
von summer_123
°°KAPITEL 3°°
Schlimme Fehler ziehen schlimme Folgen mit sich
Man fällt nicht über seine Fehler.
Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.
Kurt Tucholsky
Hermine drehte sich ruckartig um und sah zu dem Slytherintisch an dem Malfoy zwischen Zabini und Parkinson saß. Er benahm sich wie immer, aß wie immer, lachte wie immer und turtelte wie immer mit Parkinson herum. Plötzlich hob Blaise Zabini den Kopf und sah Hermine an. Das Mädchen sah sofort weg.
„Hermine, was ist los?“, fragte Harry und sah ebenfalls zu dem Slytherintisch an dem sich Zabini mittlerweile wieder seinen Freunden zugewendet hatte.
„Ich hab mich nur verschluckt, nichts weiter.“, sagte Hermine hastig und sprang auf. „Aber ich hab vergessen, den Aufsatz für Slughorn fertig zu schreiben, deshalb werde ich schnell in die Bibliothek gehen und das noch erledigen.“
Während Hermine mit schnellen Schritten aus der großen Halle ging, hörte sie noch wie Ron sagte: „Wenn sie ihre Hausaufgaben nicht geschafft hat, muss sie gestern wirklich viel getrunken haben!“
Hermine bog jedoch nicht in die Richtung der Bibliothek ab und ging auch nicht zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors sondern durchquerte die Eingangshalle und ging die Steintreppen hinunter auf das Schlossgelände. Den Aufsatz hatte sie schon am Samstagmorgen fertig geschrieben. Nicht weit von dem Eichenportal und den Wegen die zu Hagrids Hütte hinunterführten entfernt, ließ sie sich nieder. Das Graß war nass von Tau und schnell wurde auch Hermines Umhang feucht.
Sie konnte sich zwar ungefähr zusammenreimen, was in dieser Nacht passiert war, aber es so vor sich zu sehen, war erschreckend gewesen.
Wie er sie berührt hatte, wie er sie angesehen hatte. Die Erinnerung war so intensiv gewesen und sie hatte sie einfach überrollt. Ohne Vorwarnung war plötzlich diese Szene in Hermines Kopf aufgetaucht, hatte sich einfach in ihre Sicht geschoben.
Und diese Person, die sie geküsst hatte war jemand vollkommen fremdes gewesen. Nichts an dem Malfoy in ihren Erinnerungen erinnerte sie an den Jungen den sie kannte…oder auch nicht kannte.
Hermine war nicht so naiv zu glauben, dass man jeden ändern konnte. Selbst ihre Erinnerungen änderten nichts an dem arroganten Slytherin, sie änderten gar nichts. Hermine hatte keinen Zweifel daran, dass er in dieser Nacht genau so boshaft und herablassend gewesen war. Selbst in seinem betrunkenen Zustand hatte er sie, wie alles mit dem er Kontakt hatte, ausgenutzt.
Hermine legte sich in das nasse Gras und schloss die Augen. Aber irgendetwas hatte gefehlt. Irgendetwas war nicht richtig gewesen. Sie hatten sich geküsst, Klamotten abgestreift….
Hermine schoss hoch. Verdammt, wie hatte sie nur so nachlässig gewesen sein?
Zugegeben, sie hatte nicht all zu viel Erfahrung, aber dass sie….
Hermine richtete sich hastig auf und eilte zurück in das Schloss.
Bei dem Abendessen, zwischen dem Kartoffelgratin und dem Kirschquark sprach Dumbledore die Party an. Natürlich hatten die Lehrer sie bemerkt, eigentlich hatte sie auch nichts anderes erwartet. Aber da Dumbledore nicht jeden Schüler bestrafen konnte oder wollte, konnte er eigentlich nicht viel unternehmen. Die Passwörter der Gemeinschaftsräume wurden umgehend geändert. Und sie wurden mit einer Rede von einer furchtbar langen Stunde bestraft, in der Dumbledore ihnen ausführlich erklärte was das Wort „Moral“ bedeutete und ihnen scharf einprägte, dass, sollte noch einmal Alkohol in Hogwarts reingeschmuggelt werden, er wohl ein Zauber über das Schloss legen müsse, was der Lehrerschaft wahrscheinlich nicht gefallen würde.
Nach dem Abendessen gesellte Hermine sich zu Harry und Ron, die wieder einmal mit ihren Hausaufgaben zurück lagen. Hermine lies sich ohne ein Wort in einen der Sessel fallen und starrte ins Leere. Immer wieder tauschten Harry und Ron besorgte Blicke, sprachen sie jedoch nicht an.
Irgendwann gegen Mitternacht, packte Ron seine Sachen zusammen.
„So, der Aufsatz für Slughorn über Nieskraut und seine Anwendung ist fertig.“, sagte Ron matt und gähnte herzhaft. „Nicht sonderlich ausführlich, aber ich denke es wird reichen.“
Ron griff nach seinen Büchern.
„Den Hebezauber für Flitwick übe ich einfach morgen beim Frühstück.“, sagte er und verschwand dann auf der Treppe zu den Jungenschlafsälen.
Auch Harry packte seine Sachen zusammen.
„Beschäftigt dich irgendetwas Hermine?“, fragte er in einem betont nebensächlichen Ton. „Du hast gerade mehrere Stunden auf dieses Bild von diesem mit Furunkeln übersäten Zauberer gestarrt!“
Hermine, die aus ihren Träumen gerissen wurde, drehte sich erschrocken zu ihm um.
„Was?“, fragte sie zerstreut.
„Ob dir irgendetwas fehlt!“, wiederholte Harry
„Wieso…ich meine, -“, stotterte Hermine
„Es ist wegen Ron, oder?“
Hermine sah ihn verwirrt an.
„Wegen Ron? Was soll mit ihm sein?“
„Wegen ihm und Lavender?“
Hermine nahm die Ausrede dankbar an. „Jaah, das wird es sein…ich bin einfach nicht so gut drauf im Moment.“
Und bevor Harry weiter nachstochern konnte, sprang sie auf, wünschte ihm eine gute Nacht und verschwand über die Treppe in die Mädchenschlafsaal.
Es war so schwer gewesen Harry zu belügen. Wenn das Schlimmste eintreffen würde, dann wäre sie vollkommen verloren.
Hermine schlief sehr unruhig diese Nacht. Sie wälzte sich im Bett und als sie am nächsten Morgen von ihrem Wecker geweckt wurde fühlte sie sich kein bisschen ausgeruht. Sie schleppte sich unter die Dusche, deckte ihre Augenringe mit einem Zauber ab und zwängte sich in ihren Schulumhang.
Die ersten beiden Stunden verliefen normal. Doch in der dritten Stunde wurde sie mit der Verkörperung des größten Fehlers den sie je begangen hatte konfrontiert. Die Gryffindors hatten eine Doppelstunde Kräuterkunde mit den Slytherins. Hermine mied Malfoy so gut es ging. Als sie kleine rote Beeren an einer mit stacheln übersäten Pflanze ernten sollten, zog sie Harry und Ron zu dem Tisch, der am weitesten von dem Tisch entfernt stand, an dem Malfoy mit Grabbe und Goyle Platz genommen hatte.
Professor Sprout klatschte in die Hände.
„Sie haben jeder eine kleine schwarze Schüssel vor sich.“, rief sie in das Durcheinander der Schüler. „Diese sollte am Ende der Stunde mit den Feuerlingen gefüllt sein. Bitte fangen sie an.“
Wie diese so genannten Feuerlinge zu ihrem Namen gekommen waren, wusste Hermine beim beten Willen nicht. Zwar waren sie feuerrot, doch bei den Versuchen, sie von ihrer Pflanze zu entfernen, sonderten sie eine Flüssigkeit ab, die so sehr stank und klebte, dass Ron der Meinung war, man hätte sie Stinkwurzbeeren nennen müssen.
Während Ron laut fluchend eine Beere in seine Schüssel feuerte, sah Hermine verstohlen zu Lavender und Parvati, die sich eine Pflanze mit Neville teilten und während der Arbeit vergnügt flüsterten und hin und wieder in ein starkes Gekicher ausbrachen.
Hermine nahm sich fest vor, sie nach dem Unterricht abzufangen. Sie würden ihr Rede und Antwort stehen müssen. Doch dieses Gespräch würde warten müssen.
Letzte Nacht hatte Hermine einen Entschluss gefasst, es würde sie einigen Mut kosten ihn darauf anzusprechen aber es war der einzige Weg.
Zwei Stunden später, machte sich eine schimpfende und verklebte Klasse wieder auf den Rückweg ins Schloss, nur Hermine ließ sich zurückfallen.
„Geht nur schon vor, ich möchte Professor Sprout noch etwas über die Feuerlinge fragen.“, hatte sie Harry und Ron geantwortet, als sie beide auf sie gewartet hatten. Doch Hermine hatte nicht vor, sich mit Professor Sprout noch mehr über Feuerlinge auseinander zu setzten. Ihre Aufmerksamkeit galt Draco Malfoy, der sich gerade schwungvoll seine Tasche umhängte und hinter Zabini die Gewächshäuser verließ.
Hermine trat von hinten an ihn ran und als er sich umdrehte, zog sie ihn mit einem „Wir müssen reden!“ hinter sich her. Sie ignorierte Zabinis verblüfften Blick und zog Malfoy hinter die Gewächshäuser.
Kaum waren sie außer Sicht- und Hörweite zischte er: „Verdammt Granger! Wenn mich jemand mit dir sieht, dann ist mein guter Ruf ruiniert.“ Er sah sich unruhig um, dann fuhr er mit lauterer jedoch kein bisschen weniger feindseliger Stimme fort: „Hab ich dir nicht gesagt, du sollst mich nicht mehr ansprechen?“
Er zog Hermine noch weiter hinter die Gewächshäuser, sodass sie von dem Schloss aus nicht mehr zu sehen waren.
„Weißt du eigentlich wie schwer es war, Zabini zum Schweigen zu bringen? Ich musste ihm versprechen, nie wieder ein Wort mit dir zu wechseln!“, fuhr er sie an. „Was für mich ja kein Problem ist.“, setzte er noch rasch hinzu, als er in ihr selbstgefälliges Gesicht blickte.
„Zabini geht es überhaupt nichts an, was wir zusammen tun.“, sagte Hermine wütend (und ignorierte Malfoys empörtes „Wir tun überhaupt nichts zusammen“) „Und im übrigen ist auch für meinen Ruf nicht gerade fördernd, wenn heraus kommt, dass ich meinen kostbaren Atem dazu verschwende mit so einem Idioten wie dir zu sprechen.“
Malfoy wollte widersprechen, doch Hermine brachte ihm mit einem Wink zum Schweigen und sprach schnell weiter.
„Als wir vorletzte Nacht mit einander…ähm…ach du weißt schon-“, fing Hermine an und wurde ohne es zu wollen zornig bei dem Anblick des hochmütigen Gesichts Malfoys.
„Weißt du Granger, ich hab ja schon viele klettende Mädchen durchgenommen“, sagte er mit einem genervten Stöhnen. „aber es ist eigentlich noch nie vorgekommen, dass eine von ihnen mir so sehr nachgetrauert hat obwohl ich sie beschimpft und rausgeschmissen habe und, wie ich dachte, klar gemacht habe, dass ich nichts von ihr wissen will!“
Hermine hatte ihm zugehört und musste sich wirklich zusammenreißen ihm aufgrund seiner widerlichen, arroganten Art nicht eine runterzuhauen.
„Hm…für mich hört sich das eher so an, als würdest du von der Mädchenschar der gesamten Schule ausgenutzt werden.“, sagte sie gespielt süßlich, doch als sie sah wie Malfoys Gesicht sich gefährlich verfinsterte fuhr sie schnell fort. „Also ich erinnere mich mittlerweile wieder an die Nacht.“
Malfoy zog eine Augenbraue hoch. „Ach, tust du das?“, fragte er und Hermine hörte ein klein bisschen Unsicherheit in seiner Stimme mitschwingen.
„Nicht an alles, aber an einen Teil. Und anhand meiner Erinnerung ist mir etwas aufgefallen. Ich kann natürlich nicht vollkommen sicher sein, da meine Erinnerungen ziemlich beschränkt sind und natürlich noch etwas passiert sein könnte, an das ich mich einfach nicht mehr erinnere oder-“, ratterte Hermine herunter und wurde von Malfoy unterbrochen.
„Granger, komm zum Punkt!“
Sie nahm tief Luft und sagte mit fester Stimme:
„Ich glaube wir haben vergessen zu verhüten.“
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