
von angelofdarkness
Paul McCartney
„Wie seid ihr in mein Verlies gekommen, Schlammblut? Wie habt ihr es geschafft? Und WAS habt ihr gestohlen?“ Hermines Atem zitterte und ihre Pupillen weiteten sich. Bellatrix Lestrange drückte sie mit ganzer Kraft auf den Boden und vor lauter Angst liefen der jungen Hexe Tränen über das Gesicht und tropften klanglos auf den kalten Steinboden. „Sag schon!“, zischte die Todesserin nochmals. „Wir haben nicht – nichts genommen, bitte! Sie müssen mir glauben!“
Ein kurzes, grausames Grinsen umspielte kurz die Lippen der Älteren. „Nun gut, du wertloses Schlammblut, wer nicht gestehen will, muss wohl fühlen.“
„Nei-!“ – doch bevor Hermine überhaupt etwas tun konnte, hatte sich Bellatrix bereits den Arm des Mädchens zugewandt, riss den Dolch aus den Untiefen ihres Kleides empor und schnitt ihrem Opfer ins Fleisch.
Ein lauter Schrei ertönte und hallte an den Wänden wider. Bellatrix lachte laut auf und blickte Hermine nochmals kurz in die Augen.
Was die junge Hexe sah, ließ sie den Schmerz für einen Moment vergessen: Die schwarzen Augen waren kalt, bluthungrig und gewissenlos.
Dann wendete sich Bellatrix wieder ab und machte sich wieder an Hermines Arm zu schaffen.
Grellender Schmerz durchschoss den Körper des jungen Mädchens; sie bäumte sich auf und versuchte, die Todesserin irgendwie wegzustoßen. Sie verkrampfte sich und biss sich auf die Unterlippe, bis diese zu bluten anfing.
Irgendwann versiegten ihre Schreie und ihr linker Arm wurde taub. Sie wandte den Kopf ab, schämte sich für die Tränen und für die Angst, die sie so offen zur Schau gestellt hatte.
Kurze Zeit später sah sie aus dem Augenwinkel, dass die Ältere ihr Werk vollendet hatte. Doch sie wollte das, was die Hexe geschaffen hatte, nicht sehen.
Sie wollte nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nichts mehr fühlen.
Bellatrix umfasste ihren Kiefer mit Gewalt und zwang Hermine somit, den Kopf zu drehen und ihr wieder in die Augen zu sehen.
„Zufrieden?“, hörte sie sich selbst flüstern, doch es klang nicht wie sie selbst. Ihre Stimme gehörte einer Fremden.
Ein diabolisches Lächeln erschien auf Bellatrix‘ Gesicht. „Das wünscht du dir wohl.“ Dann ließ sie von Hermine ab, doch diese wagte es nicht, sich auf irgendeine Weise zu bewegen. Nur eine einzige, vielleicht tödliche Frage, lag ihr noch auf der Zunge.
„Warum?“ Als bald das Wort ihren Mund verlassen hatte, wollte sie es wieder hinunterschlucken, doch es war zu spät.
Bellatrix blickte auf sie hinab, in ihrem Blick lag eine Mischung aus Verachtung und Genuss, als sie ihren Zauberstab zog und damit auf das Mädchen zeigte, dass willenlos vor ihr lag.
„Crucio.“ Kaum war es ausgesprochen, durchschoss ein Strahl aus unendlicher Qual den Körper von Hermine. Sie verrenkte und krümmte sich, während ihre Stimme durch ihre Schreie immer mehr an Klang verlor.
Die Unendlichkeit dieser Folter wurde ihr erst bewusst, als der Schmerz ihren Körper ebenso schnell verließ, wie er gekommen war.
Es konnte sich nur um Sekunden gehandelt haben, dennoch steckte die Peinigung in ihren Knochen fest, ihr Herz drohte zu zerspringen und ihr Kopf fühlte sich schwer und pochend an.
„Wieso ich das tue, fragst du?“, fragte Bellatrix mit kalter Stimme und umwanderte ihr Opfer einmal. Dann beugte sie sich runter und setze eine Maske von Mitgefühl auf. „Weil ich verlange, dass du bereust.“
Hermine schloss die Augen und spürte, dass sie nicht mehr fähig war, zu weinen. Ihr Schicksal war besiegelt, sie würde hier sterben, erbärmlich auf den Boden liegend, ohne die Chance auf Rettung.
Auf einmal packte sie unerklärlicher Mut und sie zwang sich auf die Beine, obwohl der Schmerz noch immer durch ihre Venen jagte.
Erst als sie fest auf beiden Füßen stand, wagte sie es, die Augen wieder zu öffnen. Sie stand nur einige Zentimeter von Bellatrix entfernt, jedoch nach genug, um deren Atem auf der Haut zu spüren.
Doch davon bekam Hermine nicht viel mit, da sie wie gebannt in die Augen der Todesserin starrte.
Der Blick der Älteren war anders, beinahe verstört. Die Schatten waren komplett gewichen, offen konnte Hermine in sie hineinblicken. Für einen Moment schienen nur sie beide zu existieren, die Luft vibrierte und die Spannung zum Zerreißen. Die junge Hexe konnte ihr Spiegelbild in den Augen der Anderen erkennen und in diesem Augenblick begriff diese wohl, dass sie sich soeben bloßgestellt hatte, verletzlich wurde.
Und somit nahm Hermine den Schlag ins Gesicht überhaupt nicht wahr; erst, als sie sich auf den Boden wiederfand, realisierte sie, was geschehen war. Warmes Blut sprudelte in ihrem Mund, ihr eigenes.
Dann nahm der Schatten ihren Blick ein und sie verlor sich in der Dunkelheit.
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