
von elfenkauz
Tempus Perfekt
1 Ein Zaubertrankunfall
Am ersten Schultag war Harry unnatürlich früh wach. Noch etwas schlaftrunken machte er sich durch die leeren Hogwartsgänge auf den Weg in die große Halle. Diese war abgesehen von einigen Erstklässlern aus Hufflepuff, die unverhohlen auf ihn deuteten und einem knutschenden Paar aus Slytherin vollkommen leer. Harry wollte sich grade an den Gryffindortisch setzen, als sein Blick auf noch eine Gestalt am Haustisch der Ravenclaws fiel. Neben ihr hing die graue Dame in der Luft, angeregt unterhielten sich die beiden miteinander. Harry ging zu ihnen.
„Hi Luna!“ sagte er und setzte sich ihr grinsend gegenüber. „Hallo, Miss Ravenclaw. Es freut mich sie wieder zusehen“ Das war nicht ganz ehrlich, doch zum Glück bemerkte die graue Dame dies nicht. Leicht errötete sie.
„Hi Harry“ Luna richtete ihre hervorquellenden Augen erfreut auf ihn. „Ich hab dich gestern gar nicht gesehen. Der Tagesprophet hat aber sehr viel über dich berichtet, weißt du, ich wusste, dass du dein siebtes Jahr nachholen willst.“
„Ja“ sagte Harry, fiel jedoch nicht mehr ein. Luna schien seine Verlegenheit zu bemerken, und setzte deshalb ihr Gespräch mit der grauen Dame über die Zerstörung des natürlichen Lebensraums der Schrumpfhörnigen Schnarchkackler fort. Harry musste sich sehr zusammennehmen um nicht laut los zu prusten.
Langsam füllte sich die Große Halle und Harry musste seinen Platz am Ravenclawtisch räumen und setzte sich an seinen Haustisch.
In diesem Moment betraten Ron und Hermine gefolgt von Ginny die Halle. Verschlafen ließ sie sich neben Harry auf die Bank fallen und begrüßte ihn mit einem Kuss, was ihr neidische Blicke eintrug.
„Na, gut geschlafen?“ fragte Harry und schlug dabei den Tagespropheten auf. Als Antwort gähnte Ginny ausgiebig.
Auf der anderen Seite versuchte Hermine Ron davon zu überzeugen, dass seine Tischmanieren die Schlimmsten Englands seien. Dieser jedoch hörte noch weniger zu als sonst, da ihn Hermine anscheinend grade aus dem Bett katapultiert hatte. Irgendwann ließ Hermine es sein und widmete sich stattdessen ihrem Stundenplan.
„Seht mal, wir haben Zaubertränke ab jetzt mit den Hufflepuffs und Ravenclaws. Komisch, was ist denn mit den Slytherins?“
Harry blickte auf seinen. Zaubertränke hatten sie gleich in der ersten Stunde.
„Weiß auch nicht. Aber von den vieren, die die erforderlichen Leistungen gebracht haben, ist Malfoy definitiv weg.“
„Und dann waren da noch Nott und dieser Schönling Zabini“ mischte sich Ron ein. „Die dürften aber ihren Abschluss haben.“
„Und ich denke nicht, dass in unserem Jahrgang es jemand aus Slytherin geschafft haben dürfte“ meinte Ginny und bestrich ihren Toast mit Marmelade. „Pech natürlich, wenn kein Snape da ist, der dafür sorgt, dass man durch die Prüfungen kommt. Der UTZ-Zaubertränke-Kurs war sowieso noch nie besonders groß…“
„Apropos, wir sollten los!“ rief Hermine und sprang auf. „Sonst kommen wir noch zu spät!“
„Warum muss sie uns eigentlich immer so herum kommandieren?“ murrte Ron und sah der davoneilenden Hermine hinterher. „Genug Zeit für meine Cornflakes wäre allemal!“
Aber weil sie alle Hermine gut genug kannten, standen sie gemächlich auf und folgten ihr zu den Kerkern.
Slughorn begrüßte Harry besonders entzückt und drückte ihm prompt eine Einladung zum nächsten Slug-Club-Treffen in die Hand, was Harry in eine leicht verdrießliche Stimmung versetzte. Diese Partys, wo mit Sicherheit auch ein Chefredakteur des Tagespropheten zugegen werden sein würde, den Slughorn einmal mit irgendjemanden bekannt gemacht hatte, waren das letzte, auf dass er Lust hatte.
Zum Wiederholen sollten sie den Amortentia brauen, der noch zum Stoff des sechsten Jahres gehört hatte. Erleichtert stellte Harry fest, dass er hiermit keine Schwierigkeiten hatte, sein Trank hatte einen perlmutterfarbenen Schimmer angenommen und der Dampf stieg in den typischen Spiralen auf. Harry nahm den Duft von Reisigzweigen, Misteln und den Blumengeruch, den Ginny immer verströmte, wahr.
Hermines war natürlich ebenso perfekt, leicht köchelnd stand er auf kleinster Flamme.
Neben ihm saß Ginny, verzückt schnupperte sie an Harrys Trank.
„Hmm, das riecht gut!“
Harry grinste ihr zu. „Na, nach was riecht er denn?“
„Oh, nach einer Menge! Schokolade, Marzipan, Tannenbäumen, Besenstielen und deinen Haaren!“
Harry wurde schlagartig rot und wünschte sich, er hätte gar nicht gefragt.
In diesem Moment kam Slughorn auf sie zu gewatschelt.
„Ah, da hätten wir Miss Grangers Trank, perfekt wie eh und je. Und auch ihrer, Mr. Potter, exzellent. Genau wie ihre Mutter, ich erinnere mich noch an ihren Trank damals“ Er schöpfte etwas ab und roch entzückt daran. Dann wandte er sich Ginnys Trank zu, der nur silbern, aber durchaus gut war.
„Auch sehr schön, Miss Weasley. Aber ein Einhornhaar mehr hätte nicht geschadet.“
Neben Ginny kämpfte grade Ron mit seinem Trank. Überrascht sah Harry, dass dieser nur noch eine teerartige blubbernde Substanz war, aus der violetter Rauch entwich. Rons Gesicht war puterrot angelaufen, und rührte hektisch darin herum.
„Helft mir!“ stöhnte er und stellte auf größte Flamme. Das erwies sich jedoch als keine gute Idee.
Mit einem Zischen zerschmolz der Topf. Die teerartige Substanz explodierte, und der violette Rauch formte sich zu einer Art Tornado, in den Harry, Ron, Hermine und Ginny hineingezogen wurden, kreiselnd drehten sie sich immer schneller und wussten schließlich nicht mehr , wo oben und unten war, sie verschwanden in den violetten Rauchschwaden…
Der Spuk war so schnell verschwunden, wie er gekommen war.
„Himmel Hilf!“ stöhnte Slughorn und rappelte sich auf. Auch die anderen Schüler kamen unter den Tischen zum Vorschein, unter denen sie Schutz gesucht hatten. Fassungslos starrten alle auf die Stelle, wo ein paar Momenten davor der Auserwählte mit seinen besten Freunden gestanden hatte.
„Was hatte Mr. Weasley denn da zusammen gebraut?“ fragte Slughorn schwach und beugte sich darüber, was von Rons Kessel übrig geblieben war. Die Erkenntnis stand schlagartig in seinem Gesicht geschrieben.
„Meine Güte, er hat es doch tatsächlich geschafft, einen Tempus perfektum zustande zu bringen! Das darf doch nicht wahr sein! So wie es aus sieht, sind diese vier auf dem Weg… in die Vergangenheit!“
Erschrockenes Schweigen erfüllte den Kerker. Um wie viel waren sie zurückgereist? Und würden sie wieder von da zurückkehren?
Nun, vorläufig wusste das niemand. Auch nicht die vier Zeitreisenden, die auf dem Weg ins Ungewisse waren.
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