
von Si-lee
-18- Geheimniskrämer halten zusammen
Die Flammen der Kerzen flogen nur so an ihm vorbei. Der Geist des Fast kopflosen Nicks schaute ihm hinterher und fragte sich wohl, was es gewesen war. So schnell war Peter schon lange nicht mehr gerannt. Er musste mehrmals Luft holen bevor er der schläfrigen Fetten Dame das Passwort entgegen keuchen konnte. „Hetz nicht so, dass ist nicht gut.“, erklärte das Porträt und gab dann den Weg in den Gemeinschaftsraum frei.
Dieser war bis auf eine kleine Gruppe Siebtklässler und James leer. „Oh was ein Glück!“, rief Peter aus und hielt sich dann die Hand vor den Mund, als ihn die älteren Schüler alle anstarrten. „Ähm...“ Er schaute verlegen und lief dann zu James. Ein blonden Mädchen fing an zu lachen und die anderen der kleinen Runde stimmten mit ein. Peter hasste es wenn man über ihn lachte, doch jetzt war etwas anderes viel wichtiger.
„James, James. Ich weiß es jetzt!“, sagte er und rüttelte an dem Jungen im Sessel. Dieser schien schon seit einiger Zeit die Augen zugemacht zu haben. „Mhmm.. nur noch fünf Minuten.“, murmelte James schlaftrunken und wollte sich umdrehen. Peter jedoch hatte keine fünf Minuten. Er war kurz vorm platzen. Da musste James jetzt durch, fand er. „James!“, rief er nochmal und rüttelte weiter an ihm. James blinzelte und sah Peter an. „Wieso bist du so rot im Gesicht?“, fragte er etwas verwirrt. „Bin gerannt. Aber das ist jetzt nicht so wichtig.“ Seine Stimme wurde schon leiser. Er schaute sich kurz nach den anderen um, doch die waren wieder munter am plaudern. „James, ich weiß jetzt was mit Remus verkehrt ist.“, flüsterte er. Dieser Satz lies James anscheinend ganz aus dem Land der Träume ziehen. „Echt?“, fragte er nach und setzte sie auf. Peter nickte heftig und wurde dann merkwürdig still. „Ich glaube er ist ein.. Werwolf.“, flüsterte er und sah James mit großen Augen an. Er hoffte, dass James einfach lachen würde. Hoffte, dass der Junge ihm erklären würde das das völliger Humbug war.
James machte den Mund auf. Klappte ihn wieder zu und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Woher hast du die Idee?“, fragte er leise nach. Peter erzählte von dem belauschten Gespräch und James Miene wurde immer steifer. „Meinst du es stimmt?“, fragte Peter am Schluss vorsichtig nach. „Ja.“, gab James nur zur knappen Antwort und Peter ließ sich auf seinen Hosenboden fallen. Er war schockiert. Wusste nicht was er denken sollte. „Verdammt Peter, weißt du was das heißt?“, flüsterte James jetzt energischer und Peter murmelte ein: „Wir schlafen mit einem Monster im Zimmer.“ James schüttelte verächtlich den Kopf.
„Ja mag sein, aber Remus muss furchtbar leiden.“ James hatte Recht. Von dieser Seite hatte Peter das noch gar nicht betrachtet. „Meinst du das tut weh?“, fragte er und wusste die Antwort schon. Der Junge vor ihm nickte bedächtig. „Er muss irgendwann gebissen worden sein. Und die Verwandlungen...“ - „Deshalb ist er so mager und immer so blass.“ James schaute zu der Gruppe Siebtklässler, die nun langsam zum turteln übergegangen waren und meinte dann leise zu Peter. „Er wird sicher im Krankenflügel sein. Komm!“ Er erhob sich und hielt Peter eine Hand hin. Dieser ließ sich aufhelfen und stapfte gedankenversunken hinter James her.
Das sie bereits nach zwölf Uhr hatte, entfiel den Jungs einfach. Peter war zwar hundemüde, doch der kleine Schock hatte genügend Adrenalin in seine Venen geschossen, dass er mindestens noch zwei Stunden wach war. Sie liefen völlig ohne darauf zu achten ob Professoren unterwegs waren durch die Gänge und kamen am Krankenflügel an. Kurz bevor Peter die Klinke runter drückte, sagte er noch: „Ich dachte immer er hätte irgendetwas, was ihm peinlich ist.“ James schnaubte. „Ich denke das ist peinlich.“
„Nein. Vielleicht angsteinflößend. Er hätte es uns ruhig sagen können, oder?“ Peter schaute zu James hoch und dieser nickte. „Geheimniskrämer.“, grummelte er und dachte ebenso an Sirius wie an Remus. „Er vertraut uns noch nicht.“ Peter fand diese Erkenntnis erschütternd. Für ihn war die kleine Truppe die ersten wahren Freunde die er hatte und er konnte es sich nicht vorstellen etwas vor ihnen zu verheimlichen. „Jeder hat doch Schwächen.“, versuchte er noch ein Mal anzusetzten, doch James winkte ab und öffnete jetzt seinerseits die Tür.
~*~*~
Der Krankenflügel war in silbriges Licht getaucht, welches vom vollen Mond herrührte. Die meisten Betten waren verlassen, nur neben einem am Ende des langen Raumes standen ein paar Sachen. Schuhe, die James unheimlich bekannt vorkamen. James ging auf das Bett zu und hörte wie Peter ihm leise folgte. Auf dem Kopfkissen lag ein zusammengefalteter Gryffindorumhang sowie eine Hose. James seufzte. Sie hatten also wirklich recht. Er setzte sich auf das leere Bett und starrte aus dem Fenster. „Oh man. Was ein Glück das uns Remus heute nicht begegnet ist.“, murmelte er, als er auf den dunklen Wald sah.
Peter setzte sich neben ihn und sah ihn fragend an. „Wir waren heute in Hogsmead. Sirius hat den Geheimgang gefunden...“ Peter klatschte in die Hände, als wolle er dem nicht anwesenden Sirius Beifall klatschen und James musste einen Finger auf die Lippen legen. „'Tschuldigung.“, murmelte der Junge neben ihm leise und schaute dann auch nach draußen.
„Aber es ist doch total gefährlich ihn da draußen rumlaufen zu lassen, oder? Ich meine wir sind ja nicht die einzigen Schüler die mal nicht in den Betten sind.“ James lief es kalt den Rücken hoch, als er sich vorstellte wie ein leibhaftiger Werwolf vor einem Schüler stand. Da half rennen auch nichts mehr, wusste er. Sirius hatte ihm einiges erzählt – Ob der es wusste?!
„Quatsch, so etwas würde Prof. Dumbledore nie zulassen!“ Er mochte den weißbärtigen Schulleiter sehr gerne. Seine Eltern lobten ihn in den höchsten Tönen und betonten, dass er das Beste für die Schule sei. Peter zuckte mit den Schultern. „Er hat uns ja gesagt, dass wir nicht raus gehen sollen.“ James lachte leise. „Aber der weiß doch sicher, dass sich da nicht jeder dran hält.“ Peter machte eine ratlose Miene und schaute wieder nach draußen.
Der Mond würde noch Stunden brauche, bis er hinter den Baumwipfeln des verbotenen Waldes verschwinden würde. „Wollen wir hier auf ihn warten?“; schlug James vor und zeigte auf die leerstehenden Betten. „Und was sagt Madam Pomfrey dazu?“
„Was Pomfrey nicht weiß, macht Pomfrey nicht heiß!“ Peter grinste James zu. „Wir müssen nur vor ihr wach sein.“
Die beiden legten sich in zwei leere Krankenbetten und starrten an die Decke. Beide fanden keinen Schlaf, denn sie dachten über ihren Freund nach. Als die Sonne gerade über den Horizont kroch wurde die Tür zum Krankenflügel geöffnet und James setzte sich auf. Was er sah erschreckte ihn mehr, als die Vermutung sein Freund könnte ein Werwolf sein.
Remus sah furchtbar aus. Er trug ein einfaches Shirt, welches nur noch in Fetzen an ihm hing. Seine Arme waren mit blauen Flecken übersät und ein dicker Blutfleck prankte auf der rechten Seite seines Shirts. Die einfach Hose, die er trug hatte mehrere Löcher und James konnte erkennen, dass Remus in ihr hinkte. Peter stöhnte hinter ihm auf und Remus schaute zu ihnen hoch. Sein Gesicht, durch einige blutige Kratzer verunstaltet, war aschfahl. James konnte die Panik in seinem Blick sehen. Aber auch Wut.
„Du schaust echt schrecklich aus.“, sagte James und stand auf. Remus machte einen unbeholfenen Schritt zurück zur Tür. Will er etwa weglaufen?, fragte sich James. Peter kam zu James und starrte unverwandt auf den Jungen in den zerrissenen Kleidern. „Madam Pomfrey kommt sicher gleich.“, meinte er an James gewandt. „Ja, wir verschwinden ja gleich. Aber erst...“
„Ihr braucht nichts sagen. Ich habe schon verstanden.“ Remus Stimme hörte sich brüchig an. Seltsam tief für einen dreizehnjährigen. James vermutete, dass der Wolf daran Schuld war. „Ich glaube du hast falsch verstanden. Warum hast du es uns nicht gesagt?“, fragte James und überwand die letzten Meter bis zu Remus. „Was soll ich euch schon erzählen...“, grummelte dieser.
„Na zum Beispiel, dass du ein Werwolf bist.“, sagte Peter mit einer Leichtigkeit in der Stimme, die James ihm nie zugetraut hätte. „Eben.“, kommentierte James nur rasch und Remus schüttelte den Kopf. „Klar, damit ihr gleich euren Eltern schreiben könnt?“ Remus schrie fast und Peter zuckte neben James zusammen. „Hey, Mr. Moony ganz ruhig! Wir schreiben unseren Eltern nicht, außer das es toll ist nen Freund wie dich zu haben.“ Remus schien das gar nicht richtig aufgenommen zu haben. „Ja genau. Moony. Ich bin ein Monster. Ein Mondmonster.“, rief er ihnen entgegen und James hielt ihm kurzerhand den Mund zu. Remus wehrte sich kurz, doch er war einfach zu schwach dafür. Peter gluckste. „Mondmoster... Cooler Name! Aber ich bin auch eher für Moony, ist nicht ganz so auffällig was?“
Remus schien sich langsam zu beruhigen und James ließ ihn wieder los. „Sollen wir dir helfen?“, fragte er und betrachtete seinen geschundenen Freund noch ein Mal etwas genauer. Remus schien das peinlich zu sein und er wankte auf das Krankenbett zu. „Soll das heißen, ihr werdet nicht zu Prof. MacGonagall rennen?“ - „Klar nicht.“, antwortete James sofort und Peter nickte. Remus schien das alles etwas zu viel zu sein. Er starrte auf den Boden und schluckte. „Madam Pomfrey ist gleich hier. Ihr solltet verschwinden sonst wird sie sicher sauer.“, sagte er zu seinen Schuhen. Peter zuckte mit den Schultern und schaute James an.
„Gut wir gehen runter zum Frühstück und warten da auf dich.“ Er nahm Remus Kinn in die Hand, sodass der Junge ihn anschauen musste. „Wir sind für dich da!“
~*~*~
„Mr. Lupin, ist alles in Ordnung?“, fragte Madam Pomfrey und stellte ihm noch einen Schmerztrank auf den Nachttisch. „War eine anstrengende Nacht.“, redete sich der Junge raus und hoffte das sie bald gehen würde. Alles in Ordnung – von wegen!, dachte er sich und schluckte den bitteren Trank runter. Er brannte in der Kehle und ein kribbeln durchzog seine Hüfte. Die Frau stand immer noch vor ihm und nickte leicht. Remus erkannte, dass sie ihm nicht so recht glaubte. Er hatte jeden Monat eine anstrengende Nacht, doch dieses Mal hatte er mehr Angst vor dem Tag. „Haben sie noch Schmerzen?“, fragte sie weiter und Remus schüttelte den Kopf. „Gut, wenn sie nicht wollen...“ Jetzt kam ihre übliche Stimmlage wieder zum Vorschein. Leicht gereizt. So mochte Remus die Krankenschwester deutlich lieber. Er wollte nicht bemuttert werden, es half sowieso nichts.
Madam Pomfrey verschwand in ihrem Büro und Remus zog die Vorhänge um sein Bett zu. Vorsichtig schälte er sich aus der Hose und tupfte mit einem nassen Tuch, dass Blut von der Seite. Es würde eine kleine Narbe zurückbleiben, erkannte der Junge sofort. Das ist jetzt auch egal., dachte er sich. Ab jetzt würde alles wieder so werden wie früher. Seine Eltern würden ihn jeden Monat in den Keller einsperren, ihn dort wüten lassen und am Morgen würde John Lupin mit ihm ins Mungos fahren. Kleinere Wunden konnte er auch so heilen, doch meist fügte sich Remus nicht nur kleinere Wunden zu.
Fast zwei Jahre, wer hätte das gedacht. Ihm wurde übel und er musste ein paar mal durchatmen. Er dachte an James und Peter, die die neue Information über ihren Zimmergenossen so gut aufgenommen hatten. Bei James hatte er sich solch eine Reaktion nach der Ansprache von Prof. MacGonagall bereits so vorgestellt. Von Peter war er wirklich überrascht worden. Wahrscheinlich hatte James mit ihm die Nacht geredet und den Blick mit dem der kleine Junge ihn gemustert hatte war ihm auch aufgefallen. Unsicher, ängstlich. Peter würde immer das machen was James oder Sirius sagten, also wird er den Mund auch halten.
Er. Warum musste ausgerechnet in dem Jahr ein Black nach Gryffindor kommen., dachte Remus wütend und hätte gerne etwas zerschlagen. Der Wolf stimmte ihm zu und zeigte ihm den leeren Becher. Remus schüttelte den Kopf. Wut nährte den Wolf, also musste er sich mit etwas anderem beschäftigen. Er zog sich die frische Hose an und schaute auf das zerrissene Shirt. Er würde seinen Eltern wieder schreiben müssen. Ach nein. Diesmal nicht. Er würde keinen weiteren Mond hier verbringen.
„Mr. Lupin sind sie soweit?“ Er schloss kurz die Augen, zog sich die restlichen Sachen an und kam hinter dem Vorhang hervor. „Bin soweit.“, erklärte er überflüssiger Weise. „Gut. Dann bis zum nächsten Mal. Falls sie noch einen Trank benötigen, kommen sie nach dem Unterricht wieder.“ Er verabschiedete sich kurz und verließ den Krankenflügel.
Matt fühlte er sich noch immer. Er lief langsam durch die Gänge und überlegte wo er hingehen sollte. Zur Eulerei und seinen Eltern berichten, was los war? Zu Prof. MacGonagall, damit sie das Schlamassel nicht von aufgebrachten Eltern erfuhr. Zu James und Peter, die ihn in Sicherheit wiegen wollten. Nein. Er würde gleich zu ihm gehen. Würde in sein hübsches Gesicht sehen und ihm sagen, dass es ihm klar war das ein Black ihn verraten würde. Sein Wolf regte sich und er stapfte zum Gryffindorturm hoch.
~*~*~
Sirius drehte sich im Bett um und starrte die Sonnenstrahlen an. Es war also Morgen. Er gähnte. Durch die Lücke zwischen den Vorhängen schaute er in den Schlafsaal. Es war merkwürdig still. Kein lautes Atmen von James, kein gelegentliches Schnarchen von Peter und keine hektischen Bewegungen aus dem Bett von Remus. Er gähnte ein weiteres Mal. Stimmt, Remus konnte nicht hier sein, es war Vollmond. James war wahrscheinlich noch wütend auf ihn und.. Peter?
Ein drittes Mal gähnte er und setzte sich dann auf. Wenn James noch so eingeschnappt war, dass er ohne ihn Frühstücken ging, würde es ein elender Tag werden. Dabei hatten sie heute eigentlich geplant, endlich mal wieder die Schule zum Lachen zu bringen. Malfoy war nur noch ein paar Monate in Hogwarts, es wurde also langsam Zeit.
Er zog die Vorhänge auseinander und wollte gerade ins Bad tapsen, als die Tür geöffnet wurde. Mit einem lauten Krachen fiel sie ins Schloss und Sirius starrte den Jungen an. „Alles klar, Remus?“, fragte er leicht verwirrt. Normalerweise war der Junge nach einer Vollmondnacht ruhig und schläfrig. Ausgepowert und kaum ansprechbar. Jetzt stand er vor der Tür, als würde er Sirius gleich anfallen. „Wieso musstest du unbedingt nach Gryffindor?“, schrie er ihn fast an und Sirius zog eine Augenbraue in die Stirn. „Bitte, was?“, fragte Sirius. Er war eindeutig im falschen Film. „Warum musstest du den Hut dazu überreden, dass du nicht nach Slytherin kommst.“
„Ich den Hut überreden? Du...“, stammelte er perplex. „Das hätte ich nicht von dir erwartet.“
„Es hätte so toll sein können. Freunde wie James und Peter zu haben... In der Schule zu sein. Nur du bist Schuld!“ Remus ballte die Fäuste und Sirius musste sich zurückhalten, keinen Angriff zu wagen. „Schön.“, grummelte er stattdessen. „Schön, dass ihr euch endlich dazu entschieden habt nicht mit einem Black befreundet zu sein. Nett auch, dass du mich davon in Kenntnis setzt, Lupin.“ Er sprach kühl und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Die Erziehung seiner Eltern schlug durch, denn er würde diesem Jungen nicht die Genugtuung geben ihn verletzt zu sehen. „Sonst noch was?“, fragte er daher.
Remus knurrte und Sirius hätte gelacht, wäre die Situation nicht so vertrackt gewesen. „Warum hast du es nicht einfach mir gesagt, dass du es weißt? Ich wäre schon verschwunden. Es hätte ja nicht gleich die ganze Schule davon erfahren brauchen. Aber du wolltest mich wohl leiden sehen, richtig Black?“ Sirius Gehirnzellen ratterten und dann fing er bellend an zu lachen. Er stützte sich mit den Händen auf James Bett ab und konnte sich gar nicht mehr einkriegen.
„Ja, lach nur.“, hörte er Remus wütende Stimme. Es schepperte und irgendetwas war zu Bruch gegangen. Sirius holte Luft und drehte sich zu dem Jungen um, der nach einem zweiten Glas griff. „Falls du nicht vorhast den ganzen Schlafsaal zu demolieren würde ich mal dein Wolf zurückpfeifen!“ Sirius grinste. „Glaubst du ernsthaft, ich würde das in der Schule rum erzählen?“ Er hatte sich wieder beruhigt. Jetzt tat ihm die Beschuldigung doch etwas weh. Er wusste, dass die anderen ihm nie so vertrauen würden wie einem Nicht-Black, doch das gerade Remus diesen Fehler beging, verletzte ihn. Remus, der Werwolf, musste doch wissen, dass man manchmal in seinem Leben nichts für etwas kann.
Remus hatte in der Bewegung innegehalten und drehte sich mit dem Glas in der Hand zu ihm um. „Wie meinst du das?“, fragte er und ein kurzes Funkeln in den Augen verriet Sirius, dass er bereits zu verstehen began. „Ich habe dir gesagt, mir machen Geheimnisse nichts aus.“, erklärte Sirius steif und setzte sich auf sein Bett. „Und ich stehe dazu was ich sage.“ Remus klappte den Mund auf und ließ das Glas fallen. „Tja, aber einem Black kann man eben nicht trauen, richtig?“, stichelte Sirius. Der Junge schüttelte den Kopf. „So war das nicht gemeint...“ Sirius schnaubte. „James und Peter waren im Krankenflügel und du warst nicht dort. Ich dachte...“
„Du dachtest der Erbe der Blacks würde nichts mit einem Halbmenschen zu tun haben wollen und wäre dabei dafür zu sorgen, dass du von der Schule fliegst.“ Remus nickte und setzte sich auf seine Bettkante. Er sah blass aus, der Wolf hatte sich wohl wieder schlafen gelegt.
„Ich weiß es schon länger. Vor Weihnachten hab ich es rausgefunden. Ich hätte mir denken können, dass James irgendwann dahinter steigt, nachdem ich so viel über mein Verteidigungsthema gelabbert hatte. Hat ganz schön lange gebraucht, was?“ Remus starrte ihn an, als wäre er der Weihnachtsmann. „Mensch Remus, ich kann nichts dafür, dass ich Black heiße und du kannst nichts dafür, dass du ein Haustier hast.“ Er grinste breit und es schien anzustecken denn auch Remus lächelte.
„Danke.“, murmelte er und fügte ein: „Und es tut mir Leid. Ich hätte wissen müssen...“ Sirius wischte es mit einer Handbewegung weg. „Schon gut. Wie geht’s dir?“, fragte er nach und betrachtete die dunklen Ringe unter seinen Augen. „Super!“, grinste Remus und Sirius musste lachen. „Aber eins musst du mir mal verraten, wo gehst du hin? Wirklich in den verbotenen Wald?“ Remus stockte und schüttelte den Kopf. „Das wäre viel zu gefährlich.“ Sirius sah in weiterhin fragend an. „Du hast doch nichts gegen Geheimnisse, sagtest du.“ Sein Freund zwinkerte ihm zu. „Ich werd es eh rausfinden, immerhin schein ich der klügste von uns Viern zu sein.“ Sie lachten beide und waren froh, dass sie einander hatten.
~*~*~
Remus strahlte vor Glückseeligkeit als er in die Große Halle trat. Gleich neben ihm ging Sirius. Am langen Tisch der Gryffindors erkannte er sofort den winkenden James und sein Lächeln zog sich noch in die Breite. Was hatte er für tolle Freunde!
Er hätte die Welt umarmen können! Sie würden ihn nicht verraten, er konnte in Hogwarts bleiben und er würde sich nicht jeden Monat mehr davor fürchten, dass einer der drei hinter sein Problem kam.
James sah Sirius fragend an, als dieser nickte grinsten die beiden. „War klar. Geheimniskrämer halten zusammen was?“, brummte er leicht verstimmt, doch Sirius zuckte nur mit den Schultern. Dann sah James zu Remus. „Na Moony, jetzt siehste ja schon viel besser aus!“, begrüßte James ihn und Remus schaute sich schnell um. „Sag so was nicht James, die anderen haben auch Ohren.“ Dieser zuckte nur mit den Achseln. „Was sollen die schon hören? Du hast nen Spitznamen, dass haben doch fast alle hier.“
„Stimmt, Jamie!“, gab Sirius zur Antwort und James wurde rot. „Ey, ich habe einen Ruf zu verlieren, also wenn du nicht willst, dass du ab heute Siri heißt, würde ich die Klappe halten.“ Remus setzte sich neben Siri und dieser grummelte. „Gewonnen.“ Peter rückte Remus sofort die Brötchen zurecht und Remus rollte innerlich die Augen. Peter hatte manchmal schon etwas weibliches an sich. Fast hätte er 'Danke, Abigail' gesagt, doch er wollte seine Freunde heute nicht verärgern. Nicht an diesem Tag!
„Hier Siri -“ Der genannte funkelte James an. „-us, da war eben ne Eule für dich da.“ Der Junge nahm den Umschlag und riss ihn auf. „Von wem?“, fragte Remus kauend. „Andromeda. Oh schaut nur, ich bin Onkel!“ Er zeigte den dreien ein Foto eines kleinen Babys. Es sah niedlich aus, so wie alle Babys nunmal aussahen. „Nymphadora? Was ist das denn für ein Name?“, fragte Peter der sich wie immer zuerst auf den Text stürzte. „Hat sicher der Vater gewählt.“, erklärte Sirius achselzuckend und las den Brief den ihm seine Cousine dazu geschrieben hatte. „Sie laden mich im Sommer ein, die hat sie doch nicht mehr alle.“ - „Warum?“ Sirius stöhnte. „Weil sie nicht mehr zur Familie gehört und mir meine Eltern was erzählen würden, wenn ich zu ihr fahren würde...“, erklärte er rasch und James nickte. „Ach stimmt, hab total vergessen, dass die was gegen andere haben.“ Sirius rollte mit den Augen. „Fällt ja auch gar nicht auf.“, maulte er leise und ließ seine verbundene Hand wieder unter den Tisch gleiten.
Remus betrachtete die drei Jungen im stillen und freute sich noch immer, dass er mit diesen Chaoten in einem Schlafsaal war. Früher war er sich sicher gewesen, dass ihn das Pech verfolgen würde. Doch heute änderte sich seine Sichtweise etwas... Er hatte Pech gehabt. Sehr viel Pech. Mit seinen Freunden, da war er sich sicher, hatte er riesiges Glück gehabt!
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