
von silva
Kapitel 13
Die Strahlen der tiefstehenden Morgensonne fielen durch das Schlafzimmerfenster. Wie eine Katze hatte sich Cina an Severus geschmiegt. Er löste sich vorsichtig aus ihrer Umarmung.
„Ist es schon Zeit fürs Frühstück?“, murmelte Cina verschlafen.
„Nein, Cina, es ist erst sechs Uhr. Ich muss heute ZAG-Bögen korrigieren. Ich nehme an, du willst davor mit mir schwimmen gehen?“, neckte er sie.
„Aber Severus, doch nicht so früh! Geh du nur.“ Cina vergrub sich wieder unter der Bettdecke.
Nachdem er sie sanft auf die Stirn geküsst hatte, ging er hinaus an den See, mit dem Gefühl, er hätte irgendetwas Wichtiges, das den heutigen Tag betraf, vergessen.
Das Wasser war warm. Severus genoss es, mit kräftigen Zügen bis zu der kleinen Insel in der Seemitte zu schwimmen. Dort ließ er sich einen Moment auf dem Rücken treiben und sah in das grenzenlos scheinende Blau über sich.
Am Rand der Wiese, auf der Star und ihr Fohlen grasten, trocknete Severus sich ab, zog fröhlich vor sich hin pfeifend seinen Morgenmantel an, pflückte einige Salbeiblätter für den Frühstückstee und kehrte in die Hütte zurück.
Er hörte Needa im Vorratsraum rumoren und singen. Der Wasserkessel war aufgestellt, auf dem Küchentisch lag ein Päckchen mit der Aufschrift „für Severus“, über dem zwei blaue Herzen schwebten. Severus stutzte. Er las neugierig den Text auf dem Geschenkanhänger.
Mein lieber Severus
Wenn du weiterhin keine Fesselkunststücke und keine Legilimentik einsetzt wie bei unserem ersten Treffen vor einem Monat, bleibe ich noch viele, viele weitere Monate bei dir.
Deine Cina.
P.S. Ich liebe dich.
Ein Lächeln umspielte Severus Lippen.
„Fast hätte ich es vergessen“, murmelte er. Auf dem Weg hinaus stolperte er beinahe über den kleinen schwarzen Kater. Er streichelte Arcturus und gab ihm ein Wollknäuel zum spielen.
Vor dem Schuppen glitzerten Tautropfen auf den ersten weißen und roten Rosen, die aufgeblüht waren. Severus pflückte einen Strauß für Cina. Als er die Rosen in eine Vase neben das Päckchen gestellt hatte, schrieb er ihr eine Notiz.
Liebe Cina
Heute ist es einen Monat her, dass wir uns in Hogwarts wiedersahen. Ich möchte keinen einzigen Tag davon missen, meine hübsche Heilerin. Heute Nachmittag, wenn ich vom Unterricht komme, habe ich eine kleine Überraschung für dich. Danach lade ich dich zum Abendessen in den Gasthof Drei Eichen ein.
Severus
„Arcturus, das tut man nicht“, sagte Severus streng. Der kleine Kater hatte sich in sein Hosenbein gekrallt. Severus nahm ihn mit zu seinem Schreibtisch am Küchenfenster, um vor dem Frühstück den letzten Stapel ZAG – Prüfungsbögen zu korrigieren.
Plötzlich erfasste ihn ein starker Schwindel. Ein Wirbel aus orangefarbenem gleißendem Licht umhüllte ihn und trug ihn fort. Als das Gleißen nachließ, sah er, dass er im Universum schwebte, zwischen Myriaden von Sonnen, Sternennebeln und Galaxien. Dann zog ihn der Lichtwirbel zu einer gelben Sonne, die größer und größer wurde – und er hatte das Gefühl, zu fallen. Es wurde schwarz um ihn.
Als Severus die Augen wieder aufschlug, warf grünliches Licht einen gespenstischen Schein auf Wassermenschenfrauen in weißen Gewändern, die im Kreis um ihn herum schwebten. Alles kam ihm seltsam bekannt vor, so, als sei er schon an diesem Ort gewesen. Noch etwas benommen richtete er sich auf. Dabei schwebte er zur Seite. Die Priesterinnen verabschiedeten sich mit einem Senken des Kopfes und schwammen aus dem kreisrunden Raum hinaus. Nur eine, die ein Amulett mit einem grünen Kristall trug, blieb. Mit einer anmutigen Bewegung glitt sie zu Severus hinüber.
„Du hast eine heil-same Zeit er-lebt, Severus Sna-pe. Es ist alles wahr, was du erleb-test, wenn auch auf einer anderen E-bene der Rea-lität, in die du mit Hilfe un-serer Magie gelang-test“, sagte sie langsam und deutlich. „Bewah-re diese Erleb-nisse in deinem Herzen, sie wer-den dir helfen, deine Auf-gaben zu erfül-len.“
Die Priesterin gab Severus eine Kugel Kiemenkraut.
„Iss das, Mensch.“
Severus nahm es entgegen, dankte ihr und tat wie geheißen. Er erinnerte sich an den seifigen Geschmack.
„Was ist mit Cina?“, fragte er.
„Auch sie ist zu-rück. Sie wird wie-der ihre Aufga-ben im Wieder-stand wahrneh-men. Versu-che nicht, sie zu fin-den, bevor du deine Aufga-ben, Hogwarts zu schüt-zen und einen Jun-gen namens Har-ry, erfüllt hast. Es wä-re zweck-los.“ Bei diesen Worten sah die Priesterin Severus scharf an. Aus ihrem weißen Gewand zog sie eine kleine Glaskugel und gab sie ihm. „Streiche darü-ber, Mensch.“
Severus strich über die glatte, warme Oberfläche der Kugel. In ihrem Inneren bewegten sich Farben, hellblau und schwarz, die sich zu einem Bild formten. Er sah Cina auf ihrem Thestral, wie sie Hogwarts anflog, später seine und ihre erste Begegnung in seinem Büro...Sie küssten sich zum ersten Mal auf der Terrasse vor der Kräuterhütte...Cina und er badeten gemeinsam im See, danach lagen sie auf einer Decke am Strand und schauten in den Sternenhimmel... Severus wachte nachts auf und Cina schmiegte sich wie eine Katze an ihn...Sie strahlte ihn aus ihren grünbraunen Augen an, als er ihr am schwarzen See den Ring mit dem Mondstein schenkte... Cina im blauen Samtkleid auf der Verlobungsfeier, wie sie auf der Tanzfläche unter den Lampions auf ihn wartete... Severus fühlte, wie eine große Freude und ein Glücksgefühl ihn beim Betrachten dieser Erinnerungen durchfluteten.
Die Wassermenschen-Priesterin strich mit ihrer grünlichen Hand über die Kugel, um das letzte Bild zum Verschwinden zu bringen.
„Du kannst jeder-zeit diese Erinne-rungen abrufen, oder auch nur eine Einzel-ne von ihnen“, erklärte die Priesterin. „Niemand ande-res kann etwas mit die-ser Kugel anfan-gen. Komm jetzt, Seve-rus Snape.“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab und machte jemandem vor der Tür ein Zeichen.
Die beiden Wassermenschenwachen, die ihn auch auf dem Hinweg begleitet hatten, schwammen auf Severus zu. Ihm fiel auf, dass jeder von ihnen einen Ring mit einem kleinen azurblauen Kristall trug.
„Fol-ge uns, Mensch. Wir bringen dich zurück zum See-ufer“, sprach ihn der größere der beiden an.
Sie verließen den erhellten Palast, durchquerten in der Dunkelheit endlos scheinende Unterwasser-Wälder und tauchten schließlich an der Stelle des Seeufers wieder auf, an der Severus seine Reise begonnen hatte. Jedenfalls versicherten ihm die Wächter, dass es die richtige Stelle sei. Severus konnte im Licht der grünen Leuchtalgen, die die Wächter wie Fackeln mit sich trugen, einige erfrorene Pflanzen am Ufer sehen. Plötzlich bekam er keine Luft mehr.
„Unter-tauchen!“, rief der kleinere Wächter keuchend.
Unterwasser reichte er Severus ein schwarzes Kraut. „Damit wirst du deine Kie-men wieder los“, erklärte er. „Wir wün-schen dir Glück und Frie-den, Mensch!“
Severus nickte den beiden zu, das schwarze Kraut kauend, bevor die dunklen Fluten des Sees sie verschluckten und das letzte grüne Glimmen erlosch.
„Lumos!“ rief er.
Das blaue Licht seines Zauberstabes offenbarte nun ein seltsames Schauspiel. Die Schwimmhäute an seinen Händen und Zehen bildeten sich rasend schnell zurück. Dann bekam er unter Wasser keine Luft mehr. Prüfend fasste sich Severus an die Seiten seines Halses, um sich zu vergewissern. Die Kiemen waren verschwunden. Mit einem Keuchen tauchte er auf, hustete Wasser aus und sog zum ersten Mal seit Stunden Luft in seine Lungen. Jetzt, da die Wirkung des Kiemenkrautes nachließ, fühlte er eine unbarmherzige Kälte in seinen Gliedern hochkriechen. Er zitterte wie Espenlaub.
So schnell ihn seine Füße trugen, watete er aus dem Wasser, trocknete die Hose mit seinem Zauberstab und zog sich mit zitternden Händen sein Hemd, den Reiseumhang und die Schuhe an, nachdem er sie aus dem hohlen Baum gezogen hatte. Severus konnte sich nicht erinnern, dass er jemals dermaßen bis auf die Knochen durchgefroren war. Er musste auf schnellstem Wege zurück ins Schloss, sich an einem Feuer wärmen oder ein heißes Bad nehmen. Ihm war schwindelig und er lehnte sich kurz an den hohlen Baum, um seine Kräfte zu sammeln. Er wusste, beim Apparieren musste er sich sehr konzentrieren, sonst würde er im besten Falle zersplintern.
Mit einem Knall apparierte eine Hauselfe direkt vor ihm.
„Mary soll helfen“, quiekte sie. „Ich soll den Herrn ins Schloss zurück bringen, mit Seit an Seit- Apparieren, denn der Herr ist schwach.“
Nie hatte Severus sich mehr gefreut, eine Hauselfe zu sehen – oder doch? Bilder von einer Schlacht gegen eine Übermacht von Todessern kamen ihm in den Sinn, in der ein Heer von Hauselfen ihm und einigen Auroren in letzter Sekunde zur Hilfe kam...Er sah Needa und Rudy, wie sie tapfer Cina im Garten an der Hütte verteidigten, als Todesser versuchten, sie zu entführen...
Er lächelte die Elfe dankbar an. „Wer... hat dich...geschickt?“, brachte er mühsam hervor.
„Dumbledore hat es befohlen, Sir. Mary hat im Gebüsch am Ufer auf den Herrn gewartet“, sagte Mary aufgeregt.
Die Hauselfe nahm Severus an der Hand. Sofort hatte er das Gefühl, weggerissen zu werden; die Luft wurde ihm aus den Lungen gepresst.
Im nächsten Augenblick fand er sich, Seite an Seite mit Mary, in seinen Privaträumen in Hogwarts wieder. Eine wohlige Wärme kam ihm im Schlafraum entgegen, denn im Kamin prasselte ein großes Feuer. Severus ließ sich auf der Bettkante nieder und schlug, mit den Zähnen klappernd, das Federbett um sich.
„Sir, Ihre Medizin.“ Die Hauselfe hielt ihm ein Becher mit einem streng riechenden Gebräu unter die Nase.
Severus leerte den Becher mit einem Zug. Endlich hörte er auf zu zittern.
„Der Herr muss Mary noch mit einem Gedächtniszauber belegen“, quiekte die Elfe.
„Dumbledore hat an alles gedacht“, war Severus letzter Gedanke, bevor er sich hintenüber auf sein Bett kippen ließ und erschöpft in einen tiefen Schlaf fiel. Es war das erste Mal seit Jahren, dass er keine Alpträume hatte.
Cina Mc Laggen griff neben sich. Doch es lag dort niemand.
Severus?“, murmelte sie.
Cina hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Schlagartig war sie wach. Ihr Blick wanderte über Schränke und Kommoden aus dunkelbraunem Holz, über Bilder der Familie ihrer Bekannten Angela. Durch das einen Spalt breit geöffnete Fenster drang Meeresrauschen an ihre Ohren. Ihr war heiß und sie hatte furchtbare Kopfschmerzen. Als sie versuchte, aufzustehen, fiel ihr auf, dass sie mit Kleid und Reiseumhang im Bett gelegen hatte.
„Die Herrin muss noch liegenbleiben“, quiekte eine vertraute Stimme neben Cina. „Sie hatte heute Nacht Fieber.“
Ihre Hauselfe Needa drückte sie sanft, aber bestimmt in die Kissen zurück, flößte ihr heiße Hühnersuppe ein und musterte ihre Herrin besorgt.
„Needa, wo ist Severus?...Und wo ist Rudy?“, flüsterte Cina matt. „Und wieso sind wir nicht in unserer Hütte in Hogsmead?“
Weil Needa sie anstarrte, schienen ihre großen dunkelgrünen Augen noch größer zu sein als sonst.
„Severus? Rudy?“, echote sie verständnislos.“Die Herrin phantasiert. Wir waren über ein Jahr nicht in Hogsmead. Wir mussten von dort flüchten.“ Sie reichte Cina einen Becher mit einem grünen Elixier.
„Needa hatte die Herrin gewarnt“, schimpfte sie vor sich hin. „Aber sie musste mitten im Winter die Wassermenschen im eiskalten See besuchen. Was wollte die Herrin nur dort?“ Needa schüttelte den Kopf. „Die Herrin kann froh sein, dass Needa am Seeufer auf sie gewartet hat und mit ihr nachhause appariert ist...“
Cina gab keine Antwort. Sie war eingenickt.
„Ts“, machte Needa. „Verstehe einer die Menschen.“ Sie fischte eine Alge aus Cinas Haar.
Was immer ihre Herrin dort im See erlebt haben mochte, dachte Needa bei sich, es musste sehr schön gewesen sein, denn Cina lächelte im Schlaf.
Am übernächsten Morgen stand Needa pfeifend am Herd und rührte in einem großen Topf Haferbrei. In einem Kessel daneben blubberte eine schlammartige lilafarbene Flüssigkeit, die die kleine Küche mit bitter riechenden Dampfschwaden erfüllte. Meeresrauschen drang durch das geöffnete Fenster. Ein Zischen hinter ihr ließ sie zusammenzucken. In dem zum Kreis zusammengelegten Transportseil in der Mitte des Raumes loderte eine orangefarbene Flamme und fiel in sich zusammen. Dort, wo eben noch die Springkraut-Flamme gelodert hatte, lag ein Pergament. Eilig lief Needa hinüber. Sie las:
An Cina, Haus Düne 2
Liebe Cina,
wir haben einen Verletzten, Sectumsempra-Fluch. Wir bringen ihn in wenigen Minuten.
Rose
Needas Miene nahm einen besorgten Ausdruck an. „Hoffentlich geht es der Herrin wieder gut genug, dass sie heilen kann“, murmelte sie. „Was muss sie auch mitten im Winter in den See springen?“
Needa donnerte an die Tür zum Badezimmer. „Herrin, schnell!“, rief sie.
Cina riss die Badezimmertür auf, die Zahnbürste in der Hand. „Ein Überfall?“, rief sie entsetzt.
„Nein, Herrin, kein Überfall. Ein Verletzter.“ Needa legte Cina die Hand auf den Arm. „Geht es der Herrin wieder besser?“
Cina lächelte Needa an. „Ja, das Fieber ist weg. Aber du hast mir einen gehörigen Schrecken eingejagt, Needa.“
Durch die Küchentür drang ein Zischen.
„Schnell, Herrin, es ist ein Sectumsempra!“ Needa eilte Cina voran in die Küche, die sich ihren Bademantel zuband.
Eben schritten Toni und Rose über das Transportseil, orangefarbene Flammen fielen hinter ihnen zusammen. Sie stützten beide einen jungen rothaarigen Mann, der halb ohnmächtig zwischen ihnen hing. Am Arm und an der Zauberstabhand trug er blutgetränkte Verbände.
„Wohin?“, rief Rose gepresst.
„Legt ihn dort auf die Couch. Ich muss zuerst die Blutung stillen“, sagte Cina. Sie holte ihren Zauberstab aus einer Tasche ihres Bademantels. „Needa, kannst du einige Verbände mit dem lilafarbenen Elixier tränken?“
Cina entfernte den ersten Verband am Arm des jungen Mannes und begann einen Gegenfluch zu murmeln, der fast wie ein Lied klang. Die Wunden begannen, sich zu schließen.
„Er hat viel Blut verloren, aber er wird durchkommen.“ Cina ließ sich auf einen freien Stuhl am Küchentisch fallen, neben Toni und Rose.
Needa brachte Salbeitee und frisch gebackenes Brot.
„Merlin sei dank“, flüsterte Rose. Sie wärmte ihre Hände an der heißen Tasse.
„Leider kann ich das verlorene Stück vom rechten Zeigefinger nicht ersetzen, da er es durch einen Fluch verlor“, sagte Cina bedauernd. „Mit einem Stärkungsmittel und viel Schlaf dürfte es ihm spätestens übermorgen Abend wieder gutgehen. – Was war los?“
„Ein Hinterhalt der Todesser in Dorshire, als wir verbotene Tränke ausliefern wollten“, knurrte Toni. „Verdammt, ich kenne mittlerweile fast keinen mehr, der nicht im Kampf verletzt wurde!“ Er knallte die Teetasse so heftig auf den Tisch, dass sie überschwappte.
„Oder fast keinen, der keine Angehörigen verloren hätte...“, pflichtete Rose ihm bei.
„Es wird Zeit, dass Voldemort endlich das Handwerk gelegt wird“, sagte Cina entschlossen.
„Ein Anschlag einer Gruppe aus dem Norden auf Voldemort wurde kurz vor der Durchführung sabotiert. Zwei von unseren Leuten kamen um. Sie waren so nah dran.“ Toni wirkte äußerst zornig. „Und was tut Harry Potter, der einzige, der Voldemort angeblich besiegen kann? Reist durchs Land, während wir hier jeden Tag unser Leben riskieren.“
Cina verschluckte sich am Tee und hustete. „Aber, du weißt schon, Harry erfüllt erst einen sehr wichtigen Auftrag, den Dumbledore ihm gab. Deshalb muss er herumreisen, bevor er sich Voldemort stellt.“
„Dann soll er sich, verdammt nochmal, beeilen“, knurrte Toni. „Der Widerstand wird nicht ewig durchhalten. Du, Cina und du, Rose, ihr habt eure Männer verloren. Letzte Woche starb mein bester Freund, Ryan. Wie viele müssen noch sterben?“ Toni raufte sich die Haare.
Rose und Cina tauschten Blicke.
Rose legte Toni ihre Hand auf den Arm. „Ich habe davon gehört, dass du deinen besten Freund verloren hast, und das tut mir sehr leid, Toni. Ich verstehe, dass du zornig bist. Aber...wir dürfen jetzt die Hoffnung nicht aufgeben. Wir haben alle schon so viel riskiert, und das wäre umsonst gewesen, wenn wir jetzt aufgeben würden...Wir dürfen nicht daran zweifeln, dass Harry Potter auf seinen Reisen alles in seiner Macht stehende tut, um den Sturz von Voldemort vorzubereiten und dass er ihn besiegen wird, wenn die Zeit gekommen ist.“
„Dein Wort in Merlins Ohr...Aber, was haben wir erreicht? – was hat der Widerstand erreicht?“, fragte Toni mit einem Anflug von Verzweiflung in der Stimme.
„Wir haben schon so viele Leute gerettet oder versteckt, die Voldemort verfolgte oder mit Gewalt rekrutieren wollte, - ist das etwa nichts?“, meldete sich Cina zu Wort. „Wir sind viele – und wir sind organisiert. Wir haben unser eigenes Transport- und Nachrichtensystem, wir sind selbst mit dem Anti-Unsichtbarkeitszauber und dem Anti-Aguamenti-Zauber der Todesser fertig geworden, dank Neruskraut und Aqua Alter-Trank.“
Tonis Miene erhellte sich. „Ihr habt wohl recht. Ich sollte nicht zweifeln.“ Er leerte seine Tasse und stand auf.
„Danke für den Tee, Cina. Ich muss los. Rose, bleibst du bei Cina, für den Fall, dass ihr mit Tom flüchten müsst?“
Rose nickte.
Toni warf Springkraut in den Transportkreis und verschwandt in den orangeroten Flammen, die mit einem Zischen hochschossen, genau als die Wohnzimmeruhr zwölf Uhr mittags schlug.
Rose nippte an ihrem Tee und sah Cina forschend an. „Cina, du wirkst viel fröhlicher und optimistischer, als das letzte Mal, als wir uns trafen“, stellte sie fest. „Bist du verliebt?“, fragte sie.
„Ja, Rose, sogar sehr“, sagte Cina lächelnd. „Aber das ist eine sehr, sehr lange Geschichte, die ich dir gern ein anderes Mal erzähle.“
„Verstehe“, sagte Rose. Sie wirkte etwas enttäuscht.
„Schau, das ist mein kleines Geheimnis“. Sie hielt Cina einen schmalen goldenen Ring unter die Nase.
„Ist das ein...“
„Verlobungsring, ja“, nahm Rose die Antwort vorweg. „Garry und ich dachten, zehn Monate nach dem Tod meines Mannes und zwei Monate, nachdem wir uns kennenlernten, wagen wir es. Es sind unsichere Zeiten - und wir geben uns gegenseitig Kraft.“
„Das freut mich für dich, Rose.“
Cina nutzte den frostfreien Wintertag, Schilfwurzeln auszugraben und Krebse zu sammeln, eine willkommene Bereicherung des Speisezettels. Da jeder Aufenthalt in einem Laden in der Stadt das Risiko barg, Todessern über den Weg zu laufen, ging sie nur selten Lebensmittel einkaufen, zumeist lange haltbare. Während sie die Schilfwurzeln in einen Beutel füllte, pfiff Cina vergnügt vor sich hin. Allmählich erinnerte sie sich immer besser an ihre Zeit mit Severus; sie fühlte wieder die Freude, die sie empfand, wenn sie mit ihm zusammen war.
Rose hatte geholfen, Kräuter und Tränke abzufüllen, jetzt lag sie schnarchend auf der Gästecouch vor dem Kamin.
Cina betrachtete den schlafenden jungen Mann mit den lilafarbenen Verbänden.
„Needa, das erinnert mich an Severus Behandlung“, sagte Cina gedankenverloren.
Needas Hand mit dem in lilafarbiges Elixier getauchten Verband stockte mitten in der Bewegung. „Herrin, welcher Severus?“ Needa schaute sie fragend aus ihren großen grünen Augen an.
„Ach, nichts.“ Cina legte dem jungen Mann einen neuen Verband an.
„Seit die Herrin im See war, redet sie im Schlaf von Severus und Rudy und Pomona.“ Needas grüne Augen blitzten schalkhaft. „Wenn sie von diesem Severus redete, klang sie sehr verliebt.“
„Du hast gehört, was ich im Schlaf gesagt habe?“, fragte Cina.
Needa nickte.
Cina brachte das lilafarbene Elixier in den Vorratsraum zurück. Derweil dachte sie krampfhaft nach, was sie Needa erzählen konnte. Sicher war, dass vorläufig niemand von ihrer und Severus Snapes Beziehung erfahren durfte. Die Wassermenschenpriesterin hatte sie deutlich gewarnt, etwas von ihrer gemeinsamen Zeit preiszugeben. Im Hier und Jetzt galt Severus als ein Todesser – und damit als ein Feind des Widerstandes. Niemand durfte wissen, dass er ein Doppelspion war.
„Ich hatte Verhandlungen mit den Wassermenschen wegen des Verkaufs von seltenen Wasserpflanzen“, sagte Cina, als sie zurück in die Küche kam. „Und dabei traf ich jemanden namens Severus Mc...Kinley, einen anderen Heiler aus dem Westen. Auch er brauchte dringend Kiemenkraut und Bestandteile für Springkraut und Vielsafttrank, die man nur an den Seen findet“, flunkerte Cina weiter.
„A-ha“, quiekte Needa. „Wie sieht er aus? Ist er nett?“, fragte sie wie aus der Pistole geschossen.
„ Er ist groß und hat dunkles Haar. Und ja, er ist sehr nett“, antwortete Cina lächelnd. Als sie daran dachte, wie Severus und ihre erste Begegnung tatsächlich verlaufen war, musste sie sich ein lautes Lachen verkneifen. Dass Severus sie gefesselt hatte, konnte man nicht gerade als nett bezeichnen.
„Die Herrin hat sich also in diesen Severus Mc Kinley verliebt?“, fragte Needa aufgeregt.
„Ja, Needa. Und bevor du mich weiter mit deinen Fragen löcherst: Severus hatte einen Hauselfen, der hieß Rudy. Und eine Pomona, eine Kräuterfrau, war auch bei den Wassermenschen, aus demselben Anlass wie Severus und ich.“ Cina begann es Spaß zu machen, sich eine Geschichte für Needa auszudenken. Doch sie musste sich bremsen, damit sie nichts erzählte, an das sie sich hinterher nicht mehr erinnern konnte. „Noch eine Frage beantworte ich dir, Needa. Und die ganze Geschichte erzähle ich dir ein anderes Mal. Ich bin hundemüde“, sagte Cina und gähnte.
„Needa freut sich, dass die Herrin jemanden kennengelernt hat.“ Die Hauselfe strahlte sie aus ihren großen dunkelgrünen Augen an. „Wie sind die Herrin und der Herr Mc Kinley sich näher gekommen?“
„Die Heilerin der Wassermenschen hatte uns alle zu einer Art Geschäftsessen eingeladen. Du hättest den Raum sehen sollen, Needa. Er war ganz von grünen leuchtenden Algen erhellt, die von der Decke hingen...und Severus, der schon häufiger dort zu Gast war, saß neben mir und zeigte mir, was von diesen Speisen für Menschen genießbar ist, nachdem ich von einem viel zu scharfen Fischgericht ganz furchtbar husten musste. So kamen wir ins Gespräch.“
Mehr bekam Needa nicht aus Cina heraus.
Beim Verlassen der Küche hörte Cina ihre Hauselfin beim Schmerztrank abfüllen vor sich hin murmeln: „Mitten im Winter in einen eisigen See zu springen wegen Kräutern. Die Herrin muss nicht ganz bei Trost sein.“
Cina schaute amüsiert zu Needa hinüber, bevor sie die Schlafzimmertür schloss. Dort tat sie, was sie tun wollte, seit ihr Fieber abgeklungen war. Sie nahm das Bild ihres verstorbenen Mannes Patrick vom Nachttisch, betrachtete es einen Moment und schob es in ein Seitenfach ihres Reisekoffers. Daraufhin holte sie die transparente, bläulich schimmernde Glaskugel, die sie zum Abschied von einer Wassermenschenpriesterin erhalten hatte, hervor.
..Als Cina über die Kugel strich, sah sie sich auf Star, über dem breiten glitzernden Fluss während des Anflugs auf Hogwarts. Sie tauchte in einen Strom von Erinnerungen ein. Wieder fühlte sie die Freude, die sie empfand, als sie mit Severus zusammen war. Zwei Bilder betrachtete sie besonders lange. Das eine zeigte, wie Severus seinen Arm um sie legte, als sie an der alten knorrigen Eiche am See hinter ihrer Hütte Rast machten. Auf dem anderen lagen Severus und sie Hand in Hand auf einer Decke am See und betrachteten gemeinsam den Sternenhimmel.
Ein glückliches Lächeln huschte über Cinas Gesicht. Dann strich sie zum zweiten Mal über die Kugel und legte sie auf ihren Nachttisch.
Cina wusste, was sie tun würde, sobald sie ihre Aufgabe im Widerstand erfüllt hatte und sobald Voldemort gestürzt war. Sie würde Severus suchen.
Als Severus am nächsten Morgen von einer Hauselfe geweckt wurde, fragte er sich, warum er angekleidet und mit seinem Reiseumhang im Bett lag. Sein Schädel brummte, als ob er gestern Abend einige Gläser Feuerwhiskey zu viel getrunken hatte. Aber wo und mit wem hatte er etwas getrunken? Er ließ die Ledertasche mit seiner Hausapotheke zu sich hinüber schweben und nahm einen Schluck eines blaugrünen Tranks gegen Kopfschmerzen. Als er aufstand, stolperte er fluchend über seine Schuhe, die vor dem Bett lagen.
Plötzlich erhellte sich Severus Miene. Eine Flut von Erinnerungen schoss ihm durch den Kopf. Er erinnerte sich an den schwarzen See, die Wassermenschen und an den azurblauen Kristall, an Cina, wie sie ihn verliebt aus ihren grünbraunen Augen anstrahlte.
„Cina“, sagte er leise.
Er zog eine bläuliche transparente Kugel, die er zum Abschied von der Wassermenschenpriesterin erhalten hatte, aus einer Tasche seines Reiseumhangs. In der Kugel bildete sich aus graublauen und orangefarbenen Farbschleiern ein Bild. Cina und er schwammen gemeinsam in der Abenddämmerung im See. Es war ihm, als ob er wieder das warme Wasser des Sees und Cinas Berührung spürte, als sie seine Hand nahm. Ein Lächeln umspielte Severus schmale Lippen, als er an diesen glücklichen Moment mit Cina zurückdachte. Es schien ein Teil des Zaubers der Wassermenschen zu sein, dass er keine Trauer empfand, Cina verloren zu haben, sondern nur Freude über das Erlebte empfand. Vorsichtig legte er die Kugel auf ein Regal neben seinem Bett.
Seine Gestalt straffte sich. Es gab wichtige Aufgaben, die auf ihn warteten. Und er hatte vor, sich um ein Haustier zu kümmern.
Die Turmuhr von Hogwarts schlug neun, als Neville Longbottom Severus Büro betrat. Auf seiner Wange hatte er tiefe Schnittwunden.
„Sie haben mich gerufen, Schulleiter?“ Aus Neville Longbottoms Stimme klang Verachtung.
„Ja, Longbottom, sonst würden Sie kaum hier stehen. Setzen Sie sich.“ Severus deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Es ging blitzschnell. Severus zog den Zauberstab und richtete ihn auf seinen Schüler. Dessen Blick wirkte plötzlich eigentümlich leer und verschwommen.
Die Stimme von Severus nahm einen hypnotischen Klang an. „Longbottom, du wirst den Raum der Wünsche als Versteck für dich und Dumbledores Armee nehmen. Du wünschst dir ein Versteck – und hör gut zu – du wünschst dir, dass die Carrows und ihre Anhänger nicht in den Raum der Wünsche hineinkönnen. Hast du das verstanden?“
Neville Longbottom nickte. Seine Augen wirkten glasig.
„Du wirst vergessen, dass ich es war, der dir dies vorschlug“, fuhr Severus mit leiser Stimme fort. „Du wirst aufstehen und unverzüglich zum Raum der Wünsche gehen. Hast du verstanden?“
„Ja, ich habe verstanden“, nuschelte Neville Longbottom.
Erneut richtete Severus den Zauberstab auf seinen Schüler. Dessen Blick wurde wieder klar.
„Sie können gehen, Longbottom“, sagte Severus knapp.
Ohne ein weiteres Wort rauschte Neville Longbottom aus dem Schulleiterbüro hinaus. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf Severus Gesicht, während er den Abhörzauber und den Alarmzauber um das Büro aufhob.
Nach dem Gespräch mit Neville Longbottom und zwei Stunden Unterricht in Zaubertränke eilte Severus mit einer Tasche in den verbotenen Wald. Er fühlte sich wie magnetisch angezogen von der großen Lichtung, auf der Hagrids Thestralherde sich die meiste Zeit aufhielt.
Ein großer Rabe verfolgte ihn. Severus wusste, dass es Alecto Carrow war, doch heute war ihm das egal.
Sein Herz schlug schneller, als er hinter einem Brombeergebüsch die ersten Thestrale entdeckte. Zwei Stuten mit ihren Fohlen und ein junger Hengst mit einem weißen Fleck am Ohr raschelten ab und zu mit ihren fledermausartigen Flügeln, während sie an dem spärlichen Wintergras zupften. Sie hoben ihre drachenählichen Köpfe und näherten sich Severus, als sie rochen, was in seiner Tasche war.
Mit einem Stück Fleisch ging Severus langsam auf eins der Fohlen zu. Es nahm die Gabe aus seiner Hand und kaute geräuschvoll. Jetzt drängte sich auch das andere Fohlen an ihn heran. Es war so zutraulich, dass er kurz seine seidige schwarze Mähne berühren konnte, als er es fütterte. Severus erinnerte sich an die Nacht, in der Cina und er Kräuter für Star und das neugeborene Fohlen gepflückt hatten. Er nahm sich vor, von nun an öfters die Thestralfohlen zu besuchen.
Ein anderes Bild tauchte vor seinem geistigen Auge auf, als er auch die Stuten und den Hengst fütterte. Cina und er flogen auf Star über die Hogsmeader Wälder und den breiten glitzernden Strom, ein warmer Wind ließ ihre Reiseumhänge flattern. Ob er es wagen konnte? Es war Ewigkeiten her, dass er allein auf einem Thestral geflogen war. Damals hatte Lilly ihm gezeigt, wie man das Zutrauen eines dieser sanften Tiere gewann. Lilly...er konnte nun ohne Bitterkeit an sie denken.
Unauffällig sah er sich nach dem Raben um. Alecto Carrow war wohl müde geworden, ihn zu beobachten. Umso besser.
Der schwarze Thestralhengst mit dem weißen Fleck am Ohr war ganz nahe. Severus gab ihm ein weiteres Stück Fleisch. Dann legte er beherzt seine Hand auf den Hals des Thestrals und kraulte ihn am Hals. Der Hengst schnaubte, blieb aber ruhig stehen. Als Severus sich sicher war, dass die Begrüßung erfolgreich war, schwang er sich auf den Rücken des Hengstes.
„Fliege eine Runde über den verbotenen Wald“, dachte er konzentriert. Tatsächlich, der Thestral hörte auf zu tänzeln. Er galoppierte an, schlug kräftig mit seinen fledermausartigen Flügeln, stieß einen hohen Schrei aus – und hob ab. Severus ließ sich den kalten Wind um die Nase wehen. Für die Dauer des Fluges dachte er weder an sein nächstes Treffen mit Voldemort, noch an die skrupellosen Carrow-Geschwister und die Sicherheit seiner Schüler. Er fühlte sich frei. Die riesigen Baumkronen des verbotenen Waldes glitten unter ihm hinweg, durch die kahlen Äste hindurch erblickte er ein milchig weiß leuchtendes Einhorn an einem Waldsee, etwas weiter entfernt eine Herde galoppierender Zentauren.
Auf dem Weg zu seinem Büro kam Alecto Carrow Severus entgegen.
„Sie haben wohl einen kleinen Ausflug in den verbotenen Wald gemacht?“ Ihr schiefes Grinsen offenbarte eine Reihe gelber Zähne.
„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht, Carrow. Stecken Sie Ihre Nase in Ihre eigenen Angelegenheiten“, erwiderte Severus. „Sie sollten die Zeit, die Sie damit vertun, mir hinterher zu spionieren, besser nutzen, um Ihren Unterricht vorzubereiten.“
„Ganz zu Diensten, Schulleiter“, sagte Alecto Carrow höhnisch. „Was finden Sie eigentlich an diesen Thestral-Viechern, Snape? Für mich sind das bessere Skelette.“
„Das geht Sie ebenfalls nicht an. Übrigens, Carrow, ich habe von Anfang an gemerkt, dass Sie mir gefolgt sind. So einen hässlichen Raben sieht man nicht alle Tage. Bemerkenswert, wie Sie das zustande bringen“, höhnte Severus.
„Man tut, was man kann.“ Allein Alecto Carrows Blick zeigte ihren Ärger, bevor sie sich abwandte.
„Die Versammlung mit dem Dunklen Lord findet heute Abend erst um zwanzig Uhr statt. Kommen Sie nicht wieder zu spät, Snape“, rief sie Severus über die Schulter zu, während sie mit hängenden Schultern in Richtung Große Halle schlurfte.
„Man tut, was man kann“, rief Severus ihr spöttisch hinterher.
Severus grinste. Insgeheim bereitete es ihm eine diebische Freude, dass Alecto Carrow lediglich ihre Zeit mit ihren Schnüffeleien vergeudet hatte. Er nahm nicht an, dass es den dunklen Lord sonderlich interessieren würde, dass sein engster Vertrauter in seiner Freizeit Thestrale fütterte.
Noch vor ein paar Tagen hätte er anders reagiert. Er hätte Alecto Carrow entnervt seinen Zauberstab unter die Nase gehalten und ihr seine schrecklichsten Flüche angedroht, für den Fall, dass sie ihn nochmal in den verbotenen Wald verfolgen würde. In der Vergangenheit hatte sich allerdings herausgestellt, dass Androhungen bei den Carrows nicht viel halfen. Sie waren eine wahre Landplage. Da war es doch besser, ihre Spionageversuche ins Leere laufen zu lassen. Jetzt hatte er wieder die Kraft dazu, sie auszutricksen.
Guter Laune betrat Severus sein Büro und holte einige Schilfwurzeln, die er am schwarzen See ausgeraben hatte, aus seiner Tasche. Cina hatte ihm erzählt, wie schmackhaft sie waren.
„Das haben Sie gut gemacht mit Longbottom, Severus“, meldete sich Dumbledores Portrait hinter seinem Schreibtisch zu Wort. „Ich bin mir sicher, Sie werden es jetzt auch schaffen, Harry zu gegebener Zeit die Informationen zu geben, die er braucht, um Voldemort zu besiegen. Nicht wahr, Severus?“ Dumbledore lächelte ihm aus seinem Rahmen zu.
„Das werde ich“, erwiderte Severus. „Wenn es mir auch nicht leicht fällt.“
„Es tut gut, zu sehen, dass es Ihnen wieder besser geht, Severus“, sagte Dumbledores Portrait.
„Dank Ihrem Geschenk, Dumbledore, dem blauen Kristall der Seemenschen. Die Zeit mit Cina war die glücklichste im meinem Leben“, sagte Severus leise.
„Cina. Ein schöner Name. Und ein seltener dazu. Lassen Sie mich raten, Severus...Suchten Sie sich Cina Mc Laggen als Ihre Freundin aus? Ich erinnere mich, dass sie schon zu Schulzeiten ein Auge auf Sie geworfen hatte.“ Dumbledores Portrait schmunzelte.
„Scharfsinnig kombiniert, Dumbledore, wie immer.“ Severus nickte anerkennend.
„Ich bin darauf gespannt, die ganze Geschichte von Ihnen zu hören, Severus. - Werden Sie sie suchen?“, fragte Dumbledores Portrait.
„Zu gegebener Zeit“, antwortete Severus. Lilafarbene Funken schienen in seinen Augen zu tanzen. „Ich werde nicht ruhen, ehe ich Cina gefunden habe.“
Ende
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