
von Miss_Killjoy
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Food and Sleep
„Also… Essen. Essen. Essenessenessenessen. Essen. Ähäsöön. ESSEN!“ Scorpius quasselte unaufhörlich vor sich hin. Es war so ruhig hier draußen und er fühlte sich einsam, wenn er keine menschliche Stimme hörte. Da führte er lieber Selbstgespräche. „Ahaa! Da ist ja was! Cenam paro. Ermöglicht es, organische Zutaten in eine schmackhafte Mahlzeit zu verwandeln. Das soll wohl n Witz sein.“
Er starrte kritisch auf den Zauberspruch, der in einer ziemlich krakeligen Handschrift an den Rand gekritzelt wurde. Eine blonde Augenbraue zog sich nach oben „Viel Übung nötig um- Hää? Um… um ein gutes Errrrgebnis zu erlangen. Na toll.“ Scorpius seufzte genervt. „Organische Zutaten. Was soll das denn heißen? Dass ich aus Unkraut einen Ceasar Salad machen kann?“
Er rupfte einige Grashalme aus der harten Erde, legte sie auf ein Häufchen vor sich und richtete seinen Zauberstab darauf. „Da steht nicht mal dabei, wie ich schwingen muss“, meckerte er. „Cenam paro! Cenaam paro! Ceenam paroo!“ Er fuchtelte mit seinem Zauberstab in der Luft herum, immer heftiger, bis er ihn schließlich frustriert wegschmiss.
„Das wird ja nie was.“ Zögernd nahm er ein paar Grashalme und kaute langsam darauf herum. Nach wenigen Sekunden verzog er angewidert das Gesicht und spuckte sie wieder aus. „Bähh! Dann muss jetzt wohl doch ein Fisch dran glauben. Armer Fisch.“ Scorpius warf einen traurigen Blick ins Wasser, doch sein knurrender Bauch überzeugte ihn.
Er stemmte sich hoch und hüpfte einige Meter in den Wald hinein. Erst einmal musste er ein Feuer machen. „Tut mir leid, Fische“, murmelte er, während er sich bückte und verschiedene Äste einsammelte. Einen langen, dünnen drehte er eine Weile in seiner Hand. Mit Angeln würde er wohl nicht sehr weit kommen. Also zerbrach er ihn und warf ihn zu den anderen auf einen unordentlichen Haufen. Um nicht den ganzen Wald in Brand zu setzen, trocknete er mit Hilfe seines Zauberstabes eine kleine Fläche am steinigen Ufer. Während er umständlich die Äste ordnete, warf Scorpius immer wieder einen Blick auf die Fische und seufzte. „Gestern hab ich noch gesagt, dass ich kein Tier umbringen will. Aber das ist jetzt nur einmal. Dann versuch ich es weiter mit dem Zauber. Ich weiß noch nicht einmal, wie ich den Fisch fangen soll…“
Als es schließlich keinen Sinn mehr machte, die Sache noch länger hinaus zu zögern, suchte Scorpius einen großen, kantigen Stein. Hoffentlich bring ich genug Kraft auf, um das arme Tier schnell zu töten. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend griff er nach seinem Zauberstab und stellte sich ganz an den Rand des Ufers. Er umklammerte das glatte Holz, schaffte es aber nicht, den Arm zu heben und auf einen der Fische zu zielen.
„Ach verdammt!“ Scorpius schmiss seinen Zauberstab auf den Boden, krempelte seine Hosenbeine hoch und watete langsam in das kalte Wasser. Sofort überzog ihn eine Gänsehaut, er schauderte. „Scheiße, ist das eisig.“ Er setzte einen Fuß vor den anderen, wie in Zeitlupe, um die Fische nicht zu verscheuchen. Er stand schon ganz nah vor einem und wollte gerade die Hände ausstrecken, um ihn zu packen, als ein großes, braunes, gefiedertes Etwas mit einem großen Platscher neben ihm im Wasser landete. „Argh! Jack!“
Wütend blinzelte Scorpius den Hippogreif durch die nassen, blonden Strähnen, die ihm Gesicht klebten, an. Jack blinzelte zurück und legte dabei unschuldig den Kopf schief, als wüsste er nicht, was an seiner Aktion so schlimm war. Scorpius schaute seinem Mittagessen nach, das in alle Richtungen ausschwärmte und sich in Sicherheit brachte. Seufzend tätschelte er Jacks Schnabel und watete zurück ans Ufer, um sich zu trocknen. Es würde erst mal wieder eine Weile dauernd, bis die Fische zurückkamen.
Also legte er sich ins Gras und schaute in den Himmel. Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt erreicht und wärmte seinen Körper angenehm auf. Ein paar Meter entfernt planschte Jack im Wasser herum. „Na klar. Verscheuch die Viecher nur noch mehr. Dann bekomme ich heute gar nichts mehr zu essen“, knurrte Scorpius vor sich hin. Er schloss die Augen. Nur ein paar Minuten ausruhen…
Als Scorpius wieder aufwachte, lag er schon halb im Schatten. „Verdammt!“ Er setzte sich auf und blinzelte verschlafen in den Himmel. Sein knurrender Bauch schmerzte schon richtig. „Ich muss jetzt endlich so einen verfluchten Fisch fangen.“ Er rappelte sich auf und humpelte zum Ufer. Bevor er sich ins Wasser wagte, schaute er sich suchend um. Jack war nirgends zu sehen. Zögernd machte Scorpius einen Schritt ins Wasser. Er hatte das Gefühl, dass es jetzt noch kälter war. Die Fische trieben ruhig vor ihm in der Strömung und wackelten hin und wieder mit ihren Schwanzflossen.
Nichts ahnend von der tödlichen Gefahr, die nur wenige Schritte entfernt lauert. Haha, weil ich ja auch so gefährlich bin.
Scorpius war nun wieder an dem Punkt angelangt, an dem Jack ihn vorhin gestört hatte. Er streckte langsam die Hände aus, ließ sie einen Moment über der Wasseroberfläche schweben und stieß sie hinein. Seine Finger streiften die glitschigen Schuppen und dann war der Fisch auch schon wieder weg.
Scorpius musste sich zusammenreißen, um nicht mit den Fäusten ins Wasser zu schlagen. Der Fisch war ihm entwischt, dafür gesellte sich nun jemand anders zu ihm - wenn auch nicht so stürmisch wie zuvor. Der Karamellgreif trottete aus dem Schatten der Bäume zu seinem neuen Freund. Bevor er das Ufer erreichte, drohte Scorpius ihm mit dem Zeigefinger. „Nein! Stopp! Stehen bleiben! Halthalthalt! Bleib stehen! Du verjagst mir nur wieder alle Fische!“
Jack blieb tatsächlich einen Moment stehen, aber dann kam er doch auf den Jungen zu. „Neiiin! Nicht herkommen. Ach, Jack.“ Der Greif machte sich nicht die Mühe, seine Beine zu heben, sondern schleppte sie einfach durchs Wasser und spritzte dabei in alle Richtungen. Vor allem in Scorpius'. Missmutig wischte er über seine nasse Hose. „Bleib wenigstens hier stehen, Jack. Bitte.“ Er drückte gegen die gefiederte Brust, um das Tier zum Stillstehen zu bringen. Es gelang. Jack wollte ja sowieso nur bei Scorpius sein.
„Okay. Gut. Dann warten wir jetzt, bis die Viecher wieder herkommen. Hoffentlich bevor mir die Füße abfrieren.“ Aber schon nach wenigen Minuten traute sich einer wieder her. Jack reckte den Kopf nach vor und glotzte den Fisch gierig an. Es fehlte nur noch, dass ihm die Zunge aus dem Schnabel hing, er anfing zu sabbern und „chrhrchrhr… Fisch“ machte, wie Homer Simpson. Scorpius warf ihm einen warnenden Blick zu. „Wehe…“
Dann beugt er sich ein wenig nach vorn und geht in Angriffstellung.
Seine Hände nähern sich der Wasseroberfläche.
Scorpius beißt sich auf die Lippen, verharrt konzentriert.
Seine Fingerspitzen berühren das kalte Wasser.
Der Fisch wackelt mit der Schwanzflosse, treibt Zentimeter für Zentimeter auf ihn zu.
Die Zeit scheint beinahe still zu stehen.
Die Wasseroberfläche ist ganz ruhig, spiegelt das angespannte Gesicht.
Einen Moment verharrt der Fisch.
So knapp. So knapp.
Nur noch einen Zentimeter. Komm schon!
Scorpius hält die Luft an.
Ein letzter Blick auf das Opfer.
Ein letzter Blick auf den Feind.
Ein letztes Wackeln mit der Flosse.
Scorpius Hände schnellten durch das Wasser, seine Finger umfassten blitzschnell den glitschigen Körper. Scorpius riss die Hände nach oben, drückte seine Finger, so fest er konnte, zusammen. Auf keinen Fall wollte er seinen Fang wieder verlieren. Der Fisch zappelte in seinen Händen, kämpfte sich Stück für Stück aus der Umklammerung. Scorpius war kurz vorm Schreien vor Verzweiflung. Das Tier entglitt seinem Griff. Er sah es schon im Wasser verschwinden, als Jacks Kopf nach unten schoss und den Fang erwischte. „Ja! Nein! Neinneinnein! Jack! Komm wieder her! Bitte!“ Jack trabte eilig davon, präsentierte stolz seinen Fang. Scorpius hüpfte so schnell er konnte aus dem Weiher und auf den Fischdieb zu. „Gib den wieder her! Ich hatte ihn zuerst!“, schrie er wütend. Er dachte nicht daran, wie lächerlich es war, sich mit einem Hippogreifen ums Essen zu streiten, dazu war er viel zu sauer.
Er packte das hintere Ende des Fisches, das seitlich aus dem Schnabel hing und zog daran. „Meins! Gib her!“
Es wurde eine richtige Rangelei und Scorpius hatte eigentlich keine Chance gegen das Tier, aber er hatte immer noch eine freie Hand. Er benutzte sie, um Jack auf den Kopf zu hauen. „Lass los! Lass endlich los!“ Der Greif sprang erschrocken zurück, als ihn die Hand traf und Scorpius brachte seinen wiedererlangten Schatz in Sicherheit.
Er stolperte zurück zum Ufer, wo er das Holz aufgeschichtet hatte, kniete sich hin und legte den Fisch auf seinen Schoß.
Wenigstens ist er jetzt schon tot. Er setzte das Holz in Brand und kramte sein Taschenmesser aus dem Rucksack. Bevor er das Messer ansetzte, schaute er zu Jack hinüber. Der stand immer noch zurückgezogen zwischen den Bäumen und tänzelte nervös auf der Stelle.
Scorpius ließ das Messer sinken, sofort plagten ihn Schuldgefühle. „Tut mir leid, Jack. Das war nicht böse gemeint. Komm wieder her“, rief er ihm zu. Doch Jack blieb wo er war. Scorpius nagte an seiner Lippe, schaute auf den Fisch, dann zu Jack und wieder auf den Fisch. Er setzte das Messer hinter den Kiemen an und fing an zu säbeln. „Nein. Lieber nicht.“ Er legte ihn auf die Steine und machte dort weiter. Er musste sich nicht auch noch die Oberschenkel aufschneiden. Den abgetrennten Kopf warf er in Jacks Richtung. Der machte keine Anstalten, sich von seinem Platz weg zu bewegen.
Scorpius wandte sich wieder seinem Essen zu. Zuerst schnitt er die Flossen weg, dann schabte er die Schuppen ab. Dabei bemühte er sich nicht noch mehr Fleisch kaputt zu machen, als Jacks Schnabel es schon getan hatte. Zum Schluss musste er den Fisch noch aufschneiden. Scorpius würgte. Das war wirklich keine angenehme Prozedur, aber schließlich hatte er auch das geschafft. Er spießte den Fisch auf einen Ast, den er vorher ein wenig mit dem Taschenmesser anspitzte und hielt ihn über die Flammen.
Während er den Ast in seinen Händen drehte, schielte zu Jack hinüber. Der hatte sich inzwischen ein paar Schritte aus seinem Versteck gewagt und machte den Hals lang, um an den Fischkopf zu gelangen. Er traute sich nicht so recht und Scorpius vergaß beinahe auf sein Essen zu achten, weil er das Tier so gespannt beobachtete. Der Hunger siegte dann aber doch und Jack schnappte sich den kleinen Imbiss. Nachdem er ihn verschlungen hatte, trabte er auf seinen Menschenfreund zu. Der streckte die Hand aus und streichelte über die weichen Federn.
„Alles wieder gut? Das war wirklich nicht böse gemeint.“ Der Hippogreif gurrte und schmiegte sich gegen Scorpius' Hand. „Alles wieder gut“, flüsterte er.
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Die nächsten Tage hatte Scorpius ungemeines Glück mit dem Wetter. Nachts wurde es zwar ziemlich kalt, aber tagsüber schien die Frühlingssonne kräftig vom Himmel. So konnte er sich auf den komplizierten Zauber konzentrieren. Nachdem er einen ganzen Nachmittag damit verbracht hatte seinen Zauberstab auf jede erdenkliche Weise zu schwenken, war er schließlich auf die richtige Methode gekommen. Danach hatte er allerdings keine große Lust mehr auch noch die richtige Aussprache zu finden. Er gab sich also erst einmal wieder mit den belegten Broten und den Süßigkeiten zufrieden.
Wohlerzogen wie er war, hatte er sogar eine Zahnbürste eingepackt. Er war sich jedoch erst nicht sicher, ob er sein Trinkwasser aus der Flasche opfern oder die Bürste in den Weiher eintauchen sollte. War Waldwasser nicht eigentlich gesund? Außerdem war er ja mehr oder weniger in den Bergen, also gab es bestimmt irgendwo eine Quelle. Er entschied sich nicht direkt den kleinen angestauten Weiher zu nehmen, sondern ein Stück weiter hoch zu laufen.
Am nächsten Tag schmerzte sein Arm etwas vom vielen Zauberstab schwingen, aber die Mühe hatte sich ausgezahlt. Kurz nach Mittag hatte er auch die richtige Aussprache gefunden und zauberte sich abends einen kleinen Salat aus Unkraut. Der würde es zwar nie in eine halbwegs gute Küche schaffen, aber besser als richtiges Unkraut war er allemal.
Zudem rieb er seine Verletzung jeden Tag mit ein bisschen Diptam ein. So heilte sie relativ gut. Außerdem war Jack immer den ganzen Nachmittag über bei ihm. Ein Mal folgte Scorpius ihm zurück zur Herde. Die Hippogreife, die noch vor einer Woche so dicke Bäuche gehabt hatten, waren nun von ihrem Nachwuchs umgeben. Scorpius konnte sich kaum satt sehen an den niedlichen Geschöpfen.
An diesem Tag geschah auch ein absolutes Highlight. Als es schon längst dämmerte, ging Scorpius zurück zu seinem Lager und dieses Mal folgte ihm Jack. Normalerweise verschwand er um diese Zeit. „Bleibst du heute ein bisschen länger bei mir, hm?“, flüsterte Scorpius, an ihn gelehnt. Er vergrub das Gesicht an seinem Hals und streichelte seinen Rücken. Als er sich kurz darauf in schlafen legen wollte, ließ sich der Greif neben ihm nieder. Etwas verdutzt blinzelte Scorpius ihn an. Was wird denn das jetzt? Jack machte keine Anstalten wieder aufzustehen. Scorpius war das aber doch nicht ganz geheuer. Er drückte sich in seine Mulde und deckte sich zu.
Die Sonne war schon lange untergegangen und der kalten Nach gewichen und Scorpius schlief schon, da rückte Jack näher an ihn heran. Genauer gesagt legte er sich fast auf ihn drauf. Scorpius schreckte auf. „W-Was? Was machst du denn?“ Er stemmte die Hände gegen den Körper, der ihn platt walzen wollte. „He! Lass das doch! Du zerquetschst mich ja!“ Jack ließ sich auf die andere Seite fallen und blinzelte ihn unschuldig an. Scorpius strich sich verschlafen das blonde Haar zurück und tätschelte ihn dann. „Was sollte das denn werden? Willst du etwa bei mir schlafen?“ Er zögerte, kaute auf seiner Lippe, wusste nicht so recht, ob er sich traute. Aber der Hippogreif hatte sich schließlich von selbst zu ihm gelegt, also rutschte Scorpius langsam näher zu ihm.
Jack beobachtete ihn aufmerksam dabei. Nur zur Sicherheit neigte Scorpius vor ihm den Kopf, bevor er weiter kroch. „Okay, du tust mir nichts, oder? Du bist ganz lieb. Ich tu dir auch nichts. Ich bin auch ganz lieb“, wisperte er, dann hockte er vor Jacks Flügel. Er zog seine Decke zu sich heran und kuschelte sich gegen die Federn. Vor Anspannung hielt er die Luft an, aber Jack schob nur gurrend den Kopf unter seinen Flügel. Scorpius stieß die angehaltene Luft aus und schmiegte sich an seinen Freund. An so einem Hippogreifflügel schlief es sich ausgezeichnet.
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Freue mich über Reviews (:
Vielleicht bis bald^^ (ich bemüh mich)
<3
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