»Harry, hättest du vielleicht die Güte, mir mal einen Moment lang zuzuhören?«, fragte Ginny gereizt.
Harry, der bäuchlings auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum lag und in einem Buch mit dem Titel „Quidditch - Tipps & Tricks“ herumblätterte, gab nur ein kurzes, undefinierbares Geräusch von sich.
Ginny seufzte grottentief, richtete sich in ihrem Sessel auf und sah ernst zu ihrem Freund hinüber. »So geht das nicht weiter, Harry. Du beachtest mich überhaupt nicht mehr! Wann haben wir das letzte Mal etwas zu zweit unternommen?«
Harry drehte den Kopf in Ginnys Richtung und sah diese verwundert an. »Das war doch erst gestern!«
Ginny schlug die Hand vor die Stirn. »Harry, ich bitte dich! Ich habe dich zum hundertsten Mal zum Quidditchfeld begleitet und wir waren höchstens eine halbe Stunde allein, dann kamen Dean und Seamus dazu! Und außerdem hattest du während dieser halben Stunde nichts besseres zu tun, als über die Vorzüge eines Feuerblitzes zu reden!«
Harry atmete tief durch, schlug das Buch zu und setzte sich auf. Er sah seine Freundin mit einem eher desinteressierten, aber auch irgendwie reuevollen Blick an. »Du weißt doch, dass in drei Wochen das Spiel gegen Slytherin stattfindet! Ich muss mich vollkommen auf das Fliegen konzentrieren, danach bin ich wieder voll für dich da!«
»Danach?«, fragte Ginny entsetzt. »Harry, ich habe Bedürfnisse! Ich habe keine Lust auf drei weitere Wochen der vollkommenen Ignoranz!« Genervt und enttäuscht stand die Rothaarige auf und ging zum ausgang. das Portrait der Fetten Dame schwang sofort zur Seite.
»Wo willst du denn hin?«, rief Harry, doch da war Ginny bereits verschwunden.
*~*
Es fühlte sich gut an. Ja, doch. Es war ein gutes Gefühl. Naja gut, es war nicht perfekt und irgendwie ein bisschen zu feucht, aber das würde sich bestimmt irgendwann ändern. Er musste nur ein bisschen üben und sie konnte ihm dabei helfen.
»Ron?«, murmelte Hermine, die gerade in einen mehr oder weniger leidenschaftlichen Kuss mit Ron verwickelt war. Ron war wirklich ein liebeswerter Typ, er war witzig, er konnte richtig süß sein - aber küssen - das würde er noch lernen müssen.
»Hmh?«, machte Ron und begann statt ihren Mund, ihren Hals zu küssen. Seine Hände wanderten an ihrem Rücken auf und ab, schoben ihr Shirt hoch und runter.
»Wollen wir nicht-« Hermine räusperte sich und strich sich verlegen eine Strähne hinter das Ohr. »Wir sollten mit Astronomie weitermachen.«
Ron stöhnte auf und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er warf einen eher abgeneigten Blick auf die Bücher und Pergamentseiten, die auf dem Tisch verteilt lagen. In dem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit, konnte sich Hermine unbemerkt über den Mund wischen. Rons Küsse waren wirklich feucht. Geradezu nass.
»Können wir das nicht heute Abend machen? Oder-« Rons Ohren liefen rot an. »-könntest du meinen Aufsatz nicht einfach später zuende schreiben? Ich meine, du bist viel klüger und dir geht der ganze Kram ganz leicht von der Hand-«
Hermine runzelte die Stirn. Das war ja mal wieder typisch für ihn. Ron war einfach lernfaul. Wenn er viel Arbeit irgendwie umgehen konnte, dan tat er das auch und scherte sich nicht mehr darum.
»Ron!«, sagte Hermine tadelnd. »Nein. Nein, das werde ich nicht tun. Du musst das selbst machen! Wie willst du denn die Prüfungen schaffen, wenn-«
»Danke, mom.«, entgegnete Ron genervt. »Darum werde ich mich schon selbst kümmern! Wieso bist du nur so spießig?«
Spießig? Hatte er sie gerade spießig genannt?!
Wütend stand Hermine auf und fegte dabei eines der Bibliotheksbücher vom Tisch, was ihr einen strafenden Blick von Madame Pince einbrachte, die durch die Gänge schlich, auf der Suche nach einem sich falsch verhaltenden Schüler.
»Was soll das, Ron? Wieso regt es dich immer gleich auf, wenn ich mal etwas an deiner Einstellung auszusetzen habe? Du tust ja gerade so, als würde ich dich immer nur zum Lernen bewegen wollen!«
»Aber so ist es doch auch.«, maulte der Rothaarige und fischte seine Tasche unter dem Tisch hervor.
Ungläubig schüttelte Hermine den Kopf. »Du bist so- so-« Ihr fiel kein Wort ein, welches Rons sensible Gefühle nicht verletzt hätte. »Weißt du was?«, sagte sie knapp, »beschwer dich bloß nicht bei mir, wenn du durch die Prüfungen rasselst!« Mit diesen Worten schnappte sich Hermine die Bücher, die sie für diese Woche ausgeliehen hatte und verließ die Bibliothek, ohne sich nochmal umzusehen.
*~*
Am folgenden Abend lagen beide Mädchen noch lange wach.
»Gin? Schläfst du schon?«, flüsterte Hermine ins Dunkel.
»Nein.«, gab Ginny leise zur Antwort. Sie schaltete das Licht ihrer Nachttischlampe an und drehte sich auf die Seite. Auch Hermine erhob sich ein Stück und stützte das Kinn auf ihre Hände. Beide konnten am Gesichtsausdruck der jeweils anderen erkennen, wie sie sich fühlte.
»Stress mit Harry, was?«, fragte Hermine mitfühlend.
»Ach, den interessiere ich gar nicht mehr.«, murmelte Ginny bitter. »Was ist mit meinem nervigen Bruder? Ich hoffe er behandelt dich besser, als Harry mich.«
Hermine seufzte leise in die Stille hinein. »Er ist einfach so desinteressiert, an allem was ich sage oder tue! Am liebsten würde er den ganzen Tag mit Fummeln verbringen.«
Ginny kicherte leise hinter vorgehaltener Hand. »Du Arme. Er ist nicht gerade erfahren, oder?«
Hermine drückte ihr Gesicht kurz ins Kissen. »Nein. Aber damit käme ich noch klar, wenn er sich nicht ständig gegen das Lernen wehren würde! Ich meine es kann doch nicht sein, dass man sich für nichts interessiert?! Bücher sind für Ron wie fleischfressende Pflanzen.«
»Ich verstehe dich. Das Einzige, für das sich Harry interessiert, ist für Quidditch. Wirklich, ich kann tun was ich will, der würde mich nicht mal bemerken, wenn ich nur im String vor ihm stehen würde!«
Hermine seufzte, drehte sich auf die andere Seite und sah aus dem Fenster. Der Himmel war gespickt von Sternen.
»Männer sind wirklich das Allerletzte.«
»Das kannst du laut sagen.«, stimmte Ginny zu.
»Wir machen uns ständig hübsch für sie-«
»-und stehen dafür Stunden vor dem Spiegel!«
»Und die sind so blind, dass sie das gar nicht sehen.«
»Für die Männer sind wir Frauen doch selbstverständlich.«
»Dabei kämen sie ohne uns gar nicht klar. Ron würde in dem Berg an Hausaufgaben versinken, wenn er mich nicht hätte!«
»Ja und Harry hat niemanden, der ihm so sehr den Rücken stärkt, wie ich.«
Ginny zwirbelte eine ihrer Strähnen um den Finger und dachte nach. Sie hatte es endgültig satt, für Harry nur an zweiter Stelle zu stehen. Sollte er doch mit seinem besen zusammenkommen! Der würde ihn sicher glücklicher machen. Bitter. Der Gedanke war wirklich bitter, aber sie wollte jetzt einfach mal nur an sich denken.
»Weißt du was?«, fragte Hermine leise.
»Was?«, gab Ginny zurück.
»Wir sollten uns an den Männern rächen. Im Namen aller Frauen auf dieser Welt.«
Ginny zog überrascht die Augenbrauen hoch und wandte sich wieder in Hermines Richtung. »Meinst du?«
»Warum denn nicht? Ron muss endlich mal merken, dass ich keine Selbstverständlichkeit bin.«
»Ich hab's auch satt, ignoriert zu werden.«, gab Ginny zu. »Aber wie willst du das anstellen?«
»Ganz einfach - Wir machen Harry und Ron eifersüchtig.«
»Sie eifersüchtig machen?«, fragte Ginny und dachte einen Moment nach. »Okay, aber das reicht nicht. Wenn wir uns schon die Mühe machen, dann lassen wir es richtig krachen, sodass es den beiden noch lange in den Ohren dröhnt.«
Hermine lachte leise, hielt aber sofort den Mund, als sich Demelza unruhig in ihrem Bett umdrehte. »Na gut.«, sagte sie. »Dann müssen wir uns an Typen halten, bei denen unsere Aktion richtig was bewirkt! Wir verführen jemanden.«
Ginny grinste in die Dunkelheit hinein. Das hier wurde ja immer verrückter - aber es hatte auch seinen Reiz. »und wen nehmen wir? Es müssen aber zwei sein, ich will nicht denselben Typen anmachen, wie du!«
»Wir machen es so: Morgen Abend treffen wir uns nach dem Essen im Raum der Wünsche und teilen einander mit, wen wir uns ausgesucht haben.«
Ginny fand die Idee klasse und stimmte sofort zu. »Dann schlaf gut! Ich bin gespannt, wer von uns den besseren Typen wählt.«
Hermine grinste nur neckisch und zog sich die Decke über den Kopf. Ginny schaltete das Licht aus. Hermine lag noch eine ganze Weile wach, während ihre beste Freundin neben ihr schon leise schnarchte. Sollte sie das wirklich durchziehen? Sollte sie Ron tatsächlich so in den Rücken fallen? Doch andererseits - wieso nicht? Ron sah ohnehin nur seine eigenen Interessen und Wünsche. Sie war ihm doch im Moment völlig egal. Es war also beschlossene Sache.
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Ich war bei MTV in New York und es war tierisch kalt draußen. Sie brachten mich rüber ans Fenster und da stand dieses Mädchen, das nichts außer ein Harry-Potter-Handtuch trug und ein Schild in der Hand hielt, auf dem stand 'Nichts kommt zwischen mich und Harry Potter!'. Es war toll. Sie ist eine Legende.