
von elfenkauz
Zauberkunst bei Flitwick lief unproblematisch ab. Sie sollten die Blubberblasen eines Fisches dazu zu bringen, dreieckig zu werden. Hermine schaffte es prompt nach dem sechsten Versuch, ebenso wie Lily. Harry hatte es am Ende der Stunde geschafft, dass sich die Blasen in einem Dreieck angeordnet hatten und sich drehten, Ginnys hatten sich lediglich vermehrt und Ron hatte seine Blasen so gründlich durcheinander gebracht, dass sie wild durch sein kleines Aquarium stoben. James und Sirius hätten es wohl vielleicht geschafft, aber die sogen die Blasen lieber in ihre Zauberstäbe und bespritzten sich damit. Auch die Slytherins kamen dabei nicht zu kurz. Flitwick drohte nur etwas abwesend von einer Strafarbeit, was die beiden höflich grinsend ignorierten. Lily dagegen sandte James und Sirius genervte Blicke zu. Harry lächelte amüsiert. Momentan waren seine Eltern wirklich nicht die große Liebe.
„Na, das war zum Glück besser“ sagte Ginny, als sie das Klassenzimmer verließen. „Auch wenn ich diesen blöden Spruch nicht hinbekommen habe.“
„Dabei war es doch total leicht“ meinte Hermine, „Man musste bloß mit dem Zauberstab auf eine der Blubberbasen deuten, mit ihm in ein Dreieck zeichnen, die Oberflächenspannung für kurze Zeit aufheben, damit die Blase dreieckig werden konnte, ohne zu platzen, und dabei Formivate sagen.“
„Was haben wir als nächstes?“ wechselte Ron das Thema.
„Frei!“ strahlte Sirius und rieb sich die Hände. „Wir könnten endlich an Schniefelus diese Bikini-Idee testen.“
„Welche Bikini-Idee?“ fragte Ginny interessiert.
„Wir haben einen Spruch entdeckt, der den Gegner in einen Bikini steckt.“ Erklärte James lachend. „Das wird ein Spaß! Ich liebe es immer sein Gesicht zu sehen, wenn wir ihm immer einen Streich spielen! Ein richtig dummes und hilfloses Schafsgesicht, passt richtig gut zu ihm.“
„Wie lautet der Spruch denn?“ fragte Harry und versuchte so belanglos zu klingen, als ob er über das Wetter reden würde.
„Bikinis. Wieso fragst du?“
„Deswegen, Sirius. Bikinis!“
Sirius und James schrien erschrocken auf, als ein hellgelber Lichtblitz auf sie zuschoß, doch es war zu spät. James Bikini war pink und glitzerte wie eine Sternennacht, während Sirius` violett mit Rüschen war.
„James!“
„Ich habe nichts gemacht Sirius!“
„Das ist dein Sohn, James! Sag ihm, dass du ihm den Popo versohlen wirst! Was hast du da produziert?“
„Das war bestimmt die Mutter! Harry, ich bin dein Vater und verlange, dass-…“
„Schämt ihr euch denn gar nicht? Keiner hat euch was getan und ihr demütigt einen ohne Grund! Ist euch eigentlich klar, was ihr tut?!“ Alle Schüler in Hörweite(und das war eine ganze Menge!) sahen Harry erstaunt an, aber das beachtete er nicht. Auch Lily war unter ihnen. Sie begriff die Situation sofort und stellte sich neben Harry.
„Wie weit muss es mit dir gekommen sein, Potter, wenn selbst dein eigener Sohn dein Verhalten unerträglich und widerlich findet? Und guck nicht so entsetzt an dir runter, jetzt siehst du einmal, wie es denen geht, die du demütigst! Das geschieht dir ganz recht!“
James` und Sirius` geweitete Augen gingen von Mutter zu Sohn hin und her.
„Hast du irgendwie das Gefühl, dass dich zwei paar identische Augenpaare auffressen, James?“ fragte Sirius leise, als die Schimpftirade einmal kurz aussetzte.
„Sie fressen mich nicht nur auf, ich glaube, es sind Blicke, die einem Avada Kedavra gleichkommen“ stöhnte James. Nicht nur Streit mit seinem Sohn, nein, auch Streit mit seiner Traumfrau.
„Und jetzt steht gefälligst auf, der Boden ist für eure Bekleidung kein geeigneter Aufenthaltsort“ schnappte Lily. Harry merkte, dass er sich mit seinem Vater schon wieder gestritten hatte, was ihm auf der Stelle leid tat. Mit einem Schnipsen seines Zauberstabes hatte die beiden wieder ihre Schulkleidung an. James und Sirius rappelten sich auf und strichen sich verlegen den Staub vom Umhang. Sirius lächelte natürlich prompt einer von Lilys Freundinnen gewinnend zu, als wollte er alles wieder gut machen, und folgte Harry in die Große Halle.
„Glaubst du, wir könnten es riskieren, Harry einen Stepptanz tanzen zu lassen?“ flüsterte er James zu. Der verzog das Gesicht.
„Ich würde es nicht machen. Es wird schon schwer genug werden, das wieder grade zu biegen. Vielleicht verstehst du das nicht, aber irgendwie fühle ich mich schuldig, wenn ich mich mit ihm streite. Und außerdem würde Harry das höchstwahrscheinlich ausgesprochen rachsüchtig werden lassen. Trotzdem war das nicht nett von ihm.“
„Ich finde, er hatte Recht, Jungs“ mischte sich Remus ein, der sich bis dahin zurückgehalten hatte. „Es war wirklich sehr gemein von euch. Und wenn man bedenkt, dass Harry eure Fragerei über die Zukunft schon nicht toll fand, war dieser Ausbruch nur natürlich. Er schlägt wohl nicht sehr nach dir, James.“
„Phhh…“ machte James, „Dann müssen wir das eben ändern. Wir könnten ihn in die Rumtreiber-Schule aufnehmen, dann findet er das alles auch witzig und ist nicht so verklemmt.“
„Schlechte Idee von dir, Krone“ sagte Sirius, „Und das weiß sogar ich. Wohin setzen wir uns nun? Glaubt ihr, Harry würde uns umbringen, wenn wir uns zu ihm setzen?“
In diesem Moment winkte Harry ihnen zu und nahm ihnen so die Entscheidung ab. James` Stolz war zwar etwas verletzt, aber er ging trotzdem zu seinem Sohn.
„Tut mir ein bisschen Leid wegen eben“ sagte Harry und blickte dabei die Rumtreiber(Peter natürlich ausgenommen, der, wenn Harry in der Nähe war, so still war, als ob er befürchtete, wenn er etwas sagen würde, Harry seine Finger ganz fest um seinen Hals legen würde) entschuldigend an. „Aber es hat mich halt auf die Palme getrieben, wie ihr euch benommen habt.“
„Wir haben uns ganz normal verhalten“ brummte Sirius etwas beleidigt.
„Wenn dies das ist, was ihr unter normal versteht, weiß ich nicht, wie meine Mutter dich heiraten konnte, James“ sagte Harry leise und lud sich einen Berg Pommes Frites auf den Teller. Ron ertränkte seine inzwischen schon in einem Berg von Ketchup, was Hermine zu einer spitzen Bemerkung brachte, von wegen, bei Ron hieße es nicht Pommes mit Ketchup, sondern Ketchup mit Pommes, aber davon bekam Ron, wie immer, nichts mit. Ginny hörte dem Wortgefecht zwischen Harry und James zu.
„Wer ist denn nun deine Mutter?“ Sirius war unverbesserlich und besaß auch noch die Unverfrorenheit, dieses etwas heikle Thema aus gerechnet in diesem Moment so normal zwischen zwei Bissen zu fragen. Remus warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Erstens Sirius: Das ist grade nicht Sache. Zweitens: Ich habe bereits gesagt, auf solche Fragen kann und will ich nicht antworten, da sie die Zukunft verändern würden.“
„Ihrhäwescheschdochschonherauschwindennkövem“ sagte Ron mit vollem Mund. Hermine verzog angeekelt das Gesicht.
„Wie bitte?“ hakte Sirius interessiert nach.
„Halt den Mund, Ron“ sagte Hermine schnell, trat ihm fest gegen das Schienbein und fuhr zu den Rumtreibern gewandt fort, „Er meinte, dass es euch nichts angeht.“
„Klar.“ Aber Sirius traute sich nicht, noch einmal zu fragen. Das Mittagsessen verlief bei den Zeitreisenden und den Rumtreibern schweigend, was für die Lehrer eine echte Premiere war, die Rumtreiber machten sonst mit mindestens einem Streich auf sich aufmerksam. Aber Harry bemerkte trotzdem die Blicke, die Lily ihm zuwarf.
Lily währenddessen fühlte sich gut. Potter hatte endlich seine wohlverdiente Strafe bekommen und würde in der Zukunft einen Sohn in die Welt setzen, der sich von ihm Welten unterschied. Sie musste sich bei seiner Mutter bedanken, falls sie sie einmal traf. Vielleicht könnte Lily sich sogar mit Harry anfreunden…Oder hatte sie das schon getan?
Als Harry aufstand, erhob sich auch Ginny.
„Du hast mir noch gar nicht euren Schlafsaal gezeigt.“
„Da gibt’s nicht viel zu sehen.“ Brummte Harry. „Zwei Himmelbetten, zwei Nachttische und eine kahle Wand. Zum Einrichten sind wir noch nicht gekommen.“ Er legte um Ginny einen Arm und zusammen gingen sie aus der Halle.
„Immer noch besser als unserer. Hermine musste ihn natürlich gleich in einen Dogenpalst verwandeln. Das war ein Theater, als ihre Sterne an der Decke sechs Ecken, statt fünf hatten. Aber eigentlich will ich dir damit sagen, dass ich euren Raum einrichten werde.“
„Aha. Und das hast du einfach so beschlossen?“ Harry grinste.
„Genau, mein Engel.“ Ginny klimperte mit den Wimpern, machte einen Kussmund und sah ihn mit bettelnden Hundeaugen an.
„Meinetwegen. Aber pass auf, dass du es nicht zu sehr übertreibst. Ich glaube, Ron fände ein pinkes Schlafzimmer gar nicht toll.“
„Ich werde aufpassen. Vielleicht hat er gegen ein himbeerfarbenes nicht ganz so viel einzuwenden. Was meinst du?“
„Ich enthalte mich der Stimme, werde aber beim Einrichten dabei sein.“
Ginny nannte das Passwort und die fette Dame( die jedoch nicht ganz so dick war wie die ihrer Zeit) schwang beiseite. Ein paar Erstklässler saßen vor dem Kamin und sahen als sie eintraten neugierig von ihren Hausaufgaben auf, doch das Paar schritt an ihnen vorbei in die Jungenschlafsäle. Harry fand es immer noch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass Ginny in den der Jungen durfte, aber kein Junge in den der Mädchen. Aber das war nun einmal ein uraltes Gesetz der Gründer.
„Also…“ Ginny schwang ihren Zauberstab und Funken stoben daraus hervor. „Was wollen Monsieurs?“
Natürlich spielte Harrys Wille überhaupt keine Rolle.
Ginnys Künste beim Einrichten hielten sich zwar in Grenzen, doch eine halbe Stunde später war die Tapete rot und neben jedem Himmelbett stand ein Nachtisch. Auf der anderen Seite des Bettes war ein großes Regal. Auch auf dem Fußboden erstreckte sich ein weißer Teppich, bei dem Harry tatkräftig mitgeholfen hatte. Alles einfach und leicht, doch im Großen und Ganzen waren die beiden durchaus zufrieden mit dem Geleisteten. Ginny ließ sich zufrieden auf Harrys Bett fallen, während Harry noch einige Bilder aufhängte.
„Weißt du was?“ fragte Ginny plötzlich. „Wenn ich in Hogwarts war, habe ich Mum und Dad und so nie vermisst. Aber hier, wo ich weiß, dass ich sie in einem Notfall nicht erreichen kann, fehlen sie mir ganz schön.“
„Hmnn..“ machte Harry und ging ein Schritt zurück um die Wirkung des Bildes zu begutachten. Teddy lag selig schlafend mit eidottergelben Haaren in einem Kinderwagen. Ab und zu gähnte er, dabei konnte man sehen, dass er noch nicht einmal Zähne hatte. Harry erinnerte sich noch gut an den warmen Sommertag, als er mit Ginny und seinem Patenkind einen Ausflug in den Londoner Botanischen Garten gemacht hatte.
„Ich weiß. George, Bill, Charlie, Percy, deine Eltern, McGonnagal, Neville, Seamus, Dean, die gesamte DA, Teddy, Andromeda…Alle sind nicht hier.“
„Naja… Eigentlich sind sie schon hier. Bill und Charlie sind gerade im zarten Alter von sieben und fünf Jahren. Und McGonnal unleugbar mit ganzer Seele.“
Harry nahm ein weiteres Foto, das ihn, Hermine und Ron als Drittklässler vor dem See zeigte, in die Hand. Im Hintergrund sah man, wie einige Meerjungfrauen durch das Wasser sprangen. Nachdenklich betrachtete er es und stellte es auf sein Nachtschränkchen.
„Ja. Wir werden schon irgendwie zurückkommen. Mach dir keine Sorgen.“ Und damit lehnte er sich vor und küsste sie.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel