Men are toys, women as well. - Evil thoughts and precious moments
von Voldemorts_Braut
~ Böse Gedanken und wertvolle Momente ~
Ginny stand auf einem Hügel im hohen Gras und sah sich zu allen Seiten um. Sie kannte diesen Ort nicht. Oder doch? War sie schon einmal hier gewesen? Der Ort kam ihr merkwürdig bekannt vor, und doch konnte sie ihn ihren wagen Erinnerungen nicht zuordnen.
Ginny legte den Kopf in den Nacken und sah gen Himmel. Schwarze, tiefe Wolken zogen durch die Nacht, nicht einmal den Mond konnte man erkennen. Alles war dunkel.
Die Äste der kahlen, dürren Bäume, die um den Hügel herum in den Himmel ragten, wirkten wie Arme, die stumm und starr um Gnade flehten. Ginny konnte nicht sagen, ob das was sie sah ein Traum war oder nicht. Ein kühler Schauer lief ihr über den Rücken, als sie in der Ferne eine in Schatten getauchte Person auf sich zukommen sah.
Automatisch legte sie die Arme um den eigenen Oberkörper. Sie verengte die Augen, um in der Dunkelheit besser sehen zu können, doch die Person war noch zu weit entfernt, als dass sie sie hätte erkennen können.
Plötzlich wurde es kalt.
Kälter, als es ohnehin schon war.
Eine eiserne, bleierne Kälte kroch an ihren Beinen empor, glitt durch alle offenen Stellen ihrer Kleidung und machte Ginny bewegungslos. Ihre Zähne klapperten haltlos und ihr ganzer Körper begann heftig zu zittern.
Auf einmal wollte Ginny nichts lieber, als von diesem Ort verschwinden. Egal ob fremd oder vertraut - Dieser Ort strahlte Dunkelheit aus. Dunkelheit und Kälte.
Vielleicht war es ein Dementor, der sich ihr näherte? Wenn sie doch bloß an ihren Zauberstab herangekommen wäre! Doch ihr Körper war zu einer Eissäule erstarrt. Ihre Knochen schmerzten wegen der enorm tiefen Temperaturen, sodass es Ginny einiges an Kraft kostete, bei Bewusstsein zu bleiben. Sie musste sich verteidigen!
Nur wie?
Wie?
Die Gestalt kam näher und nun sah man auch, dass es ein Mensch sein musste, denn sie hatte den Umriss eines solchen und ein Dementor wäre über den Boden geschwebt, anstatt zu laufen.
Als Ginny das Gesicht der Person, des Mannes, erkannte, stieß sie einen stummen Schrei aus. Ihre Stimme war nicht vorhanden, so sehr sie es auch versuchte, es kam kein Ton aus ihrer Kehle. Der Schreck, den der Mann ihr eingejagt hatte, ebbte nicht ab. Im Gegenteil - Je näher der Mann kam, desto panischer wurde Ginny. Verzweifelt versuchte sie, gegen die schmerzhafte Kälte anzukämpfen, doch sobald sie die Finger bewegte, hatte sie das Gefühl, sie würden brechen.
Das bleiche, eingefallene Gesicht des Mannes erschien in der Schwärze der Nacht dunkler als es in Wirklichkeit war. Die stechend roten Augen fixierten Ginny wie ein Tier im Käfig. Sie wusste - Diese Augen konnten töten.
Ginny spürte, wie ihr Herz wild gegen ihre Brust hämmerte. Sie bemerkte die veränderte, verschleierte Sicht, noch bevor sie den eigentlichen Schwindel spürte. Auf einmal fiel die Kälte wie eine schwere Rüstung von ihr ab. Ginny fühlte sich wie Wackelpudding, sie hatte keine Kontrolle mehr über ihre Muskeln. Doch bevor sie fallen und sich ungewollt dem Tode ausliefern konnte, drückten zwei starke Hände gegen ihren Rücken und hielten sie aufrecht. Die Wärme, die diese Berührung mit sich brachte, überraschte Ginny so sehr, dass sie beinahe noch einen Schrei gewagt hätte. Sie versuchte den Kopf zu drehen, um der Person hinter sich in die Augen sehen zu können, doch ihr Nacken war steif und die Bewegung schmerzte. Es war auch nicht nötig, zu sehen. Es reichte, wenn sie fühlte. Sie wusste, dass Lucius hinter ihr war und sie stützte. Sie wusste, dass sie sich auf ihn verlassen konnte. Lucius war der einzig stabile Faktor in ihrem Leben.
Doch wieso bekämpfte er den Dunklen Lord nicht, der langsam immer näher kam? Ginny sah, wie die roten Augen auf einen Punkt über ihrem Kopf gerichtet waren. Starr. Und sie wusste, dass sie einander ansahen. Herr und Diener. Einander zugewandt. Sie, Ginny, war die Einzige, die zwischen ihnen stand. Und sie wusste nicht, ob sie gegen den Dunklen Lord gewinnen - oder verlieren würde. Die zeit stand still. Kein Lüftchen regte sich, kein Vogelschrei durchbrach die Stille und auf einmal fiel Ginny das Atmen furchtbar schwer.
Dann, ganz plötzlich, zerriss eine kalte, melancholische Stimme die Ruhe. Und die Worte, die die Stimme aussprach, waren wie ein Sturm. Wie ein Orkan durchfluteten sie Ginnys' Sinne.
„Du weißt, wem du verpflichtet bist, Lucius.“
Schweißgebadet schreckte Ginny aus dem Schlaf. Ihr Atem ging stoßweise und es dauerte einige Minuten, bis wieder genug Sauerstoff ihr Gehirn erreichte und sie die Möglichkeit hatte, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie krampfte die Hände um die Decke und kniff die Augen zusammen, als ihre Umgebung gefährlich zu schwanken begann.
Der Albtraum hatte der Sechzehnjährigen heftig zugesetzt. Die roten Haare kelbten ihr am Gesicht und kalter Schweiß bedeckte ihren Nacken.
Und dann kamen die Tränen.
Sintflutenartig rannen sie Ginny über das Gesicht. Sie weinte stumm und reglos, denn sie wollte die anderen auf keinen Fall wecken. Niemand durfte sie so sehen! Vor allem nicht Hermine, die neben ihr in einem der Betten unruhig schlief. Sie würde sich Gedanken machen und möglicherweise wissen, wieso sie so aufgelöst war!
Rasch ließ sich Ginny zurück in die Kissen fallen und zog die Decke über den Kopf. Sie ballte die rechte Hand zur Faust und steckte sie sich in den Mund, um ein Schluchzen zu unterdrücken.
*~*
Als Hermine am nächsten Morgen aufwachte, sah sie, dass Ginny bereits aufgestanden war. Es kam ihr ein wenig merkwürdig vor, dass Ginny schon zum Frühstück vorgegangen war, denn normalerweise gingen sie morgens zusammen runter in die große Halle.
Doch als Hermine fertig angezogen am Frühstückstisch erschien, bemerkte sie, dass ihre beste Freundin gar nicht anwesend war.
‚Vielleicht muss sie noch irgendwelche Hausaufgaben machen, die sie am Wochenede vernachlässigt hat.‘, dachte Hermine und setzte sich zwischen Harry und George. Ron mied wie immer ihren Blick und betrachtete stattdessen sein Marmeladen-Brot.
„Morgen, Harry!“, sagte Hermine übertrieben heiter und nahm sich einen Apfel. „Hast du gut geschlafen?“
Harry ließ die Gabel voll Ei sinken und sah Hermine ein wenig irritiert an. „Ja, hab ich. Und du?“
„Ja, ich auch. Ist alles in Ordnung?“
„Klar, mir geht's gut. Habt ihr Ginny gesehen?“ Hermine sprach absichtlich Harry und Ron an, doch Ron schien sich dazu entschieden zu haben, sie fortan vollständig zu ignorieren.
„Ja, vorhin ganz kurz.“, antwortete Harry, dem es offensichtlich gar nicht behagte zwischen Ron und Hermine zu stehen. „Sie war auf dem Weg zu Snape. Ihre Augen waren gerötet, als hätte sie geweint. Weißt du, ob irgendwas passiert ist? Hat Snape mal wieder seinen Gryffindor-Hass an ihr ausgelassen?“
Hermine spannte sich bei Severus' Namen augenblicklich an und runzelte die Stirn. „Ginny bei Snape? Das ist merkwürdig... Nein, gestern ging es ihr noch blendend. Ich werde sie später suchen und mit ihr reden.“
„Pass auf, dass du's nicht nur noch schlimmer machst.“, sagte plötzlich Ron, der es aufgegeben hatte, so zu tun, als wäre sein Marmeladenbrot auf irgendeine Art und Weise spannend.
Hermine spürte, wie die Wut in ihr hochkochte. „Was soll das denn heißen? Wie meinst du das?“, fragte sie spitz.
„Ich meine das genauso wie ich es sage.“
Hermine umfasste die Gabel wie eine Pistole und sah mit giftigem Blick über den Tisch. „Wenn du ein Problem mit mir hast, Ronald Weasley, dann lass uns das lieber gleich klären!“
„Da gibt es nichts zu klären!“, murrte Ron und stand geradezu ruckartig auf. „Du hast ja schon alles geklärt.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und ging richtung Treppen davon.
Hermine starrte ihm einen Moment nach, dann erhob auch sie sich und ging ihm mit zügigen Schritten nach.
„Ron! Ron, bleib sofort stehen!“
Doch Ron reagierte nicht. Er hatte bereits den Treppenabsatz erreicht, als Hermine schrie: „Jetzt bleib endlich stehen und rede mit mir! Es macht mich krank, dass du nicht wie ein normaler Mensch mit mir kommunizieren kannst!“
Diese Worte schienen etwas in Ron auszulösen. Hermine sah, wie er starr wurde und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete. Langsam drehte er sich um und sah seiner Ex-Freundin das erste mal seit Tagen wieder richtig in die Augen.
„Du wunderst dich also, warum ich nicht mit dir rede? Ist das dein Ernst, Hermine?“
Hermine merkte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, doch sie hielt sie tapfer zurück. „Ja, ganz genau! Mensch Ron, nur weil wir nicht mehr zusammen sind, heißt das nicht, dass du mir nicht mehr wichtig bist! Ich will dich doch nicht verlieren!“
„Was du willst, interessiert mich nicht mehr.“, antwortete Ron knapp und sehr leise. „Du hast dich von mir getrennt, weil du dich von mir vernachlässigt gefühlt hast und hast mir nicht mal die Chance gegeben, das zu ändern!“
Hermine war sprachlos. Sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.
Ron hingegen schien jetzt erst richtig in Fahrt zu kommen. „Die ganzen Jahre über wollte ich nur dich! Beim Weihnachtsball im vierten Schuljahr hast du mir gesagt, ich soll dich nicht als einen letzten Ausweg sehen und ich hab mich doch geändert, oder nicht?! Ich muss dir ja viel bedeuten, wenn du einfach so Schluss machst! Wir hätten versuchen können, es besser zu machen! Du hättest mir einfach noch eine Chance geben müssen!“ Rons' Stimme überschlug sich fast und sein Gesicht hatte die Farbe einer reifen Tomate. Am Eingang zur Großen Halle und am oberen Treppenabsatz hatten sich einige neugierige Schüler versammelt und gafften.
Hermine liefen die Tränen nun ungewollt über das Gesicht und sie verfluchte sich dafür, dass ihr Rons' Worte so unglaublich nahe gingen.
„Ich wollte dir doch nicht wehtun... Es ging einfach nicht mehr.“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein brüchiges Flüstern. Und sie meinte was sie sagte. Sie konnte mit Ron nicht mehr zusammen sein und sie war sich sicher, dass sich ihre Einstellung zu diesem Thema nicht mehr ändern würde. Auch wenn es vollkommen falsch und anrüchtig war, in einer Affaire mit einem Lehrer zu sein, so würde Ron Hermine niemals das geben können, was sie wollte und was sie brauchte. Severus hatte in ihren ganz eigenen, privaten Träumen Türen geöffnet und Geheimnisse der körperlichen Lust aufgedeckt, die Hermines' Erwartungen nicht nur überstiegen - sondern buchstäblich gesprengt hatten. Seit Hermine in die wundervolle Welt der Erotik eingedrungen war, gab es für sie nichts mehr, das sie dazu bewogen hätte, sie wieder zu verlassen. Sie brauchte den Sex mit ihrem Professor wie die Luft zum Atmen. Denn auch wenn sie nach einer gemeinsamen Nacht vollkommen müde und ausgelaugt war, - so fühlte sie sich auf der anderen Seite jedesmal wie neu geboren. So, als wäre jede Anspannung von ihr abgefallen, als wäre jede einzelne Sorge überflüssig.
Sex war wie eine Droge.
Wenn man einmal damit anfing - und man den richtigen Partner hatte - wollte man nicht mehr darauf verzichten, das war Hermine längst klar geworden.
„Es tut mir leid, Ron.“, war das Letzte was Hermine sagte, bevor sie in Richtung der Kerker flüchtete.
*~*
Ginny stand auf dem Balkon einer der Türme von Hogwarts und sah über die Brüstung hinweg auf das Gelände. Der Wind pfiff ihr durch die Haare und ihr Gesicht schmerzte vor Kälte, doch das war ihr lieber, als peinliche Fragen beantworten zu müssen. Ihre Augen waren rot und geschwollen vom weinen, doch sie spürte, wie die Schwellung in der Kälte langsam nachließ.
Der Albtraum von letzter Nacht hatte Ginny in den letzten paar Stunden immer wieder eingeholt und sie war sich sicher, noch nie im Leben solche Gewissensbisse gehabt zu haben. Der Gedanke, dass Voldemort die Todesser wieder zu sich rufen - und Lucius diesem Ruf folgen würde, war fast genauso schlimm, wie die Vorstellung, ihre Familie oder ihre Freunde würden dabei zu Schaden kommen. In den letzten Tagen war Ginnys' Verlangen nach Lucius so groß gewesen, dass sie die Tatsache, dass er ein Todesser war, vollkommen verdrängt hatte.
Sie hatte vergessen, dass er dem dunkelsten aller Zauberer diente.
Sie hatte vergessen, dass er eine Gefahr war. Nicht nur für sie selbst, sondern für alle die sie liebte.
Sie hatte vergessen, dass er ein kaltblütiger Mörder war.
Ginny kniff die Augen zusammen und verbarg das Gesicht in den Händen. Wie nur konnte es sein, dass sich ihr Innerstes so sehr dagegen sträubte, sich von Lucius zu trennen? Durch ihn konnte sie im schlimmsten Fall einfach alles verlieren. Sie durfte die Sicherheit derer, die sie liebte, nicht weiterhin aufs Spiel setzen und dennoch wehrte sich etwas in ihr mit Klauen und Zähnen gegen diesen Gedanken.
*~*
Hermine erreichte als Erste das Klassenzimmer für Zaubertränke. Von Rons' Worten noch immer erschüttert, lehnte sich die Braunhaarige gegen die Wand und schloss die Augen. Sie musste Ron einfach noch mehr Zeit geben. Er würde ihr verzeihen. Irgendwann.
‚Wenn er bis dahin nicht rausfindet, dass ich eine Affaire mit einem Lehrer habe!‘ Bei diesem Gedanken wurde Hermine regelrecht schwindelig. Wenn ihre Libido aufflog, konnte sie auf der Stelle Hogwarts, - besser noch das Land verlassen.
Als plötzlich Schritte auf der Treppe zu hören waren, öffnete Hermine die Augen. Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis der Mann in Schwarz die letzte Stufe erreicht hatte, dann bleib er stehen. Hermines' und Severus' Blicke trafen sich. Hermine wusste nicht was sie sagen sollte. Das vertraute Wärmegefühl, welches sie immer dann empfand, wenn sie mit Severus zusammen war, ließ diesmal auf sich warten. Severus' Blick war kalt, geradezu abschätzig. Und obwohl Hermine wusste, dass er sich ihr gegenüber so verhalten musste, fühlte sie sich unwohl.
„Guten Morgen, Professor.“
„Granger.“ , war Severus' knappe Begrüßung.
Hermine folgte ihm in den Klassenraum und nach und nach trudelten auch die restlichen Schüler ein. Selbstverständlich war keiner von ihnen zu spät, denn niemand riskierte es freiwillig, vor der ganzen Klasse von Severus Snape niedergemacht zu werden.
Als Ron das Zimmer betrat, machte sich Hermine gar nicht erst die Mühe, den Kopf zu heben. Harry setzte sich wie immer zwischen die beiden und sorgte somit für eine angenehmere Atmosphäre.
Der Unterricht ging unglaublich langsam vorran. Seit Hermine mit Severus schlief, schienen die Stunden normalerweise wie im Fluge zu vergehen, doch heute war es anders. Noch immer schwirrten Hermine Rons' Worte durch den Kopf und es fiel ihr unglaublich schwer sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Als auch noch ihr Kopf zu schmerzen begann, gab Hermine es einfach auf, sich konzentrieren zu wollen und legte jeweils zwei Finger an die Schläfe um den Schmerz zu unterdrücken.
„Alles in Ordnung?“, flüsterte Harry, ohne den Blick von Professor Snape abzuwenden.
„Mmh.“, war das Einzige, was Hermine zustande brachte, denn plötzlich setzte auch noch eine unangenehme Übelkeit ein.
„Du siehst nicht-“
„Potter!“
Nicht nur Harry, auch Hermine schaute augenblicklich auf, als Snape Harrys Namen nannte. Seine kühlen, dunklen Augen sahen auf Hermines besten Freund hinab, als wollten sie ihn töten.
„Ich wollte nur-“
„Es ist mir egal, was sie wollten! Zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor für diese Störung!“
„Was?!“, rief Harry bestürtzt und ballte die Hände zu Fäusten.
Hermine hatte das Gefühl, als würde ihr jemand mit der Faust in den Magen boxen und hob zitternd die Hand. „Professor, mir geht es nicht gut. Kann ich bitte in den Krankenflügel gehen?“
Severus fixierte Hermine mit seinem typisch undurchdringlichen Blick. Nach etwa fünf Sekunden sagte er schließlich: „Dann gehen Sie und stören Sie nicht weiter meinen Unterricht. Sofort!“
Hermine ließ sich nicht lange bitten und erhob sich von ihrem Stuhl. Sie presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und hoffte inständig, dass sie sich nicht vor der ganzen Klasse würde übergeben müssen. Als sie schließlich die Tür hinter sich zugezogen hatte, schleppte sich Hermine zum Krankenflügel und ließ sich von Madame Pomfrey untersuchen.
„Vermutlich nur ein grippaler Infekt.“, schloss die Krankenschwester schließlich aus ihren Untersuchungen und wies Hermine eines der vielen Betten zu. „Ich werde Ihnen etwas gegen die Übelkeit und den Kopfschmerz geben und dann ruhen Sie sich einfach aus! Ruhe ist das A und O beim gesund werden!“
Hermine trank die ekelhaft schmeckende Flüssigkeit ohne einen Laut von sich zu geben und war froh, als Madame Pomfrey sie schließlich alleine ließ. Außer ihr war kein anderer Schüler mehr im Krankenflügel.
Warum musste sie ausgerechnet jetzt krank werden? Warum musste sie überhaupt krank werden? Wenn es wirklich eine Grippe war, dann würde sie sicher eine Woche lang hier rumliegen. Obwohl - Mit Madame Pomfreys Mittelchen und Tränken würde der Heilungsprozess vielleicht ein wenig schneller verlaufen. Trotzdem war der Gedanke, so viel Unterrichtsstoff zu verpassen, äußerst ärgerlich. Und zusätzlich würde sie einige Tage auf Severus verzichten müssen.
Hermine seufzte und ließ den Kopf auf die Seite sinken. Ihre Glieder fühlten sich schwer an und der Kopfschmerz wich einem ungewöhnlichen Druck, der sie scheinbar auch immer weiter in die Kissen drückte...
*~*
Als Hermine die Augen aufschlug, zuckte sie unwillkürlich zusammen. Im Krankenflügel war es dunkel und die Vorhänge vor den Fenstern waren zugezogen. Wie spät war es? Hermine fühlte sich wie betäubt. Ihr Kopf schmerzte nicht mehr und der Schwindel war verschwunden, dafür fühlte sie sich jetzt, als würde sie sich unter einer großen Käseglocke befinden und alles nur noch dumpf wahrnehmen.
„Madame Pomfrey?“, hauchte Hermine, doch die Krankenschwester lag vermutlich selbst schon im Bett. Hermine fühlte sich zu schwach um aufzustehen und sank zurück in die Kissen.
Als sie plötzlich eine Berührung an ihrem linken Unterarm spürte, schrak Hermine so heftig zusammen, dass die Bettdecke auf den Boden rutschte.
„Ich bin es nur.“, knurrte eine tiefe Stimme aus der Dunkelheit. Als Hermine Severus' Stimme hörte, beruhigte sich ihr Herzschlag langsam.
Sie wandte den Kopf nach links und sah in seine dunklen Augen. Severus war auf einem Stuhl neben Hermines' Bett eingeschlafen.
„Was machst du hier?“, fragte Hermine mit schwacher Stimme und tastete mit den Fingerspitzen nach seiner Hand. In der Dunkelheit des Zimmers konnte sie nur Severus' Shillouette erkennen.
„Ich konnte über Tag nicht herkommen. Es hätte äußerst merkwürdig ausgesehen, wenn ich ausgerechnet eine Gryffindor-Schülerin besucht hätte. und Madame Pomfrey konnte ich auch nicht fragen, was dir fehlt. Das hat mich halb wahnsinnig gemacht, aber ich musste warten, bis alle zu Bett gegangen waren. Und jetzt gib mir bitte eine Antwort - Was fehlt dir?“
Hermine lächelte in die Dunkelheit hinein. Er machte sich tatsächlich Sorgen um sie. Professor Severus Snape, Lehrer für Zaubertränke und eingeschweißter Slytherin machte sich Sorgen um sie...
„Es ist vermutlich nur eine Grippe, hat Madame Pomfrey gesagt. Eine Woche - Länger werde ich hier hoffentlich nicht bleiben müssen.“
Hermine spürte, wie Severus mit dem Daumen über ihren Handrücken strich und drückte seine Hand kurz. Es war gut, ihn zu berühren. Es beruhigte sie und lenkte sie von ihrem allgemeinen Unwohlsein ab.
„Du solltest jetzt schlafen. Ich will, dass du gesund wirst. Und zwar so schnell wie möglich.“, sagte Severus entschieden.
Automatisch griff Hermine seine Hand stärker. „Bitte bleib noch. Ich werde dich jetzt tagelang nicht sehen.“
Severus schien zu zögern, lehnte sich dann jedoch etwas weiter in den Stuhl und hielt weiter ihre Hand. „Na schön. Ich warte, bis du schläfst.“
Hermine spürte ein Kribbeln im Bauch. Es war kein unangenehmes Gefühl, ganz im Gegenteil. Es fühlte sich seltsam, aber dennoch gut an. Dass Severus sie beobachten würde, bis sie schlief, machte sie nervös. Wie sollte sie da einschlafen?! Am liebsten wäre sie einfach die ganze Nacht lang wach geblieben und hätte mit ihm geredet, doch die Schlaffheit ihres Körpers und die Müdigkeit zogen Hermine bald zurück ins Reich der Träume...
*~*
Hermine durfte vier Tage lang den Krankenflügel nicht verlassen. Doch da sie täglich Besuch von ihren Freunden bekam und Severus die Nächte nutzte, um bei ihr zu sein, verging die Zeit fast wie im Flug. Am letzten Tag vor ihrer Entlassung kam Ginny in den Krankenflügel.
„Hey, Mine. Wie geht es dir?“, fragte die Rothaarige und zog sich einen Stuhl ans Bett.
„Besser. Vor ein paar Tagen wäre ich im Zaubertrank - Unterricht beinahe umgekippt, aber ich fühle mich wieder fitt wie ein Turnschuh!“
Ginny lachte wenig überzeugend. Hermine, die einen sechsten Sinn für die Probleme ihrer Freunde entwickelt hatte, setzte sich auf und sah Ginny überrascht an.
„Ist etwas nicht in Ordnung? Du wirkst so müde.“
Ginny, die tatsächlich schon seit Tagen nicht mehr durchgeschlafen hatte, seufzte und runzelte die Stirn. „Naja, ich mache mir einfach Sorgen.“
„Sorgen? Worum machst du dir denn Sorgen?“
„Um die ganze Sache zwischen-“ Ginny biss sich auf die Lippe und senkte die Stimme zu einem Flüstern. „-zwischen Lucius und mir.“
Hermine betrachtete ihre Freundin mitleidig und nahm ihre Hand.
„Er ist nunmal was er ist und ich weiß wie gefährlich das ist. Aber ich kann nicht- Ich will nicht-“
„Du willst ihn nicht loslassen, ich verstehe schon.“, antwortete Hermine und sah dabei schuldbewusster aus als Ginny. „Ich weiß, dass es nicht dasselbe ist, mit einem Lehrer zusammen zu sein, wie mit einem Todesser zu schlafen. Aber ich kann verstehen, dass du ihn nicht gehen lassen willst. Ich will auch nicht mehr auf Severus verzichten.“
Eine Weile schwiegen sich die Freundinnen an. Ginny sah aus dem Fenster auf das Hogwarts - Gelände und Hermine betrachtete ihre Hände.
„Wir sind zu weit gegangen, oder?“, sagte Ginny nach einer Weile.
„Vermutlich, ja.“
„Wir haben uns viel zu sehr darauf eingelassen.“
„Ja.“
„Es ist mehr als ein Spiel.“
„So ist es, ja.“
Ginny atmete tief durch und bereitete sich mental auf ihre letzte Frage vor. „Wie geht es jetzt weiter?“
„Ich weiß es nicht.“, antwortete Hermine. „Ich weiß es wirklich nicht.“
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Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Ich habe Angst vor Spinnen. Ich hasse sie. Wie Ron.
Rupert Grint