
von summer_123
°°KAPITEL 5°°
Wieso kann ich mich nicht erinnern Granger?
Den ganzen Tag lang überlegte sie, ob sie zu diesem Treffen gehen sollte oder nicht. Immer wider entschloss sie sich anders. Doch am Ende kam sie zu dem Schluss, dass sie sich mit ihm treffen musste, wenn sie herausfinden wollte, wieso er sie herbestellte.
Während Ron und Harry Zutatenlisten für einen Alterungstrank aufschrieben, Hermine war sich sicher, dass das Blatt sich in der letzten halben Stunde kaum gefüllt hatte, durchquerte Hermine den Gemeinschaftsraum.
„Hermine, wo gehst du jetzt noch hin?“, fragte Harry als Hermine an der Rückseite des Portraits der fetten Dame angelangt war. „In zehn Minuten ist Sperrstunde.“
„Ich weiß, ich beeile mich. Ich wollte nur ein Buch aus der Bibliothek ausleihen, ich brauch eine Nachtlektüre.“, erklärte sie „Keine Angst, ich lass mich nicht von Filch erwischen. Um neun bin ich wieder hier.“
Ron sah sie verzweifelt an.
„Hermine!“, sagte er vorwurfsvoll und sah demonstrativ auf sein Blatt Pergament.
Hermine lächelte nur entschuldigend und verschwand. Sie war so schlecht! Sie hasste es ihre Freunde anzulügen. Sollte der Schwangerschaftstest positiv ausfallen, dann musste sie sich mit dem Gedanken anfreunden, die Wahrheit zu verschweigen. Geschichten zu erfinden, Lügen, sich aus Situationen herauswinden, lügen, vom Thema ablenken, lügen.
Schnellen Schrittes ging sie den Korridor entlang, zu der Wendeltreppe, die den Westturm empor führte. Eine Steinstufe nach der anderen ließ sie hinter sich. Sie war noch nicht oben angekommen, da roch sie schon den typischen Geruch der Eulerei.
Das Stroh, welches den Boden bedeckte dämpfte ihre Schritte. Wäre Malfoy schon da gewesen, hätte er sie sicher nicht kommen gehört. Doch er war nicht da.
Hermine ging auf den kleinen Absatz zu, an dem man seine Eulen losschicken konnte. Eigentlich war es ein kleiner Balkon, nicht breiter als ein Meter mit einem hüfthohen Geländer aus Stein wie beinahe alles in dem Schloss. Obwohl Hermine etwas früh dran war, hoffte sie, dass er schnell kommen würde. Hier oben auf dem Turm ohne Fensterscheiben zog es und sie fror.
Der Mond hing Sichelförmig über den Ländereien und obwohl er diese Nacht so schmal war spendete er viel Licht und spiegelte sich beinahe perfekt auf dem großen See.
Hermine lehnte sich mit dem Rücken an das Geländer, legte die Arme um ihren Oberkörper und wartete.
Malfoy tauchte erst zehn Minuten später auf.
Mit den Worten „Du hast dir ja ziemlich Zeit gelassen.“ empfing sie ihn. „Ich meine, dafür, dass du mich eingeladen hast.“
„Ja, ich habe ja auch einen bisschen weiteren Weg als du.“, gab er genervt zurück. Er stellte sich neben sie. Sie sah ihn erwartungsvoll an. Innerlich hoffte sie, er würde die Schwangerschaft ansprechen. Sie hoffte auf irgendeine Art und Weise Unterstützung zu bekommen. Ihr war egal von wem sie kam, sie wollte nur nicht mehr alleine dastehen. Sie verlangte nicht, dass er sagen würde, er würde bei ihr bleiben oder das Kind mit ihr zusammen aufziehen. Sie hoffte nur auf ein bisschen Beistand, der ihr zeigte, dass dieses Kind nicht allein ihr Fehler war
„Ich muss mit dir reden.“, begann er schließlich. „Du hast mir am Montag vor zwei Wochen erzählt, du könntest dich an Teile der Nacht erinnern. Die Sache ist die, ich erinnere mich an nichts mehr. An überhaupt nichts. Was auch immer in dieser Nacht passiert ist, ich weiß es nicht.“, er sah sie an. Die nächsten Worte sprach er, als ob er sich wirklich überwinden musste sie über die Lippen zu bringen. „Ich möchte, dass du mir genau erzählst an was du dich erinnerst, Granger.“
Hermine sah ihn geschockt an. Das konnte sie nicht. Sie konnte nicht erzählen wie sie sich angefasst hatten und wie schön sie es gefunden hatte.
„Also?“
Hermine schluckte.
„Nein.“, brachte sie leise hervor.
„Was?“, fragte er.
Sie sah ihn an. „Nein!“, wiederholte sie laut und deutlich.
„Ja, ich hab dich schon verstanden.“, bemerkte er. „Wieso? Was möchtest du vor mir verstecken?“
Sie sah ihn verzweifelt an. War sie so leicht zu durchschauen?
„Die Erinnerungen gehen nur mich etwas an.“
„Nein Granger.“, zischte er. „Es würde nur dich was angehen wenn du irgendeine Nacht mit dem Wiesel gehabt hättest und Gott bewahre mich davor, dass du mir davon erzählen würdest. Aber leider bin ich mit dir in einem Bett aufgewacht und nicht dein kleiner Blutsverräter. Also:“, er trat einen Schritt auf sie zu und Hermine befand sich ihren Geschmack nach etwas zu nah an dem Geländer, hinter dem der Abgrund lauerte.
„Doch, es geht mich etwas an.“
Okay, jetzt muss ich mich also entscheiden, dachte sie. Entweder ein schneller schmerzloser Tod, wenn er mich die Brüstung hinunterstürzt oder ein langsamer qualvoller Tod, wenn ich ihm erzähle an was ich mich erinnere und dass es meine Freundinnen waren, die uns den Liebestrank untergejubelt haben.
O Gott, er würde so wütend sein. Aber Moment Mal. Sie hatte nichts davon gewusst, ihre Freundinnen hatten ihr nichts verraten, sie war viel zu betrunken gewesen.
Als ob ihn das kümmern würde, dachte sie betrübt.
Sie schlüpfte unter seinem Arm hindurch in die Eulerei, wo sie zögern stehen blieb und anfing zu erzählen.
Sie fing mit der Stelle an, die Lavender und Parvati ihr erzählt hatten. Bei den Worten Liebestrank runzelte er die Stirn, lies sie jedoch weiter erzählen „Du hast mich hoch in dein Zimmer geführt… und…nun ja, das habe ich dir doch schon vorletzten Montag hinter den Gewächshäusern erklärt!“, meinte Hermine verzweifelt.
„Das war alles?“
„Das war alles!“, bestätigte sie.
„Granger, du hast ?Erinnerungen' gesagt“, bemerkte er.
„Was?“
„Du sagtest, dass die Erinnerungen nur dich was angehen.“
Verdammt. Sie atmete tief durch. Sie würde ihm alles sagen, sie würde nicht Drumherum kommen. Er würde sie solange hier behalten bis er seine Antworten hatte. Hermine ging zu einem der glaslosen Fenster und sah nach draußen, suchend nach einem Weg, Malfoy nicht anblicken zu müssen.
„Ich erinnere mich immer wieder.“, fing Hermine leise an. „Immer nur an Teile, an Ausschnitte der Nacht. Sie dauern häufig nur wenige Sekunden und sie überfallen mich. In Situationen, in denen ich nicht einmal an die Nacht denke, nicht an dich oder an die fehlenden Ausschnitte, schieben sie sich plötzlich vor mein Sichtfeld.
Das erste Mal, dass ich mich an einen Teil erinnert habe, war an dem Sonntag nach der Party während dem Frühstück. Am Tag danach habe ich mit dir darüber geredet.
Das zweite Mal war gestern Morgen mitten in einem Korridor. Ich kann in dem Moment an nichts mehr denken, so sehr erschrickt es mich jedes Mal. Wenn das so weitergeht, werden mich meine Freunde noch für verrückt halten.
Erst hast du mir mein Oberteil ausgezogen, dann geküsst. Du hasst mich an der Taille hochgehoben und zu deinem Himmelbett getragen. Als ich mich nach hinten gelegt hatte, warst du wieder über mir und wir haben uns wieder geküsst-“
Hermines Stimme erstarb. Es war ihr so furchtbar unangenehm diese Erinnerung zu beschreiben. Nicht weil sie nicht daran denken wollte oder weil sie sie jemanden den sie hasst erzählte, sondern weil sie wusste, dass er sie hasste. Ohne Zweifel ekelte er sich. Seine Lippen hatten ihre geküsst, ihren Körper…
Hermine drehte sich zu ihm um. Malfoy sah nicht so erschrocken aus, wie sie vermutet hatte. Wahrscheinlich hatte er so etwas in der Art erwartet. Was auch immer in ihm vorging, sie wusste es nicht. Sie glaubte etwas Entrüstung erkennen zu könne, etwas Beklemmung, etwas Unsicherheit. Was war das doch für ein seltsames Gefühl: Zwei Menschen, sich hassend aufs Blut, stehen sich gegenüber, wissend, dass sie eine Vergangenheit haben. Sie kennen diese nicht, sie kennen denjenigen mit den sie die Nacht verbracht haben nicht. Mit niemand kann man darüber reden, der einzige Beweis ist der Gegenüber.
„Wieso erinnere ich mich nicht?“, unterbrach Malfoy die Stille.
„Wir haben getrunken, ich weiß nicht wie viel, aber wie es scheint genug.“
„Und deine Freunde haben uns Liebestrank untergejubelt?“, fragte er.
„Ja, Liebestrank. Sie meinten zu mir, dass er nicht lange angehalten hat.“. Hermine wandte sich zum gehen. „Sie sagen wir sollen nicht alles auf den Liebestrank schieben. Ich denke auch, es war wohl beinahe ausschließlich unsere Dummheit und der Alkohol. Der Liebestrank hat uns nur einen Anstoß gegeben.“
„Granger!“ Hermine war schon an der Treppe, als Malfoy sie zurückrief. „Ich habe nicht so viel getrunken. So viel um betrunken zu sein, aber nicht so viel um einen Filmriss zu bekommen.“
„Dann scheint es nur unser Leichtsinn gewesen zu sein.“
Vielleicht wollte er noch etwas sagen, aber Hermine lies ihn stehen und ging die Wendeltreppe hinunter. Sobald sie sich sicher war, dass er sie nicht mehr hören konnte, fing sie an zu rennen.
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