Als sie spät am Abend im Halbdunkel nach Hause kam, war Hermiones vorherrschendes Hochgefühl, darüber, dass Draco begann sich ihr anzuvertrauen, beinahe zur Gänze zusammengebrochen, da sie in der Diagon Alley, während ihren Besorgungen, permanent von irgendwem wegen des Artikels angesprochen wurde. Die Leute hatten ihr unentwegt ein Ohr abgekaut, dass sie sich von den noch frei herumlaufenden Death Eatern nicht einschüchtern lassen sollte. Dass es ein Fehler wäre, sich erpressen zu lassen und ihnen dabei behilflich zu sein, dass einer dieser schändlichen Gestalten wieder auf freien Fuß kam. Und, und, und.
Besonders schlimm war es bei Flourish & Blotts gewesen, als sie sich noch ein paar Rechtsbücher besorgt hatte. Der stets grummelige Verkäufer hatte sie auf ihre Auswahl ziemlich abfällig gemustert und ihr dann noch an den Kopf geworfen, ob sie kein Rückgrat hätte? Wie sie und Harry sich auf dieses Treiben einlassen konnten?
Hermione hatte sich ihren Spruch verkniffen und stattdessen giftig gegrummelt, sodass ihre Laune mittlerweile genauso schlecht war, wie, als sie das Haus verlassen hatte. Dass es am Ende noch eine Steigerung geben könnte, hätte sie fast nicht mehr gedacht. Doch es passierte.
„Was machst du denn hier?“, sah sie verdutzt zu Ron, der, seine Finger nervös knetend, auf den Stufen zur Haustür hockte und offensichtlich schon eine ganze Weile dort saß. Als er sie hörte und schließlich sah, wie sie ihn verwundert musterte, war er sofort auf den Beinen und bei ihr.
„Geht’s dir gut?“, überschlug er sich halb. „Was?“, fragte sie stutzig, bevor ihr wieder einfiel, wie sehr er sie letztens angegiftet hatte. Damit wurde ihre Miene recht ungehalten.
„Ja. Allerdings wüsste ich nicht, was dich das auf einmal wieder interessiert? Du brauchst mich ja nicht“, erinnerte sie ihn an seine Worte, und machte sich letztlich an der Haustür zu schaffen, während Ron sich kurz auf die Zunge biss und schließlich krampfhaft nach Worten suchte.
„Man, das war nicht so gemeint. Ich. . . Ich war nur sauer, weil du . . . du. . .“ „Weil ich was, Ronald?“, drehte sie sich warnend zu ihm um, kaum dass sie ihre Tasche mit den Büchern auf dem Küchentisch abgelegt hatte. Und das unglücklicherweise so, dass Ron einen flüchtigen Blick darauf werfen konnte und die Buchtitel las.
„Weil ich dazu bereit bin, Draco noch eine Chance zu geben?“ „Draco?!“, japste er wütend, worauf sie ihn böse ansah. „Wenn du dich deswegen mit mir streiten willst, kannst du gleich wieder gehen!“, deutete sie im auf die Tür.
„Wenn du wegen etwas anderem hier bist, setz dich“, nahm sie ihre Hand wieder runter. Ron knirschte so noch kurz gewaltig mit den Zähnen, was ihr überdeutlich machte, dass er ordentlich Wut im Bauch hatte. Und das scheinbar nur auf die namentliche Erwähnung Dracos.
Am Ende ließ er sich grummelnd auf einen der Stühle fallen, was ihr zeigte, dass er wohl doch mal gewillt war, in Ruhe und normal mit ihr zu sprechen. Schließlich setzte sie etwas Wasser an, um ihnen beiden einen Tee fertigzumachen. Als der Wasserkocher seine Arbeit tat, lehnte sie sich rücklings an die Arbeitsplatte und sah auf ihren störrischen Freund, der noch immer verbissen vor sich hin starrte.
„Also. Weshalb bist du hergekommen?“, fragte, wo er leicht murrend meinte: „Ich hab mir Sorgen gemacht.“ Daraufhin sah sie ihn stutzig an.
„Weswegen?“, erkundigte sie sich nun wieder ruhig, aber auch verwundert. Zeitgleich machte sich auf seine Aussage in ihrem Innern ein kleines Lächeln breit „Wegen Zabini“, was jedoch gleich im Keim erstickte, als sie zu ahnen begann, von was er sprach.
„Was? Wegen diesem blöden Artikel von Skeeter?“ „Hm“, brummte er auch weiter verbissen, worauf Hermione mit den Augen rollte.
„Mensch, Ron. Du weißt doch genauso gut wie ich, dass die sich ihre Berichte aus den Fingern zieht und die zu 90% nur aus Lügen bestehen“, erklärte sie ihm nochmal. Ron guckte aber auch weiter recht angefressen.
„Und was hatte es mit dem Foto auf sich? Du sahst darauf nicht wirklich so aus, als ob dir das Spaß macht!“, zischte er. Hermione stöhnte auf den Hinweis nur, bevor sie ihm Antwort gab.
„Weil ich Blaise für seine kleine Frechheit am liebsten eine geklatscht hätte. Mir war das allen voran peinlich. Er hat mir aber nichts getan. Er hat mich nur nach Hause geschleppt.“ „Warum eigentlich?“, spitzte Ron, sodass sie sich rege in Verlegenheit sah. Sie wollte ihm nicht unbedingt auf die Nase binden, dass sie die ganze Zeit im Mungos war und dort dann auch vor Erschöpfung eingepennt war. Irgendwie hatte ihr Freund gerade heute aber eine recht scharfsinnige Phase, denn er vermutete ins Blaue und traf damit ins Schwarze.
„Du warst wieder bei Malfoy, oder?“ „War ich, ja“, gab sie ihm wahrheitsgemäß zurück und hielt seine Züge im Kommenden sehr genau im Auge. Sie versuchte jede noch so kleine Regung darin zu erfassen, um besser auf seine Gedanken schließen zu können, was nicht sonderlich schwer war. Sie sah, dass es erneut unterschwellig in ihm brodelte. Und das nicht wenig. Der befürchtete Ausbruch blieb jedoch aus. Stellte sich nur noch die Frage: Wie lange?
„Was wolltest du dort?“ „Nach ihm sehen“, erwiderte sie weiterhin ehrlich, was er sich eigentlich denken konnte. Und so wie er guckte, er hatte es gewusst oder zumindest geahnt. Dass ihm ihr Engagement in der Sache nach wie vor nicht schmeckte, war ihr klar. Nur würde sie sich von ihm nicht davon abbringen lassen.
„Dir ist das wirklich ernst“, stellte er verbissen fest, worauf sie ihn kurz fragend ansah. „Was?“ „Was wohl?!“, wurde er laut und deutete wütend auf ihre Einkäufe.
„Du willst das Frettchen tatsächlich aus Azkaban rausholen!?“ „Weil er das nicht verdient hat, Merlin nochmal! Sie würden ihn mit der Zeit dort umbringen!“ „Und wenn schon! Nur ein toter Death Eater ist ein guter Death Eater!“, spie Ron giftig, worauf es sie kurz schüttelte, bevor sie ihn nun wirklich sauer anfuhr.
„Sag mal, geht’s noch? Er hat nichts getan, was es rechtfertigt, ihn umzubringen! Das hab ich dir schon mal gesagt. Er. . .“ „Er ist ein Death Eater! Er. . .“ „Hör auf!“, fuhr sie ihm scharf dazwischen und funkelte ihn unsäglich wütend an.
„Ich kann es langsam echt nicht mehr hören. Ich hab dir gesagt, dass ich mit dir nicht mehr darüber diskutieren werde. Ich werde Draco helfen. Und. . .“ „Und dafür nötigst du jetzt auch noch Harry!“, warf er ihr vor, was sie nicht gleich verstand.
„Was?“ „Kann ja sein, dass Skeeter einen Haufen Scheiße schreibt. Ich glaube aber nicht, dass sie sich das alles wirklich nur ausgedacht hat. Sie ist bestimmt nicht so blöd Harry grundlos zu unterstellen, dass er für Malfoy aussagen will. Du hast ihn doch garantiert bequatscht!“, warf er ihr vor, worauf der kleine Vulkan in Hermione immer stärker brodelte.
„Ich habe Harry nicht bequatscht! Es war seine eigene Entscheidung. Und über die bin ich ehrlich gesagt heilfroh. Darüber, dass er es langsam so sieht wie ich. Dass er auch die ganzen anderen Dinge berücksichtigt, die Draco in den letzten Monaten getan hat. Warum willst du diese Dinge partout nicht sehen? Hasst du ihn wirklich so sehr? Wäre es dir tatsächlich so eine Genugtuung, ihn in diesem Loch sterben zu sehen? Man, Ron. Allmählich versteh ich echt nicht mehr, was mit dir los ist? Wie kannst du das alles noch immer so verbissen sehen? Wieso. . .“, brach ihr langsam die Stimme weg. Stattdessen stiegen ihr die Tränen in die Augen, was Ron leicht aus der Bahn warf.
„Was. . . Was ist?“ „Ich dachte, ich wäre dir wichtig“, sah sie ihn bitter an. „Ich dachte, ich würde dir mehr bedeuten.“ „Was. . . Was hat das denn jetzt damit zu tun?“, verstand er nicht, als Hermione nun wirklich die ersten Tränen über die Wangen kullerten, als sie ihm recht schmerzlich Antwort gab.
„Alles. Er hat mir das Leben gerettet. Und das mehr als einmal. Wäre er nicht gewesen, dann wäre ich jetzt nicht mehr da. Wir würden uns dann nicht darüber streiten. Wäre dir das etwa lieber?“, sah sie ihn auch weiter bitter an, worauf er schluckte und rasch mit dem Kopf schüttelte.
„Natürlich nicht!“, sprang er von seinem Stuhl auf. „Warum kannst du mich dann nicht verstehen? Wenigstens etwas? Warum kannst du nicht verstehen, dass ich einfach nicht will, dass sie ihn in diesem Loch verrotten lassen oder gar umbringen? Ich verlange doch nicht von dir, dass du mit ihm Bruderschaft trinkst oder ihm alles verzeihst, was war. Das einzige was ich will, ist, dass du dir beide Seiten besiehst. Dass du dir ein paar Dinge klarmachst, die durch ihn noch sind. Etwas, was Harry inzwischen getan hat, deswegen hat er mir auch versprochen eine Aussage für Draco zu machen. Damit sie ihn nicht so hart verurteilen. Ich finde, er ist mit allem ohnehin schon genug bestraft. Er bereut, was passiert ist. Er weiß, dass er Scheiße gebaut hat. Aber wie soll er das denn wiedergutmachen, wenn ihm keiner diese Möglichkeit lässt? Er hat doch keine Unschuldigen getötet oder gefoltert. Er. . .“ „Und was ist mit Katie und mir?“, fuhr Ron ihr nun doch wieder aufgebracht und aufs Neue erbost dazwischen.
„Wir wären wegen dem fast krepiert! Hast du das vergessen?“ „Natürlich nicht. Aber das mein ich doch. Er hat mir heute erst gesagt, dass ihm das leidtut. Dass er euch nie etwas hatte antun wollen. Und wenn du dich mal genau daran erinnerst, dann wüsstest du auch wieder, dass es Unfälle waren. Euch hätte nie etwas passieren sollen. Ihr. . .“ „Nein. Stattdessen wollte dieses Aas Dumbledore ermorden!“, spie Ron nun wirklich giftig.
Der dünne Faden, den sie kurzzeitig zu ihm aufgebaut hatte, um an ein leises Verständnis anknüpfen zu können, war unter größter Spannung bereits wieder zerrissen. Es war eine Spannung, die die Atmosphäre zwischen ihnen aufs Neue aufheizte. Allen voran Ron wusste diese zu schüren, während Hermione verzweifelt versuchte, ihm zu erklären, um dieses minimale Verständnis wieder aufzubauen.
„Ich weiß, dass das alles Dumbledore gegolten hat. Dass er ihn umbringen sollte. Er wollte das aber nicht. Sie haben ihn dazu gezwungen und mit dem Leben seiner Mutter und Freunde erpresst. Sie. . .“ „Hat er dir das erzählt? Hat er dich damit eingelullt? Dass er ja vollkommen unschuldig ist und überhaupt nichts gemacht hat?“ „Man, Ron“, wurde sie allmählich verzweifelt, während sich der Rotschopf gänzlich in Rage redete und Hermione giftig anfuhr.
„Er konnte schon immer gut lügen und sich rausreden. Und das versucht er jetzt wieder über diese gefühlsduselige Tour. Am Ende hat er dir noch vorgejammert, dass er eine furchtbar schwere Kindheit hatte. Dass es ihm ja so schlecht ergangen ist. Ich könnte kotzen bei sowas. Jahrelang hat er die große Schnauze und ist die Arroganz in Person, und jetzt wo Zahltag ist, fängt er an rumzuheulen?“ „Ron. . .“ „Nein! Er hat uns die ganzen Jahre gequält und gedemütigt. Allein deswegen gehört er für mindesten 20 Jahre nach Azkaban! Und zwar mit Dementoren, damit er weiß, wie das ist. Für die Scheiße mit den Death Eatern sollte er lebenslang kriegen!“, schrie er sie an. Hermione konnte auf all das jedoch nicht mehr. Ihr war das alles zu viel.
„Geh“, gab sie ihm schließlich leise zu verstehen. Auf den Wangen noch immer frische Tränen, aufgrund der Hartherzigkeit, die Ron von Sekunde zu Sekunde mehr an den Tag legte, denn das war etwas, was sie überhaupt nicht von ihm kannte.
Ron konnte aufbrausend, engstirnig, verbohrt, dickköpfig und nur allzu oft in seinem Temperament auch sehr verletzend sein. Das waren alles Dinge, die sie von ihm kannte und auch damit umzugehen wusste. Teils nur recht schwer, aber so war er nun mal. So kannte sie ihn seit dem ersten Jahr. Das jetzt war hingegen ein gänzlich neues Gesicht, was er ihr zeigte. Eines, so voller Hass, Abscheu, wie auch Gefühllosigkeit, dass es ihr einen kalten Schauer durch den Körper jagte und sie schlussendlich dadurch sogar Gänsehaut bekam.
„Was?“, stutzte Ron, auf dieses eine, leise, bittere Wort. „Ich hab gesagt, du sollst gehen“, wiederholte sie. Und das noch immer mit gebrochener Stimme, während ihr auch weiter die Tränen aus den Augen rannen, die sie nicht einmal mehr versuchte zu unterdrücken. Zu sehr stachen ihr seine Worte im Innern, die letztlich dafür sorgten, dass sich in ihrem Kopf, passend zu allem, entsprechende Bilder erhoben.
„Du glaubst dem die Scheiße?“, stellte Ron auf ihren Anblick fest, womit sie die Lider schloss „Geh. Bitte“ und ihn damit erneut des Hauses verwies.
Sie hörte ihn am Ende nur noch kurz gefährlich schnauben, bevor etwas später die Haustür ging und energiegeladen ins Schloss krachte, worauf sie ordentlich zusammenzuckte und jetzt erst die Augen wieder öffnete.
Er war weg. Sie war wieder mit sich allein. Und das unendlich verletzt, wo sie sich fertig an der Anrichte herabsinken ließ und schließlich auf dem weißen Fliesenboden der Küche hockte, wo sie aus leeren Augen ins Nichts starrte. In sich eine einzige Frage.
Was war passiert? Was lief hier schief? Konnten das wirklich einzig und allein die Folgen des Krieges sein, die ihn hatten so hart werden lassen? Der Verlust um Fred vielleicht noch? Was um alles in der Welt war bloß mit ihm los? Sie verstand es nicht. Sie konnte es einfach nicht verstehen.
Da machte er sich Sorgen um sie und war froh darüber, dass es ihr gut ging und dennoch hatte er nichts als Verachtung, wie auch einen derartig abgrundtiefen Hass für den Menschen übrig, dem er es irgendwo zu verdanken hatte, dass sie noch lebte. Genauso Ginny. Um seine kleine Schwester machte er sich schließlich nicht weniger Gedanken als um sie. Eher noch mehr, wenn sie an das Ende der Schlacht zurückdachte, womit sich ihr Blick noch stärker verklärte, als diese Eindrücke deutlicher wurden.
Letztlich ließ sie den Kopf auf die Knie sinken und schlang sich selbst die Arme um den plötzlich so kalt gewordenen Körper, der sich nach Wärme sehnte. So sehr.
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„. . . Ich frage dich noch einmal! Wo habt ihr dieses Schwert her? WOHER?!“, kreischte Bellatrix außer sich vor Wut und bohrte ihren Zauberstab schon halb in Hermiones Kehle, die dadurch, wie auch durch den Schmerz des Cruciatus, kaum noch imstande war zu sprechen.
„Wir haben es gefunden. Wir haben es gefunden, BITTE!“, weinte sie verzweifelt, bevor sich ihre Tränen in einem neuen Schrei verloren, als Bellatrix den Unverzeihlichen ein weiteres Mal an ihr anwandte.
„Du lügst, dreckiges Schlammblut. Ich weiß es. Ihr wart in meinem Verlies bei Gringotts! Sag die Wahrheit! Sag die Wahrheit!“, keifte Bellatrix, bevor sich dieser fürchterliche Schmerz aufs Neue über Hermione legte und ihr Schrei verzerrt durch die hohen Wände und Mauern des Manors hallte.
„Was habt ihr außerdem gestohlen? Was habt ihr sonst noch? Sag die Wahrheit, oder ich schwöre, du wirst dieses Messer zu spüren bekommen!“, hielt Bellatrix ihr die silberne Klinge vor die Nase und drohte ihr so schon damit die Wange zu zerschneiden.
Hermione kam jedoch nur noch ein Wimmern und Schluchzen über die Lippen, welches sich erneut in einen langgezogenen, schier wahnsinnigen Schrei verwandelte, als der Schmerz von vorn begann. Über sich hatte sie auch weiter diese Irre, die auf ihrem Oberkörper hockte und sie dadurch zusätzlich bewegungsunfähig machte.
„Was habt ihr noch mitgenommen? Was noch? ANTWORTE MIR! CRUCIO!“, kreischte Bellatrix wie wahnsinnig. In den dunklen Augen ein tiefer Zorn.
„Wie seid ihr in mein Verlies gekommen?“ „Wir waren nie in Ihrem Verlies“, schluchzte Hermione. „Es ist nicht das echte Schwert. Es ist eine Kopie. Nur eine Kopie!“, versuchte sie verzweifelt, Bellatrix von ihrem Verdacht abzulenken.
„Eine Kopie?“, kreischte die schwarze Hexe. „Und das soll ich dir glauben, du Dreckstück?“, spie sie erneut und schlitzte Hermione schließlich den Ärmel ihrer Jacke der Länge nach auf. Kurz darauf spürte Hermione den heißen Schnitt des Messers, als Bellatrix ihr den Unterarm malträtierte.
Doch damit nicht genug, zog sich mit jedem Einstich, jedem kleinen Schnitt, den sie ihr zufügte, ein ungeheures Feuer durch ihre Venen, welches ihren Körper derartig in Brand setzte, als würde sie an einem Marterpfahl stehen und, wie zu den früheren Hexenprozessen, bei lebendigem Leib verbrannt werden. Hinzu kam unentwegt der Schmerz des Cruciatus.
Es war ein Schmerz, ein Feuer, was ihr irgendwann dermaßen zu Kopf stieg, dass sie das beklemmende Gefühl hatte, alles in ihr würde zerreißen. Als würde sie ersticken, womit sich ein bedrohlicher, dunkler Schatten über sie legte. Dieser schnürte ihr die Kehle zu und riss sie schließlich gänzlich ins Dunkel. . .
„NEIN!“, schrie sie schmerzvoll, verzweifelt, wie auch völlig verstört und saß in der nächsten Sekunde aufrecht. Von Bellatrix fehlte jede Spur, wie auch von diesem fürchterlichen Haus. Stattdessen fiel matt das Licht der Straßenbeleuchtung durch ihre zugezogenen Vorhänge und schenkte ihr genug Licht, um, ohne groß zu suchen, den Schalter ihrer Nachttischlampe finden zu können. Erst als diese ihren Dienst aufgenommen und das kleine Zimmer zur Gänze ausgeleuchtet hatte, begriff sie allmählich, wo sie war. Genauso was das eben war.
Es war nur ein Traum. Vielmehr Albtraum. Bilder, die hinter ihr lagen. Gefühle, Eindrücke und Erinnerungen, von denen sie gehofft hatte, dass diese sie nie wieder erreichen würden.
„Gott“, stöhnte Hermione noch immer völlig fertig und fuhr sich mit der zittrig, kalten Hand über das schweißnasse Gesicht und die Haare. Ihr Tank Top klebte ihr durchgeschwitzt am Körper, der nach wie vor zitterte. Teils aus Angst vor dem was war, irgendwann aber vor Kälte. Sie zitterte und fror immer stärker, obwohl es nicht wirklich kalt war.
Schließlich stand sie auf und schlich auf wackligen Beinen ins Bad, um zu duschen. Dass es mitten in der Nacht war, war ihr egal. Dafür fror sie zu sehr. An Schlaf war nach allem, was sie nun wieder so deutlich vor Augen hatte, ohnehin nicht mehr zu denken.
So blieb sie eine gefühlte Ewigkeit regungslos unter dem heißen Schauer stehen und wartete vergeblich darauf, dass sich ihre Muskeln entspannten und das Eis aus ihren Knochen wich. Allen voran, dass diese dunklen Bilder aus ihrem Kopf verschwanden.
Nichts von alldem geschah. Sie hatte selbst nach gut einer halben Stunde noch immer das Gefühl, ihr Innerstes bestünde aus Eis, obwohl ihre Haut bereits krebsrot von dem heißen Wasser war. Auch kannte ihr Geist keine Gnade mit ihr, denn er ließ sie all diese dunklen Bilder nicht hinter die dicken Stahltüren zurückdrängen, die sie nie wieder hatte öffnen wollen. Stattdessen hielt er ihr alles was noch war erneut vor Augen. Die ganze Folter, den Missbrauch. . .
Ihr war es, als wäre sie gänzlich in ihren Erinnerungen gefangen. Als wäre sie nie frei gekommen. Als wäre all das, was jetzt war, nur ein Traum. Eine andere Realität, in die sie sich in ihrer Verzweiflung, dem Schmerz, Leid und Kummer, geflüchtet hatte.
Letztlich verließ sie die scheinbare Eisdusche und suchte sich ein paar warme Sachen zusammen. Unter anderem auch einen von Mollys selbstgestrickten Pullovern. Bevor sie sich den über zog, ließ sie die hässliche Vernarbung, für sie eine Brandmarkung, auf ihrem Arm jedoch wieder unter einem sauberen, weißen Verband verschwinden, um es nicht sehen zu müssen, denn spüren konnte sie die Wunde dennoch. Ein Phantomschmerz. So hatte Daniel es damals genannt. Er war nicht wirklich da, sondern existierte nur in ihrem Kopf. Ein Trauma, was sie wohl genauso wenig loswerden würde, wie die Wunde selbst.
Am Ende verschwand sie runter in die Küche, sich einen schönen Tee fertigmachen, in der mehr als schwachen Hoffnung, dass dieser ihr Innerstes wenigstens etwas beruhigte. Im Anschluss trat sie ins Wohnzimmer und rollte sich mit einer der zwei kuscheligen Decken auf der Couch zusammen. Auf dem Tisch vor ihr lagen noch immer die Bücher, die sie gestern Abend durchgesehen hatte. Damit klärten sich ihre Gedanken plötzlich ein wenig, als ihr wieder bewusst wurde, warum sie diese Bücher las.
Damit kippten ihre Gedanken sowie Empfindungen in eine andere Richtung und nahmen diese beklemmende Vorstellung mit sich, dass diese Realität jetzt hier nur ein Traum war, in den sie sich geflüchtet hätte. Stattdessen wurde sie sich dem, was tatsächlich war, wieder gänzlich bewusst. So auch den Dingen, die dem scheinbar ausweglosen Dunkel gefolgt waren.
Sie erinnerte sich wieder an den Schatten, der im Nachhinein, mit allem, was sie wusste und mitbekommen hatte, wirklich nur Draco gewesen sein konnte. Auch wenn sie ihn damals nicht erkannt hatte und es ihr auch noch immer ein wenig unwirklich war, änderte es nichts daran, dass er für sie da gewesen war. Dass er sie in dieser Kälte warm gehalten hatte. Dass er versucht hatte, ihr Ruhe und Trost zu spenden. Ein wenig Sicherheit. In diesem Kerker, als sie mit ihm allein war und schlussendlich auch in Hogwarts.
Er war da gewesen. Er hatte sie wieder gehalten, beruhigt, gewärmt, angelächelt und. . . Als sie an diese letzte, kleine Geste dachte, wurde ihr ohnehin ganz anders. Zwar war sie sich inzwischen nicht mehr wirklich sicher, ob sie sich das vielleicht nicht doch nur eingebildet hatte. Nur, warum hätte sie sich so etwas einbilden sollen? Der Gedanke war genauso unwirklich, wie die Vorstellung, dass er sie doch geküsst haben könnte. Nur warum? Warum machte er so etwas? Warum war er plötzlich so nett zu ihr gewesen? So fürsorglich? Das passte nicht zu ihm und dennoch. . .
Der Gedanke ließ sie nicht mehr los. Der Gedanke daran, dass er sie mögen könnte. Richtig mögen. Nicht nur, weil sie gewillt war ihm zu helfen, wie Ron ihr ständig versuchte einzureden. Ron. Als sie an ihn dachte, zog sich ihr Innerstes schlagartig unangenehm wie Stacheldraht zusammen.
So krass wie Dracos plötzliche Wandlung war, so war auch die von Ron. Dass er Draco nach wie vor nicht leiden konnte, verstand sie. Keine Frage. Aber das was er gestern Abend abgelassen hatte, das war nicht ihr Ron. Das war nicht der Mensch, den sie mochte und irgendwann angefangen hatte zu lieben. Ein Gefühl was ihr ohnehin schon eine ganze Weile von ihm fehlte. Am schmerzlichsten hatte sie dieses Gefühl in Hogwarts vermisst, als alles sein Ende genommen hatte, denn er war nicht da gewesen. Er hatte sie scheinbar nicht beachtet.
Dass er sich um Ginny gesorgt hatte, verstand sie. Es war ja auch normal. Immerhin hatte er ein paar Stunden zuvor bereits den Tod von Fred vor Augen gehabt. Dennoch. . .
Da war nicht einmal ein kurzer Blick zu ihr gewesen. Da war nichts gewesen. Keine Sorge, die er jetzt angeblich wegen Blaise’ kleiner Frechheit gehabt hatte. Blaise, von dem sie ihm letztens erst überdeutlich gesagt hatte, dass er und Charlie ihre Freunde waren.
So tat sich ihr nun auch wieder die Frage auf, was Draco inzwischen für sie war? Um ihn noch irgendwie als Feind anzusehen, dafür hatte er, für ihren Geschmack, bereits zu viel für sie getan und riskiert.
Nein, als Feind sah sie ihn bei weitem nicht mehr. Einem Feind würde man schließlich auch nicht helfen, sondern wenn, dann doch nur einem Freund. Nur war ihr diese Bezeichnung für ihn noch immer etwas unwirklich. Die Vorstellung, dass Draco Malfoy ihr tatsächlich ein Freund sein könnte? Dass sie selbst ihn als Freund sehen könnte?
Dennoch war es ein Gedanke, der sie jetzt gerade nicht losließ und sie sich die Sache aus Hogwarts erneut stärker ins Gedächtnis rief. Die Vorstellung, dass sie jetzt in seinen Armen lag und er ihr erneut Ruhe und Trost versprach, wie auch Wärme spendete. Dass sie diese Dinge von ihm bekam. Mit dieser Vorstellung nickte sie irgendwann in den frühen Morgenstunden auf der Couch weg.
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Als Hermione aus ihren wirren Träumen erwachte und sich völlig verpeilt, mit leicht schmerzendem Rücken, im Wohnzimmer umsah, war es bereits später Morgen.
Sie wusste, dass sie wieder geträumt hatte, nur konnte sie sich beim besten Willen an nichts erinnern, worüber sie im Endeffekt mehr als erleichtert war. Keine Bilder des Krieges vor Augen zu haben, womit sie sich hoch quälte und ins Bad verschwand, um nochmal zu duschen. Erst kalt, dann warm und dann wieder eiskalt, in der schwachen Hoffnung, dadurch ihre Lebensgeister zur Gänze zu wecken. Ihre Augenringe bekam sie damit allerdings nicht weg. Genauso wenig wie sich ihre Blässe legte, die nur mal kurz nach der Wechseldusche verschwunden war. Als in den Spiegel im Flur sah, blickte ihr eine übermüdete, kränklich wirkende Hermione entgegen. Egal. Nach so einer scheiß Nacht durfte sie auch ein bisschen käsig aussehen, beschloss sie und machte sich einmal mehr auf den Weg ins St. Mungos. Vor diesem tummelten sich noch immer einige Hexen und Zauberer mit empörten Gesichtern, an denen sie sich diesmal ungesehen vorbeischleichen konnte. Im Innern, als sie den zweiten Stock hinter sich lassen wollte, entdeckte sie zufällig Charlie und Blaise, die aus einem der Behandlungszimmer kamen und sich unterhielten.
„Hey“, rief sie die Beiden knapp, die sie jetzt erst bemerkten. „Hey Süße“, grinste Blaise, trat zu ihr und nahm sie wie immer herzlich in die Arme, bevor er ihr ein Begrüßungsküsschen auf die Wange hauchte. Charlie ähnlich.
„Hast du die Nacht wieder durchgemacht?“, vermutete Blaise ins Blaue, aufgrund ihres Anblickes, doch sie schüttelte mit dem Kopf.
„Nur schlecht geschlafen. Was ist mit dir? Tonks hat erzählt, jemand hätte dich verflucht?“, musterte sie ihn mit wachsender Sorge. Blaise winkte ab.
„Alles okay. Ein echter Slytherin ist härter im Nehmen, als du auch nur ahnst“, grinste er, während Charlie neben ihm mit den Augen rollte, sodass sich Hermione an ihn richtete.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“ „Na viel mehr kann in seinem Schädel nicht kaputt gehen.“ „EY!“, beschwerte sich Blaise, weshalb Charlie noch anfügte: „Aber es ist wirklich nichts weiter. Es waren keine Verfluchungen, mit denen Paps nicht zurechtgekommen wäre.“ „Trotzdem. Was fällt denen ein, grundlos andere anzugreifen?“ „Na wenn man so eine Steilvorlage von Skeeter kriegt?“, witzelte Blaise. Hermione fand es alles andere als lustig.
„Das ist kein Grund! Davon abgesehen hast du mir nie etwas getan, auch wenn ich dir für die Aktion am liebsten eine geklatscht hätte.“ „Ach, nur zu“, grinste er und hielt ihr freudig die Wange hin, auf die sie dann tatsächlich schlug. Allerdings nicht so, dass es ihm wehtat, sondern mehr einem leichten Klaps glich.
„Mach so einen Scheiß nochmal mit mir und du lernst mich richtig kennen.“ „Ja, ja“, ließ Blaise sich jedoch nicht beirren und zog sie verschmust zu sich.
„Von dir lass ich mich gerne bestrafen“, säuselte er, was sie mit den Augen rollen ließ. Charlie ähnlich, der sich gleich wieder an Hermione richtete. „Ich schätze, du wolltest zu Draco, oder?“ „Hm. Ihr auch?“ „Ja.“
Damit machten sich die Drei auf den Weg in den vierten Stock, wo Hermione, wegen des Überfalls auf Blaise, noch immer meckerte. Bei der Gelegenheit klärte sie die beiden Jungs auch erstmal über die Sache mit Skeeter auf. Daraufhin konnte Blaise nicht an sich halten und lachte laut los. Sein Lachen verging ihm allerdings schlagartig, als sie sich dem entsprechenden Zimmer näherten, denn vor diesem herrschte ein gesteigerter Aufruhr. Kurz darauf hörte man eine junge Frau zetern und kreischen.
„. . . Der hat es nicht anders verdient. Verdammt, lasst mich LOS!“, wand sie sich brüllend im Griff des Sicherheitspersonals des Mungos’. Auf ihren Kleidern zeichnete sich eine frische Blutspur ab, was auch auf Daniel zutraf, den die Hexe ebenfalls ankeifte.
„Wie können Sie den behandeln? Haben Sie überhaupt kein Rückgrat? Der ist an allem schuld! Es ist bloß seine Schuld!“, schrie sie, sodass in den Freunden vermehrt Unruhe aufstieg, die Sekunden später sogar noch schlimmer wurde, als die aufgebrachte Hexe sie sah und sie sich alle erkannten.
Es war Megan Jones. Eine Ravenclaw, die mit ihnen zusammen eingeschult worden war. Hermione hatte jedoch nie weiter irgendetwas mit ihr zu tun gehabt. Blaise und Charlie noch weniger, dennoch konnte sie sich dunkel daran erinnern, dass Megans Vater, kurz vor Weihnachten in ihrem sechsten Jahr, durch Death Eater ermordet worden war. Genauso ihr kleiner Bruder, der im kommenden Jahr erst hätte eingeschult werden sollen. Ihre Mutter war schwer verletzt worden. Nach dem Vorfall war Megan nicht mehr in der Schule aufgetaucht. Es war eine Geschichte, die Parvati ihr damals erzählt hatte und die dafür gesorgt hatte, dass die Eltern der Patil Zwillinge ihre Mädchen ebenfalls aus der Schule hatten nehmen wollen.
Jetzt, da Megan Hermione erkannte, wie sie rechts und links von den zwei großgewachsenen Slytherins flankiert wurde, beschimpfte sie ihre ehemalige Schulkameradin.
„Wie kannst du bei diesem Spielchen mitmachen? Ausgerechnet du? Wie kommst du dazu, dem Frettchen zu helfen? Wie kannst du dich mit diesem Gesocks abgeben?!“, spie sie auf Blaise und Charlie und funkelte die beiden jungen Männer tödlich an, die es ihr gleichtaten. Blaise ging noch etwas weiter und baute sich bedrohlich vor ihr auf.
„Du vergreifst dich im Ton, Jones“, funkelte er sie dunkel an, worauf sie die Dreistigkeit hatte, ihm ins Gesicht zu spucken und erneut anzukeifen, als er sich den Speichel wegwischte.
„Du bist widerlich, Zabini. Ihr Slytherins seid der allerletzte Abschaum! Ihr habt doch alle mit den Death Eatern unter einer Decke gesteckt. Ihr. . .“ „Es reicht!“, donnerte Daniel ihr wütend dazwischen, den sie erneut giftig ansah, während das Sicherheitspersonal sie abführte.
„Ich hoffe, dieser widerwärtige Bastard hat ordentlich Schmerzen und krepiert! Das ist es, was er verdient hat! Nur das!“, schimpfte Megan weiter, jedoch verebbte ihre Stimme zunehmend. Hermione kam allerdings nicht umhin, ihr gequält nachzusehen, aufgrund ihrer Worte und Anfeindungen. Zwischenzeitlich richtete sich Charlie besorgt an seinen Vater.
„Was war los? Geht es ihm gut? Hat sie ihm was getan?“ „Sie hat es versucht, ja. Er hat allerdings Glück gehabt. Offensichtlich waren ihre inneren Hemmungen doch größer, als sie selbst gedacht hat, sodass der Fluch sich nicht richtig entfalten konnte“, erklärte Daniel, wo nun auch die Löwin zu dem Heiler blickte, auf dessen Umhang Blut schimmerte, was sie trotz allem stark verunsicherte.
„Hat . . . hat sie ihn verletzt?“ „Teils. Aber nichts Lebensgefährliches. Trotzdem war es alles andere als gut für ihn.“ „Diese blöden Spinner!“, keifte Blaise stinksauer, während sich Hermione erneut an Daniel richtete.
„Hätte nicht einer der Auroren hier sein sollen?“, erinnerte sie ihn, worauf er nickte. „Schon. Nur hat sich heute noch niemand hier blicken lassen. Ich weiß auch nicht, wie die momentane Lage ist. Ob man es nicht mehr als nötig erachtet?“ „Und ob es nötig ist! Oder was war das mit dieser gestörten Ziege?!“, schimpfte Blaise, worauf Daniel nickte. „Ich mach mich mal schlau.“ „Können wir zu ihm?“, erkundigte sich Charlie bei seinem Vater, der einfach nur nickte und erstmal seinen Umhang sauber zauberte.
„Vielleicht ist es auch besser, wenigstens einer von euch bleibt vorerst hier, bis ich Näheres weiß. Ansonsten wird uns nichts anderes übrig bleiben, als über die Tür einen Bann zu legen, der ungebetenen Besuch abschirmt.“ „Hm“, brummte Blaise und trat schließlich als Erstes ein. Ihm folgten Charlie, Hermione und letztlich Daniel, der sich nochmal kurz um Draco kümmerte und die Blutflecke verschwinden ließ.
Megan hatte ihn allem Anschein nach mit einem Messer oder Ähnlichem traktiert. Sie schien ihm stellenweise den Oberkörper, ganz besonders aber den linken Arm, zerschnitten und zerstochen zu haben. Die Verletzungen auf seiner Brust waren bereits wieder völlig verheilt. Was seinen Arm anging, dort klaffte noch immer deutlich die offene Wunde. Scheinbar hatte sie ihrer Wut über das Mal, und allem was damit verbunden war, so Ausdruck verliehen.
„Wieso heilt das nicht?“, richtete sich Charlie unsicher an seinen Vater, der erneut versuchte, die Verletzung zu schließen. Antwort bekam er dann aber von Hermione, die dafür nur eine Erklärung sah.
„Weil das Mal eine Verfluchung ist“, murmelte sie, dem Daniel zustimmend beipflichtete. Irgendwann bekam er die Blutungen gestillt, sodass er Draco wenigstens einen Verband umlegen konnte, der all das, was war, versteckte.
„Bleibt ihr erstmal hier? Wenn etwas ist, lasst mir eine Notiz zukommen.“ „Sicher“, murmelte Charlie, womit sein Vater ging und sich die Drei, Blaise noch immer furchtbar wütend, ans Bett setzten.
Hermione kam so nicht umhin, Draco vermehrt mit Sorge zu mustern, denn er war im Gegensatz zu gestern wieder merklich blasser. Auch hatte seine Atmung ordentlich angezogen. Er keuchte furchtbar schwer, während es unter den verschlossenen Lidern schmerzlich zuckte. Aber hatte Megan so etwas nicht gesagt? Dass sie hoffte, dass er Schmerzen hatte? Offensichtlich hatten ihre Flüche dafür dennoch genügt.
„Hat Draco ihr irgendwann mal etwas getan?“, murmelte sie nach einer Weile leicht in sich gekehrt. Blaise und Charlie konnte jedoch nur mit dem Kopf schütteln.
„Nicht das ich wüsste. Mit den Ravenclaws hatten wir nie näher etwas zu tun. Nur mit eurem Haus und. . . Auf euch hatte er sich ein bisschen eingeschossen. Besonders auf Weasley“, murmelte Blaise. Charlie warf ihm daraufhin einen warnenden Blick zu, während Hermione abwesend nickte und alles kurz sacken ließ.
Die Tatsache, dass Megan ihre Wut, aufgrund der Tragödie ihrer Familie durch die Death Eater, scheinbar versucht hatte über ihn zu kompensieren. Dass sie sich Draco stellvertretend als Hassbild für den Mord an ihrem Vater und Bruder nahm, obwohl er gar nichts damit zu tun hatte.
Das Einzige was ihn, leider, mit den Death Eatern und allem was damit zusammenhing, verband, war dummerweise das Dunkle Mal. Ein Erkennungszeichen über das jeder in der Magischen Welt Bescheid wusste. Allen voran, dass Draco es hatte und IHM damit angeblich zu Diensten gewesen war. Dass er nur Unheil verbreitet hätte.
„Ich. . .“, fing sie plötzlich leise an. Den Blick nachdenklich auf Dracos bleiche Erscheinung gerichtet, sodass Charlie und Blaise zu ihr sahen.
„Alles okay?“ „Nein“, murmelte sie und stand schließlich auf. „Hermione?“, hakte Blaise verwundert nach, doch sie schüttelte mit dem Kopf. „Ich muss noch was erledigen“, murmelte sie und verließ letztlich das Krankenzimmer. Verdutzt, mehr noch verwirrt von Blaise und Charlie beobachtet.
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