
von summer_123
KAPITEL 4
°°KAPITEL 4°°
Ein kleiner Schritt Richtung Wahrheit
Für einen Moment sah es so aus als ob er lachen wollte, als würde er alles für einen großen Witz halten. Als er Hermines Gesichtsausruck sah, musste er sich eher zurück halten nicht gleich loszuheulen. Sie machte keine Scherze. Sie war todernst.
Kurz starrte er das Mädchen an, eher um sich zu vergewissern, dass sie nicht in lautes Gelächter ausbrechen würde und ihm mit einem 'Jetzt hatte ich dich aber!' auf die Schulter klopfen würde, als dass er sprachlos war.
Doch sie tat nichts dergleichen, sie sah ihn nur etwas ungeduldig an.
„Wieso bist du dir da so sicher?“, fragte er schließlich mit einer vollkommen emotionslosen Stimme. „Wie groß ist überhaupt die Wahrscheinlichkeit, dass man sofort schwanger wird?“
Er ließ Hermine nicht zu Wort kommen, sie versuchte auch nichts zu sagen.
Er nahm sie grob am Arm und zog sie in Richtung des Schlosses. In den Gängen war niemand, die Korridore lagen verlassen da. Dem Geruch nach, gab es gerade Mittagessen. Malfoy ging voran und als er die Treppen in den ersten Stock hochging, ahnte Hermine schon wohin er sie führte.
Vor der Tür des Krankenflügels blieb er stehen und drehte sich zu Hermine um.
„Du gehst dort jetzt rein und wirst dich testen lassen oder irgendetwas tun um heraus zu finden ob du schwanger bist.“, sagte er kalt.
„So schnell kann man sich nicht testen lassen, Malfoy.“, sagte Hermine schwach. „Es ist doch gerade mal einen Tag her.“
„Das ist mir verdammt noch mal egal!“, schrie er mit zusammengebissenen Zähnen. „Dann finde halt raus, wann du dich testen lassen kannst.“
Er öffnete die Tür und schob sie in den lang gestreckten Krankensaal. Sie hatte zwar schon einen Tag über die mögliche Schwangerschaft nachgedacht, aber darüber reden zu müssen, hatte alles nur noch schlimmer und realer gemacht.
Zwei Betten in dem Krankenflügel waren belegt. In dem einen lag ein Drittklässlerin aus Hufflepuff, das andere Bett besetzte Anthony Goldstein, ein Junge aus Ravenclaw der in derselben Jahrgangsklasse war wie Hermine. Der Junge schien zu schlafen, doch das Mädchen war wach und sprach lebhaft mit einem Mädchen in ihrem Alter. Hermine hörte die Pforte hinter sich zufallen. Kurz atmete sie tief ein, dann schritt sie mit zitternden Knien zu der angelehnten Tür, auf der ein kleines Silbernes Schild mit der Aufschrift Büro prangte. Sie klopfte und wurde mit einem lautem „Herein“ hereingebeten.
Madam Pomfrey stand an einem geöffnetem Schrank als Hermine eintrat. Als die Tür zufiel drehte sie sich überrascht um.
„Miss Granger!“
Zögernd trat sie einen Schritt nach vorne und blieb planlos mitten im Raum stehen.
„Ähm, sie haben Schweigepflicht, oder?“, fragte sie unsicher. Madam Pomfrey zog eine Augenbraue hoch. „Ja, natürlich habe ich die.“, sagte sie anschließend. „Setzten sie sich doch bitte.“
Die Krankenschwester zeigte auf einen Stuhl der vor ihrem Schreibtisch stand und während Hermine darauf Platz nahm lies sie sich auf ihrem eigenen Sessel nieder.
„Weshalb benötigen sie denn davon Gebrauch zu machen?“
„Ich müsste wissen nach wie vielen Tagen man einen Schwangerschaftstest machen könnte.“, sagte Hermine mit fester Stimme.
Auch wenn Madame Pomfrey überrascht war, lies sie es sich nicht anmerken. Hermine wusste nicht wie viele Schülerinnen jährlich zu ihr kamen und nach einem Schwangerschaftstest fragten. Sie konnte nur ahnen, dass es sicherlich nicht viele waren, schließlich hatte nicht jede Schülerin die Gelegenheit sich bei einem Slytherin ins Bett zu schleichen. Ihr war klar, dass Kinder auch an diversen anderen Orten entstehen konnten aber von einer Schwangerschaft einer Schülerin auf Hogwarts hatte sie noch nie was gehört. Nur eineinziges Mal war es kurz in einem Buch in der Schulbücherei vorgekommen. Das Mädchen hatte die Schule vorerst freiwillig verlassen, war dann jedoch nie wieder gekommen.
Madam Pomfrey stand auf, ging zu einer kleinen Kommode aus Eichenholz und zog aus der dritten Schublade ein kleines rechteckiges Päckchen.
„Diesen Test können sie ungefähr vierzehn Tage nach der Befruchtung anwenden.“, sagte die Krankenschwester und streckte Hermine den Test entgegen.
„Diese Schwangerschaftstests unterscheiden sich kaum von denen der Muggel. Mit ein paar Zaubern konnte man die Fehlerhaftigkeit des Testes um einiges runterschrauben. Nun zeigt er mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit richtig an, ob sie schwanger sind oder nicht. Wir haben ein bisschen an ihnen herumgebastelt, nach außen hin wirkt er noch normal, aber es ist praktischer. Sie können ihn zu einer beliebigen Tageszeit anwenden und es ist nach ein paar Sekunden klar zu sehen ob sie schwanger sind oder nicht. Haben sie noch irgendwelche Fragen?“
Hermine nahm den Test entgegen und musterte ihn. Diese kleine Schachtel konnte ihr Leben von nun an wenden.
„Ja, die habe ich tatsächlich.“, sagte Hermine und sah Madam Pomfrey an. „Was muss ich tun wenn ich schwanger bin? Kann ich dann weiter zur Schule oder fliege ich raus und wann müsste ich zu irgendwelchen Vorsorgeuntersuchungen und wo?“ Würden mir Harry und Ron jemals verzeihen können, wäre ich mein restliches Leben lang an Draco Malfoy gebunden? In Hermines Kopf schwirrten tausende Fragen umher, doch mit so vielen musste sie ganz alleine klar kommen.
Madam Pomfrey lächelte. „Wenn sie schwanger sind, dann würde ich an ihrer Stelle eine Auszeit von der Schule nehmen und erst einmal das Kind auf die Welt bringen. Ich denke nicht, dass sie von der Schule fliegen würden. Eigentlich ist dieser Kontakt mit den Jungen ja auf Hogwarts verboten, aber ich denke die Konsequenzen werden sie diesem schon genug lehren. Was die Vorsorgeuntersuchungen angeht, sollten sie in dem Fall, dass der Test positiv ausfällt einfach noch einmal zu mir kommen und ich würde sie dann entsprechend informieren. Untersuchungen finden normalerweise alle 4-5 Wochen statt. Das müssten sie dann so gut es ging in die Ferien und Wochenenden legen und dort ihre Eltern besuchen um die Tests in einem Muggelkrankenhaus durchzuführen.“
Hermine wurde blass. Ihre Eltern hatte sie vollkommen vergessen. Sie würden es nicht verstehen, sie würden furchtbar wütend sein, sie-. Stopp! Noch war sie noch nicht schwanger. Sie würde nicht schwanger sein. Sie konnte nicht. Wahrscheinlich war all dies nur ein furchtbarer Albtraum aus dem sie eines Tages aufwachen würde. Die ganze Geschichte würde sie einfach vergessen, genauso wie Malfoy. Er war nur ein fehlerhaftes Kapitel in ihrem sonst so normalen Leben.
Wenn man es als normal beschreiben konnte, mit zwölf auf einer Zaubererschule aufgenommen zu werden, mit fünfzehn gegen ein paar ausgewachsene Todesser gekämpft zu haben und den Jungen der Überlebt hat als besten Freund zu haben.
Hermine stand auf. Als sie schon an der Tür war, drehte sie sich noch einmal um.
„Danke.“, sagte sie und es war ehrlich gemeint.
„Immer, Liebes. Und vergiss nicht, wir können Leben nehmen, können Leben zerstören, doch selbst als Zauberer können wir neues Leben nicht kontrollieren. Es ist ein kleines Stück Magie, ganz für sich selbst.“
Der restliche Tag verlief einfacher als sie gedacht hatte.
Als sie den Krankenflügel verlassen hatte und Malfoy mit einem „In zwei Wochen wissen wir es!“ abgewimmelt hatte, hatte sie sich zu Ron und Harry gesellt und hatte so gute Laune wie seit 48 Stunden nicht mehr.
Vielleicht lag es daran, dass sie das Geheimnis nicht mehr alleine herumtragen musste, oder daran, dass er bescheid wusste und sie sich nicht mehr unaufhörlich Gedanken machen musste, wie sie es ihm beibringen konnte. Oder vielleicht, dass sie erst einmal zwei Wochen nicht mehr an die mögliche Schwangerschaft denken musste. Bis zum 17. März, der Tag, an dem sie den Schwangerschaftstest benutzen konnte, ohne die Gefahr, dass er ein falsches Ergebnis anzeigte. Sie würde es bis dahin einfach verdrängen, so tun, als ob diese Nacht nie existiert hätte. Das einzige Problem, war dass ihr Fehler auf zwei Beinen durch das Schloss marschierte und arrogant auf die restliche Schülerschar herabblickte und sie so jeden Tag an die Nacht erinnerte.
Nach dem Abendessen, fing sie Lavender und Parvati ab und schleppte sie hoch in den Mädchenschlafsaal
„Lavender, Parvati! Wir müssen reden.“, sagte sie entschieden und drückte sie auf ihr Bett. Die beiden Mädchen sahen sich an und Lavender grinste. „Wir dachten schon du würdest gar nicht mehr kommen.“, sagte sie und Parvati kicherte.
„Ich war am Samstagabend mit euch beiden zusammen, oder?“
Die Mädchen nickten.
„Du warst ziemlich betrunken.“, kicherte Parvati „Und wir sind in den Gemeinschaftsraum der Slytherins gegangen.“
„Ja, daran erinnere ich mich auch noch aber danach setzt es aus.“, sagte Hermine verzweifelt. Plötzlich wurde ihr Blick wieder feindselig und sie funkelte die beiden Mädchen an. „Ihr wisst was passiert ist, oder?“
Lavender gluckste. „Wo bist du denn am Sonntag aufgewacht? Ich denke du selber weißt ganz genau was passiert ist.“
Hermine war kurz davor sie anzuspringen und das dämliche Grinsen aus den Gesichtern zu prügeln. Sie schloss die Augen, atmete einmal tief ein…und dann wieder aus.
„Ja, ich weiß was passiert ist.“, sagte Hermine ruhig Was ich mich jedoch frage, ist: Wie ist es dazu gekommen? Und irgendetwas sagt mir, dass ihr beide etwas damit zu tun habt.“
Mit großer Freude beobachtete Hermine, wie Lavender und Parvati aufhörten zu lachen und sich einen Blick zu warfen.
„Ähm…“, begann Parvati.
„Jahh?“, drängte Hermine.
„Letzten Samstagabend,“, begann Lavender „du hast wirklich viel getrunken und warst endlich mal…locker!“ (sie ignorierte Hermines zornigen Blick bei der unglücklichen Wortwahl) „Wir dachten, dass das eine Gelegenheit wäre, dir mal ein kleines Abenteuer zu verschaffen.“, fuhr Parvati fort.
Und so fingen die beiden an zu erzählen:
„Hermine Granger, sturzbetrunken. Dir werden sich noch neue Türen öffnen, glaube mir.“, lachte Pavarti. Hermine suchte nur tastend nach ihrem Becher, der irgendwo auf dem Buffet stehen musste. Susan und Hannah hatten die Köpfe zusammengesteckt, das einzige Wort, das Hermine immer wieder heraushören konnte, war 'Slytherin'. Aber es kümmerte sie nicht. Wo verdammt noch mal war ihr Alkohol.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Hannah sich zu Parvati rüberlehnte und ihr kichernd etwas ins Ohr flüsterte. Dann zog sie ein kleines, rosa Fläschchen aus ihrer Jackentasche und zeigte darauf. Pavarti sah zu Hermine und grinste breit.
Dann sagte sie: „Aber für uns soll auch etwas raus springen. Nur weil ihr Hermine in das echte Leben einführen wollt, heißt das nicht das wir leer ausgehen müssen.“
Sie griff nach Hermines Becher und drückte diesen in ihre suchende Hand. Lavender, bei der Hermine keine Ahnung hatte, wo sie so plötzlich hergekommen war (sie dachte sie würde in irgendeinem abgelegenen Winkel des Schlosses mit Ron rumknutschen,) nahm Hermines Hand und führte sie, gefolgt Parvati, aus dem Portraitloch raus, Hannah und Susan kichernd hinterher.
Hermine kam das graue Schloss viel farbiger und leuchtender als sonst vor. Die fünf Mädchen wankten kichern durch die Korridore und schienen Hermine in Richtung der Slytherinräume zu führen, Hermine interessierte sich dafür nicht. Ihre gesamte Aufmerksamkeit galt dem Becher in ihrer Hand, bei dem Versuch, so zu Laufen, dass nichts überschwappte.
Schließlich vernahmen die Mädchen laute Musik und traten durch eine Öffnung in einen Raum der grün leuchtete und voller tanzender Jungen und Mädchen war.
Die fünf Mädchen wankten hinein und mischten sich sofort unter die Menge.
„Sieh mal, wie wär's mit denen da hinten.“, rief Parvati über die Musik hinweg und zeigte auf ein paar Slytherinjungen, die lachend am Buffet standen, jeder mit einem Becher oder einer Flasche ausgestattet. Unter ihnen standen Theodor Nott, Blaise Zabini und Draco Malfoy.
Susan und Hannah steckten die Köpfe wieder kichernd zusammen und Parvati und Lavender zogen Hermine begeistert zu den Jungs. Während Parvati sich in ein Gespräch mit einem für Hermine unbekannten Slytherin verwickelte, schlich Lavender zu dem Buffet, an dem eine große Boule mit einer orangenfarbigen Flüssigkeit stand. Sie füllte ein paar Becher damit und zog anschließend das rosa Fläschchen aus ihrer Tasche. In zwei der Becher schüttete sie ein bisschen der durchsichtigen und harmlos aussehenden Flüssigkeit. Hermine, die das ganze verwirrt beobachtet hatte, sah wie Lavender das Fläschchen wieder verschwinden lies, ihr einen dieser Becher in die Hand drückte und den zweiten Becher ganz unauffällig neben Malfoy und Zabini auf das Buffet stellte. Schon im nächsten Augenblick war sie wieder zwischen Parvati und Hermine und flüsterte: „Auf gut Glück. Mal sehen, wer der glückliche Gewinner sein wird.“
Während Hermine an ihrem Becher nippte, beobachtete sie gespannt (ohne genau zu wissen warum) wie Malfoy sich suchend umdrehte und schließlich nach dem Becher griff und ihn mit einem großen Schluck leerte. Lavender und Parvati schrieen entzückt auf und schoben Hermine erwartungsvoll zu ihm.
„Der Liebestrank wirkt nicht lang, also musst du dich beeilen!“, flüsterte Parvati ihr im Vorbeigehen ins Ohr. „Du musst ihn nur warm werden lassen, ich glaube nicht dass er sich dann noch zurückzieht.“
Dann verschwanden auch die beiden in der Menge und Hermine stand vor Draco Malfoy der sie vollkommen verwirrt ansah.
Die beiden fingen an zu reden, dann fingen sie an heftig an zu flirte und nach ein paar weiteren Minuten verschwanden sie um eine Ecke und stiegen ein Treppe hoch. Malfoy hatte seine Hand auf ihren Rücken gelegt und führte sie in den Schlafsaal der Jungs.
„Und wieso bei Merlins Namen habt ihr mich nicht aufgehalten, als ich mit ihm verschwunden bin?“, fragte Hermine entsetzt.
„Verdammt Hermine, du solltest doch nur mal ein bisschen Spaß haben.“, meinte Parvati. „Und außerdem war der Liebestrank sehr schwach, nach zehn oder zwanzig Minuten hatte er seine Wirkung sicher schon wieder verloren. Also, was auch immer passiert ist, du kannst es nicht allein uns auf die Kappe schieben. Du hast es freiwillig getan.“
„Darum geht es nicht.“, schrie Hermine. „Das ist Draco Malfoy. Ihr wisst überhaupt nicht was ihr mir damit eingebrockt habt!“
„Nein, das wissen wir tatsächlich nicht.“, bemerkte Parvati „Du willst es uns ja nicht sagen.“
Hermine drehte sich von ihnen weg um die Röte in ihrem Gesicht zu verstecken und trat an das Fenster. Die Dunkelheit hatte sich über die gesamten Ländereien verbreitet.
„Es ist nichts passiert, was nennenswert ist.“, sagte sie leise. „Nichts, was irgendetwas zwischen uns ändern wird.“
Sie sah Lavender und Parvati an, die immer noch auf dem Bett fest gefesselt waren und wie es schien, nur darauf warteten, eine neue Tratschgeschichte zu erfahren.
„Weiß noch jemand davon?“, fragte Hermine schließlich.
„Nein, niemand außer Lavender und mir.“
„Okay, und so wird es auch bleiben, versteht ihr mich? Das wird zwischen uns bleiben. Es ist sehr wichtig, dass niemand davon erfährt.“
Hermine musste beinahe lachen, als sie sah, wie enttäuscht sie dreinsahen.
Sie drehte sie sich um, um den Schlafsaal zu verlassen, doch kurz vor der Tür blieb sie stehen und sah Lavender an. „Wieso hast du mich vor Ron gedeckt?“, fragte sie. „Du hast ihm gesagt ich käme nicht zum Frühstück.“
Lavender grinste breit.
„Nun ja, ich wusste doch wo du aufwachen würdest.“, lachte sie.
„Und dann wolltest du nicht das Ron und Harry es erfahren, damit sie sich nichts zusammen reimen, dass natürlich total unsinnig wäre?“, fragte Hermine und dachte, dass in Lavender, so nervig sie auch war, doch noch eine echte Freundin stecken könnte.
„Nein.“, kicherte sie und grinste noch breiter. „Ich wollte nicht, dass Ron und Harry es erfahren, da ich dachte, dass sich sicher etwas zwischen euch entwickeln würde und es nicht sehr hilfreich wäre, wenn die beiden von deiner Affäre mit Draco Malfoy wissen würden.“.
Hermine sah sie zornig an und war froh, dass sie mit ihren Blicken nicht töten konnte, denn ein brutaler Mord in den Mädchenschlafsälen würde sich in ihrem Lebenslauf nicht ganz so gut machen. Dann drehte sie sich mit schwingenden Haaren um, stürmte hinaus und schlug dabei die Tür so fest zu wie sie nur konnte.
Die restliche Woche verlief ruhig. Hermine fuhr mit ihrem Leben einfach so weiter wie sie es vor ihrem kleinem One-Night-Stand getan hatte. Sie machte sich keine Sorgen, dass Parvati und Lavender etwas weitererzählen würden. Sie beide wussten wie hässlich es für sie werden würde, wenn sie es tun würden.
Wie sie es schon sechs Jahre lang getan hatte, ignorierte sie die provozierenden Bemerkungen Malfoys und lies sie einfach über sich ergehen. Fast glaubte sie er wäre noch fieser geworden.
Es war ein Freitag und genau dreizehn Tage nach der Partynacht mir Malfoy, als Hermine gerade mit Harry und Ron die breite Mamortreppe zu den oberen Etagen hochstiegen auf dem Weg zu Zauberkunst. Am Rand der Treppe, gut versteckt, sah Hermine zwei knutschende Fünftklässler an der Wand lehnen.
Hermine war vollkommen unvorbereitet als sich plötzlich etwas vor ihre Augen schob sodass sie schlagartig stehen blieb.
Hermine legte ihre Arme um seinen Hals, während er ihr das lilafarbene Top über den Kopf streifte und ihr Schlüsselbein anschließend mit Küssen bedeckte.
Ron rannte in sie rein, doch sie rührte sich nicht.
Dann nahm er sie an der Taille und trug sie zu dem Himmelbett mit den silber-grünen Vorhängen.
„Hermine?“, Harry starrte sie besorgt an.
„Hallo, Hermine?!“ Ron fuchtelte mit den Händen vor ihrem Gesicht.
Hermine legte sich zurück und sofort war er über ihr und küsste sanft ihr Lippen. Seine Hände streichelten ihren Körper während sie ihre Hände in seinen Rücken krallte.
Hermine riss die Augen noch weiter auf, entsetzt von dem, was sie gerade gesehen hatte.
Er war so zärtlich gewesen war. Doch am Erschreckenstem war sie selber gewesen. Wie sanft sie ihre Arme um seinen Hals gelegt hatte. Wie sie sich an ihn gekrallt hatte oder wie sie sich an ihn geschmiegt hatte. All dies hatte nach mehr ausgesehen, als eine oberflächliche, unbedeutende Liebestranknacht. Es schien, als wollte sie ihn wirklich, als könnte sie überhaupt nicht genug von ihm bekommen.
„Hermine?“
Sie drehte ihren Kopf überrascht zu Seite.
„Ähm“, sie war ganz benommen, hatte total vergessen, dass sie mitten in einem Schulkorridor stand. „Was? Äh, es ist alles in Ordnung.“
Sie lächelte die beiden an, hackte sich bei ihnen ein und zog sie weiter, weg von dem sich immer noch küssendem Pärchen.
Es war Hermine noch nie vorgekommen, dass sie sich an bestimmte Teile eines Tages (oder einer Nacht) nicht mehr erinnern konnte, aber die Art wie die Erinnerungen zurückkamen irritierte sie. Sie kamen schlagartig, als wären sie nie weg gewesen. Es war erschreckend eine Szene aus Bildern, jedoch auch aus Gefühlen und intensiven Gedanken, vor sich zu finden, Gedanken, die man selber gedacht hat, sich aber nicht an die Nacht erinnern zu können.
Sie musste herausfinden was genau in dieser Nacht passiert war. Erst wenn sie sich an jede einzelne Sekunde wieder erinnern würde, könnte sie vielleicht verstehen, wieso sie sich darauf eingelassen hatte.
Es war schon lange dunkel und Lavender, Parvati und Eliza schliefen schon oder waren dabei einzuschlafen, auf jeden Fall gaben sie keinen Mucks von sich. Hermine lag mit offenen Augen in ihrem Bett. Sie hörte wie Kathleen weinte. Vielleicht waren die anderen Mädchen auch wach und hörten es. Doch niemand wollte zu dem weinenden Mädchen hingehen und sie trösten. Jeder von ihnen hatte es schon dutzende Male getan, hatte sie in den Arm genommen, ihr über den Rücken gestreichelt und geflüstert, dass alles gut werden würde. Aber Kathleens Mutter war tot, es würde nicht alles gut werden. Ermordet von einem Todesser namens Jugson. Nur weil ihr Blut nicht rein gewesen war. Wegen einer Sache, die man niemals wirklich nachweisen konnte. Eine rote Flüssigkeit wie jede andere auch, wie die der Muggel, wie die du-weiß-schon-wens, wie die Jugsons oder wie die ihre. Und aus diesem Grund weinte sich Kathleen in den Schlaf, oder ihre kleine Schwester Evelyn die erst zwölf Jahre alt war oder Hannah Abbott, deren Mutter letzten September ermordet worden war.
Plötzlich hörte sie ein leises Klopfen. Sie drehte den Kopf in die Richtung aus der das Geräusch kam. Eine braune Eule saß vor ihrem Fenster und tickte mit ihrem Schnabel gegen die Fensterscheibe. Sie hob sich kaum von der Dunkelheit ab. Hermine sah sie nur, da der Mond in der Fensterscheibe reflektiert wurde.
Mit großem Bedauern verließ Hermine ihr warmes Bett. Als sie das Fenster öffnete hörte sie, dass Kathleen verstummt war. Die Eule ähnelte den Schuleulen die zu Dutzend in der Eulerei lebten. Sie hatte keine Ahnung wer ihr einen Brief zu dieser Ungewöhnlichen Uhrzeit schicken würde. Hermine löste den Zettel von dem Fuß der Eule, welche, ohne darauf zu warten ob ihr Hermine eine Antwort mitgeben wollte, ihre Flügel ausbreitete und in der Dunkelheit verschwand.
Hermine öffnete den Zettel und las ihn. Sie runzelte die Stirn und sah der Eule nach, doch in der Dunkelheit konnte sie sie unmöglich ausmachen. Zögern legte sie sich wieder in ihr Bett und schlüpfte unter die warme Decke.
Sie warf den Zettel in ihren Koffer, der geöffnet neben ihrem Bett stand.
„Von wem war der Brief?“ Hermine schrak fürchterlich zusammen, als sie Kathleens leise Stimme hörte.
„Der…ähm…meine Eltern wollten nur wissen, wie es so in der Schule läuft.“, wand sich Hermine aus der Situation.
Kathleen erwiderte nichts. Hermine verzog das Gesicht.
Volltrottel, dachte sie. Sehr taktvoll, trete noch ein bisschen auf ihren Gefühlen herum. Sie wollte zu einer Entschuldigung ansetzten, doch schloss den Mund wieder. Sie wollte Kathleen nicht wieder zum weinen bringen. So ging es immer mit ihr. Man wusste nicht wie man mit ihr umgehen sollte. Sicher war das Einzige was sie wollte, wieder zur Normalität zurück zu kehren, doch wie konnte man mit so einem zerbrochenem Menschen normal umgehen, ohne die Angst zu haben, er würde in seiner Hand kaputtgehen.
Mit einem schlechten Gewissen wegen der Lüge spähte sie in ihren Koffer, indem der Brief in dem Mondschein, der durch das Fenster kam, sehr gut lesbar war.
Granger,
wir müssen reden. Morgen, 21 Uhr, Eulerei.
M.
Das sah Malfoy ähnlich, gar nicht erst auf eine Antwort zu warten. Etwas auszumachen, sie herzubestellen ohne zu berücksichtigen ob sie kommen konnte (oder wollte).
Hastig zog sie einen ihrer Socken aus und warf ihn über den Brief, hoffend auf wenigstens eine ruhige Nacht in der sie nicht von Draco Malfoy heimgesucht werden würde.
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