
von Si-lee
Hallo :)
Heute gibt es das letzte Mal zwei Kapitel... ab dann werden ich zunächst im 2-3 Tage Rythmus weitermachen, da ich dann auf allen Seiten gleichzeitig hochladen werde!
Lieben Danke noch ein Mal hier für die Reviews! Ich freue mich, dass es euch gefällt :)
Lg Si
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-13- Vollmond
Die Peitschende Weide auf dem Schlossgrund entschied eines Oktober Morgens, dass jetzt Herbst war und schüttelte sich das lose Blattwerk vom Geäst. Wie braune Schneeflocken fielen die Blätter zu Boden und bedeckten das kränklich wirkende Gras. Völlig kahl schlug der Baum nach einem vorbeifliegenden Vogel, der sich noch schnell aus seiner Reichweite zurückziehen konnte. Die Äste peitschten ins Leere und der Baum ließ sie wieder hängen.
Remus stand am Fenster seines Schlafsaales und schaute auf eben diesen Baum. Wie sehr er ihn hasste! Nicht unbedingt den Baum eher was er mit ihm verband. Es würde noch zwei Tage dauern, dann würden seine Freunde ihn wieder am Morgen fragen, was er sich dieses Mal für eine Ausrede ausdenken würde.
Ja genau: Welche Ausrede. Seinen Geschichten Glauben schenken? - Das taten sie schon lange nicht mehr. Selbst Peter war es schon spanisch vorgekommen und das sollte etwas heißen. Es machte eben etwas aus, wenn der nette Junge aus dem Schlafsaal ein Mal im Monat nicht da war. Spurlos verschwunden und noch dazu immer aussah als hätte er in der Nacht zu viele Gespenster gesehen. Zum Glück schien es den Rest der Schülerschaft nicht zu kümmern, dass er öfter im Unterricht fehlte als andere. Ein paar Slytherins hatten sich zwar über sein Gesundheitszustand lustig gemacht, doch das interessierte ihn nicht sonderlich. Die Mädchen aus seinem Jahrgang, allen voran Abigail, versuchten ihm immer etwas mehr zu Essen zu geben. Sobald er zu einer Mahlzeit nicht erschien nahm die Gryffindor Äpfel oder ein belegtes Brot mit und gab es ihm am Anfang der nächsten Schulstunde. Der Wolf zerrte an seinen Kräften und daher wirkte er immer etwas unterernährt.
Remus lehnte seine Stirn gegen das kalte Glas. Er hatte keine Bedenken, dass Abigail oder die Slytherins auf sein Geheimnis stoßen könnten. Die interessierten sich nicht genug für ihn, um Fragen zu stellen. Er hatte Angst davor, dass die Jungs es raus finden konnten. Allen voran Sirius. Dieser hatte ihn in den letzten Wochen ganz genau im Auge behalten. Hatte ihn sogar hin und wieder in die Bibliothek begleitet, nur um sich ihm gegenüber hin zu setzten und ihn anzustarren. Seit der Stunde in Verteidigung gegen die Dunklen Künste ahnte Remus, dass der junge Black entweder bereits die richtigen Schlüsse gezogen hatte, oder kurz davor stand. Er schloss die Augen und dachte an seine Eltern.
Würde er sie schon bald wiedersehen? Würde er schon bald den Heimweg für immer antreten? Was würde seine Mutter sagen, wenn sie ihn von der Schule verwiesen? Sein Dad würde ausflippen. Er würde noch am gleichen Tag zu Dumbledore gehen, dass stand fest. Remus seufzte. Doch was nützte das schon? Er war was er war und konnte es nicht ändern. Wenn Sirius es herausfand würde er es sicher an seine Eltern schreiben. Egal ob er sie nun mochte oder nicht. Wer wollte schon mit einem Werwolf in einem Schlafsaal schlafen? Wer wollte schon einen Werwolf zum Freund haben...
Remus hatte seit dieser verhängnisvollen Verteidigungsstunde eine neue Masche entwickelt. Er versuchte seine Freunde zu beschäftigen. Denn solange James, Sirius und Peter etwas planten, aus heckten oder suchten würden sie nicht über sein Geheimnis plaudern oder nachdenken. So versuchte er die Jungs nun auf Trab zu halten. Das alte Pergament seines Vaters half ihm hierbei ungemein.
Die meisten Geheimgänge die darauf verzeichnet waren hatten sie schon erkundet. Auch von dem mysteriösen Raum im siebten Stock hatte Remus schon erzählt und sie waren einige Male dort herumgeirrt. Bis jetzt hatten sie diesen Raum nicht gefunden. James hatte an seinen Vater geschrieben und ihn nach Geheimgängen ausgequetscht, doch die Antwort stand noch aus. Seit dem liefen sie fast jeden Abend nach Zapfenstreich durch Hogwarts und tasteten wie suchende Höhlenforscher nach neuen Türen und versteckten Gängen. Remus kam sich oft dabei sehr peinlich vor, wie sie da mit den Händen am kalten Stein entlang tasteten wie Blinde.
Remus nickte sich zu. Ja, er musste sich etwas neues einfallen lassen um die Jungs bei Laune zu halten. Sonst würde Sirius sicher früher oder später seine Vermutungen mit James teilen. Und zu Zweit würden sie sein kleines Geheimnis sicher schnell lösen. Er stieß sich vom Fenster ab und drehte sich zur Tür um.
„Na denkst du dir ne neue Ausrede aus?“, fragte Sirius grinsend und traf unabsichtlich ins Schwarze. Remus stand etwas peinlich berührt vor ihm und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht machst du das dieses Mal für mich“, versuchte er es Mal auf eine andere Art. Sirius grinste noch ein bisschen stärker. „Ich muss schon sagen, du machst mich wirklich neugierig. Aber ich kann Geheimnisse verstehen.“ Remus nickte leicht. Er hatte das Gespräch zwischen James und Sirius des Nachts sehr wohl gehört und sich seinen Teil dazu gedacht. „Dann können wir ja beide so tun als hätten wir keine, denn ich kenn jemanden der das mit Geheimnissen unter Freunden nicht versteht.“ Sirius lies sich auf sein Bett fallen und schaute rüber zu James Bett. „Dann solltest du langsam mal von den kranken Verwandten weg kommen. Hast du keine Haustiere?“, fragte er und lachte auf. Haustiere... was für eine Ironie. Ich hab nen Wolf., dachte Remus sich und musste doch etwas grinsen. „Gut dann eben Haustiere.“, stimmte er Sirius zu.
~*~*~
Der Morgen ist immer das Schlimmste, stellte Remus fest. Er saß seinen Freunden gegenüber und James beäugte ihn missmutig. „Dein Hund?“, fragte er und zog eine Augenbraue gefährlich nach oben. „Ja nee, ist klar.“ Er schnaubte verächtlich und nahm sich noch ein Brötchen. „Mein Fisch ist auch letzte Woche gestorben, aber mich lässt Dumbledore nicht mal eben heim.“ Seine Stimme tropfte nur so vor Ironie. Peter beobachtete Remus auch ganz genau und versuchte James nach zu eifern. „Ich geh später auch mal eben zu MacGonagall und sag ihr das ich nach Hause muss. Meine Eule hat nämlich einen gebrochenen Flügel.“ Niemand lachte und Peter konzentrierte sich daher wieder aufs Essen.
Sirius rollte mit den Augen. „Lasst ihn doch. Er wird uns eh nicht sagen, was wirklich los ist.“ Remus wandte sich mit einem dankenden Blick an Sirius und hoffte, dass er es nicht all zu bald heraus finden würde. Er musste James allerdings zustimmen die Idee mit dem Hund war noch blöder gewesen, als die Ausreden mit seiner kranken Tante.
Auch James folgte Remus Blick. „Weißt du es?“, fragte er ihn und stocherte mit seiner Gabel im Rührei herum. Sirius schüttelte nur den Kopf. „Ich weiß nur, dass man über mache Sachen nicht reden will.“ James schnaubte wieder sein typisches Schnauben und fuhr sich durch die Haare. „Ja gesellt euch nur zusammen. Ihr seit mir echt tolle Freunde. Geheimniskrämer...“, grummelte er vor sich hin. Remus schluckte ein Mal kräftig. Er wollte gerne der Freund bleiben, kein Geheimniskrämer sein, doch was blieb ihm schon übrig?
Professor MacGonagall kam am Tisch der Gryffindors vorbei und James hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht. „Professor?“, rief er ihr entgegen und die drahtige Frau drehte sich zu ihm um. „Mr. Potter?“, fragte sie mit einer Spur Neugierde in der Stimme. „Warum darf Remus hier wegen seinem Hund nach Hause?“, fragte er und schaute dabei zu Remus. Dieser wurde puterrot und starrte auf sein Brot vor sich. Es war mit einer dicken Scheibe Käse belegt. „Nun Mr. Potter. Ich vermute, dass Sie das nichts angeht. Aber wo wir gerade dabei sind. Mr. Lupin würden sie mir bitte folgen.“ Remus schaute etwas gehetzt auf und nickte dann schnell. Sein Frühstück ließ er stehen und dackelte der Frau hinterher. Hunger hatte er eh keinen. Der Wolf in ihm regte sich leicht und behauptete das Gegenteil, doch Remus musste diesem Drang noch nicht nachgeben.
„Super gemacht, James. Jetzt wird er auch noch von MacGonagall eskortiert.“ James zuckte mit den Schultern und schaute zu Sirius rüber. „Wenn er nicht sagen will, was wirklich los ist.“ Mehr konnte Remus nicht mehr hören, denn sie passierten gerade die Tür zur Eingangshalle.
Die Hauslehrerin der Gryffindors hatte einen schnellen Schritt an den Tag gelegt und Remus musste beinahe rennen um mit ihr mithalten zu können. Sie öffnete ihm die Tür zu ihrem Büro und nickte ihm zu, dass er sich setzten sollte. „Ihr Hund, Mr. Lupin? Wollen sie unbedingt, dass es herauskommt?“, fragte sie etwas spitz und Remus schaute auf seine Schuhe. „Sie sind doch sonst nicht so auf den Kopf gefallen und Ihnen ist sicher auch schon aufgefallen, dass Ihre Freunde nicht gerade die Dümmsten sind. Mr. Potter und Mr. Black werden, wenn Sie so weiter machen, sehr schnell hinter Ihr Problem kommen.“ Remus schluckte und nickte. „Ich weiß einfach nicht was ich ihnen sagen soll.“, gestand er kleinlaut.
„Nun wenn sie es nicht weiter mit solch komischen Ausreden versuchen wollen, wie wäre es da mit der Wahrheit?“, fragte die Frau nach und schob ihm eine Dose Kekse zu. „Bedienen Sie sich ruhig. Sie sehen blass aus.“
Remus schaute sie mit großen Augen an. „Wahrheit?“, fast hätte er gelacht, doch Prof. MacGonagall sah nicht aus als fände sie das Thema zum Lachen. Klar er würde seinen Freunden mal eben auf die Nase binden, dass er ein Mal im Monat zum Monster wurde. Besonders Peter würde wahrscheinlich sofort reiß aus nehmen.
„Nun ich denke zumindest Mr. Potter würde nicht so wild auf diese Neuigkeit reagieren. Ich befürchte eher er fände es interessant einen wie Sie als Freund zu haben.“ Remus starrte sie weiterhin an. „Nun Mr. Lupin es liegt ganz an Ihnen. Entweder Sie benutzten ihren Kopf und denken sich in Zukunft etwas besseres aus, oder Sie sagen es. Mit solch flachen Ausreden werden Sie die beiden nicht mehr lange abspeisen können. Und ich möchte nicht, dass mich ab morgen wilde Briefe von Eltern erreichen, die aus irgendwelchen sinnlosen Gründen ihre Kinder für einen Nacht daheim haben wollen.“
Sie rückte die Keksdose noch ein Stückchen näher an Remus und nickte ihm auffordert zu. Remus nahm sich einen und sie lächelte fast ein bisschen. „Es gibt auch Menschen die glauben an das Gute, Mr. Lupin. Nicht jeder wird sie für ihre Problem verachten. Wäre ihre Lage so aussichtslos hätte Prof. Dumbledore sie nicht hier her kommen lassen.“, erklärte sie mit ruhiger Stimme und er hätte ihr zu gerne geglaubt.
~*~*~
Sirius kam gähnend in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors herunter und ließ sich auf den Sessel neben Abigail fallen. „Morgen.“, murmelte er noch total verschlafen und starrte auf das Mädchen neben sich. Abi saß in mitten von Pergamentrollen und Büchern, hatte eine Feder in der Hand und ihr Gesicht leicht verzerrt. Sie nickte nur stumm und glitt mit ihrem Finger über eine Zeile in einem Buch. Sirius rollte mit den Augen. „Wir haben nicht ein Mal sieben Uhr. Und es ist Samstag.“ Seine Stimme klag vorwurfsvoll. „Und du sitzt hier ernsthaft über deinen Aufgaben?!“
Abigail schaute zu ihm hoch. „Nicht jeder ist so gut wie du im Unterricht. Ich muss dafür etwas tun.“, erklärte sie leicht schnippisch und Sirius zog eine Augenbraue hoch. „Was hab ich dir denn getan?“, fragte er vorsichtig. Abigail war eigentlich immer sanftmütig und erhob nur in äußersten Notfällen die Stimme. Sie war die Gute. „Du hast meinen Bruder beleidigt.“, sagte sie kühl und schaute wieder auf ihr Buch. Sirius lehnte sich nach hinten und schloss kurz die Augen. Daher wehte der kühle Wind also.
Harvey Bagshot hatte seit ihrem kleinen Streit im Krankenflügel nicht mehr mit ihnen geredet. Die Vier hatte das nicht weiter gekümmert. Sie hatten genug mit sich selbst zu tun und mit den kleinen Streichen, die sie Malfoy alle noch spielen wollten. „Ich hab ihn nicht beleidigt, wir sind nur anderer Meinung.“, stellte er nun fest. Von Abigail hörte er ein räuspern und er machte die Augen wieder auf. „Ach ja, also ist es keine Beleidigung wenn ich jemanden als Feigling bezeichne und ihm auf die Nase binde, dass er deshalb nach Hufflepuff gekommen ist?“, fragte sie spitz und ihre Stimme wurde enorm hoch.
Meine Güte, was ist denn mit der los?, dachte sich Sirius und zuckte mit den Schultern. „Na aber es stimmt doch. Er will sich nicht gegen Malfoy auflehnen weil er Angst hat. Also ist er feige.“, erklärte Sirius als wäre Abi eine sechsjährige, die das Wort feige noch nicht kannte. „Ihr seid so was von arrogant.“, grummelte sie und packte ihre Sachen zusammen. „Was hat das denn jetzt damit zu tun?“, wollte Sirius genervt wissen. „Ich sag doch nur die Wahrheit. Wenn ich vor den Slytherins Angst habe, mache ich keine Steiche mit ihnen... Und wenn ich welche mache, habe ich keine Angst. Deshalb bin ich doch nicht arrogant.“
Das Mädchen mit den braunen Haaren starrte Sirius missmutig an. „Du hast wirklich keine Ahnung wie du manchmal wirkst, oder? Wenn du mit James am Tisch sitzt und Peter irgendwelche Bären aufbindest? Wenn ihr euch über Remus lustig macht, weil er krank aussieht... oder wenn du dich über meinen Bruder lustig machst, weil er in Hufflepuff ist. Ich dachte wirklich du wärst ein netter Kerl. Du würdest nur etwas brauchen bis du mit uns warm wirst. Aber jetzt wünschte ich mir, ich hätte dich nie angesprochen.“
Diese ganzen Anschuldigungen waren Sirius dann doch etwas zu viel. Er setzte sie auf und seine Miene verdunkelte sich. „Ach ja, ich mach mich also über deinen Bruder lustig, ja? Und was war dann, als er zu mir ins Abteil gekommen ist und von mir verlangt hat einen Streich gegen die Slytherins aus zu hecken, damit ich es wert bin euer Freund zu sein?“, zischte er ihr entgegen und sie wurde leicht rosa um die Nasenspitze. „Er wollte dich bei James eben wieder gut stellen.“, kommentierte sie. Ihre Arme hatte sie vor der Brust verschränkt. „Wieder gut stellen? Ach ja stimmt, es ist ja die Aufgabe der Bagshots sich überall in fremde Angelegenheiten zu mischen... Das könnt ihr halt am besten. Rum schnüffeln und dann blöde Kommentare abgeben. Aber stell dir vor Abigail. Du und dein Bruder haben keine Ahnung was mit mir ist oder war. Ihr habt nicht das Recht dazu mich bei jemanden wieder gut zu stellen, dass kann ich schon selbst. Und wenn ihr so was schon macht, dann seit wenigstens später nicht zu feige und zieht die Sache ganz durch.“ Abigail nahm ihre Sachen und drehte sich von ihm weg. „Mein Bruder ist nicht feige!“, rief sie noch ein Mal und verschwand dann aus dem Porträtloch. Sirius schnaubte. Was für ein herrlicher Samstagmorgen!
Er drehte sich missmutig zum Fenster und starrte auf den langsam hell werdenden Himmel. Die Sonne würde sicher gleich über dem dunklen See auftauchen und das Schloss in ihr warmes Licht tauchen. Der Mond ging gerade über den Baumwipfeln des dunklen Waldes unter. Eine matte helle Scheibe mit ein paar dunklen Flecken. Sirius machte die Augen zu. Er überlegte gerade ob er noch ein Mal ins Bett gehen sollte. Vielleicht würde er sich beim nächsten Aufstehen besser fühlen. Doch es hatte einen Grund warum Sirius hier unten saß. Er wollte auf jemanden warten. Auf Remus.
Bis jetzt hatte er nie mitbekommen wann der Junge mit dem aschblonden Haar wieder auftauchte. Er ging zum Fenster und legte seinen Kopf auf die Hände. Die Schlossgründe waren mit Nebelschwaden überzogen. Sirius konnte nicht mal erkennen, wo der Weg entlang ging, der zu den Gewächshäusern am Hang führte. Er dachte an das eben geführte Gespräch und ärgerte sich wieder über Abigails Reaktion. Er war doch nicht arrogant! Klar hin und wieder verarschten sie Peter ganz gerne. Aber er eignete sich auch so gut dafür. Sie meinten es ja auch nicht böse...
Letztens hatte Sirius ihm von Werwölfen erzählt und warum Prof. Hunting wohl nicht wollte, dass er etwas über sie im Unterricht erzählte. Peter war kreidebleich geworden, als Sirius ihm mitteilte, dass er glaube der Lehrer höchstpersönlich sei ein Werwolf. James hatte gelacht und Peter auf die Schulter geklopft, der prompt zusammen gezuckt war. „Mach dir keine Sorgen, Peter. Wir passen nächsten Vollmond auf dich auf!“, hatte er dem molligen Jungen versichert.
Sirius betrachtete den Vollmond und musste Grinsen. Mit James konnte man wirklich eine Menge Spaß haben. Das hätte er vor einem Jahr nicht glauben können. Auch Remus war echt okey. Er war ruhiger, doch fast für jeden Spaß zu haben. Wenn er nur nicht ständig krank wäre. Ein Mal im Monat war schon enorm viel, fand Sirius.
Der Mond war nun nicht mehr zu sehen und Sirius blinzelte ein Mal. Warum er gerade in diesem Moment auf den Zusammenhang kam, wusste er später nicht mehr. Der fehlende Vollmond, Peters Angst vor Werwölfen und das monatliche Fehlen von Remus machte auf ein Mal Sinn. Sirius zog die Luft scharf in die Lungen und seine Augen weitete sich. Es war nicht Prof. Hunting, der nicht wollte, dass man über Werwölfe sprach. Es war Remus.
Seine Gedanken überschlugen sich. Remus ein Werwolf? Welcher Vollidiot kam auf die absurde Idee einen Werwolf nach Hogwarts zu lassen? Wussten sie etwa nicht wie gefährlich so ein Tier war? Ein Werwolf... Ein Wesen der Nacht. Ein Biss und ein unschuldiges Leben war zu Ende. Sie waren zum töten da. Viel zu schnell, als das ein Schüler sich gegen sie wehren konnte. Viel zu stark, als das ein Schüler etwas gegen sie ausrichten konnte. Ein Schauer lief ihm den Rücken hoch als ihm bewusst wurde, dass er in einem Raum mit solch einer Kreatur schlief. Bett an Bett, keine zwei Meter Abstand zu einem Werwolf.
Er erinnerte sich an die vielen Märchen seiner Großmutter, an das schreckliche Bild in 'Wesen der Nacht' aus der Bibliothek. Er schüttelte kräftig den Kopf. Das konnte nicht sein. Dumbledore würde nie einen Werwolf nach Hogwarts lassen... wenn das herauskommen würden. Die Eltern der Mitschüler würden auf die Barrikaden gehen. Das Gesicht seiner Mutter erschien vor seinem Inneren Auge. Die Haare zu einem strengen Dutt zusammen gemacht, die Arme wild gestikulieren. „Dreckige Kreaturen...“, brüllte sie in seinem Kopf.
Nein, eine dreckige Kreatur war Remus nicht. Er war einfach nur ein Junge. Ein kleiner Junge mit einem Problem. Ein kleiner Junge mit einem haarigen Problem. Ein kleiner Junge mit einem großen, haarigen Problem. Ein kleiner, netter Junge mit einem großen, haarigen Problem. Sein Freund.
Sirius setzte sich wieder in den Sessel und starrte auf die Rückwand des Porträts der fetten Dame. Das Bild sah von hinten seltsam schäbig aus und war mit einem roten Tuch verkleidet worden. An den Seiten hingen zwei goldene Kerzenhalte, die den Ausgang zu jeder Tages und Nachtzeit erhellten. Die Flammen der weißen Kerzen flackerten leicht.
Kein Wunder, dass Remus nicht wollte, dass man hinter sein Geheimnis kam. Wenn bereits er so reagierte, dachte Sirius sich, dann würde Peter sicher reiß aus nehmen. Sirius hielt sich für mutig und tapfer und daher kam ihm nicht in den Kopf, dass dies ganze eventuell gar nichts mit Mut zu tun hatte. Für Sirius war klar, wer mit einem Werwolf befreundet war musste unheimlich mutig sein. Seine Mundwinkel bogen sich nach oben. Er war ein wahrer Gryffindor. Er stand zu seinen Freunden, egal wie viel Mut ihm das kosten würde.
Seine Gedanken schweiften zum Grimmauldplatz und zu seinen Eltern. Er grinste. Sie würden ausflippen, wenn sie ihn jetzt sehen könnten. Er erinnerte sich an das wutverzerrte Gesicht von James. “Aber einen Freund verleugnet man nicht.“, hallte die Stimme seines Freundes in seinem Kopf wieder. Jetzt erst verstand er was James ihm damit sagen wollte. Freunde mussten zueinander stehen, egal was das für einen selbst bedeutete. Sie mussten zusammen halten.
Noch immer war sich Sirius nicht hundertprozentig sicher, ob er mit seiner Vermutung wirklich richtig lag. Ein Werwolf in Hogwarts schien ihm doch sehr fantastisch. Er konnte nicht recht glauben, dass Prof. Dumbledore das wirklich erlauben würde, egal wie verrückt der alte Kauz auch war. Doch falls sich diese Vermutung bestätigen würde, würde er zu Remus halten. Er war sein Freund.
Das Portärt schwang auf und Remus kletterte hindurch. Er sah schrecklich aus. Seine Augen lagen merkwürdig tief in den Höhlen und wurden von dunklen Ringen noch betont. Seine Gesicht sah eher aus wie altes Pergament. Eine tiefe Schramme zierte seine rechte Wange und an der Nase klebte noch etwas Blut. Es schien so als würde es ihm die letzte Kraft rauben in den Gemeinschaftsraum zu klettern. Schlapp stapfte er die paar Meter in den Raum herein und lies dabei seine Schultern hängen wie ein begossener Pudel. Er zog ein Mal geräuschvoll seine Nase hoch und schaute dann hoch. Als er Sirius erkannte setzte er einen panischen Blick auf. „Guten Morgen, Remus.“, sagte Sirius vorsichtig. „Wie geht es deinem Hund?“
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