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Fanfiction

Warum wir kämpfen - -10- Familie & Freunde

von Si-lee

-10- Familie & Freunde

Remus saß unruhig am Frühstückstisch mit seinen Eltern. Die Sonne glitzerte durchs Küchenfenster und kündigte einen herrlichen Tag an. Immer wieder schaute der Zwölfjährige auf die große Uhr über der Tür und konnte es gar nicht erwarten, dass der Stundenzeiger sich endlich der zehn näherte. „Aufgeregt?“, fragte sein Vater ihn und grinste fast genauso vergnügt wie sein Sohn. Sie hatten beide aschblondes Haar und die kleinen, brauen Augen. „Lass ihn in Ruhe, John. Du warst sicher auch nicht besser, als du noch zur Schule gegangen bist.“ John Lupin drückte seiner Frau einen Kuss auf die Wange und strahlte noch ein wenig mehr. „Du würdest uns verstehen, wenn du auch nach Hogwarts gegangen wärst.“
Remus Mutter seufzte. „Ach ich verstehe seine Aufregung auch ganz ohne magische Kräfte.“ Sie lachten. Remus schaute wieder auf die Uhr und tatsächlich, der Minutenzeiger hatte wieder eine Runde geschafft. „Sollten wir nicht schon etwas eher losfahren?“, fragte der Junge seinen Vater, der ihm gegenüber saß. John nahm noch ein Schluck Kaffee und Maria antwortete für ihn. „Ich denke, letztes Jahr sind wir auch nicht zu spät gekommen. Und deine Freunde dürfen dich viel länger im Jahr sehen als wir, deshalb: Nein.“ Sie lächelte ihren Sohn an und war unheimlich glücklich das es alles so gekommen war.

Vor einem Jahr hatte der damals elfjährige Remus den beiden mit bedrückter Stimmung gegenüber gesessen. Hatte immer wieder nachgefragt, ob es wirklich eine gute Idee wäre, dass durch zu ziehen. Man hatte ihm ansehen können, dass er Angst vor der Schule hatte. Angst vor den Mitschülern und was sie herausfinden könnten. Doch jetzt? Was ein Glück, dass ich es durchgezogen habe!, dachte sich Remus jetzt. Oben auf seinem Nachtisch lagen drei lange Briefe seiner Freunde. Denn ja, er hatte Freunde gefunden. Freunde. So konnte er Peter, James und die Bagshots wohl nennen. Das er ein Mal über das Wort Freunde nachdenken würde, hätte er sich nie träumen lassen.
„Du siehst sie ja schon in knapp zwei Stunden.“, beschwichtigte auch John seinen Jungen und riss ihn damit wieder aus seinen Gedanken. „Und deine Mutter hat Recht. Wir sehen dich viel zu selten, also müssen wir den letzten Rest noch auskosten!“ Remus nahm sich noch ein Brot und bestrich es dick mit Marmelade. „Ich komme ja zu Weihnachten schon wieder.“, erklärte er. Kurz hatte er überlegt, ob er dieses Jahr in Hogwarts bleiben sollte. Doch wie so oft kreuzte der Mond seine Pläne. Wie sollte er in den Ferien auf ein Mal verschwinden, ohne das es auffiel? Seine Zimmerkameraden schauten sowieso schon immer recht eigenartig, wenn er sich wieder etwas Neues einfallen musste, um sein Geheimnis vor ihnen zu verbergen. „Was sind schon zwei Wochen...“, maulte seine Mutter wie ein kleines Kind und Remus musste lachen. „Ihr habt doch eh genug zu tun. Auch ohne mich.“

Damit hatte er Recht. John und Maria Lupin hatten eine ganze Menge zu erledigen. Neben seinem Job im Ministerium, verkroch sich John jeden Tag in seiner kleinen Bibliothek und arbeitete bis spät in die Nacht an neuen Tinkturen und unbekannten Tränken. Remus hatte es zwar schon längst aufgegeben, dass er tatsächlich etwas gegen sein allmonatliches Leiden herausfinden würde, doch John ließ sich nicht von dieser Idee abbringen. Maria Lupin arbeitete in einem Muggelkrankenhaus als Schwester. Mit Schichtdienst und einem Haushalt, der erledigt werden wollte, hatte sie auch einen vollen Tag. Die Wochenenden kümmerte sie sich oft um ihre kranke Mutter und hin und wieder saßen die Eheleute auch zusammen in der Bibliothek. Zwar verstand Maria nicht viel von dem albernen Zauberstabgefuchtel und noch weniger von den merkwürdigen Tränken, aber sie wollte der Arbeit ihres Mannes etwas beisteuern. Wollte nicht tatenlos daneben sitzen und ihren Sohn leiden sehen. Egal wie gut er sein Leiden vor ihr verbarg.

„Mach dir keine Sorgen um uns. Für dich haben wir immer Zeit.“, erklärte sein Vater und stellte die Tasse Kaffee wieder ab. „Ich habe da auch noch eine Kleinigkeit für dich...“, begann er und Maria verdrehte die Augen. „Jetzt fangen sie wieder an über wirres Zeug zu reden.“, erklärte sie der Zuckerdose, als wäre es ihre beste Freundin. Ihre Männer lachten, doch Remus fragte gleich nach. „Was denn, Dad?“ Wenn Remus eins wusste dann, dass John Lupin immer zu Überraschungen fähig war. Als kleines Kind hatte er (wie fast jeder in einem bestimmten Altern) immer nach seinen Geschenken für Weihnachten oder seinen Geburtstag gesucht. Immer hatte er etwas gefunden. Schließlich war er sorgfältig an die Sacher herangegangen. Hatte das Haus fachmännisch auf den Kopf gestellt und später alles wieder zurück gerückt. Doch jedes Mal hatte sein Vater noch etwas besonders für ihn gehabt. Einen Winter war es ein altes Märchenbuch seines Großvaters. Und an seinem elften Geburtstag war es der Brief für Hogwarts gewesen.

„Iss auf und komm mit, dann zeig ich es dir!“ Schnell stopfte Remus das halbe Marmeladenbrot in zwei Bissen in den Mund und kaute wie ein Schaf mit Turbo. Maria erhob sich lächelnd und begann den Frühstückstisch aufzuräumen. Ihre Männer brauchten sie jetzt erst ein Mal nicht, dass wusste sie. Remus machte seinen Mund auf, um zu zeigen, dass er fertig war und John erhob sich. „So dann darfst du heute mal in die Bibliothek.“, erklärte er und Remus strahlte.

Die Bibliothek war Johns Heiligtum. Remus war bis jetzt nur ein Mal in diesem Raum gewesen. Deshalb schaute er sich nun genau um. Die Wände waren mit wahr los zusammen gesammelten Regalen bestückt, die alle mit Bücher übersät waren. Einige Bücher stapelten sich sogar auf dem Boden, da die Regale keinen Platz mehr für sie boten. Ein alter Schreibtisch, der so gar nicht zu dem Durcheinander des Zimmers passen wollte, stand in der Mitte. Er strahlte das unheimliche Wissen aus, welches er schon alles gesehen haben musste. Die Tischbeine waren mit Tieren verziert, die versuchten nach oben zu kommen. Fast an der Tischoberfläche ragten Raben auf, die ihre Schwingen weit ausgebreitet hatten. Remus wusste das dieser Schreibtisch einst Johns Urgroßvater gehört hatte und betrachtete ihn daher mit Ehrfurcht. „Hier ist es...“, murmelte John und kramte ein altes Pergament aus der untersten Schublade heraus. Remus kam schnell zu ihm hinüber und schaute darauf. „Was ist das?“, fragte er neugierig.

Das Pergament sah aus wie ein Plan eines Gebäudes. Die Linien waren nicht gerade akkurat eingezeichnet worden und einige Wände verliefen merkwürdig schräg. „Das ist Hogwarts. Zumindest das Hogwarts, welches ich kennen gelernt habe.“ Remus schaute noch ein Mal auf das Pergament und erkannte nun ein paar der Linien. Mit einer schiefen Schrift waren kleine Worte darauf gekirtzelt. 'Große Halle' stand zum Beispiel auf einem sehr großen Rechteck. Davon gingen zwei Gänge ab. Der eine war mit dem Wort 'zur Eingangshalle' gekennzeichnet, der andere hieß 'Abstellkammer'. Remus wunderte sich. Er kannte nur den ersten Weg aus der großen Halle.
„Du siehst schon richtig. Ich und ein paar Freunde haben diese Karte während unserem letzten Schuljahr angefertigt. Allerdings sind hier sicher nicht alle Gänge, Zimmer und versteckten Abkürzungen aufgezeichnet.“ Er musste grinsen. „Einmal haben wir einen Raum im siebten Stock gefunden, doch wir fanden ihn nie wieder.“ Er zuckte mit den Schulter und überreichte Remus das Pergament. „Jetzt kannst du mit deinen Freunden weiter suchen. Vielleicht ist es besser ihr zeichnet sie noch ein Mal neu...“, musste er zugeben und schaute auf eine Ecke, die durch irgendeine Flüssigkeit verwischt war. „Aber ihr habt zumindest einen Anfang.“

Remus war begeistert. Er konnte seine Augen gar nicht von dieser Karte abwenden. Einige der Gänge erkannte er sofort. Andere hatte er noch nie gesehen und freute sich schon James und Harvey davon zu erzählen. Die Jungs würden sicher gerne mit ihm das Schloss unsicher machen... und eventuell kannte Mr. Flich einige der Gänge nicht, sodass sie ihm nicht ständig vor die Füße liefen. „Das ist super, Dad!“, gestand er und schaute zu ihm auf. John grinste noch eine Spur breiter. „Aber das ihr mir keinen Unsinn macht. Und keine nächtlichen Ausflüge.“ Er zwinkerte schelmisch, denn er wusste, dass sich kein Junge in diesem Alter daran hielt. „Wir lassen uns schon nicht erwischen.“, stimmte Remus ihm grinsend zu.

~*~*~

Ein Buch auf den aufgestellten Beinen liegend, lag Sirius auf seinem Bett und versuchte zu lesen. Er kannte das Buch. Er kannte das Kapitel und eigentlich kannte er sogar den nächsten Satz, der jetzt kommen musste. Er stöhnte auf und warf noch einen Blick auf die kleine Uhr auf seinem Nachttisch. Keine zehn Minuten waren vergangen und er musste noch so lange warten. Fast lachte er auf. Gewartete hatte er in den letzten zwei Monaten fast schon zu lange, also würde er die letzten zwei Stunden auch noch schaffen. Zwei Monate waren ihm noch nie so lange vorgekommen. Zweiundsechzig Tage. Siebenhundert vierundvierzig Stunden. Vierundvierzigtausend Sechshundervierzig Minuten. Zweimillionen Sechshundertachtundsiebzigtausend und Vierhundert Sekunden hatte er auf den ersten September gewartet. An dem er endlich dieses Haus wieder verlassen durfte.

Es klopfte leise an seiner Zimmertür und Sirius schaute von seinem Buch auf. Die Geschichte der Zauberei Band 2 hatte er schon lange nicht mehr gelesen, er hing seinen Gedanken nach und träumte von vergangenen Tagen. Daher hatte er auch die Schritte auf der Treppe nicht gehört. Das Klopfen jedoch hatte sich nicht nach Kreacher angehört und Sirius hoffte, dass er es auch nicht war. „Herein!“, sagte er mit lauter Stimme, als habe er vor nichts und niemanden Angst. Innerlich jedoch verkrampfte er leicht, als sich die Tür öffnete. Sein Bruder Regulus stand dort zwischen den Türpfosten und schaute kurz hinter sich bevor er die Tür hinter sich schloss. Sirius atmete geräuschvoll aus und murmelte. „Ich dachte schon sie wären es.“

Sein Bruder schüttelte den Kopf und setzte sich auf die Bettkante. Der Ältere schlug sein Schulbuch zu und rappelte sich etwas auf. „Was willst du?“, fragte er etwas unsicher. Regulus hatte sich die Ferien über nicht oft in seinem Zimmer blicken lassen. „Ich wollte mich verabschieden.“, sagte der Jüngere kleinlaut und schaute auf die schwarzen Lackschuhe an seinen Füßen. Sie glänzten wie frisch poliert. Sirius nickte, schwang seine Füße aus dem Bett und schaute ebenfalls nach unten. Er hatte dunkle Socken an. Sein großer Zehn bohrte sich in den dünnen Stoff. Sicher würde dort bald ein kleines Loch zu sehen sein. „Sirius ich..“, fing Regulus an zu stammeln doch der Angesprochenen unterbrach ihn einfach.
„Du musst dich nicht rechtfertigen.“ Sirius sprach kühl. Er wollte seinen Bruder nicht verletzten, doch er war in den letzten Tagen zu oft verletzt worden, als dass er das noch verhindern konnte.
„Doch das muss ich. Ich fühle mich schlecht. Ich hab dich einfach im Stich gelassen...“, gab der Junge mit den Hochglanzschuhen zu und wirkte dabei gar nicht mehr so unnahbar, wie er sonst immer wirken wollte. Sirius schnaubte. So wie James immer schnaubte, wenn ihm etwas missfiel. „Jetzt fühlst du dich also schlecht? Aber warum denn, kleiner Bruder. Dir haben sie doch nicht weh getan. Auf dir haben sie doch nicht rum getrampelt als wärst du eine Made. Nein, Brüderchen, du bist jetzt der Tolle. Also genieße es, solange du es noch bist.“
Regulus starrte noch immer auf seine Schuhe und sah daher nicht den zynischen Blick, den sein großer Bruder ihm nun zuwarf. „Ich bin nicht der Tolle, Sirius.“, sagte er leise, „Sie sehen mich doch gar nicht.“

Sirius lachte bellend auf und hielt sich kurz danach den Mund zu, als hätte er etwas schändliches gesagt. Sie hörten beide in die Stille. Nichts geschah. „Sie sehen dich also nicht? Und darum machst du dir Sorgen?“, fragte Sirius nun mit gedämpfter Stimme. „Was hätte ich dafür gegeben, wenn sie mich die letzten zwei Monate nicht gesehen hätten...“ Nun schaute Regulus doch auf. „An der Situation bist du selbst Schuld. Du bist nach Gryffindor gekommen, dir war doch klar, dass sie dich dann sehen würden.“ Sirius schüttelte missbilligend den Kopf. Sein Bruder schien es einfach nicht zu verstehen.
„Meinst du ich wollte mich so unbedingt gegen sie auflehnen? Meinst du ich wollte, dass sie mich so ansehen und...“ Er brach ab. Die Stille sagte alles. „Meinst du wirklich ich wollte, dass es so kommt?“
„Warum bist du dann in Gryffindor?“, fragte Regulus mit neuem Interesse. „Weil ich so bin wie ich bin.“, stellte Sirius klar und schaute seinem Bruder das erste Mal in die Augen. „Ich bin nicht so wie Bellatrix, die um diesen neuen Möchtegern Schwarzmagier herum schwänzelt, als wäre er der tollste Mann auf Erden. Ich bin nicht so wie Großvater, der alle Fäden der anderen Reinblüter in den Händen hält und seine Enkelkinder noch vor ihrer Geburt verheiratet. Ich bin nicht so wie...“ Er schaute verächtlich. „Mutter, die Muggel verachtet als hätten sie alle die Pest.“ Regulus nickte leicht und wandte sich wieder seinen Schuhen zu.
„Aber warum bist du nicht wie Andromeda. Sie mag vielleicht Muggel, aber sie sagt es nicht so öffentlich. Und sie ist in Slytherin. So wie es sich gehört.“ Sirius zuckte hilflos mit den Schultern. Er wusste nicht warum er so war. Er wusste nur, dass er durchdrehen würde, würde er ihnen keine Wiederworte geben. Er würde innerlich platzen wie ein Luftballon. „Ich bin eben nicht Andromeda.“, murmelte er leise.
„Es wäre so viel leichter.“, stellte sein Bruder fest und fing an mit seinen Beinen zu baumeln. „Nicht alles was leichter ist, ist besser. Gryffindor ist gar nicht so schlimm wie Mutter es immer behauptet. Die Leute sind wirklich nett. Auch wenn sie nicht reinblütig sind.“ Regulus stöhnte auf. „Sirius, bitte. Wenn Mutter davon hört...“ Er schaute zu Tür, als würde dahinter ein leibhaftiger Drache auf sie warten. „Mutter kann nicht alles hören. Sie kann nicht alles wissen.“ Der Jüngere nickte zaghaft. „Sirius.“, fing er mit belegter Stimme an. „Wirst du Weihnachten kommen?“

Er ließ sich auf das Bett zurückfallen. Würde er Weihnachten kommen. Klar würde er das. Er würde kommen und hoffen das der Sommer dadurch etwas erträglicher werden würde. Er würde es über sich ergehen lassen. „Ich denke schon.“, sagte er matt.
„Bitte komm. Sie werden ausrasten, wenn du das noch ein Mal tust. Mutter hatte sogar vor dich aus Hogwarts zu holen.“ Sirius stemmte sich auf die Ellenbogen und schaute seinen Bruder fragend an. „Großvater hat es ihr verboten. Es würde in die Öffentlichkeit kommen und man würde nur noch mehr über dich reden, hat er gesagt.“ Sirius schnaubte. Klar. Gerede. „Also deshalb hat mich Mutter so herzlich empfangen, weil sie vom Familienoberhaupt vorgeschrieben bekommen hat, wie sie mit mir umzugehen hat.“ Regulus nickte.

Schlurfende Schritte kamen die Treppe hoch und die Blackgeschwister horchten auf. „Kreacher.“, murmelten sie fast gleichzeitig. Regulus stand schnell auf und ging zur Tür bevor der Hauself sie öffnen konnte. Sirius stellte sich ebenfalls hin und räumte das letzte Buch in seinen Koffer für Hogwarts. Kreacher verbeugte sich vor den jungen Blacks und durchschnitt die Stille mit seiner piepsigen Stimme. „Die Herrin wünscht sie zu sehen.“, erklärte er sein Auftreten und wandte sich dem großen Koffer zu. Mit einem Schnipsen schwebte der Koffer ein paar Zentimeter über dem Boden und folgte dem Hauself wie ein Hund an der Leine. Sirius schlüpfte in seine Schuhe, die ebenso poliert waren wie die seines Bruders und schaute sich noch ein Mal um. Das hier würde er alles nicht vermissen. Außer vielleicht ein Gespräch mit seinem Bruder oder mit Onkel Alphard.

„Sirius!“, keifte die Stimme seiner Mutter und er beeilte sich nach unten zu kommen. Als er unten ankam, war Regulus verschwunden. Wahrscheinlich war er in die Küche gegangen. Wollte das letzte Theater nicht miterleben müssen. Sirius setzte seine ernste Mine auf und verbarg all seine Gedanken wieder tief im Inneren.
„Wenn ich dich rufen lasse, kommst du gleich.“, bluffte ihn Walburga an. Sie hatte die Hände in die Seiten gestemmt und fast hätte Sirius ihr erklärt, dass ein Black keine Gefühle zeigen durfte. „Ja, Mutter.“, sagte er stattdessen tonlos. Sie kam auf ihn zu und Sirius hörte kurzzeitig auf zu Atmen. Hatte er etwas falsch gemacht? Ihre Hände bewegten sich auf den obersten Hemdknopf zu und machten ihn zu. Jetzt viel ihm das Atmen noch schwerer. Sie nahm den Schlips in die Hand und zog Sirius leicht zu sich.
„Ich hoffe du hast verstanden, was deine Aufgabe ist. Halte dich von den Schlammblütern und Muggelfreunden fern und wage es dich ja nicht Weihnachten nicht zu erscheinen. Es würde dir nicht gut tun.“, zischte sie ihm entgegen und zog den Schlips stramm. Sirius nickte hastig und war froh, als sie wieder den gebührenden Abstand zu ihm aufbaute. Kreacher stand hinter ihnen und hatte ein hässliches Lächeln auf den Lippen. Eine Tür öffnete sich im oberen Stock des Hauses und Sirius hörte in seinem Rücken die raschen Schritte seines Vaters. „Walburga. Ist es schon Zeit?“, fragte er seine Frau. Seine Stimme klang gelangweilt. Die Frau nickte kurz und hielt ihrem Mann einen Umhang hin. Er schlüpfte hinein und blickte auf seinen Sohn hinab. „Benimm dich!“, bellte er. Dann öffnete er die Tür und Sirius ging raschen Schrittes hinter seinem Vater hinaus. Kreacher und Walburga folgten.

Vor den Steinstufen blieb die Familie stehen. Orion nahm die Hand seines Ältesten fest und mit einem Rauschen seines Umhangs wurden sie in einen dünnen Schlauch gezogen. Mit einem leisen 'Plopp' landeten die beiden auf dem Bahnsteig von Gleis 9 ¾ und kurz nach ihnen tauchten Walburga und Kreacher mit dem Koffer auf. Sirius blickte zur scharlachroten Lok und ein unbeschreibliches Glücksgefühl stieg in ihm auf. Ein ehrliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Eine schwere Hand legte sich auf seine rechte Schulter und er wurde zu seinem Vater gedreht.
„Hör auf so blöde zu Grinsen.“, bellte er gleich wieder los und Sirius Lächeln war schneller weg, als das er Hogwarts denken konnte. Er schaute nach unten auf seine Schuhe und hoffte, dass diese Szene bald vorüber sein würde. „Du hast deine Mutter verstanden, nehme ich an.“, fragte er leise nach und wartete auf Sirius Nicken. „Merke dir. Wir sehen überall zu. Wir wissen was du tust, also denk daran was dir blüht, wenn du dir noch einen Fehltritt erlaubst!“
Er sprach mit ruhiger, ernster Stimme. Gerade so, dass Sirius ihn hören konnte. Andere Eltern schauten zu ihnen rüber und Walburga legte ebenfalls eine Hand auf seine Schulter, damit die Situation familiärer aussah. Sirius hätte am liebsten laut aufgelacht. Klar, sie mussten hier den rührenden Abschied mimen. Sie waren immerhin in der Öffentlichkeit.

Narzissas glockenhelle Stimme unterbrach die ungemütliche Stille. „Sirius, kommst du?“, fragte sie vorsichtig und nickte Orion und Walburga kurz zu. Seine Eltern ließen ihn los und er griff schnell nach seinem Koffer um Abstand zwischen sie und sich zu bringen. „Bis dann.“, murmelte er schnell und ging mit Narzissa zum Zug.

~*~*~

Der Zug war bereits mit einigen Schülern gefüllt. Die meisten Abteile waren schon besetzt und man brauchte ewig bis man sich durch die überfüllten Gänge gezwängt hatte. Narzissa ging schnurstracks zu einem Abteil voller Slytherins der siebten Klasse. Gleich am Fenster saß Lucius Malfoy, der ihr sofort den Koffer abnahm um ihn mit einigem eleganten Zauber auf die Ablage zu befördern. Narzissa setzte sich neben ihn und schaute zu Sirius hoch. „Setzt dich und steh da nicht rum.“, befahl sie kurz. Sirius ließ ein Mal seinen Daumen an allen Fingern vorbei gleiten und setzte dann ein kühles Lächeln auf.
„Ich denke nicht, dass du mir etwas zu befehlen hast.“ Lucius schaute auf und zog eine Augenbraue tief in die Stirn. „Ich hatte vernommen, dass du dich dieses Jahr benehmen sollst. Meinst du deine Cousine zu brüskieren ist der richtige Weg?“ Sirius nahm den Knauf seines Koffers etwas fester in die Hand und blieb bei seinem kühlen Lächeln. „Ich weiß nicht was dich das zu kümmern hat, Malfoy. Du gehörst nicht zur Familie, also halte dich aus unseren Angelegenheiten heraus.“

„Mutig, mutig der Kleine. Doch das Lachen wird dir noch vergehen Black. Du bist so naiv, wenn du denkst, dass mich deine Familie nichts angeht.“ Lucius Stimme klag ölig und Sirius hätte ihm gerne das passende gesagt. Sein Schlips kratzte und er lockerte ihn etwas. „Eine angenehme Fahrt, Cousine.“, sagte er und verließ das Abteil wieder.
Kurz danach hätte er sich fast selbst geohrfeigt. Sicher würden seine Eltern davon erfahren und sicher waren sie nicht gerade begeistert zu hören, dass es keine zehn Minuten gedauert hatte, bis er sich falsch verhalten hatte. Doch jetzt war es zu spät und Sirius lief weiter den Gang entlang. Er schaute in die Abteile und war sich völlig unschlüssig wo er sich hinsetzten sollte. Einige Schüler hatten die Tür zu ihren Abteilen bereits geschlossen, wollten nicht gestört werden. Andere warfen ihm scheue Blicke zu, als er kurz vor der Tür stehen blieb.
Der Zug begann ratternd an zu fahren und Sirius hörte wie die letzte Zugtür zugemacht wurde. Er drehte sich zu dem Lärm um und erkannte James der sich aus dem nächsten Fenster lehnte und wie wild seinen Eltern winkte.

James. Er hatte sich die letzten zwei Monate sehr auf das nächste Zusammentreffen mit ihm gefreut. Doch jetzt, wo er ihm so nahe war, wusste er nicht was er machen sollte. Was dachte der junge Potter wohl über ihn? Sicher nichts gutes. Ihre letzte Begegnung war keine zehn Tage her und sicher hatte James seine abweisende Art nicht einfach so vergessen.
James schloss das Fenster und nahm seinen Koffer wieder zur Hand. Dann entdeckte auch er Sirius und ein kurzes Grinsen flammte über seine Gesichtszüge, bevor es zu Eis erstarrte. Er erinnert sich also noch sehr gut daran, dachte Sirius.
„Hallo, James.“ James schnaubte nur und ging Kommentarlos an ihm vorbei. Sirius lies seine Schultern hängen und ging ihm nach. „James, jetzt warte doch.“; rief er ihm hinterher. Der Junge vor ihm drehte sich langsam zu ihm um und schaute ihm ins Gesicht. „Was willst du, Black? Willst du mir wieder erklären, dass wir Reinblüter zusammen halten müssen und daher zusammen in ein Abteil gehen sollen?“, fragte er ihn schnippisch. Sirius schaute kurz zu Boden. War klar, dass James genau das ansprach. „Nein. Das will ich nicht.“, erklärte er und schaute wieder hoch. „Du weißt, dass ich so nicht denke...“

„Klar. Hat man ja gemerkt im Sommer. Du hast uns nicht ein Mal geschrieben. Dabei haben dir nur Reinblüter geschrieben.“ Sirius gluckste. „Das war meinen Eltern völlig egal.“
„Schön wenn es euch egal war.“ James schaute auf den grünen Schlips den Sirius trug und lachte verächtlich. „Versuchst du dich so bei den Schlangen einzuschleimen?“, fragte er ihn hämisch. Langsam wurde es Sirius zu bunt. Hatte er dem Jungen nicht bereits letztes Jahr deutlich gemacht, dass er nicht zu den Schlangen wollte? „James. Hör mir zu. Das an der Beerdigung war nicht so gemeint. Mein Großvater...“

„Mir ist scheiß egal was dein Großvater gesagt hat. Du hast gesagt, dass wir Reinblüter zusammen halten müssen. Hast mich nicht ein Mal angeschaut. Ich dachte wirklich wir könnten Freunde werden, Black. Aber einen Freund verleugnet man nicht.“ James drehte sich um und ging mit raschen Schritten auf das nächste Abteil zu. Sirius hörte das lautstarke 'Hallo' von Remus und die leicht quiekende Stimme von Peter. Ein dicker Klos bildete sich in seinem Hals und er musste kräftig schlucken. Warum musste sein Leben nur so ungerecht sein? James drehte sich noch Mal zu ihm um: „Beweis uns erst Mal, dass du unser Freund sein willst!“


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Manchmal glaube ich, es gibt kaum noch unsignierte Harry-Potter-Bücher.
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