
von Morgain LeFay
Nachdem ein wenig Zeit vergangen ist, bin ich schließlich wieder zu Hause angekommen.
„Oh, na wer beehrt uns denn da mit seiner Anwesenheit?“, Bellas Stimme klingt gespielt überrascht. Sicher ist sie furchtbar wütend.
„Ich war nur kurz frische Luft schnappen.“
„Na dann bist du ja bereit für den letzten Fluch.“
„Wenn es sein muss.“
Ich ziehe meine Winterjacke aus und warte auf weitere Instruktionen. Mutter bleibt unerwarteter Weise stehen. Ich dachte, sie führt mich in den Wintergarten, wo wir allerlei Pflanzen und Kleintiere halten.
„Ähm.. Worauf warten wir?“
„Einen Moment noch, Liebes.“
Ihr Ton gefällt mir ganz und gar nicht. Noch viel mehr Angst macht mir ihr breites Grinsen, als ob man ihr gerade ein Geschenk überreicht hätte.
Nach wenigen Augenblicken knallt die Tür auf und Lucius kommt mit meinem Kniesel Ianna herein. Er hält die Katze weit von seinem Körper, als würde sie stinken oder ihn angreifen.
„Hier. Verdammtes Katzenvieh.“. flucht er. Er hält sie mir hin.
„Was ist mit ihr?“
„Das verfluchte Tier hat mich gebissen.“
„Einfach so? Sie hat noch nie jemanden angegriffen.“
Ich nehme Ianna entgegen und hebe sie auf meinem Arm, als würde ich ein Baby halten. Lucius zieht verächtlich seine Nase nach oben und kneift seine Augen zusammen. Dann lässt er uns wieder allein.
Fragend sehe ich zu Bella. Inna klettert derweil auf meine Schultern und legt sich entspannt hin.
„Na dann kann’s ja losgehen.“, freut sich Mutter.
„Gehen wir?“
Als ich den ersten Schritt zur Tür hin mache, hält sie mich zurück:
„Wir machen es hier.“
„Na gut, dann gib mir die Spinne oder was weiß ich.“
In dem Moment erkenne ich die Zusammenhänge und befürchte Schlimmes:
„Du hast doch nicht..!“
Aber ihr überglückliches Lächeln verrät es mir. Schnell überlege ich – wie kann ich mich da herauswinden?
„Du hast es versprochen! Wir wollten nur eine kleine Spinne nehmen!“
Verrückt wirbelt sie mit ihrem Kopf umher, während sie nun ernst sagt:
„Wir sprachen nur von den Hausdienern. Außerdem hast du was gut zu machen.“
„Was denn? Nur weil ich kurz unterwegs war?“
„Pah! Denkst du etwa, dass mein Kind den Ruf haben darf, wie ein Gryffindor zu sein? Wie kommst du dazu, dich für andere einzusetzen? Weißt du, wie erniedrigend das für mich ist?“
„Für dich?!“
Schnell packt Bella den Kniesel im Nacken und zieht sie mir von den Schultern. Mit ihrem Zauberstab zeigt sie auf Iannas Kopf.
„Dieses Katzenvieh stirbt.“, erklärt sie diplomatisch, wirft sie auf den Fußboden und ruft im selben Atemzug: „Petrificus Totalus!“
„Du weißt, dass ich das nicht mache, oder?“
Beim Grinsen kommen ihre schwarzen Zähne hervor.
„Oh doch, Süße.“
„Ich bring doch nicht mein eigenes Haustier um!“
Sie wedelt einmal mit ihrem Zauberstab und meine linke Hand tut so weh, als würde man heißes Wasser darüber schütten. Ich schreie lauthals los.
„HÖR AUF!“, kreische ich so laut wie noch nie und halte meine Hand fest. Der Schmerz lässt nach.
„Ich kann sie nicht umbringen, bitte lass mich was anderes machen!“
Kalt sieht Bellatrix mich an. Ob ich das lange aushalten kann, ist fraglich. Auf einmal geht die Tür auf.
„Ist alles in Ordnung?“
„Raus, Zissy!“, befiehlt Mom laut. Doch ich versuche meine Chance zu nutzen und laufe Narzissa entgegen.
„Bitte! Bitte hilf mir, Narzissa!!“, ich bekomme wieder Schmerzen in der Hand, „NEIN! BITTE!“, um den Schmerz zu verarbeiten reicht das Kreischen nicht mehr, ich beginne zu weinen und werfe mich meiner Tante bettelnd vor die Füße „NARZISSA! HILF MIR, BITTE!!!“
Erschüttert sieht die graziöse Frau mich an und will mir helfen. Da sie aber nicht weiß wie, geht sie schnellstens zu Bella.
„Hör auf damit! BELLA! Hörst du!“
Der steht die Wut ins Gesicht geschrieben. Kurz lässt sie von mir ab, dafür zeigt sie mit dem Zauberstab auf ihre Schwester und ruft: „Crucio!“
Ich mache große Augen. Sie foltert ihre eigene Schwester?!
Narzissa fällt auf die Knie und jammert.
„Nein! Hör auf!“, schreie ich und laufe auf die Schwarzhaarige zu. Ohne zu bremsen werfe ich mich auf sie, sodass wir beide zu Boden gehen und Narzissa befreit ist. Mom und ich rangeln um die Oberhand, ihr Zauberstab steht zwischen uns.
„Bitte lass es sein! Wenn du willst, bring ich einen Vogel um. Oder ein Reh, aber bitte nicht Ianna!“
Vorerst habe ich die Oberhand:
Sie liegt auf dem Boden, ich sitze quasi auf ihr und halte irgendwie ihre Gliedmaßen fest. Bei Gelegenheit ziehe ich ihr sogar den Zauberstab aus der Hand und werfe ihn in die Ecke. Auf einmal hält Bella still und sieht mir weder freundlich noch böse in die Augen.
Kennst du das, wenn dir eine bestimmte Person tief in die Augen schaut und du das Gefühl hast, in einer anderen Welt zu sein? Wenn die Augen dir tausend Dinge sagen und dir so jeder andere Gedanke genommen wird? So fühlt es sich jetzt an. Ihre bräunliche Iris funkelt wie ein unbezahlbarer Diamant, ihre Atmung geht ganz leise wie die einer Katze und ihre lockigen Haare wirken stark wie die schutzbietende Nacht. Jetzt würde ich sie gern umarmen.
Ich glaube so fühlt sich Liebe an.
„Du bist so hübsch, Mutter.“, eröffne ich ihr ehrlich und erhoffe mir insgeheim ein ähnliches Kompliment.
Doch anstatt zu antworten, spuckt sie mich verabscheuend an, reißt kräftig ihren rechten Arm aus meinem Griff, wirf mich zur Seite und presst mich zu Boden. Ihre flache Hand liegt auf meiner linken Wange und drückt somit die rechte fest auf - wenn es ginge, in- den Fußboden. Warum musste dieser schöne Augenblick vergehen?
Doch Narzissa ist auch noch hier. Deutlich verängstigt und unsicher steht sie neben uns. Bella befiehlt:
„Raus, Zissy! Keine Störungen mehr!“
Umgehend läuft meine Tante zur Tür. Als die geschlossen ist, widmet sich Bellatrix ganz mir:
„Du Missgeburt wagst es tatsächlich, dich noch immer gegen mich zu stellen.“
„Nein, ich-“
„Schweig! Du legst es tatsächlich darauf an, mich zu reizen.“
Ich wage nicht, etwas zu sagen. Nicht einmal richtig ansehen kann ich sie aus der Position – jetzt bin ich am Ende.
„Ich gebe dir noch EINE Chance, Morgaina.“
Mom lässt von meiner Wange ab, dafür pack sie sich meine Haare und holt mit ihrer freien Hand ihren Dolch aus dem Holster. Sie zielt mit der Messerspitze auf mein linkes Auge - es ist keine 5cm weit entfernt.
„Töte dieses Vieh, oder du wirst in ewiger Dunkelheit leben.“
Meine Augen sind vor Angst extrem weit aufgerissen, doch ich kann ihr das nicht ganz glauben:
„Du willst deiner eigenen Tochter die Augen ausstechen? Das kannst du nicht machen. Was glaubst du, was die anderen dazu sagen?“
Sie legt ihren Kopf so nach an meinen, dass ich ihre Lippen an meinem Ohr spüre, wenn sie sich zu Vokalen formen:
„Ich würds nicht drauf ankommen lassen, Kleines.“
Als der Dolch näher kommt, schließe ich die Augen und gebe nach. Ohne zu zögern zieht Mom mich an den Haaren nach oben und gibt mir meinen Zauberstab, der noch in meiner Jackentasche steckte.
Sie lässt meine Mähne noch nicht los, hält dafür ihren Kopf ganz dicht an meinen und wartet ungeduldig. Ich hebe meine Hand mit dem Tötungswerkzeug, zittere sehr und frage:
„Muss ich was beachten? Wie beim Cruciatus?“
„Du musst es töten wollen. Hast du keine Tötungsabsicht, verpufft der Zauber. Aber das empfehle ich deiner Gesundheit nicht. Eine Lestrange muss das können.“
Ich nicke. Noch einmal umklammere ich meinen Zauberstab fest, ein paar Tränen lösen sich und als ich die Augen schließe, um mich zu sammeln, spüre ich Dunkelheit. Sobald sich meine Augen wieder öffnen, sehe ich, wie Bella mich von der Seite anstarrt, als wöllte sie mich genauestens analysieren. Ich spüre ihren warmen Hauch auf meiner Haut, der mir noch einmal mehr Druck macht. Mein Blick gleitet zu meiner erstarrten Katze, die mich mit ihren großen, schwarzen Kulleraugen ansieht.
„Avada Kedavra!“, rufe ich laut und zerreiße mich innerlich. Ein grüner Lichtblitz rast auf das Tier zu! Dem Kniesel schwindet der Schein aus den Augen und der Körper erschlafft. Ich habe meine eigene Katze getötet.
Bellatrix wiederum starrt mich noch immer an und beginnt zufrieden zu lächeln, als ich meine leeren Augen senke.
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