
von Patroni
Jenna Blueberry saß, mit dem Kopf an die kühle Scheibe gedrückt, an ihrem Zimmerfenster und blickte in den klaren Morgen hinaus. Draußen beleuchteten nur die einsamen Straßenlaternen die dunkle Gasse Slowpokes´, und nur das leise Brauschen des Windes, konnte man als Lebzeichen deuten.
Slowpoke war gesäumt von immergleichen Häusern, mit deren perfekten Gärten, in denen die bunten Tulpen über die Zäune ragten, und hinaus winkten. Es war gewiss ein einsamer Ort und nie würde irgendwer freiwillig einen Fuß hier her setzten. Würde nicht hin und wieder der nervende Köter der Nachbarn kleffen, dann würde man wahrscheinlich denken, dies wäre eine Geisterstadt, so einsam und leer es hier war. Die Bewohner kamen schließlich nur bei schönstem Wetter, Windstille und einem köstlichen Glas Limonade aus ihren kühlen Wohnzimmern, denn einen Sonnenbrand riskieren, wollte natürlich niemand.
Mit einem lauten Seufzer lehnte sich Jenna zurück auf ihrem Schreibtischstuhl, verschränkte die Hände vor ihren Augen und stieß sich mit beiden Beinen vom Fensterbrett ab, so dass sie zurück zu ihrem Bett rollte.
Gewiss war es das Eine, denn kein normales fünfzehnjähriges Mädchen würde um diese Uhrzeit bereits wach sein, doch Jenna Blueberry war nunmal nicht normal. Zumindest passte sie nicht in das Ranking ihrer Nachbarn, die nur zu gerne über die ›seltsame Jenna von Nummer 7‹ sprachen, und neugierig ihre Nasen überall hinein steckten, wo ihre Ohren nichts mehr aufschnappen konnten.
Jenna passte nicht in die normalen Verhältnisse einer Fünfzehnjährigen. Sie interressiete sich zwar für Jungs, war auch nicht abgeneigt von Lippenstift und mochte wie jedes andere Mädchen auch die Farbe Pink – doch eigentlich war sie eine Hexe.
Vor vier Jahren hatte Jenna einen Brief bekommen, beschrieben mit grüner Tinte auf altem Pergament. Weder sie, noch ihre Eltern, konnten ihr erklären, was das war, geschweige denn, wer ihr einen Brief schicken würde. Doch dann stellte sich heraus, dass Jenna eine Hexe war – wie in den Märchen und Legenden -, und dass sie nun bald nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen würde. Damals ahnte Jenna nicht im geringsten, was sie alles erwarten würde. Angefangen von strengen Hauslehrern, leckeren Süßigkeiten, tollen Freunden und natürlich dem Zaubern. Jenna war bei Muggeln aufgewachsen, also hatte sie noch nie etwas von einem Vielsaft-Trank, der Kopflosenjagd oder Zauberspruchformeln gehört – doch schnell hatte sich heraus gestellt, dass die anderen Kinder, ob nun muggelstämmig oder nicht, auch alles erst lernen mussten und Jenna liebte Hogwarts immer mehr und mehr ...
Nun jedoch lag sie auf ihrem alten Bett, mit der selben geblümten Bettdecke, wie auch noch vor zwei Jahren, und starrte müde an die Decke ihres Zimmers.
Die letzten paar Wochen waren das Schlimmste, was es gab, für Jenna. Eigentlich fand sie die Ferien immer schon schrecklich, doch merkwürdigerweise, waren diese noch viel langweiliger und zäher, als die letzten Sommerferien. Jenna hatte sich eigentlich erwartet, ihre Freunde würden ihr schreiben, aber ihre weiße Taube namens Mathilda, kam jede Nacht mit leerem Schnabel zurück nach hause, und jedesmal wenn Jenna auf ihren leeren Käfig blickte, hoffte sie, dass die Taube in der nächsten Nacht mit einem Brief zurück kommen würde.
Hatten sie Jenna vergessen? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihre beste Freundin, Hermine Granger, plötzlich das Interesse an ihr verloren haben soll, wo sie die letzten Jahre über förmlich an Jenna geklebt war. Auch konnte – oder wollte -, Jenna nicht glauben, dass ihre beiden besten Freunde, Ron Weasley und Harry Potter, vergessen haben sollten, wie man einen Brief schreibt ... nun – doch – bei Ron, so dachte Jenna, konnte die Tinte alle sein. Sie wusste, dass er es nicht leicht hatte, doch seine Freunde hatte Ron bis jetzt noch nie im Stich gelassen – meistens, jedenfalls. Und Harry hatte genung Probleme, als das er sich nun auch noch Gedanken über das Schreiben von Briefe machen musste. Sein Letzter, kam erst vor einer Weile, und Harry klang alles andere als fröhlich:
Hallo, hatte er in seiner schönen Schrift geschrieben.
Ich hoffe du kannst mir sagen, was die Anderen anscheinden für unnötig halten, mir zu sagen!
Was ist los mit euch? Ich dachte Hermine, Ron und du, ihr wolltet mir Bescheid geben, falls es Etwas neues gibt! Gut, Hermine und du – okay -, aber Ron! Die Beiden schreiben mir nur so eigenartige Briefe, sagen, sie könnten mir nicht mehr schreiben, falls die Eulen abgefangen werden -
Bitte, Jenna, wenn du was weißt, dann sag´s mir, ich glaube, ich werde sonst noch verrückt, alleine mit den Dursleys, ohne zu wissen, was eigentlich da draußen los ist ...
Natürlich konnte Jenna nichts Sinnvolles zurück schreiben – wie denn auch, wenn sie genauso wenig wusste, wie Harry. Doch egal ob nun hilfreich oder totaler Schwachsinn – Harry hatte es schon schwer genug, und Jenna verstand nicht, wie Ron und Hermine ihn so im Stich lassen konnten. Harry hatte Recht, denn Hermine und sie konnten ihm nicht so viel sagen, wie Ron es eigentlich konnte, trotzdem machte sie sich Sorgen um ihren besten Freund.
Letztes Schuljahr war Harry Angesicht zu Angesicht gegen Er, dessen Name nicht genannt werden darf, getreten und hatte gegen ihn gekämpft – auf Leben und Tod. Schlimm genug, dass Harry diesen Tag erst überhaupt erleben musste – nein -, jetzt verschwörte sich auch noch das Zaubereiministerium gegen ihn. Natürlich glaube Jenna Harry, doch gegen eine solche Macht, gelang es nicht Widerstand zu leisten.
Gerade als Jenna ihre vor Müdigkeit juckenden Augen schließen wollte, gab es ein lautes Flawph und Etwas weißes landete neben ihr auf dem geblühmten Bett.
Jennas Herz begann plötzlich zu rasen – es war Mathilda, und sie hatte einen Brief!
Jenna setzte sich hastig auf und nahm der Taube die Last aus dem Schnabel. Froh endlich wieder Zuhause zu sein, flog Mathilda zurück in ihren Käfig und bediente sich an dem Wasser in ihrem Napf, ehe sie mit großen runden Augen Jenna zu sah, wie sie den Brief langsam aufriss.
Jennas Hände zitterten fast vor Aufregung, als sie sah, dass der Brief weder von Harry, noch von Hermine oder Ron war. Die Schrift in schwarzer Tinte, war weder kragelig, wie die von Hermine, noch schwer zu lesen, wie die von Ron es immer war – es war eine einfach, klar leserliche Schrift, die fast das ganze Pergamentblatt füllte und Jenna hatte sie noch nie zuvor gesehen.
Sie legte den Umschlag beiseite und begann zu lesen:
Miss Blueberry,
Zu Anfang muss gesagt werden, dass ich Sie ausdrücklichst darum bitte, diesen Brief, nachdem Sie ihn vollständig gelesen haben, zu vernichten. Bitte lassen Sie ihn niemand anders lesen, dass ist sehr wichtig.
Nachdem was letztes Schuljahr im Trimagischen Tunier geschehen ist, wurde der Orden des Phönix, eine Geheimgesellschaft, von mir gegründet, wieder einberufen, um Voldemort auf dem Vormarsch zu hindern. Natürlich liegt es an den Mitgliedern des Ordens, damit dies geschehen kann, deshalb befinden wir uns in absoluter und strengster Dunkelheit – ich denke, Sie wissen über den Fidelius-Zauber Bescheid, ja?
Dies, was Sie nun lesen werden, wird Ihnen das Versteck des Ordens zeigen – ich bitte Sie deshalb ein weiteres Mal, niemand anderen diesen Brief zu zeigen!
Bitte packen Sie Ihre Koffer mit allem Notwendigen und auch ihren Schulsachen, und kommen Sie mithilfe von Flohpulver in das Geheimversteck – Ihre Freunde erwarten Sie bereits und werden Ihnen sicherlich alles andere noch erklären.
London, Grimmauldplatz Nummer 12, Hauptquartier des Orden des Phönix
Um eine letzte Sache muss ich Sie jedoch noch bitten: Erzählen Sie nichts, was Sie gerade erfahren haben, ihrem jungen Freund, Mr Harry Potter.
In der Hoffnung, dass Sie wohlauf sind, Miss Blueberry,
Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore
Schulleiter von Hogwarts
Als Jenna zu Ende gelesen hatte, waren ihre Augen wahrscheinlich so groß wie ein Quaffel.
Orden des Phönix? Sollte sie mehr über die Tatsache verwirrt sein, dass Dumbledore ihr geschrieben hatte, oder eher darüber, dass er eine Geheimgesellschaft für den Kampf gegen Du-weißt-schon-wen gegründet hatte? Aber warum sollte ausgerechnet sie in dieses Hauptquartier am Grimmauldplatz, Nummer 12, kommen? Was hatte sie mit dem ganzen zu tun? Und was sollte das heißen ›Ihre Freunde erwarten Sie bereits‹? Waren Harry, Ron und Hermine etwa auch dort? Nein, dass ging nicht ganz, denn sonst hätte Dumbledore nicht erwähnt, dass sie nichts Harry sagen sollte – doch, warum? Hatte er es nicht am meisten verdient, Antworten zu bekommen?
Plötzlich fühlte sich Jenna schlecht. Harry hätte es an ihrer statt verdient, in das Hauptquartier zu gehen. Er hatte viel mehr geleistet als Jenna. Er hatte doch das größte Recht dazu, zu erfahren, was los war – aber doch nicht Jenna!
Jenna las die letzten Zeilen noch einmal: London, Grimmauldplatz Nummer 12, Hauptquartier des Orden des Phönix.
Es war ihr ein Rätsel, wie ein Hauptquartier im Kampf gegen das Böse, seinen Sitz zwischen Muggel haben konnte, doch als Jenna das Stück Pergament in Flammen zauberte, und es vor ihren Augen verkokelte, machte sie sich auch keine Gedanken mehr darüber – schließlich sollte Dumbledore doch wissen, was er tat.
Der Morgen war nun vollends angebrochen und helles, klares Licht strahlte in Jennas kleines Zimmer. Eigentlich hatte sie vorgehabt, noch zu schlafen, doch nun konnte sie nicht länger still sitzen.
Seit sie ihre Albträume hatte, war es Jenna gewohnt, früh morgens aufzustehen und genauso früh wieder schlafen zu gehen, doch nun, war Schlaf wohl das Geringste Problem.
Jenna war im Nachhinein froh, dass sie damals in der Winkelgasse Flohpulver gekauft hatte (wenn auch nur zum Spaß), denn als sie ihren Koffer mit ihren Schulsachen gepackt hatte, und Mathildas Käfig in der Hand hatte, und nun vor dem großen Kamin im Wohnzimmer stand, das Gott sei Dank noch leer war, was hieß, dass ihre Eltern noch schlafen mussten, fiel ihr ein großer Stein vom Herzen. Wie wäre sie sonst nach London gekommen?
Vorsichtig griff Jenna in die Tasse, wo sie das Flohpulver aufgewahrte, und nahm eine Hand voll des grauen Pulvers. Sie schmiss es in den Kamin und grüne Flammen züngelten auf.
Mit einem großen Schritt trat Jenna mitten hinein, und bevor sie die trockene Asche einatmen konnte, sagte sie schnell: »Grimmauldplatz Nummer 12!«
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