
von Viola Lily
Von der besonderen Sorte
Nachdem sich Emmilynne Madley am Hufflepuff-Tisch nieder gelassen hatte, wurde der nächste Erstklässler aufgerufen.
„McDougal, Annebirth.“
Ich lachte kurz. Annebirth. Emmilynne. Was sind das für lustige Namen, die ich in meiner Stufe habe? Georgana, Nathan, Marilyn... . Ich fand diese Auswahl immer noch ziemlich spannend, wogegen der Rest meiner neuen Mitschüler nur noch aufwachte, wenn sein Name aufgerufen wurde.
„HUFFLEPUFF!“
Ich hob überrascht die Augenbrauen. Das waren bis jetzt schon ziemlich viele Hufflepuffs, die der Hut ausgerufen hatte. Aber auch Ravenclaws gab es schon viele. Aus den Augenwinkeln sah ich hinüber zum Ravenclaw-Tisch. Lauren saß dort und sprach, während die Hufflepuffs noch klatschten, mit einem anderen Mädchen. Den Namen hatte ich leider schon wieder vergessen, aber sie schien nett zu sein.
Professor Freshad verkündete: „McGowan, Stephen.“
Mein Lächeln vrsteifte sich, als ich die vielen neugierigen Blicke auf mir spürte. Es war nichts neues, das hinter meinem Rücken über mich getuschelt wurde. McGowan. Man könnte meinen, dass mein Nachname genauso bekannt ist wie Potter. Warum hätte Harry Potter nicht Vize-Minister werden können? Warum musste es ausgerechnet mein Dad sein?
Ich hatte esmir zur Gewohnheit gemacht, das Geflüster zu überhören, doch als ich mich umdrehte und auf den Hocker setzte, kam ich nicht umhin, meinen neuen Mitschülern einen eisigen Blick zu zuwerfen.
Kaum, dass ich das alte Leder auf meinem Kopf spürte, legte die piepsende Stimme des Hutes schon los:
Du, mein Freund, bist einer von der besonderen Sorte. Und damit meine ich nicht deine Herkunft. Ich habe selten so einen so interessanten und aufgeklärten Kopf unter meiner Krempe.
Dich könnte man in jedem Haus genießen. Du würdest jedem einzelnen gut tun, allen Slytherins, Grffindors, Ravenclaws und Hufflepuffs.
„Dann ist es doch leicht, sag einfach einen Namen. Egal, welchen.“
So einfach ist es nie, mein Guter. Deine Ruhe und Gelassenheit wäre in Gryffindor zum Beispiel unangebracht. Und für Slytherin fehlt dir das gewisse Etwas die Schärfe, wenn du verstehst, was ich meine? Nein, da wäre Hufflepuff geeigneter... Wobei, wenn, ich darüber nachdenke... . Unterforderungen findest du, wie du sagen würdest, indiskret. Aber für Ravenclaw reicht eigentlich dein Ehrgeiz nicht - du erwartest, dass dir alles zufliegt. Hmmm... .
Unter der Krempe runzelte ich die Sirn. Dieser Hut war vielleicht schlau, aber ich hatte sofort gemerkt, dass er einen Hang zum dramatischen hegt.
„Ich finde, du machst es dir nur unnötig schwer“ seuftzte ich. „Weißt du wie ich darüber denke?“
Schieß los.
„Die Schüler kommen und leben hier doch in einer auserwählten Gemeinschaft, die alle dasselbe Talent haben: Zaubern. So verschieden sind wir in der Hinsicht also gar nicht. Ich finde sowieso, dass alle Häuser irgendwie gleich sind. Ich habe das Gefühl, man wird, sobald man eingeteilt wird, in eine Schublade gesteckt und dementsprechend von anderen Häusern behandelt. Vom richtigen Gefühl und der Einstellung her wird man also erst hinterher zu einem Hufflepuff oder einem Slytherin... .“
War es das?
„Ich hab noch mehr.“
Faszinierend. Du befindest dich bereits auf einem Level, das das eines einfaches Erstklässlers überragt. Nicht unbedingt, was die Intelligenz betrifft, aber dein Gehirn ist vom sozialen und unkomplizierten Denken ein Wunderwerk der Natur. Die komplexesten Dinge werden bei dir in Sekundenschnelle schlicht und einfach. Jeder Hirnforscher hätte seine Freude mit dir. So wie ich: ich finde immer wieder interessante Dinge, über die du dir noch nicht mal im Klaren bist. Schade, aber ich möchte die anderen Erstklässler nicht noch länger warten lassen. Bleib so, Menschen wie dich kann die Welt gebrauchen.
Nach diesem Vortrag gibt es nur einen Namen, den ich nennen werde: ab mit dir nach RAVENCLAW.
Wieder aufrichtig lächelnd lies ich mir von Professor Freshad den Hut abnehmen. Leichtfüßig schlenderte ich zum Ravenclaw-Tisch, der mich mit begeistertem Beifall in Empfang nahm. Ich sah zu Lauren rüber, die mir glücklich zuwinkte.
„Jetzt sind wir doch in einem Haus“, schien sie zu sagen, was ich über den Lärm der anderen Schüler nur erahnen konnte.
Ich setzte mich neben den kleinen Sam Jones, der mir ehrfürchtig die Hand schüttelte. Bei dem Gedanken daran, dass jetzt alle wussten, wer ich war, hoffte ich, dass sie mich nicht wie den Stein der Weisen behandelten oder so.
Der Beifall war verklungen, doch ich spürte immer noch die neugierigen Blicke der anderen auf mir.
„Lass sie glotzen“, sagte Lauren plötzlich so laut, dass es der halbe Ravenclaw-Tisch hören könnte. Gwendolyn Willes wäre vor Scham vielleicht tot vom Stuhl gefallen, doch Lauren nicht.
Ich grinste wieder. Wie sehr ich mich jetzt schon freute, mit ihr in die Schule zu gehen.
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