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Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Azkaban

von Alex2303

۩ ۞ ۩


Seit der Schlacht waren inzwischen gut zwei Wochen ins Land gezogen, welches allmählich zur Ruhe kam. Die Zauberwelt hatte angefangen aufzuatmen. Die meisten zumindest. Jedoch nicht Hermione.
Daniel hatte sie erst jetzt, auf ihr mehrmaliges Drängen und Betteln, endlich entlassen. Sie wäre psychisch noch zu mitgenommen durch alles, was war, hatte er gemeint, was sie allerdings anders sah und sich keine Sekunde länger ans Bett fesseln ließ.
Kaum aus dem St. Mungos raus, führte sie ihr Weg weder nach Hause, noch zu den Weasleys. Nein, sie verschwand direkt ins Ministerium, zu der entsprechenden Verwaltungsstelle und organisierte sich, auf nicht ganz legalem Weg, eine Zutrittsberechtigung für Azkaban. Dort drohte sie jedoch, bei der Direktion der Gefängnisverwaltung, auf Granit zu beißen, als sie schilderte, zu wem sie wollte.
„Besucher sind nicht gestattet!“, raunzte ihr ungehobelt ein bulliger, stark untersetzter Mann mit Halbglatze und kleinen Schweinchenaugen entgegen, dem dies offensichtlich eine helle Freude bereitete.
Sie hatte es bereits geahnt. Blaise hatte ihr erzählt, dass sie niemanden zu ihm ließen. Weder seine Freunde, noch seine Mutter, oder gar jemanden vom Orden, denn Tonks und Remus waren ebenfalls abgeblitzt. Vielleicht gestaltete sich die Sache bei anderen Personen aber ein wenig anders?, ging es ihr durchtrieben durch den Kopf, als sie ein furchtbar enttäuschtes Gesicht machte.
„Wirklich zu schade“, seufzte sie, setzte einen Schmollmund auf und spielte ein wenig gedankenverloren mit ihrem Zauberstab. „Eigentlich wollte ich ihm noch etwas zurückgeben.“ „So?“, spitzte der Direktor, zu dem sie dann auch wieder sah und nickte.
„Ja. Ich hatte nämlich noch zwei, drei Rechnungen mit im offen. Leider konnte ich mich denen noch nicht widmen, da die Typen vom Ministerium ihn viel zu schnell weggeschleppt haben!“, funkelte sie den Dicken nun unsagbar wütend an.
„Granger, sagten Sie?“, wiederholte er ihren Namen. „Ja. Wissen Sie, er war während unserer Schulzeit immer äußerst nett. . .“, zischelte sie das Wort zynisch. „. . . zu mir und dafür wollte ich mich eigentlich noch auf eine ganz besondere Art und Weise bei ihm bedanken“, sah sie ihr Gegenüber nun durchtrieben, wie auch unheilvoll an. In ihren Augen schimmerte dabei ein feuriges Verlangen, was den Direktor zufrieden Grinsen ließ.
„Sie waren doch auch mit Harry Potter an der Schlacht beteiligt? Die junge Mugglehexe, das sind doch Sie?“ „Ganz recht“, bestätigte sie ihm, worauf er bedächtig nickte, bevor er zu philosophieren begann.
„Ich kann mir gut vorstellen, wie nett dieser kleine Bastard zu Ihnen gewesen ist, Miss.“ „Dann verstehen Sie sicher auch mein Anliegen?“ „Selbstverständlich.“ „Würden Sie mir denn dann den kleinen Gefallen tun und eine Ausnahme machen? Bitte. Es bleibt ein Geheimnis“, versprach sie mit einem durchtriebenen Grinsen, was den Direktor selbst grinsen ließ.
„Ich denke, da kann ich etwas einrichten. Kommen Sie.“ Damit stand er auf und deutete ihr, ihm zu folgen, was sie einerseits erleichterte, andererseits die Unruhe in ihr wieder stärker hochkochen ließ. Ihr behagte es nicht, dass man sie nur auf die vermeintliche Bitte, dass sie Draco schaden wollte, zu ihm ließ.
„Es ist wirklich ärgerlich, dass das Gremium sein Urteil nicht bei allen durchsetzen konnte. Diese ganzen Bastarde gehören ein für alle Mal von der Erdoberfläche getilgt“, sinnierte der Direktor wütend. „Solches widerliche Gesocks wie die, gehört bis in die Ewigkeit bestraft. Wenn es möglich wäre, sollte man ihr Dasein als Geister auch noch an Ketten binden“, meinte er weiter, in der Hoffnung, dass Hermione in seine Hasspredigt einstimmte. Diese hörte ihm jedoch kaum zu, da das mulmige Gefühl in ihr immer schlimmer wurde, je tiefer sie in die Katakomben vordrangen. So huschte ihr Blick auch unentwegt an einigen der Zellentüren vorbei, aus denen sie Schreie, gequältes Gejammer und Gewinsel hörte. Der Direktor sah es.
„Keine Sorge, Miss. Diese Verbrecher kommen hier nie mehr raus. Nach einer angemessenen Zeit, wenn sie gebrochen sind, werden sie allesamt den Dementoren vorgeführt. Na ja. Alle außer diesem kleinen Wichser. Mir ist es wirklich unbegreiflich, warum ausgerechnet der Orden des Phönix jetzt so einen Aufstand wegen dieser Kakerlake macht“, grunzte er. Zum Glück schien er nicht zu wissen, dass sie selbst ein Mitglied des Ordens war und dieser ganze Aufstand irgendwo auf ihrem Mist gewachsen war.
„Du dreckiges Schlammblut!“, hörte sie plötzlich aufgebracht eine wütende, leicht wahnsinnige Stimme zischen, womit sie zusammenschrak und klopfenden Herzens zur Seite huschte. Als sie aufblickte, entdeckte sie Lucius Malfoy an den Gitterstäben des kleinen Verschlages seiner Zelle, von wo er sie verhasst anstarrte.
„Du elende Missgeburt. Was willst du hier? Nach dem Blutsver-“ „Silencio!“, warf sie dem alten Malfoy rasch entgegen, bevor er etwas sagen konnte, was den Direktor nur stutzig machen würde. Dieser musterte Hermione dann auch fragend, die allein auf den Anblick Lucius’ weiß im Gesicht geworden war. Dann aber schien sich der Dicke seinen Teil zu denken und richtete selbst seinen Zauberstab gegen den Blonden, worauf es ihn richtig in seine Zelle zurückwarf. Kurz darauf verschloss sich der kleine Verschlag, aus dem er gesehen hatte und es kehrte Ruhe ein.
„Keine bange, Miss. Dieser Teufel wird seine Strafe bekommen.“ „Merlin sei Dank“, murmelte sie noch immer klopfenden Herzens, wie auch etwas fertig, worauf der Direktor tröstend meinte: „Man wird Ihnen hier nichts zuleide tun, keine Sorge. Wenn etwas sein sollte, ein Ruf genügt und unsere geschätzten Kollegen sind sofort zur Stelle. Es kann auch jemand bei Ihnen bleiben, wenn Sie das wünschen? Es bleibt alles in diesem Haus. Kein Wort wird diese Mauern je verlassen“, versicherte er ihr schmunzelnd, worauf sie nickte.
„Danke, aber. . . Ich würde es vorziehen, ungestört zu sein“, gab sie ihm noch immer leicht zittrig zurück und sah nochmal nervös nach hinten zu der einen Zelle, in der Dracos Vater hockte. Dann verschwanden sie allerdings um eine Ecke, sodass sie seine Zelle nicht mehr sah. Nur kam damit die Ruhe nicht zurück, sondern löste sich noch stärker im Nichts auf.
Der Trakt, den der Direktor nun mit ihr betrat, führte sie ungleich tiefer in das unheilbringende Gemäuer. Dieser war noch dunkler und kälter als die Vorangegangenen. Kalt genug, dass ihr Atem Kondenswölkchen heraufbeschwor und sie ihre Jacke etwas fester um den Körper schlang.
Sie konnte nicht sagen warum, irgendwie hatte sie aber das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Darüber hinaus meinte sie jegliches Gefühl von Wärme zu verlieren. Es war ein Gefühl wie das der „Dementoren?“, murmelte sie entsetzt, als urplötzlich eines dieser Geschöpfe, wie aus dem Nichts, vor ihr auftauchte und ihr drohte noch mehr die Kraft zu nehmen. Dass es nicht dazu kam, lag an ihrem Begleiter, der einen kleinen Patronus heraufbeschwor und den Dementor damit auf Abstand hielt. Dieser verschwand nur Sekunden später in den kalten, düsteren Schatten des Gemäuers.
„Bitte entschuldigen Sie“, drehte sich der Mann zu Hermione, die noch immer zitterte und ihn grau, wie auch entsetzt ansah. „Was macht der hier?“, konnte sie ihre verschreckte Frage nicht zurückhalten. Verdammt, Ginny hatte doch gesagt, Kingsley hätte diese Todesboten abziehen lassen?! Wie kam es dann, dass einer von denen hier herumschwebte?
„Etwas Unbehagen verbreiten“, schmunzelte ihr Gegenüber, worauf sich ihre Augen panisch weiteten, was noch schlimmer wurde, als der Mann weiter sprach.
„Wissen Sie, unser Aushilfs-Minister. . .“, schnarrte er abfällig. „. . . war doch tatsächlich der Meinung, es wäre unmenschlich, diese Kreaturen in Azkaban zu belassen. Wir hier waren allerdings der Ansicht, dass ihre Anwesenheit in gewissen Fällen durchaus noch tragbar ist.“ „In gewissen Fällen?“, stammelte Hermione. Ihr Gegenüber schmunzelte nur amüsiert, sodass ihr die Antwort direkt ins Gesicht sprang.
Draco. Sie hatten ihn also wirklich hier unten mit diesen Dingern weggesperrt, um ihn zusätzlich zu quälen. Etwas, was sie Hermiones Meinung nach mit Lucius und den übrigen Death Eatern machen konnten, aber doch nicht mit ihm!
„So, da wären wir“, verkündete der Direktor fröhlich und blieb an einer schwarzen Zellentür stehen. Diese war komplett geschlossen, ganz anders als die in den oberen Trakten, was Hermione das Herz nur noch verängstigter hämmern ließ.
Schließlich wurde die schwere Tür aufgeschlossen und geöffnet, sodass ein schmaler Lichtstrahl in die dunkle, feuchtkalte Zelle fiel, in der sie in der ersten Sekunde nichts erkannte. Dann aber sprach der Direktor noch einen Zauber, der dieses Verlies etwas erhellte und die Hexe den Blonden zusammengekrümmt auf dem Boden liegend vor sich entdeckte.
Im nächsten Moment hatte sie das beklemmende Gefühl, ihr würde das Herz still stehen. Ihr wich mit einem Schlag sämtliche Wärme aus dem Körper, ebenso wie ihre Kraft drohte im Nichts zu verschwinden und sie damit um ein Haar ihren Zauberstab fallengelassen hätte.
„Sie kommen klar, Miss Granger?“, richtete sich der Direktor noch immer lächelnd an sie, worauf sie gar nicht reagierte. Stattdessen sah sie auch weiter entsetzt, wie auch aschfahl auf die reglose, zerbrechliche Gestalt, die mit dem Rücken zu ihr, in Ketten, kaum zwei Meter entfernt auf dem feuchten Boden lag.
„Miss?“ „Ich. . . J-Ja. Ja, natürlich“, stammelte Hermione, die zu tun hatte, ihre Fassade aufrechtzuerhalten, da alles in ihr danach schrie, sofort zu Draco zu stürzen und ihn zu sich zu nehmen. Verdammt, was hatten diese Bastarde ihm angetan?
„Nun, wenn Sie bei irgendetwas Hilfe benötigen oder dergleichen. . . Einer der Kollegen ist in der Nähe. Sie brauchen nur rufen.“ „Danke, aber. . . Das wird nicht nötig sein“, murmelte sie und versuchte mit ihren letzten Worten, mehr schlecht als recht, ihr Schauspiel wieder stärker aufzunehmen. Der dicke Kloß in ihrem Hals drohte jedoch alles zunichtezumachen.
„Geht es Ihnen gut?“ „Ja. Es ist nur . . . etwas kalt“, zitterte ihre Stimme ein wenig, worauf sie sich auch nochmal über den Oberarm rieb. Der Direktor nickte auf den Anblick verstehend.
„Das wird durch die Dementoren kommen. Ich werde veranlassen, dass sie während Ihres Aufenthaltes erst einmal in einen anderen Trakt verschwinden.“ „Danke“, zitterte sie noch immer und das am ganzen Körper. Ihre Beine fühlten sich mittlerweile an wie Pudding, während ihr Innerstes mit jeder Sekunde mehr in Brand geriet, je länger sie ungerührt auf das vor sich sehen musste.
„Gut. Wie gesagt, wenn Sie etwas benötigen oder. . .“ „Ich wäre jetzt gerne allein“, unterbrach sie den Direktor schnell, damit er endlich ging und sie zu Draco konnte. „Selbstverständlich. Nun, dann begleichen Sie mal Ihre Rechnung“, schmunzelte er und verschwand. Hermione blieb allerdings noch einen kurzen Moment reglos stehen, um ganz sicher zu sein, dass der Typ auch wirklich weg war und sie nicht mehr hörte. Erst dann stürzte sie zu Draco und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen.
„Draco?“, zitterte ihre Stimme, als sie ihn vorsichtig bei den Schultern ergriff und behutsam auf den Rücken drehte, was ihm ein gequältes Wimmern entlockte. Als sie ihn richtig sah, drohte der Schmerz in ihr gänzlich überzukochen. Er war mehr tot als lebendig. Was sie hier vor sich hatte, das war ein Schatten seiner selbst.
Er war restlos fahl. Das Gesicht eingefallen, der Körper ausgemergelt, wie auch grün und blau geprügelt. Um die Hand- und Fußgelenke hatte man ihm dicke Eisenschellen gelegt, die an ebenso dicken Ketten miteinander verbunden waren. Die Gelenke selbst waren blutig wund gescheuert und bereits stark entzündet. Zudem waren es nicht nur diese Wunden, die seine Gestalt zierten.
Die verwanzte, graue Sträflingskleidung, die er trug, war an mehreren dutzend Stellen dunkel verfärbt. Alte aber auch frische Blutflecke wie sie erkannte, als sie ihm das Hemd etwas hoch zog. Sein Körper war übersät mit blutigen Striemen, Schnitten und kleineren Einstichen, die stellenweise bereits vereitert waren.
Sein Gesicht war beinahe grau, zerschrammt und verdreckt. An der Stirnseite hatte er noch immer die dicke Platzwunde, die er sich beim Kampf in Hogwarts zugezogen hatte. Diese war mittlerweile völlig entzündet. Unter seinen Augen, aber auch auf den verschlossenen Lidern, zeichneten sich tiefdunkle Schatten ab. Seine Lippen waren rissig und bleich. Aus diesen strömte schwer keuchend sein heißer Atem. Und er war kalt. Sein ganzer Körper war eiskalt, was kein Wunder war hier in diesem Loch. Sie fror ja selbst etwas und da trug sie noch wesentlich dickere Kleidung, als dieses dünne Leinenzeug, was seinen Körper verhüllte.
Sie zog sich rasch die Jacke aus und legte sie ihm über, bevor sie sich etwas anders hinhockte, um ihn richtig nehmen und warmhalten zu können. Als sie ihm die Hand vorsichtig auf die blasskalte Wange legte, bemerkte sie da erst, dass er völlig verschwitzt war. Nur einen Moment später glitt ihre Hand auf seine Stirn. Diese glühte. Er hatte wahnsinnig hohes Fieber, was ihr noch stärker die Tränen aus den Augen trieb, die ihm letztlich aufs Gesicht tropften.
„Draco? Hörst du mich?“, hauchte sie ihm zu, doch er reagierte nicht, sodass ihre Hand erneut wanderte. Kurz darauf lag sie wieder auf seiner Wange, über die sie behutsam streichelte, bevor sie ihren Zauberstab nahm. Mit diesem versuchte sie seine Wunden zu säubern und mit dem Episkey ein wenig zu heilen.
Der Zauber tat allerdings mehr schlecht als recht seine Wirkung, was sie sehr stark vermuten ließ, dass hier auch noch schwarze Magie am Werk war. Diese ganzen neuen Verletzungen schienen nicht nur aufgrund blutigster Brutalität zustande gekommen sein. Da steckte wesentlich mehr dahinter.
Mit dieser Erkenntnis schickte sie drei Patroni los. Einen zu Minerva, einen zu Tonks und einen zu Blaise, in der Hoffnung, dass die Drei irgendetwas bewerkstelligt bekamen, um Draco hier rauszuholen, denn das würde er definitiv nicht bis zur Verhandlung überleben.
Als die kleinen Geister weg waren, beschwor sie auch noch ihren Patronus, was ihr unendlich schwer fiel. Sie war kaum noch in der Lage, einen glücklichen Gedanken zu fassen, um die noch immer vorherrschende, feuchte Kälte zu vertreiben, denn der Atem der Dementoren reichte weit. Zu weit.
Als sie es geschafft hatte, rollte sich der Otter neben ihr und Draco zusammen und ließ ihnen etwas Wärme und Zuversicht. Eine leise Hoffnung, womit sie aufblickte und eine schmutzige Schale, samt kleinem Becher entdeckte. Den Becher dirigierte sie sich ran und füllte ihn mit frischem Wasser, welches sie versuchte Draco vorsichtig einzuflößen. Der Blonde hustete den winzigen Schluck allerdings gequält, wie auch halb erstickend wieder heraus, der sich zudem mit etwas Blut vermischt hatte, was sie schmerzlich das Gesicht verziehen ließ.
„Draco?“, rief sie ihn erneut, worauf er brüchig murmelte. Es war ein einziges, kratziges, heiseres Wort, mehr aus der Bewusstlosigkeit und dem Fieber als dem wachen Geist geboren.
„. . .wassa. . .“ Daraufhin machte sie den Becher nochmal voll und versuchte ein zweites Mal, ihm behutsam etwas davon zu reichen. Zwar hustete er anfangs wieder, schluckte die klare Flüssigkeit dann aber. Und das mehr und mehr. Er schien halb am Verdursten. Inzwischen hatte Hermione auch keinen Zweifel mehr daran warum. Scheinbar hatten diese Bastarde ihm zu allem Überfluss kaum das Nötigste gelassen. Und so wie dieser Direktor gesprochen hatte, hatten sie es nur zu offensichtlich darauf angelegt, ihn hier in diesem Loch ungesehen sterben zu lassen. Und das nur, da er durch den Orden dem Urteil mit den Dementoren entgangen war. Die Situation war für ihn damit jedoch keineswegs besser, sondern nur noch schlechter geworden.
Als er den Kopf schwach zur Seite neigte, wurde sie wieder aus ihren Gedanken gerissen und sah zurück auf ihn. Er keuchte noch immer schwer, hatte scheinbar aber erstmal genug, sodass sie den Becher beiseite stellte und stattdessen die Hand auf seine Wange legte, über die sie behutsam streichelte. In den Augen frische Tränen, die ihr auch weiter im Stillen über die Züge kullerten und ihm erneut aufs Gesicht tropften.
„Wir holen dich hier raus. Ich versprech’s. Wir finden einen Weg. Wir werden dir helfen, also mach jetzt nicht schlapp, hörst du? Ich werde. . .“, stockte sie, als er ein wenig blinzelte. Als sie ihm jedoch in die fiebrig, glasigen, kleinen, grauen Augen sah, in denen kaum noch ein Funken Leben schimmerte, durchzuckte ein schmerzlicher Stich ihren gesamten Körper, der sich tief in ihr Herz bohrte. Dennoch versuchte sie zu lächeln und strich ihm behutsam, wie auch beruhigend über die Wange. Zeitgleich kullerten ihr die Tränen noch stärker aus den Augen und fanden ein weiteres Mal ihr Ziel auf seinen Zügen.
„Hey“, bekam sie nur kratzig heraus, da es ihr die Kehle vermehrt zuschnürte. „. . .erms. . .“, zitterte seine Stimme schwach, worauf sie nickte und sich erneut ein kleines Lächeln auf die Lippen zwang. Sie wusste nicht warum, aber sie war sich sicher, dass diese brüchige Silbe ihr Name hatte werden sollen.
„Es ist alles gut. Ich werd dir helfen. Hörst du? Ich hab schon ein paar Patroni losgeschickt, damit die Anderen Bescheid wissen. Wir holen dich hier raus und dann geht’s dir bald besser. Es wird alles gut, okay? Ich werd dich hier nicht alleine lassen. Ich lass dich nicht im Stich“, versprach sie und strich ihm durch die strähnig gewordenen Haare, bevor sie noch zittrig anfügte: „Du musst bloß noch ein bisschen aushalten. Okay?“, hauchte sie und sah ihm in die kleinen, fiebrigen Augen. Sie suchte dort nach einem Zeichen, dass er sie verstanden hatte. Doch fand sie nichts. Stattdessen zog es ihm die Lider in einem unruhigen Flattern wieder gänzlich zu.
„Draco? Hey“, schlug sie ihm sacht auf die Wange. „Nicht, bleib wach“, drängte sie ihn, doch er war wieder weg, was sie sich furchtbar bitter besah und ihn mehr umschloss. Irgendwann beschwor sie noch eine kalte Kompresse herauf, die sie ihm auf die brennende Stirn legte und ihre Hand auf dieser ruhen ließ. Mit dem anderen Arm hielt sie ihn umschlungen und damit so warm sie konnte.
„Es wird alles gut“, hauchte sie und drohte letztlich in diesem bitteren Schmerz zu versinken, als sich ohne Vorwarnung die Tür öffnete und der bullige Direktor freudig zu ihr hinein lugte.
„Entschuldigen Sie, Miss. Ich wollte nur mal sehen, ob Sie zurecht-“, brach er schlagartig ab, als er das Bild vor sich gänzlich in sich aufnahm.
Hermione, die, ganz anders als er erwartet hatte, nicht damit beschäftigt war, Draco zu foltern. Nein, stattdessen entdeckte er sie auf dem Boden, wo sie den schwer verletzten Jungen schützend in den Armen liegen hatte. Ihre Jacke lag wärmend über seiner kranken Erscheinung ausgebreitet, während ihre Hand mit einem Tuch auf seiner Stirn ruhte. Auf ihren Zügen schimmerten dutzende von bitteren Tränen, die schlagartig noch bleicher und zudem panisch wurden, als sie den Mann sah.
Der Direktor schien hingegen für ein zwei Sekunden zur Salzsäule erstarrt, bevor aus seinem Gesicht der freundliche Ausdruck wich. Dem folgte kurze Verwirrung, bis diese beinahe nahtlos in grenzenlose Wut umschlug und er damit die Zelle betrat.
„Was soll das?!“, ereiferte er sich lautstark, während zeitgleich die Wut in Hermione hochkochte. „Was das soll? Was habt ihr Bastarde ihm angetan?!“ „Raus!“, knurrte der Direktor jedoch, dem sie sich bockig widersetzte.
„Den Teufel werd ich!“, fauchte sie, worauf etwas in den tückischen, dunklen Augen aufblitzte. Nur den Bruchteil einer Sekunde später hatte der Mann seinen Zauberstab gezückt und ihr Dracos Gestalt ruckartig entrissen „NEIN!“, die er energisch gegen eine der Zellenwände schleuderte, wo er rücklings gegen die Steinmauer schlug und schließlich reglos liegen blieb.
„Draco!“, keuchte Hermione geschockt, die gleich zu ihm stürzen wollte. Da ergriff der Direktor sie grob am Oberarm und riss sie gewaltsam zu sich.
„Es reicht!“, raunte er, wo sie noch versuchte, ihren Zauberstab auf den Mann zu richten. Dieser war aber um einiges flinker, als seine plumpe Gestalt vermuten ließ. Noch bevor Hermione dazu kam, ihm einen Zauber entgegenzuwerfen, hatte er ihr den Stab auch schon aus der Hand gerissen. Als sie im Kommenden nach ihm schlagen wollte, ergriff er sie blitzschnell an den Handgelenken, die er ihr brutal auf den Rücken drehte, was sie schmerzlich keuchen ließ.
„Ich dulde derartige Machenschaften nicht in meinem Haus“, knurrte er unheilvoll und zwang sie halb in die Knie. „Sie werden jetzt gehen, Miss“, raunte er düster. Nur einen Moment später tauchte einer der Wärter auf, dem der Direktor Anweisungen gab.
„Die junge Dame möchte Azkaban auf schnellstem Wege wieder verlassen. Schaff sie weg und sorg dafür, dass sie draußen bleibt. Ich will hier niemanden haben! Danach schickst du mir die beiden Dementoren her. Auf sie wartet Arbeit.“ „NEIN!“, schrie Hermione, allein auf die bloße Vorstellung, was dann sein könnte und wohl auch sein würde.
„Lasst ihn in Ruhe! Bitte. Er hat nichts getan! Er gehört nicht zu denen! Er ist kein Death Eater!“, schrie sie durch die Gänge und wand sich im Griff der Wache, als diese sie immer weiter von Draco wegzerrte. Die schwere Tür war mittlerweile auch wieder ins Schloss gefallen. Nur war Draco hinter dieser nicht allein, sondern mit dem wütenden Direktor eingesperrt, sodass ihr die fürchterlichsten Bilder durch den Kopf schossen, was ihm dieser Mann gerade antat.
„Draco! DRACO!“, schrie sie verzweifelt. „Verdammt, loslassen! Er ist keiner von denen! Er hat mit uns gekämpft! Er hat gegen die gekämpft!“, hallte ihre Stimme durch die Gänge, was auch dutzende der Insassen hörten. Der Typ, der sie mit sich zog, meinte derweil gehässig: „Scheint das Zaubergamot aber anders zu sehen.“ Kurze Zeit später war er mit ihr an dem großen Portal, wo der Wärter sie hinaus stieß und ihr nur noch ihre Jacke samt Zauberstab hinterher warf.
Hermione stürzte durch den dumpfen Schlag ins Kreuz und kam so nicht mehr dazu, noch irgendwie etwas auszurichten. Das schwere Tor fiel hinter ihr ins Schloss und verriegelte sich magisch, noch bevor sie ganz auf den Beinen war, was sie dennoch nicht daran hinderte, wütend, wie auch fertig, dagegen zu hämmern.
„Lasst ihn in Ruhe! Draco! DRACO!“, schrie sie wider besseren Wissens und sackte letztlich schluchzend in sich zusammen.
Das war ein Albtraum. Das alles war ein einziger Albtraum! Sie würden ihn umbringen. Dessen war sie sich sicher. Wenn nicht auf dem direkten Weg, dann über den indirekten der Gefangenschaft. Verdammt, er war doch jetzt schon am Ende seiner Kräfte. Wenn dieser Typ und die Dementoren ihm jetzt noch mehr schadeten, würde er den nächsten Morgen nicht mehr erleben! Er brauchte Hilfe, und zwar jetzt, weshalb sie sich krampfhaft zur Ruhe zwang und versuchte halbwegs klar zu denken.
Minerva und Tonks hatte sie informiert, sodass es auch Remus wissen müsste. Die Drei hatten eher noch eine Möglichkeit, etwas zu reißen als sie allein. Aber wer noch? Harry vielleicht, nur würde sie den nicht so schnell überzeugen können. Davon abgesehen war auch sein Wort begrenzt. Also, wer noch? Wer könnte ihr helfen? Wer hatte Weisungsbefugnis über Azkaban?
„Kingsley!“, fiel es ihr schlagartig ein. Er hatte die Dementoren abziehen lassen. Vermutlich wusste er gar nichts von den Zuständen, die hier herrschten. Ja mit großer Wahrscheinlichkeit wusste er wirklich nichts davon. Immerhin. . . So wie der Direktor geredet hatte. . . Die beiden Dementoren waren offensichtlich doch nur auf sein Geheiß noch in Azkaban.
Damit schnappte sie sich ihre Jacke und den Zauberstab und stürzte zurück zu der Landungsbrücke mit den Booten, die sie wieder aufs Festland brachten, von wo sie auf direkten Weg ins Ministerium apparierte. Sie hoffte inständig, dass Kingsley dort war.

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Luna ist auch eine Person, in die ich mich von Anfang an verliebt habe. Sie gibt der Handlung einen wichtigen, neuen Anstrich und sie lässt Harry Dinge anders betrachten. Ich war ihr wirklich von Anfang an verfallen.
Michael Goldenberg