
von Gwen Potter
Mein Leben, wenn man es überhaupt Leben nennen konnte, schien von Tag zu Tag langweiliger zu werden. Ich stand morgens um 6 Uhr in aller Frühe auf, ging zur Arbeit und kam um kurz nach 10 endlich zu Hause an. Was mich allerdings noch mehr aufregte, war der heiße Sommer, denn man kann ziemlich sicher sein, dass alle Blicke auf einen gerichtet sind, wenn du selbst an den heißesten Tagen im Jahr eine Jacke trägst. Nur leider war heute Sonntag, was wohl hieß, dass ich den ganzen Tag in meiner süffigen, kleinen Wohnung saß und über das letzte Jahr nachdachte. Immer wieder kam mir das Haus in Godric's Hollow in den Sinn und immer wieder schweiften meine Gedanken zurück zum letzten Halloween. Ich wusste nicht wer alles in Askaban gelandet war oder welche so taten, als wären sie vom Imperius-Fluch unterworfen gewesen. Ich hatte nichts mitbekommen, da mir sehr wohl bewusst war, dass es viel zu gefährlich wäre sich Informationen zu beschaffen. Leider bekamen die Hexen und Zauberer in Amerika so gut wie gar nichts mit, was mir vielleicht das Leben gerettet hatte. Ja, ok es hatte mir das Leben wahrscheinlich mehr gerettet als alles andere, da ich inzwischen höchstwahrscheinlich auf der GESUCHT-Liste des Ministeriums ganz oben stand. Nur waren die (zu meinem großen Glück) alle viel zu dumm, um auf die Idee zukommen, dass ich ins Ausland gegangen war. Es könnte allerdings auch daran liegen, dass keiner von denen gedacht hätte, dass ich mich unter die Muggel mischen könnte. Was ehrlich gesagt ziemlich dumm war, aber auch den ein oder anderen eben aufgezählten Vorteil hatte. Jedenfalls ist das Leben als Muggel das vermutlich langweiligste und unterdrückenste überhaupt. Vor allen Dingen wenn man gerade zuvor in den angesehensten Rängen des Dunklen Lords stand. Wie jedes Mal, wenn ich an ihn dachte, zog sich mein Magen zusammen, ich spürte Wut und Trauer zugleich und hatte Angst. Wovor? Das wusste ich nicht! Ich glaubte auch nicht es jemals zu erfahren. Ich musste etwas tun und im Moment war es mir ziemlich egal was ich tat. Nur eins stand fest, rumsitzen war es nicht. Ich musste raus, zaubern, wofür war ich denn die angeblich beste Hexe die Hogwarts je gesehen hatte?! War ich diese, um irgendwo nichts zu machen oder war ich die Begabteste um die Welt zu verändern? Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle die zweite Antwort für die beste hielten. Die Welt verändern? Nein, das würde noch kommen. Erst einmal musste ich wieder richtig leben und meine Wohnung sollte der erste Schritt sein.
Innerhalb der nächsten Stunde war alles an seinem Platz, nirgendwo konnte man noch Schmutz oder etwas rumliegen sehen. Die Fenster hatten ein paar Gardinen abbekommen und die Wände waren von einem matten Grauton in ein strahlendes Orange gestrichen worden, während sich auf jedem Tisch und jeder Fensterbank Pflanzen aufgestellt hatten. Ich lehnte mich zurück. Das wäre schon mal geschafft, dachte ich mir und sah mich in meiner (ab jetzt) schönen Wohnung um. Ich war zurück und nicht nur für eine lächerliche Stunde. Mein Leben begann jetzt! Das nächste was ich brauchen würde war eine gute Verkleidung und einen Decknamen, um mich
erneut dem Dunklen Lord anzuschließen, sobald er zurück war.
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