Lauren Broderick plus... - Der Tag, an dem etwas anders war als sonst
von Viola Lily
Wotcha!,
meine Zusatzgeschichten sind NICHT eingeschlafen. Mein Hauptaugenmerk lag in letzter Zeit einfach auf weltlichen Dingen und den anderen FFs. Doch jetzt geht es auch hier wieder weiter. Die Auswahlzeremonien-Oneshots gehen weiter, denn schließlich hat der Hut auch etwas zu Stephen, Mabel, Souta und Luke gesagt.
Doch heute möchte ich mit etwas neuem beginnen. Ich fand die Idee gar nicht mal so schlecht und es hat mir Spaß gemacht, die Geschichte darum aufzuschreiben - leider hat es zu viel Spaß gemacht, denn wieder einmal ist sie länger geworden als geplant. Also hab ich sie geteilt und Teil 1 kommt heute.
Es geht darum, wie Lauren und Luke zusammen gekommen sind - aus seiner Sicht. B)
Viel Spaß,
Vio
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Im Kamin prasselte das Feuer und tauchte den Gemeinschaftsraum der Ravenclaws in ein schummriges, flackerndes Licht. Draußen war es finster und das einzige, was man sah, waren die Schneeflocken, die direkt am Fenster vorüber wehten. Es war sehr spät und nicht einmal ein Dutzend Schüler war noch wach.
Auf der kleinen Kissenlandschaft über dem Kamin hockten Lauren und Luke. Luke lag rücklings auf dem Kissenberg und hatte einen Arm um Lauren gelegt. Sie lag, den Kopf auf seine Brust gebettet, halb auf ihm und schlief. Das Buch, welches noch aufgeschlagen in ihrer Hand lag, hatte sie vergessen.
Luke war wach und guckte müde zur Decke empor. Er spürte Laurens regelmäßigen Herzschlag, das gleichmäßige heben und senken ihres Brustkorbs und die wohltuende Wärme ihres Körpers. Es war mal wieder typisch für sie, über einem Buch einzuschlafen.
Drei Wochen war es jetzt schon her, seit sie sich im Garten von Stephens Elternhaus geküsst hatten. Seit zwei Wochen waren sie offiziell zusammen, doch bis es die ganze Schule wissen würde, würde es wohl noch weitere Wochen dauern. Er hatte gespürt, dass Lauren sich nicht wohl fühlte, wenn er ihr außerhalb des Ravenclaw-Turms seine Gefühle zeigen wollte. Vermutlich hatte sie Angst vor den Reaktionen ihrer Geschwister, allen voran Esther.
Doch er war bereit, zu warten. Er würde ihr die Zeit geben, die sie brauchte, um sich an die Beziehung zu gewöhnen. Er konnte überhaupt froh sein, dass sie es bis hierher geschafft hatten. Denn wenn es nach ihm gegangen wäre, würden sie immer noch Freunde sein. In 4 Monaten hatte er nicht genug Mumm aufgebracht, den ersten Schritt zu machen.
Waren es 4 Monate? Er war sich nicht sicher, wie lange er schon in Lauren verliebt war. Wer weiß, vielleicht hatte sich schon über Jahre ein bisschen ihn sie verguckt. Als Junge hatte er sich nie darüber Gedanken gemacht, wenn sie irgendwo zu zweit allein waren oder sich zufällig berührt hatten. Bis zu einem ganz bestimmten Moment hatte er noch nie etwas großes, neues gespürt, wenn er in Laurens Nähe war. Und an diesen ganz bestimmten Moment dachte er jetzt zurück, denn es war der Tag, an dem etwas anders war als sonst.
Es war halb 11, als Mr. Green den Wagen in einer der Seitenstraßen am Bahnhof Kings Cross parkte. Er war noch nicht einmal dazu gekommen, den Motor auszuschalten, als die beiden Jungen vom Rücksitz aufsprangen und um das Auto zum Kofferraum liefen. Mit gemischten Gefühlen drehte Mr. Green sich zur Heckklappe um.
„Treibt es bitte nicht zu weit. Hier fahren Autos!“
„Ja, Dad.“
Der Junge mit den blonden, lockigen Haaren und einem gewitzten Grinsen schielte durch die Öffnung zu seinem Vater und machte sich dann ran, den ersten Koffer auf die Straße zu wuchten.
Vom Beifahrersitz legte sich eine weiche Hand auf Mr. Greens Gesicht und drehte es leicht, damit er seinen Sitznachbarn sehen konnte. Er schaute direkt in die hellblauen, wachen Augen seiner Frau, die gutmütig lächelte und ihm dann einen leichten Klapps auf die Wange gab. Dann stieg auch sie aus dem Auto und half den Teenagern, ihre Sachen zusammen zu suchen.
„Dustin, hast du auch wirklich nichts vergessen? Portmonee? Wasser? Hast du den Kuchen eingepackt, den ich gestern noch gebacken habe? Taschentücher?“
„Jajaja, Mum“, nuschelte der blonde Junge peinlich berührt und schielte zu dem anderen Jungen rüber, um seine Reaktion zu beobachten.
Doch Luke Wood beachtete seinen besten Freund und dessen Mutter überhaupt nicht. Er hatte seinen Rucksack geschultert und holte jetzt vom Rücksitz einen in braunes Papier eingewickelten Sportbesen. Als er die Autotür zuschlug und sein Spiegelbild in der Scheibe bemerkte, kniff er kritisch die Augen zusammen. Die Beule vom Vortag war noch nicht verschwunden und ein kleiner, roter Hügel ragte über der linken Augenbraue hervor.
„Tut's noch weh, Luke?“, hörte er Mrs. Green fragen.
Sie hatte ihn beobachtet und stellte sich besorgt neben ihn. Nun war es Luke, der peinlich berührt zu Dustin rüber schielte.
Dustins Idee, einen Nacht-Flug durch den Wald zu unternehmen klang ziemlich geil - vor allem, weil ihm seine Eltern aufs Dach gestiegen wären, wenn sie etwas davon erfahren hätten. Doch auf dem Rückflug war Luke sein Zauberstab runter gefallen und er war im Dunkeln gegen einen dicken Ast geflogen. Die Verletzung hatte zum Glück nicht geblutet, aber die Beule am nächsten Morgen war unübersehbar. Dustins Eltern hatten sich zum Glück mit der Ausrede, dass Luke während eines Tolietten-Besuchs in der Nacht gegen den Badezimmerspiegel geprallt war, zufrieden gegeben, doch jetzt musste Luke den ganzen Tag mit diesem Horn auf der Stirn herum laufen. Dustin hatte ziemlich gelacht, als sie zusammen überlegt hatten, wie ihre Freunde und Mitschüler wohl darauf reagieren würden.
Die schwer beladene Gruppe machte sich auf den Weg in den Bahnhof. Dort luden Dustin und Luke ihre Koffer auf einen Gepäckwagen, setzten die beiden Käfige mit Bennie, Dustins Steinkauz und Lukes Zwergohreule Arwen oben drauf und zockelten los zum Gleis 9¾, wo der Hogwartsexpress sie erwarten würde. Mrs. Green redete ununterbrochen auf Dustin ein und fragte Sachen wie „Hast du auch genug warme Pullover?“ und „Hast du an alle Schulbücher gedacht?“. Dustin war mittlerweile von ihrer Fürsorge ziemlich genervt, doch er traute sich nicht, sie zu stoppen. Seit dem Tod seines Bruders wollte er es so gut es ging vermeiden, seine Mutter unglücklich zu machen und nickte daher brav und sagte „Ja, hab ich“ und „Ist alles im Koffer“.
Auf der Rolltreppe quetschte Mr. Green, der selbst ein großer Sport-Fan war, Luke über die nächsten Quidditchspiele aus und bat darum, über die Ergebnisse im kommenden Jahr in Kenntnis gesetzt zu werden. Inzwischen hatten sich weitere Familien zu ihnen gesellt, die keine normale Kleidung trugen und Eulen- oder Katzenkäfige mit sich herum schleppten. Sie mussten sogar warten, bis sie die Absperrung passieren konnten, da in kleines Mädchen vor ihnen große Angst vor der Steinmauer zu haben schien. Offensichtlich stammte sie von Muggeln ab, also waren ihre Eltern, die ebenso viel Angst zu haben schienen, keine große Hilfe.
Mrs. Green war die Retterin in Not. Als Krankenschwester hatte sie ein Händchen fürs Helfen und es wäre gegen ihre Natur gewesen, untätig daneben zu stehen und nichts zu tun.
„Kann ich ihnen vielleicht helfen?“, erkundigte sie sich. „Keine Sorge, wir müssen auch zum Gleis 9¾. Die beiden Jungs da gehen auch nach Hogwarts. Ich heiße Willa Green, das ist mein Mann John, die blonde Grinsebacke links ist mein Sohn Dustin und das daneben sein Freund Luke.“
Dustin schnitt eine Grimasse und guckte zu Luke.
„Na toll“, sagte er leise. „Meine Mutter nennt mich jetzt auch schon Grinsebacke.“
Luke konnte sich einen Lacher nicht verkneifen. Währenddessen hatte Mrs. Green die Familie beruhigt und bot jetzt an, gemeinsam mit ihnen die Absperrung zu passieren. Sie lächelte ihrem Mann zu und winkte.
„Bis gleich.“
Dann lief sie mit dem kleinen Mädchen los und war zwei Sekunden später verschwunden. Die Eltern des Mädchens, jetzt etwas mutiger, rannten hinterher.
„Ach“, seufzte Mr. Green und neugierig schauten die Jungs auf. „Ich liebe deine Mutter.“
Dustin machte ein Gesicht, als hätte er gegorenen Kürbissaft getrunken.
„Mein Gott, was ist denn heute los?“, protestierte er.
Kopfschüttelnd lief er auf die Absperrung zu und war verschwunden. Luke folgte ihm und fand sich nach wenigen Augenblicken endlich auf dem Gleis wieder. Der Hogwartsexpress sah prächtig aus und bei dem Anblick wuchs Lukes Vorfreude ins Unermessliche. Mit federnden Schritten schloss er zu Dustin auf, der den Wagen schob und den Gepäck-Waggon am Ende des Zuges anvisierte. Während sie sich durch diverse Schüler und Eltern schlängelten, hielten sie Ausschau nach bekannten Gesichtern und Freunden.
Unverkennbar war der große Haufen an Menschen, von denen über die Hälfte rote (oder zumindest im Ansatz rote) Haare besaß. Der Weasley- und Potterclan hatte es sich wieder mal nicht nehmen lassen, ein großes Familien-Lebewohl am Bahnsteig zu feiern und um die Erwachsenen wuselten Geschwister, Cousins und Cousinen herum, die ihre Vorfreude kaum noch aushalten konnten.
Aus dieser Familie kannte Luke eigentlich nur James Potter und Molly Weasley. Die beiden Gryffindors waren im selben Jahrgang wie er und Dustin und in den letzten Jahren hatten sie etliche Kurse zusammen gehabt. Im Moment konnte er nur Molly sehen - scheinbar hatte sich James so früh wie möglich von seinen Eltern und Geschwistern los getreten. Vermutlich lungerte er irgendwo mit seinem besten Freund Arnold Greddis herum und schmiedete mit ihm Pläne, die in Gegenwart seiner Eltern mit mindestens 3 Heulern und einem fiesen Spruch von seinem kleinen Bruder Albus quittiert worden wären.
„Hey, da vorne sind Stephen und Souta!“, rief Dustin plötzlich und zeigte zu einer Säule.
Dort standen ihre beiden Schlafsaal-Mitbewohner. Da ihre Väter sehr beschäftigte Männer waren, war es kein Wunder, dass sie nur von ihren Müttern begleitet waren: Soutas Vater war Biochemiker und Professor in Cambridge und daher ein wichtiger Mann an der Universität. Stephens Vater war sogar noch eine Nummer wichtiger, denn er war der engste Vertraute und Berater des Zaubereiministers. Offiziell war seine Amtssbezeichnung Oberster Sekretär, in der Zaubererwelt nannte ihn aber jeder den First Daniel - in ihrem Freundeskreis auch liebevoll First Homie.
„Hey Steve! Souta“, rief Luke und entfernte sich von Dustin und dem Gepäckwagen.
„Lukywooky“, grüßte Stephen.
Die beiden Mütter waren in ein Gespräch vertieft und bemerkten Luke gar nicht. Stephen und Souta schlugen zur Begrüßung auf die flache Hand, die er ihm reichte.
„Alles klar? Nette Ferien gehabt?“, fragte Souta, der fast einen halben Kopf kleiner war als Luke (und in Stephens Fall sogar einen ganzen Kopf).
„Ich kann mich nicht beklagen. Aber für Feriengequatsche ist naher noch genug Zeit. Dustin ist da vorn - wir müssen noch unsere Koffer weg bringen. Hab ihr schon ein Abteil reserviert?“
„Ja. Ich habe Gomorra raus gelassen und sie verteidigt es mit ihrem Leben“, erklärte Stephen. „Diese Eule ist hitzköpfiger als Lauras kleine Schwester Rebbecca.“
„Oder als Laura selbst“, ergänzte Souta und alle drei Jungs lachten kurz.
„Apropos: habt ihr die Mädels schon entdeckt?“
„Gesehen noch nicht“, sagte Souta. „Aber wir haben Mabels Katze Jenna-“
„Jemima“, korrigierte Stephen.
„- und Lauras Uhu Pfeife-“
„Pfiffels“, korrigierte diesmal Luke.
Er musste bei Sotas völlig entnervten Gesicht die Hand vor den Mund halten, um nicht laut los zu lachen.
„Wie auch immer“, rief Souta brüskiert und fuchtelte zur Unterstreichung seiner erschöpften Geduld wild mit den Armen. „Ich konnte mir diese komischen Namen noch nie merken. Jedenfalls parken die zwei Abteile weiter.“
„Ok, dann bis gleich.“
Luke musste immer noch lachen, als er die Hand zum Abschied hob und sich zu Dustin durch kämpfte. Der war ein gutes Stück voran gekommen und nicht mehr weit vom Gepäck-Waggon.
„Warum grinst du so?“, fragte er neugierig.
„Nichts wildes. Nur Soutas typische Situationskomik.“
Wenige Minuten später waren ihre beiden Koffer verstaut und der Gepäckwagen weg gebracht. Sie hatten sogar noch genug Zeit, um ihre Rucksäcke ins Abteil zu bringen, bevor sie sich von Dustins Eltern verabschiedeten. So schnell es ging, suchten nach Stephens und Soutas Abteil, doch bei den vielen Schülern, die aufgeregt auf dem Gang herum rannten war das keine leichte Aufgabe. Recht bald kamen sie zu einem Abteil, vor dem sich mehrere Schaulustige versammelt hatten und gebannt durch die Glasscheibe ins Innere blickten. Durch die verschlossene Tür war lautes, zorniges Geschrei einer Eule zu hören und als Luke und Dustin in das Abteil späten, sahen sie Stephens Schleiereule Gomorra auf der Gepäckablage sitzen. Ihrem permanenten Gekreische nach vermutete Luke, dass sie sich auf jeden Schüler stürzen würde, der ihr Territorium betrat.
„Also, ich würde da nicht rein gehen“, meinte Dustin trocken.
Luke musterte Gomorra mit gemischten Gefühlen - auf der einen Seite war er froh, dass sein Abteil so einen tapferen Verteidiger hatte, auf der anderen Seite konnte er sich noch gut daran erinnern, wie Gomorra in der 4. Klasse seinen Finger blutig gebissen hatte. Dieser Vogel hatte es in sich und Stephen war der einzige, der wusste, wo der Knopf zum Ausschalten war.
„Willst du bis zur Abfahrt den Kuchen deiner Mum mit dir rum schleppen?“, fragte Luke und legte die Hand an die Schiebetür.
Keiner der umstehenden ließ ihn aus den Augen, als er die Tür einen Spalt aufschob und einen Fuß in das Abteil setzte. Diese Darbietung war midestens genauso spannend wie der Kampf zweier Sucher um den Schnatz. Die Anwesenden hielten den Atem an, als Luke herausfordernd zu dem Vogel hinauf schaute. Dieser hatte die Federn aufgeplustert und die Flügel angewinkelt - zumindest hatte er mit dem Gekreische aufgehört, doch er blieb wachsam und beobachtete jede von Lukes Bewegungen mit großem Misstrauen.
„Ja, Gomorra“, sagte Luke langsam und legte im ähnlichen Tempo seinen Besen auf den Sitz. „Ich weiß, dass du mich kennst.“
Luke legte seinen Rucksack ab und ließ die Eule nicht aus den Augen. Offenbar hatte sie sich ein wenig entspannt. Bis jetzt lief doch alles gut.
„...und wenn ich Stephen erzähle, dass du Hackfleisch aus mir gemacht hast wird er selbiges aus dir machen.“
Mit Drohungen konnte der Vogel allerdings nicht umgehen. Kaum hatte Luke das letzte Wort gesagt, kreischte die Eule auf, flog von der Fensterbank und stürzte sich mit gespreizten Krallen auf ihn. Dieser hob schützend die Arme über seinen Kopf und rettete sich mit einem Hechtsprung aus dem Abteil. Bevor Gomorra ausbüxen konnte, schob Dustin die Abteiltür wieder zu. Dann fing er lauthals an zu lachen.
„Du blödes Drecksvieh“, fluchte Luke und zeigte Gomorra durch die Scheibe die erhobene Faust. „Eins verprech' ich dir, morgen landest du in der Suppe!“
Das verstand Stephen also unter mit dem Leben verteidigen.
Mit eingezogenen Köpfen flohen die anderen Schüler vor Lukes Wutausbruch. Weil er der Eule weitere wüste Beschimpfungen entgegen schmetterte und Dustin vor Lachen an der Wand lehnte, bemerkten sie beide nicht, dass sich ihnen jemand näherte. In Dustins Gejohle mischte sich nun das melodische Gelächter eines Mädchens.
„Das ist nicht komisch“, fauchte Luke und drehte sich erst empört zu Dustin.
„Fand ich schon“, sagte das Mädchen und prustete.
Luke wirbelte herum und bemerkte jetzt Lauren, Dustins und seine Klassenkameradin. Ihre dunkelbraunen Haare waren wie gewöhnlich zu einem Pferdeschwanz frisiert, nur ein schräger Pony fiel ihr noch ins Gesicht und umrahmte es perfekt. Über die Ferien hatte sie Farbe und Sommersprossen um die Nase bekommen.
Von einem Moment auf den anderen löste sich Lukes Wut ins Nichts auf. Mit hochrotem Kopf rappelte er sich auf. Als Quidditchkapitän hatte er vor seiner Mannschaft schließlich eine Vorbildfunktion zu erfüllen - auch wenn Lauren sich nicht im Geringsten darum scherte, ob er jetzt eine Position höher bezog oder nicht. Dafür kannten sie sich schon zu lange - und zu gut.
„Der Vogel hätte mich lebensgefährlich verletzten können“, protestierte Luke und gab Dustin einen Schlag auf den Kopf, damit dieser endlich mit dem Gekicher aufhörte.
„Dann wäre es trotzdem immer noch witzig gewesen“, beteuerte Lauren, doch dann setzte sie eine gespielt ernste Mine auf. „Aber du hast natürlich recht. Ich hätte bis ans Ende meiner Tage keine ruhige Nacht mehr gehabt, wenn ich meine Hilfeleistung unterlassen und dir dabei zugesehen hätte, wie du von einer Eule zerhack-stückelt wurdest.“
Sie war mit jedem Wort näher gekommen und beim letzten Satz guckte sie neugierig hinauf zu Gomorra. Dann richtete sie ihren fragenden Blick auf Luke.
„Aber sonst geht's dir gut?“, fragte sie.
„Jopp, ist noch alles dran.“
„Und du, Dustin?“
Das Gelächter des blonden Jungen war verklungen und mit Mühe und hochrotem Gesicht erhob er sich.
„Ja, ach doch, es könnte nicht besser sein“, entgegnete er und grinste noch immer.
„Komm her Laura, lass dich drücken!“, befahl Luke in gutmütigen Ton.
„Au ja!“
Lauren hüpfte ihm um den Hals und warf sie beide fast zu Boden.
Sie hatten sich seit 8 Wochen nicht mehr gesehen und er freute sich jetzt schon wie ein Tier auf das nächste Schuljahr mit ihr. Sie war einer dieser Menschen, in dessen Gegenwart er sich sofort besser fühlte. Sie besaß einen fabelhaften Humor, hatte es faustdick hinter den Ohren und gehörte zu seinen besten Freunden.
Als sie sich lösten, fiel ihr Blick auf seine Stirn.
„Bist du neuerdings unter die Einhörner gegangen?“, fragte sie und grinste breit.
„Och, Shit!“
Luke schob sich die Haare wieder ins Gesicht. Währenddessen sprang Lauren Dustin in die Arme und schlug ihm vor, seinen Rucksack einfach schnell ins Abteil zu schmeißen. Sie öffnete die Schiebetür einen Spalt und sofort ging Gomorras wildes Gekreische wieder los. Dustin zwängte seinen Rucksack hindurch, während Lauren und Luke die Tür und die Eule im Auge behielten. Von außen betrachtet musste es bestimmt komisch aussehen: drei Teenager, darunter zwei Quidditchspieler, trauten sich nicht, es mit einer Eule aufzunehmen.
Dustin hatte den Rucksack ins Abteil gezwängt und erleichtert schoben Luke und Lauren unter missmutigen Blicken von Gomorra die Abteiltür wieder zu.
„Steve sollte seinem Vogel mal Manieren beibringen“, fluchte Dustin. „Meine Eltern suchen uns bestimmt schon. Los, wir haben noch ein paar Minuten.“
„Ich komm mit und suche Ammy“, verkündete Lauren.
Zu dritt stiegen sie aus dem Zug und warfen sich ins Getümmel, das mit jeder verstreichenden Sekunde hektischer wurde. Wer seine Koffer noch am Gepäck-Waggon abgeben wollte, rannte durch die Menge und stieß nicht selten mit Eltern oder anderen Schülern zusammen. Tränenreich verabschiedeten sich die Erwachsenen von ihren Kindern, sagten ein paar letzte mahnende Worte oder baten darum, regelmäßig Post zu bekommen. Luke versuchte, Dustin zu folgen, der sich zielsicher durch die Umstehenden schlängelte.
„Hey, Dustin!“, versuchte Luke noch zu rufen, doch es war schon zu spät.
Ein beleibter Zauberer nebst Gattin und Sohnemann schob sich in Walross-Tempo vor seine Nase und Dustin war verschwunden.
„Zack, weg war er“, sagte Lauren, die immer noch hinter ihm war.
„Hast du Ammy schon gesehen?“, fragte er und drehte sich zur ihr um.
„Nein. Ich vermute, dass- .“
Unerwartet stolperte sie nach vorne. Intuitiv machte Luke einen Satz und fing sie auf, ehe sie auf den Boden flog. Sie prallte gegen ihn und ihre Köpfe stießen versehentlich aneinander.
„Aua“, sagte sie und fing an, zu lachen.
Eigentlich war Luke davon ausgegangen, dass sie sich zu ihrem Anrempler umgedreht und ihm die Leviten gelesen hätte. Stattdessen steckte sie ihn mit ihrer guten Laune an und brachte ihn ebenfalls zum Lachen.
„Alles ok?“, fragte er.
„Ja, danke.“
Für einen kurzen Augenblick sahen sie sich in die Augen.
Wie aus dem nichts schoss ein elektrischer Schlag durch Lukes Körper. Er ging von der Stelle aus, an der ihre Hand noch auf seinem Unterarm lag. Seine Knie fühlten sich plötzlich an wie Wackelpudding. Ihm schwanden die Sinne, und alles, was er noch wahr nahm, war ihr intensiver Blick. Er starrte zurück, direkt in diese einzigartigen, dunkelgrünen Augen mit den braunen Rändern, die in den Strahlen der Herbstsonne leuchteten.
Für Lauren war es vielleicht nur ein kurzer Moment, doch Luke kam es wie qualvolle Ewigkeit vor. Und je länger sie andauerte, umso schneller schien er die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren.
„Hey, da ist Ammy!“, rief Lauren erfreut und nahm die Hand von seinem Arm, um ihrer Freundin zu zuwinken.
Verwirrt sah er an sich herunter. Seine Beine hatten sich - zum Glück - nicht in Pudding verwandelt. Sie sahen immer noch so aus wie vorher, doch diese merkwürdige Benommenheit war immer noch da.
„Kommst du mit?“
Lauren, die schon vorgegangen war, drehte sich fragend zu ihm um. So wie sie aussah, schien mit ihren Beinen alles in Ordnung zu sein. Zudem strahlte sie ihr gewohntes Selbstbewusstsein aus und ihr Gesicht sah nicht im entferntesten so aus, als wenn sich ihre Gedanken für kurze Zeit ins Sanktnimmerlein verabschiedet hätten - so wie bei ihm.
Er sammelte sich und sagte mit kräftiger Stimme: „Ich muss erst noch zu Dustin. Wir sehn' uns später, ok?“
Sie nickte und war verschwunden. Sie war kaum aus seinem Blickfeld verschwunden, als es ihm rasant wieder besser ging. Er fühlte wieder den festen Boden unter seinen Füßen, sein Blick schärfte sich und endlich konnte er sich wieder auf seine Umgebung konzentrieren.
„Werde ich krank?“, fragte er sich leise und schüttelte den Kopf.
So schnell dieses Schwindelgefühl gekommen war, war es auch wieder abgeklungen. Ihm war noch ein wenig flau im Magen, als er sich langsam in Bewegung setzte und seine Suche nach Dustin fortsetzte. Er beschloss, sich nichts weiter dabei zu denken. Wenn es noch mal vorkommen sollte, würde er warten, bis sie im Schloss waren und dann sofort in den Krankenflügel gehen. Denn schon zu Beginn des Schuljahres krank zu werden wollte... konnte er sich nicht leisten.
Er fand Dustin schneller als erwartet.
„Du bist ja ganz blass“, stellte Mrs. Green fest. „Geht es dir nicht gut?“
Er war für ihre Fürsorge sehr dankbar, doch er beruhigte sie schnell. Er wollte keine große Sache daraus machen.
Sie wechselten noch ein paar Worte („Vergiss nicht, uns zu schreiben, Dustin! Denk an deine Schals und sollte es dir mal nicht gut gehen gehst du sofort zur Ärztin!“) und verabschiedeten sich dann von Familie Green. Dustin bekam von seiner Mutter einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt und - zu seiner Überraschung - bekam Luke auch einen. Dann sahen die beiden Jungs zu, dass sie in den Zug kamen.
In der Zwischenzeit hatte sich Stephen um Gomorra gekümmert und sie in ihren Käfig gebracht. Damit die Eule auch wirklich Ruhe gab, hatte er ein blaues Tuch über das Gitter geworfen. Dustins Rucksack lag jetzt auf dem Polster und Luke konnte seinen Besen ohne Bedenken auf die Ablage legen.
Als Dustin ins Abteil kam, sagte er als erstes: „Deine Eule ist gemeingefährlich, Steve. Wenn du mich fragst, ist die nur noch für die Suppe gut.“
Stephen lächelte gutmütig und nickte bestätigend. Er war es schon gewöhnt, dass sich die Leute über Gomorra aufregten. Doch er würde es niemals übers Herz bringen, sich von ihr zu trennen, nur weil sie während seiner Abwesenheit ausfallend wurde.
Luke ließ sich auf das Polster fallen und schloss die Augen. Er fühlte sich immer noch ein wenig benommen und war froh sich endlich setzten zu können. So ernst war es eigentlich gar nicht, denn sein kränklicher Zustand schien den anderen nicht mal aufzufallen. Gut gelaunt schob Souta das Fenster runter, damit sie ihren Eltern auf dem Bahnsteig zu winken konnten. Der Zeitpunkt der Abfahrt war gekommen und wieder einmal fuhr der Hogwarts-Express gen Norden, einem neuen Schuljahr entgegen.
Während Stephen, Souta und Dustin los legten und sich über die Ferien austauschten, war Luke noch mit sich selbst beschäftigt. Zum Glück war Dustin am Erzählen und weil er schon alles über seine Ferien wusste, sah er gedankenverloren aus dem Fenster.
Er hatte jetzt schon die Befürchtung, dass dieses Schuljahr komplett anders werden würde als die bisherigen. Verwunderlich war das schon, denn schließlich erwartete ihn nicht viel neues. Sie befanden sich hinter den ZAGs und die UTZe lagen noch weit vor ihnen. Dennoch spürte er, dass etwas in der Luft lag, ein seltsames, neues Flirren, das aus einer anderen Welt zu kommen schien. Doch konnte er nicht sagen, ob es gut oder böse war.
Hatte es vielleicht sogar was mit Lauren zu tun? Seit dem Missgeschick auf dem Bahnsteig war ihm schon komisch. Hatte sie ihn vielleicht mit irgendwas angesteckt? Nein, unmöglich. Ihrer guten Laune nach war bei bester Gesundheit. Der Zusammenstoß mit ihrem Kopf hatte ganz schön wehgetan, weil sie ausgerechnet seine Beule getroffen hatte.
Aber natürlich. Das musste die Erklärung für sein Schwindelgefühl sein. Die Beule, Kopfschmerzen... . Wow, wann war er so empfindlich geworden?
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er daran zurück dachte, wie sie über den Zwischenfall gelacht hatte. Er hatte damit gekämpft, nicht aus den Latschen zu kippen und sie lachte. Das war so typisch für sie.
Sein Lächeln wurde breiter. Wenn sie jetzt schon so guter Dinge war, würde das nächste Schuljahr ein Fest werden. Er freute sich schon darauf, wieder mit ihr und dem Rest der Mannschaft Quidditch zu spielen, im Gemeinschaftsraum herum zu gammeln oder in Hogsmeade Butterbier zu trinken. Dustin, Stephen, Souta, Ammy, Mabel und Lauren. Das waren Freunde, mit denen es gar nicht langweilig werden konnte.
Im Stillen fragte er sich nur, wann Lauren so einzigartige Augen bekommen hatte.
„Hey Luke, spielst du 'ne Runde Hexenbingo mit?“, fragte Dustin.
„Klar!“
Das Feuer im Kamin prasselte immer noch sich hin. Luke musste unwillkürlich lachen. Wie dumm Jungs manchmal sein können. Das eine Beule die Erklärung für wackelige Knie und Muffensausen war.... so ein Bullshit.
Er war keinesfalls dämlich, seine guten Noten bewiesen es. Doch schulische Intelligenz ist leider nicht dieselbe wie die Seelische. Er hatte es einfach nicht gecheckt, dass es in dem Moment zwischen ihnen gefunkt hatte. Ein kleiner Funken war von Lauren auf ihn übergesprungen und hatte ein Feuer in ihm entflammt, das ihren Namen trug.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Weil ich ein riesiger Fan von Gary Oldman bin, war ich bei unserem ersten Treffen völlig eingeschüchtert. Dabei ist er echt ein cooler Typ und ich habe mich in seiner Gegenwart sofort sehr wohl gefühlt.
Daniel Radcliffe