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Fanfiction

Der mit den Greifen fliegt - Talks and Charms in Holidays

von Miss_Killjoy

Offenbar liest wirklich jemand die Geschichte :D *freu*
Vielleicht willst du ja so lieb sein und mir ein Kommi schreiben? ;D
___________________________________________________________________

Talks and Charms in Holidays

Als Scorpius im Krankenzimmer aufwachte, wollte er am Liebsten sterben. Sein Kopf schmerzte höllisch, ebenso sein kaputter Arm. Der Geschmack in seinem Mund war so ekelhaft, dass er sich beinahe noch einmal übergeben hätte.
Er richtete sich mit einem gequälten Stöhnen auf. Sternchen blinkten und es pfiff in seinen Ohren. Er blinzelte ein paar Mal und konnte wieder klar sehen.

Sein rechter Arm war einbandagiert und in einer Schlinge. Den Versuch, seine Finger zu bewegen, gab er nach wenigen, schmerzhaften Sekunden auf.
Neben seinem Bett lag ein kleiner Spiegel. Er nahm ihn und betrachtete sein zerschundenes Gesicht. Tiefe Schnitte zogen sich über die Wangen und die Nase, den Kiefer entlang und einer ging von seiner Stirn übers Auge bis hinunter zu seiner Wange.

Scorpius legte den Spiegel schnell wieder weg. Das war einfach nur grauenvoll. Seine Hände sahen nicht viel besser aus. Mit der gesunden Hand schob er die Decke weg und zog sein Hosenbein hoch. Unter der Kleidung waren lediglich leuchtend rote Streifen zu sehen.
Er seufzte. Wie sollte er das nur seinen Eltern erklären?!
Er wusste ja noch nicht mal was er der Granger-Weasley sagen sollte.

Vielleicht war es jetzt an der Zeit, mit der Sprache rauszurücken und alles zu erzählen. Aber diesen Gedanken strich er gleich wieder. Die einzige Strafe, die man James und seinen Freunden geben konnte, ohne dass Scorpius weiter in Gefahr war, war dass man sie lebenslang nach Askaban sperrte.

Er musste sich also etwas anderes einfallen lassen. Oder auch nicht. Vielleicht waren James und die anderen ja so nett und erzählten eine passende Lüge. Schließlich mussten sie rechtfertigen, warum sie vor Ort gewesen waren.
Scorpius hätte sich gerne noch weiter mit diesen Gedanken beschäftigt, aber Madam Pomfrey kam herein um nach ihm zu sehen.

„Wie geht es Ihrem Arm?“ „Müsste ich das nicht Sie fragen?“, gab Scorpius müde zurück. Pomfreys Lippen wurden zu einem dünnen Strich. „Ihr Arm müsste bald wieder geheilt sein. Das Handgelenk und der Unterarm, man bemerke, dass sowohl Elle, als auch Speiche durchbrochen sind, sollten relativ schnell wieder gesund sein.“ Scorpius hatte keine Ahnung wovon sie da sprach, aber er war beruhigt, dass die Heilung nicht lange dauern würde.

Madam Pomfrey fuhr mit ernster Stimme und besorgtem Gesichtsausdruck fort. „Die Schulter wird allerdings sehr lange brauchen. Sie ist komplett zersplittert und ich muss mir noch überlegen, ob wir Sie nicht ins St. Mungo bringen lassen. Ich werde mich da noch mit der Direktorin beraten.“ Scorpius schluckte.
„Sie wird übrigens gleich herunterkommen. Ich habe ihr mitgeteilt, dass Sie das Bett auf gar keinen Fall verlassen dürfen.“

Damit verschwand sie. Scorpius ließ sich in die Kissen sinken, seine Augen füllten sich mit Tränen.
Er wollte sich gar nicht vorstellen, was seine Eltern zu der ganzen Sache sagten. Vor allem wenn er ins St. Mungo musste.
Erneut wurde er in seinen Gedanken unterbrochen, weil die Direktorin das Krankenzimmer betrat.

Scorpius sank noch tiefer in die Kissen. Sie setzte sich auf das Nachbarbett und sah ihn streng und ernst an.
„Scorpius, ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von diesem Vorfall sehr überrascht bin.“ Ich nicht. Es war nur eine Frage der Zeit bis sie so gemein werden.
„Du bist bis jetzt noch nie unangenehm aufgefallen. Was hat dich nur zu dieser Tat getrieben?“ Der Wink von James' Zauberstab.
Scorpius sprach seinen Gedanken nicht aus, sondern starrte nur auf die Schlinge in der sein kaputter Arm lag.

Da er schwieg, fuhr Hermine fort. „James sagte mir, das wäre eine Art Mutprobe gewesen. Die anderen vier haben dem zugestimmt. Was wolltest du damit bezwecken?“ Ihre Stimme klang autoritär und gleichzeitig freundlich. Das brachte Scorpius in die verdammte Zwickmühle, dass er ihr alles erzählen wollte.
„Ich weis es nicht. Keine Ahnung, das war… echt total bescheuert.“

„Allerdings! Das war es. Ich habe bereits deine Eltern informiert, sie werden morgen kommen und entscheiden, ob Sie ins Krankenhaus verlegt werden.“ Sie musterte den Jungen. Scorpius sah müde auf seine Decke. Er wollte nicht, dass seine Eltern kamen. Auf gar keinen Fall sein Vater!
Der wäre am Ende noch stolz, dass sein Sohn eine Mutprobe gemacht hatte - wenn es auch eigentlich keine war.

„Scorpius, war das wirklich eine Mutprobe oder hat man dich dazu gezwungen?“ Er kaute auf seiner Unterlippe. Warum konnte sie nicht einfach gehen?!
Er befürchtete, dass die falschen Worte aus seinem Mund kommen würden, wenn er ihn jetzt aufmachte.
„Nein, es… es war unüberlegt und - ja… es war unüberlegt. Ich hab nicht nachgedacht.“

Und wenn Sie ein wenig nachdenken würden, kämen Sie auf den Gedanken, warum keiner versucht hat mich aufzuhalten! Aber es sind ja Ihre Kinder. Klar, dass Sie an denen keine Zweifel haben! Scorpius hoffte, dass seine Miene seine Gedanken nicht verriet, aber die Direktorin erhob sich. Sie warf ihm einen missbilligenden Blick zu.
„Vergessen Sie nicht, dass Sie noch eine Strafe erwartet, sobald Sie genesen sind.“
Sie verschwand durch die große Tür des Krankenflügels und ließ Scorpius allein zurück.

/.\

Obwohl er todmüde war, fand er keine Ruhe. Er wälzte sich immer wieder herum, musste dabei aufpassen, dass er sich nicht auf den kaputten Arm legte.
Er konnte es sich einfach nicht bequem machen, also setzte er sich auf und sah aus dem gegenüberliegenden Fenster.
Der Vollmond erhellte das Zimmer. Ab und zu schoben sich Schleierwolken davor. Um den silbernen Mond herum blinkten die Sterne im schwarz-blauen Nachthimmel.

Außer dem Mond konnte Scorpius von seiner Position aus die Spitzen der Hügel sehen, die um das Schloss herum lagen.
Ihm wurde ziemlich warm unter der dicken Decke. Deshalb schob er sich aus dem Bett und tappte barfuss zum Fenster.
Jetzt konnte er auf den See blicken. Der Mond spiegelte sich im schwarzen Wasser, weiter hinten spitzelte ab und an ein Tentakel des Kraken heraus und schlug kleine Wellen.

Scorpius streckte sich und öffnete das Fenster. Ein kühler Luftzug schlug ihm entgegen. Er atmete die klare Nachtluft ein und fühlte sich sofort ein wenig besser.
Er versuchte nicht daran zudenken, dass seine Eltern in ein paar Stunden vor ihm stehen würden. Also starrte er weiter aus dem Fenster.

Die Nacht war ruhig, gelegentlich flog eine Fledermaus am Fenster vorbei, doch dann erklang plötzlich ein neues Geräusch.
Es klang gedämpft, leise und doch war es unverwechselbar. Scorpius bekam eine Gänsehaut und das lag nicht am kühlen Nachtwind.
Das Heulen hallte durch die Nacht, verklang über dem See. Scorpius drehte sich um und ging zu einem Fenster auf der anderen Seite des Zimmers.

Hier war es dunkler, weil der Schatten des Schlosses über der Landschaft lag. Diese Seite zeigte zum verbotenen Wald. Scorpius öffnete hier ein Fenster und diesmal war das Heulen klar und sehr laut zu hören. Es wurde gemunkelt, dass es im Wald Werwölfe geben sollte, gesehen hatte jedoch noch niemand einen.
Außerdem beteuerten die Lehrer immer wieder, dass das völliger Schwachsinn sei, weil der Wolf in den Wochen, in denen kein Vollmond war, als Mensch im Wald leben müsste.

Trotzdem hörte sich dieses Heulen nicht nach einem gewöhnlichen Wolf an. Und die Tatsache, dass der Vollmond so hell am Himmel schien, bestätigte seinen Verdacht nur noch mehr.
Scorpius schloss beide Fenster und legte sich wieder ins Bett. Er konnte das Heulen immer noch hören, ganz ganz leise.
Er zog die Decke bis zur Nasenspitze hoch und kuschelte sich tief in die Kissen.

Der Gedanke, dass da draußen ein Werwolf herumlief, war lächerlich. Und dass er zur Schule kam erst recht. Dass konnten die Lehrer doch nicht zulassen!
Allerdings sind die Lehrer hier ziemlich komisch. Doof. Wer weiß, ob die den Kerl nicht sogar kennen. Womöglich ist einer von denen der Werwolf. Das hatten sie hier ja schon mal. Scorpius drückte sich noch tiefer in die Kissen und zog sich Decke fast komplett über den Kopf.

Sein Magen zog sich zusammen, er hatte die Augen weit aufgerissen, an Schlaf war nicht zu denken.
Natürlich waren die Angst und diese Gedanken völlig unberechtigt, aber Scorpius hatte das Gefühl, als würde sich nachts ein Schalter in ihm umlegen und jeden vernünftigen Gedanken ausschalten. Und er war sich sicher, dass er da nicht der einzige war.

Das ist völliger Unsinn! Da draußen ist kein Werwolf! Denk an was anderes, an was Schönes! Ich muss heute nicht im Turm oben schlafen. Morgen früh werde ich nicht von meinen Vorhängen gewürgt. Ich kann ganz beruhigt schlafen, ohne Angst zu haben, dass sie mir in der Nacht einen Finger abschneiden!

Mit diesen Gedanken beruhigte er sich schließlich und fiel in einen tiefen, ruhigen Schlaf.

//.\\

Er hatte ewig geschlafen. Als er aufwachte, war es schon fast Mittag. Außer ihm war niemand sonst im Zimmer, aber konnte Leute vor der Tür reden hören.
Es war die Direktorin und Madam Pomfrey. Dann eine tiefe Stimme. Scorpius rutschte das Herz in die Hose, das war sein Vater. Wie lange der wohl schon da war?

Im nächsten Moment ging die Flügeltür auf und Scorpius hätte am liebsten einfach wieder die Augen geschlossen und so getan, als würde er schlafen. Doch die vier Personen, die hereinkamen, hatten schon gesehen, dass er wach war.
Er sah den kalten Blick seines Vaters, seine reservierte Haltung und betete, dass die der Direktorin galt und nicht ihm.
Seine Mutter hatte rote Augen, sie sah müde und etwas unsicher aus.

Als würde sie losrennen wollen, doch sie hielt sich zurück. Als sie vor seinem Bett standen, fing sie an zu schluchzen und schloss ihn in ihre Arme. Darauf bedacht, seinen verletzten Arm nicht zu drücken.
Scorpius spürte warme, nasse Tränen an seinem Hals herab laufen, aber er kümmerte sich nicht darum. Er schlang den Arm um seine Mutter, hielt sich an ihr fest.

Es war ihm vollkommen egal, dass sein Vater und die Direktorin daneben standen. Tränen brannten in seinen Augen, als er das Parfum seiner Mutter roch. Das war vertraut, das versprach Vertrauen und Fürsorge. Er blinzelte die Tränen zurück. Das musste nun wirklich nicht sein!
Seine Mutter ließ ihn los, wischte sich schnell über die Wangen und stellte sich zu ihrem Mann.

Draco umging es erfolgreich Scorpius anzuschauen und wandte sich an Hermine und Madam Pomfrey.
„Sollte er denn jetzt ins Krankenhaus, oder nicht?“ Die Frauen sahen ihn etwas verwundert an. Scheinbar hatten sie gedacht, er würde ebenfalls erst seinen Sohn begrüßen.
Madam Pomfrey antwortete schließlich etwas zögerlich: „Es wäre besser, wenn er ins St. Mungo gehen würde. Die Schulter ist übel zugerichtet, das sollte beobachtet werden.“

Draco schwieg einen Moment, drehte sich zu Astoria um und sah sie fragend an.
„Ich denke, dann bringen wir ihn ins Krankenhaus. Okay, Scorpius?“ Er nickte.
„Kann er dann vor den Ferien überhaupt wieder in die Schule?“
Pomfrey schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Wenn er nächste Woche wieder raus kann, was natürlich nicht sicher ist, dann sollte er die letzten zwei Wochen zu Hause bleiben. Er kann ja auch dort lernen.“

„Und um seine Noten muss er sich nicht sorgen. Sie sind einwandfrei“, mischte sich Hermine mit ein. Scorpius fragte sich, warum sie seinen Vater dabei so bestimmt ansah.
Weil die Malfoys schwiegen, fuhr sie fort: „Ich werde dann gleich seine Sachen aus dem Gryffindorturm holen lassen.“ Scorpius biss sich auf die Lippen. Musste sie das so betonen? Die Miene seines Vaters verfinsterte sich.

Als Hermine verschwunden war, setzte sich Astoria auf das Bett und streichelte Scorpius' Hand. „Wir kriegen dich schon wieder hin“, sagte sie lächelnd und Scorpius konzentrierte sich ganz auf sie. Er wollte nicht darüber nachdenken, was wohl gerade im Kopf seines Vaters vorging.
Bestimmt nichts Gutes.

//.\\

9 Tage später war er zu Hause. Im St. Mungo hatte er zwei schmerzhafte Prozeduren über sich ergehen lassen müssen, aber dafür war seine Schulter wieder in Ordnung.
Seine Mutter war jeden Tag gekommen, hatte sich erkundigt wie es ihm ginge und wie die Heilung voranging. Sie hatte ihm auch etwas zu lesen gebracht - einen ganzen Haufen Bücher, weil er sie vor Langeweile geradezu verschlang.

Daheim musste er nun die Schulübungen nachholen, die er verpasst hatte. Es fiel ihm tatsächlich nicht schwer. Man hatte nichts Neues angefangen und das Alte konnte er schon ziemlich gut.
Er war also schnell fertig. Darüber war er allerdings überhaupt nicht glücklich, denn so hatte er viel zu viel Zeit zum Nachdenken.

Seine Gedanken kreisten hauptsächlich um seinen Vater, schweiften jedoch gelegentlich ab zu dem merkwürdigen Gejaule, das er aus dem verbotenen Wald gehört hatte. Das war zwar total schwachsinnig, aber wenigstens eine kleine Ablenkung.
Scorpius hatte das Gefühl, dass sein Vater ihn lieber noch mal in die Schule geschickt hätte, anstatt ihn mehrere Wochen zu Hause zu haben.

Ab dem Tag, an dem die Ferien begannen, musste er auch daran denken, dass er seinen Peinigern für ein paar Wochen mehr entgangen war. Allerdings wurde er somit auch daran erinnert, dass noch eine Strafe auf ihn wartete.
Er nahm es gelassen. Jetzt kam erstmal Weihnachten und Silvester und Neujahr.
Feste auf die er sich freuen konnte.

//.\\

Weihnachten wurde aber keinesfalls so schön, wie Scorpius es sich erhofft hatte. Draco zeigte ihm nur die kalte Schulter. Jeden verdammten Tag, jede verdammte Minute, die sie gemeinsam in einem Zimmer verbrachten. Scorpius Stimmung hatte am 2. Weihnachtsfeiertag einen Tiefpunkt erreicht.
Er lag den ganzen Tag im Bett, las, schlief und kam nur zum Essen herunter und verschwand danach sofort wieder.

Nach dem Abendessen saß er auf seinem Bett und überlegte, was für einen Sinn es eigentlich hatte, zu Hause zu sein. Er hätte genauso gut nach Hogwarts gehen und die Ferien dort verbringen können.
Papa hasst mich! Dieser Satz schwirrte ihm unablässig durch den Kopf.
Ich müsste Quidditch spielen können, dann würde er mich vermutlich etwas mehr beachten. Oder am Besten ein paar Rowdys suchen und mich aufspielen und prahlen. So wie er früher, als er in der Schule war. Ich müsste einfach in seine Fußstapfen treten.
Klar, das könntest du tun, aber dafür ist es jetzt sowieso schon zu spät. Außerdem wärst das nicht du!

Dieses kurze Zwiegespräch in seinem Kopf hatte eine erstaunliche Wirkung. Es schlug ein wie eine Bombe und warf seine Emotionen komplett durcheinander.
Tränen glitzerten in seinen Augen, als ihm der Gedanke kam, den er schon lange zurückschob. Den er nicht denken wollte, weil er genau wusste, dass er davon nur total depri werden würde.
Für Papa bin ich eine Null! Ich bin für jeden eine Null! Unnütz. Auf mich könnte man verzichten. Keiner würde es merken, wenn ich weg wäre. Oder es bedauern.

Es waren Gedanken, die er sofort verdrängen sollte, aber er fühlte sich im Moment einfach so schlecht, dass er nicht die Kraft hatte, optimistisch zu bleiben.
Er ließ sich auf die Seite fallen und zog die Decke über sich.
Die Tränen quollen über, liefen ungehemmt und in einem fort aus seinen grauen Augen und bannten sich ihren Weg über seine Wangen, bis sie schließlich im Kissen versickerten.

Scorpius verlor jedes Zeitgefühl, bemerkte nicht, wie es im Zimmer immer dunkler wurde und registrierte das Klopfen an seiner Tür nicht.
Dann wurde die Klinke heruntergedrückt, die Tür einen Spalt geöffnet. Ein kleiner Lichtstrahl fiel auf den Holzboden und der Kopf seiner Mutter erschien.
Scorpius schrak hoch und schniefte leise.
„Ist bei dir alles in Ordnung?“, fragte sie.

Scorpius wischte sich mit der Decke übers Gesicht und bemühte sich klar zu sprechen.
„Ja. Ja, alles gut.“ Seine Stimme klang erstickt und er musste erneut schiefen.
Astoria kam ein paar Schritte herein.
„Du hörst dich nicht gut an.“ Man konnte ihre Besorgnis deutlich hören. Sie wartete einen Moment, dann schloss sie die Tür und kam mit schnellen Schritten zu ihm ans Bett.

Sie konnte ihn in der Dunkelheit kaum sehen. Lediglich sein helles Haar zeigte wo sein Kopf war.
Sie streckte die Hand aus, um ihm übers Haar zu streichen und streifte dabei seine feuchte Wange und erschrak.
„Scorpius, was ist denn passiert?!“ Er schwieg, er wollte ihr nicht sagen, was in seinem Kopf vorging.

Astoria zündete die Kerze auf seinem Nachtisch an und erschrak erneut, als sie sein verweintes Gesicht mit den geröteten Augen sah. „Liebling! Um Himmels Willen, was ist denn los?!“ Scorpius schniefte und wischte sich den Rotz von der Nase.
„Mama. Bin ich eine Schande?“, fragte er mit dünner, erstickter Stimme.
Der Schock stand seiner Mutter sichtlich ins Gesicht geschrieben.

„Wie kommst du denn darauf?“ Sie klang besorgt und zugleich liebevoll. Sie strich im ein paar nasse Strähnen aus der Stirn. „Schatz, du bist keine Schande. Ich weis nicht, wie du auf solche Gedanken kommst, aber das ist Blödsinn. Wir sind so froh, dass wir dich haben. Und wir sind ganz stolz auf dich-“
„Papa ist nicht stolz auf mich!“, warf Scorpius ein und einige Tränen kullerten über sein Gesicht.

„Doch, dass ist er.“ Scorpius schüttelte energisch den Kopf. „Mh-mh, ist er nicht. Ich kann gar nichts, was ihn stolz machen würde. Ich kann kein Quidditch und ich bin nicht beliebt und ich… ich meine, ich wurde von einem Baum verdroschen.“ Seine Stimme wurde immer höher und brach weg. Gerade rechtzeitig, bevor ihm noch etwas über die Potters und Weasleys herausgerutscht wäre.

Seine Mutter lächelte. „Aber Schatz, das heißt doch nicht, dass er nicht stolz ist. Du machst keinen Ärger in der Schule. Zumindest hast du das bis jetzt nicht. Und dass du nicht im Team spielst, ist doch auch nicht schlimm. Du schreibst hervorragende Noten und bekommst garantiert einen tollen Beruf damit. Für die Zukunft steht dir da alles offen.“

„Aber das reicht ihm nicht. Er will lieber, dass ich Ärger mache, als dass ich ein braver Streber bin.“ Er konnte seine Tränen nicht zurückhalten.
Astoria seufzte. Dann zog sie ihn hoch und schloss ihn in die Arme. Sie hielt ihn ganz lange fest und flüsterte: „Ich rede mit Draco. Und du solltest das auch. Ich bin sicher, dass er dir dasselbe sagt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das anders sieht. Und jetzt versuch zu schlafen. Denk nicht mehr an sowas. Bitte, Scorpius.“

Er ließ sich wieder auf das nasse Kissen fallen und nickte. Sie küsste ihn auf die Wange und stand auf. „Bitte denk nicht mehr über so etwas nach“, wiederholte sie und er nickte wieder. „Okay, Mama“, gab er leise zurück.
Sie lächelte, blies die Kerze aus und verließ leise das Zimmer.

Scorpius wartete ein paar Minuten. Ließ sich das, was seine Mutter eben gesagt hatte durch den Kopf gehen und beruhigte sich langsam wieder.
Dann stand er auf und schlich hinaus. Auf Zehenspitzen ging er zum Schlafzimmer seiner Eltern und legte das Ohr an die Tür.

„Du hättest ihn hören sollen. Er war ziemlich fertig.“ Das war seine Mutter. Sein Vater grunzte. „Ich brauch keine Memme als Sohn.“ Ein Klatschen war zu hören. „Das ist genau das, wovon er gesprochen hat. Du kannst ihn nicht verstoßen, nur weil er nicht so ist wie du!“ „Ich verstoße ihn nicht.“ „Aber du ignorierst ihn und gibst ihm das Gefühl, nicht gut genug für uns zu sein. Sag mir ganz ehrlich: Was hältst du von ihm?“

Astoria klang aufgebracht und die verlangte eine ernste Antwort von ihrem Mann. Der schwieg ziemlich lange, bevor er antwortete.
„Ich freue mich, dass er gute Noten schreibt. Das tue ich wirklich und ich bin auch stolz auf ihn deswegen, aber… aber es mir ein wenig lieber, wenn er außer dem noch etwas anderes machen würde.“

Mehr brauchte Scorpius nicht zu hören. Er wandte sich von der Tür ab. Einerseits war er froh zu hören, dass sein Vater wenigstens ein bisschen stolz auf ihn war, aber gleichzeitig hatte sich bestätigt, dass er mehr von ihm verlangte.

Frustriert schlurfte er zum Ende des Ganges. Dort hing ein wandgroßes Gemälde von seinem Vater und dessen Eltern. Scorpius musterte die drei Personen.
Papa sieht irgendwie hochnäsig aus. Und Opa schaut auch ziemlich herablassend, fand er. Bitter ballte er eine Faust und schob das Gemälde dann zur Seite.
Dahinter erschien eine schmale Tür. Er öffnete sie, nahm die Kerze, die daneben stand und zündete sie an.

Dann stieg er die kleine Wendeltreppe hinauf und kam auf den Dachboden. Er war voll mit hohen Bücherregalen, die wiederum randvoll mit Büchern waren. Der Boden war mit Teppichen belegt und in zwei Ecken standen Sessel.
Scorpius war ein Gedanke gekommen, als er seine Eltern belauscht hatte, deshalb wusste er wonach er suchen konnte.

Er lief ein paar Regale ab, bis er fand, was er gesucht hatte.
Er zog einen großen, alten Wälzer heraus auf dem lediglich „Zauber“ stand, aber er war sicher, dass er damit richtig lag.
Er setzte sich in einen der Sessel und stellte die Kerze auf den Tisch, auf den er auch das Buch legte.
Im Register suchte er, was ein wenig dauerte, denn das Buch war schon sehr alt und die Schrift verblasst.
Schließlich fand er das richtige Kapitel und blätterte die vergilbten Seiten durch.

„Schutzzauber“ stand groß darüber.
Desillusionierungszauber, Expecto Patronum, Muffliato, Protego Totalum, Protego Maxima, Salvio Hexia.
Scorpius wusste genau, dass der Plan, der sich in seinem Kopf zusammensetzte wahnsinnig, töricht und schlicht weg einfach dumm war. Aber es war auch eine Möglichkeit, eine Lösung.

Er las sich die Beschreibung der Zauber durch und kramte in einer Schublade des Tisches nach Papier und Feder. Dann schrieb er sich genau auf, wie die Zauber ausgeführt wurden.
Allerdings gab es da noch ein kleines Problem.
Scorpius suchte fieberhaft nach einem Zauber, der dieses Problem beseitigen könnte. Er suchte in vier weiteren Büchern, bis er schließlich fündig wurde.
„Unortbar“ schrieb er zu den restlichen Zaubern.

Dann verräumte er alles, schlich sich zurück in sein Zimmer und versteckte das Papier unter seiner Matratze.
Er hatte einen Plan. Einen Plan, den er bereit war durchzuführen. Er musste allerdings erst wieder zur Schule, bevor er sich entscheiden konnte, ob er ihn durchführen würde oder nicht.
Aber allein die Gewissheit zu haben, dass er sich selbst helfen konnte, beruhigte ihn schon ungemein und ließ ihn den nächsten Wochen gelassen entgegenblicken.


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