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Fanfiction

Lauren Broderick plus... - "Hi, ich bin Stephen"

von Viola Lily

Soo, ich beginne dann mal ganz klassisch.
In diesem Kapitel lest ihr von Laurens erster Fahrt als Erstklässlerin nach Hogwarts: welche Eindrücke hatte, wem sie begegnet ist und vor allem davon, wie sie ihren späteren besten Freund Stephen kennen gelernt hat.
Viel Spaß

_________________________

Ausdruckslos folgte Lauren ihrer großen Schwester durch den fahrenden Zug. Esther stiefelte erhobenen Blickes über den Gang und sah vorbei gehende Schüler an, als würde der Hogwartsexpress ihr gehören.
Dabei fuhr sie erst zum zweiten mal in diesem Zug, ausgenommen die beiden Fahrten, als sie über Weihnachten letztes Jahr nach Hause gekommen war.
An einem Abteil blieb sie plötzlich stehen. Zwei Mädchen, etwa in ihrem Alter und vermutlich ihre Freundinnen, schoben die Tür auf und begrüßten sie.
„Hallo Esther, hattest du schöne Ferien?“
„Ging so. Mensch, Tina, du bist ja richtig braun geworden.“
„Ach, das ist noch gar nichts. Du wirst Augen machen, wenn ich dir erzähle, was ich alles in Florida erlebt habe. Mein Onkel hat einfach so ein tolles, altes Haus. Mit einer großen Veranda und... .“
Die drei Mädchen plapperten angeregt miteinander und tauschten sich eifrig über ihre Ferien aus. Lauren befürchtete, dass sie vermutlich die ganze Fahrt hier stehen müsste, wenn sie nicht irgendwie auf sich aufmerksam machte.
„Entschuldigt, wenn ich euch unterbreche, aber-...“
Mitten in ihrem Satz drehten die drei Mädchen gleichzeitig ihren Kopf und guckten sie strafend an. Irgendwie richtig gruselig, aber wenn man bedachte, in welchem Haus sie alle waren, nicht überraschend. Schließlich war Slytherin nicht gerade der Ort, wo sonnige Gemüter ein- und aus spazierten und jeden mit ihrer Freude ansteckten. Dafür waren Hufflepuffs zuständig.
„Entschuldigt“, meinte Esther und ihre Stimme klang milder als der Blick verriet, „Das ist meine kleine Schwester, von der ich euch erzählt habe. Lauren, dass sind Betsy und Tina.“
Esthers Freundinnen winkten kurz und Lauren erwiderte die karge Begrüßung mit einem kleinen Lächeln.
„Sie ist neu und ich hab Mam und Dad gesagt, dass ich ihr helfe, einen Platz zu finden. Ich bin gleich bei euch.“
Mit einem Nicken und einem letzten aufmerksamen Blick auf Lauren verschwanden die beiden Mädchen wieder im Abteil.
„Die beiden waren auch in Slytherin, richtig?“, stellte ich fest, als wir unseren Weg über den Gang fort setzten.
„Ja. Es gibt noch ein anderes Mädchen, aber die ist etwas seltsam.“
Esther schaute in jedes Abteil, an denen sie vorbei gingen, und je länger die beiden Schwestern unterwegs waren, umso leerer wurden die einzelnen Abteile.
Fast am Ende des Zuges bemerkten sie einen jungen Zauberer von etwa 16 Jahren, der einem kleinen Jungen ein leeres Abteil zeigte. Fast ehrfürchtig hielt er dem kleinen Jungen, der kaum älter als Lauren sein konnte, die Tür auf und hätte wohl möglich noch eine Verbeugung gemacht, wenn ihm der kleine Junge vielleicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
Esther bleib kurz stehen, warf einen kurzen Blick über ihre Schulter zu Lauren und lief dann zielsicher auf dieses Abteil zu. Noch ehe die Tür wieder zu gegangen war, hatte sie ihre Hand dazwischen, richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und sah den Jungen von oben herab an - mehr schlecht als recht, er war trotz seines Alter größer als sie.
„Ich nehme an, dass hier noch Platz ist?“, fragte sie, ohne auf dabei auf den leicht entsetzten Blick des älteren Schülers zu achten.
Der Junge starrte sie eine Zeit lang nur ungehalten an und hatte dabei die Hände provozierend lässig in den Hosentaschen stecken. Er wirkte fast wie ein unbekannter, aber mächtiger Lord, der sich gerade eine Bestrafung für eine Marktfrau aus dem Pöbel überlegte.
Letzten Endes sagte er aber nichts, zuckte nur mit den Schultern und setzte sich dann schweigend ans Fenster.
„Los, rein mit dir. Ich gehe eh nicht davon aus, dass hier irgendwo noch was komplett frei ist.“
Mit diesen Worten schob Esther ihre kleine Schwester ins Abteil und stolzierte davon. Lauren, die sich in diesem Moment ziemlich abgeschoben fühlte, blieb mitten im Abteil stehen und überlegte und was sie jetzt am besten tun sollte. Dieser Junge war scheinbar nicht sehr gesprächig und die Aussicht, sich den ganzen Tag mit ihm in einem Abteil aufzuhalten behagte ihr gar nicht. Am liebsten wären ihr ein paar andere Erstklässler gewesen, die sich angeregt über die neue Schule unterhielten und vielleicht sogar schon erste Freundschaften knüpften.
Sie war jetzt schon neidisch auf diese Kinder und beschloss, es dem fremden Jungen gleich zu tun und kein Wort zu sagen. Schweigend legte sie also ihre Tasche, in der sie ihre Schuluniform hatte, auf den Sitz gegenüber und setzte sich. Eine Weile guckte sie aus dem Fenster und sah sich die Landschaft an. Sie fuhren an kleinen Städten vorbei, großen Wiesen auf denen Kühe, Pferde oder Schafe grasten, Seen, Teichen, einmal sogar kurz an der Küste entlang - doch egal wo sie gerade waren, überall war das Wetter genauso, wie die Stimmung im Abteil herrschte: trüb und grau.
Der schweigsame Junge hatte seit der Abfahrt nur einmal kurz das Abteil verlasen und war mit einem Buch wieder gekommen. Während er also las, nahm Lauren ihn genauer unter die Lupe.
Sie fand ihn ziemlich schmächtig und durch seine Größe wirkte er daher wie ein Spargeltarzan. Er trug saubere und teuer aussehende Kleidung - seine Eltern schienen also sehr reich zu sein. Seine kurzen, hellblonden Haare sahen aus, als sei er kürzlich beim Friseur gewesen. Er las das Buch mit einem müden Blick, aber seine flinken Augen verrieten Aufmerksamkeit. Ihre Farbe konnte Lauren aus diesem Winkel nicht erkennen, aber sie vermutete, dass sie, passend zu den Haaren, blau oder grün sein mussten. Besonders fiel ihr seine Nase auf, denn sie schien das einzige zu sein, was ihn nicht makellos machte: sie sah aus wie eine längliche und platte Kartoffel, die in seinem schmalen Gesicht total fehl am Platz schien.
Der Junge schien zu merken, dass er beobachtet wurde und schaute kurz auf. In diesem Moment bestätigte sich Laurens Theorie: seine Auen hatte die Farbe eines von Algen befallenen Bergsees: hellblau bis grün.
Anstatt schnell woanders hin zu sehen, erwiderte Lauren herausfordernd seinen Blick und hoffte dadurch, ihn irgendwie ins Gespräch zu kriegen - und wenn er nur ein genervtes „Kannst du nicht andere Leute anstarren?“ von sich geben würde.
Doch Lauren wurde enttäuscht. Er hob nicht mal eine Augenbraue und widmete sich wieder seinem Buch.
Sie begann sich schon zu fragen, ob er überhaupt nicht sprechen konnte. Taub-stumme Leute gab es ja schließlich. Oder lag es vielleicht an ihr? War sie ihm nicht gut genug, um ins Gespräch zu kommen?
Nachdenklich sah sich Lauren ihr Spiegelbild im Fenster an. Na gut, was ihr da entgegen sah, war nicht gerade attraktiv, aber als 11-Jährige hatte sie sich noch nie viele Gedanken über ihr Äußeres gemacht. Ihre langen, dunkelbraunen Haare hatte ihre Mutter heute morgen noch zu zwei ordentlichen Zöpfen geflochten und ihre eckige Brille war sogar neu. Diese hatte sie zu ihrem Geburtstag zur Einschulung geschenkt bekommen. Sie gefiel ihr und die jetzt noch dunkelroten Bügel würden sich, sobald die Auswahl entschieden war, in die Farbe des Hauses färben. Das hatte ihr Vater so gemacht, aber zwinkernd hinzugefügt, dass die dunkelroten Bügel schon ziemlich gut aussahen.
Blöderweise war ihr vor zwei Tagen ein hässlicher Pickel über der rechten Augenbraue gewachsen, den sie nicht mal mit Zahnpasta weg bekommen hatte. Automatisch fuhr ihre Hand zu der kleinen Beule, die in einem hässlichen, dunklen Rot auf ihrer Stirn thronte.
Im Gegensatz zu seinen schicken Klamotten fühlte sich Lauren in ihrem T-Shirt plötzlich unwohl. Es war zwar bequem, aber es gehörte nicht mal ihr. Immerhin hatten ihre Eltern ihr eine komplette Hogwarts-Garnitur machen lassen, doch dafür musste sie bei ihren Alltagsklamotten fürs nächste Schuljahr sparen. Dieses T-Shirt war das einzige, was nicht im Koffer gelandet war und hatte einmal Esther gehört.
Sie erschrak fürchterlich, als sie neben ihrem Spiegelbild ein weiteres Gesicht bemerkte. Hastig wirbelte sie herum und guckte zur Abteiltür. Ein Mädchen stand unschlüssig davor und wusste nicht recht, ob sie rein oder weiter gehen sollte. Wenig später öffnete sie dann die Tür und steckte ihren Kopf rein.
„Ist hier noch frei? In meinem Abteil hat jemand gefurzt.“
Lauren nickte schnell: „Solange du es ihm nicht nachmachst, kannst du dich hier gern aufhalten.“
Sie war froh, endlich jemanden zum reden zu haben.
„Danke.“
Das Mädchen setzte sich neben Lauren und richtete prüfend ihre Bluse. Sie trug bereits ihre Schuluniform und achtete genau darauf, dass sie keine Falten bekam oder dreckig wurde. Sie schien ein sehr ordentlicher und sauberer Mensch zu sein und ihrer gepflegten Frisur nach schien sie auch aus gutem Haus zu kommen. Sie hatte ein makelloses, fast bleiches Gesicht, aus dem ihre großen, blauen Augen förmlich heraus stachen. Ihre schokoladenbraunen Haare waren lang, lockig und nach hinten gekämmt, wodurch sich im Profil eine leicht gewölbte Stirn offenbarte.
Lauren vermutete, dass sie in ein paar Jahren bestimmt zu den begehrtesten Mädchen des Jahrgangs gehören würde. Neben ihr kam sie sich klein und irgendwie hässlich vor, sodass sie sich noch weiter nach hinten lehnte.
„Ihr nehme an, ihr beide seit auch Erstklässler?“, fragte sie mit ihrer klaren Stimme und guckte erst Lauren und dann den Jungen an, „Mein Name ist Gwendolyn Willes. Und ihr seid... ?“
Etwas kleinlaut sagte Lauren: „Lauren Broderick.“
Gwendolyn musterte sie. An ihrem Blick erkannte Lauren, dass Gwendolyn sie zwar akzeptierte, aber niemals in ihrer Liga spielen lassen würde.
„Und du?“, wollte sie wissen und guckte zu dem Jungen rüber, „Wie heißt du?“
„Stephen.“
Überrascht öffneten sich Laurens Augen. Dieses Mädchen hatte es doch tatsächlich geschafft, ein Wort aus ihm raus zu kriegen.
Gwendolyn nahm eine aufrechte Haltung ein. Unablässig stierte sie den Jungen an und hakte nach: „Und weiter?“
Der Junge schaute gelangweilt von seinem Buch auf: „Nichts weiter. Stephen reicht doch.“
Gwendolyn Willes kniff verärgert die Augebrauen zusammen: „Es ist aber nicht sehr höflich, sich unvollständig vorzustellen.“
Dieser Stephen zuckte mit den Schultern (das schien eine seiner Lieblingsmethoden zu sein, um sich aus Gesprächen heraus zu winden) und schaute dann wieder in sein Buch.
„Er scheint ja nicht besonders gesprächig zu sein“, meinte Gwendolyn Willes und drehte sich zu Lauren hin, „Wo kommst du her?“
„Aus einem Zaubererdorf Names Merlins Milestones.“
„Ein Zaubererdorf? Dann kennst du vielleicht schon ein paar unserer neuen Mitschüler?“, vermutete sie.
„Nur vom sehen. Die Cadwalladers haben eine Tochter, Marilyn, die jetzt auch nach Hogwarts kommt, aber die wollte früher immer nur mit Puppen spielen, deshalb haben wir uns nie so richtig angefreundet. Arnold Greddis und Julie Pritchard wohnen auch noch bei uns, aber ich kenne die beiden kaum.“
„Mit diesem Arnold saß sich eben in einem Abteil“, fiel Gwendolyn Willes ein und wurde plötzlich mürrisch, „Ein komischer Junge, ziemlich frech und laut. Ich glaube, er war es, der gefurzt hat, denn er lachte auf einmal so blöd.
Ich komme aus der Nähe von Birmingham. Meine Eltern arbeiten beide im Zaubereiministerium. Sie wollen gern, dass ich nach Gryffindor komme. Du musst wissen, sie waren auch dort und meine große Schwester ist ebenfalls in diesem Haus. Sie geht in die 5. Klasse und wurde dieses Jahr zu Vertrauensschülerin gewählt, aber das war nicht so überraschend. Mein Dad ist immerhin Mitglied im Zaubergamot und meine Mum arbeitet im Büro für Magischen Strafverfolgung... .“
Kein Wunder, dass dieses Mädchen so einen reichen Eindruck machte - bei den Eltern. In ihrer Stimme schwang sogar ein Hauch Selbstverherrlichung mit, sodass Lauren ein wenig die Stirn runzelte. Menschen, die sich für etwas besseres hielten, mochte sie grundsätzlich nicht, aber weil diese Gwendolyn Willes die Erste war, mit der sie Bekanntschaft gemacht hat, wollte sie sie auch nicht gleich mit einer dummen Zurechtweisung verjagen. Also schwieg sie und hörte dem Mädchen weiter zu.
„...und daher wäre es natürlich toll, nach Gryffindor zu kommen. Dieses Haus ist einfach das berühmteste der 4. Albus Dumbledore war dort, Harry Potter und ich bin mir sicher, hätte es Hogwarts im Mittelalter schon gewesen, wäre Merlin auch in Gryffindor gewesen. Wusstet ihr, das Harry Potters Sohn, James Sirius Potter, dieses Jahr auch eingeschult wird?“
Stephen tat zwar immer noch so, als würde er lesen, doch Lauren war sich sicher, dass er spätestens seit dem Wort Harry Potter aufmerksam zuhörte.
„Im Ernst?“, fragte Lauren, „Woher willst du das wissen?“
„In der Potterbiographie steht sein Geburtsdatum drin: 28.Februar 2004. Folglich müsste er mit uns jetzt eingeschult werden.“
„Es gibt eine Potterbiographie?“, hakte Lauren kleinlaut nach.
„Natürlich. Ich habe sie gelesen“, sagte sie mit einem Ton, der in etwa so klang wie Du etwa nicht?, „In Harry Potters Memoiren seiner ersten 20 Jahre ist ganz hinten ein Stammbaum drin, in dem auch seine Kinder drin verzeichnet sind: James Sirius, Jahrgang 2004. Albus Severus, Jahrgang 2006 und Lily Luna, Jahrgang 2007. Ich bin gespannt, wie er so ist, schließlich kommt er aus einer berühmten Familie. Wenn nicht sogar der berühmtesten unserer Zeit. Noch nach 100 Jahren wird man sich der Taten Harry Potters erinnern und wer wäre da nicht stolz, mit seinem Sohn zur Schule gegangen zu sein... .“
Diese Gwendolyn Willes wusste scheinbar eine Menge. Und irrgendwie doch ein bisschen zufiel. Lauren hatte lange dagegen angekämpft, das Interesse nicht zu verlieren, aber von dieses Mädchen redete wie ein Wasserfall. Und wie bei einem Wasserfall beschloss Lauren, sich drunter zu stellen, die Augen zu schließen und die Worte auf sich rieseln zu lassen, ohne ihnen die geringste Aufmerksamkeit zu schenken.
Aus diesem Wasserfall-Traum wurde sie abrupt gerissen, als es still wurde. Gwendolyn Willes hatte aufgehört zu reden und guckte Lauren jetzt interessiert an.
„Aber so viel zu mir, erzähl doch mal was über dich.“
„Ähm, ich?“, hakte Lauren überrascht nach und richtete sich auf.
„Ja, dieser Stephen-reicht-doch sagt ja nichts.“
Auffordernd schaute Gwendolyn Willes Lauren aus ihren großen, hellblauen Augen an und fügte hinzu: „Du kommst also aus Merlins Milesstones? Und weiter? Hast du Geschwister? Als was arbeiten deine Eltern? In welches Haus würdest du gern kommen?“
Lauren wollte gerade zur Antwort ansetzten, als in diesem Moment die Abteiltür aufgeschoben wurde und eine ältere Frau, die einen Servierwagen vor sich her schob, zu ihnen hinein spähte.
„Etwas Süßes vom Servierwagen, ihr Lieben?“, fragte sie und guckte wie eine liebe, lächelnde Oma von einem Gesicht zum nächsten.
„Nein Danke“, antwortete Gwendolyn prompt, „Zu viel Zucker macht dick und träge. Außerdem werden wir eh bald in Hogwarts ankommen und ich möchte mir so unmittelbar vor dem Festessen nicht den Bauch mit Süßkram voll schlagen.“
Nach dieser Aussage wusste Lauren, dass sie es mit Gwendolyn Willes besonders schwer haben würde. Nicht nur, dass sie viel redete, angeberisch war und sehr direkt sein konnte - dieses Mädchen mochte keine Süßigkeiten, wenn man ihr welche anbot und das war für Lauren ein absolutes No-Go.
Damit Gwendolyn Willes merkte, mit wem sie es hier zu tun hatte, stand Lauren erhobenen Hauptes auf und bat die ältere Frau um ein paar Schokofrösche, Brausedrops und einem Kesselkuchen mit Himbeergeschmack. Sie bezahlte die drei Sickel und machte es sich mit ihren Schätzen wieder am Fenster bequem.
„Möchtest du auch etwas?“, fragte sie Gwendolyn, doch sie schüttelte dankend den Kopf.
„Ich werde erst einen Vertrauensschüler fragen, wann wir ankommen werden. Dann vielleicht.“
Mit diesen Worten stand sie auf, winkte zum Abschied und war verschwunden.
Keine Sekunde später legte dieser Stephen sein Buch genervt beiseite und starrte zur Abteiltür.
„Ich dachte schon, die verschwindet nie.“
Lauren hob erstaunt eine Augenbraue. Nicht wegen Aussage, sondern deshalb, weil er überhaupt etwas gesagt hatte. Sie wollte es zwar nicht unbedingt einsehen, aber er hatte recht: wenn Gwendolyn so weiter geredet hätte, wäre Laurens Geduld bald erschöpft gewesen.
„Du bist doch auch froh, dass sie weg ist, oder?“, hakte er nach und musterte Lauren prüfend.
Diese nickte langsam und biss peinlich berührt in einen Kesselkuchen: „Erst dachte ich, dass es schön wäre, sich mit ihr zu unterhalten, aber irgendwann - .“
„- ist dir ihr Gelaber auch auf den Keks gegangen?“
Lauren verschluckte sich an einem Stück Kuchen.
„Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Genau das wollte ich auch gerade sagen.“
Daraufhin machte dieser Stephen etwas, was ihn, aus Laurens Sicht, in ein völlig neues, viel symphatischeres Licht rückte - er lächelte.
„Hey, du hast ja Zähne“ meinte sie und lächelte ebenfalls.
„Ja, irgendwie schon“, entgegnete er, „Ohne sie wäre vieles im Leben bestimmt schwerer.“
„So wie essen?“, fragte Lauren nach und hielt ihm einen Schokofrosch hin, den er dankend annahm.
Während er ihn auspackte, wurde Lauren neugierig.
„Warum warst du vorhin so schweigsam?“
Stephen biss von seinem Frosch ab und antwortete, nachdem er runter geschluckt hatte: „Keine Ahnung. Ich bin einfach jemand, der erst beobachtet und später aktiv wird - meistens dann zu spät. In der Grundschule war ich eher ein Einzelgänger. Ich dachte, dass alles anders wird, wenn ich nach Hogwarts komme, aber diese Hoffnung wurde mir vor ein paar Tagen irgendwie zu Nichte gemacht.“
„Warum?“
Stephen guckte Lauren lange an und sagte dann: „Mein Dad wurde zum persönlichen Assistenten des Zaubereiministers.“
Lauren bekam große Augen. Sie erinnerte sich an einen Artikel, über den ihre Eltern kurz geredet hatten. Ihre Mutter, die Muggel war, hatte schnell das Interesse daran verloren, aber ihr Vater war deswegen Feuer und Flamme.
Also fragte Lauren: „Dein Dad ist Daniel McGowan?“
Stephen nickte: „Deshalb auch nur Stephen-mehr-nicht. Ich werde den Teufel tun und solchen Lauten wie Gwendolyn Willes erzählen, wer ich wirklich bin. Du hast ja gesehen, wie sie bei Harry Potter und seinen Sprösslingen ausgetickt ist.“
Plötzlich verfinsterte sich sein Blick.
„Hast du ihn schon mal gesehen?“, wollte er wissen.
„Wen? Harry Potter?“
Stephen nickte.
„Nein, nur auf Fotos. Und ich habe viel von ihm gehört, mein Dad arbeitet beim Tagespropheten und ist über alles immer informiert. Und meine Mam ist Muggel, die hat mit unserer Welt sowieso nicht viel am Hut.“
„Interessant. Wie geht es denn dann bei euch zu Hause zu, wenn der Haushalt von einer Muggel-Frau geschmissen wird.“
Lauren verdrehte die Augen: „Selbst wenn sie eine Hexe wäre, würde sie damit nicht klar kommen. Versuch mal, einen Laden zu managen, in dem 8 Kinder ein- und ausgehen.“
Gespannt guckte sie ihn nach dieser Aussage an. Sie war es weitgehend schon gewohnt, aus großen, ungläubigen Augen angeguckt zu werden und wusste, was jetzt kommen würde: Was, du hast 7 Geschwister? oder Dann ist ja bei euch immer was los oder auch Wie schafft deine Mutter das? blablabla... .“
Aber Sephen McGowan lachte nur.
„Heidewitzka. Das es so was noch gibt. Das würde ich auch gern mal erleben.“
Erfreut, weil er ganz anders reagierte als erwartet, schüttelte Lauren beschwichtigend den Kopf: „Ohhh nein, das willst du nicht. 6 von denen sind nämlich jünger als ich und streiten und schreien den ganzen Tag und diejenige, die 1 Jahr älter ist, behandelt mich wie eine lästige Fliege. Glaub' mir, das macht keinen Spaß. Sie führt sich wie ein Chef auf und hasst es, von ihren Geschwistern Wiederworte zu hören. Immerhin können Mam und Dad noch was bei ihr ausrichten, aber das letzte Jahr war sie die meiste Zeit nicht da. Und in Hogwarts haben unsere Eltern keinen Einfluss mehr auf ihre Kinder, also kam sie wie eine verzogene und rechthaberische Slytherin wieder nach Hause. Ich habe echt keine Ahnung, was für ein Problem mit uns hat - früher war sie eigentlich nicht so, erst seit der sprechende Hut sie nach Slytherin geschickt hat. Ich würde gern wissen, warum er das gemacht hat.“
Erschrocken stoppte Lauren und guckte Stephen an, der sie verdattert ansah.
„Sorry, falls dich meine Familienproblemen langweilen sollten, sag Bescheid.“
Er suchte mit seinen Augen nach einem unsichtbaren Dritten Kind, das vielleicht von Laurens Geschichten gelangweilt sein würde und meinte dann: „Also, ich hab nichts dagegen. Es kommt bei mir nicht so oft vor, dass ich so ausgefallene Geschichten zu hören kriege. Aber eine Frage vorneweg. Was hältst du von Slytherin?“
Lauren starrte ihn erbost an und meinte: „Allein weil meine Schwester in dem Haus ist, würde niemals da rein wollen. Außerdem ist sein Ruf alles andere als freundlich.“
Stephens Lippen kräuselten sich und er verschränkte die Arme: „Hab ich mir doch gedacht. Alle scheinen eine natürliche Abneigung für dieses Haus zu haben.“
„Ist doch auch irgendwie verständlich oder? Bei dem, was so viele ehemalige Slyherins getan haben. Voldemort war auch ein Slytherin.“
„Könntest du dir mich in Slytherin vorstellen?“
Diese Frage kam so prompt und schnell, dass Lauren erst mal überrumpelt den Mund hielt. Sie sah Stephen an, der ihr lässig gegenüber saß, ab und zu mal aus dem Fenster guckte und schüttelte dann bestimmt den Kopf.
„Um ehrlich zu sein, wenn ich dich so ansehe würde ich erst mal Nein sagen. Aber… .“
Sie musste genau überlegen, was sie als nächstes sagen wollte. Sie hatte das Gefühl, dass Stephen auf etwas hinaus wollte, aber wie sollte sie das erklären.
Stephen nickte jedenfalls wissend und nahm ihr die Antwort ab: „Verstehst du was ich meine? Viele Erstklässler sind vor der Auswahlzeremonie so voreingenommen, dass für sie nur ein einziges Haus in Frage kommen würde. Aber bevor der Hut seine Entscheidung verkündet, sind wir doch alle irgendwie gleich. Nämlich angehende Hexen und Zauberer, für die alles noch offen ist.
Ich bin gar nicht so wild darauf, den Haut aufzusetzen. Man wird doch nur in eine Schublade gesteckt, in dessen Inhalt wir dann erwachsen werden, sei es besondere Intelligenz oder Tapferkeit. Dabei sind wir alle so verschieden… .“
Jetzt war Lauren an der Reihe, Stephen verdattert - und auch ein kleines bisschen überfordert - anzusehen. Aber im Grunde hatte er irgendwie Recht, dass musste sie zugeben. Esther war das perfekte Beispiel: vor ihrem ersten Jahr war sie noch ein viel herzlicherer und fröhlicherer Mensch als jetzt.
„Ich werde später den Hut fragen, warum er Esther nach Slytherin gesteckt hat. Er kann sich ja bekanntlich an jeden Kopf erinnern, auf der gesessen hat.“
„Meinst du, er wird es dir verraten?“
Lauren zuckte mit den Schultern und griff nach einem weiteren Schokofrosch.
„Ich kann sehr dickköpfig sein, weißt du?“
Mit diesen Worten richtete sie auf und forderte Stephen zu einer Runde „Schwarze Hexe“ heraus.
Stephen stellte sich im weiteren Verlauf der Zugfahrt als witziger und redseliger Gesprächspartner heraus, der an den richtigen Stellen auch mal zuhörte und sie nie unterbrach.
Lauren wusste hinterher selbst nicht, wann und wie das Eis zwischen ihnen geschmolzen war, aber schon bald hatte sie das Gefühl, dass vieles einfach passte: Interessen, Charakter, Humor... dieser Stephen verstand sie ohne viel nachzuhaken und akzeptierte sie so, wie sie war.
Genauso sie auch ihn: es kümmerte sie nicht, ob er eine große Nase hatte, ständig Dinge sagte, die gar nicht passten oder dass er der Sohn des stellvertretendes Zaubereiministers war.
Als der Zug in Hogsmeade einfuhr und sie in der Schlange der Schülermassen standen, die aussteigen wollten, fragte sie ihn: „Meinst du, wir werden im selben Haus sein?“
Er guckte sie kurz an und grinste dann: „Das wäre auf jedem Fall ziemlich cool.“
„Finde ich auch - aber wenn wir in verschiedene Häuser kommen, bleiben wir dann Freunde?“
„Nein, ich lasse dich fallen wie einen heißen Kessel.“
Entsetzt sah sie ihn an.
„Das ist so meine Art, weißt du?“
Jetzt hörte Lauren den sarkastischen Unterton in seiner Stimme und gab schnippisch zurück: „Okay, wenn du ein Slytherin wirst, rede ich kein Wort mehr mit dir. Aber weil ich wegen deines sonnigen Gemüts nicht davon ausgehe werde ich wohl nicht drum herum kommen, deine Freundin zu werden.“
„Bleiben“, verbesserte er und fügte leise hinzu, „Von mir aus sind wir nämlich schon längst welche.“
„Von mir aus auch. Darf ich mich dann noch mal vorstellen? Hi, ich bin Lauren.“
„Hi, ich bin Stephen.“

Er wurde ihr erster Freund auf diesem Abenteuer-Trip, der sich Hogwarts nannte. Und noch ahnte sie nicht, dass sie bald nicht nur das gleiche Haus teilen, sondern die besten Freunde werden würden, die nicht nur die Herausforderung „Jugend“, sondern auch Schicksale und Gefahren gemeinsam meistern mussten.


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