
von ...
Neuschnee glitzerte auf den kahlen Ästen und eine kalte Winterbrise brachte sie zum Rascheln. Ein eigentlich wunderschöner Anblick, der in der Dunkelheit, die den Wald umschloss, etwas Majestätisches hatte.
Mitten zwischen Bäumen und neben einem etwas größeren Gestrüpp war ein Zelt aufgebaut. Es wirkte nicht grade sehr groß und die eigentlich weiße Farbe war schon lange vergilbt. Vor dem Zelt saß ein Zauberer. Schwarze, strubblige Haare und in einen dunkelbraunen Umhang gehüllt saß er auf der Erde, die er vorher von dem Schnee befreit hatte. Mit dem Zauberstab auf dem Boden herumstochernd machte er den Eindruck von einem kleinen bockigen Schuljungen, dem seine Süßigkeiten geklaut wurden waren und der neue haben wollte. Aber etwas viel wichtigeres beschäftige den jungen Mann. Seine beste Freundin schlief seelenruhig, zumindest dachte er das, im warmen Zelt und er hielt hier draußen, im bitterkalten Winter, Wache.
Man konnte einsam werden, wenn man für einen so langen Zeitraum von der eigentlichen Welt, da wo Freunde und Bekannte leben, abgeschottet ist.
Auch wenn niemand wirklich an seiner Situation Schuld war, schrieb sie Harry Potter einem Mann zu. Dem Mann dem er blind vertraut hatte, zu dem er aufgesehen hatte, der mit seinem aufrichtigem Herzen und seiner warmen Art immer ein Vorbild für ihn war. Albus Dumbledore.
„Ihn braucht's nicht zu kümmern; er ist tot!“ dachte Harry Potter sich immer wieder, so auch diese Nacht. „Nichts hat er mir erklärt. Nichts! Es ist ja nicht so als würde das hier Spaß machen, als wäre es ein Spiel aus dem man jederzeit aussteigen könnte, wenn's einem nicht mehr gefällt!“ Wütend schmiss er einen Stein tief in den Wald hinein. Eine schwarze Krähe flog erschrocken davon, als der Stein plötzlich in dem Brombeerstrauch landete, von dem sie sich grade die letzte vertrocknete und vom Herbst übergebliebene Frucht gepickt hatte.
„Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, mit so viel Wissen und Macht, Merlin, ich hätte es selbst erledigt und nicht in Rätseln mit einem noch nicht einmal volljährigem Zauberer gesprochen! Aber was erwarte ich hier eigentlich? Dieses Zitronendrops-fressendes-, sich-um-nichts-kümmerndes-, und Lügen-erzählendes-Wesen hatte alle Möglichkeiten offen gehabt.“
Harry atmete einmal tief durch. Seine Wut auf den weißhaarigen Zauberer mit dem langen Bart war immens. Nachdem er erfahren hatte, dass sich dieser, als er so alt war wie er selbst jetzt, an den dunklen Künsten vergriffen hatte und versuchte die Muggel zu unterwerfen war das perfekte Bild von Albus Dumbledore zersprungen und ein Neues entstand. Eins, dass von Zweifeln und Unsicherheit geprägt war und Niemand konnte es ihm mit Sicherheit ausreden.
„In seiner Zeit als Lehrer, und später auch als Schulleiter, muss er ein schönes Leben gehabt haben. Von Jedermann geachtet und bewundert. Was hätte ich in seiner Situation getan? In der Zeit, wo er sich keine Sorgen um das Wohl der Zauberergemeinschaft machen musste, als Voldemort nicht aktiv war.“ Über seinen ersten Gedanken musste er lachen. Er war simpel und ein Traum so ziemlich jedes Hogwartsschülers: „Einmal meine Lieblingsquidditchmannschaft treffen und vielleicht mit ihnen ein Butterbier trinken gehen. Was würden die Anderen neidisch sein, wenn ich mit Roderick Plumpton von den Tutshill Tornados abhängen würde…“
Eine zarte Hand auf seiner Schulter ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken.
„Harry? Stört es dich wenn ich mich zu dir setze? Ich kann nicht schlafen.“ Ohne auf Harrys Antwort zu warten setzte sich Hermine neben ihren besten Freund und beschwor für beide ein kleines Feuer im Marmeladenglas, damit ihnen etwas wärmer wurde.
„Sag mal Hermine…“ setzte Harry nach einigen Minuten in denen er wie in Trance das Feuer angestarrt hatte, an. „Was würdest du machen, wenn du für einen Tag Dumbledore wärst?“
Sichtlich verwirrt über diese Frage schaute Hermine Harry an, antwortete aber mit einer Sicherheit in der Stimme, die er nicht erwartet hatte:
„Natürlich seine Bücher und Aufzeichnungen lesen! Seine Privatbibliothek ist ein Schatz an Wissen, das der Zaubererwelt noch unbekannt ist und es sind Bücher dabei, die man normalerweise niemals in die Finger kriegen könnte. Kannst du dir denn nicht vorstellen wie sehr uns das helfen würde?“
Diese Antwort ließ Harry nachdenken und seine Antwort kam ihm nun mehr als albern vor.
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