Men are toys, women as well. - Invitations and surprises
von Voldemorts_Braut
~ Einladungen und Überraschungen ~
„Geh nicht.“ Seine Stimme war nur ein schwaches Murmeln.
Hermine öffnete die Augen und sah in das Gesicht ihres Zaubertrank-Professors. Sein Mund war nur wenige Milliemeter von ihrem entfernt, es kostete sie nur wenig Anstrengung sich aus den Kissen zu erheben und ihren Mund auf den seinen zu drücken. Sie atmete tief ein und ein angenehmer Duft von Leder und Zimt benebelte ihre Sinne. Hermine spürte seine leicht raue Gesichtshaut an ihrer Wange. Je länger der Kuss andauerte, desto heftiger begann ihr Herz zu schlagen. Niemals.
Niemals würde sie gehen.
Sie wollte ihn.
Sie brauchte ihn.
Er schlang die Arme um ihren Körper und zog sie an sich, sodass sie jeden Zentimeter von ihm berühren konnte. Sie fühlte sich geborgen in dieser Umarmung, sie fühlte sich sicher und ... geliebt.
Als der Wecker klingelte, schreckte Hermine aus dem Schlaf. Die Erinnerung an ihren viel zu plötzlich geendeten Traum trieb ihr die Tränen in die Augen. Einerseits vor Enttäuschung, andererseits vor Wut auf sich selbst. Sie hatte sich mit diesem ganzen „Wer kriegt wen zuerst ins Bett?“ total lächerlich gemacht!
Snape wollte sie nicht.
Severus Snape, ihr Lehrer und irgendwie auch Mentor, wollte sie nicht. Wieso konnte ihr Kopf das akzeptieren, aber ihr Herz nicht?
Hermine seufzte tief, schlug die Decke zurück und stand auf. Das leichte Drücken in ihrem Kopf erinnerte sie ungewollt an den vielen Alkohol von letzter Nacht. Sie hatte zwar nicht maßlos übertrieben, aber dafür, dass sie sonst überhaupt keinen Alkohol trank, hatte sie tatsächlich über die Stränge geschlagen.
Müde nahm sich Hermine ihre Sachen und stieg unter die Dusche. Das heiße Wasser tat unheimlich gut, es entspannte sie und beruhigte ihre Nerven. Daher wurde aus der ‚10-Minuten-Dusche‘ eine ‚30-Minuten-Wellness-Dusche‘. Um wenigstens noch ein halbes Brötchen essen zu können, trocknete sie ihre Haare mit einem Zauber, die dadurch alles andere als glatt wurden und lief hinunter in die Große Halle. Als Hermine sich dem Gryffindor-Tisch näherte, fiel ihr Blick auf Harry und Ron, die die Köpfe zusammengesteckt hatten und vermutlich über das nächste Quidditch-Spiel diskutierten.
Oh nein, Ron!
Jetzt musste sie sich seinen enttäuschten Blick auch noch antun! Himmel, sie hatte ihn doch niemals verletzten wollen. Sie musste dringend mit ihrem reden, wenn sie ihn alleine antraf.
„Morgen.“, murmelte Hermine, während sie sich zwischen Ginny und Neville setzte.
Harry erwiederte den Gruß, Ginny begann sofort vom gestrigen Abend zu schwärmen und Ron - Ron würdigte sie keines einzigen Blickes. Er starrte auf das Team-Blatt des Quidditch-Teams als wollte er ein Loch hineinbrennen. Resigniert seufzend nahm sich Hermine ein Brötchen und beschmierte es mit Butter.
„Ich finde, es war ein richtig toller Abend gestern! Alles hat gepasst - Die Musik, das Essen, die Leute! Und Hermine, vergiss nicht, dass du mir noch eine Erklärung schuldig bist!“, erinnerte Ginny mit einem mahnenden Blick.
„Neville, bekomme ich kurz den Tagespropheten?“, bat Hermine müde, ohne auf Ginny einzugehen. Sie schlug die Zeitung auf und versteckte sich hinter den großen Seiten. Ginny aber ließ sich nicht so schnell abwürgen.
„War es schlimm?“, flüsterte sie am linken Rand der zeitung vorbei. Dieser mitleidige Blick gab Hermines Stolz den Rest. Wie sollte sie Ginny erklären, dass sie Snape geküsst - er das aber gar nicht gewollt hatte?! Sie selbst hatte so ein Glück mit Lucius, der sie wollte, der sie begehrte! Es war einfach nicht fair. Hermine musste sich ihren Neid eingestehen, ob sie wollte oder nicht.
„Später!“, zischte sie und Ginny widmete sich ohne Widerworte ihrem Essen.
*~*
Am späten Nachmittag machte sich Hermine auf den Weg zu Zaubertränke. Den ganzen Tag schon hatte sie sich vor dieser Stunde gefürchtet. Sie hatte keinen blassen Schimmer wie sie sich gegenüber Professor Snape verhalten sollte, also nahm sie sich einfach vor, ihn gar nicht erst anzusehen. Ihr Unterbewusstsein machte ihr jedoch allzu deutlich, dass das gar nicht einfach werden würde.
Am Eingang der Kerker traf Hermine auf Harry und Ron, mit dem sie immernoch kein Wort gewechselt hatte.
„Ich hoffe inständig, dass Snape uns keine fünf Seiten abschreiben lässt!“, sagte Harry, der offensichtlich gerade dabei war, sein Buch für Zaubertränke aus der Tasche herauszuzerren.
„Ehrlich gesagt wäre es mir heute sehr recht, wenn wir nichts Praktisches machen.“, warf Hermine nebenbei ein, in dem Wissen, dass sie Snape dann nicht ein einziges Mal in die Augen sehen musste, da sie viel zu vertieft in ihre Arbeit sein würde.
„Bloß kein Abschreiben. Sonst kann er machen was er will, mein Tag ist sowieso versaut.“, sagte Ron mit einem finsteren Gesichtsausdruck und stapfte vor ihnen vor in die Kerker. Harry warf Hermine einen kurzen, vielsagenden Blick zu. Ron hatte Harry also bereits von ihrer Trennung in Kentniss gesetzt. Na hoffentlich würde Harry, als sein bester Freund, nicht versuchen, sie wieder zusammenzubringen. Diesen Stress brauchte Hermine jetzt wirklich nicht. Auch wenn sie Professor Snape nicht haben konnte, so war Ron einfach zu unreif für sie. Er war ihr Freund, ihr Kumpel, ihr ... Bruder.
Bevor Hermine das Klassenzimmer betrat, wappnete sie sich vor Snapes Anwesenheit. Sie atmete ein paar Mal tief durch und trat über die Türschwelle. Wie immer war es hier sehr warm, die Dämpfe der Kessel sorgten für einen schweren Blick. Hermine setzte sich sofort auf ihren Platz, doch statt Ron neben sich zu haben, tauschte dieser mit Harry den Platz und setzte sich neben Lavender. Hermine tat so, als würde sie in ihrer Tasche herumwühlen, um ja nicht ausversehen Snapes Blick zu begegnen.
„Wir werden uns heute die Anleitung zum Brauen eines Vergessenstrankes ansehen. Er ist einfach zu machen und einfach zu durchschauen, aber hin oder wieder doch sehr nützlich. Vor allem für die weniger Begabten unter euch wird diese Stunde höchstwahrscheinlich ein Triumph.“
Seine Stimme zu hören war qualvoller, als Hermine gedacht hatte. Wie zum Teufel hatte sie sich so schnell in einen erwachsenen Mann wie ihn verlieben können?!
Ich hab's auch satt, ignoriert zu werden.
Hermine erinnerte sich nur zu gut an Ginny's Worte.
Wir machen Harry und Ron eifersüchtig!
Auch an ihre eigenen.
Und trotz ihres gemeinsamen Vorhabens, sich an der Männerwelt zu rächen, war Hermine nun diejenige, die einem Mann nachtrauerte! Dem Mann, der eigentlich dazu dienen sollte, ihre Rache zu bekommen! Nur einmal wollte Hermine es erleben, dass sich ein Mann ihreswegen ins Zeug legte.
Es war Zeit, dass sich Hermine wieder auf ihr Vorhaben konzentrierte. Sie konnte jetzt ohnehin nicht mehr zurück, nachdem sie Snape geküsst hatte. Und Ginny würde es ihr sicher übel nehmen, wenn sie jetzt aus diesem ‚Spiel‘ ausstieg. Möglicherweise waren es auch einfach nur Snape's Moralvorstellungen, die ihn daran hinderten, ihre Zuneigung zu erwiedern. Sei's drum, Hermine würde ihn kriegen. Sie musste einfach.
Während die gesamte Klasse versuchte den Unsichtbarkeitstrank zu bauen, huschte Hermines Blick immer wieder zu ihrem Professor, der diesen ab und zu erwiederte. Hermine wusste nicht, was genau sie in seinem Blick sah, doch wenn sie einander ansahen, fühle sie sich, als würde Snape versuchen, sie niederzustarren. Als die Hälfte der Stunde vorbei war, änderte Hermine ihre Taktik. Statt ihrem Professor Blicke zuzuwerfen, konzentrierte sie sich nun einzig und allein auf ihren Trank. Und wie durch ein Wunder zeigte diese Strategie Erfolg.
„Haben Sie schon die Afrodillwurzel hinzugefügt, Miss Granger?“, fragte Snape, während er seiner Schülerin mit einem kritischen Blick über die Schulter sah. Kurz betrachtete er Hermines zarten Rücken, dann hob er seinen Blick erneut fragend.
„Nein, Professor.“, antwortete Hermine, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Dann sollten Sie das tun, falls sie beabsichtigen, den Trank vernünftig zu brauen.“
Hermine biss sich so fest auf die Lippe, dass es wehtat. Sie durfte auf keinen Fall eine Diskussion mit ihm beginnen. Nicht mit Snape!
„Ja, Professor.“
*~*
Nach der Stunde packte Hermine ihre Sachen und verließ die Kerker mit einem mulmigen Gefühl. Sie machte sich auf den Weg zu Arithmantik, wobei sie auf halber Strecke auf Ginny traf.
„Wie war der Unterricht bei Snape?“, fragte sie mitleidig.
„In Ordnung.“
„Möchtest du aufhören, Mine? Ich könnte es verstehen.“
„Nein.“, sagte Hermine entschieden. „Nach dem was ich gestern getan habe - Und ja, ich werde dir noch davon erzählen - kann ich auch alles auf eine Karte setzen.“ Immerhin ist er nicht zu Dumbledore gegangen., dachte sie sich.
„Okay.“, seufzte Ginny und schob sich den Träger ihrer Tasche weiter über die Schulter. „Wir sehen uns dann heute Mittag beim Essen!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich die Rothaarige von ihrer Freundin und trat hinaus auf das Gelände. Ginny atmete die frische Luft tief ein und suchte sich ein Plätzchen am See, wo sie sich hinsetzen konnte. Sie hatte eine Freistunde und wollte die Zeit nutzen, um in Ruhe ihre Hausaufgaben für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu machen.
Der Herbst hatte auch die Kälte mit ins Land - und nach Hogwarts gebracht, deshalb knöpfte Ginny ihren Umhang bis oben hin zu. Unter einer Eiche kramte sie Pergament und Feder heraus.
„Sie verbringen die letzten warmen Tage also im Freien, Miss Weasley?“
Die dunkle, samtene Stimme erschreckte Ginny zutiefst, sodass sie sich sofort umdrehte und in das von blonden Haaren umrahmte Gesicht Lucius Malfoys sah. Er trug einen dunkelgrünen Mantel und hatte den Kragen hochgestellt. Seine silbrig-grauen Augen musterten Ginny einen Moment, dann lächelte er ihr höflich zu.
Ginny brauchte einen Moment, bis sie ihre Stimme wiederfand. „Mr Malfoy. Nunja, der Winter wird ziemlich kalt und eintönig und ich liebe die Farben.“
Lucius erhob den Blick zu den Bäumen, deren Blätter allesamt in orange-rötlichen Tönen leuchteten. „Da hebn Sie wohl recht, der Winter ist ziemlich farblos. Sagen Sie, Miss Weasley, haben Sie für ihr nächtes freies Wochenende bereits Pläne?“ Lucius' Augen musterten sie mit einem irgendwie abwägenden Blick.
Verdammt, hätte Ginny ihren Umhang nur nicht bis zum Hals zugeknöpft! Plötzlich fühle sie sich ziemlich steif und eingeengt.
„Nein, ich denke nicht.“, antwortete sie leiser als beabsichtigt. Was hatte er wohl mit ihr vor?
„Nun, dann würde ich Sie gerne zum Essen einladen. Diesmal allerdings in ein Restaurant. Und zu zweit. Ich denke es gibt noch einige Dinge, die sozusagen individuell besprochen werden sollten.“ Erwartungsvoll sah Lucius sie an.
Ginnys Zunge klebte ihr am Gaumen. Sie wusste, was er meinte und sie wusste, worauf er vermutlich aus war. Nach einem kurzen Räuspern lächelte Ginny. „Das ist sehr freundlich von Ihnen, Mister Malfoy. Ich nehme die Einladung an.“
Lucius reckte ein wenig das Kinn und lächelte kühl. „Das freut mich zu hören, Miss Weasley. Ich werde Sie die Uhrzeit noch wissen lassen. Sie machen mir wahrhaftig eine Freude.“
Ginnys Lächeln wurde zu einem unsicheren Grinsen. Peinlich berührt sah sie zu Boden. „Ich bin sicher, Sie sind ein anständiger Mann, Mister Malfoy und ich kann Ihnen vertrauen.“
Lucius nickte bedächtig. „Ich versichere Ihnen, das können Sie. Nun, dann möchte ich sie nicht weiter bei ihren Studien stören.“
„Guten Tag, Mister Malfoy.“
„Guten Tag, Miss Weasley.“
Lucius drehte sich um und ging richtung Schloss, während Ginny ihm nachstarrte. Sie hatte gerade eine Einladung zum Essen bekommen. Von Lucius Malfoy! Das musste sie unbedingt Hermine erzählen. Da diese allerdings Unterricht hatte, musste sie sich noch etwas gedulden. Was hatte Dracos Vater eigentlich in Hogwarts zu suchen? Scheinbar war er nicht nur wegen ihr hierhergekommen. Aber darüber brauchte sich Ginny jetzt keine Gedanken zu machen.
Eine Einladung zum Essen, von Lucius Malfoy... Ginnys Grinsen wurde breiter. Mit einem zusätzlichen Motivationsgefühl machte sie sich an ihre Hausaufgaben. Wenn sie Hermine das erzählen würde! Lucius Malfoy hatte ganz offensichtlich interesse an ihr. Und dabei hatte Ginny sich gedacht, dass er sich womöglich wegen seiner Frau nie wieder melden würde! Aber er war eben auch nur ein Mann mit gewissen Bedürfnissen.
*~*
Als Ginny später die Große Halle betrat, waren die Haustische noch fast gänzlich leer. Hermine jedoch saß bereits am Gryffindor-Tisch und hatte sich in ein Buch vertieft. Mit federnden Schritten ging Ginny auf ihre beste Freundin zu und setzte sich neben sie.
„Du glaubst nicht, was gerade passiert ist.“
Ginny erzählte, wie Lucius sie zum Essen eingeladen und wie deutlich seine Worte gewesen waren. Hermine lächelte verschmitzt.
„Na dann wirst du sicher nicht glauben, was ich gestern erlebt habe.“
Ginny blieb der Mund offen stehen, nachdem Hermine ihr von der Halloween-Feier erzählt hatte. ihr Blick schwank zwischen Begeisterung und Mitleid.
„Und denkst du, dass er das getan hat, weil du eben seine Schülerin bist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dich nicht attraktiv findet!“
„Ich weiß nicht.“, antwortete Hermine wahrheitsgetreu. „Ich denke, dass er soetwas bisher nicht erlebt hat. Und ganz ehrlich, bis vor ein paar Tagen hätte ich mir sowas auch niemals vorstellen können.“
„Snape hat's dir echt angetan, oder?“, vermutete Ginny mit einem Grinsen im Gesicht.
„Im Moment gebe ich mir alle Mühe erstmal rauszufinden, was er von mir hält.“ Hermines Wangen färben sich rötlich.
„Ich kann immernoch nicht glauben, dass ausgerechnet jemand wie Lucius-“
„Von wem sprecht ihr? Lucius Malfoy?“, fragte Harry, der sich just in diesem Augenblick auf die Bank fallen ließ.
Ginny blieb fast das Herz stehen. „Ja, genau. Ich- Ich habe ihn vorhin auf dem Gelände gesehen, er ist Richtung Schloss gelaufen.“
Harry runzelte die Stirn. „Was will Malfoy in Hogwarts?“
„Vermutlich trägt er Draco irgendwelche Sachen nach. So sehr, wie Draco seinen Vater immer anpreist.“, vermutete Hermine und versuchte, so sarkastisch wie möglich zu klingen.
Ginny warf ihrer besten Freundin einen dankbaren Blick zu. Dann wandten sich alle ihrem Essen zu.
*~*
Am späten Nachmittag machte sich Hermine auf zu ihrer nächsten Nachhilfe-Stunde. Sie war nervös, da sie nicht wusste, ob Snape sie wieder beobachten würde. Doch das letzte Mal hatte er den Eindruck gemacht, als hielte er sie für kompetent. Und mit ihrem Wissen war Hermine bestens vorbereitet. Es klang vielleicht arrogant, doch ihr Wissen war ihre beste Waffe im Kampf um Snapes Aufmerksamkeit.
Als Hermine das Klassenzimmer betrat, bleib sie stutzig im Türrahmen stehen. Professor Snape saß an seinem Pult - doch von den Schülern fehlte jede Spur.
„Guten Tag, Professor. Habe ich mich im Tag geirrt?“ Natürlich wusste Hermine, dass sie sich nicht im Tag geirrt hatte, aber sie konnte sich nicht erklären, wieso niemand hier war.
Snape sah von seinen Unterlagen auf und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Guten Tag, Miss Granger. Nein, Sie haben sich nicht geirrt. Ich habe den Schülern gesagt, dass der Nachhilfeunterricht heute ausfällt. Ich möchte allein mit Ihnen reden.“
Sofort schoss Hermine die Röte in die Wangen und ein Kloß machte sich in ihrem Hals breit. Jetzt würde er sie sicher mit dem Kuss konfrontieren. Ganz ruhig, Hermine. Sie würde es auf den Alkohol schieben, genau, das würde sie machen.
Snape betrachtete sie mit einem forschenden Blick, die dunklen Augen schienen sich geradezu auf sie fixiert zu haben.
„In Ordnung, Professor.“ Hermine schloss die Tür hinter sich und nahm sich einen Stuhl. Sie setzte sich Snape gegenüber und überschlug die Beine. Die Hände presste sie vor Nervosität in den Schoß.
„Ich denke, Sie sind sich darüber im Klaren, was Sie getan haben-?“
„Selbstverständlich, Professor.“ Hermine biss sich so fest auf die Zunge, dass es schmerzte. Sie versuchte Snapes Blick Stand zu halten, was sich als äußerst schwierig erwies.
„Sind Sie sich auch darüber im Klaren, was Sie damit angerichtet haben?“, fragte Snape knapp und stand auf. Er spreizte die Finger und stützte sich auf der Tischplatte ab. Erschrocken sah Hermine zu ihrem Professor auf, der sie mit einem geradezu wütenden Blick betrachtete.
„Ich- Angerichtet? Nein, wieso?“
Snape schloss für einen Moment die Augen, dann ging er mit geradezu quälend langsamen Schritten um den Tisch herum, wobei Hermine jeden seiner Schritte mit den Augen verfolgte. Ihr Herz pochte heftig gegen ihre Brust, als Snape sie an den Oberarmen packte und von ihrem Stuhl hochzog. Er hielt sie gerade so weit von sich weg, dass er ihr noch ins Gesicht sehen konnte. Hermine spürte seinen festen Griff und schmolz wie Eis in der Sonne. Sie versuchte den Blick abzuwenden, doch ihr Professor ließ das nicht zu. Er hatte sie gefangen in seinem Blick und kurz schien es, als wüsste er nicht, was er jetzt tun sollte.
„Ich wäre niemals - niemals auf den Gedanken gekommen, dass mich eines Tages eine meiner Schülerinnen um den Verstand bringen würde.“, zischte Snape und sein Blick wanderte an Hermine herab, die wie ein Eiskristall erstarrt war und ihn anstarrte. Ihr Kopf setzte komplett aus, alles was sie noch wahrnahm, war Snape. Es kostete sie Mühe, auf seine Worte zu hören.
„Ich wollte nicht- Ich habe nicht-“ Meine Güte, sie konnte nicht einmal mehr einen vernünftigen Satz rausbringen!
„Ich weiß nicht, was es ist, Miss Granger, aber Sie faszinieren mich in jeglicher Hinsicht.“ Seine Stimme war leise und nachdrücklich. „Ich habe versucht es zu ignorieren, aber Sie haben es mir im Unterricht nicht gerade leicht gemacht. Sie haben uns - sich und mich - mit Ihrem Kuss in große Gefahr gebracht, ich hoffe dessen sind Sie sich bewusst, Miss Granger!“
Hermine nickte nur hölzern, da sie just in diesem Augenblick ein heftiges Verlangen nach ihrem Zaubertrankprofessor durchströmte. Es kostete sie alle willenskraft, ihn nicht einfach an sich zu ziehen und seinen herrlichen Geschmack auf den Lippen zu haben.
„Was Sie ganz sicher nicht wissen, ist, worauf Sie sich da eingelassen haben. In diesem Fall muss ich jedoch gestehen, dass ich auch ich nicht weiß, worauf ich mich einlasse.“
Und dann neigte sich Snape ihr endlich zu und küsste sie. Hermines Herz explodierte in einem Feuerwerk aus Gefühlen, während ihr Professor sie mit seinem beherrschenden Kuss um den Verstand brachte. Dieser Mann konnte küssen! Hermine ließ sich von Snape gegen die Wand drücken und erwiederte den Kuss voller Verlangen. Sie spürte, wie seine Hände von ihren Oberarmen zu ihrer Taille hinabfuhren und wie ihr Professor sie an sich presste. Hermine schlang ihre zitternden Arme um seinen Hals und ließ sich in den Kuss hineinfallen. Sie atmete Snapes herrlichen Duft in langen Atemzügen ein und nach einer endlosen Ewigkeit ließ sie den Kopf gegen seine Brust sinken. ´
Severus selbst stützte die Hände an der Wand ab und kam langsam wieder zu Ruhe. Er hatte die Augen geschlossen - Noch immer konnte er einfach nicht glauben, was er da getan hatte. Doch er konnte die Stimme in ihm nicht ignorieren, die ihm sagte, dass dies das Richtige war. Eine heftige Anspannung war von ihm abgefallen. Er spürte den Kopf seiner Schülerin auf seiner sich hebenden und senken Brust und legte ihr zärtlich eine Hand in den Nacken.
Hermine war den Tränen nahe. Noch nie hatte sie sich so überwältigt gefühlt, so erregt.
Nach einer weiteren, halben Ewigkeit lösten sie sich voneinander. Hermine brachte den Mut nicht auf, ihrem Lehrer in die Augen zu sehen, doch dieser legte einen Finger an ihr Kinn und zwang sie somit dazu.
In seinen Augen lag immernoch dieselbe Wachsamkeit, die man immer in seinem Blick beobachten konnte. Doch diesmal lagen noch viele andere Emotionen darin, die die Hermines widerspiegelten. Leidenschaft, Entsetzen, Ekstase.
„Sie sollen jetzt besser gehen, Hermine.“, murmelte Severus.
„Ja, das denke ich auch.“, entgegnete Hermine, während sie versuchte, ihr Gefühlschaos unter Kontrolle zu bringen.
Doch bevor sie an Severus vorbeigehen konnte, zog dieser sie an ihrem Arm zurück und küsste sie erneut. Diesmal allerdings weniger ungestüm, eine Hand berührte Hermines Wange, während er die andere an ihre Hüfte legte. Hermine lächelte glücklich in den Kuss hinein und verließ dann mit einem letzten Blick über die Schulter den Kerker.
*~*
Ginny konnte sich in Pflege magischer Geschöpfe absolut nicht konzentrieren. Ihre Gedanken waren bei Lucius und bei dem bevorstehenden, gemeinsamen Essen. Lucius war ein sehr lasziver, eigenwilliger Mann. Er hatte Geld und ein großes Anwesen und mit ziemlicher Sicherheit nahm er sich das, was er wollte, ohne Rücksicht auf Verluste. Neben der Tatsache, dass Ginny den Respekt ihrer Familie verlieren konnte, konnte sie noch etwas ganz anderes verlieren - Ihr Leben. Sie hatte nicht vergessen, dass Lucius Malfoy ein Todesser - nud somit ein Gefolgsmann des Dunklen Lords war. Sie konnte sich ihm nicht einfach ‚ausliefern‘, ohne es jemandem zu sagen. Sie würde Hermine sagen, an welchem Tag und um wie viel Uhr sie sich mit ihm traf und eine Zeit ausmachen, um die sie wieder nach Hogwarts zurückkehrte. Wenn das Ganze aus dem Ruder lief, konnte Hermine dann immernoch Professor Dumbledore und jeden anderen in Hogwarts davon in Kenntnis setzen, wo sie sich befand.
Nervös knetete Ginny ihre Hände im Schoß. Hagrids Worte gingen einfach an ihr vorbei.
„Hey, psst, Ginny!“, flüsterte Dean und stieß ihr leicht in die Seite.
Fragen sah Ginny ihn an.
„Alles in Ordnung bei dir? Du bist gar nicht bei der Sache!“
„Jaja! Alles bestens.“, murmelte Ginny und strich sich durch die Haare. Was war denn das für ein merkwürdiger, schwarzer Punkt am Himmel? Ginny runzelte die Stirn und als der schwarze Punkt sich in eine Eule mit einem Brief im Schnabel verwandelte, blieb ihr beinahe das Herz stehen.
Hagrid warf ihr einen kurzen, verwirrten Blick zu, doch er ließ sie den Brief entgegennehmen und machte einfach mit dem Unterricht weiter. Ginnys Hände zitterten, als sie den Brief öffnete.
Ich schlage ein Abendessen am nächsten Samstag vor.
Ich würde Sie gerne in ein Restaurant in Hogsmeade einladen, da dies auch für Sie planungsmäßig sicher von Vorteil ist. Ich hole Sie gerne am Haupttor ab, welches das Hogwartsgelände abgrenzt. Wenn Sie mich allerdings lieber vor Ort treffen möchten, lassen Sie es mich bitte wissen. Ich freue mich auf Sie.
Hochachtungsvoll,
Lucius Abraxas Malfoy
als Ginny bemerkte, dass ihr der Mund offen stand, schloss sie ihn schnell und ließ den Brief in ihre Tasche verschwinden. Ihr Herz schlug laut gegen ihre Brust. Am nächsten Samstag - Das waren nur noch zwei Tage. Viel zu wenig Zeit, um zu überlegen, was sie anziehen sollte! Meine Güte, was sie hier wagte zu tun, war äußerst gefährlich. Aber irgendetwas an dem reichen Todesser zog Ginny einfach magisch an. Sie würde mit ihm essen gehen, so viel war sicher. Und was danach geschah, würde sich sicher noch zeigen. Das musste sie unbedingt Hermine erzählen! Außerdem wollte sie endlich wissen, wie es mit ihr Snape gelaufen war! Hermine hatte ja ganz schön niedergeschlagen gewirkt. Aber Ginnys Laune wurde dadurch nicht getrübt. Viel zu gespannt war sie auf das kommende Abendessen mit Mister Malfoy!
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Die Arbeit mit Steve Kloves war ein Genuss. Er ist fantastisch.
Alfonso Cuarón