
von elfenkauz
Verwandlung und Entschuldigung
Harry wurde von einem durchdringenden und sehr lautem Schnarcher geweckt. Sich mit Ron Weasley ein Zimmer teilen zu müssen, konnte sehr schlafraubend sein. Aber da Harry dies schon seit über sieben Jahren lang tat, hatte er sich daran gewöhnen müssen. Er beschloss, George darum zu bitten, einen Wecker zu entwickeln, der selbst Ron aus dem Schlaf holen könnte. Doch da fiel ihm ein, dass George nicht hier war. Musste er es eben alleine durchstehen. Oder den Wecker selbst entwickeln.
So in Gedanken versunken und noch nicht ganz wach hatte er sich angezogen und war in die Große Halle gegangen. Neben dem Gryffindor-Tisch blieb er stehen. Gestern hatte genau an diesem Platz Hermine Rons Essgewohnheiten kritisiert. Nur es war nicht gestern gewesen, sondern würde sich erst in vielen Jahren ereignen. Aus irgendeinem Grund stellten sich seine Nackenhaare hoch.
„Alles in Ordnung bei dir?“ hörte Harry eine vertraute Stimme und eine Hand wedelte vor seinem Gesicht herum. Erstaunt sah er auf.
Vor ihm stand ein rothaariges Mädchen. Lily.
„Ja klar. Wieso nicht?“
„Du starrst auf die Bank, als würde sie gleich in Flammen aufgehen.“ erklärte sie.
„Und ich bin der Sohn von James Potter. Das würde dir als Erklärung auch reichen.“ Harry gab sich innerlich eine Ohrfeige. Nur weil man ihn grade bei einem Gedankengang aufgestört hatte, musste er nicht gleich sarkastisch werden. Und er redete hier immerhin mit seiner gleichaltrigen Mutter.
Lily schüttelte den Kopf. „Denk von mir wegen gestern, was du willst“ meinte sie „aber meistens urteile ich erst, wenn ich mich mit eigenen Augen von dem überzeugt habe.“
Harry dachte daran, wie sie jahrelang mit Snape befreundet gewesen war, obwohl sie nach Gryffindor und er nach Slytherin gekommen waren Oh ja, sie besaß Willensstärke. Und dass sie James für einen arroganten Schnösel hielt, war auch nicht ganz falsch. Er war es ohne Zweifel gewesen.
„Sorry“ sagte er „Aber ich bin grade ein bisschen…müde“ Das stimmte nicht, aber Lily glaubte ihm.
Sie setzten sich gegenüber und aßen schweigend ihr Frühstück.
„Wie kommt´s, dass du schon wach bist?“ fragte Lily irgendwann. Sie musste wohl doch daran denken, dass hier der Sohn von James Potter saß…wach. Für seinen Vater war es anscheinend höchst ungewöhnlich, so früh aufzustehen.
„Mein Freund schnarcht“ sagte Harry zwischen zwei Bissen. „Und außerdem hatte ich eine Zeit lang Schlafstörungen. Jetzt kann ich mich nicht mehr umgewöhnen“
„Ich finde es immer toll, früh wach zu sein“ meinte Lily „Die Große Halle ist dann immer leer und es ist ruhig, man kann vor dem Unterricht noch einmal in die Bibliothek oder die Hausaufgaben machen und für einen Test üben“
„Hmn“ machte Harry, so was hatte er nie getan „Ich habe eine Freundin, die ist auch pausenlos in der Bibliothek. Aber nie am Morgen. Da ist sie nämlich damit beschäftigt, Ron wach zu bekommen. Das ist der, der schnarcht“ fügte er hinzu.
„Ist die Freundin auch hier?“ fragte Lily „Oder ist sie noch...bei euch?“
„Sie ist auch hier. Die, mit den braunen, buschigen Haaren. Hermine heißt sie. Und das andere Mädchen Ginny. Aber das hat Dumbledore gestern ja schon gesagt.“
Es trat wieder eine Pause ein, in der sich die Halle langsam füllte. Ginny setzte sich neben Harry, und kurz danach erschien auch Hermine mit Ron. Nur die vier Rumtreiber kamen nicht.
„Die kommen immer erst im letzten Moment“ erklärte Lily auf Harrys fragenden Blick. „Remus steht eigentlich zeitig auf, aber er versucht dann meistens erst seine Freunde wach zu bekommen. James Potter, Sirius Black und Peter Pettigrew, weißt du wahrscheinlich. Nichts gegen deinen Vater, aber das dauert“
„Mr. Potter, Miss Granger, Mr. und Miss Weasley, würden Sie bitte wegen ihrer Stundenpläne in mein Büro kommen?“ ertönte in dem Moment die Stimme ihrer späteren und auch jetzigen Hauslehrerin, Minerva McGonnagal, neben ihnen. Das Quartett stand auf und folgte ihr. Lily winkte Harry zum Abschied zu, was ihn sehr freute
Hermine belegte ohne zu zögern Verwandlung, Zauberkunst, Verteidigung gegen die Dunklen Künste(kurz VgdDK), Zaubertränke, Kräuterkunde, Arithmantik und Alte Runen, wie schon in ihrem sechsten Jahr. Ginny nahm dasselbe, nur dass sie Arithmantik und Alte Runen wegließ. Ron folgte ihrem Beispiel.
Harry zögerte kurz, als er seine Fächer aufzählte „Ich nehme Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Zauberkunst und Zaubertränke, Verwandlung… und Pflege magischer Geschöpfe“ Seine Freunde sahen ihn beim letzten Fach erstaunt an. Doch Harry hatte in seinem ZAG ein E gehabt, also konnten sie nichts dagegen sagen. Und auch dass er im sechsten Jahr nicht dabei gewesen war, war nicht so schlimm, Hagrid hatte eigentlich nur Geschöpfe behandelt, die eigentlich im sechsten oder siebten Jahr drangekommen wären.
„Das war´s“ sagte McGonnagal und reichte Harry seinen fertig ausgefüllten Stundenplan. „Wir werden uns gleich in ihrer ersten Stunde sehen“
Als die vier in die Große Halle kamen, war Lily bereits weg. Dafür saßen die vier Rumtreiber am Haustisch. Sirius lag mehr auf der Bank und Peter bekam den Mund gar nicht zu vor Gähnen. Harry hatte keine Lust auf eine Begegnung mit ihm und ging deshalb direkt zu ihrer ersten Stunde in Verwandlung.
Harry setzte sich in die vorderste Reihe neben Ginny ans Fenster. Hinter ihnen saß Lily mit zwei ihrer Freundinnen, und ganz hinten saßen die Rumtreiber, Peter ausgenommen, der es nicht in den UTZ Kurs geschafft hatte. Harry hatte mit sich ausgemacht, sie nicht auf den gestrigen Streit anzusprechen. Hermine und Ron saßen neben Ginny, so dass die erste Reihe allein von den Zeitreisenden besetzt war.
„Guten Morgen“ sagte Professor McGonnagal und stellte sich hinter das Pult. Ihr Blick wanderte durch das Klassenzimmer und blieb an ihnen hängen. „Da ab heute vier neue Schüler am Unterricht teilnehmen werden, bitte ich sie, kurz zu erklären, was wir in den letzten Stunden getan haben. Bitte, Mr. Longbottom“
Harry drehte sich so schnell um, dass er sich fast den Hals verrenkte. Der Angesprochene saß neben einer der Freundinnen von Lily, die ein sehr rundes Gesicht hatte. Nevilles Gesicht. Frank und Alice, also. Bis in den Wahnsinn gefoltert, nur weil sie das Versteck des Dunklen Lords nicht preisgeben konnten oder nicht preisgeben wollten. Ginnys Hand in seiner wurde kalt und er drückte sie.
„Wir haben die fortgeschrittene Verwandlung am menschlichen Körper theoretisch besprochen. Die praktischen Übungen fehlen uns noch“ sagte er.
„Danke. Hatten Sie dies auch?“ damit meinte McGonnagal das Quartett. Hermine nickte eifrig
„Augenbrauen färben, Bart an und ab zaubern. Bei den Haaren waren wir stehen geblieben. Allerdings hatten wir die fortgeschrittene Verwandlung noch nicht theoretisch“
„Dann ist der Abstand nicht all zu groß.“ McGonnagal wandte sich wieder an die Klasse. „Die theoretische Verwandlung beherrscht der Großteil der Klasse. Bei der fortgeschrittenen Verwandlung reicht es nicht mehr, Augenbrauen zu färben. Wie Miss … Granger war ihr Name, oder? Wie Miss Granger bereits erwähnte, ist die Verwandlung an den Haaren weit schwieriger. Wenn man das Prinzip am Färben verstanden hat, kann man dies bereits, meist mit Erfolg, auch an den Haaren versuchen. Aber unser Hauptziel wird sein, die Frisur und die Haarfarbe zu wechseln. Als erstes lesen Sie bitte die Seite 53, wo die Voraussetzungen aufgelistet sind.“ Als es unruhig wurde, weil die Bücher herausgeholt wurden, wandte McGonnagal sich etwas leiser an die Zeitreisenden. „Könnten Sie mir kurz zeigen, ob Sie in der Lage sind, die leichte menschliche Verwandlung zu beherrschen?“
Dies war Stoff des letzten Jahres gewesen. Harry war einigermaßen verwundert, dass er es noch locker schaffte. Hermine schoss natürlich über das gewünschte Ergebnis hinaus, Ron jedoch hatte kleine Probleme mit seinem Bart und Ginny hatte anscheinend eine Abneigung gegen gelbe Augenbrauen. McGonnagal war jedoch befriedigt, als sie ihre Augenbrauen in jede andere Farbe färben konnte.
„Üben Sie bitte nun daran, ihre Haare zu färben“ sagte McGonnagal schließlich, als alle die Voraussetzungen gelesen hatten. Dafür wurden Spiegel ausgeteilt.
Am Ende der Stunde hatten es fast alle es geschafft, die Haarfarbe leicht zu ändern. Als Hausaufgabe sollte jeder einen Aufsatz darüber schreiben.
Als Harry das Klassenzimmer verließ, kam James, Sirius und Remus auf ihn zu.
„Ich möchte mich wegen Gestern entschuldigen“ sagte James und Harry sah erstaunt auf. „Es tut mir leid. Ich war neugierig. Und ich hatte vergessen, dass du mein Sohn bist, und nur an mich selbst gedacht“ Das war wohl die Erste ernst gemeinte Entschuldigung James Potters. Ohne Grinsen, ohne Arroganz und dazu noch freiwillig. Sirius nickte zustimmend
„Angenommen“ murmelte Harry und schlug in die dargebotene Hand seines Vaters ein. „Streiten ist doof. Wir sollten die Zeit nutzen.“
James lächelte erleichtert. „Dann ist ja gut. Spielst du eigentlich Quidditch?“ wechselte er das Thema
„Ein bisschen“ sagte Harry.
Ginny und Ron schnaubten. „Er ist der jüngste Sucher seit einem Jahrhundert“ erzählte Ron, während sie in die Pause gingen. „Harry ist gleich bei seiner ersten Flugstunde als Sucher ins Team gekommen. Seitdem hat er erst zwei Spiele verloren. Eins, weil Dementoren gekommen sind und er fünfzehn Meter in die Tiefe gerauscht ist, das andere, weil der eigene Hüter dem Treiber einen richtigen Schlag zeigen wollte und den Klatscher Harry an die Birne gehauen hat. Harry ist dann mit Schädelbruch in den Krankenflügel gekommen.“
„Cool!“ machte Sirius. „Damit ist dein Rekord geknackt, Krone!“
„Er bekommt auch regelmäßig Angebote von richtigen Vereinen, obwohl Harry längst eine feste Stelle hat“ ergänzte Ginny.
„Das klingt gut“ sagte James mit leuchtenden Augen, vor Stolz auf seinen Sohn. „Spielst du auch auf anderen Positionen?“
„Nein. Aber Ginny ist Jägerin und Ron Hüter. Wenn ich bei ihnen zu Besuch war haben wir vier gegen vier gespielt, also nur Jäger gegen Jäger.“
„Weißt du, bei uns im Team fehlt ein Jäger und ein Treiber“ überlegte James „ könntet ihr das irgendwie übernehmen? Sonst haben wir nämlich niemanden, der das auch nur halbwegs könnte.“
„Ich nicht“ sagte Harry „ Einen Jäger würde ich hinbekommen, aber Ginny ist auf dieser Position besser. Und Treiber kann ich nicht.“
„Ach was“ meinte Ginny „Du bist auf allen Positionen brauchbar. Sucher bist du ja nur, weil nur diese Stelle frei war. Ich könnte mich als Treiber versuchen, garantieren kann ich jedoch nichts. Dann kann Harry Jäger sein.“
„Aber angenommen, wir beide würden es bei den Auswahlspielen schaffen, ins Team zu kommen, fällt für Ron trotzdem keine Position ab“ widersprach Harry „und das wäre unfair. Wir sind schließlich Freunde.“ Die Idee, als Jäger in die Mannschaft einzusteigen, behagte ihm nicht
„Nee, lass mal“ erklärte der Angesprochene „Hermine hat gesagt, ich sollte lieber lernen, statt beim Quidditch die Zeit zu vertrödeln. Vielleicht könnte ich ab und zu beim Training mitmachen und notfalls einspringen.“
Hermine gab ein gnädiges Geräusch von sich.
„Dann schreib ich euch auf die Liste“ verkündete James froh.
„Hattet ihr denn die Auswahlspiele noch nicht?“ wunderte sich Ron.
„Nee. Ich war eine Zeit lang krank. Und ich bin der Kapitän.“ James warf sich stolz in die Brust und Harry musste grinsen.
„Wen habt ihr in den anderen Fächern?“ fragte Hermine, der es offensichtlich nicht gefiel, nichts zum Thema beisteuern zu können. „Ist Professor Flitwick schon da?“
„Ja. Aber in Verteidigung haben wir aber wieder einen Neuen bekommen.“ antwortete Remus, der ebenso froh über den Themenwechsel zu sein schien. „Professor Quarn. Er hat Verteidigung gegen die Dunklen Künste studiert. Wir machen die ganze Zeit nur Übungen aus einem Buch. So wie der mit uns spricht, man könnte glauben, wir wären Erstklässler.“
„Und gar kein praktischen Sachen?“ fragte Ginny.
„Kaum, und die Wenigen sind ziemlich sinnlos.“ erzählte Remus. „Quarn ist einer aus dem Ministerium. Auf das beruft er sich immer. Man könnte glauben, dass Ministerium wäre heilig oder so.“ James nickte zustimmend.
„Na super“ murrte Ron. „Umbridge Nummer zwei.“
„Wer ist Umbridge?“ fragte Sirius interessiert. Niemand antwortete.
Da kam Peter mit hochrotem Gesicht auf sie zu gestolpert. Harrys Miene wurde augenblicklich zu Eis und ignorierte ihn einfach.
„Hallo“ keuchte Peter. „Ich dachte, ich käme noch zu spät!“
„Wäre auch nichts Besonderes“ sagte Sirius grinsend.
„Achtung!“ zischte James. „Vor dem Klassenzimmer warten anscheinend Einige auf uns. Wieso müssen wir eigentlich Verteidigung mit denen haben?“
In der Tat standen standen dort welche, auf die Harry sich gar nicht freute.
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