
von Si-lee
-17- Von Herumtreibern und Lauschern
Peter war gestresst. So hatte er sich die erste Woche im Jahr 1973 sicher nicht vorgestellt. Normalerweise war er der gemütliche, schnelles laufen tat er nur, wenn er vor jemandem wegrannte. Heute musste er rennen um noch pünktlich zu kommen. Es war bereits fünf vor Sieben gewesen, als Remus ihn aus seinem wohlverdienten Nickerchen gerissen hatte und ihm eröffnet hatte, dass sein Nachsitzen in fünf Minuten beginnen würde. Wie hatte er das nur verschlafen können?
Ach ja. Die Jungs mussten gestern Abend unbedingt noch nach dem Eingang zum Geheimgang nach Hogsmead forschen. „Willst du nicht mitkommen Peter? Ein bisschen frische Luft schnappen?“, hatte James ihm gefragt und Sirius Augen hatten vor lauter Abenteuerlust gefunkelt. Remus hatte zwar zu bedenken gegeben, dass Peter neben den vielen Hausaufgaben auch noch Nachsitzen musste, doch die Jungs wollten davon nichts hören. „Wir helfen ihm doch...“, hatte Sirius gemault und Peter hatte nicht nein sagen können. Bis kurz nach Mitternacht waren sie im dritten Stock herumgetapert und hatte wieder nichts gefunden.
Es war zum Hippogreife melken! - Eine letzte Treppe noch und dann hatte er es geschafft. Er klopfte an die Tür und die Stimme seiner Verwandlungslehrerin ließ ein „Herein!“, verlauten. Peter atmete noch ein Mal durch und ging ins Zimmer. „Guten Abend Mr. Pettigrew. Gerade noch rechtzeitig. Schön. Setzten Sie sich. Sie wissen ja was sie zu tun haben.“ Das wusste Peter alle Mal. Seit drei Tagen sortierte er nun alte Prüfungen nach Namen und Jahrgang. Warum wusste der Geier. Es war keine schwere Aufgabe, aber sie ermüdete einen doch recht schnell. Die immer gleichen Pergamentbögen. Die dämmrige Stimmung des Büros, welche nur durch das Räuspern der Hexe an ihrem Schreibtisch hin und wieder durchbrochen wurde, und die wenigen Stunden Schlaf, die er in dieser Woche bekommen hatte, taten das übrige. Er gähnte immer wieder und Prof. MacGonagall warf ihm schon wütende Blicke zu.
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Sirius saß gelangweilt vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum und schaute James beim schreiben zu. Er hatte seine Aufgaben bereits erledigt und sogar einen Teil von Peters Aufgaben vorgeschrieben. Der Junge vor ihm gähnte und Sirius lies sich anstecken. „Man wir sind ne müde Bande.“, maulte Sirius auch schon los. James schaute zu ihm hoch. „Was erwartest du? Wir können nicht jeden Tag die Slytherins veräppeln.“ Sirius sah gespielt beleidigt aus und James musste lachen. „Ach Blacky, es wird schon wieder. Haben wir den Weg erst ein Mal nach Hogsmead gefunden darfst du die kleinen Schlangen auch wieder ärgern.“
Hinter James räusperte sich jemand und Sirius blickte in das Gesicht von Lily Evans. „Na Evans, du riechst ja so gut, neues Parfüm?“, fragte er süffisant und Lilys Zornesröte breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie sah wirklich goldig aus, wenn sich ihre Wangen färbten und sie ihre Stirn kraus zog. James drehte sich um. „Na Abi, wie waren die Ferien?“, fragte er das Mädchen, welches neben der Rothaarigen stand. „Ganz okey.“
James schien sich etwas zu schämen, dass er sich so lange nicht mehr mit seinen Freunden aus Kindertagen getroffen hatte und fuhr sich unwillkürlich durchs Haar. „Deine Frisur sitzt, Potter.“, fauchte Lily ihn an. Sirius musste laut lachen und auch Abi grinste etwas. „Ach, halts Maul Black. Sagt uns lieber wo wir Remus finden können. Er wollte uns etwas in Verwandlung erklären.“ Sein Lachen erstarb augenblicklich und James antwortete für ihn. „Na dann musst du wohl warten. Remus ist krank. Hat sich wohl bei seiner Tante angesteckt in den Ferien.“, erklärte James schon fast gelangweilt. Die Mädchen nahmen das so hin. „Der arme. Sah auch gar nicht gut aus die letzten Tage.“
Kein Wunder bei dem was er heute durch machen muss..., dachte Sirius sich. „Er wird schon wieder.“, sagte Sirius und wandte sich wieder James zu. „Wollen wir?“, fragte er seinen Freund und der schaute auf seinen halb fertigen Aufsatz. „Ich werd noch schlecht in der Schule...“ Sirius lachte wieder. „Klar, Potty! Aber wenn ich schon nicht meinem Hobby nachgehen kann dann darfst du das auch nicht.“ James spielte beleidigt. „Ich bin doch nicht Remus.“ Beide erhoben sich und fanden sich Lily gegenüber. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt und schaute die Jungs von untern her an. „Wo wollt ihr hin?“, fragte sie wie eine schlechte Imitation von MacGonagall. „Na deinen Freund besuchen, Evans.“, begann Sirius. „Er kann doch nicht ohne einen Löwen... und da er dich nicht haben kann.“, fuhr James fort. „Halten wir eben hin.“ - „Was wir nicht alles für dich machen.“ Lily schaubte und drehte sich auf dem Absatz um. „Du solltest uns lieber danken!“, rief Sirius ihr noch hinterher.
„Meint ihr nicht ein Streich pro Woche reicht?“, fragte nun Abigail nach, die sich auch keinen Zentimeter gerührt hatte. „Wir sind schon vorsichtig.“, beschwichtigte James sie in einem viel netteren Ton als sonst. Das Gewissen schien wirklich an ihm zu nagen. „Kann schon sein. Ich dachte nur, die nächsten Ferien kommen bestimmt.“ Sie schaute auf Sirius linke Hand, die noch immer von einem Verband geziert wurde. Sirius knurrte fast. „Halt dich aus meinen Angelegenheiten raus, Bagshot. Ich sag es nicht noch ein Mal.“ Doch Abigail beeindruckte das wenig. „Mach doch was du willst Black.“, sagte sie zum Abschied und folgte Lily nach oben in den Schlafsaal. „Mädchen.“, kommentierte James die Szene und ging mit Sirius zum Porträtloch.
Gemeinsam gingen sie zum dritten Stock und blieben darin stehen. „So und wieder vom Neuen.“ James nahm seinen Zauberstab und klopfte mal gegen den Stein, mal gegen den alten Teppich, der vor der Wand hing und pikste sogar eine Dame in einem Gemälde etwas. Diese schrie kurz auf und weigerte sich danach den Jungen zu helfen. Sirius hingegen hatte sie die gegenüberliegenden Wand vorgenommen und klopfte gegen das Gemäuer. „Irgendwo müsste es doch hohl klingen.“, murmelte er mehr zu sich selbst. „Natürlich mein Junge, wahrscheinlich in ihrem Kopf.“, schnarrte der bärtige Zauberer und Sirius schnaubte. „Na sie wollen uns ja nicht helfen. Das Thema hatten wir ja schon.“
Der alte Mann lächelte und zwirbelte an seinem weißen Bart. „Nun ja, mein Junge ich sagte, Geheimgänge wären geheim.“ Sirius rollte mit den Augen. „Genau und da wir nun mal einen Geheimgang suchen...“ - „Tun sie das wirklich? Ich hatte sie in den letzten Tagen so verstanden, dass sie einen Weg nach Hogsmead suchen.“ Sirius wollte schon fast laut werden. „Das ist doch das gleiche. Oder wollen sie mir etwa sagen, den Weg nach Hogsmead können sie mir beschreiben?“ Der Man lehnte sich auf seinen Ledersessel zurück und nahm seine Brille ab. Er holte sein weißes Taschentuch aus der oberen Westentasche und fing an sie zu polieren.
Sirius fühlte sich wie bestellt und nicht abgeholt. „Nun. Ich denke schon.“ Der Junge vor dem Gemälde fing an zu grinsen. „Gut, dann frage ich sie: Können sie uns den Weg nach Hogsmead beschreiben, der hier im dritten Stock beginnt.“ Gespannt wartete er auf die Antwort. „Sehr vortrefflich ausgedrückt, Mr. Black. Sie ähneln ihrem Urgroßvater sehr.“ Sirius dachte an seine Hand und schluckte eine patzige Antwort runter. Er wollte wissen wo dieser Gang war. „Es befindet sich ein Gang hinter Gunhilda von Grosemaar.“, erklärte er mit leiser Stimme. „Sprich Dissendium und du kannst hindurch gehen.“ Sirius grinste breit. „Na endlich! Danke, Man! - JAMES!“
James kam zu Sirius gerannt und blieb schlitternd vor ihm stehen. „Hast du ihn?“, fragte er aufgeregt. „Ja, wir müssen nur noch Gunhilda finden.“ James zog eine Augenbraue nach oben und sah seinen Freund verwirrt an. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass Gunhilda als Statur einer buckeligen Hexe abgebildet war. Sirius sprach „Dissendium“ und sie gab den Eingang zum Geheimgang frei. „Super!“, gestand James und die beiden rutschten in den Gang. Der Gang war stickig, als wäre hier seit Ewigkeiten keiner mehr durch gegangen. Auf dem Boden lagen ein paar Skelette von kleinen Tieren. Sirius drehte angewidert seinen Kopf weg. „Bin mal gespannt wo wir raus kommen.“, sagte James hinter ihm und hielt den leuchtenden Zauberstab etwas höher.
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Sie gingen eine Ewigkeit durch den feuchten Gang und stießen am Ende auf eine Tür an der Decke. James atmete ein Mal geräuschvoll aus und stemmte sich dann vorsichtig dagegen. „Wow.“, flüsterte er. „Hier ist ein Raum voller Kisten.“ Sirius drängte sich zu ihm und schaute ebenfalls durch den Spalt. Sie warteten noch einen Moment, doch als keiner zu kommen schien, drückten sie die Falltür ganz auf und kletterten in den Kellerraum des Honigtopfes. „Das ist der Süßigkeitenladen.“, erklärte James und hielt einen Lutscher hoch. „Aber wie kommen wir hier raus?“ Auch Sirius hatte das gleiche gedacht und ging auf die Tür zu. Er lehnte ein Ohr daran und lauschte. Nichts war zu hören. „Komm wir probieren es einfach.“, meinte er schließlich und zusammen mit James öffneten sie die Tür.
Der Verkaufsraum war leer. Das Licht war bereits aus und nur von einer nahen Straßenlaterne wurde das Zimmer etwas erhellt. Die Jungen machten große Augen. Was es hier alles gab! „Wir sollten hier lieber nicht so lange rumschleichen... Sonst denkt man noch wir sind Diebe.“, gab James zu bedenken und hielt Sirius ab sich die reichen Auslagen an Süßigkeiten näher zu betrachten. „Hast recht...“, flüsterte er zurück und sie gingen auf die Ladentür zu. Diese war natürlich verschlossen und so flüsterte der Schwarzhaarige: „Alohomora!“ Ein klicken war zu hören und schnell stießen die Jungs die Tür auf. Sobald die Tür nicht mehr mit ihrem Rahmen verbunden war stieß sie einen ohrenbetäubenden Schrei aus. Sirius zuckte zusammen, nahm James am Arm und zog ihn von der kreischenden Tür weg. „Weg hier!“, rief er noch. Das ließ sich James nicht zweimal sagen, er rannte um die nächste Ecke, die Straße entlang und versteckte sich hinter einem großen Busch. Sirius kauerte Sekunden danach neben ihm. „Verdammt, daran hätten wir denken können.“, murmelte er und hielt sich die Seite.
Sie hörten Stimmen rufen und Menschen an sich vorbei rennen. Ein Mann rief, es wäre nichts geklaut und eine Frau schrie aus einem nahen Fester, man solle endlich die Sirene abstellen. Das Kreischen verstummte. James hörte sein Herz klopfen und er fing leicht an zu zittern. Das Winter war hatten die beiden nicht beachtet und nun saßen sie in ihren dünnen Hogwartsumhängen im Schnee hinter einem Busch. Auch Sirius bibberte und schaute vorsichtig hinter dem Grünzeug her. „Ich glaub sie haben sich beruhigt.“, flüsterte er, nachdem sich seit geraumer Zeit nichts mehr bewegt hatte. James nickte ihm zu und die beiden gingen aus ihrer Deckung hervor. „Und wohin jetzt?“, fragte er spitzbübisch. Nach dem kleinen Schreck war er wieder bei bester Laune. Sie hatten den Geheimgang gefunden. Einen Weg nach Hogsmead! „Na umschauen, was sonst?“, fiel Sirius in seinen Freudentaumel mit ein.
Sie schlichen die kleine Seitenstraße wider zurück. Blieben kurz an der Ecke stehen und schauten ob sie alleine waren. Der Honigtopf lag wieder im dunklen und auch die Fenster der oberen Wohnung waren wieder geschlossen. Sie wandten sich vom Honigtopf ab und gingen die Hauptstraße entlang. James kannte das Dorf aus Erzählungen seiner Eltern. Wusste das es zwei Kneipen gab und wo die Poststelle sich befand und hatte in den Sommerferien vor ihrem ersten Jahr sogar etwas über das Spukhaus des Dorfes gelesen. „Wollen wir hoch zur heulenden Hütte?“, schlug er daher leise vor. Sirius zuckte mit den Schulter, seine Lippen wirkten etwas blau. „Ich glaub ich könnte was warmes vertragen.“, gestand er und James stimmte ihm zu.
Sie hielten Ausschau nach den drei Besen, von denen auch Sirius etwas gehört hatte, fanden jedoch nur die zweite Kneipe. Der Eberkopf wirkte zwar nicht so einladend, doch das war den Jungs nun auch schon egal. Sie öffneten die Tür und eine wohlige Wäre schlug ihnen entgegen. Sirius ging schnurstracks auf die Theke zu. James jedoch schaute sich erst ein Mal um. In der hinteren Ecke saßen einige schwarz gewandete Personen die den Jungen forschende Blicke zuwarfen. Er schaute schnell weg und erblickte auf der anderen Seite des Raumes einen riesenhaften Mann und eine junge Hexe beim Kartenspielen. James blieb die Spucke im Hals stecken und er zupfte an Sirius Umhang. „Was denn?“, fragte dieser zum Glück recht leise und James deutete nur auf den Rücken des Kartenspielers. Sirius erkannte den Wildhüter sofort. Einen Halbriesen konnte man nicht verkennen. „Mist. Ich hab uns schon zwei Butterbier bestellt.“, gestand Sirius leise. James verzog den Mund. Hagrid schien sie noch nicht bemerkt zu haben, er war ganz vertieft in sein Spiel. „Wir setzten uns einfach auf die andere Seite und trinken schnell, bevor wir wieder abhauen.“, sprach er im Flüsterton.
Wie gesagt so getan. Die beiden Jungen hatten sich hinter einer vertrockneten Pflanze gesetzt, sodass Hagrid, falls er sich umdrehen würde, sie nicht sofort sehen konnte. Beide tranken an ihrem Butterbier mit großen Schlucken und trieben sich gegenseitig zur Eile. James bemerkte jedoch nach einer Weile, dass Sirius nicht nur Hagrid immer wieder beäugte, sondern auch die schwarzgekleideten Männer auf ihrer Seite des Lokals. „Kennst du die?“, fragte James ihn leise und Sirius zuckte zusammen. „Weiß nicht.“, gestand dieser und James betrachtete die kleine Gruppe genauer. Ihre Gesichter waren aufgrund der düsteren Atmosphäre nicht wirklich zu erkennen. Sie schienen auf jemanden zu warten, denn sie lugten immer wieder zur Tür. James gefiel das alles nicht. So hatte er sich den ersten Hogsmeadbesuch nicht vorgestellt. „Bin fertig, wollen wir?“, flüsterte Sirius wieder und James schaute in seinen Krug. Er war noch zur Hälfte voll und er trank schnell noch ein paar Schlucke.
Die Tür ging auf und ein ebenso schwarz gewandeter Mann kam herein. Er hatte die Kapuze bis in die Stirn gezogen und schritt auf die kleine Gruppe in der Ecke zu. Sirius zog scharf die Luft ein, packte James am Ärmel und zog. „Komm wir gehen!“, befahl er und stand schon. Der Mann bemerkte die Hast und drehte sich kurz zu den Jungen um. James konnte ein rotes Flackern in den Augen sehen und ließ seinen Krug stehen. Sirius war bereits um den Tisch gestürmt, als der Mann die Stimme erhob. „Mr. Black.“, schnarrte er fast und Sirius blieb wie zur Salzsäule erstarrt stehen. „Schön sie wieder zu sehen.“
„Black?“, sagte eine laute Stimme hinter ihnen. „Oh, bei Merlin! Das sind Schüler!“ Eine große Pranke legte sich auf die Schulter von James und hätte ihn fast zu Boden gedrückt. „Was macht ihr beiden denn hier?“ Sirius und James wurden von den großen Händen umgedreht und schauten in das bärtige Gesicht von Hagrid.
„Und Robeus Hagrid. Wahrlich heute scheine ich viele altbekannte wieder zu sehen.“, schnarrte die Stimme hinter ihnen und der Wildhüter schaute hoch. „Ich kenne sie nicht. Los, ihr beiden, kommt.“, sagte er zu den Schülern und stubste sie zu Tür. „Schreib die Rechnung auf meinen Deckel, ich bring nur eben die Schüler ins Schloss.“, reif er dem Mann hinter dem Tresen noch zu und bugsierte die Jungen nicht gerade sanft aus dem Eberkopf.
„Sag mal Jungs, was fällt euch ein mitten in der Nacht hier her zu kommen?“, fragte die laute Stimme und James tauschte mit Sirius einen hilflosen Blick. „Wir... wir wollten Hogsmead besichtigen.“, fing James an. „Haben Sie schon mal was von dem alten Spukhaus gehört?“, fragte Sirius interessiert. „Spuckhaus? Meint ihr die heulende Hütte?“ Zur Bestätigung seiner Worte, hörten die drei ein lautes Heulen und James grinste breit. „Oh ja! Sie soll mächtig gruselig sein.“ Der riesige Mann hinter ihnen brummte. „Oh ja, dass ist sie. Aber lenkt nicht ab. Wie kommt ihr eigentlich hier her?“, fragte er weiter und James verfluchte sich innerlich. „Ähm, naja so wie Sie. Zu Fuß.“ Hagrid brummte. „Na um ne Ausrede verlegen seit ihr ja nicht, ihr beiden. Wer seid ihr denn nun eigentlich?“
„Das ist James Potter und ich bin Sirius Black.“, stellte Sirius sie vor und der Mann fing an zu lachen. „Na, dass passt! Dumbledore sagte schon, dass sie beide das Schloss ganz schön auf Trab halten könnten.“ - „Halten könnten? Soll das eine Beleidigung sein?“, fragte James gespielt entrüstet nach und Sirius wollte ihn schon bremsen. „Na ihr beiden Herumtreiber haltet mich zumindest schon auf Trab. War grad dabei zu gewinnen...“ James blieb stehen und wäre beinahe von Hagird niedergetrampelt worden. „Ey. Schön weiter gehen, Jungs.“ - „Sie brauchen uns wirklich nicht zum Schloss zu begleiten, Sie können ruhig ihre Partie zu Ende spielen. Wir wollten Sie nicht stören.“, fing James an, doch so einfach ließ sich der Wildhüter nicht abwimmeln. „Das wäre ja zu Schön. Ne ne, ich bring euch ins Schloss, am besten gleich zu eurer Hauslehrerin.“ Er stupste die beiden an und missmutig stapften sie durch den Schnee.
Es dauerte nicht lange und die beiden Gryffindors schlotterten heftig. Ihre Umhänge hatten sich am Schaum mit Schnee vollgesogen und klatschten jetzt kalt gegen ihre Hosenbeine. Hagrid hatte ihnen schon seinen Mantel angeboten, doch der war einfach zu schwer für die beiden. „Wir machen einen Zwischenstopp bei mir in der Hüte“, hatte er dann befohlen und so stapften sie jetzt auf die Hütte am Waldrand zu. Sirius schaute aus für James unverständlichen Gründen immer wieder zum Wald herüber, sobald sie ein heulen des Windes oder ein anderes Geräusch vernahmen. Er hatte den Jungen nicht so ängstlich eingeschätzt und war kurz davor ihn auf zu ziehen. Doch seine Zähne klapperten auch so schon genug. Sie erreichten die Hütte und Hagrid machte die Tür auf. Sirius wurde sofort von einem riesenhaften Hund bestürmt und landete im Schnee. „Aus, Fang! Zurück!“, bellte Hagrid, doch der Hund reagierte nicht. Er schien den Jungen im Schnee zu mögen und erst als Hagrid seinen Hund am Halsband packte, konnte Sirius wieder aufstehen.
„Setzt euch. Ich mach euch nen Tee.“, brummte der Wildhüter und die Jungen ließen sich auf eine Bank fallen. Es dauerte einen Moment, bis James wieder in der Lage war etwas zu sagen. Sein Gesicht fühlte sich völlig taub an. „Mr. Hagrid, Sir.“, begann er und der Halbriese drehte sich belustigt zu ihm um. „Kannst einfach Hagrid sagen, ich bin ja nicht euer Lehrer.“ James nickte schnell. „Hagird, meinst du nicht, dass hier war Strafe genug?“, fragte er vorsichtig und zeigte auf seine leicht blauen Hände. Der Mann brummte und wandte sich wieder dem Kessel zu. „Sie waren doch als Schüler sicher auch mal neugierig.“, stieg Sirius mit ein. Ein Glucksen kam vom Kessel und mit zwei dampfenden Tassen drehte sich Hagird wieder zu ihnen um. „Mag schon sein, aber Prof. Dumbledore zählt auf mich.“ Sirius machte ein betröppeltes Gesicht. „Er muss ja nicht davon erfahren. Wir werden sicher nichts sagen und wenn Sie das auch tun könnten...“, versuchte es James weiter und merkte, dass der Mann zögerte. Sirius schien den gleichen Gedanken gehabt zu haben. „Wir versprechen auch, wir stören sie nie wieder beim Kartenspiel.“ Hagrid lachte. „Na gut, trinkt euren Tee und dann bring ich euch zum Schloss hoch. Ins Bett müsst ihr dann alleine finden, wenn euch dann jemand erwischt ist es eure Schuld!“ Die beiden Jungen strahlten. „Du bist klasse!“, gestand James und verbrühte sich die Zunge am kochend heißen Tee.
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Das Tor zum Schloss fiel zu und Sirius klatschte bei James ein. „Geschafft!“ Hagrid hatte sie hoch zum Schloss gebracht und ihnen sogar Decken umgewickelt, damit sie nicht wieder völlig durchgefroren ankamen. Jetzt gingen sie die große Treppe leise hoch und schlichen sich zum Gemeinschaftsraum. „Du Sirius, wer war der Mann eigentlich?“, fragte James flüsternd und Sirius lief noch etwas schneller. Er machte an der nächsten Ecke halt und lauschte. Kein Lehrer zu hören. „Nicht so wichtig.“, antwortete er ihm dann. Er hörte ein leises Schnauben und wusste, dass James mit dieser Antwort gerechnet hatte. „Kennst ihn von zu Hause?“, forschte James weiter und Sirius wünschte sich in sein Bett. Für heute war genug passiert, fand er, da wollte er sich nicht auch noch mit den Fragen von James herumschlagen.
„Ich sagte doch, nicht so wichtig!“, zischte er schon etwas lauter und eilte die nächste Treppe hoch. „Klar, nie ist etwas wichtig, was nur der junge Black weiß. Der sah wirklich düster aus und er hat dich erkannt, also will ich wissen, ob wir morgen vielleicht von der Schule fliegen, weil er uns verpetzt hat.“ Sirius blieb stehen und James stieß mit ihm zusammen. „Du sagst es, er hat mich erkannt. Also werde höchstens ich der Schule verwiesen.“ Ein Rascheln ließ die beiden verstummen und sie horchten auf, bevor sie sich wieder in Bewegung setzten. „Aber dann sagt Hagrid sicher etwas.“, flüsterte James, nachdem sie vor der fetten Dame angekommen waren. „James, ich will nicht drüber reden.“ James schnaubte und Sirius hätte gerne seinen linken Daumen bewegen können, ohne das es weh tat. „Wie immer...“, grollte James und sagte das Passwort. Die fette Dame schreckte nur kurz auf und ließ die beiden ohne Murren hinein.
Der Gemeinschaftsraum war fast ausgestorben. Nur noch ein paar ältere Schüler saßen noch vor dem Kamin und lachten über einen Witz. „Ich geh schlafen.“, sagte Sirius kühl und wandte sich gleich zum Schlafsaal der Jungen. James streckte ihm die Zunge raus und ließ sich missmutig auf einen Sessel nieder.
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Peter fielen die Augen immer wieder zu und er hatte das Gefühl der Stapel mit Prüfungsblätter wollte und wollte nicht kleiner werden. Die Uhr zeigte bereits auf die elf, als Prof. MacGonagall sich das erste Mal erhob. „Sie werden sich beeilen müssen, wollen sie heute noch ins Bett Mr. Pettigrew.“, kommentierte sie den Stapel Blätter kühl. Peter nickte hastig und nahm sich ein weiteres Pergamentblatt zur Hand. Er pinselte den Namen des Prüflings in eine Liste und legte es auf den Stapel 'B'.
Es klopfte und seine Hauslehrerin ging zur Bürotür. „Oh, kommen sie rein David. Ich wollte ihnen gerade mitteilen, dass ich heute nicht kommen kann.“ Peter schaute auf und erkannte Prof. Hunting in der Tür. „Nicht schlimm Minerva, ich dachte mir so etwas schon.“ Er nickte Peter kurz zu und dieser schaute schnell wieder auf das nächste Blatt. „Ich wollte sie eigentlich wegen -“ Er machte eine Pause und Prof. MacGonagall nickte. „Ja, wie es scheint, hat er es diesen Monat besser geschafft. Madam Pomfrey war vorhin bei mir.“ Peter verharrte etwas zu lange in seiner Bewegung und die Professorin fügte an. „Lassen sie uns vor die Tür gehen, David. Mr. Pettigrew, wenn ich wieder komme möchte ich sehen, dass sie fertig sind!“ Die Tür fiel ins Schloss und Peter stöhnte auf. Er würde sicher nie fertig werden. Er schrieb noch ein paar Namen und überlegte gerade worüber die beiden Lehrer dort geredet hatten. Ihm fiel Remus ein, der heute wieder krank war und wurde neugierig. Er lauschte und konnte die beiden Stimmen vor der Tür hören. Allerdings verstand er von so weit hinten im Raum kein Wort. Kurz überlegte er, ob er es wagen konnte, doch seine Neugierde siegte letztlich.
„Mr. Black scheint sich damit abgefunden zu haben, dass er auf seinen Vortrag keine Note bekommt.“, hörte er seinen Verteidigungsprofessor sagen. „Sie hätten wissen können das bei dieser Aufgabe einer der Schüler das Thema Werwölfe anspricht.“ Prof. MacGonagall klag nicht gerade erfreut und Peter legte sein Ohr noch etwas näher an die Tür um die Antwort verstehen zu können. Sirius hatte erzählt, dass er glaubte Prof. Hunting wäre ein Werwolf. Peter bekam es mit der Angst zu tun und wollte mehr wissen.
„Ich haben Ihnen extra Bücher empfohlen, in denen die Werwölfe nicht auftauchen. Aber der junge Black scheint auf Gefahren zu stehen.“ Ein Räuspern. „Ich hoffe doch, sie setzten den armen Jungen nicht unter Druck, dass er ihnen etwas verrät. Dumbledore hat sich das alles einfacher vorgestellt, denke ich.“ Eine Pause entstand. Peter hatte die Stirn in Falten gelegt. Warum bezeichnete der Lehrer sich als Jungen? Und wer sollte ihn unter Druck setzten?
„Wenn er wahre Freunde findet, werden die es verstehen. Ein Werwolf ist ebenso ein Mensch und er ist im richtigen Haus gelandet, um nicht vor die Hunde zu gehen.“ Peter schluckte. Werwölfe? Ein Werwolf, der im richtigen Haus gelandet ist? Sirius hatte das Thema Werwölfe nicht vorstellen dürfen, da ein Werwolf im Klassenraum saß? In seiner Verteidigungsklasse, in seinem Haus... wahre Freund... Remus!
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