
von elfenkauz
„Ron!“ stöhnte Ginny „wie, bei Merlins Unterhose, hast du es geschafft, ein E in Zaubertränke zu bekommen? Das eben war ganz bestimmt kein Amortentia!“
„Ist ja schon gut!“ brummte Ron und rappelte sich auf. „Das hab ich auch gemerkt. Du hast kein Recht, so mit deinem großen Bruder zu reden, Ginny!“
„Ach ja? Hab ich nicht?“ fragte Ginny leicht aggressiv. „Aber du, du-…“
„Hey Leute, das ist jetzt echt nebensächlich!“ schlichtete Harry „Viel wichtiger ist die Frage, wo wir sind!“
„In einem Zaubertrankkerker offensichtlich.“ Hermine und erhob sich mit leicht zitternden Knien ebenfalls um sich umzusehen. „Die Anderen sind aber nicht da.“
„Die haben uns einfach hier sitzen gelassen?“ empörte sich Ron. „Obwohl wir bewusstlos oder so was Ähnliches waren?!?“
„Glaub ich kaum“ murmelte Harry nachdenklich „Leute, ich hab ein komisches Gefühl. Lasst uns in Schulleiterbüro gehen. Da ist irgendetwas passiert, dass wir nicht wissen.“
„Dass mein ich auch“ sagte Hermine „Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.“
Plötzlich ging die Tür auf und ein Junge trat ein. Er hatte dunkelblonde Haare und eine Brille auf der Nase. Der Anblick von Harry schien ihn ziemlich zu erstaunen.
„James, was machst du denn hier? Du warst doch eben noch im Gemeinschaftsraum!“
Harry, Ron, Hermine und Ginny starrten den Jungen erschrocken an. Denn dieser Junge konnte niemand anderer als Remus Lupin sein. Zu oft hatte Harry sein Gesicht gesehen, wo er neben James gestanden hatte, überrascht, in die coolste der banden von Hogwarts aufgenommen worden zu sein. Und außerdem hatte er genau die gleichen traurigen Augen wie der Remus, der vor einigen Wochen in der Schlacht von Hogwarts ums Leben gekommen war, den gleichen zerschlissenen Umhang an.
„Remus!“ stotterte Ginny „Was machst du hier?!?“
Der Junge vor ihnen machte nun einen perplexen Eindruck. „Ich hab mein Buch hier vergessen. Aber wer bist du? Und wer seid ihr? James, was soll denn das? Soll das lustig sein?“
Doch in diesem Moment trafen seine blauen Augen auf die Grünen von Harry. Einen Moment lang war er noch verwirrter, bis er auch noch Harrys Narbe auf der Stirn entdeckte.
„Oh, sorry, ich hatte dich mit jemandem verwechselt! Du siehst einem meiner Freunde wirklich ähnlich. Wer bist du?“
Ein schrecklicher Verdacht keimte in Harry auf. Das konnte doch nicht wahr sein!
„Remus, welches Datum haben wir?“ fragte er atemlos. Seine Freunde starrten ihn an, doch als bei ihnen der Groschen fiel, auf was er hinaus wollte, machten sie bestürzte Gesichter.
Wenn es möglich gewesen wäre, hätte Remus noch erstaunter geguckt. Warum wollte der Junge, der ein perfektes Abbild von James Potter abgab und vor fünf Minuten noch gar nicht in diesem Kerker gewesen war, wissen, welcher Tag heute war?
„Der 11. Oktober 1977“
Harry riss Mund und Nase auf. Was um Himmels Willen war geschehen? Eine Zeitreise in die Vergangenheit? So etwas war unmöglich, schlicht absurd.
Aber man musste schnellstens handeln! Wenn es tatsächlich 1977 war, musste Dumbledore schon Schulleiter sein. Wenigstens er musste schnellstens davon in Kenntnis gesetzt werden, dass soeben Gäste aus der Vergangenheit eingetroffen waren und wohl so schnell nicht wieder weg konnten.
Harry konnte nur seine drei Freunde am Handgelenk packen und aus dem Kerker ziehen, einen mehr als verblüfften Remus Lupin zurücklassend.
„Harry, wir sind in der Vergangenheit!“ rief Hermine als die Tür hinter ihnen zu gefallen war.
„Ja“ murmelte Harry und kramte in seiner Tasche, um schließlich den Tarnumhang heraus zu hohlen. Ohne ihn kam er sich immer recht aufgeschmissen vor und trug ihn seit dem letzten Jahr immer verkleinert mit sich herum. Zu viert würde es allerdings sehr eng unter ihm werden. Harry warf den Tarnumhang über sie.
„Wo willst du hin?“ fragte Ginny.
„Zu Dumbledore. Er müsste jetzt Schulleiter sein. Und wir-Achtung Leute! An die Wand!“
Ihnen kamen drei heftig giggelnde Mädchen entgegen. Etwa zehn Zentimeter entfernt schritten sie an den Unsichtbaren vorbei. Als sie außer Hörweite waren seufzte Ron hörbar auf.
„Ach du meine Güte! Das war knapp. Hermine, du stehst auf meinem Zeh!“
„Tut mir Leid, Ron. Aber der Umhang ist für nicht so viele gemacht worden. Ein Glück, dass Tarnumhänge nicht platzen können, das liegt zu ihrer besonders gewebten Oberfläche.“
Doch ihre Sorge erwies sich als unbegründet, sie kamen ohne Zwischenfälle zum Wasserspeier, der den Eingang zu Dumbledores Büro verkörperte. Auch der Umhang platzte nicht, wofür Harry dankbar war, denn dieser Umhang war für ihn unersetzbar.
„Ähm“ sagte er zaghaft zum Wasserspeier. Es war ungewohnt mit einer Skulptur aus Stein zu sprechen, die einem ganz offensichtlich nicht zuhörte. „Ähm, wir würden gerne mit dem Schulleiter sprechen. Es ist äußerst dringend!“
Zuerst passierte nichts und Harry befiel der Verdacht, dass er von dem armen Speier vielleicht etwas zu viel erwartete, doch dann wendete sie ihm plötzlich den Kopf zu. Harry hatte das Gefühl, geröntgt zu werden. Dann nickte der Wasserspeier langsam und gab die Treppe frei, die zu Dumbledores Büro führte. Harry wurde nervös.
Dumbledore wirkte milde erstaunt, als Hermine, Ron, Ginny und Harry unangemeldet bei ihm eintraten.
„Mr. Potter, ist alles in Ordnung?“
„Ähm, Professor Dumbledore“ sagte Harry unsicher „Ich, ähm, bin nicht Mr. Potter. Also, eigentlich bin ich es schon, aber nicht der, den sie meinen. Uns ist da ein kleines Missgeschick passiert.“
Der Schulleiter zog die Augenbrauen hoch. „Wie darf ich das verstehen?“
„Ja, wissen Sie, das war so…“ erzählte Harry. Er fing an, sich immer dümmer zu fühlen, dies änderte sich erst recht nicht, als er geendet hatte und ein unangenehmes Schweigen eintrat.
„Darf ich es also richtig verstehen, dass sie und ihre Freunde eine Zeitreise gemacht haben?“ fasste Dumbledore zusammen, der während der gesamten Erzählung so ruhig geblieben war, als würde er jeden Tag Gäste aus der Vergangenheit empfangen. „Aus dem Jahr 1998 in unsere Zeit?“
Hermine nickte und blickte den Schulleiter ängstlich an. Dies war der Augenblick, wo er ihnen entweder glaubte, oder ins Sankt Mungo einlieferte.
„Das ist allerdings interessant.“ Sagte Dumbledore schließlich. „ Noch nie in der Geschichte der Zauberei ist eine Zeitreise, die so weit in die Vergangenheit führte, geglückt. Es gibt überhaupt nur eine Möglichkeit dies zu schaffen, obwohl die meisten Menschen nicht an dessen Existenz glauben. Nur denen, die tief in die Kunst der Tränkebrauerei eingetaucht sind, halten diesen für möglich. Ich rede hier vom Tempus perfektum.“
Hermine schienen die Schuppen von den Augen zufallen und schlug sich die Hand an die Stirn.
„Oh ja, natürlich!“ rief sie „Er wird in Besonders alte Zauberei-Gab es diese Zauber wirklich? erwähnt. Allerdings steht selbst da nicht besonders viel. Es ist nur bekannt, dass der Tempus perfektum zur Familie der nachchristlichen Tränke gehört und Menschen mit seinem Dampf in die Vergangenheit befördert. Aber das sind alles nur Spekulationen, die keine Fakten beinhalten.“
„Ja, das ist richtig, Miss …?“
„Granger, Sir. Meine Eltern sind Muggel.“
„Ja, Miss Granger, das ist richtig. Aber da kein Rezept über den Tempus perfektum bekannt ist, gab es auch noch keine weiteren Erkenntnisse. Wie gesagt, ihr Erlebnis ist hochgradig interessant.“
Diese Auffassung konnte Harry nicht ganz teilen. Er fand das Ganze eher recht unheimlich.
„Und was machen wir jetzt?“ fragte Ron. „So wie es aussieht, sitzen wir hier ja jetzt eine Weile fest“
„Oder für immer“ meinte Ginny plötzlich.
„Das glaube ich kaum. In der Magie gibt es immer einen Weg, die Lösung zu finden.“
Na dann ist ja alles in Butter, dachte Harry leicht bissig, wir müssen diesen Weg nur noch finden.
„Und bis wir ihn gefunden haben? Was machen wir so lange?“
Dumbledore schaute ihn leicht lächelnd aus seinen gütigen Augen an.
„Ich denke, Sie werden hier den Unterricht besuchen, Mr. Potter. Sie sehen ihrem Vater ganz besonders ähnlich. Sagen Sie bloß, Miss Evans gibt doch noch nach? Sie haben ihre Augen“
Harry nickte. „Wenn sie jetzt in die siebte Klasse gehen, noch in diesem Jahr. Werde ich mit ihnen dieselbe Klasse besuchen? Ich bin auch in Gryffindor im letzten Jahr.“ Sein Herz schlug bei dieser Vorstellung höher
Dumbledore gluckste. „Ich fürchte, dies lässt sich nicht vermeiden. Die armen Lehrer.“
Harry strahlte.
„Aber Professor“ mischte sich Hermine ein „Das könnte die Zukunft verändern! Wahrscheinlich werden die Rumtreiber es ohnehin schnell genug bemerken, dass hier etwas nicht stimmt.“
„Und deswegen“ sagte Dumbledore bestimmt „werden die Karten von Anfang an offen auf den Tisch gelegt. Alles andere wäre mehr oder weniger zwecklos, wie sie bereits bemerkt haben.“ Er erhob sich „Ich denke, dass wäre es soweit. Wohnen werden sie in einem Schlafsaal der Gryffindors, den wir ihnen zur Verfügung stellen. Kommen sie bitte, nachdem sie ihre neue Wohnstätte eingerichtet haben, unverzüglich in die Seitenkammer der Großen Halle, von woher ich sie der Reihe nach aufrufen werde. Ihren Stundenplan werden Sie morgen früh erhalten. Das Passwort zu ihrem Gemeinschaftsraum lautet locus leonum.“
„Und die Bücher?“ fragte Ginny „Wenn wir am Unterricht teilnehmen sollen, brauchen wir die doch“
„Ach so, ja, stimmt, die hatte ich vergessen. Ich werde einen Hauselfen beauftragen, sie euch bis morgen zukommen zu lassen.“
„Aber Professor!“ empörte sich Hermine „Das schaffen wir auch allein!“
„Die mit ihrem Gebelfer“ brummte Ron, was ihm einen bösen Blick von seiner Freundin einbrachte. Erschrocken zog er den Kopf ein.
Dumbledore schmunzelte und die Zeitreisenden machten sich auf den Weg in ihren Gemeinschaftsraum.
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