
von Gwen Potter
Ich hasste es! Ich hasste dieses Leben. Reden war verboten, jeder meiner Schritte wurde kontrolliert. Ich freute mich auf Hogwarts. Ich würde nicht mehr eingeschränkt sein. Ich durfte ich selbst sein und musste nicht immer nicken und mit dem Kopf schütteln. Ich war seit meiner Geburt größtenteils von der Außenwelt abgeschottet worden. Ich kannte meine Familie, das Personal und ein paar wichtige Persönlichkeiten Englands, das war es dann aber auch schon. „Rose!“, hörte ich die Stimme meiner Mom rufen. Ich blickte auf die Uhr. Der Zeit nach zu urteilen, war das Mittagessen fertig. Genervt drehte ich mich um und kehrte den weiten Feldern den Rücken zu. Ich hatte die Zeit ohne meinen Bruder genossen, jetzt wo er wieder da war, würde es unerträglich werden. Nicht das sich groß etwas ändern würde, aber nun gut, die Hölle war hier und ich könnte sie bald verlassen.
„Mom!“, Ich machte mich von ihr los. Mein Bruder war schon längst im Zug verschwunden, aber mich musste sie mal wieder hinhalten. „Pass auf dich auf!“, flüsterte sie mir noch leise ins Ohr, als ich mich endgültig von ihr löste und meinen Koffer in den Zug hievte. Ich ging durch mehrere Abteile und suchte nach einem freien. Da sich keins finden ließ, zog ich eine der Abteiltüren auf, in dem ein rothaariges Mädchen saß. „Entschuldige, ist hier noch frei?“, fragte ich sie. Sie drehte sich lächelnd zu mir um und nickte. Ihrem Aussehen nach zu urteilen musste sie genauso alt sein wie ich. Mit all meiner Kraft versuchte ich meinen Koffer auf die Ablage zu hieven. Als ich es endlich hinbekam, sah ich den Grund dafür. Das Mädchen war aufgestanden und hatte mir geholfen. Dankbar sah ich sie an und ließ mich auf die Bank fallen. Ein Schweigen breitete sich aus. Bis sie das Wort ergriff. „Hi, ich bin Ginny Weasley.“ Ich sah sie dankbar an. „Rose Malfoy, freut mich dich kennen zu lernen.“ Ich wusste nicht was es war, doch ihr Blick hatte sich in Sekundenschnelle geändert. „Malfoy?“, fragte sie unsicher. Ich seufzte. Der schlechte Ruf meiner Familie in der Zauberwelt eilte mir wohl voraus. Natürlich war ich noch nicht allzu oft damit konfrontiert worden, aber ich hatte mir oft ausgemalt, wie es sein würde. „Ja, Malfoy.“ Sie schenkte mir noch ein kurzes Lächeln und versank dann in ein Buch. Ich wusste, was meine Eltern getan hatten und dass wir eine sehr einflussreiche Familie waren, dass meine Eltern nur reine Zauberer mochten war mir auch klar und genau das machte sie auch so unbeliebt. Also auch mich.
„Rosalie Malfoy!“, rief Professor McGonagall. Ich sah, wie viele Blicke auf mich fielen, alle mit der festen Annahme, ich würde nach Slytherin kommen, doch das würde sich noch erst zeigen müssen Ich trat vor, setzte mich auf den Stuhl und setzte mir den Hut auf . Sehr reines Blut und geschicktes Denken. Ich schrak leicht zusammen, als ich die Stimme in meinem Kopf hörte. Du würdest gut nach Slytherin passen. Aber da ist noch was. Ich sehe unglaublich viel Mut, ich glaube du solltest nach „GRYFFINDOR!“ Verwirrt begannen die Gryffindors zu klatschen und die Slytherins doof zu gucken. Auch die Lehrer schienen verwirrt. Es war noch nie vorgekommen, dass eine Malfoy, eine auf reines Blut bedachte Familie, nach Gryffindor kam. Ich stand auf, setzte den Hut ab und lief zu meinem neuen Haustisch. Ich war zufrieden, sehr zufrieden.
Panisch lief ich in meinem Schlafsaal hin und her. Ich hatte solche Angst, dass ihr etwas passierte, hätte ich doch auf sie aufgepasst! Ich schien mir selbst hilflos aufgeliefert. Ich rannte die Stufen herunter, um nicht mehr alleine zu sein. Ich brauchte jetzt Menschen um mich herum. Als ich den Gemeinschaftsraum betrat sah ich die Weasleys und Harry betrübt in einer Ecke sitzen und ging langsam auf sie zu. Sie blickten nicht einmal auf, als ich mich neben sie auf einen Sessel fallen ließ. „Können wir nicht irgendetwas tun?“, fragte ich. Ich erhielt ein einheitliches Kopfschütteln. Ich hasste es, nichts zu tun, dass machte mich nervös und wenn ich nervös wurde, neigte ich zu Wutausbrüchen. Percy stand auf und verschwand. Ich sah Harry und Ron an und hoffte, dass sie jetzt, wo Percy weg war, endlich agieren würden. „Kommt schon!“, flehte ich sie an. „Wir können sie doch nicht da unten verrotten lassen! Sie ist deine Schwester, Ron!“ Ich merkte, wie die Wut langsam hoch brodelte, denn meine Stimme wurde zunehmend hysterischer. Harry schien das zu bemerken. „Ich hätte vielleicht eine Idee“, begann er. „Danke, also?“, fragte ich. Er erzählte uns, was er vorhatte. Es hörte sich nicht gerade ungefährlich an, doch ich konnte nicht zulassen, dass Ginny etwas passierte. Sie war immer für mich da gewesen und jetzt war ich nicht für sie da.
Nervös stand ich in Dumbledores Büro, während mich alle anstarrten. Ich wollte gerade den Mund aufmachen, als hinter mir die Tür aufgestoßen wurde. Erleichtert atmete ich auf, als ich Ginny, Harry und Ron lebend sah und rannte auf sie zu. Ich drückte Ginny an mich, als hätte ich sie Jahre lang nicht gesehen. Als wir uns voneinander lösten, rannte sie auf ihre Mutter zu und ich umarmte Harry und Ron dankbar und glücklich, dass sie noch am Leben waren, zu gleich. Harry begann zu erzählen, was passiert war und als er das Tagebuch hoch hielt, stockte mir der Atem. „Ginny, wieso hast du mir das nie gezeigt?“, fragte ich sie bestürzt. Sie sah mich verwirrt an. „Keine Ahnung“, antwortete sie. „Wieso fragen Sie das, Miss Malfoy?“, fragte mich Dumbledore neugierig. „Dieses Tagebuch lag bei uns zu Hause. Auf Dads Schreibtisch, ich hab es mir angesehen und als ich es in die Hände nehmen wollte, kam er rein und hat es vor mir versteckt.“, erzählte ich. Mein Vater, mein eigener Vater hatte meiner besten Freundin all das angetan. Ich wollte es nicht wahr haben. Ich spürte wir mir ein paar Tränen vom Kinn flossen und wischte mir sie schnell weg. „Mrs. , Mr. Weasley , könnten Sie Ihre Tochter und Miss Malfoy bitte auf die Krankenstation begleiten, die beiden könnten jetzt gut ein heiße Tasse Schokolade gebrauchen.“
Wir saßen im Zug Richtung London und ich spürte einen Kloß im Hals. Ich hatte Angst nach Hause zu kommen. Meine Eltern hatten mir bereits einen Heuler geschickt, als sie von meinem verfluchten Bruder erfahren hatten, dass ich nach Gryffindor gekommen war. Was mir in den Sommerferien wiederfahren würde, wollte ich gar nicht erst wissen. Ich versuchte die letzten Stunden so gut es ging zu genießen. Wir spielten mehrere Runden Snape Explodiert, wenn meine Eltern das erfahren würden, würden sie mich umbringen. Doch sie wussten es nicht. Als wir am Bahnhof King Kross ankamen, sah ich die Freude aller nach Hause zu ihrer Familie zu kommen. Nur ich, ich wollte nicht. Dann viel mein Blick auf Harry, der neben mir lief. Auch er schien nicht begeistert zu sein, Hogwarts verlassen zu müssen. Mit Ginny durchquerte ich die Absperrung . Dort stand die Familie Weasley und lächelte uns zu. Meine eigene Familie konnte ich nur aus dem Augenwinkel erkennen. Ich verabschiedete mich von allen mit einer Umarmung. Auch von Hermine und mit größter Genugtuung sah ich den verzehrten Blick meiner Familie, der ich mit einem Lächeln entgegen ging, zurück in die Hölle.
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