
von silva
Kapitel 7
Mit einem leisen Plopp tauchten Avery, Wayne und Fitzpatrick neben drei weiteren, finster blickenden Männern am Waldrand auf, unweit von Cinas Hütte.
Fitzpatrick schloss die Augen und runzelte konzentriert die Stirn. „Verdammt. Es ist niemand da. Die Hütte wurde vor wenigen Minuten verlassen.“
„Sucht nach Spuren!“, bellte Wayne. Sein Zauberstab sprühte Funken, als er auf einige Farnkräuter einhieb. „Beeilt euch!“
Sie durchkämmten einige Zeit Cinas Grundstück, bis sie Stars Hufabdrücke fanden.
Fitzpatrick beugte sich hinab. „Frische Thestral-Hufspuren, würde ich meinen.“
Avery beugte sich ebenfalls hinab. „Die Hufabdrücke sind tief eingeprägt. Der Thestral trägt mehr als eine Person“, stellte er fest.
„Snape!“ zischte Wayne. „In welche Richtung sind sie geflogen?“
Fitzpatrick schloss wieder die Augen. „Schnurgerade nach Norden.“
Sie blickten alle sechs zu einer Bergkette im Norden.
„Er ist nach Hogwarts mit Mc Laggen, das spüre ich. Blair wird nicht erfreut sein“, sagte Fitzpatrick.
Genau so war es auch. Blair verarbeitete mit seinem Schwert einen alten Stuhl zu Kleinholz, während er schrie „Hogwarts! Ausgerechnet Hogwarts! Einer der am besten geschützten Plätze...“
„Und doch ist es schon mal einer Gruppe Todesser gelungen, dort einzudringen; vor Dumbledores Tod, erinnere dich“, warf Avery ein.
„Schnauze!“, blaffte Blair. Seine Augen glitzerten unheilvoll. „Wir müssen einen Weg nach Hogwarts hinein finden. Alle Menschen, die Snape etwas bedeuten, sind dort.“
Blair hieb auf einen weiteren Holzstuhl ein. Dessen Teile krachten, sauber auseinandergespalten, auf den Fußboden.
„Der Professor könnte einiges wissen“, sagte Wayne in die nachfolgende Stille.
Blairs Miene erhellte sich. „Avery, das Veritas-Serum!“, schrie er.“Der Professor ist uns nützlicher, als ich dachte.“
„Und hier ist dein Reich in den nächsten Tagen“, sagte Severus.
Er zog Cina in ein geräumiges, halbrundes Zimmer im dritten Stock des Westturms. Cina sah sich um. Im Kamin flackerte ein Feuer, dicke Teppiche dämpften jeden Schritt. Ihre Koffer und Needas Taschen standen vor einem Himmelbett mit blauen Vorhängen. Durch drei Fenster fiel die Mittagssonne auf mit Schnitzwerk verzierte Schränke, einen Schreibtisch, einen gusseisernen Ofen mit zwei Kesseln darauf und eine Kommode, auf der Gläser und Flaschen mit Zaubertrankzutaten standen.
Cina stieß einen Begeisterungsschrei aus. „Severus, du hast sogar an meine Tränke gedacht!“
Sie flog ihm um den Hals. „Es gefällt mir.“
Severus sah sie besorgt an. „Du bist noch ein bisschen bleich, Cina. Was hältst du davon, wenn wir uns das Mittagessen aufs Zimmer bringen lassen?“
„Das ist eine sehr gute Idee...“
Mit einem lauten Knall erschien Needa. Cina schrie auf.
Die Hauselfin stolperte über einen der Koffer, schrie „Mared squaress!“ und taumelte gegen Severus.
„Needa! Du hast mich zu Tode erschreckt!“ Cina wirkte noch ein wenig blasser als zuvor.
„Needa ist gestolpert. Nicht böse sein“, quiekte sie.
„Bin ich nicht“, sagte Severus. „Allerdings ist dein Zimmer eine Tür weiter, wenn ich mich nicht irre.“ Er merkte, wie Cina in seinen Armen zitterte.
„Needa wollte die Herrin und den Herrn Snape nicht stören, aber sie sucht ihr Gepäck“, lispelte sie verlegen. Dann nahm sie ihre bunt gemusterten Taschen an sich und lief zu einer kleinen Verbindungstür, die in das Zimmer nebenan führte.
„Danke für deine und Rudys Hilfe heute morgen. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ihr zwei nicht sofort gekommen wärt“ sagte Cina leise.
„Die Herrin hat auch Needa schon gerettet“, lispelte Needa, lächelte und schloss die Tür.
„Und ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn du nicht gekommen wärst...“ Cina stockte. Tränen rannen über ihr Gesicht. Schnell barg sie ihren Kopf an Severus Brust.
„Ich habe nicht viel Erfahrung damit, weinende Frauen zu trösten“, meinte Severus. Etwas hilflos strich er über Cinas Haar.
„Halt...mich einfach fest. Und bleib...bei mir“, brachte Cina hervor.
Also hielt Severus Cina in seinen Armen, bis sie nicht mehr schluchzte.
„Komm und setz dich, Cina. Heute bin ich dran, mich um dich zu kümmern“, sagte Severus. Er zog Cina zum Bett, breitete eine Decke um sie und legte seinen Arm um ihre Schultern. „Die ganze Zeit bei dir hast du so wunderbar für mich gesorgt“.
„Es ist...sie waren so nah dran, mich zu entführen. Sie waren so plötzlich da und hatten ihre Zauberstäbe auf mein Herz gerichtet“, sagte Cina. Ihre Augen waren vor Angst geweitet. „Ich hatte kaum eine Chance. Weißt du, plötzlich kam wiederalles hoch, die vielen Male, wo Todesser uns nachts überfielen...Mir ist kalt, Severus...“
„Das kommt vom Schock. Warte.“ Severus schlug die Bettdecke beiseite. Als Cina unter dem Daunenbett lag, breitete er noch eine Decke über sie und legte Feuerholz nach. Dann zog er seinen Umhang aus und legte sich zu ihr.
„Besser?“, fragte er.
„Viel besser“, murmelte Cina. Sie seufzte und legte ihren Kopf auf Severus Schulter.
„Erzähl mir davon, Cina.“
„Bekommen Sie keinen Ärger mit Ihren Kollegen, Herr Schulleiter, wenn Sie so lange bei mir bleiben?“, fragte Cina.
„Ich habe mir heute bis um sechs Uhr abends frei genommen. Das ist ein...“
„Privileg des Schulleiters“, beendete Cina seinen Satz.
Severus lachte leise. Dann wurde er wieder ernst. „Und jetzt erzähl.“
„Weißt du, in der Zeit, wo wir uns verstecken mussten, war ich nach dem ersten Überfall immer darauf vorbereitet, dass nachts jemand kommen könnte...Ich hatte Angst, deshalb war ich wachsam. Heute war ich nicht vorbereitet und das war...dumm von mir. Ich hatte damals immer meinen Zauberstab und Neruskraut am Bett liegen. Und das Springkraut hatte ich auch griffbereit“, erzählte Cina. „Zum ersten Mal haben die Todesser Needa und mich und eine Bekannte überfallen, als wir uns schon zwei Monate versteckten...“
Severus wachte auf, als jemand klopfte. Schnell erhob er sich und nahm an der Tür
von zwei Hauselfen in Küchenschürzen schwebende Schüsseln mit Suppe, Braten, Kartoffeln, Erbsen, Möhren, und Pudding in Empfang. Die beäugten seine nackten Füße, sagten jedoch nichts.
„Aufwachen, du Schlafmütze“, sagte er. „Es ist schon halb vier.“
Aus einer Zimmerecke ließ Severus einen Tisch, Kerzen, Geschirr und Besteck herüber schweben, während Cina versuchte, ihr zerknittertes Kleid wieder in Form zu bringen und die Spuren ihrer Tränen beseitigte.
Als er sie rief, brannten die Kerzen und einige Rosenblüten lagen auf dem Tisch.
„Du machst das sehr gut“, sagte sie.
„Was denn genau?“ Severus zog eine Augenbraue hoch.
„Wie du dich um mich kümmerst. Das solltest du öfters tun“, meinte Cina und lächelte Severus an.
„Ich hatte eine gute Lehrmeisterin.“
„Ich habe dich gerade zusammengeflickt“, murmelte Cina, während sie gedankenverloren den letzten Rest Nachtisch auf ihrem Teller zusammenkratzte. „Und morgen früh riskierst du schon wieder deinen Hals bei der Jagd auf diese Todesser.“
„Wir haben noch heute Abend – und die halbe Nacht“, sagte Severus leise. Er griff Cinas Hand. „Und wenn ich wiederkomme, - und ich werde wiederkommen, Cina, - dann haben wir so viel Zeit, wie wir es uns gewünscht haben. Ich habe es der Fürsprache von Professor Mc Gonagall zu verdanken, dass ich den Schulleiterposten vorzeitig abgeben kann, schon ab übermorgen. Wenn ich dann nur noch Fachlehrer bin, muss ich nicht mehr in Hogwarts wohnen.“
Cina strahlt ihn an. „Das sind wunderbare Neuigkeiten! Aber wirst du deine Arbeit als Schulleiter nicht vermissen?“
„Nein“, erwiderte Severus. „Ich habe lange genug eine große Verantwortung für Hogwarts und Harry getragen. Ich habe lange genug geholfen, die restlichen Todesser zu jagen. Jetzt habe ich andere Pläne.“ Ein Lächeln umspielte seinen Mund. Mehr konnte Cina nicht aus ihm herausbekommen.
Die Turmuhr schlug sechs Uhr. Hand in Hand eilten Cina und Severus durch die Gänge des West- und des Nordturmes. Vor Severus Büro im Nordturm warteten sechs Männer und eine Frau in Reiseumhängen. Zwei der Auroren erkannte Cina. Den dunkelhäutigen Kingsley und einen der jungen Auroren mit blonden Haaren namens Scott. Ihn hatte sie vor über einem Jahr von schweren Schnittverletzungen geheilt. Nachdem Cina Kingsley und Scott begrüßt hatte, verabschiedete sie sich mit einem flüchtigen Kuss von Severus; nicht ohne erstaunte Blicke einiger Auroren auf sich zu ziehen.
Cina fühlte sich in ihre eigene Schulzeit in Hogwarts zurückversetzt, als sie durch hohe Säulengänge schritt und den Rasen vor Gewächshaus drei überquerte. Professor Sprout, Lehrerin für Kräuterkunde, kam ihr am Eingang des Gewächshauses entgegen. Ihr von der Arbeit im Freien wettergegerbtes Gesicht verzog sich zu einem freundlichen Lächeln.
„Willkommen in Hogwarts. Nennen Sie mich Pomona“, begrüßte sie Cina herzlich. „Ich hoffe, Sie haben sich vom Überfall heute Morgen etwas erholt, meine Liebe. Die Geschichte hat im Kollegium für Aufregung gesorgt, zumal es Horace und mich auch mit einem Schockzauber erwischte, kurz vor ihrer Hütte.“
Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern zog Cina mit sich fort, durch die riesigen Gewächshäuser. Dann und wann wich sie einigen Ranken einer Schlingpflanze aus, die sich nach ihnen streckten. „Vorsicht vor den giftigen Tentakula – Severus hat mir erzählt, dass Sie gern die Gewächshäuser anschauen würden und welche Koryphäe Sie auf dem Gebiet der Kräuterkunde und des Zaubertrank-Brauens sind. - Hier stehen Alant und Beifuß...Schauen Sie, Cina, ich habe hier einige Springkrautpflanzen, die kränkeln. Vielleicht haben Sie eine Idee, was denen fehlt.“
Zum Abendessen ging Cina gemeinsam mit Pomona in die große Halle. Sie sah, wie einige Schüler neugierig ihre Köpfe wandten und tuschelten, als Pomona ihr den Platz zwischen Professor Slughorn und Severus anwies. Severus sah sie liebevoll an. Dann schritt er zum Rednerpult. Das Gemurmel der Schüler verstummte.
„Wie ihr alle unschwer feststellen könnt, haben wir heute Abend mehrere Gäste. Begrüßt mit mir Kingsley Shacklebolt, den Leiter des Aurorenbüros, mit seinen sechs besten Auroren: Miss Christyn, Mr. Scott, Mr. Finney, Mr. Ronin Mr. Carry und Mr. Mc Leod“, dröhnte Severus magisch verstärkte Stimme durch die Halle.
Unter Johlen und Klatschen der Schüler erhoben sich die Auroren kurz.
„Begrüßt mit mir einen weiteren Ehrengast. Eine hervorragende Heilerin, die mir letzte Woche das Leben rettete: Miss Mc Laggen.“
Cina erhob sich kurz und errötete, als ein tosender Beifall losbrach.
„Beachtet bitte, dass es streng verboten ist, das Schlossgelände zu verlassen“, fuhr Severus fort. „Es halten sich immer noch einige sehr gefährliche Todesser im Umkreis auf.“
Ein kurzes Raunen ging durch die Schülerschar.
„Zuletzt noch eine gute Nachricht: Die Examina in Verteidigung gegen die dunklen Künste sind für morgen ausgesetzt, da ich mit den Auroren unterwegs sein werde“, beendete Severus seine Rede.
Die Schüler klopften auf die Tische und johlten, während auf den Tischen Krüge mit Kürbissaft, dampfende Suppenschüsseln und Platten mit belegten Broten und Salaten erschienen.
„Tja, meine Liebe“, raunte Professor Slughorn Cina zu. „Severus ist außerordentlich beliebt, seit er nicht mehr so...bissig ist. Und Sie als seine Lebensretterin jetzt auch.“
Cina musste unwillkürlich lächeln.
Severus schenkte Cina Wein ein. „Cina, möchtest du nicht die Vertretung für Professor Perkins in Kräuterkunde übernehmen? Er wird immer noch vermisst.“
Cina sah Severus überrascht an. „Severus, du und Needa und Rudy, ihr habt mir heute das Leben gerettet. Lass uns zuerst darauf anstoßen.“ Sie hob ihr Glas.
„Auf deine Rettung“, sagte Severus, hob sein Glas und prostete Cina zu. „Und?“ In seinen Augen erschien ein Glitzern.
„Meinst du wirklich, ich könnte unterrichten, so lange du diesen Blair jagst, der schon einmal dein Leben bedroht hat?“, fragte Cina heiser. Sie bemerkte, dass jemand zu ihr und Severus hinübersah. Es war die junge Aurorin, die an der Seite des hufeisenförmigen Lehrertisches neben Kingsley saß.
„Diese junge Aurorin, was meinst du, Severus, was sagt ihr Freund dazu, wenn sie so einen gefährlichen Auftrag hat?“, fragte Cina.
„Nun, es gibt zwei Möglichkeiten, das herauszufinden“, antwortete Severus. „Du könntest sie fragen.“
„Oder?“
„Ich könnte ihr tief in die Augen blicken und etwas Legilimentik anwenden.“
„Untersteh dich! Du hast was versprochen!“ Cina blitzte Severus an und trat ihn gegen das Schienbein.
„Du...“
„Was sich liebt, das neckt sich“, dröhnte plötzlich Hagrids tiefe Stimme hinter ihnen. „Bei euch is` das jedenfalls so. Cina, ich war auf` m Weg zu Star. Sie is´ sehr unruhig. Kommst du gleich noch im Stall vorbei? Kannst auch jederzeit auf ´ne Tasse Tee zu mir reingucken.“
„Danke für die Einladung“, erwiderte Cina. „Ich schaue gleich nach Star.“
„Cina, du bist...“, setzte Severus an, während Hagrid davon schlurfte. Doch er wurde schon wieder unterbrochen.
„Severus, ist es wirklich wahr; es war nicht nur ein einzelner Todesser, sondern einige alte Anhänger von Voldemort haben sich zusammengetan? Mit dem Ziel, Sie umzubringen?“, fragte Professor Mc Gonagall.
„Ja, Minerva, genau so ist es. Ich spüre, dass sie hinter mir hinterher sind. Dass sie versuchten, Cina zu entführen und auch, dass Professor Perkins verschwunden ist, passt genau in ihre Vorgehensweise.“
„Das ist schrecklich, wirklich schrecklich. Wie gut, dass das Ministerium die besten Auroren gesendet hat, die sie haben.“ Professor Mc Gonagall wandte sich an Cina und tätschelte ihren Arm.“Seien Sie unbesorgt, Severus hat schon ganz andere Kämpfe überstanden. Und hier in Hogwarts sind Sie derweil sicher.“
Cina rang sich ein gequältes Lächeln ab.
„Diese Sache muss im Keim erstickt werden. Blair ist ein äußerst gefährlicher Mann, so viel steht fest“, dröhnte Professor Slughorn von rechts. „Machen Sie der ganzen Sache schnell ein Ende, Severus.“
„Ich werde mich bemühen, Blair zu fassen“, versicherte Severus. „Aber sicher haben Sie bemerkt, wie raffiniert er vorgeht, Horace. Daher kann ich nicht garantieren, dass wir ihn schnell fassen.“
„Voldemorts Gedankengut wirkt auch noch über seinen Tod hinaus“, warf Professor Flitwick von links ein. „Schauen Sie doch, wie er selbst einige der jungen Leute, die höchstens ein Jahr unter ihm dienten, verblendet und manipuliert hat. So verblendet, dass sie selbst nach dem Sieg über ihn seine Feinde weiter jagen und seine Gedanken vom reinen Zaubererblut weiterverbreiten...“ schnaufte Professor Flitwick. Roter Wein schwappte über den Rand seines Glases, denn er gestikulierte heftig beim Reden
„Wenn man sie ließe, würden sie eine neue gefährliche schwarzmagische Bewegung aufbauen, dieses Mal unter Blairs Führung“, sagte Professor Mc Gonagall ernst.
Severus nahm unter dem Tisch Cinas Hand und drückte sie. „So weit wird es nicht kommen. Dafür werden wir sorgen“, sagte er bestimmt.
In der Abenddämmerung schlenderten Severus und Cina durch die Schlossgründe. Der Schwarze See spiegelte den orangeroten Abendhimmel. Eine schwarzgraue Wolkenbank, die schnell von Westen her aufzog, wurde von einem Wetterleuchten erhellt.
„Ich weiß, du musst mit den Auroren gehen. Aber ich habe Angst um dich, Severus“, ergriff Cina das Wort. „Wir haben uns gerade erst gefunden. Ich möchte dich nicht verlieren.“
Severus blieb stehen und sah Cina in die Augen. „Wir werden uns nicht verlieren, Cina. Dieses Mal nicht.“
„Dieses Mal?“, echote Cina.
„In der Vergangenheit habe ich eine Frau, die ich liebte, verloren. Sie ist durch meine Schuld gestorben.“
„Lilly“, murmelte Cina.
„Ja. Das soll mir nicht noch einmal passieren. Dich will ich nicht verlieren, Cina. Deshalb muss ich etwas gegen die unternehmen, die dich bedrohen, verstehst du?“
Cina nahm seine Hand. „Das mit Lilly ist lange vorbei. Und – du konntest nicht wissen, dass Blair aus Askaban entkommen würde und versuchen würde, mich zu entführen. Hier in Hogwarts bin ich in Sicherheit.“
„Ja. Doch Blair ist hartnäckig. Und du bist sein bevorzugtes Ziel. Ich werde nicht warten, bis er wieder versucht, an dich heranzukommen, Cina.“ Ein Blitz erhellte Severus Gesicht. Er sah entschlossen aus.
„Ich verstehe, warum du gehen musst“, sagte Cina, während ein Windstoß ihre Haare flattern ließ. „Ich wünschte nur, ich könnte dir irgendwie helfen. Dann würde ich mir nicht solche Sorgen um dich machen.“
Severus sah Cina liebevoll an. „Du kannst mir von Hogwarts aus helfen, Cina. Indem du daran glaubst, dass wir es schaffen. Und indem du dies hier...“ Er hielt inne, um in den Taschen seines flatternden Umhangs etwas zu suchen. Endlich fand er ein kleines Kästchen aus hellem Holz. „Und indem du dies hier trägst.“
Er öffnete das Kästchen. Im Licht des nächsten Blitzes leuchteten zwei Ringe mit einem blau, grün und lila irisierenden Stein. Cina stockte der Atem bei ihrem Anblick.
„Die sind wunderschön...Moment, Severus Snape, sollten das etwa...Verlobungsringe sein?“
Cina schaute verblüfft und erfreut zugleich.
Er lächelte sie an. „Wenn du willst, ja.“
„Und ob ich will.“ Cina hielt ihm ihre Hand hin.
Der Ring fühlte sich eigenartig warm an, eher wie ein lebendiges, warmes Wesen, das sich um ihren Finger wickelte, als wie ein kalter Silberring. Da wusste Cina, es war ein magischer Ring und es steckte noch mehr hinter diesem Geschenk.
Glücklich strahlte sie Severus an. „Jetzt gib mir deine Hand“, sagte sie.
Es begann zu regnen und auch das Donnern kam näher, doch beide bemerkten es kaum.
Severus Hand zitterte leicht, als Cina ihm den zweiten Ring ansteckte.
Blaue, grüne und lilafarbene Funken sprühten aus Severus Ring und bildeten einen schimmernden Lichtbogen hin zu Cinas Hand.
„Was...?“, rief Cina in dem Moment, in dem blaue, grüne und lilafarbene Funken auch aus ihrem Ring sprühten und einen zweiten schimmernden Lichtbogen hin zu Severus bildeten.
Dann verblassten die Bögen und lösten sich auf.
„Was war das?“ flüsterte Cina. Severus hatte sie selten so verblüfft gesehen.
„Das ist walisischer Mondstein, Cina“, sagte Severus leise. „Er kann dir jederzeit zeigen, wo der Mensch ist, den du liebst. Vorausgesetzt, er trägt den zweiten Ring am Finger oder am Körper. Dieser Zauber wirkt selbst durch Schutzzauber hindurch.“
„Du bist unglaublich, Severus.“ Sie blickte auf den Ring, dann in seine unergründlichen schwarzen Augen. „Und wie genau finde ich heraus, wo du bist?“
„Du berührst den Stein und denkst an mich. Das ist alles.“
„So können wir uns nicht verlieren!“ Cina drückte Severus ungestüm an sich.
Sie liefen im strömenden Regen Hand in Hand zurück zum Schloss, durch fast leere, von Fackeln erhellte Korridore und schließlich die Treppen zum Westturm hinauf. Einige Schüler blickten den beiden verblüfft hinterher.
Needa hatte ein Feuer angezündet und Wasser auf dem Herd aufgesetzt. Durch die Verbindungstür hindurch hörten sie sie mit Rudy reden und lachen.
Etwas später saßen sie vor dem Kamin. Das Knistern des Feuers übertönte das laute Prasseln des Regens, der gegen die Scheiben des Gästezimmers schlug.
„Was wolltest du mir eigentlich sagen, nachdem ich dir gegen das Schienbein getreten bin?“, fragte Cina.
„Ich wollte sagen, du solltest den Schulleiter nicht in Gegenwart seiner Schüler vors Schienbein treten. Was sollen die Schüler von solch einem Verhalten denken?“ Severus strich Cina über das Haar. Dann nahm er einen Schluck Jasmintee.
„So, so“, murmelte Cina und gähnte. Sie zog den Bademantel, der ihr etwas zu groß war, enger um sich und prostete Severus mit ihrer Tasse Jasmintee zu.
„Auf meinen klugen und mächtigen Zauberer, der mal wieder an alles gedacht hat. Und darauf, dass du schnell und gesund wieder zurückkehrst.“
„Auf meine hübsche und kluge Kräuterhexe“, sagte Severus sanft. Dann nahm er Cina die Tasse aus der Hand und zog sie in seine Arme.
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