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Fanfiction

Der blaue Kristall - Kapitel 12

von silva

Kapitel 12

Am Nachmittag nach der Verlobungsfeier experimentierten Severus und Cina gemeinsam in Cinas Küche mit dem Aqua Alter-Trank. Jeder hatte drei kleine Kessel vor sich, in denen er die Grundzutaten des Aqua Alter-Tranks ergänzte oder abwandelte. Blau-grün-lilafarbene Dunstschwaden waberten durch die Küche.
„Ich versuche es mit einer Prise Eisenhut“, sagte Cina. Vorsichtig gab sie einen Löffel dunkelgrünes Pulver in ihren linken Kessel.
Als sie zu rühren begann, knallte es im Kessel.
„Severus, weg da!“, rief Cina. Hastig sprang sie zurück und warf einen Schildzauber vor sich und Severus, ebenfalls über die restlichen Kessel.
Fast tennisballgroße Kugeln aus blauem heißem Schleim schossen zur Decke empor und zerplatzten um den Herd herum. Severus zog Cina weiter vom Herd weg und hielt sie fest.
„Das war wohl nix. Meine anderen beiden Tränke sind zumindest nicht explodiert“, seufzte Cina. „Und was sagt der Meister der Zaubertränke?“ Sie wandte ihren Kopf halb zu Severus um, der sie immer noch festhielt.
„Er meint, einer von seinen Tränken könnte brauchbar sein, einer ist fest geworden wie Stein und einer quillt gerade über...Evanesco!“ Damit verschwandt der überquellende graublaue Schaum aus einem seiner Kessel.
„Außerdem meint er, seine hübsche Kräuterfrau sollte aufpassen, dass sie sich nicht selbst in die Luft sprengt“, flüsterte er Cina ins Ohr.
„Aber Severus, ich experimentiere schon viele Jahre herum – und mir ist noch nie etwas Ernsthaftes dabei passiert“, protestierte Cina und entwand sich ihm. „Wie hätte ich das Springkraut und den Nerus-Trank entwickeln sollen, ohne zu experimentieren?“
„Das hat die Mutter von Luna Lovegood auch gesagt, bevor sie sich und das halbe Haus bei einem Experiment in die Luft gesprengt hat“, sagte Severus düster.
„Gut, mein Zaubertrankmeister, ich passe noch besser auf. Zufrieden?“ Sie lächelte ihn an.
„Daran ist nichts auszusetzen“, erwiderte Severus leise.
„Die restlichen Tränke müssen vier Stunden kochen. Wollen wir zum See?“, fragte Cina.

„Mmmhh, ja, gerne“, brummte Severus. Er nahm den kleinen schwarzen Kater, der gerade versuchte, sein Hosenbein hochzuklettern, auf den Arm und streichelte ihn „Ich glaube, zuerst sollte ich Arcturus etwas Milch geben. –Cina, wo ist denn der andere Teil unseres Zoos geblieben?“ Er ließ eine Flasche mit Milch aus dem Vorrat heran schweben. Mit einem Plopp öffnete sie sich, Milch ergoss sich in das Schälchen vor der Kiste des kleinen Katers.
„Die Eule? Ich habe eine kleine Wette mit Ataira laufen, weißt du“, meinte Cina beiläufig, während sie die Spülbürsten beaufsichtigte, die drei Kessel reinigten. „Sie wollte nicht glauben, dass unsere Hera eine der schnellsten Eulen von Jane Bell ist...“
Und das konntest du natürlich nicht auf dir sitzen lassen, wie ich dich kenne.“ Severus setzte den Kater vor das Schälchen.
„Konnte ich nicht. Heute Mittag, als du zum Aufräumen in Hogwarts warst, haben Ataira und ich Hera und Atairas schnellste Posteule von hier aus nach Glasgow zu einer Freundin geschickt. Sie gibt uns Nachricht, wann die Eulen eingetroffen sind.“
„So, so, meine Verlobte tendiert zu riskanten Glücksspielen. Das ist mir neu“, neckte Severus Cina.
„Severus, wir haben um eine Flasche Elfensekt gewettet, - kannst du mir sagen, was daran riskant sein soll?“, sagte Cina empört. Sie baute sich vor Severus auf.
„Manchmal ärgere ich dich gern ein bisschen“, sagte Severus, zog Cina in seine Arme und verschloss ihre Lippen mit einem langen Kuss.

Eine Posteule kam unter lautem Klackern durch die Luke unter dem Dach geflogen und warf ein Pergament auf dem Küchentisch ab.
Mit einem Knall erschien Needa, genau in dem Moment, in dem es an der Haustür klopfte. Die zwei fuhren auseinander.
„Needa kann ab jetzt für drei Tage die Bestellungen erledigen und sich um die Tiere kümmern, Herrin“, quiekte die Hauselfin aufgeregt.
Es klopfte wieder an der Tür, dieses Mal energischer.
„Oh, das ist Mrs. Pitch aus Hogsmead, sie holt ihre Salben und Rosenlikör ab. Needa geht schon.“ Sie eilte mit einer Tüte zur Tür.
„Was hältst du davon, wenn wir uns ein ruhigeres Plätzchen suchen? Ich wüsste da was, Severus“, flüsterte Cina in sein Ohr. Sie nahm seine Hand.
„Das klingt verlockend. Sag mal, habe ich irgendetwas nicht mitbekommen?“, fragte Severus, während Cina ihn hinaus auf die Veranda zog. „Du willst drei Tage weg?“
„Irrtum. Wir können drei Tage verreisen. Mit der ausdrücklichen Genehmigung von Professor Mc Gonagall – und damit.“ Sie deutete auf die Thestralwiese, auf der ein unscheinbar aussehendes Zelt aufgebaut war, neben einigen Reisetaschen.
„Gehe ich recht in der Annahme, dass das...ein magisches Zelt ist?“, fragte Severus verblüfft.
Cina nickte. „Innen mit Ausdehnungszauber. Ataira hat es mir ausgeliehen, deshalb ist sie heute gekommen – und nicht nur, um risikoreiche Wetten mit mir abzuschließen, wie du meintest.“ Sie blitzte ihn aus ihren grünbraunen Augen an.
„Damit machst du mir eine riesige Freude, Cina. Ich wollte immer schon mal in einem solchen Zelt übernachten.“ Severus drückte Cina an sich. „Du bist einfach unglaublich.“
„Ich weiß“, murmelte Cina. „Wo möchtest du hin, Severus?“

Die Dünen warfen lange Schatten in der Morgensonne.
Hand in Hand schlenderten Cina und Severus an einem menschenleeren Meeresstrand entlang. Eine kräftige Brise ließ ihre Reiseumhänge flattern, direkt vor ihren Füßen rauschten die Wellen ans Ufer. Über ihnen am blauen Himmel kreisten einige Möwen.
Severus blieb stehen und atmete tief ein. „Ich hatte fast vergessen, wie frei man sich hier fühlt.“ Er lächelte Cina glücklich an.
Cina legte den Reiseumhang ab, danach zog sie ihre Stiefel und Socken aus. „Komm schon, Severus. Man muss das Meer fühlen.“
Severus folgte ihr ins knöcheltiefe Wasser. Als mit einer höheren Welle kaltes Wasser bis über ihr Knie schwappte, kreischte Cina auf.
„Hast du jetzt genug Meer gefühlt?“, meinte Severus.
Die Antwort war eine große grüne Alge, die ihn am Ohr traf. Severus schleuderte die Alge zu Cina zurück.
„Daneben!“ Sie flüchtete lachend und weitere Algen werfend am Meeressaum entlang, bis Severus sie einholte und festhielt.
„Du hast mal wieder die verrücktesten Ideen. Und deine Lippen schmecken nach Salz“, flüsterte er.
„Magst du das?“, fragte Cina leise, während sie eine Alge aus Severus schwarzen Haaren fischte.
„Sehr sogar. – Aber du zitterst ja, Cina. Komm, wir trocknen uns und bauen das Zelt auf.“
Severus richtete seinen Zauberstab auf Cinas nassen Rock, sie den ihren auf Severus schwarzes Haar und sein Hemd. Dann liefen sie zu der Stelle am Strand zurück, wo sie Cinas Rucksack gelassen hatten.

„Äußerst praktisch, dein Ausdehnungszauber“, meinte Severus, während er erst das Zelt und dann einige Reisetaschen aus dem Rucksack zutage förderte. Als er den Proviant suchte, klapperte es in der Tasche.
„Was war das?“ Erstaunt zog er vier kleine Flaschen mit blau- und lilafarbenen Flüssigkeiten hervor.
„Das sind die veränderten Aqua Alter-Tränke. Ich dachte, ich sollte sie testen, so lange sie frisch gebraut sind.“ Cina nahm Severus die Flaschen aus der Hand.
„Ich möchte dich daran erinnern, dass wir Urlaub haben, meine Süße“, protestierte Severus.
„Es dauert nicht lange, sie zu testen“, wandte Cina ein.
„Na gut. Dein Wort in Merlins Ohr. – Gemeinsam?“ Severus schwang den Zauberstab zum Zelt, Cina tat es ihm gleich, um des Zelt zu entfalten und aufzurichten.
Unvermittelt kicherte Cina.
„Was ist so witzig?“ Severus zog eine Augenbraue hoch.
„Ich denke gerade daran, dass noch vor einem Monat dich niemand von deinem Schulleiter-Schreibisch wegbekommen hätte – und jetzt musst ausgerechnet du mich daran erinnern, dass wir Urlaub haben.“
„Erwischt.“

Gemeinsam inspizierten sie alle Ecken des Zeltes, das einen Wohnraum, dahinter, abgetrennt durch dunkelrote Vorhänge, einen Schlafraum, ein Bad und eine kleine Küche umfasste. Während Cina den Proviant auspackte, heizte Severus den Ofen im Wohnzimmer an.
„Komm, wir wärmen uns etwas auf“, rief Severus.
Auf dem Sofa neben dem Ofen lehnte sich Cina an Severus. „Ist das nicht wunderbar“, meinte sie. „Wir haben drei Tage, wo wir tun können, wozu wir gerade Lust haben. Keine Kunden, keine Eulenpost-Bestellungen...“
„Keine quirligen Schüler, Ministeriumserlasse und neugierige Kollegen“, murmelte Severus. „Cina, ich bin der glücklichste Mann der Welt. Seit ich dich kenne, habe ich erst wieder richtig angefangen zu leben.“
„Ich bin auch sehr glücklich mit dir, Severus.“ Cina kuschelte sich noch enger an ihn.

In der Zeit, in der Severus ein Nachmittags-Picknick vorbereitete, ging Cina mit einem Beutel Trinkgläsern, einer Flasche ungenießbarem Süßwasseraus einem veralgten See und ihren abgewandelten Aqua Alter-Elixieren vor das Zelt. Durch ein Küchenfenster sah Severus, wie Cina an einem kleinen Tisch fünf Gläser mit dem trüben Wasser aus der Flasche füllte und einen, zwei, drei, vier oder fünf Tropfen des ersten Elixiers hinein gab – und es mit einem rosafarbenen Elixier auf seine Trinkbarkeit hin testete. Danach notierte sie die Ergebnisse des ersten Tranks in ein zerfleddertes Heft. Als Cina bemerkte, dass Severus sie beobachtete, winkte sie ihm zu.

Kurze Zeit später taten sie sich an kaltem Braten, Kartoffelsalat, belegten Broten, Apfelkuchen und Waldmeisterbowle gütlich. Der Seewind hatte nachgelassen und die Maisonne meinte es gut mit ihnen.
„ Möchtest du noch Waldmeisterbowle?“, fragte Severus.
„Gern. Bestell dem Koch einen Gruß von mir. Sein Essen und seine Bowle sind ausgezeichnet“, meinte Cina, während Severus ein hellgrünes perlendes Getränk in ihr Glas füllte.
„Das lässt sich einrichten“, meinte Severus. „Er ist übrigens nur für die Bowle und die belegten Brote verantwortlich.“
„Mit dem Aqua Alter-Elixier sind wir weitergekommen, Severus. Aber ich bekomme den brackigen und bitteren Geschmack noch nicht weg.“ Cina nippte an der Bowle.
„Es wäre in der Tat nach der Fertigstellung ein sehr hilfreiches Elixier. Aber das kann noch dauern. – Probier mal.“ Severus reichte Cina ein Stück Kuchen auf der Gabel.
„Lecker“, sagte sie. „Ich weiß, dass so etwas dauern kann, Severus. Ich habe damals vier Monate mit Cynthia Bloom und Jacob Bress daran gearbeitet, eine Substanz zu entwickeln, die auf ähnlichem Wege wie das Flohpulver Menschen oder Nachrichten transportiert – das Springkraut. Allerdings, ohne die Flohnetzwerk-Kamine zu benutzen, da diese vom Ministerium, sprich Voldemort, kontrolliert wurden.“
„Die Idee mit dem Springkraut war brillant. So habt ihr es also im Widerstand geschafft, in Kontakt zu bleiben und Nachrichten zu verschicken...“ Severus strich Cina über die Wange. „Wie habt ihr es gelöst, dass man einen Einstiegs- und einen Ausstiegspunkt braucht, um mit dem Pulver zu reisen?“
„Jeder aus dem Widerstand hatte mehrere speziell präparierte magische Taue mit sich. die konnten, ringförmig zusammengelegt, mit dem entsprechenden Spruch und Springpulver, als Ein- oder Ausstiegsstelle für unser Transportnetzwerk genommen werden“, erklärte Cina. „Ich hatte zum Beispiel immer ein zusammengelegtes Tau in Stars Stall, so dass ich schnell bei Gefahr aus dem Haus dorthin springen konnte.“

„Cina, ich würde meinen, was ihr da erfunden habt, sollte nicht verloren gehen. Das Springpulver, das Neruskraut...und der Aqua Alter-Trank.“ Severus sah nachdenklich aufs Meer hinaus. „Hast du mal daran gedacht, die Rezepturen zu veröffentlichen? Es sollte für die Zaubererwelt erhalten bleiben.“
„Ich denke darüber nach, Severus. Aber es sollte nicht in falsche Hände geraten können, denn wir haben diese Dinge für den Widerstand entwickelt.“ Cina nahm einen Schluck Waldmeisterbowle. „Die ist wirklich gut.“
„Ich habe Waldmeistersirup hinzugefügt. Möchtest du noch ein Glas?“
„Noch ein halbes. Sonst bekomme ich einen Schwips.“
Severus füllte ihr Glas bis zum Rand. „Es ist Urlaub, meine Süße. Da darfst du ruhig mal drei oder vier Gläser mit mir trinken. Ich finde dich übrigens ganz bezaubernd, wenn du etwas angeheitert bist.“
„So, so“, sagte Cina lächelnd. „Dann gib mal her, mein kluger und starker Zaubertrankmeister.“
„Algen!“, rief Cina plötzlich, so dass Severus zusammenzuckte und etwas aus seinem Glas verschüttete.
„Algen?“ echote er verständnislos.
„Ja, wenn man Algen zum veränderten Aqua Alter-Trank hinzugibt, könnte das die Lösung sein“, rief Cina begeistert. „Du hast mich auf die Idee gebracht, denn dein Trank hatte vorhin das beste Resultat. Du hast die meisten Zutaten reingetan, die für die Küste typisch sind – Muschelpulver, Queller und Strandhafer.“ Sie drückte Severus stürmisch an sich.
„Lass uns Algen sammeln gehen, Severus...Oder wollen wir zuerst die Dünen erkunden?“
Severus legte sich auf den Rücken und breitete seinen linken Arm aus. „Zuerst wäre ein Sonnenbad genehm. Komm, Cina, die Algen laufen nicht weg.“
Cina legte sich zu ihm, eine kleine gelbe Glasflasche in der Hand. „Etwas Sonnenschutzelixier fürs Gesicht?“
„Ja, gern“, sagte Severus. „Das riecht sehr gut, nach Veilchen.“

Am frühen Abend streiften sie stundenlang am Strand entlang. Cina sammelte alle Arten von Meeresgrünzeug und Muscheln, die sie finden konnte. Nach ihrer Rückkehr zum Zelt dämmerte es bereits. Um die Algen zum trocknen aufzuhängen, spannte Cina eine Leine. Severus stapfte in Richtung Dünen, auf der Suche nach einem windgeschützten Platz für den Abend.
„Es scheint, du hast mich mit deiner Sammelleidenschaft angesteckt“, meinte Severus, als er zurückkam. Er legte einen Strauß verschiedener Dünenpflanzen und lilafarbenen Strandhafer vor Cina, die am Küchentisch stand, um anhand eines aufgeklappten Naturführers Muscheln zu bestimmen. Leise Musik drang aus einem Radio. Aus der Küche duftete es nach Bratkartoffeln.
„Für mich?- Danke.“ Cina lächelte ihn an.
„Siehst du hier irgendjemand anderen?“, neckte Severus sie.“
„Ach, du – hast du einen schönen Platz gefunden?“ Cina roch an dem Strandhafer.
„Das verrate ich dir später.“
Severus setzte sich und zog Cina auf seinen Schoß. „Lass uns gemeinsam diese Pflanzen nachschauen. Ich nehme an, du hast sowieso keine Ruhe, bevor du nachgeguckt hast.“
Während er seinen linken Arm um Cinas Taille legte, griff er mit der freien Hand nach dem Naturführer.
Cina errötete. „Ich...weiß nicht, ob ich mich auf Pflanzen konzentrieren kann, wenn ich...so sitze, Severus. Dieses Mal bist du der mit den verrückten Ideen.“
„Lass es uns versuchen“, flüsterte Severus. Er reichte Cina das Buch und hielt ihr eine doldenförmige gelbe Blüte hin. „Weiß meine hübsche Kräuterfrau, was das hier ist?“
„Nein, doch deine Kräuterfrau könnte versuchen, es herauszufinden, wenn du sie zwischenzeitlich nicht zu sehr irritierst“, gab Cina mit einem Blick über die Schulter zurück, während sie einige Seiten mit gelben Blüten durchblätterte. Severus legte sein Kinn auf ihre Schulter.
„Aber Cina, hältst du mich für einen Wüstling?“, sagte Severus mit gespieltem Protest.
„Nur...gelegentlich“, gab Cina verschmitzt zurück. „Übrigens, es scheint ein Verwandter des wilden Dills zu sein, was wir da haben.“
„Pflanze Nr. 2, weiße Heckenrose“, sagte Severus. Er befestigte eine Heckenrosenblüte in Cinas Haar.
„Hey, das kitzelt.“ Cina kicherte. „Ich glaube, ich könnte doch Gefallen an dieser Art der Pflanzenbestimmung bekommen.“ Sie kritzelte etwas in ihr Notizbuch.
Severus schlang auch seinen anderen Arm um Cina, während sie die vier restlichen Pflanzen, allesamt Dünengräser, heran schweben ließ.
„Strandseggengras“, sagte Severus, „das ganz rechts. – Übrigens, ich habe einen schönen Platz in den Dünen gefunden, aber es wurde kalt und fing an zu regnen, als ich zurückkam.“
„Dünenkurzblatt, Hohes Strandrispengras“, murmelte Cina. „Das wars. Dann lass uns morgen Abend in die Dünen gehen, Severus. Ich liebe verregnete Abende im Zelt – mit dir. Und wenn du mich jetzt loslassen würdest, könnte ich dir einen Kuss geben oder dir etwas zu Essen holen.“
„Das klingt vielversprechend, meine Süße.“

Am nächsten Abend war es warm. Cina und Severus hatten ihre Decken an einem windgeschützten Platz zwischen zwei großen Dünen ausgebreitet. Blaue Flammen schlugen aus einem kleinen knisternden Feuer aus Treibholz.
„Dieser kleine Küstenort, den wir uns heute angesehen haben, war wirklich malerisch“, schwärmte Cina. „Als wäre die Zeit dort stehengeblieben.“
„Ja, und der Fisch im Restaurant am Strand war ausgezeichnet. Was hältst du davon, wenn wir dort morgen wieder zu Mittag essen?“, fragte Severus.
„Gern“, erwiderte Cina. „Allerdings sollten wir dieses Mal etwas weiter weg vom Ort herauskommen, wenn wir apparieren.“
„Ja, das Pärchen in den Dünen bekam einen ziemlichen Schrecken, als es uns aus dem Nichts auftauchen sah.“ Severus lachte leise.
Cina schaute in den dunkler werdenden Abendhimmel. „Ich freue mich für Rose...Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn ein Leben in einem heranwächst.“
„Du bist also schon einmal schwanger gewesen?“, fragte Severus überrascht.
Cina nickte.
„Du hattest mir bislang nur erzählt, dass du keine Kinder bekommen kannst und dich damit schon vor Jahren abgefunden hast. Möchtest du es mir erzählen?“ Seine Stimme klang sanft.
„Es war so, - ich war dreiundzwanzig, als ich schwanger wurde. Patrick und ich waren seit einem Jahr verheiratet und haben uns in dieser Zeit nichts mehr als ein Kind gewünscht. Aber...das Kind – ein Mädchen, kam tot zur Welt.“ Cina stockte. Severus legte seinen Arm um sie.
„Danach konnte ich keine Kinder mehr bekommen, weder mit magischen noch mit anderen Mitteln“, sagte Cina. Ihre Stimme klang wie ein heiseres Flüstern.
Severus sah sie besorgt an. „Das tut mir sehr leid, Cina. Kann ich irgendetwas für dich tun?“
„Halt mich einfach fest, Severus.“
Eine Zeitlang schwiegen sie. Nur das Rauschen der Brandung und das Knistern des Feuers waren zu hören.

„Es war nicht einfach damals“, erzählte Cina weiter. „Patrick und gute Freunde haben mir geholfen, darüber hinweg zu kommen. Patrick brachte unser erstes Haustier mit, meine Katze Mons... Wir haben beide fast zehn Jahre gearbeitet und gespart, um einen anderen Traum wahrzumachen: um den Kräuterladen in Hogsmead zu eröffnen.“
Severus strich über Cinas Haar. „Wann warst du darüber hinweg?“
„Nach zwei oder drei Jahren ging es mir besser...Weißt du Severus, jetzt ist es so, dass die Tiere, die ich habe, wie meine Kinder sind. Zu Mons kamen andere Katzen, dann Posteulen... In Hogsmead kümmerte ich mich manchmal um Hagrids Tiere und kam so zu Star... Und jetzt bekommt Star bald ein Fohlen, darauf freue ich mich.“
Severus stand auf, um etwas Holz nachzulegen. „Wie lange dauert es noch bei Star?“, fragte er.
„Hagrid sagt, noch ein paar Tage. Wenn wir Glück haben, kommt Star kurz vor der Niederkunft zu uns zurück.“
„Cina, ich verstehe allmählich deine Liebe zu Tieren und Pflanzen“, sagte Severus leise. „Nein, ich fühle sie. Das ist etwas, was ich seit meiner Kindheit nicht mehr gefühlt habe. Etwas, was ich durch dich wiedergefunden habe. Und ich verstehe auch immer mehr, wie wichtig dein Kräutergarten und der Laden für dich sind. Cina, ich werde dich nicht mehr drängen, als Lehrerin nach Hogwarts zu kommen.“
„Severus, das ist...lieb von dir.“ Cina reckte sich, um Severus Gesicht zu streicheln.
Dann legte sie sich auf der Decke zurück. „Komm“, sagte sie leise. „Vielleicht sehen wir ein paar Sternschnuppen.“
„Wer könnte einer solchen Aufforderung wiederstehen?“, murmelte Severus, bevor er eine Wolldecke über Cina und sich breitete und sich nah neben sie legte.
Cina griff seine Hand. „Spürst du die Kräfte der Erde...und des Meeres?“, flüsterte sie.
„Ja, ich spüre es. Das erinnert mich an unsere erste gemeinsame Nacht am See hinter deiner Hütte“, entgegnete Severus. „Davor wolltest du mich unbedingt ins Wasser bekommen. Ich hoffe nur, heute hast du das nicht auch vor...“
„Schau!“, rief Cina. Severus Arm mit sich ziehend, deutete sie schnell nach oben, zum Sternbild des Löwen. Einer Lichtspur am sternübersäten Himmel folgte ein helles Aufblitzen.
„Wunderschön, oder? Jetzt kannst du dir etwas wünschen“, murmelte Cina.
Severus drückte ihre Hand. „Ich bin wunschlos glücklich mit dir, Cina.“

Sie hatten sich einen Tisch und zwei Stühle aus dem Zelt geholt, um am Strand zu frühstücken. Direkt vor ihren Füßen rauschten die Wellen ans Ufer. Zwei Möwen kreisten immer tiefer über ihnen, ihr Ziel war ganz offensichtlich ein Korb mit übriggebliebenen Brötchen. Cina brütete über dem Text für einige Urlaubspostkarten, zwischendurch warf sie einige Brötchenstücke in die Luft, die von den Möwen geschickt im Flug aufgefangen wurden. Erst als fünf weitere Möwen laut kreischend hinzukamen, sah Severus vom „Nordseepropheten“ auf. Blitzschnell zog er den Zauberstab aus der Innentasche des Umhangs.
„Silencio! Impedimenta! “, rief er.
„Severus!“, rief Cina.
Plötzlich verstummte der Lärm über ihnen. Die Möwen schwebten wie ein sich langsam drehendes Mobile über ihnen, die Schnäbel im Zeitlupentempo auf- und zuklappend.
Obwohl Cina es nicht mochte, wenn jemand ein Tier verzauberte, musste sie über diesen Anblick herzhaft lachen.
„Der Zauber hält zwanzig Minuten. Bis dahin habe ich die Zeitung zuende gelesen“, brummte Severus mit einem zufriedenen Grinsen.
„Aber Severus, du kannst sie nicht so lange schweben lassen. Sie werden vom Wind landeinwärts gegen die Dünen getrieben“, protestierte Cina. Sie tastete nach ihrem Zauberstab, doch dann fiel ihr ein, dass sie ihn in der Nachttischschublade gelassen hatte.
„Verwandle sie zurück, Severus. Das ist gemein von dir, sie so zu lassen.“ Cina blitzte ihn an.
„Wenn ich mich nicht irre, hast du gerade noch über die schwebenden Vögel gelacht“, entgegnete er ungerührt über die Zeitung hinweg.
„Nur im ersten Moment! Hey, du hattest mir versprochen, nicht mehr den wilden Mann raushängen zu lassen!“ Cina trat Severus gegen das Schienbein.
„Au“, rief Severus. Dann seufzte er. „Frauen und Tiere...Na gut, ich werde sie zurückverwandeln.“ Er deckte den Brötchenkorb mit einem Buch zu. Danach richtete er seinen Zauberstab auf die stummen, sich inzwischen um ihre eigene Achse drehenden Seevögel, die der Wind bereits über das Zelt getrieben hatte und rief „Finite!“

Die Möwen, noch nicht wieder ganz Herr ihrer Stimmen, gaben ein klägliches Kreischen von sich, bevor sie panisch in alle Himmelsrichtungen davonstoben.
„Schau, was du angerichtet hast. Die Armen“, sagte Cina leise.
Severus nahm Cinas Hand. „Sie haben nur einen kleinen Schrecken bekommen. Und schau nicht mehr so böse, Cina. Ich wollte dich bloß ein bisschen necken. Natürlich hätte ich den Zauber aufgehoben, bevor den Möwen etwas passiert wäre. - Hier, um dich etwas versöhnlicher zu stimmen, lies das hier mal: „Touristen von Möwen attackiert“.
Er reichte ihr lächelnd das Titelblatt des „Nordseepropheten“. Auf einem kleinen Bild sah man, wie eine Möwe auf ein Mädchen hinabstieß, um ihr ein Eis am Stiel aus der Hand zu reißen.
„Tatsächlich“, murmelte Cina erstaunt. Sie las:

TOURISTEN VON MÖWEN ATTACKIERT
In mehreren kleinen Küstenorten in der Region attackierten Möwen in den vergangenen Tagen Menschen, um ihnen Essen abzujagen. In allen Fällen wird davon berichtet, dass es sich um Möwen handelte, die zuvor von Touristen gefüttert wurden. Die Möwen kreisten zunächst sehr nahe über den Köpfen ihrer Opfer, um dann plötzlich auf das Essen herabzustoßen. Bei ihren dreisten Angriffen erbeuteten sie unter anderem Backwaren, Pommes Frites und Backfisch. In Sommerey wurde ein achtjähriges Mädchen leicht an der Hand verletzt, als eine Möwe ihr ein Eis entriss. Wegen dieser Vorfälle wird darum gebeten, Möwen nicht zu füttern, damit sie sich nicht an Menschen als “Futterquelle“ gewöhnen.

Cina sah auf. „Interessant. - Severus Snape, hättest du mir nicht einfach sagen können, dass ich die Möwen besser nicht füttern soll?“
„Meine liebe Cina, wenn ich mich recht entsinne, hätte ich einen Zeitumkehrer gebraucht, um diesen Artikel zu lesen, bevor du deine Möwenfütterung angefangen hast“, sagte Severus amüsiert. „Da ich bedauerlicherweise keinen Zeitumkehrer habe, musste ich dich vor diesen wilden Bestien retten.“
„Wenigstens hattest du eine edle Absicht“, musste Cina einräumen. Ihre Miene erhellte sich. „Das schreibe ich auf Atairas Karte: Wurde am Strand von Sommerey von Severus vor wilden Bestien gerettet.“
Severus lächelte sie an. „Ob Ataira das versteht?“

„Wie schade, dass heute schon unser letzter Urlaubstag ist“, meinte Cina bedauernd.
„Wir könnten jederzeit an einem Wochenende weg, wenn nicht gerade Prüfungen anstehen“, sagte Severus. Er goss Cina und sich neuen Kaffee ein. „Wo möchtest du hin, Cina? Unser nächstes Ziel kannst du aussuchen“
„Rose Porter hat uns eingeladen. Sie wohnt am Rande eines Seengebiets, in dem man wunderbar wandern kann. Und ich wollte schon ewig mal nach Stonehenge oder nach Glastonbury...“
„Da kommt was Größeres angeflogen“, sagte Severus überrascht.
Der dunkle Punkt über den Dünen entpuppte sich beim Näherkommen als eine schokoladenbraune Eule. Laut klackernd riss sie beim Landen auf dem Frühstückstisch den Brotkorb und Marmeladengläser um. Dann hielt sie ihren linken Fuß hin, an dem zwei Pergamente befestigt waren.
„Hera!“, rief Cina überrascht.
Während Hera an einem Stück Brötchen knabberte, nahm Cina eilig die beiden Pergamente ab. „Für uns beide.“ Diese Rolle reichte sie Severus.
„Oh, diese ist von Ataira.“ Cina entrollte das Pergament und las.
Liebe Cina
Deine „Turbo-Eule“ hatte einen unglaublichen Vorsprung von fast zwei Stunden auf der Strecke Hogsmead – Glasgow. Du hast die Wette gewonnen. Ich bringe euch den Elfensekt nach dem Urlaub vorbei. Erholt euch gut. Ataira.
„Na, was macht das riskante Glücksspiel?“, neckte Severus Cina.
„Dieses Glücksspiel, wie du es nennst, hat uns eine Flasche Elfensekt eingebracht – und den „Schnell wie der Wind-Posteulen“ von Jane Bell einen legendären Ruf.“ Cina blitzte Severus an.
„Hogsmeader Straße 34“, flüsterte sie Hera ins Ohr. Die Eule schuhute und hob ab, gegen eine starke Windböe ankämpfend.
Ein weiterer starker Windstoß wirbelte Sand auf, ließ einige Brötchen davon wehen und zerzauste ihre Haare. Lachend sammelten sie sie wieder ein.
„Oh, dein rechtes Ohr ist ganz rot, Severus. Warte.“ Cina ließ aus dem Zelt eine Creme heran schweben. Damit rieb sie vorsichtig Severus krebsrotes Ohr ein.
„Das lasse ich mir gefallen. Ich frage mich, ob ich nicht noch weitere rote Stellen habe“, brummte Severus.
„Ach du...aber mich brennt es etwas im Nacken. Die Maisonne ist doch stärker, als ich dachte“, entgegnete Cina.
„Setz dich, meine hübsche Heilerin, und lass dich verarzten.“ Severus klopfte auf seine sandigen Oberschenkel.
Kaum war Cina seiner Aufforderung nachgekommen, schrie sie auf. Severus Stuhl sackte plötzlich tief in den Sand.
„Da hätten wir uns auch gleich auf den Boden setzen können“, sagte Cina kichernd, während sie ihren Pferdeschwanz hochhielt, damit Severus ihr den Nacken eincremen konnte.
„Ich würde gern das andere Pergament lesen. Dazu müsstest du mich allerdings loslassen, mein mächtiger Zauberer“, rügte Cina leise.
„Dazu brauche ich dich nicht loszulassen.“ Severus zog das zweite Pergament aus seiner Umhangtasche, um es Cina vor die Nase zu halten. Sie las.
Liebe Cina
War heute bei Star im Verbotenen Wald. Es is bald so weit mit ihr. Vielleicht morgen, spätestens übermorgen kommt das Fohlen, wie ich das sehe.
Hagrid
„Das ist eine wunderbare Nachricht!“ Cina drückte Severus stürmisch an sich.

„Drei Stunden sind vorbei-ei-ei-ei-ei“, plärrte Cinas Küchenwecker um punkt zwei Uhr nachts. Seufzend legte Cina ihr Buch „“20.000 Meilen unter dem Meer“ beiseite, erhob sich von der Küchencouch und hieb auf den Wecker, damit Severus nebenan im Schlafzimmer nicht gestört wurde.
Seit elf Uhr hatte sie zwei Mal draußen nachgeschaut, ob Star gekommen war, die letzten Algen- und Muschelberge sortiert, die sich seit der Rückkehr aus dem Urlaub auf dem Küchentisch türmten, Algenpulver hergestellt und gelesen. Ab und zu dachte sie sehnsüchtig daran, zu Severus hinüberzugehen.
Rosafarbene und graugrüne Dampfschwaden waberten aus vier Kesseln, in denen Tränke brodelten, durch die Küche. Gähnend lief Cina zum Herd, um bei zwei Kesseln rosafarbenem Liebesstrank Jasmin, Einhornpulver und Rosenblüten hinzuzufügen. Sie schnupperte. Für sie roch der Liebestrank nach Elfenwein, Rosen und Nelken, denn das waren die Gerüche, die sie mit Severus und ihrem ersten Treffen in seinem Büro verband.
Aus den anderen beiden Kesseln schlug ihr der Geruch nach faulen Eiern entgegen. Schnell setzte sie eine Nasenklammer auf, bevor sie zerhackte Meerzwiebeln und Wichtelkraut dazugab. Mit einem Pff entwichen einige neue übel riechende Schwaden aus der schlammartigen blubbernden Mixtur. Es war ein Elixier, um Wichtel und Gnome zu vertreiben. Cina hatte sich gesagt, wenn sie schon sowieso wegen Stars Fohlen so aufgeregt war, dass an Schlaf kaum zu denken war, konnte sie auch nachts an einigen Tränken arbeiten.

Mit einem lauten Knall und einem leisen Knistern und Knacken erschien Needa vor dem Kamin, gerade als Cina die Flammen im Herd löschte und das übel riechende Gebräu abdeckte. Das Knistern und Knacken hielt an. Needa sah unglücklich an sich herunter, um die Quelle dieses Geräusches auszumachen. Ihr linker Fuß versank in einer großen Schachtel mit Herzmuscheln, ihr rechter steckte in einem großen Haufen schwarzer Miesmuscheln. Hastig trat sie einen Schritt vor.
„Needa! Hast du mich erschreckt! Ich dachte, du bist zwei Tage bei Rudy“, näselte Cina. „Mach dir keine Gedanken wegen der Muscheln“, setzte sie hinzu. „Daraus wird sowieso Muschelpulver.“
„Needa wusste nicht, dass die Herrin noch auf ist. Sie wollte Rudy das Souvenir zeigen, das die Herrin ihr aus dem Urlaub mitbrachte“, quiekte die Hauselfe aufgeregt. Sie griff nach einer hübschen perlmuttglänzenden Muschel auf dem Kaminsims.
„Was für ein abscheulicher Gestank“, quiekte sie. „Jetzt versteht Needa, wieso die Herrin eine Klammer auf der Nase hat. Hoffentlich wacht der Herr Severus nicht davon auf.“
„Oh“, machte Cina. Schnell nahm sie die Klammer ab. Dann riss sie alle Küchenfenster weit auf und horchte. Aus dem Schlafzimmer drang ein leises Schnarchen.
„Severus schläft, wie es klingt. - Was da so riecht, ist Wignom-Ex. Ein neues Mittel, um Wichtel und Gnome vertreiben“, erklärte Cina, während sie etwas Maiglöckchen-Parfüm versprühte. „Ich hoffe, das wird kein Reinfall, denn bei dem Gestank dürfte es auch alle anderen Lebewesen vertreiben. - Möchtest du Kürbissaft?“

Needa nickte. Dabei blieb ihr Blick an Cinas Bettzeug auf der Küchencouch hängen.
„Wieso schläft die Herrin allein? Sie hat sich hoffentlich nicht mit dem Herrn Severus gestritten?“, fragte die Hauselfe. Es klang besorgt.
„Mit Severus und mir ist alles bestens, Needa. Ich schlafe hier wegen Star“, antwortete Cina.
Needa schaute sie fragend an.
Cina nahm einen Schluck Kürbissaft. „Weißt du, Needa, seit Hagrids Nachricht vorgestern kam, halte ich es vor Aufregung kaum noch aus. Ich bin seitdem alle zwei oder drei Stunden zum Stall gelaufen, um nachzusehen, ob Star gekommen ist, auch nachts. Daher hat der arme Severus letzte Nacht nicht besonders viel Schlaf bekommen...“
„Oh, Needa versteht jetzt“, quiekte die Hauselfe. „Die Herrin schläft auf der Küchencouch, weil sie Rücksicht auf die Nachtruhe des Herrn Severus nimmt. Das ist gut.“
„Ja, Needa. Aber Severus nahm es letzte Nacht mit Humor. Weißt du, was er da zu mir gesagt hat?“
Needa schüttelte den Kopf.
„Er hat gesagt `Warum zappelst du so herum, meine Süße? Du bist schlimmer als ein werdender Vater, der stundenlang im Korridor des St. Mungo auf und ab rennt.`“ Cina lächelte.
Needa kicherte. „Wie Needa den Herrn Severus kennt, hat er heute sicher protestiert, als Cina in der Küche schlafen wollte.“ Sie leerte ihr Glas.
„Ja, hat er“, meinte Cina. „Aber du kennst mich ja. Ich habe mindestens einen genau so großen Dickkopf wie Severus.“ Cina senkte die Stimme. „Ich habe Severus heute überredet, nach dem Abendbrot im See schwimmen zu gehen. Danach schlief er wie ein Murmeltier – und ich konnte um elf rüber in die Küche, ohne dass er was merkte.“
Needa wirkte amüsiert. „Rudy wird auch denken, dass Needa sich davongeschlichen hat, wenn sie nicht bald zu ihm zurückgeht. – Bis morgen um zehn, Herrin. Gibt Cina Needa bescheid, wenn das Thestralfohlen da ist?“
„Ja, Needa. Ich gehe jetzt in Stars Stall.“ Cina löschte das Feuer unter den Liebestränken, während Needa mit einem Knall verschwandt.

Am Hintereingang der Hütte blieb Cina wie angewurzelt stehen. Aus Stars Schuppen, den sie in der sternklaren Nacht nur als ein Schemen wahrnahm, kamen Geräusche. Jetzt wieder. Ein dumpfes Poltern und Rumoren.
„Homenum revelio!“, murmelte sie. Doch kein Lichtblitz zeigte die Anwesenheit eines Menschen auf dem Grundstück an.
Mit einer Öllaterne ging Cina zum Schuppen. Eine frische Brise wehte ihr einen Geruch nach Salbei entgegen und ließ die offene Schuppentür hin und her schlagen. Ein Schnauben drang hinter der Tür hervor. Erleichtert atmete Cina auf, als ihr im Licht der Öllaterne vier Augen aus der Dunkelheit entgegen leuchteten.

Minuten später stupste Cina Severus an. „Komm mit! Ich muss dir was zeigen.“
Severus war sofort hellwach und griff nach seinem Zauberstab. „Was ist los? Ist jemand am Haus?“, fragte er heiser.
„Nein, Severus. Ich habe eine Überraschung für dich. Etwas, was man wirklich nicht alle Tage sieht“, sagte Cina leise. „Zieh dir bitte etwas über, wir müssen in den Schuppen.“
„Du weckst mich mitten in der Nacht auf, um mit mir in den Stall zu gehen?“, brummte Severus verschlafen, warf sich jedoch einen Umhang über, als er Cinas freudestrahlendes Gesicht sah.
„Ich hoffe nur, das nächtliche Aufstehen wird nicht zur Gewohnheit“, setzte er sanft hinzu, einen Blick auf die Uhr werfend. „Übrigens, ich hoffe, es wird auch nicht zur Gewohnheit, dass du dich heimlich davonschleichst, wenn ich schlafe.“ Er zog Cina an sich. Sie barg ihren Kopf an seiner Schulter.
„Und ich dachte, du hättest nichts gemerkt“, flüsterte Cina.
„Reine Logik“, erwiderte Severus. „Gehen wir davon aus, dass du ungefähr alle zwei Stunden in den Stall gelaufen bist. Hättest du neben mir gelegen, hättest du mich spätestens um zwölf wieder geweckt - und nicht erst um halb drei. Stimmt es?“
„Erwischt“, sagte Cina.

Sie nahm Severus Hand und zog ihn eilig durch die Kräuterbeete. Im Vorbeigehen pflückte sie etwas Petersilie.
„Star ist zurückgekommen. Sie wollte ihr Fohlen hier bei uns bekommen“, sagte Cina, während sie die Stalltür langsam weiter aufschob. „Schau!“
Severus hielt den Atem an. Neben Star, die sich von Cina mit ihren Lieblingskräutern füttern ließ, lag im schwachen Licht der Öllaterne ein neugeborenes Thestralfohlen im Heu. Durch ein leichtes Stupsen mit der Nase ermunterte Star ihr Fohlen, aufzustehen.
„Sie fühlt sich hier sicher“, flüsterte Cina.
„Das tu ich auch, hier bei dir“, raunte Severus ihr zu.
„Das ist schön.“
Severus legte seinen Arm um Cina. Gemeinsam beobachteten sie von der Stalltür aus das Fohlen. Das stand jetzt, noch ein wenig wackelig, aufrecht und bewegte sich Schritt für Schritt schwankend und unsicher zu Star hinüber, um zu trinken.
„Schau nur, die kleinen Flügel“, meinte Cina.
„Es hat einen kleinen weißen Fleck am Vorderbein, ist dir das aufgefallen?“, bemerkte Severus.
„Ja, genau wie sein Vater. Ich habe ihn bei Hagrids Herde gesehen.“
Während Cina frisches Heu in Stars Raufe füllte, holte Severus Wasser herbei. Gemeinsam pflückten sie in der sternhellen Nacht Gras und Kräuter für die Thestralstute
Cina schaute zum Nachthimmel empor. „Heute sieht man die Milchstraße besonders klar.“
„Genau wie in unserer ersten gemeinsamen Nacht, die wir unter dem Sternenhimmel am See verbrachten“, erwiderte Severus.
„Wollen wir das Fohlen nicht Milky Way nennen?“, fragte Cina auf dem Weg zurück zum Stall.
„So wie die Eule deiner Freundin?“, fragte Severus. „ Ein schöner Name.“
Das Thestralfohlen schlief, dicht an seine Mutter geschmiegt, und wachte auch nicht auf, als Cina und Severus zwei Weidenkörbe mit Gras und Kräutern vor Star ausleerten.
„Lass es dir schmecken, meine Hübsche“, sagte Cina und tätschelte Stars Kopf. „Du hast es dir verdient.“

„Für besondere Anlässe“, sagte Cina, reichte Severus ein Likörglas und setzte sich neben ihn auf die Terassenstufen.
Severus betrachtete den Inhalt des Glases, der im Licht der Öllaterne rosafarben schimmerte.
„Rosenblütenlikör. Selbst angesetzt“, beantwortete Cina seine unausgesprochene Frage. „Cheers!“
„Auf Milky Way“, sagte Severus.
Sie nippten am Likör und betrachteten die Mondsichel, die sich vor einer Nebelbank auf dem See spiegelte.
„Findest du es nicht auch wunderbar, dass man nachts wieder draußen sein kann, ohne Angst vor einem Überfall zu haben?“, meinte Severus.
„Ja. Doch es steckt mir noch in den Knochen, achtsam zu sein“, erwiderte Cina. „Vor allem nachts. Ein auffälliges Geräusch – und ich sitze senkrecht im Bett.“
„Jetzt hast du ja mich, Cina. Ich passe auf dich auf“, sagte Severus und strich über Cinas Haar.


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