
von Viola Lily
Nicht er selbst
„SLYTHERIN!“
Dieser Ryan Flint lief zu seinem Tisch rüber und setzte sich. War ja irgendwie klar, dass jemand wie er nach Slytherin kommt. Der hatte sowieso schon so 'ne finstere Visage.
„Greddis, Arnold.“
„GRYFFINDOR!“
Ich grinste feierlich, als ich dieses Wort aus dem Mund des Hutes hörte.
Oh ja! Dieser Name sollte auch auf meinem Umhang und in meinem Lebenslauf stehen. Das war ein Name, der etwas hergab. Er genoss Ruhm und Bewunderung in der ganzen Welt. Es war das Haus der berühmtesten Zauberer und Hexen unserer englischen Geschichte, das Haus der Helden. Jeder, der halbwegs etwas von sich hielt, würde dort hin wollen.
Genau wie ich.
„Green, Dustin.“
Selbstbewusst setzte ich mich auf den Hocker und wartete ab, bis mir der Hut die Sicht auf die große Halle nahm.
Was haben wir denn hier? Überschlagen sie sich nicht junger Mann, ein Leben auf der Überholspur wird auf Dauer zu anstrengend. Offenbar hab ich es hier mit einem Energiebündel zu tun. In der Tat, du bist Feuer und Flamme. Da steckt eine Menge Tapferkeit und Wissensdurst drin. Gryffindor wäre ideal.
Prima. Da wollte ich eh hin.
Nicht so stürmisch, junger Mann. Sehe ich da einen Funken Rachedurst?
Mir schoss das Blut in die Ohren. Warum sprach er gerade das an.
Erstaunt? Ich sehe alles, mein Lieber. Du bist erfüllt von Vorurteilen und einer einzigen, vielleicht sogar falschen Meinung. Du bist kein Einzelgänger, aber in einer gewissen Weise Menschenfeindlich. Wo kannst du dieses Problem am besten lösen. Ravenclaw? Hufflepuff, vielleicht... .
Was redest du da? Ich möchte nach Gryffindor.
Nein! Tief in deinem Inneren habe ich Fähigkeiten und Eigenschaften von dir gefunden, die du bereits verbannt hast. Du bist mir noch ziemlich grün hinter den Ohren. Dein aufgesetztes Draufgängerimage blendet dich. Und das wird sich nicht ändern, wenn ich dich nach Gryffindor schicke, im Gegenteil. Werde wieder Du-Selbst in RAVENCLAW!
Nach diesem Worten fühlte ich mcih wie vor den Kopf gestoßen. Hatte ich etwas falsch gemacht? Hatte ich nicht hart genug dafür gearbeitet, mutig und tapfer zu werden - wie mein Dad? Nichts zu fürchten und mich immer für meine Freunde ein zusetzten?
Ich war völlig durch den Wind. Ravenclaw?
Warum war ich denn kein Gryffindor geworden?
Ich bekam kaum mit, wie Professor Freshad mir den Hut wieder absetzte. Von allein bewegten sich meine Beine zum Tisch der blauen Adler.
Was sollte ich da?, fragte ich mich und setzte mich verdattert neben die bisher einzige Erstklässlerin. Sie schien ebenfalls in Gedanken versunken zu sein, da sie mir nur kurz zunickte und dann wieder ihren Blick auf den Slytherin-Tisch richtete.
Urplötzlich wanderten meine Gedanken zum sprechenden Hut zurück.
Sehe ich da einen Funken Rachedurst?
Pfff... . Ich wollte mich doch nicht rächen. An wem denn? Den Slytherins? Ich konnte sie nur nicht ausstehen, das war alles. Schließlich waren es ihresgleichen, die vor vielen Jahren für den Krieg verantwortlich waren. Meine Großeltern waren in diesem Krieg ums Leben gekommen. Und nicht nur sie - sondern auch mein Bruder. Der einzige, den ich je gehabt hätte.
Und wenn meine Eltern heute noch darüber reden, bekommen sie jedes mal einen traurigen und niedergeschlagenen Ausdruck ins Gesicht, der mir das Herz schwer werden lässt. Dieser Krieg hatte ihnen nicht nur Verwandte, sondern auch ihre Jugend genommen, die Zeit, in der man tun und lassen sollte, was man will - die Zeit, in der man noch frei ist.
Viele behaupten, dass sich das Haus Slytherin und seine Schüler seit dem verändert haben, aber ich bin nicht der Typ, der trotz einer neuen Generation einfach so vergeben kann.
War es da nicht nachvollziehbar, dass ich die Slytherins nicht ausstehen konnte und mich in Gryffindor nur wohl gefühlt hätte?
So ein dämlicher Hut. Wieder Ich-Selbst-Werden. Das ich nicht lache. Nein, in Ravenclaw würde es nicht viel zu lachen geben, da war ich mir jetzt schon sicher.
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