
von silva
Kapitel 11
Der Briefkasten in Cinas Hütte quoll über vor Bestellungen, auf dem Küchentisch warteten mehrere Eulen unverdrossen darauf, dass man ihnen die Post abnahm. Needa rührte, eingehüllt in rosafarbene und gelbe Dunstschwaden, in einem Kessel. Cinas Herz machte einen Freudenhüpfer, als sie das sah.
„Schön, dass du schon angefangen hast“, sagte Cina. Sie beugte sich zu ihrer Katze Mons hinunter, um sie an den Ohren und am Hals zu kraulen. „Geht es dir wieder besser, Needa?“
Needa begann wieder zu schluchzen, Cina sah, dass einige Tränen, groß wie Münzen, über ihr Gesicht kullerten und in den Trank fielen, in dem sie rührte.
„NEEDA, WEG VOM TRANK!“, schrie Cina auf.
Nicht einen Moment zu spät warf sich Needa zur Seite. Mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte das Gebräu, braungrüne stinkende Klumpen klatschten gegen Wände, Decke und den Schildzauber, den Cina rasch zwischen sich, Needa und den Herd warf.
Needa schluchzte noch lauter. „Nee-da ist...un-tröstlich“, brachte sie hervor. „Und das am Ver-lobungs...tag meiner Her-rin.“
„Ach, Needa.“ Cina reichte Needa ein Taschentuch und legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Tergeo!“, rief sie, den Zauberstab mit der anderen Hand schwingend.
Mit einem schmatzenden Geräusch wurden die Klumpen aufgesogen.
Needa schnäuzte sich geräuschvoll. „Needa wollte so gern ihre...ganze Zeit mit Rudy verbringen. Aber Needa...kann nicht in Hogwarts in der...Küche arbeiten.“
„Weißt du, Needa, du bist zum ersten Mal verliebt. Am Anfang, wenn man jemanden kennenlernt, möchte man Tag und Nacht mit ihm zusammen sein“, sagte Cina leise. „Ich finde, du hast dich richtig entschieden, wieder hierhin zu kommen. Ich weiß, wie gut du Tränke braust und alle Sorten von Kräutermedizin anfertigst. Es ist wichtig, dass man seine eigenen Träume und seine Wünsche nicht aufgibt.“
Needa nickte und wischte die letzten Tränen aus ihren großen dunkelgrünen Augen.
„Wird die Herrin hier in der Hütte bleiben und kann Needa ihr weiter mit den Kräutern helfen?“ Die Hauselfe blickte Cina hoffnungsfroh an.
„Das werde ich, Needa. Severus war nicht sehr glücklich darüber.“ Cina seufzte. Mit gesenkter Stimme setzte sie hinzu „Erzähl ihm also besser nichts von dem kleinen Unfall mit dem Trank, sonst muss ich mir wieder anhören, wie gefährlich meine Arbeit ist und dass er sich Sorgen um mich macht.“
Needa lachte laut und quiekend. „Genau...das hätte...Rudy auch...gesagt“, schnaufte sie.
Cina zwinkerte Needa zu. „Ich werde Rudy auch nichts verraten.“
Gemeinsam pflückten sie Baldrian und Heckenrosenblüten, gruben Affodill- und Beinwellwurzeln aus und stellten die Kräuter und Tränke für die Bestellungen zusammen.
„Schon vier Uhr!“, rief Cina erschrocken nach einem Blick auf ihre Uhr. „Wir sollten uns beeilen. Um sieben geht die Feier los. – Needa, bringst du bitte die Bestellungen nach Hogsmead und Marston? Ich fülle den Stärkungstrank ab, den du schon heute Morgen gebraut hattest...“
„Den, der nicht explodiert ist, meint die Herrin“, quiekte Needa sichtlich vergnügt.
„Genau. Und ich setze Heckenrosenöl an“, beendete Cina ihre Überlegungen.
Mit einem Knall verschwandt Needa samt zwei großen Umhängetaschen und elf Weidenkörben, aus denen Päckchen quollen.
Auf dem Küchentisch türmten sich jetzt noch vier kleine Körbe mit Heckenrosenblüten, Ölflaschen und Etiketten. Eilig ließ Cina hunderte von kleinen Flaschen aus hellbraunem Glas aus dem Vorratsraum auf den Tisch neben den Kessel schweben und begann mit dem Abfüllen des Stärkungstrankes.
„Es sieht so aus, als könntest du etwas Hilfe gebrauchen“, ertönte eine tiefe Stimme direkt hinter Cina.
Überrascht stieß Cina einen kleinen Schrei aus. Die Flasche, die sie gerade abfüllte, entglitt ihr. Doch wider Erwarten zerbarst sie nicht auf dem Boden, sondern schwebte knapp darüber. Severus nahm sie und drückte sie Cina in die Hand.
„Severus, musst du mich dermaßen erschrecken“, schimpfte Cina. „Du könntest wenigstens vors Haus apparieren und anklopfen.“
„Nicht böse sein. Ich wollte auf dem schnellsten Weg zu dir.“ Severus zog Cina in seine Arme.
„Was machen die Festvorbereitungen?“, murmelte Cina.
„Es ist alles fertig. Daher habe ich mir für den Rest des Nachmittags frei genommen“, sagte Severus leise. „Es fiel mir ein, dass du, wie ich dich kenne, bis zur letzten Minute arbeitest.“ Er sah über seine Hakennase lächelnd auf sie herab.
„Eigentlich nicht. Ataira wollte beim Abfüllen helfen. Doch sie musste zu einem Verletzten.“ Cina seufzte.
„Komm, ich helfe dir“, sagte Severus.
Sie standen nebeneinander am Herd und füllten purpurfarbenen Stärkungstrank aus dem letzten der drei Kessel in kleine Flaschen.
„Das machst du sehr gut“, bemerkte Cina. „Ich könnte dich als meinen Assistenten anstellen, wenn Needa mit Rudy durchbrennt“, neckte sie Severus, als sie einen Korken auf ihre letzte Flasche drückte.
„Tatsächlich?“, brummte er und sah auf.
„Schau mich nicht so an, Severus, - sonst vergesse ich alles, was ich heute noch machen wollte“, sagte Cina und errötete.
„Darf ich deinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen?“ Severus strich Cina eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Erstens: du wolltest dir etwas zum anziehen für heute Abend in Glasgow besorgen. Zweitens erwähntest du Heckenrosenöl. Das lass Pomonas Sorge sein. Sie kommt gleich. Und Drittens...“ Er kramte in den Taschen seines Umhangs und brachte einen rotbraunen Lederbeutel zutage, den er Cina reichte. „ Drittens ist dies mein Geschenk zur Verlobung. Damit du dir das Kleid kaufen kannst, das du möchtest.“
„Aber das kann ich nicht...“
Severus legte Cina einen Finger an die Lippen. „Keine Widerrede. Der Beutel mit den Galeonen gehört dir.“
Cina flog Severus um den Hals. „Severus, das ist sehr großzügig von dir – du hast wirklich an alles gedacht“, flüsterte Cina.
„Bekommt dein zukünftiger Verlobter dafür einen Kuss?“
„Natürlich. Auch zwei oder drei...“ Cina legte lächelnd ihre Hände um Severus Hals und küsste ihn.
Es klopfte an der Hüttentür. Severus und Cina bemerkten es nicht.
„Ihr seid ja schon wieder am rumturteln“, sagte Pomona, als sie eintrat und inspizierte das Kräuterregal an der Tür. „Teufelsschlingensamen! Die waren seit einem Jahr nicht mehr zu bekommen“, rief sie begeistert.
Cina löste sich von Severus und umarmte Pomona. „Schön, dass du mir hilfst. Du kannst dir gern eine Tüte von dem Samen abfüllen, Pomona.“
Mit einem Schwenk ihres Zauberstabs ließ Cina eine kleine Waage und bunte Glasflaschen in allen Formen und Größen auf den Küchentisch zwischen die Heckenrosenblätter und das Öl schweben.
Pomona begann, Heckenrosenblätter abzuwiegen.
„Severus, ich habe auch ein Geschenk für dich, komm mal mit in Needas Zimmer“, sagte Cina gutgelaunt.
Zielstrebig steuerte sie auf eine große Holzkiste hinter Needas Bett zu. Sie bückte sich hinunter und holte etwas aus der Kiste. Severus reckte neugierig den Hals, doch er konnte nichts erkennen.
„Schau, so hält man sie.“ Cina drehte sich um.
In ihrer linken Armbeuge lag ein kleines schwarzes Fellknäuel, das sie mit der Rechten vorsichtig umfasste. Das Fellknäuel öffnete ein paar unglaublich blaue Augen, die zu riesig schienen für das kleine Katzengesicht.
„Ist sie nicht niedlich?“, fragte Cina. „Sie ist aus dem letzten Wurf von Atairas Katze. Ich habe das schönste und lebhafteste Kätzchen für dich ausgesucht.“
Severus lächelte, sagte aber nichts. Er wäre nicht erstaunter gewesen, hätte Cina ihm eine von Hagrids Kreaturen, wie etwa einen Drachen, einen Moc-Wurm oder einen knallrümpfigen Kröter, geschenkt.
Cina legte ungefragt das Kätzchen in Severus Armbeuge und schob seine freie Hand davor.
„Du sagst ja gar nichts, Severus. Es wäre das erste Mal, seit ich dich kenne, dass es dir die Sprache verschlägt“, meinte Cina. „Du hast doch erzählt, dass du dir als Kind so sehr ein Haustier gewünscht hast – und dass dein Vater dir das Kätzchen wegnahm, das du heimlich mit nach Hause brachtest.“ Cina sah ihn fragend an.
Severus betrachtete das kleine Wesen, das sich in seiner Armbeuge zusammenrollte und anfing, zu schnurren.
„Sie mag dich“, sagte Cina.
Severus sah auf. Seine dunklen Augen strahlten. „ Du bist unschlagbar darin, mich zu überraschen, wirklich.“
„Heißt das jetzt, du freust dich über mein Geschenk?“, fragte Cina.
„Es ist...genehm.“ Severus setzte das schwarze Kätzchen vorsichtig in die Holzkiste zurück.
„So, so. Vielleicht auch ein bisschen mehr als genehm?“
„Du hast mir eine große Freude gemacht, Cina“, sagte Severus leise. Er küsste Cina auf die Stirn und drückte sie an sich.
Mit einem leisen Plopp apparierte Cina bei Beginn der Abenddämmerung am Seeufer. Die untergehende Sonne warf einen orangefarbenen Schimmer auf den schwarzen See. Am Zenit hatte der Himmel bereits eine königsblaue Färbung angenommen – genau die Farbe, die auch Cinas neues Kleid hatte. Über mit Windlichtern und Flieder geschmückten Tischen und Bänken, die direkt am Seeufer aufgestellt waren, und einem Podest für die Musiker schwebten hunderte von bunten Lampions, zahlreiche Feuer brannten im Halbkreis um die Tische herum. Der Seewind wehte einige Klänge der Proben von Professor Flitwicks Musikkapelle an Cinas Ohr.
Cina stutzte. Wo waren die Gäste? Als sie nähertrat, sah sie, dass auf dem Wasser eine große Plattform schwamm, die als Tanzfläche dienen sollte, ebenfalls von bunten Lampions erleuchtet und durch einen schmalen Steg mit dem Ufer verbunden. Sie grüßte Madame Rosmerta aus dem „Dampfenden Kessel“, die zusammen mit einigen Küchenelfen und Nachbarn von Cinas Laden ein Buffet richtete, Butterbierfässer anzapfte, Weinflaschen entkorkte und Gläser und Teller auf die Tische schweben ließ.
„Überraschung!“ dröhnte Hagrids Stimme von landeinwärts.
Hinter seiner riesigen Gestalt erschienen Severus und ein Pulk von Gästen, die sich in einem Erlenwäldchen versteckt hatten. Severus eilte auf Cina zu. Er trug ein dunkelgrünes Hemd und einen gleichfarbigen Umhang, der in der Abendbrise flatterte.
„Du siehst umwerfend aus“, begrüßte Severus Cina und nahm ihre Hand.
„Danke. Dunkelgrün steht dir übrigens sehr gut“, antwortete Cina. „Es ist wunderschön, Severus, die Lampions, die Tanzfläche, die Blumen...“, schwärmte sie.
„Ich wusste, es würde dir gefallen. Wir sind mit den Gästen am Seeufer spazieren gegangen“, fuhr er fort. „Einige sind schon vor einer Stunde eingetroffen. – Komm mit mir, sie begrüßen.“
Der Zug der Gratulanten schien kein Ende zu nehmen. Da waren Professor Mc Gonagall und die gesamte Lehrerschaft von Hogwarts sowie Kingsley mit allen Auroren, die beim Kampf gegen Blair dabei gewesen waren, manche davon mit ihrer besseren Hälfte, Filch mit seiner Katze Mrs. Norris und Hagrid, Madame Rosmerta und ihre Köchin Gabriela aus der Kneipe „Dampfender Kessel“, Nachbarn des Kräuterladens in Hogsmead, Cinas Freundin Ataira samt ihrem Mann Tom und ihrer Tochter Dana, Rudy und Needa, alle Hauselfen, die gegen Blair gekämpft hatten, viele mit Mann oder Frau und Kindern. Am meisten freute sich Cina, alte Freunde aus dem Widerstand wiederzusehen: Jane Bell, eine frühere Aurorin, Rose Porter mit ihrem Freund Gary, ebenfalls frühere Auroren und Mike Shatner, einen Heiler. Weniger erfreut war Cina, dass Severus auch den Widerstandskämpfer George Twain eingeladen hatte, doch sie ließ es sich nicht anmerken.
Cina und Severus nahmen unzählige Geschenke entgegen: Blumen und Wein, Trinkgläser aus farbigem Glas, einen kunstvoll gearbeiteten Seegrasteppich, Kaffeebecher mit Elfenmustern, ein perlmuttglänzendes Horn eines Einhorns, Kupferkessel und Töpfe, und ein großes Paket mit Luftlöchern, aus dem ein klackerndes Geräusch drang, mit dicken Lettern beschriftet: innerhalb von zehn Minuten öffnen. Jede der Hauselfen überreichte außerdem einen kleinen Strauß Maiglöckchen oder rote Blumen, so wie es bei ihnen Brauch war.
„Wäre dieses Paket da von Hagrid und nicht von Jane Bell, würde ich das Schlimmste vermuten, zum Beispiel Moc-Würmer“, flüsterte Severus Cina ins Ohr.
Cina lächelte ihn an und öffnete das Paket mit einem Schwung ihres Zauberstabs. Zum Vorschein kam – eine hübsche Eule mit einem schokoladenbraunen Gefieder in einem silbernen Käfig samt einer riesigen Packung Eulenkekse.
„Jetzt haben wir schon zwei neue Tiere“, brummte Severus. „Bald können wir einen Zoo aufmachen.“
„Und bald haben wir drei“, sagte Cina geheimnisvoll, während sie zu den Tischen hinübergingen, an denen die Gäste bereits mit Butterbier und Wein bewirtet wurden.
„Wieso drei?“, fragte Severus verständnislos.
„Ich bin noch nicht dazu gekommen, dir zu sagen, dass Star ein Fohlen bekommt. Ich habe es erst heute gemerkt, als ich zurück zu mir wollte und der Gurt für die Packtaschen nicht mehr zu ging. Ich war dann noch kurz bei Hagrid...“
Cina und Severus nahmen am Kopfende des mittleren Tisches Platz, zusammen mit Kingsley, Hagrid, Professor Mc Gonagall und dem Lehrerkollegium, Ataira und deren Mann und den alten Freunden von Cina aus dem Widerstand.
Professor Mc Gonagall schlug mit dem Löffel an ihren Trinkpokal. „ Liebe Gäste, erhebt mit mir eure Gläser auf Severus Snape und Cina Mc Laggen, die sich heute Abend verloben. Mögen sie glücklich werden!“
Alle erhoben sich, wobei Hagrid Kingsley anrempelte und ihm schnell sein Glas nachfüllte. Die Hauselfen jubelten, so wie es bei ihnen Brauch war, Gläser klirrten, als die Gäste auf das Paar anstießen.
„Und“, fuhr Professor Mc Gonagall fort, „erhebt mit mir eure Gläser auf eine Macht, die selbst den gefährlichsten Magier aller Zeiten besiegte, eine Macht, die den Menschen Hoffnung gibt, die sie auch schwere Zeiten durchstehen lässt, eine Macht, die Menschen füreinander da sein und füreinander einstehen lässt, eine Macht, die alles zum Guten hin verwandeln kann: Hebt mit mir eure Gläser auf die Liebe!“
„Auf die Liebe“, erscholl es aus den Kehlen aller anwesenden Elfen und Menschen.
Severus und Cina lächelten sich an und prosteten einander und den anderen zu.
„Das Fest möge beginnen!“ Professor Mc Gonagall klatschte zwei Mal in die Hände.
Mit einem Zischen entzündete sich goldenes und grünes Tischfeuerwerk rund um das Buffet.
„Das haben Sie sehr schön gesagt, Minerva. Ich hätte es nicht besser machen können“, sagte Severus.
„Ich hoffe, Sie zwei werden zusammen glücklich, Severus. Dumbledore hätte es sehr gefreut, das noch zu erleben. Sie waren wie ein Sohn für ihn.“ Minerva stieß mit Severus an.
Jane Bell, die neben Ataira und ihrem Mann saß, prostete Cina zu. „Auf Severus und auf dich!“
Sie zwinkerte Cina zu. „Sag mal, wie lange geht das schon mit Severus und mit dir? Du willst mir doch nicht weismachen, dass ihr euch verlobt, nachdem ihr – wann bist du noch nach Hogsmead zurückgekehrt? – also nachdem ihr gerade mal drei Wochen zusammen seid?“
„Doch, Jane. Es hat mich getroffen wie...der Blitz. Genau so war es, als ich nach Hogsmead zurückkam und Severus nach langer Zeit wieder sah...“
„Stimmt nicht ganz. Cina mochte mich schon damals in der Schule“, ertönte eine dunkle Stimme hinter den beiden. „Und ich habe mich in sie verliebt, als ich sie vor drei Jahren wiedersah, bei der Eröffnung ihres Kräuterladens in Hogsmead.“ Severus legte seinen Arm um Cinas Taille und lächelte sie an. „Allerdings waren wir beide zu dieser Zeit noch...anderweitig gebunden.“
„Severus!“, sagte Cina mit gespielter Empörung.
„Darf ich das nicht erzählen?“
„Wir redeten von zusammen sein – und nicht von verliebt sein“, warf Cina ein.
„Tatsächlich?“ Severus zog eine Augenbraue hoch. „Komm, Cina, lass uns das Buffet eröffnen, - sonst traut sich keiner.“
Cina schnupperte. „Das riecht nach Bratkartoffeln...und nach ...Lachs – und da sind sogar Hauselfengerichte. Ich erkenne Brennnessel-Kartoffel-Auflauf und die Elfen-Salate, die mit essbaren Blumen dekoriert sind...Ihr habt euch viel Mühe gemacht, Severus.“
„Der Lachs und die Bratkartoffeln erinnern mich immer an die Zeit bei dir in der Hütte“, flüsterte Severus.
„Oh nein!“, schrie Needa plötzlich von der anderen Seite des Tisches. „Die Hauselfenkinder essen die Dekoration auf!“ Sie schlug einem vorwitzigen Elfenkind auf die Finger und schimpfte auf elfisch mit jemandem, der unter dem Buffet-Tisch saß. Um die kahlen Salate erneut zu dekorieren, holte sie aus ihrer Umhängetasche lila Veilchenblüten, Gänseblümchen und rote, orangefarbene und gelbe Kapuzinerkresseblüten. Rudy warf Veilchen- und Rosenblüten auf die Torten am Tischende.
„Da ist ja...Waldmeistertorte!“, rief Cina überrascht. „Woher wusstest du, dass das meine Lieblingstorte ist? Severus, du hast doch nicht wieder meine Gedanken...“
„Nein, habe ich nicht, Cina“, sagte Severus leise.
Cina schnitt die grüne Torte, über der zwei Herzen schwebten, an und reichte Severus, Ataira, Jane und Professor Slughorn ein Stück. Eine kleine braune Hand kam unter der Tischdecke hervor und holte Rosenblätter von einem Tablett mit Puddingschälchen. Jane Bell schaute neugierig unter das Buffet.
„Ich wusste das nicht, aber Needa“, sagte Severus, als sie am Tisch zurück waren. „Es ist übrigens auch meine Lieblingstorte.“
„Ist nicht wahr, oder? – Severus, du bist immer für eine Überraschung gut.“ Cina strahlte ihn an.
„Du musst sie als erste probieren, denn die Überraschung war für dich. – Mund auf, Augen zu.“ Severus reichte Cina den ersten Bissen. „Und?“
„Einfach göttlich!“ Cina gab Severus einen Kuss.
„Schaut euch diese beiden Turteltauben an“, dröhnte Slughorn. „Da möchte man auch nochmal dreißig Jahre jünger sein... Severus, die Torte ist unbeschreiblich. Sie müssen mir das Rezept für meine Sammlung geben.“
„Da müssen Sie sich an Needa wenden, Horace.“
Cina fühlte, wie jemand sie anstarrte. Bevor sie in seine Augen blickte, wusste sie, dass es George Twain war. Schnell sah sie in eine andere Richtung.
Severus konnte es nicht wissen. Er hatte alle Leute aus dem ehemaligen Widerstand eingeladen, von denen Needa ihm erzählt hatte.
„Habt ihr schon einen Namen für den kleinen Racker?“, rief Hagrid quer über den Tisch.
Daraufhin verstummte die Unterhaltung der Nachbarn. Aller Augen richteten sich auf Cina und Severus.
„Cina, ich gratuliere Ihnen. Aber wieso haben Sie denn nichts gesagt? Wir hätten Ihnen statt Dingen für die Wohnung Babykleidung schenken können“, sagte Professor Mc Gonagall, merklich aufgeregt.
Cina und Severus sahen sich an und fingen an zu lachen. Hagrids dröhnendes Gelächter hallte bis zum letzten Tisch.
„Das...is ein...Missverständnis“, japste Hagrid. „Es is...Cinas Thestral Star, der...Nachwuchs bekommt, nicht...Cina!“
Alle Lehrer und Cinas Freunde stimmten in das Gelächter von Hagrid, Cina und Severus ein. Bald wieherten auch die Nachbartische vor Lachen.
„Die Mutter heißt also Star“, sagte Ataira, als es wieder ruhiger geworden war. „Wie wäre es mit Sun oder Moon als Namen für das Fohlen?“
„Eine meiner Eulen heißt Milky Way, wie wäre es damit?“, warf Jane Bell ein.
„Eine deiner Eulen? Wie viele hast du denn?“, fragte George Twain und musterte Cina wieder mit diesem Blick, der ihr nicht behagte.
„ Wie, ihr habt noch nie von „Schnell wie der Wind - Posteulen“ aus Bath gehört?“, fragte Jane Bell. „Nach meiner Zeit im Wiederstand hab ich den Job als Aurorin an den Nagel gehängt. Ich züchte und verleihe jetzt Posteulen, und zwar die schnellsten, die es gibt. Ich habe im Moment an die hundert Eulen. – und ihr, Cina, George und Rose?“
„Ich arbeite noch als Heilerin, wie Ataira, und bin seit einigen Wochen dabei, den alten Kräuterladen von Patrick und mir in Hogsmead wieder aufzubauen“, erzählte Cina. „Am 1. Juni ist die Eröffnung.“
„Bescheiden wie immer, die Cina“, warf George ein. „Hab Abenteuerlicheres als das über dich gehört, zum Beispiel über die schweren Verletzungen, die du bei deinem...Verlobten heiltest und darüber, dass du im Kampf gegen Blair eine entscheidende Rolle spieltest. Erzählst du uns davon?“
„Du bist gut informiert“, entgegnete Cina kühl. „Aber du und Rose habt noch nichts erzählt.“
„Bin im St. Mungo Hospital untergekommen, zusammen mit Mike Shatner. Ist `n ruhigerer Job als seinen Kragen als Heiler im Widerstand zu riskieren“, sagte George und sah wieder zu Cina.
„Ich hab nach dem Sieg über Voldemort den Brocken geschmissen. Bin doch nicht lebensmüde“, warf Rose ein. „Vier Mal hätten mich die Todesser um Haaresbreite erwischt. Merlin sei Dank habe ich Gary getroffen.“ Sie nahm die Hand des rothaarigen Mannes neben ihr. Wir heiraten nächsten Monat und es ist Nachwuchs unterwegs.“
„Gratuliere, Rose“, sagten Cina und Jane gleichzeitig.
„Habt ihr von Bill, Emma, Dane, Cynthia oder Jacob gehört?“, fragte George. Er leerte einen doppelten Feuerwhiskey.
„Ich habe gehört, Cynthia ist nach Frankreich, nach Beauxbatons gegangen, als Lehrkraft.“ Rose zerlegte ein Stück Lachs, das Gary ihr gereicht hatte.
Cina versuchte zu ignorieren, dass George sie die ganze Zeit ansah.
„Bill ist tot“, sagte Jane leise. „Vier Todesser haben ihm einen Hinterhalt gelegt.“ Sie hob das Weinglas. „Lasst uns auf Bill trinken.“
„Auf Bill“, erscholl es in der Runde.
„Sag mal, wieso sieht dieser Blonde, dieser George, so oft zu dir herüber?“, fragte Ataira leise. „Und der Kerl kann was vertragen. Die ganze Zeit bestellt er sich Feuerwhiskey.“
Cina schaute schnell zu Severus. Der war in ein Gespräch mit Kingsley vertieft und schien nichts bemerkt zu haben. „Lass uns zum Buffet gehen“, raunte sie Ataira zu. „Ich brauche deinen Rat.“
„Hör zu“, sagte Cina leise, während sie sich Braten auffüllte, „ich wusste nicht, dass Severus George eingeladen hat. Kurz nachdem mein Mann gestorben ist, hat George mir eine Zeitlang nach den Widerstandsversammlungen regelrecht nachgestellt. Er stand mehrere Male abends mit ner Flasche Wein und Blumen vor meiner Tür und ließ sich nur sehr schwer abwimmeln. Ich hab ihm wer weiß wie oft gesagt, dass das mit uns beiden nie was wird, doch das stieß bei ihm auf taube Ohren.“
„Am besten sagst du es Severus“, meinte Ataira. „Oder – wozu kannst du Tränke brauen? Misch ihm einen Schlaftrank in seinen Feuerwhiskey. Ich kenne solche Männer wie George. Die können verdammt unangenehm werden, vor allem, wenn sie was getrunken haben.“
„Wer kann unangenehm werden?“ Severus legte seinen Arm um Cinas Taille.
„Ach, Severus, gut, dass du da bist“, sagte Cina erleichtert.
Ataira zwinkerte Cina zu und huschte davon.
„Ich habe dich gesucht, Cina. Ich vergaß, dir mitzuteilen, dass wir den Tanz eröffnen sollen. Komm.“ Severus zog sie mit sich.
Am Steg erzählte Cina Severus von George.
„Er starrt dich also die ganze Zeit über an? Cina, wenn ich all das gewusst hätte, hätte ich ihn bestimmt nicht eingeladen. Hast du deinen Zauberstab dabei?“
Cina nickte.
„Gut, ich werde einem von den Auroren sagen, dass er diesen George im Auge behalten soll. Falls er sich den kleinsten Fehltritt erlaubt, wird er rausgeschmissen. – Bleib hier, ich bin gleich wieder da.“
Eine warme Brise wehte über den schwarzen See. Am Rand der Tanzfläche wartete Cina auf Severus Rückkehr und beobachtete derweil Pomona und den Auroren Mc Leod, die zusammen einen Walzer übten. Sie hatten sichtlich Spaß zusammen. Pomona winkte ihr zu.
Ataira und ein drittes Pärchen gesellten sich hinzu. Cina erkannte den jungen Auroren mit dem schwarzen Bart, der ihr als Ronin vorgestellt worden war. Er versuchte, eine blonde Frau auf die Tanzfläche zu ziehen.
„Komm schon, Christyn.“
„Ich habe Ewigkeiten nicht getanzt...“
„Genau deshalb sind wir früher als die anderen hierhin gekommen. Schau mal, Mc Leod amüsiert sich auch prächtig“, versuchte Ronin, Christyn zu überreden. „Du kannst dir die Schritte von Professor Sprout zeigen lassen.“
„Na gut“, seufzte Christyn, „du lässt ja doch nicht locker.“ Sie gab Ronin einen Kuss, bevor sie zu Professor Sprout hinüberging. Ronin winkte Mc Leod zu sich heran.
„Cina, ich habe eine Idee“, sagte Ataira etwas atemlos zwischen zwei Tänzen. „Ich habe gestern auf dem Dachboden beim Aufräumen etwas gefunden, was dich interessieren wird. Professor Mc Gonagall sagte, dass Severus ewig keinen Urlaub genommen hat.“ Sie flüsterte Cina etwas ins Ohr.
Vorsichtshalber behielt Cina den Steg im Auge und zuckte zusammen, als sich jemand näherte. Doch es war nur Severus, der mit wehendem Umhang eilig auf sie zuschritt.
„Alles in Ordnung, Cina“, rief er ihr entgegen. „Scott, der blonde Auror, behält ihn im Auge. Und ich hatte eine kleine...Unterhaltung mit diesem George.“
„Severus, du hast doch nicht etwa?“ Cina blickte auf den Zauberstab in Severus Hand.
„Ihm ist nichts passiert. Ich habe ihm klar gemacht, dass du dich durch sein Starren belästigt fühlst und er die Finger von dir lassen soll.“
„Danke“, murmelte Cina und lächelte ihn an.
Severus fasste Cina um die Taille. „Das fühlt sich gut an. Ist das Samt?“
„Ja, das Oberteil...Hey, eine Hand an die Taille“, rügte Cina. „Und die andere Hand schön hier oben.“
Sie lachten beide.
„Du bist so streng wie mein alter Tanzlehrer“, sagte Severus.
„Ich möchte mich bloß gleich nicht blamieren. Ich habe seit dem Tanzkurs vor dem Weihnachtsball fast nicht mehr getanzt, na gut, auf zwei oder drei Hochzeiten, aber das ist auch schon über...12 Jahre her“, murmelte Cina.
„Vor – seit – ran, rück – seit – ran!“, kommandierte Pomona. Sie übte mit Christyn in einer Ecke Walzer, während die beiden Auroren Butterbier tranken.
„Zu Pomona muss ich dich aber nicht erst schicken?“, neckte Severus Cina.
„Severus!“, rief Cina empört.
„Lass dich von mir führen“, sagte Severus.
Professor Flitwicks Kapelle spielte einen langsamen Walzer, zu dem Severus sie mühelos über die Tanzfläche führte. Cina hatte das Gefühl zu schweben.
„Das war wunderbar“, schwärmte Cina. „Mir ist ganz schwindelig.“
„Vielleicht solltest du den Genuss von Waldmeisterbowle etwas einschränken, bis wir mit dem Vortanzen dran waren“, neckte sie Severus.
„Severus! Ich habe nicht viel getrunken“, empörte sich Cina. „ Es liegt an dir, dass mir schwindlig ist. Ich bin wirklich glücklich heute Abend. Ihr habt das alles wunderbar hinbekommen, die Musik, das Buffet, die Plattform auf dem See, die schwebenden Lampions...Hey, eine Hand an der Taille.“
„Ich beabsichtige gerade nicht, zu tanzen.“ Severus zog Cina noch fester an sich.
„Sondern?“, murmelte Cina.
„Schau mal“, sagte Severus. Er deutete nach oben, wo zwischen den bunten Lampions einzelne Sterne blinkten. „Für jeden Stern, dessen Namen du nicht kennst, bekomme ich einen Kuss von dir.“
„So hatten wir nicht gewettet.“ Cina machte sich los, um ihren Zauberstab auf die bunten Lampions über ihnen zu richten. Sofort schwebten sie zur Seite, über der Mitte des Tanzbodens wurde der Sternenhimmel sichtbar.
„Der Stern, auf den du gerade gezeigt hast, war Regulus im Sternbild Löwe. Welchen Stern soll ich dir als nächsten nennen?“, fragte sie feixend.
„Bevorzugt einen von denen...hinter den Lampions“, erwiderte Severus.
„Severus Snape, du bist unmöglich“, sagte Cina leise lachend.
Severus küsste Cina sanft auf die Stirn und zog sie wieder an sich.
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