Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Was im Verborgenen liegt - Operation: Weiße Taube

von Alex2303

Huhu,

ein Königreich für einen POOL!!! Wobei, wenn ich ein Königreich hätte, hätte ich auch einen Pool. Oder zumindest einen kleinen See.
:D Versteht mich nicht falsch, ich liebe den Sommer. Aber ich hab nicht mal nen kleinen See zum abkühlen in der Nähe. Und die Schwimmbäder sind dank der doofen Ferien total überfüllt. :( Bleibt mir nur die Badewanne.

Vielen lieben Dank an Mirja-Hailey, dramaqueen1997, Marie, maggie321, Krissi, Whatsername394 und KatyWakewood fürs Kommi und Mail schreiben.

Bin schon gespannt, was ihr von dem hier haltet.
^^

Liebe Grüße,

*Nachteule* Alex





۩ ۞ ۩


Zum frühen Sonntagvormittag, sah Madam Pomfrey nochmal nach ihrer Patientin, die tief in ihren bitteren Gedanken versunken, auf dem Rand des Bettes saß. Erst als Madam Pomfrey ihr mit dem Zauberstab in die Augen leuchtete, reagierte Hermione, kniff die überreizten Augen zusammen und wich ein wenig zur Seite.
„Entschuldigen Sie. Ihr Körper scheint noch immer recht sensibel auf äußere Einflüsse zu reagieren. Aber das sollte sich in den nächsten Tagen legen. Wenn Sie wollen, dürfen Sie gerne in Ihren Turm gehen. Ich weiß ja, dass Sie sich im Krankenflügel nicht so wohl fühlen“, meinte die Medihexe tröstend, und strich ihr etwas über die blasse Wange, bevor sie Hermione ihre Strickjacke reichte, die sie sich etwas schwerfällig über zog.
Ihre ganze Muskulatur war noch immer recht schlaff, spannte zeitgleich allerdings gehörig, wenn sie bestimmte Regionen beanspruchte, was Madam Pomfrey nochmal kurz ansprach. „Das Beste wird sein, Sie legen sich noch etwas hin und ruhen sich aus. Ich würde Ihnen auch empfehlen, das vielleicht noch zwei, drei Tage beizubehalten. Aber so, wie ich Sie kenne, werden Sie sicher wieder in den Unterricht wollen“, schmunzelte die Schwester, meinte aber noch mahnend: „Sie sollten es dennoch nicht übertreiben.“
Hermione nickte kaum merklich und stemmte sich etwas umständlich vom Bett ab. Zwar stimmte es, dass sie lieber heute, als morgen aus dem Krankenflügel raus wollte, um Ruhe zu haben. Nur würde sie die nirgends bekommen. Weder im Turm der Löwen, denn dort waren Ron und Lavender, auf deren Gegenwart sie getrost verzichten konnte. Aber auch Harry und Ginny, die sie mit ihrer Fürsorge und ihren Fragen ersticken würden. Ihr eigener Turm war allerdings auch nicht ihr Wunschziel, denn dort würde sie Draco begegnen, den sie genauso wenig sehen wollte. Allein der Gedanke an ihn, schmerzte sie. Die Tatsache, dass er nicht einmal vor so einem miesen Trick zurückgeschreckt hatte. Sei es nun um sie rumzukriegen oder sie so zu verletzen, wie sie ihn wohl verletzt hatte.
Verdammt, sie hatte ihm vertraut! Genauso hatte es ihr unendlich leidgetan, dass sie ihm wehgetan hatte. Vermutlich hatte sie alles, was am Ende passiert war, auch nicht anders verdient. Aber sie konnte da nicht einfach drüber hinweg sehen, wie sie es vielleicht sollte. Dafür schmerzte ihr Herz viel zu sehr. Dafür hatte sich dieser verfluchte Idiot bereits zu tief in dieses geschlichen und es an sich gerissen. Das war das Schlimmste.
Sie hatte angefangen ihn zu lieben, was sie lange Zeit nicht hatte sehen wollen, da sie all die kleinen und großen Gesten, die sie geteilt hatten, einfach als tiefe Verbundenheit betrachtet hatte, die während des Krieges und den darauf folgenden Monaten zwischen ihnen gewachsen war. Darüber hinaus hatte sie sich lange Zeit auch nicht vorstellen können, dass er tatsächlich diese Art des Interesses an ihr haben könnte. Schließlich hatte nie jemand solches Interesse an ihr gehabt. Warum auch?
Im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen war und blieb sie ein graues Mäuschen, für das gerade jemand wie Draco kein Interesse haben sollte. Selbst Lavender war für ihre Mitschüler begehrenswerter, wenngleich die zumeist mehr ihren Spaß suchten, wie die Blondine auch. Nun hatte sie Ron, der, laut ihrer Aussage, ja schon seit dem Sommer mit der blöden Kuh verkehrte. Und das vermutlich, da sie ihn, wenn sie nicht gerade gestritten hatten, permanent auf Abstand gehalten hatte, wenn er sie bedrängt und versucht hatte, mehr von ihr zu bekommen. Sex.
Als sie an diese eine spezielle Sache dachte, lief es ihr unweigerlich eiskalt den Rücken runter und sie begann zu zittern, während sie sich träge durch die Gänge des Schlosses schleppte. Dieser Punkt war ein tiefrotes Tuch für sie. Der Gedanke an die angeblich schönste Sache der Welt, löste in ihr nichts Euphorisches, sondern nur Schmerz, Angst und eine dumpfe Panik aus. Sie konnte das nicht. Weder jetzt, noch in Zukunft, dessen war sie sich sicher. Sie würde nie dieses tiefe Vertrauen haben. Der Einzige, dem sie bis vor kurzem noch so tief vertraut hatte, war Draco.
Er war der Einzige, der wusste, was passiert war und der sich um sie gekümmert hatte. Nicht nur direkt nach der Flucht aus dem Manor, sondern auch im Folgenden immer wieder. Er hatte gesehen, wenn es ihr schlecht ging und auch gewusst, was es war, was sie innerlich auffraß und bluten ließ. Dieser früher so gefühlskalte, blöde Idiot hatte es gesehen und ihr immer wieder Halt und Wärme gegeben, wenn sie es gebraucht hatte. Sie hatte keinen Ton sagen müssen. Er war einfach da.
Er war ein Idiot. Ein blöder Vollidiot, der ihr Herz weggenommen hatte, ohne zu fragen und es nun bluten ließ, was ihr wieder die Tränen in die Augen trieb, die sie sich wirsch mit dem Handrücken wegstrich. Den Schmerz in ihrem Innern bekam sie damit aber nicht beseitigt. Stattdessen wurde es schlimmer, je länger sie an ihn dachte. Sie hatte zwangsläufig wieder seine Gestalt vor sich, wie er sie frech angrinste, wenn sie sich mal wieder gekabbelt hatten. Sie sah ihn warm und beruhigend lächeln, mit den Lippen, wie auch den Augen, wenn er sie in den Armen hielt, nachdem sie schlecht geträumt hatte.
Sie wollte das alles nicht sehen. Sie hasste es. Sie hasste ihn, dafür, dass sie ihn liebte. Verdammt, warum hatte er mit seiner blöden Eifersucht und diesem miesen Spielchen auch alles zwischen ihnen kaputt machen müssen? Warum hatte er sie wegen Ben fragen müssen? Warum hatte er nicht noch diesen einen, verfluchten Abend die Füße stillhalten können und ihr einfach nur ein Freund sein? Sie verfluchte ihn dafür. Genauso, wie sie sich selbst verfluchte, für ihre Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit. Für ihren Wahn, einem Traum nachzujagen und sich an etwas zu klammern, was etwas vollkommen Surreales hatte, anstatt die guten Dinge zu sehen, die sie direkt vor der Nase hatte. Warum musste sie auch immer auf ihren verfluchten Kopf hören, anstatt auf ihr Herz, was ihr so oft so viele Signale geschickt hatte, wenn er bei ihr war? Jetzt war es zu spät. Sie wusste nicht, wie sie nach der Sache wieder Vertrauen zu ihm aufbauen könnte. Sie konnte zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal sagen, ob sie das überhaupt wollte. Was sie im Augenblick mehr als alles andere wollte, war Ruhe und Frieden. Das Glück schien sie mit der Halloweennacht jedoch verlassen zu haben, denn sie wurde auf ihrem Weg von einer Person angehalten, die sie genauso wenig sehen wollte, wie Draco, Ron oder Lavender.
„Sieht man dich auch mal wieder“, gewahrte sie Stephen und schrak zurück, sodass sie mit dem Rücken gegen die kalte Steinwand stieß. Aufgrund der hastigen Bewegung schossen ihr viele kleine Blitze durch den Kopf, die bunte Sterne vor ihren Augen generierten, als sie erschöpft auf den verfluchten Ravenclaw blickte. Der war genauso Schuld an allem. Hätte er sie in der Halle nicht belästigt, wäre alles gut gewesen.
„Bleib mir vom Hals!“, zischte sie und schob sich etwas schwerfällig an der Wand entlang. Weg von dem Ravenclaw, der sie verwundert musterte. „Alles klar bei dir?“, erkundigte er sich aufgrund ihrer bleichen Erscheinung und trat näher.
„Fass mich nicht an!“, zischte sie und schlug ihm schwächlich die bereits ausgestreckte Hand weg, was er mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte, bevor er ein wenig schnippisch meinte: „Ich wollte dir nur helfen, kein Grund gleich giftig zu werden.“ „Ich will deine verdammte Hilfe nicht! Du sollst mich endlich in Ruhe lassen!“, fauchte sie und versuchte sich an der Wand entlang an ihm vorbeizuschieben. Nur ließ er sie nicht, sondern trat noch näher. Und das nun mit einem versöhnlichen Lächeln, was ihr absolut nicht behagte.
„Ich kann ja verstehen, dass du gereizt und ein bisschen schlecht auf mich zu sprechen bist. Überhaupt, dass dir die Typen gerade gestohlen bleiben können, nach Malfoys fieser Abfuhr. Es ist echt schwach, dass der Typ so wenig Vertrauen zu dir hat und diesen haarsträubenden Gerüchten tatsächlich glaubt. Aber jetzt weißt du, was für ein selbstgefälliger, oberflächlicher Arsch er noch immer ist. Ich denke ja auch, dass er dich nur ausgenutzt hat. Du solltest dich echt nicht länger wegen dem quälen, sondern erstmal an dich denken. Du siehst schlecht aus“, meinte er besorgt und kam ihr gefährlich nahe, sodass sie begann, Panik zu schieben.
„Hau ab!“, versuchte sie es wieder und verfiel in eine leichte Keuchatmung, während sie sich noch stärker an die Wand drückte, um irgendwie von ihm wegzukommen. Nach einem kurzen Moment hatte er sie jedoch gänzlich eingekeilt und versuchte, sie erneut zu fassen, wogegen sie sich schwächlich wehrte.
„Nun sei nicht so. Ich bring dich in deinen Turm, und dann reden wir mal in Ruhe“, meinte er, was in Hermiones Ohren wie eine Drohung klang, unter die sich ein dumpfes Pfeifen mischte. „Nimm die Hände weg. Lass mich los“, keuchte sie vermehrt und versuchte, ihn von sich zu drücken. Inzwischen wurden ihr die Beine aber auch schon zittrig, die ihr immer mehr drohten nachzugeben, wogegen sie mit aller Macht ankämpfte. Merlin allein wusste, was er dann noch mit ihr anstellen würde.
„Verschwinde“, versuchte sie es nochmal, als er sie stärker an sich drückte, dann aber urplötzlich nach hinten stolperte und auf den Boden knallte. Hermione bekam es nur am Rande mit, da sich ihr alles im Kopf drehte und die ersten Schatten über ihr Bewusstsein huschten. Sie spürte für den Moment nur noch, dass da plötzlich ein anderer, kleinerer Körper war, der sie an sich drückte und beruhigend in den Armen hielt, während auf dem Gang gebrüllt wurde.
„Was hast du Penner nicht verstanden? Du sollst sie in Ruhe lassen! Fass sie nochmal an und ich filetier dich und werf die Reste dem Kraken zum Fraß vor!“ Auf die Drohung samt Stimme sah Hermione benommen auf und entdeckte Blaise vor sich. Er hatte sich zwischen ihr und Stephen positioniert und funkelte den Ravenclaw todbringend an. Bei ihr war Ginny, die sie beruhigend hielt, während sie ebenfalls giftige Blicke in die Richtung des Ravenclaws warf.
„Anstand hast du auch keinen, Zabini?“, murrte Stephen und sah den Slytherin düster an. „Verpiss dich, bevor ich mich komplett vergesse“, raunte Blaise nur noch kalt und starrte ihn drohend an, sodass Stephen es vorzog, erstmal zu verschwinden. An Hermione gewandt, meinte er dann noch freundlich: „Wir reden später nochmal deswegen.“ Als er gänzlich außer Sicht war, drehte sich Blaise zu den beiden Löwinnen.
„Hat er dich verletzt?“ „Nein“, murmelte Hermione dünn, der es noch immer im Schädel hämmerte und dröhnte, mit dem sie schließlich matt gegen Ginnys Schulter sank, die sie besorgt musterte. „Alles okay?“ „Hm.“ „Warum hast du nicht im Krankenflügel auf mich gewartet? Ich hab doch gesagt, ich hol dich ab“, schimpfte Ginny sanft mit ihr, bekam aber keine Antwort, sodass ihr Blick etwas unsicher auf Blaise fiel.
„Kannst du laufen?“, erkundigte er sich und besah sich seine blasse Freundin skeptisch, die nach einem kurzen Moment knapp nickte, sich den Rest des Weges aber von Ginny stützen ließ, während Blaise sie auf der anderen Seite flankierte. Gut zehn Minuten später kamen sie am Schulsprecherturm an und brachten Hermione in ihr Zimmer, die sich erschöpft auf ihr Bett sinken ließ. Ginny nahm auf der Kante Platz, während Blaise sich an einen der verzierten Holzpfosten lehnte, die den Betthimmel trugen.
„Geht's wieder?“ „Ja. Ich bin nur noch etwas müde“, entgegnete Hermione Ginny leise, die sie versuchte, beruhigend anzusehen. Der Rothaarigen war es dennoch ein wenig unheimlich. „Du hättest vielleicht doch noch bei Madam Pomfrey bleiben sollen.“ Auf den Vorschlag schüttelte Hermione kaum merklich mit dem Kopf und rollte sich ein wenig zusammen, was Ginny dazu veranlasste, ihr die Wolldecke aus der Truhe überzulegen. In ihrem Halbdusel bekam sie davon nicht mehr viel mit und nickte auch so recht schnell weg. Blaise besah es sich ein wenig zähneknirschend, als Ginny ihm deutete, dass Zimmer zu verlassen. Im Wohnzimmer kamen die Beiden wieder zusammen.
„Vielleicht verschieben wir das Gespräch besser auf morgen Nachmittag“, schlug die Rothaarige vor. Blaise blieb allerdings stur und schüttelte mit dem Kopf. „Ich geh hier nicht weg, bis die Sache geklärt ist!“ „Du hast doch gesehen, dass sie noch immer nicht richtig auf der Höhe ist.“ „Und was ist mit Draco?“, fauchte er leicht, worauf sie tief Luft holte, aber nichts sagte. Dass Blaise ziemlich stinkig war, und die Geschichte lieber heute als morgen bereinigt haben wollte, konnte sie inzwischen verstehen. Nur machte Hermione nicht den Eindruck, als dass sie besonders aufnahmefähig war. Dennoch blieben die Beiden im Schulsprecherturm und harrten relativ schweigend der Dinge, bis Hermione nach gut vier Stunden, noch immer schläfrig, inzwischen aber ein wenig frischer, ins Wohnzimmer kam, um sich einen Tee zu machen. Als sie die Beiden sah, verharrte sie jedoch in ihrer Bewegung.
„Was macht ihr denn noch hier?“ „Blaise wollte. . .“, begann Ginny, als sich ihr Freund energisch räusperte und sie spitz anfunkelte, sodass sie sich korrigierte. „Wir müssen was mit dir besprechen. Und das ist wirklich wichtig.“ „Ginny, ich. . . Was auch immer es ist, ich hab im Moment echt keinen Kopf für irgendwas“, entgegnete sie ihr dünn. „Und ich hab eine dumpfe Ahnung warum“, mutmaßte Blaise, zu dem Hermione unsicher sah.
Sie konnte sich an einem Finger abzählen, warum er hier war und sie jetzt zudem so durchdringend anfunkelte. Er wollte über Draco reden. Nur, dass sie das nicht wollte. Nicht jetzt und hier. Sie wollte ihre Ruhe haben und allein sein. Dummerweise konnte sie die Beiden schlecht rausschmeißen, weshalb sie kehrt machte, um einfach wieder in ihr Zimmer zu verschwinden. Das konnte sie versiegeln. War zwar kindisch, für ihre Nerven im Augenblick aber besser.
Blaise ahnte so etwas, da diese Abwehrreaktion der von Draco recht ähnlich war. Wollte er seine Ruhe haben, verkroch er sich irgendwo. Blaise hatte bis heute nicht herausgefunden wo, trotzdem schaffte es der Blonde immer wieder, für Stunden scheinbar vom Erdboden zu verschwinden.
„Hermione!“, rief Ginny noch, während Blaise ihr folgte, um ihr die Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Er hatte sie schnell ein und bei den Oberarmen ergriffen, über die er sie um 180° drehte, sodass sie das Wohnzimmer wieder im Blick hatte.
„Wir reden jetzt. Und du wirst genauso brav zuhören wie Ginny. Vorher wirst du mich nicht los“, drohte er ihr leicht, was sie recht wehleidig stimmte. Blaise war es in dem Augenblick egal. Das Einzige, was er wollte, war endlich klare Verhältnisse zwischen seinen Freunden schaffen.
So zwang er Hermione auf die Couch neben Ginny, die sich gleich ihre Hand nahm und beruhigend meinte: „Es ist nichts Schlimmes“, während Blaise nochmal kurz im Kitchenette verschwand, um Tee zu holen, bevor er sich in einen der beiden Sessel fallen ließ und Hermione durchdringend ansah, die verstärkt im Polster der Couch versank.
„Ich weiß ganz genau, was passiert ist, nachdem du und Draco aus der Halle raus seid“, begann er, was sie das Gesicht bitter verziehen ließ, mit dem sie ihn verletzt ansah. „Im Übrigen war die Geschichte mit der Maskerade meine Idee. Wenn du also auf jemanden sauer sein willst, dann sei es auf mich und nicht auf Draco. Er fand meine Idee von Anfang an Scheiße, nur ist uns nichts Besseres eingefallen als. . .“ „. . . mir so ein Schmierentheater vorzuspielen?!“, unterbrach sie ihn verbittert, mit einem neuen Stich im Innern. Blaise knurrte auf die Aussage lediglich leise.
„Nein. Und ich würde dich echt bitten, mich in Ruhe ausreden und erklären zu lassen. Du weißt, dass ich dich lieb habe, im Moment hab ich aber echt Mühe dich nicht anzuschreien.“ „Blaise!“, zischte Ginny, der er dann auch schon einen funkelnden Blick zuwarf, dem sie diesmal standhielt und mit ihrem zu kontern wusste. Kurz darauf sah sie zurück zu Hermione und redete ruhig auf ihre Freundin ein.
„Hör ihm bitte zu. Du wirst es sonst für den Rest deines Lebens bereuen“, appellierte sie und sah Hermione mit einem leicht drängenden Funkeln in den Augen an, die schließlich wieder zu Blaise blickte, der es als Zustimmung sah und zu erklären begann.
„Was Draco versucht hat zu sagen, war die Wahrheit, auch wenn es im ersten Moment schwer zu glauben ist Ich hab ihm damals vorgeschlagen, dass er dir Briefe schreiben soll, weil. . . Ich wollte, dass er wenigstens zeitweise die Chance hat, er selbst zu sein und wenigstens kurzzeitig ein wenig Glück erfährt. Hyperion haben Charlie und ich organisiert und dir, als du dir ein paar Tage später den Kopf angeschlagen hast, eins von Charlies Mittelchen zukommen lassen. Genauso deine Unterlagen. Draco hatte in dem Jahr die beiden Fächer ja abgewählt, weil er so schon kaum einen Nerv für irgendetwas hatte. Dass seine Leistungen restlos eingebrochen sind, weißt du ja. Charlie war aber auch weiter im Arithmantikkurs, während ich Alte Runen besucht habe. Wir haben unsere Unterlagen dann nur zusammengefasst, damit du alles hast. Als die Feier dann anstand, hab ich mich mittels Vielsafttrank in Draco verwandelt, damit er für alle anderen quasi unsichtbar wird. Dass du mich damals gesehen hast, stimmt in der Form nicht ganz, da Charlie sich den kompletten Abend mit Vielsafttrank zugeschüttet hat. Entweder hat er sich selbst gespielt, da Daphne ihn immer mal gesucht hat, oder mich. So konnten wir aber sicherstellen, dass kein Verdacht aufkommt, oder einer von uns vermisst wird. Bei der Gelegenheit, muss ich mich noch für das hässliche Trampeltier bei dir entschuldigen. Aber es musste sein, um den Schein zu wahren“, lächelte er entschuldigend, bevor er noch weiter meinte: „Später am Abend hat sich Charlie dann verdrückt, um Draco den Geheimgang draußen auf dem Gang zum Innenhof offen zu halten. Mit dem kommt man nämlich nahe der Kerker raus“, erklärte er die Punkte, die Hermione am Dienstag so konfus gemacht und gewissermaßen zu dem Missverständnis geführt hatten.
„Warum?“, fragte sie schließlich dünn und sah Blaise auf eine Art und Weise an, die er nicht deuten konnte. „Warum hätte er sich damals mit mir verabreden wollen? Uns hat doch nichts verbunden. Gar nichts!“ „Das stimmt nicht ganz, denn die Verbindung waren quasi Charlie und ich. Draco hat dir doch gesagt, dass er von unseren Treffen wusste.“ „Ja, und?“, verstand sie nicht.
„Er hat zu der Zeit bereits angefangen, bestimmte Dinge infrage zu stellen und anders zu sehen. Dass wir uns dann so viel getroffen haben, hat das noch zusätzlich geschürt. Er hat dich nicht von heute auf morgen gemocht, das wäre in der Tat verrückt. Allerdings kam es über die Jahre. Es fing mit einem leisen Begreifen an, dem eine gewisse Akzeptanz und Neugier gefolgt ist, aufgrund unserer Treffen und meiner Erzählungen. Dass hat sich dann immer mehr entwickelt und zu einer gewissen Aufmerksamkeit geführt, die er dir vermehrt entgegen gebracht hat. Wenn das aber auch nur ansatzweise an seinen Alten durchgedrungen wäre, hätte er ihn gelyncht“, brachte Blaise düster an, woran Hermione keinen Zweifel hatte, denn erlebt hatte sie es in der Form in Muggellondon. Blaise erklärte unterdessen weiter.
„Ihm taten die Beleidigungen mit der Zeit immer mehr Leid, aber er konnte wirklich nicht anders, als dieses Spielchen weiter zu spielen. Er hat angefangen, dich zu beobachten und dadurch zunehmend Interesse an dir entwickelt.“ „Warum sollte er?“, unterbrach sie ihn, da sie es sich nicht vorstellen konnte.
„Ich bin weder attraktiv, noch interessant. Warum sollte gerade er sich so für mich interessieren? Schau mich doch an! Ich bin doch absolut nicht das, was irgendwer als Freundin will. Ich verbringe meine Zeit am liebsten mit Büchern, habe kein Interesse an Quidditch und bin obendrein eine besserwisserische, überhebliche Ziege. Denke nicht, dass ich über die Jahre nicht die ganzen dämlichen Spitznamen gehört habe, die mir die verschiedensten Leute gegeben habe. Wer will sowas als Freundin? Niemand!“, schrie sie zum Schluss schon fast, womit ihr die Tränen kamen, weshalb Ginny sie sofort zu sich nahm und tröstend in den Armen hielt.
„Du hast ein echt beschissenes Selbstbild, Süße“, gab Blaise ihr ruhig zu verstehen, bevor er aufmunternd meinte: „Du bist sehr viel besser, als du dich siehst und hast anderen Mädchen so vieles voraus. Du bist eine ausgesprochen attraktive, hübsche, starke, junge Frau. Wer etwas anderes behauptet lügt. Und das hat auch Draco mit der Zeit erkannt, wenngleich es ihm nie wirklich um Äußerlichkeiten ging. Draco hatte stets ganz bestimmte Vorstellungen, wie seine Freundin sein sollte. Und das letzte, was er wollte, war eine aufgetakelte, snobistische, geldverliebte Ziege wie z.B. Parkinson, die um ihn herum schleimt. Alles was er wollte und sich gewünscht hat, hat er nach und nach in dir gesehen und letztlich auch gefunden. Er will dich und zwar genau so wie du bist. Er liebt dich aufrichtig. Wenn ich eines weiß, dann das. Und er braucht dich. Gerade nach diesem scheiß Krieg, Lucius und Voldemort.“ Auf die Erwähnung dieser Dinge schluckte Hermione, da sie wusste, wie sehr ihn diese Dinge belasteten.
„Er hat mit der Zeit angefangen dich zu schätzen und auch zu lieben. Er hat diese Entwicklung nicht gewollt und auch lange gegen seine Gefühle rebelliert, weil er wusste, dass es kein gutes Ende nehmen würde. Weder für ihn, noch für dich. Dass es mit den Umständen, die seinerzeit noch geherrscht haben, schlichtweg unmöglich war. Er durfte diese Gefühle nicht für dich haben, und trotzdem waren sie da. Sein Blick hat dich immer wieder gefunden und das war manchmal schon echt auffällig und gefährlich für uns, glaub mir. Trotzdem ist es so.“ „Das ist doch alles verrückt“, murmelte sie dünn und schüttelte den Kopf. Blaise widersprach ihr.
„Es ist nicht verrückt. Nur seltsam, das geb ich zu. Seltsam, aber wahr. Ich könnte dir jetzt noch unendlich viel mehr erzählen, allerdings lassen sich viele Dinge nicht beschreiben, weil man das gesehen haben muss, um es richtig zu verstehen. Deshalb. . .“, brach er ab und zog seinen Zauberstab. Er beschwor eine kleine Phiole herauf die er entkorkte, bevor er sich den Zauberstab an die Schläfe legte und einen zähflüssigen, dicken, silbernen Faden aus seinem Kopf zog. Seine Gedanken und Erinnerungen. Diese ließ er in der Phiole verschwinden, die er Hermione reichte.
„Sieh es dir an. Wie gesagt, viele Dinge lassen sich schwer beschreiben. Mit allem, was da drin ist, denke ich, solltest du die Wandlung, die Draco durchgemacht hat, aber am besten verstehen. Ohne neue Missverständnisse. Du wirst verstehen wie es sein kann, dass er diese Gefühle für dich hat, weil. . . Ihr seid euch sehr viel ähnlicher, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Und ich denke, das weißt du auch. Wie es ohne die ganzen Vorurteile zwischen euch hätte laufen können, hast du in den letzten Monaten auch gesehen. Gib euch noch eine Chance. Ich weiß, dass das alles ein bisschen verworren und auch etwas blöd gelaufen ist, aber das ist unsere Schuld. Wir mussten alle Register ziehen, sonst wäre es lebensgefährlich für uns geworden. Vor allem für Draco“, endete Blaise ernst, worauf Hermiones Blick auf die kleine Phiole fiel, in der die Erinnerungen zähflüssig weiß-silbern waberten, die sie sich zaghaft nahm.
„Lasst ihr mich bitte allein?“, murmelte sie dünn, den Blick noch kurz auf das Gläschen gerichtet, bevor sie wieder auf Blaise sah, der schließlich nickte und sich mit Ginny vorerst verabschiedete. An Yvaines Portrait hielt er nochmal kurz inne, und meinte: „Draco ist bei uns unten.“ Hermione reagierte auf den Hinweis allerdings nicht weiter, sondern erhob sich stillschweigend von der Couch, um wieder in ihrem Zimmer zu verschwinden. Ihr hämmerte schon wieder bestialisch der Schädel. Allerdings legte sie sich nicht gleich hin, sondern starrte etwas verloren in den Raum, wo ihr Blick mehr nur beiläufig die Rose streifte, die man gar nicht mehr als solche bezeichnen konnte.
Am Blütenkopf hingen nur noch drei vergilbte Blütenblätter, während sich der Rest in einem hässlichen, trockenen, gelb-bräunlichen Ton um die kleine Vase verteilte. Auch das Blattgrün war welk und trocken geworden, was sie schlucken ließ.
Die Rose starb und damit auch der Zauber und die Gefühle, die mit diesem verwoben waren. Glaubte sie Blaise, dann waren es Dracos Gefühle, die sie vor einigen Wochen zutiefst verletzt hatte, als er sich ihr geöffnet hatte. Die Rose hatte danach ähnlich ausgesehen. Nicht so extrem zerstört wie jetzt, aber dennoch stark angegriffen.
„Das ist verrückt“, murmelte sie für sich, stand auf und machte sich an ihrem Schrankkoffer zu schaffen. Sie wühlte in einem Seitenfach und förderte eine Box zutage, mit der sie sich auf das Bett setzte und die Schachtel eine kleine Ewigkeit betrachtete, bevor sie den Mut fand, den Deckel zu heben. Darunter kam ein ganzer Stapel Briefe zum Vorschein, die fein säuberlich mit einem Band zusammengebunden waren. Sie löste die Schleife und nahm sich den ersten Brief von damals, mit dem auch die Kette gekommen war. Diese fehlte. Hermione vermutete, dass sie sie irgendwo im Wald verloren hatte, was sie recht bitter stimmte.
Irgendwann begann sie zu lesen und zog im Unterbewusstsein Vergleiche, zwischen den Dingen, die sie von Draco wusste und die ihr Ben von sich geschrieben hatte. Es passte so ziemlich alles, bis auf zwei drei Sachen, wo sie aber einfach nicht wusste, ob das auf Draco zutraf, da es Dinge waren, die bis jetzt nie zur Sprache gekommen waren. Nach einer Weile hatte sie dann auch die kurze Nachricht in der Hand, die er ihr, zusammen mit der Phiole, wegen ihrer Beule geschickt hatte.

. . .Falls dir deine Beule doch noch etwas Probleme bereitet, in der Phiole ist ein starkes Schmerzmittel. Ein Familienrezept eines guten Freundes. Wirkt wahre Wunder.
Ruh dich heute noch ein bisschen aus und lass deine Bücher zur Abwechslung mal im Regal stehen. . .


Sie betrachtete den Absatz eine Weile, der Dracos Notiz recht ähnlich war, die sie sich schließlich ebenfalls zur Hand nahm und die beiden Abschnitte verglich.

Iss was und nimm deinen Trank.
Danach legst du dich wieder hin!
Pomfrey hat gesagt du brauchst Ruhe.
Ach ja, und lass die Finger von den Büchern!


Die Schrift war nicht ganz identisch, von dem Wortlaut ganz zu schweigen, der bei Draco einfach nur frech war. Allerdings lagen zwei Jahre, ein Krieg und andere recht heftige Dinge zwischen den beiden Notizen, die durchaus dafür gesorgt haben könnten, dass sich seine Schriftführung etwas verändert hatte. Nicht zuletzt könnte er damals auch einen etwas anderen Stil gewählt haben, damit man die Schrift im Zweifelsfall nicht ihm zuordnete.
Schließlich nahm sie sich wieder die übrigen Briefe und suchte nach weiteren Vergleichen. Dinge, die Draco seltsamerweise von ihr wusste, obwohl sie ihm diese nie genannt hatte. Dinge, von denen sie irgendwann angenommen hatte, dass Blaise und Charlie ihm diese verraten hatten. Dinge, die sie allerdings auch Ben geschrieben hatte, was bei der Schokolade anfing, zu den Blumen, bestimmten Kindheitserinnerungen, mit denen Draco noch versucht hatte, sie zu konfrontieren, nur war ihr Kopf da schon ziemlich überladen gewesen, wie jetzt auch, denn er begann verstärkt zu hämmern, sodass sie über den ganzen Briefen wegnickte.

۩ ۞ ۩


Als Blaise in den Kerkern aufschlug, fand er Charlie mit Daphne und Astoria im Gemeinschaftsraum in ihrer Ecke am Kamin, was ihn gehörig verwunderte.
„Warum bist du nicht bei Draco?“ „Weil er weg ist.“ „Schon wieder?“ Blaise war fassungslos. „Kannst du nicht mal alleine auf ihn aufpassen?“ „Hey! Erstens, kann ich ihn schlecht irgendwo anketten wie einen räudigen Hund und zweitens, warst du über sechs Stunden weg. Ich hab auch gewisse Grundbedürfnisse, denen ich hin und wieder nachgehen muss. In der Zeit ist er weg. Und bevor du fragst, ich hab ihn schon gesucht!“, meckerte Charlie, sodass Blaise die Klappe hielt und sich dazu setzte.
„Hattest du wenigstens Erfolg?“, erkundigte sich Charlie dann wieder ruhiger. „Ich hoffe. So richtig aufnahmefähig war Hermione noch immer nicht. Außerdem hat Cornfoot sie schon wieder belästigt“, murrte Blaise. „Der Typ wird auch langsam zur Plage. Dem müssen wir wohl doch mal intensiver das Maul stopfen.“ „Sobald wir die Geschichte mit Mione geklärt haben, lass ich mir was Schönes für den kleinen Schleimbolzen einfallen“, resümierte Blaise und versank bereits vorfreudig grinsend in seinen schwarzen Gedanken, die von den Mädchen unterbrochen wurden.
„Cornfoot, hast du gesagt?“, erkundigte sich Daphne. Charlie nickte. „Ja.“ „Ihr solltet bei dem vorsichtig sein. Sein Vater hat im Ministerium eine leitende Stelle in der Abteilung für den Magischen Handelsstandardausschuss.“ „Und?“, verstand Blaise nicht. „Das Problem ist, dass er auch zu anderen Abteilungen gewisse Kontakte hat und da auch Gefälligkeiten ausgetauscht werden. Unser Vater hat deswegen schon mal mörderisch Probleme mit dem Büro für Magisches Recht bekommen, weil er den alten Cornfoot nicht bei seinen Projekten mitfinanzieren wollte und ihm darüber hinaus mit seinem eigenen Projekt gehörig die Suppe versalzen hat“, erklärte Astoria. „Dad musste dann tatsächlich recht hohe Strafzahlungen leisten“, ergänzte Daphne.
„Korrupte Schweine“, moserte Blaise, während Charlie meinte: „Das wäre vielleicht was, worüber ihr mal mit Tonks reden solltet. Ich glaube kaum, dass Shacklebolt über diese ganzen internen Machenschaften und Vetternwirtschaft komplett im Bilde ist.“ „Tja, da werde ich mir für den Junior etwas Perfideres überlegen müssen“, murmelte Blaise. „Wenn du Hilfe dabei brauchst, ich steh dir zur vollen Verfügung“, bot sich Daphne durchtrieben an, in was Astoria einstimmte. „Und ich.“ „Ladies, das hört man gern. Charlie?“, sah er zu seinem Freund, der ergeben die Hände hob. „Sicher.“
So verfielen die vier in Gedanken, wie sie Stephen etwas zurückstutzen könnten und das am besten so, dass sein Vater auch noch schlecht wegkam. Ihre Gedanken wurden nach einer Weile je unterbrochen, als sich der Zugang zum Gemeinschaftsraum öffnete, in dem Draco auftauchte. Blaise und Charlie registrierten ihn allerdings einen Tick zu spät, denn da war er bereits auf dem Weg zu den Schlafsälen, wo Blaise ein zweites Mal gegen die verschlossene Tür rannte.

۩ ۞ ۩


„NEIN!“, schrie Hermione panisch und fuhr hoch. Im gleichen Moment krachte und scherbelte es mehrmals, als das Mobiliar an die Wände geworfen wurde und Fenster und Spiegel zersprangen.
Hermione bekam nichts davon mit, sondern starrte verstört in das zwielichtige Dunkel ihres Zimmers. Vor den Augen hatte sie jedoch nicht dieses, sondern etwas gänzlich anderes. Nämlich den Schrecken, der über sie hereingebrochen wäre, wenn die eigentlichen Intentionen der Jungs tatsächlich ans Licht gekommen wären. Folter und Mord, was ihr die Tränen über die Wangen kullern ließ.
„Nein“, keuchte sie, als kurzzeitig erneut diese blutigen Bilder vor ihren Augen aufflackerten, die sie nicht sehen wollte. Dennoch spiegelte sich alles glasklar wieder. Scheinbar für Stunden, bis die Intensität nachließ und die Bilder der Nacht zunehmend verblassten. Als das der Fall war, fiel ihr Blick erschöpft auf ihren Wecker. Es war gerade mal 4:57 Uhr. Dennoch war an Schlaf nicht mehr zu denken, sodass sie im Bad unter der Dusche verschwand, um ihren aufgewühlten Geist noch mehr zu beruhigen und sich aufzuwärmen, denn sie fror erbärmlich. Die lange Dusche wollte ihr jedoch kaum Linderung verschaffen, obwohl sie annähernd eine halbe Stunde unter dieser verbrachte.
Wieder in ihrem Zimmer tasteten ihre erschöpften Augen das Chaos ab, was sie zuvor gar nicht weiter zur Kenntnis genommen hatte. Das zerstörerische Bild schlug ihr jedoch noch zusätzlich auf den Magen. Aber Dippet hatte es ja gesagt, auch wenn sie selbst es bis jetzt nicht so ganz hatte wahrhaben wollen. Draco war mit seinem kleinen Magieproblem nicht allein. Auch bei ihr lief etwas völlig aus dem Ruder. Und das, so schien es, immer stärker.
Letztendlich fiel ihr Blick auf ihr Bett, auf dem noch immer die ganzen Briefe lagen. Sie nahm sich erneut die beiden Notizen, die ihr kurz ein schwaches Lächeln bescherten und ein feuchtes Schimmern in ihren Augen zurückließen.
Am Ende verließ sie ihren Turm und schlich ziellos durchs Schloss, um ihrer Gedanken Herr zu werden und diese zu ordnen. Mit der Zeit war sie auch nicht mehr die Einzige, die sich durch die Gänge bewegte. Allerdings bekam sie davon nur am Rande etwas mit und bemerkte so auch nicht, dass ihr jemand erst mit Blicken und schließlich mit Schritten folgte. Erst als die Gestalt nach ihr griff, wachte sie aus ihren Gedanken auf und wirbelte erschrocken herum. Dabei zog sie ihren Zauberstab und richtete diesen mit Herzklopfen auf den potenziellen Angreifer. Dieser entpuppte sich als Ron, was ihre Stimmung nicht gerade hob. Im Gegenteil. Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und funkelte ihn warnend an.
„Was willst du?“ „Was ich. . . Ich wollte wissen, wie es dir geht“, entgegnete er ihr verwirrt. „Du warst immerhin ziemlich übel verletzt. Ich wollte ja auch nach dir sehen, aber sie haben mich nicht gelassen“, moserte er, da er von Madam Pomfrey tatsächlich besuchsverbot bekommen hatte. Und das hatte er sicherlich Ginny oder Harry oder einer der räudigen Schlangen zu verdanken. Wenn er an die dachte, bekam er ohnehin noch mehr Wut. Inzwischen dürfte Hermione aber auch erkannt haben, dass die Bande ein falsches Spiel spielte. Malfoy vornweg, was er gleich ansprach. Oder es zumindest wollte. Nur kam ihm Hermione sauer zuvor.
„Denkst du ernsthaft, ich hätte dich nach allem sehen wollen?“ „Was? Aber. . . Ich hab doch überhaupt nichts gemacht!“, verteidigte er sich empört, was das dunkle Funkeln in ihren Augen noch mehr schürte. Noch schlimmer wurde es, als er doch tatsächlich meinte: „Ich hab die ganze Zeit nur versucht, dir zu helfen und dich zu beschützen!“ „HELFEN?“, schrie sie auf diese Dreistigkeit, und begann vor Wut zu zittern, während sich ihre Hand immer stärker um ihren Zauberstab krampfte, was Ron doch etwas verunsicherte.
„Kannst du deinen Zauberstab mal runternehmen?“ „Du bist echt unglaublich“, überging sie seine Frage rigoros und schnaubte. „Ich wüsste echt nicht, wann du mir in den letzten Monaten, dem letzten Jahr, in irgendeiner Art geholfen hättest?! Das Einzige, was dich interessiert hat, warst du selbst! Du bist abgehauen und hast Harry und mich im Stich gelassen. Es hat dich nicht interessiert, als ich verletzt in der Bibliothek gelegen habe. Überhaupt! Es hat dich doch einen Scheißdreck interessiert, dass es mir nach diesem verfluchten Krieg genauso beschissen ging. Stattdessen hast du dir deine Zeit lieber mit deiner Lav-Lav vertrieben und mich immer wieder aufs Neue fertiggemacht!“, ätzte sie und lief allmählich vor Zorn rot an, was aufgrund ihrer vorherigen Blässe noch deutlicher zu sehen war. Allerdings traf das auch auf Ron zu, der sofort zurückschoss.
„Das hab ich nicht! Außerdem hast du dich doch nur noch für das Drecksfrettchen interessiert! Den Penner hätten sie in Askaban gleich abfackeln sollen, dann wär Ruhe gewesen!“, keifte er hasserfüllt, als sich die wildesten Bilder in seinem Kopf breit machten. Besonders viele Szenarien taten sich ihm allerdings nicht auf, da bei Hermione, auf die bloße Vorstellung seines wohl sehnlichsten Wunsches, erneut eine Sicherung rausflog.
Ihre linke Hand schnellte ohne das kleinste Anzeichen vor und krachte mit aller Gewalt gegen Rons Wange, auf der sie einen mörderischen Abdruck hinterließ, während es dem Rotschopf den Kopf heftig zur Seite warf. Als er Hermione kurz darauf fassungslos anstarrte, rannen der Hexe bereits dutzende Tränen über die vor Zorn rot glühenden Wangen.
„Du bist widerlich“, presste sie hervor und erdolchte ihn mit Blicken, bevor sie herumwirbelte und in den Gängen verschwand. Vor den Augen wieder mehr die fürchterlichsten Bilder, die, anders als bei Ron, keine wilden Phantasien waren, sondern grausame Realität, die sie kein zweites Mal bewahrheitet haben wollte. Allein die Vorstellung fraß sie innerlich auf.

۩ ۞ ۩


Vollkommen übermüdet und ausgelaugt, suchte sich Draco, flankiert von Blaise und Charlie, seinen Weg hoch in Richtung Großer Halle, um zu frühstücken. Draco hatte allerdings nach wie vor keinen Nerv für irgendetwas. Er wollte einfach nur seine Ruhe. Ruhe und Abstand zu allem. Nur, dass er das, selbst wenn er glaubte allein zu sein, nicht einmal hatte, dachte er an diese geisterhafte Erscheinung.
Er konnte nicht sagen, ob sie echt war, oder er am Ende vielleicht nur geträumt hatte, wie er es bei den Malen zuvor vermutete. Seltsam war diesmal nur, dass der kleine Giftzwerg nicht mehr die einzige Erscheinung war, die er sah. Nur wusste er mit der zweiten Gestalt noch weniger etwas anzufangen, als mit dem Knirps, zumal er kaum etwas erkannt hatte. Allerdings machte sich in seinem Hinterkopf der etwas verrückte Gedanke breit, dass er von der Schattengestalt phantasiert hatte, die er mit Blaise' und Charlies Hilfe erschaffen hatte, um selbst zum Schatten zu werden.
„Es wird alles gut“, hatte die Erscheinung gemeint. Wollte ihm sein zerrüttetes Unterbewusstsein damit am Ende vielleicht nochmal Mut machen, oder ihn auf sadistische Weise verspotten? Letzteres würde zu seinem allgemeinen Glück passen, allerdings war die beruhigende Wärme seltsam, die von der Gestalt ausgegangen war. Diese hatte ihm in der Tat Ruhe verschafft. Einen tiefen, traumlosen Schlaf, aus dem er wieder etwas Kraft hatte schöpfen können. Dummerweise war die Erscheinung letzte Nacht nicht nochmal gekommen, sodass der ganze Mist wieder von vorne losgegangen war, und er sich aufs Neue vollkommen zerschossen fühlte, sodass er mit seiner allgemeinen Wahrnehmung nicht wirklich auf der Höhe war. Dadurch bemerkte er die aufgewühlte, kleine Gestalt nicht, die zügig um die Ecke geschossen kam und voll in ihn rein rannte.
Blaise und Charlie guckten nicht schlecht, wie auch Draco selbst, als sie auf die zierliche Hexe sahen, die aufgrund des Zusammenstoßes selbst den Kopf hoch riss. Als die rehbraunen Augen auf die Silbergrauen trafen, schien die Welt kurz still zu stehen, bevor sie sich ums 100-fache schneller drehte.
Hermiones Geist durchzuckten in dem Augenblick dutzende von unheilvollen Bildern, als sie in das fahle Grau sah, das auf sie beinahe leblos wirkte. Tot. Auf die bloße Vorstellung, dass es so war, dass Rons verhasster Wunsch irgendwie Erfüllung gefunden hatte, flammte ein Schmerz in ihr auf, den sie nicht ersticken konnte.
Sie verzog verzweifelt das Gesicht, was sie schließlich schluchzend an seiner Brust barg und sich energisch an seinem Umhang festklammerte. Auf die Reaktion sahen sich Blaise und Charlie kurz ratlos an, bevor ihre Blicke zu Draco wanderten, der kurzzeitig selbst nicht wusste, was er tun oder denken sollte, da ihn die Situation massiv überforderte. Hinzu kam, dass ihm aufgrund dieser intensiven Nähe ihr Duft unwahrscheinlich in die Nase und letztlich zu Kopf stieg, was ihm die Sinne ein wenig vernebelte. In dem Augenblick schoss Ron um die Ecke, blieb dann aber wie angewurzelt stehen, als er die Hexe bei den drei Schlangen sah. Allen voran, dass Hermione dem Blonden heulend in den Armen lag.
„Weasley“, zischte Blaise unheilvoll, was Dracos Bewusstsein schlagartig weckte, dessen Blick sich drohend auf Ron legte. Er war sich recht sicher, dass der Bastard und Barbie auch nicht ganz unschuldig daran waren, dass Hermione vergangene Woche komplett die Nerven verloren hatte. Dieser legte er beruhigend die Arme um. Sie wehrte sich nicht dagegen, sondern drängte sich nur noch stärker an ihn, was eine kleine Flamme in seinem Innern entfachte, die das quälende Eis ein wenig zu tauen begann.
Er, Blaise und Charlie lieferten sich noch kurz ein stummes Blickduell mit Ron, bei dem der Rotschopf hoffnungslos den Kürzeren zog. So oder so. Gegen das Dämonentrio kam er allein nicht an, weshalb er sich vorerst zurückzog. Sein Blick fand allerdings nochmal kurz Hermione, die sich so fest an den Blonden klammerte, als hinge ihr Leben davon ab. Er schnaubte auf den Anblick, bevor seine Konzentration nochmal auf Draco fiel, den er hasserfüllt anfunkelte, bevor er endgültig ging.
„Degenerierte Made“, knurrte Blaise, bevor er auf Hermione sah, die noch immer in den Armen seines Freundes lag, was ihn hoffnungsvoll stimmte. Er klopfte Draco aufmunternd auf die Schulter, der nur schwer den Blick von der Gryffindor lösen konnte. Als er Blaise ansah, zwinkerte der ihm zuversichtlich zu.
Nur etwas später tauchten Harry, Ginny, Neville und Luna auf, die verwundert auf das sich ihnen bietende Bild sahen. Allen voran auf Hermione, die sich allmählich fing, je länger sie die lebendige Wärme Dracos spürte und damit auch seinen Duft einatmete. Das vertrieb die unheilvollen Bilder und Vorstellungen.
„Was ist passiert?“, erkundigte sich Harry ernst, während sich Ginny mehr auf Hermione konzentrierte. „Mionchen? Alles okay?“ „Ich hab keine Ahnung“, meinte Blaise zu Harry. „Diesmal ist sie nur zu offensichtlich vor Weasley geflohen. Bestärkt mich in meiner Vermutung, dass das letztens auch seine Schuld war“, moserte er noch und sah auf die Gryffindor, die ihre Freunde jetzt erst verstärkt bemerkte und sich Ginny zuwandte, die sie beruhigend zu sich nahm.
Draco versetzte es einen kleinen Stich, dass Hermione nun wohl doch lieber wieder zu ihrer Freundin wollte. Er sah nur noch kurz bitter auf die Hexe, bevor er sich stillschweigend aus der Gruppe löste und in Richtung Großer Halle verschwand. Dass Hermione ihm ihrerseits mit bitterem Blick folgte, bemerkte er nicht weiter. Ginny allerdings, die sie bei der Hand nahm.
„Na komm“, meinte sie lächelnd, womit der Rest ebenfalls in der Halle verschwand, wo Ginny ihre Freundin an ihren angestammten Platz neben Draco dirigierte, damit sich diese hässlichen Spannungen zeitnah lösten. Allerdings blieb der Wurm drin.
Draco stocherte nur sinnlos in seinem Essen rum, während Hermione teilnahmslos auf ihren Teller starrte, hin und wieder aber etwas scheu zu dem Blonden schielte, was sich Ginny entschlossen vornahm zu ändern. Die erste Gelegenheit bot sich während der Doppeltsunde Kräuterkunde. Sprout ließ sie wie immer als Paare arbeiten, die sich inzwischen auch etabliert hatten, sodass Hermione ihrer Arbeit still neben Draco nachging.
Sprout hatte ihnen aufgetragen, behutsam ihre Pflanzen umzutopfen, was sich als nicht ganz problemlos darstellte, denn die Venus Mimosa Pudica hatte dornige Ranken, mit denen sie sich entschieden gegen die Behandlung wehrte und mehreren Schülern diverse kleine Macken auf den Gesichtern sicherte. Unter anderem auch Draco, der versuchte, die Pflanze zu halten, während Hermione den Wurzelballen vom alten Torf säuberte und mit einer Tinktur einpinselte, die der Pflanze beim anwachsen in der neuen Erde helfen sollte.
Für jedes Opfer der Mimosa hatte Sprout noch eine Salbe parat, da die Dornen ein Giftsekret enthielten. Diese reichte sie den betroffenen Pärchen, damit sie sich gegenseitig halfen. Hermione hielt das Döschen allerdings unschlüssig in den Händen, welches Draco ihr schließlich abnehmen wollte, um sich selbst zu versorgen, als die Hexe ihre Stimme wiederfand, und noch etwas dünn meinte: „Ich mach schon.“ Dabei streiften ihre Augen seine kurz scheu, in denen sie recht deutlich Unsicherheit, aber auch Kummer lesen konnte. Sie schluckte auf den Anblick unweigerlich, bevor sie sich ganz darauf konzentrierte, die roten Striemen behutsam einzureiben.
Da, wo sie ihn berührte, war es Draco wie ein kleines Feuer, was dutzende Blitze durch seinen Körper jagte, die alles kribbeln ließen und damit seinen Geist noch stärker weckten. Es wird alles gut, echoten ihm die Worte der Erscheinung nochmal durch den Kopf, an die er sich zu klammern begann, während Hermione noch kurz sanft mit den Fingerspitzen über seine Wange strich. Und zwar ohne Salbe und an einer Stelle, an der er nichts hatte, was ihn dazu veranlasste ihren Blick zu suchen. Sie tat es ihm gleich, sodass sich ihre Augen kurz ineinander verloren. Zwei, drei Sekunden, die letztlich dafür sorgten, dass Hermiones linker Mundwinkel kurz zu einem scheuen Lächeln nach oben zuckte.
„Fertig“, murmelte sie leise und ließ den Blick wieder fallen, der sich stattdessen auf dem Rest der Freunde verlor. Die hatten das Schauspiel interessiert verfolgt, warteten allerdings vergeblich auf mehr, sodass sie vorerst wieder ins Schloss zum Mittagessen verschwanden. Doch wie hatte Blaise gesagt? Aufgeben war keine Option. Und das teilte er Draco später auf dem Weg zu ihrer letzten Doppelstunde auch noch mit. Er erklärte ihm, dass er mit Ginny über alles gesprochen hatte und sie gemeinsam Hermione die Geschichte am Vorabend erzählt hatten. Auf den Hinweis, wachte Draco gänzlich auf.
„Was hat sie gesagt?“ „Nichts. Sie wollte dann alleine sein. Ich schätze, es hat sie für den Moment noch ein bisschen überfordert. So richtig auf der Höhe war sie gestern ja auch noch nicht. Würde mich nicht wundern, wenn sie jetzt einfach nicht weiß, was sie tun oder sagen soll. Lass es einfach auf dich zukommen. Immerhin. . .“, begann Blaise zu grinsen. „Es läuft doch schon wieder ein bisschen besser. Sie hat vorhin immer wieder zu dir geguckt und in Kräuterkunde auch kurz gelächelt. Das wird schon wieder“, meinte er aufmunternd und verschwand hinter seinem Freund in Dippets Klassenzimmer.
Inzwischen erachtete Allan seine Schüler auch als gut genug, dass sie zur Praxis und damit den stillen Duellen übergehen konnten. Mit dabei hatte er eine Liste, wie er die Schüler gegeneinander antreten lassen wollte, da es trotz allem doch recht große Unterschiede gab, was die allgemeinen Fertigkeiten und die Erfahrung anging. Er wollte keinen schwachen, gegen einen starken Schüler antreten lassen, denn das wäre messen mit zweierlei Maß.
Er rief die entsprechenden Paare nacheinander auf, deren Kämpfe auch recht ausgeglichen waren, was ihn freute. Als er schließlich beim fünften Pärchen ankam, gab es von Seiten der Löwen ein Veto, denn er wollte Hermione gerne gegen Draco kämpfen lassen. Alternativ wäre auch Harry eine interessante Wahl gewesen, allerdings versprach sich Allan von dieser Kombination mehr. Ron war anderer Ansicht und schob sich vor.
„Ich will mit dem kämpfen!“, verlangte er und funkelte Draco unheilvoll an. „Das halte ich für keine gute Idee, Mr. Weasley. Ich denke, das wäre ein recht ungleicher Kampf.“ „Oh, ich werd ihm schon seine verdiente Chance lassen, bevor ich ihn fertig mache“, tönte Ron großspurig und erntete lautes, schon fast hysterisches Gelächter von Ginny, während Dippet meinte: „Offen gestanden habe ich eher bedenken, dass Sie sich dabei eine blutige Nase holen“, was Blaise und Charlie diabolisch grinsen ließ. Allen voran Blaise, der Ron in seinem Wunsch unterstützte.
„Oh, warum nicht? Lassen Sie die Beiden kämpfen. Dann wären die Fronten endlich mal geklärt.“ „Ich denke nicht, dass. . .“ „Ich lass dir den ersten Versuch, Weasley“, mischte sich nun auch Draco dazwischen, der ohnehin noch diverse Rechnungen mit Ron offen hatte. Allen voran die von letzter Woche. Da bot sich ein offizielles Duell geradezu an.
„Meine Herren, bitte. Ich. . .“ „Nein. Lassen Sie die Zwei“, mischte sich nun auch Ginny mit ein, die es sich neben Blaise auf der Bank gemütlich machte. „Wenn er sich unbedingt eine Abreibung abholen will, soll er die auch haben. Dürfte lustig werden“, grinste sie fies, worauf Allan sie mahnte. „Miss Weasley, bitte. Auch wenn Sie ihre Differenzen haben. . .“ „Fang an!“, forderte Draco, der inzwischen mit Ron in dem von Allan gezogenen Bannkreis stand, der verhindern sollte, das abgewehrte Zauber vielleicht die anderen Schüler trafen. Was auch gut war, denn da krachte bereits der erste Zauber gegen den Schutzschild.
„Wolltest du nicht kämpfen, Weasley? Ich warte“, höhnte Draco, der den ersten Angriff ohne Probleme geblockt hatte. Diesem folgten dann auch gleich der nächste und noch einer und noch einer. Keiner von Rons Zaubern stellte jedoch eine Gefahr für Draco dar, den es zunehmend amüsierte, je roter Ron wurde. Darüber hinaus wurde er dann auch noch von einigen angefeuert. Den Anfang machte Ginny, dem Sally folgte. Genauso Blaise und Charlie.
„Herrschaften, bitte!“, mahnte Dippet seine Schüler, die Sache nicht noch zusätzlich anzuheizen. Die ließen sich allerdings nicht stören, sodass noch ein paar mehr mit einstimmten. Einzig und allein Hermione besah sich den ungleichen Kampf nervös.
Auch ihr war klar, dass Ron keine Chance gegen Draco hatte. Nur konnte er unberechenbar sein. Und das erkannte Draco nach einer Weile auch immer mehr, denn Ron begann bereits nach kurzer Zeit Zauber auf ihn zu schießen, die absolut nicht zum Lehrplan gehörten. Diese begann der Rotschopf dann auch leise zu murmeln, was Dippet, aufgrund der Rufe der anderen, nicht weiter bemerkte. Draco registrierte es dafür umso deutlicher. Es waren Flüche. Verheerende Flüche, weshalb er die Sache nun doch lieber schnell beendete, denn der Schild würde kaum stark genug sein, um diese komplett zu absorbieren, wie die Vorangegangenen.
Er feuerte in einer raschen Folge erst den Expelliarmus auf Ron, dem nur eine Millisekunde später ein Schleuderfluch folgte, der Ron aus dem Bannkreis warf. Zum Schluss, setzte Draco ihn mit der Ganzkörperklammer endgültig Schachmatt, was begeisterten Applaus nach sich zog.
„Und das sind 50 Punkte für Slytherin!“, lachte Ginny in ihrem Übermut, wofür Blaise sie sofort knutschte und breit grinsend meinte: „Vielen, vielen Dank, meine liebe, liebe Vertrauensschülerin!“ Es vergingen auf diesen Satz geschlagene drei Sekunden, bevor Ginny bleich wurde, als sie die Tragweite ihrer Worte in Verbindung mit ihrer Befugnis als Vertrauensschülerin sah.
„Ups“, entwich es ihr, denn das warf die Löwen in Sachen Hauspunkte doch erheblich zurück. „Gönn es uns!“, lachte Blaise weiter, während ein paar der Löwen sie fassungslos mit offenen Mündern ansahen. Der überwiegend große Rest nahm es allerdings achselzuckend hin. Einige grinsten sogar, was Allan schmunzeln ließ, bevor er sich zu Ron begnügte und diesen aus der Klammer befreite.
„Das nächste Mal sollten Sie auf meine Empfehlung hören. Mr. Malfoy ist bei weitem kein Gegner für Sie. Dafür ist Ihre Technik viel zu unausgereift und auch recht träge“, hielt er Ron vor Augen, die sich gefährlich verdunkelten und hasserfüllt auf den Blonden legten, der ihn seinerseits warnend anfunkelte, bevor er sich zu Blaise und den Anderen drehte. Dippet konzentrierte sich dann auf das nächste Paar, sodass er zu spät registrierte, dass Ron seinen Zauberstab erneut auf den Blonden richtete.
Hermione sah es zwar, kam aber zu keiner Reaktion mehr, als ein grellgelber Blitz durch den Raum surrte und Draco ins Kreuz traf. Durch den Druck fiel er Blaise entgegen und riss ihn mit sich von den Füßen, sodass es noch zusätzlich krachte. Die Köpfe der Anwesenden flogen daraufhin in die Richtung der beiden Schlangen, als noch ein zweiter Zauber durch den Raum schoss. Dieser kam von Hermione, die Ron rasch mit dem Stupor unschädlich machte. Auf den Anblick flog Allans Kopf von Draco zu dem nun bewusstlosen Ron, bei dem sich Lavender jammernd niederließ, zu Hermione und letztlich wieder auf den Blonden, zu dem er rasch trat, um nach ihm zu sehen.
„Scheiße“, zischte Draco und verspannte den Rücken zu einem Hohlkreuz, durch den dutzende heiße Blitze zuckten, was nicht besser wurde, als Blaise versuchte, ihn zu stützen. Mittlerweile war auch Charlie zur Stelle, um nach ihm zu sehen. Er zog ihm rasch die Krawatte auf und lockerte das Hemd, um einen Blick auf seinen Rücken zu werfen, dem Allan folgte. Was er auf diesem sah, war ein etwa faustgroßer, rot-violetter Fleck, der einer beginnenden Gürtelrose ähnelte. Dieses Ekzem bildete bereits nach wenigen Augenblicken Verästelungen, die sich in alle Richtungen ausbreiteten.
„Bringen Sie ihn zu Madam Pomfrey!“, wies Dippet die beiden Freunde an, die Draco rasch in die Mitte nahmen und aus dem Zimmer verschwanden, in dem noch kurz fassungsloses Schweigen herrschte. Die Blicke der Schüler glitten von Hermione zu Ron und wieder zu der Hexe, die noch immer mit einem dunklen Funkeln in den Augen auf Ron herabsah und ihren Zauberstab so fest umklammerte, dass sie drohte, diesen zu zerbrechen. In ihrem Innern tobte eine grenzenlose Wut, Abneigung, Verachtung, ja sogar so etwas wie Hass.
„Mione?“, hauchte Ginny selbst noch leicht geschockt, zu der die Brünette kurz sah, bevor sie sich gänzlich von allem abwand und ebenfalls aus dem Zimmer verschwand. Inzwischen war Dippet bei Ron, um zu sehen, mit was für einem Zauber die Hexe ihn belegt hatte. Da es nur der Stupor war, unternahm er für den Moment nichts weiter, außer den Rest der Klasse zu entlassen, die sich unsicher murmelnd in ihren verfrühten, freien Nachmittag schlichen. Harry, Ginny und die Übrigen schlugen jedoch den Weg zum Krankenflügel ein, zu dem sich auch Hermione begeben hatte.
Drinnen entdeckte sie Blaise und Charlie, die etwas verloren vor einem geschlossenen Vorhang standen, hinter dem sie Draco vermutete. Als sie Anstalten machte, dahinter zu treten, wurde sie von Charlie zurückgehalten.
„Bleib hier.“ „Was war das? Was hat er ihm entgegen geschleudert?“ „Erysipel. Ziemlich schmerzhaft und kann echt böse werden, wenn es nicht zeitnah behandelt wird.“ „Was meinst du mit böse?“, bohrte Hermione unruhig, worauf Charlie abwinkte. „Mach dir keine Gedanken. Wir waren ja gleich hier.“ „Aber. . .“ „Es ist alles gut, wirklich“, beruhigte Charlie sie lächelnd, als dann auch der Rest eintrudelte, was Madam Pomfrey aufgrund der Geräuschkulisse bemerkte und kurz ungehalten hinter dem Vorhang auftauchte.
„Raus! Alle, wenn Ihnen nichts fehlt.“ Damit standen die Freunde vor der Tür, wo Blaise seit langem wieder Mordgedanken hegte, während Ginny wie ein Rohrspatz schimpfte und tobte. Nach einer knappen, halben Stunde tauchte die Medihexe wieder vor der Tür auf und erlöste die Freunde, indem sie sie in den Krankenflügel ließ. Anders als von ihnen befürchtet, lag Draco in keinem der Betten, sondern saß mit zerknittertem Hemd auf der Kante und sah ein wenig erschöpft, mit fiesen Rückenschmerzen, auf seine Freunde. Madam Pomfrey nahm es ein wenig ungehalten zur Kenntnis.
„Wie ich sehe, wollen Sie nicht vernünftig sein und über Nacht hier bleiben?“ „Nein“, murrte Draco säuerlich, sodass sie Schwester kopfschüttelnd an einen ihrer Schränke verschwand und eine größere Dose holte, die sie ihm reichte. „Tragen Sie das morgens und abends auf die Entzündungen auf, dann sollte in ein paar Tagen alles weg sein. Und vielleicht legen Sie sich dann wenigstens noch etwas in Ihrem Zimmer hin“, empfahl sie ihm, worauf er träge nickte und sich bereits in Richtung Kerker begeben wollte, als Hermione ihn zögerlich rief.
„D. . . Draco?“ Er hielt inne und sah, doch etwas verwundert, zu der Gryffindor, in deren Augen Unsicherheit, aber auch Sorge schimmerte, als sie fragte: „Kommst du mit hoch?“ Daraufhin blinzelte er perplex, während Blaise zufrieden grinste, bevor er Draco, im vorbeigehen, einen kleinen Schubs verpasste, der ihn aufweckte.
Er schluckte, nickte kaum merklich und trat zögerlich zu der Löwin, die sich mit ihm auf den Weg machte. Als sie ein paar Schritte schweigend nebeneinander gegangen waren, suchte Hermiones rechte Hand vorsichtig seine, über die sie mit den Fingerspitzen strich. Als er nicht wegzuckte, verflocht sie ihre Finger behutsam mit seinen. Die Freunde sahen es noch, wo gerade Blaise innerlich ein kleines Freudenfeuerwerk nach dem anderen abschoss.

۩ ۞ ۩


„Was haben Sie sich dabei gedacht?!“, donnerte Allan wütend und schlug die Hände auf den Tisch. Ron zuckte allerdings nicht und sah weiter stur geradeaus. „Mir ist durchaus bekannt, dass Sie und Mr. Malfoy ihre Streitigkeiten haben. Das gibt Ihnen aber noch lange nicht das Recht, ihn anzugreifen. Und dann auch noch so feige von hinten! Haben Sie nur eine Millisekunde darüber nachgedacht, was Sie tun? Dass Sie einen Menschen willentlich verletzen? Warum überhaupt? Hat es Sie so sehr geärgert, dass Sie das Duell verloren haben? Dass es so ausgehen würde, hatte ich zuvor bereits angemerkt. Oder wollten Sie ihn von Anfang an verletzen?“, mutmaßte Allan, bekam aber auch weiter keine Antwort. Rons halsstarrigem Blick nach zu urteilen, würde er auch keine bekommen, egal wie lange er ihn hier festhielt, sodass er das Ganze beendete.
„Für Ihr Verhalten ziehe ich Gryffindor 20 Punkte ab. Zudem werde ich mich noch mit Professor Quent zusammensetzen, was weitere Strafarbeiten angeht. Und jetzt gehen Sie mir aus den Augen!“, warf er Ron aus seinem Büro, dem es ganz Recht war. Allerdings ärgerte er sich, dass ihm auf die Schnelle nicht noch ein fieserer Fluch für Malfoy eingefallen war. Vor Publikum wäre das allerdings recht schlecht für ihn ausgegangen, was er in dem Moment tatsächlich komplett ausgeblendet hatte. Dass er mit der dreckigen Schlange nicht allein war. Irgendwann würde sich ihm aber schon noch eine passende Möglichkeit bieten. Und dann. . .

۩ ۞ ۩


Im Turm der Schulsprecher angelangt, wurden Hermione und Draco beinahe überschwänglich von Krummbein begrüßt, der sie offensichtlich gerochen hatte. Er strich beiden kurz um die Beine, bevor er Hermione lauthals anschrie.
„Ich geb dir gleich dein Futter“, meinte sie, bevor sie mit Draco in seinem Zimmer verschwand, damit er sich auch wirklich hinlegte. „Ruh dich aus und . . . uhm. . . Brauchst du was?“, erkundigte sich Hermione unsicher, als er auf der Bettkante Platz nahm.
„Nein“, murmelte er leise und auch ein wenig verunsichert. Er hatte auf dem Weg nach oben hin und her überlegt, ob und wie er ein Gespräch beginnen sollte? Da aber ohnehin immer alles falsch zu werden schien, egal was er sagte oder tat, hatte er geschwiegen. Hermione ging es ähnlich. Sie wusste nicht, was sie jetzt sagen oder tun sollte und kaute recht nervös auf ihrer Unterlippe rum.
Als Krummbein ins Zimmer kam, verloren sich die Spannungen ein wenig, denn der Kater sprang wie immer recht dreist auf das Bett des Blonden, an dem er zu schnuppern begann. Nur einen Augenblick später, ließ er sich an seine Seite gekuschelt nieder, rollte sich zusammen und schlief. Draco nahm es mit einem kleinen Schmunzeln zur Kenntnis, aber auch Hermione lächelte kurz, bevor sie meinte: „Leg dich noch ein bisschen hin. Wenn was ist . . . also. . . Ich bin im Wohnzimmer und. . . Hausaufgaben.“ „Hm“, brummte Draco leise und folgte schließlich ihrem Rat. „Lass es auf dich zukommen“, hatte Blaise gemeint. War vermutlich das Beste, denn jeder Anlauf, den er bisher gewagt hatte, war am Ende katastrophal in die Hose gegangen.
Unten im Wohnzimmer saß Hermione an ihren Hausaufgaben und hatte noch nicht ein Wort zu Pergament gebracht, sondern starrte sinnlos darauf, während in ihrem Kopf ein kleines, großes Chaos tobte. Das fing mit Blaise’ Erklärung an, über ihre wirren Albträume, bis hin zu den heutigen Ereignissen. Ron.
Sie konnte noch immer nicht fassen, dass er das getan hatte. Vor all den Leuten und Dippet! Allerdings hatte es sich bereits zuvor mehrfach angekündigt. Dennoch war für sie erschreckend, dass er allmählich sämtliche Hemmungen verlor. Wie weit würde er am Ende noch gehen? Würde er wirklich. . . Nein.
Sie schüttelte den Gedanken ganz schnell ab, der ihr Herzrasen verursachte. Und zwar von der unangenehmen Sorte, was dafür sorgte, dass sie aufstand und beinahe lautlos nach oben in Dracos Zimmer schlich. Sie blieb an der Tür stehen und beobachtete ihn von dort.
Ihr war klar, dass sie mit ihm reden musste, nur hatte sie einfach keine Ahnung, wo und wie sie anfangen sollte? Darüber hinaus wollte sie ihn jetzt auch nicht wecken, denn er sah extrem abgekämpft aus, was nicht allein Rons Verhalten geschuldet war. Als sie heute Morgen in die Jungs reingerasselt war, sah er schon miserabel aus, was noch geschmeichelt war. Ihm ging die Sache genauso an die Nieren wir ihr, was Blaise gestern auch noch gesagt hatte. Bei dem Gedanken an das Gespräch kam ihr die Sache mit den Erinnerungen wieder richtig ins Bewusstsein.
Auf der einen Seite interessierte es sie schon, was da alles war und wie es gekommen sein sollte. Auf der anderen hatte sie doch auch ein wenig Angst vor dem, was sie erwarten würde. Allerdings sah sie es sich selbst und Draco immer mehr schuldig, Blaise’ Wunsch zu folgen. Und so lange Draco schlief, konnte sie das auch tun. Vielleicht wusste sie danach eher weiter.
Bevor sie sich jedoch mit der Phiole auf den Weg zu McGonagalls Büro machte, trat sie nochmal ganz zu dem Blonden, dem sie die Decke etwas über den Rücken zog. Als sich ihr Blick auf seinen schlafenden Zügen verlor, meldete sich bereits nach einem kurzen Moment ein leiser Drang in ihr, der ihre Finger zum Kribbeln brachte, mit denen sie ihm zögerlich durch die Haare strich. Am Ende sah sie auf Krummbein, der sie mit kleinen Augen betrachtete.
„Pass ein bisschen auf ihn auf, ja? Ich bin bald zurück“, trug sie dem Kater auf, der sie kurz träge ansah, bevor er gähnte und den Kopf wieder in seinem Fell vergrub. Damit verschwand Hermione in Richtung Direktorenbüro, an dem sie zaghaft klopfte.
„Ja, bitte?“, tönte es von drinnen, womit Hermione eintrat. Als Minerva sie sah, blickte sie gänzlich von ihren Unterlagen auf und musterte ihre Schülerin nachdenklich. „Wie geht es Ihnen?“, erkundigte sie sich. „Soweit gut, Professor“, gab die Gryffindor etwas unsicher zurück. Dass sie gut daran tat, erkannte sie nur einen Moment später, denn die Miene ihrer Direktorin verdunkelte sich ein wenig.
„Das ist schön zu hören. Dann können Sie mir nun sicher auch erklären, was bei Merlin Sie geritten hat, einfach in den Verbotenen Wald zu rennen?!“, brauste Minerva auf. „Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie damit nicht nur sich, sondern auch Ihre Freunde in Lebensgefahr gebracht haben? Darüber hinaus hatten wir deswegen auch noch hiesige Probleme mit dem Ministerium und der Strafaufsicht.“ „Strafaufsicht?“, wiederholte Hermione leicht geschockt und wurde wieder etwas blasser. Minerva nickte und erklärte ihr das, was ihre Freunde ihr verschwiegen hatten. Als sie alles gehört hatte, war sie so weiß wie die Wand. Ihr lief ein heiß-kalter Schauer durch den Körper, der sie in Schweiß ausbrechen ließ und letztlich dafür sorgte, dass ihr schwindlig wurde. Minerva sah es und dirigierte sie rasch zu einem Stuhl.
„Himmel, setzen Sie sich!“, stieß sie erschrocken aus und beschwor ein Glas Wasser, was sie Hermione reichte, die es zittrig nahm und rasch leerte, sodass Minerva ihr nochmal nachschenkte. Kurz darauf sah sie ihre Direktorin noch immer recht blass und mit einer tiefen Angst in den Augen an. „Und sie . . . sie gehen dem wirklich nicht weiter nach?“ „Nein“, beruhigte Minerva sie.
„Was war denn nun? Warum haben Sie so etwas Dummes getan? Das passt nicht zu Ihnen“, wollte Minerva dennoch wissen. „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, dass ich. . . Ich hatte zuvor einen kleinen Streit mit . . . mit Draco. Ich wollte eigentlich in unseren Turm, bin dann aber Ron und Lavender über den Weg gelaufen. Lavender hat mich vollgepöbelt und Sachen gesagt, die . . . die einfach nur. . . Die mich an den Krieg erinnert haben und alles was da war und . . Ich wollte nur weg und meine Ruhe, weil. . . Mir hat so schon der Kopf gedröhnt. Als ich dann in einen anderen Gang bin da. . . Irgendjemand hat nach mir gegriffen. . . Ich weiß nicht wer. Ich hatte auf einmal aber so eine Panik und. . . Ich bin dann nur noch gelaufen. Dass ich in den Wald bin, dass. . . Ich kann mich wirklich nur noch daran erinnern, dass ich vor Lavender und Ron weg bin. Alles andere. . .“ „Man hat Sie angegriffen?“, wurde Minerva hellhörig. „Ich weiß es nicht“, murmelte Hermione dünn und nippte nochmal an ihrem Glas.
„Das sollten wir dennoch mit Tonks besprechen. Es ist gut, dass wir das geklärt haben.“ „Ähm. . . Ja. Es ist nur. . . Ich bin eigentlich wegen etwas anderem zu Ihnen gekommen.“ „Was haben Sie denn auf dem Herzen?“ „Ich wollte fragen, ob ich das Denkarium benutzen darf?“ „Das Denkarium?“, stutzte Minerva, bevor sie Hermione über ihre Brille eindringlich ansah. Diese hielt ihr die kleine Phiole hin, die sich Minerva kurz nahm und betrachtete.
„Von wem stammen diese Erinnerungen?“ „Blaise.“ „Mr. Zabini?“ „Ja. Er hat mir gestern ein paar Dinge gesagt und erklärt, meinte dann aber, dass es sich mit Worten schlecht erklären lässt, ansehen wäre besser und. . . Es wäre wirklich sehr wichtig für mich, Professor“, sah sie ihre Direktorin bittend an, denn mit der kleinen Offenbarung Minervas, war der Drang in Hermione nur noch größer, all diese verworrenen Dinge klarer sehen zu wollen. Sie wollte die Hintergründe kennen und vor allem verstehen. Richtig verstehen.
„Das Denkarium steht dort drüben im Schrank, meine Liebe“, meldete sich Albus unverhofft zu Wort und überging damit Minervas Autorität ein wenig, die ihn böse über ihre Brille anfunkelte. Dumbledore lächelte jedoch, bevor er noch meinte: „Sieh mich nicht so an. Es sind doch nur ein paar Erinnerungen eines Freundes. Ich hätte keine Bedenken.“ „Ich habe auch keine Bedenken!“, warf sie ihm sauer zu, bevor sie wieder zu Hermione sah und ihre Brille von der Nasenspitze ganz nach oben schob.
„Wie Professor Dumbledore schon sagte, es steht dort im Schrank. Sie wissen, wie man es benutzt?“ „Harry erwähnte es mal.“ „Gut. Dann sehen Sie sich an, was sie ansehen wollen.“ Mit diesen Worten trat Minerva hinter ihren Schreibtisch und Hermione an den Schrank. Sie öffnete die Flügeltür und blickte kurz in den flüssigen, silbernen Spiegel, der ihr recht deutlich zeigte, wie blass sie noch war. Das änderte sich auch nicht, als sie den Inhalt der Phiole in den Spiegel fließen ließ, der kurz einen kleinen Strudel bildete, bevor er wieder ihr Gesicht zeigte. Sie holte nur noch kurz tief Luft, beugte sich vor und versank damit in den Erinnerungen ihres Freundes.

۩ ۞ ۩


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Ich habe Angst vor Spinnen. Ich hasse sie. Wie Ron.
Rupert Grint