätte man auch nur denken können sie hätte in den letzten Wochen etwas viel gegessen aber darauf wollte es Hermine lieber nicht ankommen lassen. Ihre Haare steckte sie hoch, sodass nur ein paar Strähnen ihren Kopf umrahmten.
Hermine hatte Malfoy zur peitschenden Weide bestellt und ihm klar gemacht, dass er sich unbedingt so unauffällig wie möglich verhalten müsste. Darauf hatte er nur erwidert, dass er schon wüsste wie man eine geheime Beziehung führt und dass er sich ganz sicher nicht erwischen lassen würde.
Er stand tatsächlich ziemlich versteckt, denn als Hermine an dem Baum ankam, konnte sie ihn erst nicht sehen. Doch dann stand er auch schon vor ihr und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.
„Also wohin möchtest du mich entführen?“
Anstatt ihm zu antworten näherte Hermine sich der Weide langsam. Noch war sie außer Reichweite und der Baum beachtete sie nicht.
Hermine machte ein paar Schritte vor. Die Äste ächzten bedrohlich.
Die Wurzeln des riesigen Baumes schlängelten sich auf dem Boden beinahe bis außerhalb der Reichweite der gefährlichen Baumkrone.
Hermine machte einen Sprung nach vorne.
Die ersten Äste begannen sich zu bewegen, doch bevor sie irgendetwas anrichten konnten, hatte Hermine den Punkt an den Wurzeln der Weide gedrückt, der sie lähmte. Seine Äste erstarrten schlagartig.
Triumphierend drehte sie sich zu Malfoy um. Er zögerte kurz und sah beunruhigt auf den Baum, doch dann näherte er sich ihr und zusammen schlüpften sie in den Geheimgang am Fuße des Baumes bevor die wilden Äste des Baumes sie auch nur berühren konnten.
Hermine tastete suchend in der Dunkelheit nach seiner Hand und als sie sie gefunden hatte zog sie ihn den Geheimgang entlang.
„Möchtest du gar nicht wissen, wo ich dich hinführe?“, fragte sie nach einer Weile.
„Es ist mir egal, so lange wir da alleine sein können.“, antwortete er. „Außerdem hättest du es mir sowieso nicht gesagt.“
Hermine lächelte und führte ihn weiter.
Nach einer halben Ewigkeit begann der Geheimgang anzusteigen. Nach vielen weiteren Biegungen kamen sie schließlich an einer Treppe an.
Am Ende der Treppe war eine schmale und nicht sehr hohe Tür eingelassen. Als Hermine sie aufdrückte knarrte sie laut, blieb aber fest in ihren Angeln.
Hermine und Malfoy betraten einen staubigen und schmutzigen Raum. Alles wirkte kaputt und alt. In den Ecken waren Schimmelflecken und zwischen den Möbeln Spinnennetze. Das Fenster war von außen vernagelt, nur durch ein paar Ritzen drängte etwas Licht.
„Wo sind wir hier?“, fragte Malfoy und er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme neugierig klang.
„Willkommen in der Heulenden Hütte, Mister Malfoy!“
Er drehte sich schlagartig zu ihr um.
„Aber hier spukt es!“
„Gott Malfoy, du Schisser!“, sagte Hermine und lachte. „Das glaubst du doch nicht wirklich! Ich kann dir ganz sicher sagen, dass hier kein lebender und auch kein toter Mensch wohnt.“
Auch sie hatte von dem Gerücht gehört, dass hier Geister spukten, doch dann hatte sie Professor Lupin kennengelernt und herausgefunden, dass er es war, der hier als Hogwartsschüler einmal im Monat seine höchst unangenehme Verwandlung zu einem Werwolf durchführen musste und dass die Rufe nicht von Geistern kamen, sondern es ganz einfach Lupin's Schmerzensschreie gewesen waren.
Kurz zögerte Malfoy aber nachdem Hermine provozierend ein paar Schritte die alte, knarrende Treppe hochgegangen war, kam er ihr hinterher.
Hermine rannte die Treppen hoch, bevor er auch nur die erste Stufe erklommen hatte. In dem ersten Stock des alten Hauses befand sich kein richtiger gerader Flur. Es sah eher so aus als hätte man die Räume wahllos auf der Fläche platzier und dann kleine Gänge dazwischen gezogen. Es war wie ein kleines Labyrinth.
Ohne zu zögern bog Hermine nach rechts in einen winzigen Raum ein. Sie hörte wie Malfoy die Treppe hochrannte.
Sie schlüpfte durch die Tür, die sich auf der Gegenseite befand und drückte sie hastig hinter sich zu. Sie musste lachen, als sie die Tür gegen Malfoys festes Drücken zuhielt.
So kindisch es auch war, die Verfolgungsjagd in diesem verwinkelten, unbekannten alten Haus machte ihr Spaß.
Schlagartig ließ Hermine auch von dieser Tür ab und schlüpfte durch eine von drei weiteren in diesem Raum, der eher einem Art Verbindungsflur ähnelte.
Auch diese Tür schloss Hermine hastig und stellte sich dahinter.
Der Raum, in dem sie sich nun befand war von hellen Sonnenstrahlen durchflutet.
Das Fenster war verschmutzt und verstaubt, doch an manchen Stellen, an denen der Dreck nicht gut halt gefunden hatte oder vielleicht auch der Wind und Regen das Fenster von dem Schmutz befreit hatte, fiel das Licht durch und malte verwobene Muster auf den Holzboden.
Auf ihrer Linken befand sich ein zusammengestürztes Himmelbett.
An den Wänden hingen keine Gemälde sondern verschiedene Landschaftsbilder und Wandteppiche mit alten Mustern.
An der rechten Wand stand ein zusammengefallener Schrank. Die Decke des Möbelstückes war eingestürzt und hatte die beiden Schranktüren durchbohrt und zerstört.
Als Malfoy hineingestürzt kam, blieb auch er wie angewurzelt stehen, überrascht von der Helligkeit des Raumes, wo doch der Rest des Hauses durch die zugenagelten Fenster im Dunkeln lag.
Schließlich wandte sich Malfoy von dem Fenster ab und ging zu Hermine.
Er zog sie an sich und begann sie leicht zu küssen.
Hermine zog ihren Zauberstab und schwenkte ihn, ohne sich von Malfoy zu lösen. Wie von alleine baute sich das Bett wieder auf. Hermine zog ihn ungeduldig in die Richtung des Himmelbettes.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mich darauf lege, oder?“, fragte Malfoy skeptisch, als sie sich gerade darauf niederlassen wollte und warf einen angewiderten Blick auf die staubige Decke.
Hermine stöhnte genervt auf und zog ihren Zauberstab erneut. Mit einem Schlenker brachte sie das Bett in einen tadellosen Zustand.
Sie sah ihn erwartungsvoll an.
„Passt das dem Herrn jetzt?“
Für ein paar Sekunden bewegte er sich keinen Millimeter, dann, aus heiterem Himmel, packte er sie plötzlich und warf sich mit ihr auf das Bett, welches sicher wieder zusammengekracht wäre, wäre der Reparo-Zauber nicht so wirkungsvoll.
Er begann erneut sie zu küssen. Hermines Hand fuhr unter sein Hemd und begann es hochzuziehen.
Sie spürte seine Haut unter ihren Fingern und ein Schaudern durchlief sie. Mit zittrigen Fingern öffnete sie die Knöpfe, bis sie sicher zehnmal versucht hatte einen einzigen Knopf durch seine Öffnung zu drücken und ungeduldig den Rest seines Hemdes aufriss, sodass die restlichen Knöpfe in alle Richtungen sprangen.
Hermine saß auf ihm und zog sich ihre Bluse über den Kopf.
Er setze sich hin, sodass ihre Beine um seine Hüfte geschlungen waren und fischte ihr einen Knopf aus den Haaren, der sich in ihrer ziemlich zerstörten Frisur verirrt hatte.
Mit der gleichen Hand löste er die Spange, die ihre Haare zusammenhielt. Nun fielen sie ihr widerspenstig auf die Schulter und den Rücken.
Schließlich drückte Hermine ihn wieder zurück auf die Kissen. Sie stützte sich auf seinem Oberkörper ab und beobachtete gespannt seine Mimik aber sie konnte nichts entdecken, was ihr Aufschluss über seine Gedanken geben könnte.
An diesem Vormittag hatte sie den besten Sex ihres Lebens. Na ja, ihre Erfahrungen beschränkten sich größtenteils auf ihn, das heißt die eine Nacht, an die sie sich kaum erinnern konnte und dann gab es noch ihr unangenehmes, peinliches Erstes Mal vor einem Jahr mit dem anderen Jungen.
Später lagen sie nebeneinander in dem Bett, jeder in eine dünne weiße Decke gewickelt.
Vielleicht hatte sie es sich auch nur eingebildet, aber hin und wieder hatte Hermine das Gefühl gehabt, er habe seine Hand eine Sekunde zu lange auf ihrem Bauch ruhen lassen und jetzt, wie sie so nebeneinander lagen, er auf der Seite, sie auf dem Rücken, glaubte sie manchmal seinen Blick zu der Wölbung in ihrem Unterleib schwenken zu sehen, die sich unter dem dünnen Laken sichtbar abzeichnete.
„Wie lange bleibst du noch?“, fragte er plötzlich in die Stille.
Hermine wusste sofort, dass damit nicht gemeint war, wann sie zurück in die das Schloss gehen würde.
„Mein Bauch ist noch ziemlich klein.“, antwortete sie. „Wahrscheinlich gehe ich in ungefähr drei Wochen.“
Er nickte nur. Dann schien es, als wollte er noch etwas sagen, aber im letzten Moment zog er sich zurück und küsste sie auf den Mund. Nicht lange, nur ein kurzer Kuss.
Dann setzte er sich auf.
„Wie viel Uhr ist es eigentlich?“, fragte er und versuchte durch das schmutzige Fenster die Sonne zu erkennen um ihren Stand zu beobachten.
„Nicht spät, glaub' ich, zwölf oder -“ Hermine brach ab und starrte ihn an.
Irritiert dadurch, dass sie nicht weiter sprach sah auch er sie an.
„Was ist denn los?“, fragte er verwirrt, als er ihren fassungslosen Blick sah. Hermine lächelte.
„Ich fasse es nicht!“, lachte sie und setzte sich auf.
Draco schien noch immer nicht zu verstehen, was Hermine so plötzlich überrascht hatte.
Das Mädchen lehnte sich nach vorne und drehte ihn an der Schulter wieder um.
„Ich fasse es nicht!“, wiederholte sie. „Wieso hast du nichts gesagt?“
Sie deutete auf sein linkes Schulterblatt. An der exakt gleichen Stelle wie an ihrer Schulter,
war ein kleines schwarzes Bild von zwei Tieren abgebildet. Die Schlage schlängelte sich um die Löwin, aber nicht bedrohlich sondern beschützend.
Hermine konnte es nicht fassen. Immer wieder berührte sie das kleine Bild leicht. Strich man darüber, so fühlte man kaum etwas. Das einzige was sie spürte, war ein leichtes Kribbeln an den Fingerspitzen, wenn sie eines der Tiere berührte.
Hermine erinnerte sich nur zu gut an den Morgen, an dem sie ihr eigenes magisches Tattoo entdeckt hatte. Frisch aus dem Bett mit Malfoy und dann zeigt er plötzlich auf ihre Schulter, lacht (!) und verkündigt ihr fröhlich, dass ihr ein Bild auf den Rücken gebrannt wurde. Hermine war ausgerastet. Und jetzt stellte sich heraus, dass es ihn selber genau so schlimm getroffen hatte. Sie hätte das Tattoo bei ihm gar nicht sehen können. Kein einziges Mal hatte er ihr an diesem Morgen den Rücken zugekehrt. Und die ganzen anderen Male an denen sie ihn Oberkörperfrei gesehen hatte, die zugegebener Maßen nicht so viele waren, hatte sie auch nicht auf seinen Rücken geachtet.
Er wandte sich ihr wieder zu.
„Erinnerst du dich noch, wie du versucht hast mit diesem Zauber das Tattoo auf deinem Rücken zu entfernen?“, fragte er schließlich.
Ja, Hermine erinnerte sich nur zu gut. Den Zauberspruch hatte sie sich selber ausgedacht und er hatte kein bisschen funktioniert. Plötzlich hatte Malfoy in der Tür der Mädchentoilette gestanden und hatte sie beobachtet. Jetzt machte das alles Sinn.
„Du hast mich beobachtet, weil du dein eigenes Tattoo auch entfernen wolltest oder?“, fragte sie und ihre Augen hellten sich auf. „Du wolltest meinen Zauber hören und sehen ob er funktioniert um ihn dann bei dir selber anzuwenden!“
„Ja, so in der Art.“
„Und du hast kein Sterbenswörtchen gesagt!“, warf Hermine ihm vor, aber sie war nicht wütend.
Lachend lies sie sich zurück in die Kissen fallen.
Sie spürte wie sich Draco neben ihr niederließ.
„Irgendwann werden wir diese Teile schon von unserer Haut abbekommen.“, sagte er zuversichtlich.
Hermine nickte nur. Aber ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Es war seit der Nacht so viel passiert. Was wenn sie das Tattoo gar nicht mehr wegmachen wollte? Mit dem Gedanken an die Löwin und die Schlange schlief sie schließlich ein.
Als sie wieder aufwachte, war es nicht mehr ganz so hell in dem kleinen Raum. Sie sah nach links und direkt in das schlafende Gesicht von Draco.
Hermine erhob sich und schlang ihre weiße Decke um ihren Körper (Draco, hatte seine eigene!).
Leise ging sie zu dem Fenster und strich mit der Handfläche über die schmutzige Scheibe. Einen Teil des Drecks entfernte sie. Hermine konnte sehen, dass die Sonne weiter gewandert war. Es musste später Nachmittag sein. Hermine vermutete, dass jetzt auf der anderen Seite des Hauses die Sonne, wenn auch nicht mehr so intensiv wie heute Vormittag, schien.
Sie beschloss sich etwas in dem Haus umzusehen.
Leise, um Draco nicht zu wecken, tapste sie aus der Tür hinaus. Ihre Füße wurden schmutzig durch die dicke Schicht Staub auf dem Boden, aber es kümmerte sich nicht. Hinter ihr schleifte die weiße Decke hinterher und hinterließ eine leichte Spur in dem Dreck.
Manche Räume waren komplett kaputt und man konnte nicht einmal mehr erkennen, was für eine Art Zimmer sie ursprünglich eigentlich hatten darstellen sollen. In manchen Zimmern waren so viele Spinnenweben, sodass Hermine sofort die Tür wieder schloss, aber ein paar Räume schienen in einem zwar verstaubten aber sonst guten Zustand zu sein.
Bei einem Zimmer, wie hätte es auch anders sein konnte, konnte Hermine nicht widerstehen und trat trotz der vielen Spinnenweben ein.
Der Raum war, wie eigentlich alle in diesem verwinkelten Haus, nicht sonderlich groß aber bis oben hin voll gestopft mit hohen Regalen. Die Bücher wirkten sehr alt und Hermine war mit wenigen Schritten bei einem der Regale.
Hermine glaubte schon lange nicht mehr, dass das Haus nur Lupin genutzt hatte. Es wirkte, als hätte wirklich jemand in diesen Räumen geatmet und gelebt. Wozu Bücher, wenn Lupin sich nur einmal im Monat hier verwandelte und sich dann ganz sicher nicht in einen der roten Sessel setzten würde um in einem der Romane zu schmökern.
Welches Geheimnis borgte dieses Haus noch?
Hermine strich mit ihren Fingern über die Buchrücken und hinterließ eine Spur in dem Staub.
Bei einem Buch blieb sie stehen und zog es heraus. Sie stutzte.
In großen schwarzen Buchstaben stand der Titel „Die sechs Diener“ auf dem Buchrücken.
Hermine kannte das Märchen nur zu gut.
Es handelte von einem Königssohn, der loszog um die Tochter einer Königin und Hexe zu befreien. Viele junge Männer waren schon an den Aufgaben der Königin gescheitert, doch das Mädchen war so schon, dass der Jüngling nichts mehr wollte als sie zur Frau zu nehmen.
Er wusste die Aufgaben der Königin waren schwer, aber er würde ohne sie sein Leben nicht mehr glücklich sein.
Auf seinem Weg zu dem Schloss der Hexe traf er auf sechs Männer, die ihn begleiteten.
Der Dicke konnte Tonnen von Fleisch essen und tausende Liter Wein trinken.
Der Horcher konnte über Kilometer hören was andere taten und sagten.
Der mit den scharfen Augen hatte so einen gewaltigen Blick, dass alles was er ansah auseinander sprang.
Der Lange war so lang, dass man eine Weile laufen musste um von dem liegenden Mann komplett von den Füßen bis zu dem Kopf zu gelangen und er konnte mit wenigen Schritten riesige Weiten überwinden.
Der mit den hellen Augen konnte mit seinen wunderlichen Augen über die ganze Welt sehen.
Und zuletzt der Frostige, der immer Hermines Liebling der sechs Diener gewesen war.
Ihm war es kalt, wenn es heiß war und heiß wenn es kalt war. So zitterte er im Sommer und fror im Winter.
Mithilfe der Diener gelang es dem Königssohn alle Aufgaben zu bewältigen.
Auf dem Weg zu seinem Schloss, behauptete er jedoch vor der Prinzessin ein Schweinehirt zu sein. Acht Tage lang lebten die Prinzessin und der Königssohn wie das arme Volk und dem Mädchen taten die Hände und die Füße weh. Da erfuhr sie plötzlich wer ihr Verlobter wirklich war und als sie ihm, der in Königskleidern gekleidet war, wieder begegnete, sagte er:
„Ich habe soviel für dich gelitten, da hast du auch für mich leiden sollen.“
Dieses Märchen hatte es Hermine schon immer sehr angetan. Als Kind hatte sie ihren Vater beinahe jeden Abend gebeten, die Geschichte mit den Dienern vorzulesen und oft auch hatte sie das Buch noch einmal in die Hand genommen, wenn sie in den Ferien ihre Eltern besucht hatte.
Aber die große Frage war: Was machte ein Muggelmärchen der Gebrüder Grimm in einer Hütte auf dem Hogwartsgelände? Sie konnte es sich nicht erklären.
Als sie das Buch aufschlug, knirschte es, da es so lange geschlossen gewesen war. Vorne auf der ersten Seite, war in einer säuberlichen und lesbaren Schrift ein paar Worte geschrieben:
Wir haben gelitten, wir haben geliebt. Aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen, denn die Liebe ist vielleicht etwas zerbrechliches, aber wir sind stärker als die anderen und das für die Unendlichkeit.
A.B. 1901
Wer hatte hier gelebt? Wer hatte diese Notiz in dem Muggelbuch hinterlassen?
Hermine stellte das Buch vorsichtig wieder an seinen Platz und ging zu dem nächsten Regal. Nirgends fand sie ein weiteres Buch aus der Muggelwelt.
Eine Weile schlich sie noch durch die Bücherreihen, doch plötzlich spürte sie, wie sich von hinten Arme um sie schlangen.
Hermine seufzte und legte ihren Kopf nach hinten an Draco's Brust. Sie hatte sich nicht erschrocken, denn wer sollte außer ihm noch in diesem Haus sein.
Die Geschichte dieser Räume erzählte ihre eigene. Auch sie hatten gelitten und würden noch leiden. Und niemand wollte sich vorstellen wie es sein würde, würde einer von ihnen erfahren.
Beide blieben einfach nur so stehen und genossen den Moment. Er hatte seine Arme um sie geschlungen und sie hielt seine Arme fest.
Für diesen Moment war es perfekt.
Wenn die beiden gewusst hätten, was in den nächsten Wochen auf sie zukommen würde, hätten sie sich wahrscheinlich einfach für ewig in der Heulenden Hütte versteckt aber man kann nichts gegen die Zeit machen und sie zerbricht jeden irgendwann.
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