
von Miss_Killjoy
Ich wünsch euch auf jeden Fall viel Spa? beim lesen und jetzt kommt auch gleich das erste Kapitel :D
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One Problem follows the other
Tap tap tap tap tap tap tap. Sein Kopf war vollkommen leer. Das einzige, was er wahrnahm waren seine Schritte. Zögernd und beklommen. Tap tap tap tap. Mit jedem weiteren Schritt, den er auf den Zug zu machte, stieg die Angst und es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis sein Kopf wieder voll war mit den Erinnerungen.
Tap tap Stopp. *Bamm!* Mit einem Blick auf die Lock war alles wieder da.
Eigentlich war es immer da. Die Bilder gingen nie aus seinem Kopf, nie. Die ganzen Ferien war kein Tag vergangen, an dem er nicht daran denken musste. Genauso wie die letzten beiden Jahre kein Tag vergangen war, an dem sie ihn nicht bloßgestellt oder gehänselt hatten.
Angefangen hatte es am zweiten Schultag und geendet hat es nie. Und doch klammerte er sich an die winzige Hoffnung, dass sich in diesem Jahr etwas ändern könnte. So unwahrscheinlich das auch war.
Er wusste, dass er selbst etwas ändern könnte, wenn er nur endlich alles sagen würde. So oft schon wollte er zu einem Lehrer gehen oder zu seinen Eltern und alles erzählen.
Aber er war zu langsam gewesen. Seit dem ersten Weihnachten war klar, dass er niemals etwas sagen würde.
Das hatten sie ihm deutlich genug eingebläut.
Der Junge sah seinen Vater unauffällig an und wünschte sich wie so oft, etwas mehr von ihm zu haben als dasAussehen. Der würde sich niemals so runtermachen lassen, dazu war er viel zu stolz.
Scorpius kam sich dagegen ziemlich mickrig vor. Eine Schande für seinen Vater, für seine ganze Familie.
Scorpius schüttelte den Kopf. Das würde er bald wieder zu hören kriegen, da musste er nicht auch noch selber dran denken!
Er warf einen Blick auf die Uhr und seufzte. Noch mehr Zeit konnte er kaum herausschinden.
Mit einem weiteren leisen Seufzer drehte er sich zu seinen Eltern um.
Astoria und Draco Malfoy. Scorpius musste ein Grinsen unterdrücken. Draco… das klang mehr wie ein Spitzname, als der Vorname eines Mannes, der in der Öffentlichkeit vollkommen gefühlskalt war.
Seine Mutter lächelte ihn an und drückte ihn dann fest. „Mach's gut, mein Schatz und streng dich an, ja?“ Er lächelte zurück. „Ich bemüh mich.“ „Natürlich. Ich bin sicher du schaffst genauso ein hervorragendes Zeugnis wie letztes Jahr. Nicht wahr, Liebling?“
Sie wandte sich an ihren Mann. Der behielt seinen kalten Gesichtsausdruck bei und warf Scorpius lediglich einen etwas weniger kalten Blick zu.
„Davon gehe ich aus.“
Für Scorpius war das wie ein Schlag in den Magen. Sein Vater hatte es zwar noch nie ausgesprochen, aber Scorpius hatte das Gefühl, dass er nicht sehr stolz auf seinen Sohn war.
Das war weiterer Grund, warum er sich nicht traute, seinen Eltern - besonders seinem Vater - etwas zu erzählen.
Er konnte sich gut vorstellen, dass der ihn als eine Memme bezeichnete. Oder als Schande!
Schließlich erwartete er von seinem Sohn eine ebenso perfekte Maske gegenüber der Öffentlichkeit.
Scorpius schluckte und hoffte, dass man ihm nicht ansah, wie sehr ihn das traf und verletzte. Na ja, eigentlich sollte er es schon merken, ging es dem Blonden durch den Kopf
„Ich werde versuchen euren Anforderungen nachzukommen“, antwortete er ganz geschäftsmäßig und förmlich.
Dracos Mundwinkel zuckte für den Bruchteil einer Sekunde einen Millimeter nach oben. Klar, das ist genau das Verhalten, das er von mir in der Öffentlichkeit verlangt!
„Ich werde nun gehen.“ Gott, hört sich das bescheuert an. Sein Vater nickte ihm zu, seine Mutter lächelte ihn noch einmal an. „Pass auf dich auf, mein Junge.“
Und kaum hatte er seinen Vater geschafft, rückte schon das nächste Problem nach.
Ein Problem, das er nicht zu lösen wusste. Er lief zum Zug, dabei gingen ihm wieder die Dinge, die sie letztes Jahr mit ihm angestellt hatten durch den Kopf.
Während er nach einem leeren Abteil suchte und darauf achtete ihnen nicht jetzt schon in die Arme zu laufen, überlegte er, was sie wohl dieses Jahr auf Lager hatten.
Im ersten Schuljahr hatten sie ihn hauptsächlich verbal angegriffen. Ihn niedergemacht, beleidigt, bloßgestellt, Streiche gespielt.
Im zweiten war das dann nicht mehr genug für sie und es fing an mit schubsen, Bein stellen, dann ließen sie ihn der Luft baumeln und letzten Endes bekam er Schläge ab.
Außerdem verbrachte er viele, viele Nachmittag eingesperrt in der Besenkammer und viele, viele Nächte im Gemeinschaftsraum, um seine Arbeiten noch einmal zu schreiben, weil sie ihnen in die Hände gefallen waren.
Sie, das waren der Potter- und der Weasley-Nachwuchs. James und Rose, beide 2 Jahre älter, Hugo und Lily, beide ein Jahr älter und der gleichaltrige Albus, mit dem er sich ein Zimmer teilte.
Wie oft hatte er diesen sadistischen Hut verflucht, weil er ihn nach Gryffindor gesteckt hatte. Scorpius war der festen Überzeugung, dass da was faul gewesen war.
Immerhin war die Granger-Weasley die Direktorin. Und es war kein Geheimnis, dass sie, ihre Familie und die Potters seinen Vater nicht leiden konnten.
Scorpius hegte den leisen Verdacht, dass sie ihre Kinder gewissermaßen gegen ihn aufhetzten, aber er hätte es nie gewagt, das in irgendeiner Weise zu erwähnen.
Er setzte sich in ein leeres Abteil und ließ seinen Kater Sweeney aus dem Käfig. Zum Glück hatten sie ihm noch nie etwas angetan. Ihn zu verhauen, war eine Sache, aber wenn sie sich an seinem Kater vergreifen würden, würde er durchdrehen. Dann wäre es ihm egal, wie sehr James und Hugo ihm gedroht hatten.
Sein Kater rollte sich auf seinem Schoß zusammen und schnurrte, als Scorpius anfing ihn zu streicheln. Er hatte ungefähr eine halbe Stunde Ruhe, bis sich alle anderen begrüßt hatten und sie anfingen ihn zu suchen.
Er beschloss diese kurze Zeit noch zu genießen.
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Lily sah ihren Brüdern gelangweilt zu, wie sie ihre ganzen Freunde begrüßten. Sie selbst hatte Sally und Wendy, ihre beiden besten Freundinnen, schon begrüßt. Die zwei wollten alles von ihren Ferien hören, aber Lily hatte im Moment keine Lust, alles zu erzählen. Sie sah zu Rose, die ebenfalls ziemlich gelangweilt schien.
Ein Wunder! Lily hätte darauf gewettet, dass sie mit ihren Freundinnen durch den Zug gehen und nach den Jungs sehen würde. Schließlich waren fast zwei Monate vergangen.
Die Kerle würden sich schon ziemlich verändert haben und Rose war normalerweise sofort dabei, ein paar Hübschis anzumachen.
Lily beschloss, das in die Hand zu nehmen und stupste Rose an. Die fuhr herum, plötzlich ziemlich aufgedreht und packte Lily an der Hand. „Komm, wir suchen den kleinen Malfoy und sagen ?Hallo'. Das überlassen wir diesmal nicht den Jungs!“
Lily war sofort Feuer und Flamme und folgte Rose durch die Waggons.
Scorpius Malfoy niederzumachen, würde ihr auf jeden Fall den Tag versüßen. Sie fanden ihn im vorletzten Waggon.
Die Mädchen grinsten sich teuflisch an und schoben die Tür auf.
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Scorpius schreckte zusammen, als die Tür aufging. Lily und Rose kamen herein, schlossen die Tür und lehnten sich lässig dagegen. Ihr Gesichtsausdruck war vielsagend.
Scorpius schluckte.
„Na Malfoy. Wie waren denn deine Ferien so?“ In Lilys Augen spiegelte sich teuflische Freude, Freude darauf, ihn wieder fertig zumachen.
Rose trat einen Schritt nach vorn.
„Hast du dich gut erholt?“, fragte sie mit einem süffisanten Lächeln.
Sweeney hörte auf zu schnurren und verzog sich in seinen Käfig. Scorpius sah sein letztes Bisschen Schutz von dannen ziehen.
Rose bemerkte das natürlich und setzte sich zwischen Scorpius und seinen Kater. „Nun sag schon!“ Scorpius schluckte. Es war so ziemlich egal, was er antwortete, sie würden so oder so etwas finden, um ihn runter zumachen.
„Ein wenig“, brachte er schließlich stotternd hervor und zauberte Rose damit ein Lächeln ins Gesicht.
Sie tätschelte seine Wange etwas zu fest. „Das ist doch schön.“ Dann kniff sie ihn, lehnte sich vor und sah ihm direkt in die Augen. „Aber das hast du nicht verdient. Weil du ein Malfoy bist! Nur keine Sorge, wir bringen dich wieder auf deinen Rang zurück!“
Sie stand auf und bedeutete Lily ihr zu folgen. „Ich komm gleich nach“, meinte die, ohne ihren Blick von dem eingeschüchterten Jungen abzuwenden. Sie sah ihn eingehend an, jeden Zentimeter seines Gesichts.
Seine Augen waren aufgerissen, blickten ängstlich und scheu. Er kaute nervös auf seiner Unterlippe. Seine ganze Mimik, wirkte angespannt, verschreckt.
Lily genoss diesen Anblick, während ihr ein paar Ideen für ihn durch den Kopf gingen. Schließlich blieb sie an einer hängen, die ihr besonders gut gefiel.
Ein teuflisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
Das allerdings ließ Scorpius noch blasser werden, er ahnte Schlimmes. Sie warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu und verließ das Abteil.
Scorpius sank in seinen Sitz und schluckte. Dieses Schuljahr würde die Hölle werden.
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