
von elfenkauz
„Aberforth! Weißt du schon-…“
„Schuhe ausziehen, falls du rein kommen willst, Longbottem! Ich habe gerade frisch gefeudelt!“
Neville schlüpfte bereitwillig aus seinen Schuhen. Hinter ihm taten es Seamus, Dean und Luna ihm gleich.
„Ein Butterbier, bitte!“ bestellte Seamus. Aberforth warf ihm einen finsteren Blick zu und stellte ihm einen Krug vor die Nase.
„Ihr könnt froh sein, dass ich gerade keine Kundschaft habe. Sonst hättet ihr nichts bekommen.“
„Charmant wie immer.“
„Mund halten, Thomas!“
Neville verdrehte grinsend die Augen. Anscheinend hatte Aberforth einen von seinen grummeligen Tagen, an denen man ihn unter keinen Umständen reizen durfte. Und einfach nicht ernst nehmen.
„Also, was ist los? Ich denke nicht, dass ihr gekommen seid, um mir beim Putzen zu helfen!“
„Eigentlich nicht!“ sagte Seamus, was ihm einen weiteren bösen Blick einbrachte. „Wir haben so was wie vorverlegtes Hogsmeade-Wochenende.“
„Aha. Und wieso, wenn man fragen darf?“
„Im ganzen Schloss herrscht Panik. Hast du keinen Tagespropheten gelesen? Der ist doch voll damit.“ Neville klatschte die neueste Ausgabe des Tagespropheten auf die Theke. Aberforth betrachtete diese höchst angeekelt.
„Les ich nicht“ meinte er kurz, „Diese gepuderte Schnepfe geht mir auf den Geist. Hat mal einen Artikel über den Eberkopf rausgebracht, es sei eine verstaubte Taverne für Gesindel.“
Die vier verkniffen sich einen Kommentar, den Aberforth wohl schlecht aufgenommen hätte.
„Ist auch egal. Ein Blick wirst du ja wohl noch draufwerfen können“ Auf dem Titelblatt stand mit Doppelbalken unterstrichen: Auserwählter spurlos verschwunden!!!
Aberforth ließ langsam das Glas sinken, das er poliert hatte. Seine Augen überflogen den Artikel und seine Brauen rutschten immer mehr zusammen.
„Den Quatsch mit den Todessern in Hogwarts und dem Kampf mit den Chimäras kannst du wegstreichen“ meinte Neville. „Hogwarts steht noch und es gab auch keine Tote. Dass hat die Skeeter zusammengelogen, weil sie nichts Gutes rausbekommen hat. Ich frage mich, wie die Skeeter überhaupt das alles rausgekriegt hat, Interviews durfte sie doch keine nehmen.“
„Hmn. Aber Potter ist verschwunden?“
„Ja, und nicht nur er, sondern auch Hermine und Ron und Ginny“ sagte Dean. „Deswegen haben ja alle solche Angst. Wenn Todesser in Hogwarts eindringen konnten, wie die Skeeter es behauptet, ist keiner mehr sicher. Einige Kinder wurden schon abgeholt. Das Ministerium versucht alle zu überzeugen, dass Harry sich nur etwas zurückgezogen hat. McGonnagal sieht richtig besorgt aus und die DA würde auch gerne wissen, wo ihr Chef sich rumtreibt. Großeinsatz, sozusagen. Aber alles, was wir rausgekriegt haben, ist, dass die vier in der Zaubertrankstunde verschwunden sind. Professor Slughorn meinte auch, dass sie in die Vergangenheit gereist sind. Aber das wäre ja total unlogisch, obwohl McGonnagal so aussieht, als würde sie das nicht überraschen.“
Aberforth warf seinen Lappen, mit dem er gerade noch hingebungsvoll das Glas poliert hatte, entschlossen über die Schulter und schlurfte wortlos auf eine Treppe hinter der Theke zu. Neville, Seamus und Dean sahen ihm fragend hinterher, Luna jedoch sprang elegant von ihrem Sitz und folgte ihm.
„Könnt mitkommen, wenn ihr wollt.“
Er führte sie über eine enge, schmale Wendeltreppe hinauf in seine Wohnung, die direkt über der Kneipe lag. Sie bestand aus einem großem Raum, der Wohn-, Ess-, und Schlafzimmer in einem war. Ein zerschlissener Teppich lag auf dem Boden und über dem Kamin hing ein Porträt von einem blonden Mädchen, das traurig lächelte. Sie alle kannten jenes, es war das Ende des Geheimganges vom Raum der Wünsche. Daneben war eine verschlossene Tür, vermutlich führte sie ins Bad.
Aberforth ging zielstrebig auf einen kleinen Spiegel zu, der auf dem Kaminsims stand. Er war etwas größer als eine Männerhand, und hatte einen zwei bis drei Zentimeter breiten verschmutzten Metallrand, der etwas verbeult war.
„Potter!“ rief er seinem Spiegelbild zu. Die vier sahen ihn verwirrt an.
„Ähm, Aberforth?“
„Das ist ein Zweiwegspiegel“, erklärte er unwillig. „Es sind zwei verschiedene Spiegel mit zwei Besitzern. Wenn der jemand den Namen des Besitzers sagt, kann man das Gesicht des Menschen am anderen Ende im Spiegelbild sehen und mit ihm sprechen. Potter besitzt den Zwillingsspiegel. Ich habe meinen von Mundungus gekauft, der ihn wohl Black geklaut hat, als er gestorben war. Würde dem wohl eh egal sein, er konnte schließlich den ganzen Kram von seiner Familie nicht ausstehen und hätte ihn weggeworfen. Potter!“ rief er noch einmal.
Neville, Dean, Seamus und Luna reckten die Hälse. Im Spiegel sahen sie nur Dunkles, doch dann sahen sie noch etwas anderes…
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