
von Si-lee
-12- Von Wut und Rachegelüsten
Es dauerte genau eine Woche bis ein gewisser Slytherin sich sicher war, woher die vermaledeiten rosa Karten her kamen. Es mussten Jungs gewesen sein, denn die Stimmen hatten sich, trotz Verzerrung, zu sehr nach Jungenstimmen angehört. Es mussten Schüler aus den unteren Klassen gewesen sein, denn selbst ein Drittklässler hätte den Verzerrungszauber besser hinbekommen. Es waren wahrscheinlich Gryffindors, da diese immer eine offene Rechnung mit den Schlangen hatten und diese würden nicht davor zurückschrecken sich noch ein Mal über sie lustig zu machen. Genau das wollte Lucius Malfoy verhindern!
Mit diesen logischen Rückschlüssen hatte er zwar schon einige Schüler aussortiert, doch sicher war er sich nicht, wer es gewesen sein könnte. Den entscheidenden Tipp hatte er von einer jungen Slytherin aus der Dritten bekommen. Sie hatte doch tatsächlich beobachten können wie ein kleiner, dicklicher Junge vom Gryffindortisch gleich nach dem ganzen Spektakel einen Daumen nach oben gezeigt hatte und einem anderen Schüler von den hinteren Haustischen damit ein Lob für seinen Streich ausgesprochen hatte. Was ein Trottel!
Nun saß er in der Großen Halle und hielt nach eben diesem Jungen Ausschau. Er würde es dem Streichemacher schon noch heimzahlen, dass sich fast ganz Hogwarts über ihn lustig gemacht hatte. Den Spitznamen Moppelchen hörte er seit dem fast jeden Tag von einem frechen Gryffindor und sogar einige wenige Slytherins hatten es gewagt ihn so zu nennen. Demjenigen, der für das ganze Theater verantwortlich war, würde er das Fürchten lehren!
Sirius Black betrat gerade die Halle und kurz schaute Lucius auf. Er schnaubte. Seit dem Auftritt im Hogwartsexpress hatte er den jungen Black auf der Abschussliste. Allerdings war ihm bewusst, dass er sich nicht offen gegen die Familie Black stellen sollte, deshalb hatte der Jüngling noch Schonfrist. Sollte sich herausstellen, dass sich die Familie endlich von ihm lossagte, würde er der Erste sein, der Sirius in die Schranken wies.
Hinter ihm kam James Potter in die Halle und grinste sein arrogantes Grinsen. Pah. Wie er diesen Potter hasste. War gerade mal in der Zweiten und spielte sich schon auf als wäre er der King. Erst vor zwei Tagen war das Gerücht durch das Haus der Schlangen gegangen, dass James Potter es doch wirklich versucht hatte ins Quiddichteam zu kommen. Als Sucher! Was sich dieser Junge nur einbildete...
Lucius wurde aus seinen Gedanken gerissen als hinter den beiden ein kleiner, etwas dicklicher Junge die Tür zur Großen Halle durchschritt. Er kannte den Jungen nicht. Merkte allerdings, dass dieser die vorher genannten - Potter und Black - sehr zu bewundern schien.
Lucius schaute sich nach dem Mädchen aus der Dritten um und zeigte ihr mit einem Nicken den Jungen aus Gryffindor. Sie schaute rüber und nickte dann ebenfalls. Lucius schnaubte noch ein Mal. Jetzt hatte er also den Ersten. Das Verhalten passte zu dem Dummkopf.
Er betrachtete den Jungen genauer. Er schien nicht gerade der typische Gryffindor zu sein. Setzte sich direkt neben Potter und schaute immer wieder zu ihm hoch, sobald dieser den Mund aufmachte. Fast gelangweilt nahm sich Lucius etwas Braten und kaute darauf herum. Diesen Wicht würde er leicht brechen können und dann würde er den Missetätern das Fürchten lehren.
~*~*~
Von alledem bekam Peter nicht viel mit. Er hing James an den Lippen, der gerade wieder vom Besenfliegen erzählte. James konnte so gut über das Fliegen reden. Er erzählte von seinem ersten Besenflug, bei dem er fast einen Looping geflogen war, da er den Besen noch nicht richtig unter Kontrolle gehabt hatte. Er berichtete von einer wilden Verfolgungsjagd die er mit Harvey zusammen erlebt hatte, bei der sie fast von einem Auror erwischt worden waren. Er witzelte über die Flugversuche der weniger Begabten in Gryffindor – darunter auch die rothaarige Lily Evans. Und er sprach über das langwierige Auswahlspiel des Gryffindorteams in dem er nur deshalb nicht war, da er ja auf der Postition des Suchers spielen wollte.
Das die Hälfte der Erzählungen übertrieben waren und die andere Hälfte doch etwas arrogant wirken konnte, fiel ihm nicht auf. Er bewunderte den kühnen James, mit seinen Fähigkeiten auf dem Besen. Sirius allerdings warf James hin und wieder ein amüsiertes Grinsen zu und Peter fragte sich was das sollte.
„Und ein Mal sind wir mit einem Flugzeug um die Wette geflogen... Das war...“ - Er zischte mit einer beladenen Gabel vor Peters Gesicht vorbei - „Soo schnell!“ Peter riss die Augen auf und Sirius fing brüllend an zu Lachen.
„Findest du das so komisch, Black?“, wollte Abigail nun wissen und Peter drehte sich zu ihr um. „Er heißt Sirius. Und außerdem ist es komisch, du hast ja nur keine Ahnung vom Fliegen.“, erklärte Peter standhaft und Sirius gluckste weiter. „Na, weil du ja so viel mehr davon verstehst.“, sagte Abigail nur platt und schaute zu James. „Hör doch auf, du siehst doch, dass er nicht dahinter kommt.“ Peter fragte sich von wem sie sprach und schaute zu James. Dieser zuckte mit den Schultern, beendete seine Geschichte aber nicht mehr. Auch Sirius verstummte langsam wieder und sie aßen schnell auf, um sich von dem Mädchen loseisen zu können.
„Ich muss noch mal hoch, hab mein Verteidigungsbuch oben liegen gelassen.“ Sirius nahm seine Tasche und sagte noch: „Wir sehen uns dann gleich.“ James jedoch nahm auch seine Tasche und meinte: „Ich komm eben mit.“ Die beiden verließen zusammen die Große Halle und Peter schaute auf seinen halb vollen Teller. Wie schnell die beiden Essen konnten, erstaunte ihn immer noch.
„Ich warte gerne auf dich.“, begann Abigail sich wieder einzumischen und Peter schaute zu ihr rüber. „Ich finde das Klassenzimmer auch gut alleine, falls du das denkst.“ Peter wusste, dass viele dachten, er wäre einfach nur dumm. Die meisten boten ihm Hilfe bei den Hausaufgaben an oder versuchten ihm im Unterricht unter die Arme zu greifen, wenn er wieder einen Zauber nicht auf Anhieb hinbekam. Im war das oft peinlich. Er wollte es selbst können und nicht von den anderen bemitleidet werden, wenn er mal etwas länger brauchte. James, Sirius und sogar Remus waren da anders gestrickt. Sie ließen ihn machen und wenn Peter in der Klemme steckte halfen sie ihm, ohne darüber ein Wort zu verlieren. Er kam sich dann nicht so dumm vor.
„Dann halt nicht.“, grummelte Abigail und stand auch auf. Ja, Peter war wirklich froh, dass er so tolle Freunde hier gefunden hatte.
Nachdem er fertig gegessen hatte ging er in Richtung Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Er hatte etwas Bammel vor der kommenden Stunden, denn sie würden jeder etwas vor der Klasse vortragen müssen. Nicht gerade seine Stärke. Er kramte in seiner Tasche nach der Pergamentrolle auf der er alle wichtigen Fakten über die Grindelohs notiert hatte und ging sie vor sich hinmurmelnd noch ein Mal durch.
„Ey!“, rief eine Stimme hinter ihm und er drehte sich kurz um. Ein blonder, hochgewachsener Junge lief auf ihn zu. Er erkannte ihn nicht und vermutete, dass er jemand anderen gemeint hatte. Peter setzte seinen Weg fort und das nächste was er bemerkte war ein Schlag auf den Hinterkopf.
„Au!“, rief er aus und ein Stupor flog auf ihn zu. Schnell duckte er sich und konnte damit dem Fluch entgehen. „Hör auf!“
Der blonde lachte ihn aus. „Warum sollte ich?“ Jetzt war er ganz nahe und Peter konnte erkennen, dass er ein Slytherin war. „Warum..“, fing er an und hielt sich den Kopf. „Weil du mir jetzt sagen wirst, wer diese blöden Karten bei uns versteckt hat.“ Peter wurde rot und schaute auf die Zauberstabspitze die vor seiner Nase erschien. „Ich... ich war es nicht!“, erklärte er schnell und seine Stimme wurde gleich etwas höher.
Der Slytherin gluckste kurz. „Das ist mir auch klar. So jemand dummes wie du kommt nicht auf solche einen Einfall. Aber ich weiß, dass du weißt wer damit zu tun hat.“ Peter schielte auf den Zauberstab und ging ein paar Schritte rückwärts. „Petrificus Totalus“, zauberte der Blonde lässig und Peter fiel nach hinten um wie ein Brett. Sein Kopf schlug hart auf. Am liebsten hätte er sich den Kopf gehalten und gestöhnt, doch nur das stöhnen kam über seine Lippen. Seinen Arm – so wie den Rest seines Körpers konnte er nicht mehr bewegen.
„Ich will Namen haben.“ - Peter stöhnte wieder und mit einem weiteren Wink war der Fluch wieder aufgehoben. „Ich bin Peter, Peter Pettigrew.“, sagte er hastig und setzte sich auf. Der stehende lachte auf. „Bist du nur so blöd, oder tust du nur so? Ich will nicht deinen Namen. Ich will den Namen von denjenigen, die mich lächerlich gemacht haben.“ Peter schluckte und wollte gerade schon weiter stammeln, als hinter dem Slytherin zwei Jungen um die Ecke bogen.
„Oh, Hallo Lucius. Vergreifst du dich wieder an Kleineren?“, höhnte die Stimme von Sirius und Peter war erleichtert. Jetzt konnte ihm nichts mehr passieren. Malfoy drehte sich zu den beiden näher kommenden um und zielte nun mit dem Zauberstab auf Sirius. „Ah, der werte Herr Halbblüterfreund.“, begrüßte Lucius ihn und ließ einen Schockzauber auf Sirius los. Dieser duckte sich geschickt und grinste breit. Peter saß noch immer am Boden und bewunderte den Mut des jungen Blacks.
„Zieh Leine Malfoy. Gegen uns drei kommst du nicht an.“ Sirius Stimme klang angriffslustig und auch James schaute nicht so als würde er sich gleich wieder wegdrehen und nach Hilfe rufen. „Drei?“, fragte Lucius höhnisch. „Ich sehe nur zwei... oder meint ihr die Kröte?“ Peter wusste das er damit gemeint war und rappelte sich nun wieder ganz hoch.
Doch noch bevor er zum stehen kam traf ihn ein weiterer Fluch und erhielt sich den Kopf. Dieser dröhnte nun noch mehr und ihm wurde von einer Sekunde auf die andere schwarz vor den Augen.
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James sah wie Lucius den Zauberstab kurz nach hinten hielt und Peter daraufhin zusammenbrach. „Was hast du gemacht?“, brüllte James nun los und schickte so wie Sirius einen Schockzauber auf den Slytherin. „Protego“, rief er ihnen entgegen und die beiden Flüche prallten an einer Schutzwand ab. „Meint ihr wirklich ich wäre so dumm und würde mich von hinten angreifen lassen?“
Sirius neben ihm lachte auf. „Bist doch ein Slytherin. Hast du es nicht gehört. Die sind dumm oder Schleimer. Dumm bist du vielleicht nicht, Malfoy, aber ein Schleimer durch und durch.“
Lucius kam einen Schritt auf Sirius zu. „Du also?“, fragte er und sein Gesicht verhärtete sich noch. „Du wagst es?“
James schaltete sich wieder ein. „Geh Malfoy oder wir hexen dich grün und blau.“
„Das kannst du nicht Potter. Dafür fehlen dir die Zaubersprüche.“
„James kann sie vielleicht nicht, aber ich.“, grummelte Sirius neben ihm und James wusste das es stimmte.
Zu einem ernsthaften Duell kam es allerdings nicht, denn Prof. Hunting kam um die Ecke und entwaffnete die drei Schüler, bevor sie noch etwas sagen konnten.
„Zehn Punkte Abzug für Slytherin und Gyffindor.“, bellte er ihnen entgegen und schaute dann auf Peter der noch immer am Boden lag. „Wer war das?“
James zeigte auf Lucius und ging nun auch auf Peter zu. Er kniete sich neben seinen Freund und sah, dass dieser die Augen langsam öffnete. Er war ganz blass im Gesicht und Prof. Huntig sagte noch ein. „Vorsicht.“, doch da spuckte der dickliche Gryffindor auch schon das Mittagessen wieder aus.
„Evanesco.“, murmelte der Lehrer für Verteidigung. „Mr. Potter sie begleiten Mr. Pettigrew in den Krankenflügel. Sie Mr Malfoy erwarte ich heute Abend um sieben Uhr an meinem Büro. Und Sie, Mr. Black gehen jetzt in die Klasse.“ Malfoy huschte mit einem drohenden Blick an Sirius gerichtet schnell weg und Sirius half James dabei Peter auf die Beine zu stellen. „Ich komme hoch, gleich nach Verteidigung.“, sagte er noch zu den beiden und lief dann seinem Lehrer hinter her.
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Sirius ließ sich neben Remus fallen. „Was ist los?“, fragte dieser sofort. „Malfoy hat sich Peter geschnappt und wollte wissen, wer das mit den Karten war.“ Harvey eine Reihe vor ihnen horchte auf und drehte sich zu den beiden um. „Und wo ist Peter jetzt?“; fragte er mit einem Anflug von Panik in der Stimme. „Wo wohl? Im Krankenflügel natürlich. Er ist immerhin in der Siebten und kann fünfmal so viele Flüche wie wir.“
Sirius Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Peter hatte gar nicht gut ausgesehen und er war sich sicher, dass es kein harmloser Fluch war, den Malfoy verwendet hatte. „So ein Mistkerl. Dem werden wir es schon noch zeigen.“, maulte er leise weiter und der Hufflepuff vor ihm bekam große Augen. „Und...?“, fragte er vorsichtig nach. „Wie und?“
„Na – hat Peter uns verraten?“ Prof. Hunting war vorne an der Tafel angelangt und räusperte sich ein Mal. „Klar nicht. Aber das ich etwas damit zu tun hab, kann er sich jetzt sicher zusammenreimen.“ Der Lehrer räusperte sich wieder. „Oh Man.“, gestand Harvey. „Vielleicht sollten wir Streiche gegen die Slytherins lieber lassen... ich möchte nicht unbedingt im Krankenflügel landen...“, gab er kleinlaut zu.
„Mr. Black wenn sie weiter reden muss ich Ihnen und Mr. Bagshot ebenfalls eine Strafarbeit aufbrummen.“ Der Hufflepuff wurde rot und drehte sich schnell nach vorne. „Sehr schön, nachdem ich jetzt wieder die volle Aufmerksamkeit aller habe, können sie anfangen Mr. Black. Mit welchem Wesen haben sie sich beschäftigt?“
Sirius stöhnte auf und kramte nach seiner Pergamentrolle. Er hatte jetzt keine Lust auf Unterricht. Viel lieber wollte er sich einen neuen, hässlichen Rachestreich gegen Malfoy ausdenken. „Mit Werwölfen, Professor.“, antwortete er, als er das Pergament gefunden hatte. Remus neben ihm wurde merkwürdig steif. „Oh..“, begann Prof. Hunting und schaute auf seine Schülerliste. „Dann werden wir mit Mr. Bagshot beginnen.“
Sirius runzelte die Stirn und schaute fragend zu Remus, doch der schaute starr auf das Buch auf seinem Pult. „Remus, alles klar?“; flüsterte er ihn. Der Junge nickte kurz und schaute wieder nach vorne.
Harvey war aufgestanden und hielt nun einen Vortrag über Vampire. Sirius ließ sich in seinem Stuhl zusammensacken und hörte ihm zu. Die Stunde dauerte ewig. Ein drittel der Klasse hielten mehr oder weniger langweilige Vorträge über Wesen der Nacht und Sirius wünschte sich endlich zum Krankenflügel gehen zu können.
Kein weiterer Schüler wurde gebeten sein Wesen nicht vorzustellen und Sirius fragte gegen Ende der Stunde bei Remus noch ein Mal nach. „Was meinst du, ist der Hunting nen Werwolf oder warum wollte er nicht, dass ich darüber spreche?“ Remus zuckte nur mit den Schultern und stellte als Gegenfrage. „Gehen wir gleich gemeinsam zum Krankenflügel?“ Sirius wunderte sich über Remus Verhalten, doch die Stunde endete gerade, also dachte er nicht weiter darüber nach.
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Gemeinsam gingen Harvey, Sirius und Remus nach der Stunde zum Krankenflügel. Unter den forschenden Blicken von Madam Pomfrey setzten sie sich zu James um Peters Bett und fragten nach seinem Befinden. „Geht schon.“, murmelte der Junge mit den hellbraunen Haaren und setzte sich etwas auf. „Madam Pomfrey sagt es wäre nur eine Gehirnerschütterung.“, klärte James sie auf und zeigte auf ein leeres Fläschchen auf Peters Nachttisch. „Den Trank musste er schlucken und er soll über Nacht hier bleiben.“
Harvey schaute Peter mitleidig an und entschuldigte sich: „Mensch Peter. Wir wollten nicht das dich die Slytherins angreifen. Hätten wir das gewusst, hätten wir sicher den Streich nicht gemacht.“ Er schaute zu Sirius, doch dieser nickte nicht, wie Harvey es erwartet hatte. „Nicht so schlimm. Der Streich war ja auch wirklich komisch.“, gestand Peter mit einem krampfhaften Lächeln.
„Eben. Ich denke wir sollten es den Slytherins heim zahlen. Sie sollen lernen, dass sie sich nicht einfach an uns vergreifen können.“, sagte Sirius und schaute in die Runde.
Remus und Harvey wirkten nicht gerade begeistert. Ganz im Gegenteil dazu wippte James auf seinem Stuhl hin und her. „Wäre ne klasse Sache. Machst du mit Peter?“ Peter schaute James mit strahlenden Augen an. „Aber klar doch, wenn ich wieder ganz bin.“
„Dann wäre das ja abgemacht.“, stellte Sirius fest. „Na. Ich weiß nicht. Sollten wir es nicht lieber erst ein Mal sein lassen. Malfoy wird sicher nur darauf warten, um einen Grund zu haben zurück zu schlagen.“, versuchte Harvey sich aus der Sache noch heraus zu winden. „Sollen wir ihn etwa mit dem hier durchkommen lassen?“ James zeigte mit einem Wink zu Peters Kopf. Harvey schüttelte den Kopf.
„Nein, dass auch nicht. Aber glaubt ihr nicht wir nehmen uns da zu viel vor. Ich meine – er ist in der Siebten.“ Sein Mienenspiel verriet, dass er es nicht unbedingt darauf anlegte sich mit einem Siebtklässler zu duellieren. „Mag ja sein, aber wir sind zu fünft. Wenn Fabian noch mit macht sogar zu t.“ Harvey schaute auf den Boden. „Ich weiß nicht... ich halte nicht viel davon.“, murmelte er nun schon etwas leiser. Er schaute zu Remus und hoffte von dieser Seite Beistand zu bekommen. Doch Remus schien dem Gespräch gar nicht mehr richtig zu verfolgen. „Hast du etwa Angst vor Malfoy?“, fragte James mit einem leicht arroganten Unterton. Harvey wurde etwas rosa um die Nasenspitze und zuckte mit den Schultern.
„Echt das hätte ich nicht von dir erwartet. Du und Sirius, ihr habt doch erst mit den Streichen angefangen. Ganz schön feige, jetzt einfach gehen zu wollen.“, stellte James fest und schaute noch ein Mal betont auf Peter. Harvey wurde noch eine Spur röter. „Aber ich wollte nur einen Scherz machen und nicht das sie uns gleich verhexen, wenn sie uns das nächste mal sehen.“
Sirius gluckste auf. „Das war doch klar. Wir haben Malfoy vor der Schule bloß gestellt. Was schlimmeres gibt es für diese Reinblüteraffen doch nicht.“
„Das war dir klar?“, fragte Harvey mit einer Spur Verachtung in der Stimme. „Ich wollte mit dir einen Streich planen und nicht Slytherin gegen uns aufhetzten.“ Peter hielt sich wieder den Kopf und schaute kurz zum Büro von Madam Pomfrey. „Ich glaube ihr müsst leiser reden, sonst kommt sie sicher gleich raus und schickt euch fort.“, versuchte er die beiden zu bremsen, doch Sirius lies sich nicht so schnell bremsen.
„Na aber hör mal, wenn ich so vor der Schule bloß gestellt werden würde, würde ich auch nicht einfach so zuschauen. Ich würde auch wissen wollen wer es war und es demjenigen heimzahlen.“ Sirius schaute Harvey durchdringend an. „Also ich halte davon nichts. Das würde nur zu einem Kleinkrieg zwischen uns und den Slytherins hinauslaufen. Das will ich nicht.“ Harvey stand auf und schaute zu James. „Willst du da wirklich mitmachen?“, fragte er seinen besten Freund aus Kindertagen und hoffte, dass dieser sich jetzt endlich auf seine Seite stellen würde.
„Klar mach ich mit. Er hat einen meiner Freunde angegriffen. Ist doch egal wofür. Wenn ich von jemanden angegriffen werden würde, würde ich doch auch wollen, dass derjenige dafür bestraft wird.“ Harvey schnaubte und fuhrt sich mit einer Hand durch die Haare.
„Ihr habt sie ja nicht mehr alle. Ihr seit doch nicht das Gesetzt. Es war ein Streich und er ist nicht gerade gut bei den Slytherins angekommen. Ich werde keinen mehr machen.“, sagte er mit fester Stimme und drehte sich zum gehen um. Jetzt stand James auf und verschränkte die Hände vor der Brust. „Dann geh doch zu deinen Huffle-Freunden. Du bist nur zu feige dich gegen die Slytherins zu stellen!“, erklärte er mit lauter Stimme und die Tür zum Büro von Madam Pomfrey flog auf. „Raus hier. Alle!“, rief sie mit energischer Stimme. „Hier ist ein Krankenflügel und kein türkischer Basar. Hier wird nicht geschrien. Ihr Freund hat eine Gehirnerschütterung und braucht Ruhe und keine Horde aufgeblasener Affen.“
Remus schnappte sich als Erster seine Tasche und folgte Harvey, der bereits draußen war. Sirius und James verabschiedeten sich noch schnell von Peter und gingen dann auch.
„Kein Wunder, dass er nicht in Gryffindor gelandet ist.“, brüskierte sich James. Sie waren auf dem Weg zum Turm. „So schlimm fand ich es jetzt nicht. Er möchte eben nicht mitmachen.“, stellte Remus fest und zuckte mit den Schultern. „Heißt das etwa, du machst auch nicht mit?“, fragte Sirius sofort nach und Remus schüttelte schnell den Kopf. „Nein. Ich meine nur, dass Harvey vielleicht einfach nur den Streich nicht mitmachen wollte. Hat er ja erklärt. Er will keinen Kleinkrieg.“ James schnaubte auf und Remus rollte mit den Augen. „Ihr seit auch nur zufrieden wenn man euch nach der Nase tanzt, oder?“, stichelte er und die beiden Angesprochenen schauten schnell wo anders hin.
Nach einer kurzen Pause sagte Sirius. „Ich finde es nicht richtig, dass Harvey sich jetzt raus hält. Er ist immerhin zu mir gekommen und wollte den Streich durchziehen, da sollte er jetzt schon zu uns halten.“ Sie kamen an der Fetten Dame an und Remus sprach das Passwort: „Schokoladenplätzchen.“ Das Porträt schwang auf und die drei kletterten durch das Loch. Im Gemeinschaftsraum angekommen redeten sich munter weiter. „Warum ist er eigentlich zu dir gekommen?“, fragte James und lies sich auf den nächstbesten Sessel fallen.
„Na wegen dir. Und mir.“ Sirius setzte sich auf den Sessel rechts neben ihn. „Weil du meintest ich könnte nicht euer Freund sein, wenn ich nicht zu euch halten würde.“ James schluckte. Ihm schien es peinlich zu sein, dass das jetzt eher auf Harvey zutraf als auf Sirius. „Ach so.“, sagte er nur kurz angebunden und schaute sich im Gemeinschaftsraum um.
Schnell suchte er nach einem neuen Gesprächsthema und fragte daher: „Wie war der Unterricht?“ Remus musste schmunzeln, denn das James nach dem Unterricht fragte passierte sonst nie.
„Langweilig. 8 haben ihre Wesen vorgestellt... Mich hatte er auch aufgerufen, aber über Werwölfe wollte er wohl nichts hören.“, antwortete Sirius knapp und schaute dabei Remus an, der wieder merkwürdig steif auf seinem Sessel wurde. „Dafür hat Harvey über Vampire erzählt.“, sprach Remus schnell weiter, um die entstandene Pause zu füllen. Doch James schien es weniger zu interessieren und er machte nur ein abfälliges: „Hmmh.“
Sirius starrte Remus noch immer an. Remus rutschte auf dem Sessel ein Mal hin und her und kramte dann aus seiner Tasche ein altes Pergament. „Hier. Das wollte ich euch eigentlich mal zeigen wenn wir alle da sind.“, fing er an und Sirius schaute nun doch auch mit auf das Pergament. „Aber vielleicht ist heute der richtige Zeitpunkt.“ Er breitete das Pergament aus und ließ den Jungs kurz Zeit, damit sie die Karte erkennen konnten.
„Wow. Das ist ja Hogwarts!“, erkannte James recht schnell. „Woher hast du die?“
„Mein Vater hat sie mir gegeben. Allerdings sagt er, dass das längst nicht ganz Hogwarts ist.“ Die Drei hatten sich auf ihren Sesseln vorgebeugt und schauten die Karte genau an. „Schau mal es gibt dort eine Abkürzung zum Verwandlungsklassenzimmer. Man die würde uns gut fünf Minuten Weg ersparen.“, stellte Sirius fest und fuhr mit seinem Finger eine Linie nach.
„Echt toll. Den sollten wir unbedingt mal ausprobieren.“ Remus grinste. Es war gelungen die beiden auf andere Gedanken zu bringen. „Was man alles für Streiche damit anstellen kann...“, fing James an zu träumen. Bald plauderten sie nur noch von Racheakten gegen die Slytherins und wie sie es Malfoy heimzahlen konnten. Remus beteiligte sich nur noch hin und wieder am Gespräch. Meistens starrte er zum Fenster und dachte über sich und seine neu gewonnenen Freunde nach.
~*~*~
'Klock' machte es am Fenster des Schlafsaals der Zweitklässler mitten in der Nacht, doch keiner der Jungen reagierte. Ein weiteres Mal pochte es gegen die Fensterscheibe und James, dessen Bett links neben dem Fenster stand, drehte sich murmelnd auf die andere Seite. Nun pochte es schon lauter gegen das Glas und Remus blinzelte kurz. Draußen regnete es in Strömen und der Junge schloss die Augen wieder. Sicher war es nur ein vorbeifliegender Ast gewesen...
'Klock, Klock', pochte es nun ein Drittes Mal und James erbarmte sich und kroch aus den weichen Federn. „Man wer schreibt denn so spät noch?“, maulte er und öffnete einem alten Waldkauz das Fenster. Der Kauz hielt ihm den Fuß hin und James nahm ihm die Pergamentrolle ab. „Hättest ruhig die paar Stunden bis zum Frühstück warten können.“, bluffte er den Vogel an und schloss hinter ihm das Fenster. Er schaute auf den Brief und stöhnte. „Sirius! Ey, Sirius aufwachen! So'n blöder Vogel hat grad einen Brief für dich hiergelassen.“
Wenn er schon wach war, sollte Sirius es gefälligst auch sein. Er rüttelte am Körper seines Freundes und endlich machte dieser die Augen auf. Sirius packte James hart an der Hand und hätte ihn beinahe von den Füßen gerissen. „Pass doch auf, Man!“, rief James und Sirius ließ ihn schnell wieder los. „Oh.. ja 'tschuldigung.“, murmelte er nur und schaute ihn verwirrt an. „Warum machst du mich wach?“, fragte er dann gähnend und setzte sich auf.
„Klappe!“, maulte Remus aus dem dritten Bett und James grinste. „Hier ein Brief für dich.“
Sirius nahm den Brief entgegen und seine Mine verdüsterte sich schlagartig. „Oh.“ James gähnte herzhaft und setzte sich einfach neben ihn. „Wie oh?“, fragte er. „Von meinen Eltern.“, sagte Sirius kalt und machte ihn auf. James lies sich nach hinten auf James Bett fallen und machte die Augen zu. „Was schreiben die dir denn mitten in der Nacht?“
Sirius antwortete nicht und James schaute zu ihm hoch. Der Junge neben ihm wirkte merkwürdig blass und der Daumen seiner linken Hand strich unablässig an seinen Fingern vorüber. James hatte dieses Verhalten schon öfter beobachtet und wusste, dass Sirius nervös war. „Wegen Malfoy?“, fragte er nun schon etwas zaghafter nach und Sirius nickte nur schwach. Er blähte seine Nasenflügel ein Mal auf und faltete das Pergament wieder zusammen. „Vielleicht sollten wir den nächsten Streich doch lieber lassen?“, fragte James ein drittes Mal und Sirius lachte bellend auf. „Und dann? Meinste dann schreiben sie mir nicht mehr so nette Gute-Nacht-Briefchen?“, wollte Sirius wissen und James hielt lieber die Klappe. Der junge Black lies sich neben ihn in die Federn fallen und starrte auf den Baldachin über sich. Stolze Löwen waren darin eingenäht und Sirius musste unweigerlich grinsen. Löwen besser als Schlangen, dass stand fest.
„Du, Sirius.“, sagte James nach einer Ewigkeit. Sirius brummte. „Was war eigentlich wirklich los. Im Sommer meine ich.“ Sirius schnaubte. „Du kannst ruhig mit mir drüber reden. Ich weiß jetzt, dass du nicht so denkst wie deine Familie.“, versuchte James es weiter.
„Du weißt nichts, Potter.“, murrte Sirius nur und James seufzte. „Warum willst du denn nicht drüber reden? Dich nervt es doch auch, dass Remus etwas vor uns verheimlicht. Aber du bist nicht gerade besser als er.“, stellte James fest. Sirius setzte sich wieder auf. „Ich verheimliche nichts. Ich will nur nicht drüber reden. Du hast keine Ahnung was meine Familie ist und ich will nicht ständig an sie erinnert werden.“ Sirius stand auf und rüttelte an Remus. Dieser stöhnte genervt auf und drehte sich zu ihm „Wasn?“, fragte er schläfrig. „Komm wir suchen nach der Küche, ich hab Hunger!“
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