
Sooo, ich habe mich entschlossen, das erste Chap schon mal online zu stellen, obwohl ich gerade erst mit dem zweiten fertig bin. Wer weiß, vielleicht schaffe ich ja morgen sogar das Dritte? Ist zwar im Moment eher unwahrscheinlich, weil ich morgen noch eine Schulaufgabe vor mir habe (Deutsch) und da wohl ausgelaugt bin. Aber mal sehen. Vielleicht habe ich ja doch noch genug Lust, zumindest anzufangen^^
Ich hoffe, diejenigen, die meine alte FF gelesen haben, bleiben mir auch jetzt treu...
Des weiteren hoffe ich, dass ich einige Kommies bekomme =)
Und jetzt, genug geredet! Viel Spaß im ersten Chap meiner neuen alten Fanfiction...
Die Hexe
Die Morgenröte des letzten Tages im Monat August überflutete die Dächer eines kleinen Vororts von London und tauchte sie in ein warmes Rot-Gold, das herrlich glitzernd der Atmosphäre von Abgasen und frühem Morgenlärm die erdrückende Wirkung nahm. Ein junges Mädchen, fast 17 Jahre alt war jedoch die Einzige, die dieses wunderbare Bild an diesem Morgen wahrnahm und auf sich wirken ließ. Die junge Frau saß auf ihrem Bett und blickte sehnsüchtig in die Ferne. Der morgendliche, sanfte Lichtschein, der auf der Stadt lag, erinnerte sie an die Farben des Hauses, dem sie auf ihrer Schule angehörte. Gryffindor hieß dieses Haus. Ein Name, der komisch anlauten mochte, doch für dieses Mädchen mit den ebenmäßigen und auffallend hübschen Gesichtszügen war es der schönste Klang der Welt gewesen, als sie ihn zum ersten Mal vernommen hatte. Und dort, in ebenjenem Haus hatte sie eine neue Heimat gefunden. Denn die Aufenthalte hier, in diesem, ihrem Elternhaus, hatten einen bitteren Beigeschmack, seitdem vor 7 Jahren ein Briefumschlag aus Pergament ins Haus geflattert war, auf dem in grüner Tinte ihr Name gestanden hatte:
Lily Evans
Vineyard 17
Kingston upon Thames
London
Sie war erstaunt und neugierig gewesen, als sie den Brief geöffnet hatte. Und sie hatte nicht fassen können, was dort gestanden hatte.
Sehr geehrte Miss Evans,
wir freuen uns sehr, Sie als neue Schülerin von Hogwarts, Schule für Hexerei und Zauberei begrüßen zu dürfen. Das Schuljahr beginnt am 1. September, wir möchten Sie bitten, sich an diesem Tag am Bahnhof King's Cross in London einzufinden. Der Zug, der Sie an unsere Schule bringt wartet ab 9:30 auf Gleis 9 ¾. Eine Liste mit den benötigten Gegenständen finden sie anbei. All diese Dinge sind in der Winkelgasse zu besorgen und vollständig nach Hogwarts mitzubringen.
Da Sie aus einer nichtmagischen Familie stammen, wird Sie unser Wildhüter, Amous Begler, am 31. August um 10:00 abholen, um Ihnen und Ihrer Familie den Weg in die Winkelgasse zu zeigen und Ihnen bei Ihren Einkäufen ein wenig zu helfen.
Mit freundlichen Grüßen,
Albus Wulfric Brian Parcival Dumbledore,
Schulleiter von Hogwarts
Sie erinnerte sich noch an den genauen Wortlaut des Briefes. Wie sehr hatte sie sich gefreut! Sie, Lily Evans, die nie etwas Besonderes gewesen war, war eine Hexe! Ihre Eltern waren außer sich vor Freude und Stolz gewesen und waren an dem besagten Tag voller Staunen durch die Winkelgasse gewandert, ebenso wie sie selbst. Ihre Augen waren so groß geworden wie die Suppenteller ihrer Granny und sie hatte nicht gewusst, welches dieser ganzen Wunder sie als Erstes in Augenschein nehmen sollte. Da hatte es so viel zu sehen gegeben! Ihr Gesicht musste gestrahlt haben wie bei einem kleinen Kind bei der Bescherung vor dem festlich geschmückten Christbaum, das gar nicht fassen konnte, welche immer neuen Wunder aus den so liebevoll verpackten Paketen heraus kamen. Das war der bisher schönste Tag in ihrem Leben gewesen, so voll von Freude und purem Glück.
Doch auch dieses Glück hatte - wie alle Dinge in ihrem Leben - eine Schattenseite bekommen. Denn als sie mit Samuel und Annmary, ihren Eltern, wieder nach Hause gekommen war, hatte sie nicht - wie sonst immer - ihre große Schwester Petunia erwartet. Die elfjährige Lily hatte sich schon darauf gefreut, ihrer Schwester, die sie sehr liebte und verehrte, in die Arme zu fliegen und sie an all den Wundern teilhaben zu lassen, die sie erlebt hatte. Aber alles kam anders. Ein Schimmer der unendlichen Traurigkeit und des Unverstehens legte sich über das zarte Gesicht der jungen Frau, die im Schneidersitz in ihrem kleinen, aber gemütlichen Zimmer saß. Schon damals, als kleines Mädchen, hatte sie nicht verstanden, warum Petunia so abweisend reagiert hatte. Lily hatte die Szene noch genau vor ihrem inneren Auge. Ihre Schwester war zu spät zum Abendessen herunter gekommen, das war noch nie zuvor passiert. Als Lily aufgeregt zu erzählen begann, kaum dass sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, war ihr Ausdruck immer abweisender und kälter geworden. Das kleine Mädchen mit den feuerroten Haaren, die so im Kontrast standen zum mausgrauen, unscheinbaren Aussehen der Schwester, hatte jedoch nichts davon gehört. Erst als Petunia zu sprechen begonnen hatte, hatte sie aufgehört zu reden. Die Worte ihrer Schwester, die bis dahin ihre beste Freundin und einzige Vertraute gewesen war, klangen noch immer in ihren Ohren. Und sie hatten nichts von der verletzenden Seite darin verloren.
„Mutter - ab sofort möchte ich mein Essen in meinem Zimmer einnehmen, solange diese Missgeburt mit mir an einem Tisch sitzt!“ Alle drei, Vater, Mutter und Schwester, hatten das 14jährige Mädchen angestarrt, als hätten sie einen Geist vor sich. Lily schmunzelte bei diesem Gedanken mit Tränen in den Augen. Damals hatte sie noch nicht gewusst, war es noch nicht alltäglich geworden, einen Geist zu sehen. Nun war es normal, wenn auf den Gängen von Hogwarts plötzlich einer der Hausgeister durch die Wand schwebte. Oder auch durch einen Schüler hindurch. Es fühlte sich an, als würde man in eiskaltes Wasser getaucht werden. Kein angenehmes Gefühl. Sie schüttelte den Kopf, ehe sie ihre Erinnerungen wieder an die Oberfläche ließ. Fassungslosigkeit hatte in ihren Augen gestanden. Wer war dieses Mädchen da vor ihr? Und was hatte sie mit Petunia gemacht? „Wer bist du?“, hatte sie leise und verängstigt gefragt, als hätte sie eine der Baumnymphen vor sich. „Du dummes Gör! Ich bin Petunia Evans!“ Dieser Zorn, die unverhohlene Wut und der Hass in ihrer Stimme hatten Lily einen Schauer nach dem anderen über den Rücken gejagt. „Was ist denn los? Was habe ich getan?“, waren ihre Worte gewesen. Doch die Angesprochene hatte nicht einmal reagiert. Anklagend hatte sie sich an ihre Eltern gewandt, die sie unverwandt mit großen, verständnislosen Augen ansahen. Die Beiden Geschwister waren immer ein Herz und eine Seele gewesen. Was konnte nur diese Reaktion ausgelöst haben? „Wie konntet ihr? Wie konntet ihr so etwas nur in die Welt setzen?“ Wie abwertend das ?so etwas' geklungen hatte. Doch Petunia war mit ihrer verletzenden Rede noch nicht am Ende gewesen. „Magische Fähigkeiten! Dass ich nicht lache! Ich wusste ja immer, dass das mit den roten Haaren nicht gut gehen wird! Das war ein Zeichen, jawohl! Eine dreckige, rothaarige Hexe in meiner Familie! Welche Schande!“ Eine einzelne Träne lief über die Wange der inzwischen fast erwachsenen Hexe. Noch immer schmerzten diese Worte. Niemand wusste, dass ihre eigene Schwester, die ihr immer am meisten bedeutet hatte, so etwas zu ihr gesagt hatte. Nicht einmal Emilia hatte sie es gesagt.
Ihre Gedanken wanderten weiter. Emilia. Ihre beste Freundin. Sie sah ihr Bild vor sich, wie sie sich letztes Jahr am Bahnhof verabschiedet hatte: braune Haare, braune Augen, ein keckes, schüchternes Lächeln… Sommersprossen auf der kleinen, süßen Stupsnase verteilt. Emmy war keine, die auffiel, und doch auf ihre eigene Weise bezaubernd. Doch das hatte noch keiner bemerkt. Nicht einmal Remus, obwohl der sonst immer alles merkte. Dass das Mädchen schon seit Ewigkeiten in ihn verliebt war, war ihm auch noch nicht aufgefallen. Überhaupt, Remus. Er war im Grunde genommen ein süßer Junge. Er hatte etwas Schüchternes, Stilles an sich und war absolut unauffällig und ruhig. Aber nicht verängstigt, ganz im Gegenteil! Er dachte nur viel nach und überlegte sich gut, was er sagte. Er hätte auch Lily gefallen können. Wenn sie denn einen Freund gewollt hätte. Haben könnte sie viele. Sogar einen der zwei begehrtesten Jungs ihres Jahrgangs. Ach, was dachte sie. Der ganzen Schule! James Potter war sein Name. Runde Brille, schwarzes strubbeliges Haar, durch das seine Hand immer wuschelte, sobald sie in der Nähe war, braune Augen, sportliche Figur - und ein selbstbewusstes Grinsen. Überhaupt, sein Selbstbewusstsein. Es war sehr ausgeprägt. Vielleicht ein wenig zu sehr, als manchmal gut war. Doch wen wunderte es? Mädchenschwarm, Quidditchspieler, gut in der Schule - und einer der Marauder. Alle Mädchen, von der ersten bis zur siebten Jahrgangstufe standen auf ihn. Ach ja - und natürlich auf seinen besten Freund, Sirius. Sirius Black.
Genau, einer aus der Familie Black. Und doch war er in Gryffindor und nicht in Slytherin, wie alle anderen seiner Ahnenreihe. Die Blacks waren nämlich eine der ältesten, reinblütigen Familien der Zaubererwelt - und unheimlich stolz darauf. Allesamt waren sie schwarze Magier, die Sirius als einen Blutverräter betrachteten. Weil er anders war. Weil er in Gryffindor war. Lily konnte verstehen, warum der sprechende Hut ihn nach Gryffindor gesteckt hatte. Er war ein Kämpfer - und er hatte unglaublichen Mut. Nach den ersten Weihnachtsferien, die er zu Hause verbracht hatte - ein Fehler, wie sich herausgestellt hatte - war er mit einer blauen Gesichtshälfte und mit zahllosen Prellungen auf dem ganzen Körper nach Hogwarts zurückgekehrt. Seitdem hatte er nur die Sommerferien im Hause Black verbracht - und das auch nur für maximal zwei Wochen. Den Rest der Zeit war er zu seinem besten Freund gezogen. Das wusste Lily von Remus. Remus war der einzige der Rumtreiber, wie sich die vier Freunde selbst nannten, mit dem man vernünftig reden konnte. Apropos vier… Der letzte der Marauder war ein unscheinbarer, kleiner, dicker Junge mit strähnigen blonden Haaren und Rattenzähnen. Seine Freunde nannten ihn Wormtail - Wurmschwanz. Lily konnte verstehen warum. Er ähnelte wirklich einer Ratte. Überhaupt hatte jeder der vier einen solchen Spitznamen: Remus war Moony, Sirius Padfoot - Tatze und James nannten sie Prongs oder Krone. Warum, verstand sie nicht. Nun, bei Moony hatte sie so einen Verdacht. Er war immer um Vollmond herum krank und blass und jede Vollmondnacht verschwand er zu Professor McGonagall. Der Verdacht war greifbar und in solchen Dingen irrte sich Lily nie. Eine Lily Evans irrte im Allgemein niemals. Sie war sich ziemlich sicher - Remus Lupin war ein Werwolf.
Sagen würde sie das natürlich niemandem, doch vielleicht irgendwann mit ihm darüber sprechen. Konnte sie ihn doch am ehesten als Freund bezeichnen. Remus war der typische Frauenversteher. Und viel eher ihr Typ als James Potter. Der mit seinen blöden Sprüchen. Ständig scharwenzelte er um sie herum. „Evans, krieg ich ein Date? Evans, gehst du mit mir nach Hogsmeade? Evans, begleitest du mich zum Abschlussball?“ Er war ja so nervig. Oh ja, sie konnte mit guten Gewissen sagen, dass sie diesen Typ hasste. Mit jeder Faser ihres Herzens. Da konnte er noch so sehr mit seinen umwerfenden - hatte sie das wirklich gedacht? - braunen Augen klimpern und seinen flehenden Blick aufsetzen, den sowohl er als auch Sirius hervorragend beherrschten. Nein, sie würde nicht mit ihm ausgehen. Er war einer, der nur mit Mädchen ausging, um sich nachts anderen körperlichen Aktivitäten zu widmen und sie danach einfach fallen zu lassen. Ebenso wie Sirius übrigens. Einfach ein Arschloch, man konnte es nicht anders sagen. Ein arroganter Vollidiot. Und ausgerechnet dieser Vollidiot lief ihr seit geschlagenen zwei Jahren hinterher. Und fragte sie bei jeder passenden und vor allem unpassenden Gelegenheit nach einem Date. Sie hasste ihn, sie hasste ihn ganz einfach. Dass er das noch immer nicht einsah, bestärkte zwar die Ahnung in ihr, dass seine Worte wahr sein könnten, doch glauben wollte sie ihm trotzdem nicht…
Und nun würde sie ihn wieder sehen. Er war das Einzige, was sie an Hogwarts nicht mochte. Außer natürlich die Slytherins. Wobei es unter denen auch solche Schüler gab, mit denen sie lieber ausgegangen wäre als mit James Potter - was sie natürlich niemals öffentlich zugeben würde. Sie grinste bei der Erinnerung an eine andere, ähnliche Abfuhr, die sie ihm einmal erteilt hatte. Damals hatte sogar Sirius gelacht, obwohl er es sonst nie sehen konnte, wenn sein Freund von ihr ein weiteres Mal einen Korb bekam. Seinem Selbstbewusstsein hatte das allerdings noch nicht geschadet. Doch diese Szene war wirklich lustig gewesen, auch wenn Professor McGonagall ihr lautes Aufbrausen als „Unterrichtsstörung“ betitelt hatte und sie fast zum Nachsitzen geholt hätte - hätte sie nicht schmunzeln müssen. Es war letztes Jahr kurz vor Ende einer Verwandlungsstunde gewesen, nachdem Lily vor der Klasse ein Wiesel in eine Uhr verwandeln sollte. Natürlich war es ihr gelungen, wie konnte es auch anders sein? Alle hatten sie geklatscht und Potter hatte sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen können, sie um ein Date zu bitten. Eigentlich hatte er es gefordert. „Wenn dir das gelingt, Evans, kannst du ja mit mir nach Hogsmeade gehen!“, hatte er quer durch das Klassenzimmer gerufen. Die Slytherins hatten alle hämisch gelacht - nur einer hatte sie besorgt gemustert. Emmy und Alice, ihre zweite beste Freundin, hatten die Köpfe eingezogen, in Erwartung des Donnerwetters, das schon so lange ins Haus stand. „James Hieronymus Potter!“ Ihre Stimme war laut geworden und ihr Gesicht hatte die Farbe ihrer Haare angenommen. “Ich weiß nicht, wer dir den Irrglauben eingepflanzt hat, ich würde jemals in meinem Leben mit dir ausgehen! Es ist ja schon schlimm genug, dass du auf dieselbe Schule - ja sogar in dieselbe Jahrgangsstufe gehst! Da werde ich einen Teufel tun und auch noch in meiner Freizeit deine Gegenwart ertragen! Lass dir eines gesagt sein, du arroganter selbstverliebter Trottel! Selbst wenn du das letzte männliche Wesen auf diesem Planeten wärst, würde ich lieber noch mit dem Riesenkraken ausgehen!“ Sie hatte ihn angefunkelt, während die allgemeine Heiterkeit im Klassenzimmer ihren Höhepunkt erreichte. Es hatte ihr fast Leid getan, ihn so zu demütigen, doch wer nicht hören wollte, musste eben fühlen! Zornbebend war sie aus dem Klassenzimmer gestürmt. Das erleichterte Grinsen eines gewissen Slytherins war ihr dabei entgangen. Diese Aktion hatte zur Folge gehabt, dass Potter sie einen ganzen Monat in Ruhe gelassen hatte!
Sie grinste. Diese Momente waren wahre Glücksstunden, von denen sie in den Ferien lebte, wenn sie von ihrer Schwester wieder einmal wie Luft behandelt wurde. Der einzige Trost war die Vorfreude auf Hogwarts, ein neues Schuljahr - und auf ihren Geburtstag, den sie zwei Wochen nach Schuljahresbeginn feiern würde. Dieses Jahr würde sie endlich 17 werden - endlich volljährig. Sie war die Jüngste ihres Jahrgangs in Gryffindor, alle anderen durften schon lange fortgehen. Sirius war in den Ferien vor zwei Wochen 18 geworden - auch eine Tatsache, die sie von Remus hatte. Lily wusste alles über die vier Freunde. Vor allem Sirius' Vorgeschichte, die spannende Erzählung seiner Jugend im Hause Black, hatte sie immer interessiert. Und seit letztem Jahr hatte sie ja eine zuverlässige Informationsquelle, denn Remus hatte ihr alles erzählt. Was sie nicht wusste, war, dass er das nicht ganz ohne Hintergedanken getan hatte. Denn er nahm an, dass sie James gegenüber nicht mehr so sehr abgeneigt sein würde, kannte sie erst einmal seine ganze Geschichte. Wie Recht er damit hatte, konnte er nicht erahnen.
Das rothaarige Mädchen ließ sich zurück auf ihr Bett fallen und schloss die Augen. Es war halb sieben, eine Zeit, zu der wohl alle anderen ihrer Freunde in den Ferien noch schliefen - nicht so Lily Evans. Sie hasste Morgenmuffel und war ein absoluter Frühaufsteher, der möglichst viel vom Tag haben wollte. In den Ferien traf man sie morgens um sechs auf den Straßen ihres Stadtteils an, wo sie ausnahmslos jeden Tag joggen ging um frische Luft für den Tag zu schnappen. Gerade war sie versucht, einzuschlafen, als sie es rufen hörte: „Lily-Flower, kommst du bitte nach unten?“ Sie murmelte ohne die Augen zu öffnen: „Lass das, James…“ - und fuhr im nächsten Moment hoch. Was hatte sie da eben gesagt? Lass das James? Seit wann nannte sie Potter beim Vornamen? Warum hatte sie sofort an ihn gedacht, als sie den Spitznamen gehört hatte, den sie von ihren Eltern schon bei ihrer Geburt bekommen hatte? Und was hatte James Potter in ihrem Unterbewusstsein zu suchen? Die zweite Frage war schnell beantwortet, schließlich nannte Potter sie so. Sie wusste nicht, woher er den Spitznamen hatte. Vielleicht war er selbst darauf gekommen - oder aber irgendeine ihrer Freundinnen hatte sich verplappert, was eher unrealistisch war. Alice war zwar eine Plaudertasche aber mit den Rumtreibern hatte sie nie viel anfangen können. Die beiden anderen Fragen wogen da schon schwerer. Sie konnte und wollte sie im Moment allerdings nicht beantworten, denn es war ja absolut undenkbar, dass sie mehr für diesen großen, schlanken Jungen fühlte als Verachtung. Außerdem rief ihr Vater nun schon zum zweiten Mal. „Lily! Es gibt Frühstück, nun komm schon!“ Sie sprang aus dem Bett und lief die Treppe nach unten. Erst einmal eine Guten-Morgen-Umarmung für ihre Eltern, ein freundliches „Gut geschlafen?“ in Richtung Petunia, die sie wieder einmal ignorierte und dann ging es ans Frühstücken. Während des Essens besprach sie mit ihren Eltern noch, wie sie zum Bahnhof kommen sollte - denn morgen war der große Tag, auf den sie so lange gewartet hatte! Der 1. September, der Beginn eines neuen, wunderbaren Schuljahres. Ihres letzten Jahres auf Hogwarts. Sie war nun in der 7. Klasse und war gespannt, was sie alles erwarten würde. Natürlich die üblichen Leute, auch bei den Lehrern würde sich nichts ändern. Doch es gab noch einiges zu lernen, bis sie ihren Abschluss machen würden und in die Welt nach draußen entlassen werden würden. Ein Praktikum stand auch noch an, das war die einzige Information gewesen, die McGonagall ihnen im letzten Schuljahr noch gegeben hatte.
Wieder oben in ihrem Zimmer schaltete Lily ihren CD-Spieler ein. Just sixteen, a pickup truck, out of money, out of luck. I got nowhere to call my own - hit the gas and here I go! Das war der Song, der nun ihr Zimmer ausfüllte. Man mochte es dem zarten Mädchen nicht zutrauen, doch es hörte wirklich Heavy Metal, etwas, was in ihrer Zeit gar nicht so selten war. Natürlich bevorzugte sie Rock und Elton John hatte schon in jungen Jahren ihr Herz erobert. Doch Iron Maiden war wirklich eine gute Band, deren Texte ihr gefielen. Und dieses Lied war ja wirklich nicht schlecht. I'm running free, yeah, I'm running free! I spent a night in LA jail, listened to sirens wail. They ain't got a thing on me. I'm running wild, I'm running free, yeah! Sie hatte das Album ?Iron Maiden', das Debütalbum der Band, zu ihrem letzten Geburtstag von Alice bekommen - und sie liebte dieses Lied einfach. Wie oft waren sie damals gemeinsam auf ihrem Bett in Hogwarts gesessen und hatten lauthals mitgesungen. Weitere, beliebte Bands waren ?The Cure', natürlich ?Queen', ihrer aller Liebling, ?Pink Floyd', ?Genesis' und - wie könnte es anders sein - die ?Beatles'. Es hatte Lily sehr getroffen, dass John Lennon im vergangenen Jahr ermordet worden war. So hatte sie keine Gelegenheit gehabt, die Band live zu erleben. Doch sie besaß alle Alben von ihnen - ein Schatz, der in ihrem Koffer nicht fehlen durfte. Sie stand auf und öffnete das große Stück, das sie ja leider erst am Bahnhof magisch verkleinern konnte. Natürlich, ihre CDs waren alle darin. Nur ihre Metal-Alben blieben, wie jedes Jahr, zu Hause, damit nicht irgendjemand ihr kleines Geheimnis herausfinden konnte. Schade eigentlich, denn dieses Lied war ja eigentlich eines ihrer Favoriten. I'm running free, yeah, I'm running free! I'm running free, yeah, I'm running free! Get out of my way! Obenauf lag der Briefumschlag, der dieses Jahr dicker war als all die Jahre zuvor. Lily wusste warum und lächelte. Sie nahm das Kuvert zum x-ten Mal wieder heraus und zog den Brief hervor, der darin lag. Ihr Lächeln wurde um einiges breiter, als auch das Abzeichen herausfiel. Sie war einer der beiden Schülersprecher in diesem Jahr. Sie war gespannt, wer der Zweite war. Natürlich ein Junge, das war immer so gewesen. Sie hoffte, es wäre Frank Longbottom. Er war nett und freundlich und hatte echt was drauf. Außerdem war er ebenfalls in Gryffindor und es wäre toll, wenn in diesem Jahr beide Schülersprecher aus ihrem Haus kämen. Remus wäre auch eine gute Wahl, doch Lily hielt das eher für unwahrscheinlich, da Dumbledore ja sein kleines Geheimnis berücksichtigen musste… Noch immer erfüllte Musik den Raum und Lily machte ihren Koffer wieder zu, ließ sich aufs Bett fallen und schloss die Augen. I'm running free, yeah, I'm running free! I'm running free, yeah, I'm running, I'm running free! Pulled her at the bottle top, whiskey dancing, disco hop. The other boys are after me - that's the way it's gonna be! I'm running free, yeah, I'm running free! I'm running free, yeah, I'm running free! Oh! I'm running free. I'm running! I'm running free!
Sie rätselte den ganzen Tag und las auch immer wieder die Briefe ihrer beiden Freundinnen, die sie während der Sommerferien geschrieben hatten. Ihre eigene Eule, Piper, saß zufrieden dösend in ihrem Käfig. Sie würde nachts wieder hinausdürfen und selbstständig nach Hogwarts fliegen. Nachdem Lily diesen letzten Ferientag teils dösend, teils lernend und teils grübelnd in ihrem Zimmer verbracht hatte, schlief sie sehr schnell ein, ihren Zauberstab neben ihrem Kopfkissen und fest mit der Hand umschlossen. Sie träumte von dem hell erleuchteten Schloss, das sie am nächsten Abend erwarten würde, von ihren Freunden, von verrückten Lehrern und noch verrückteren Streichen.
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A/N: Bei den zitierten Liedzeilen handelt es sich um das Lied ?Running Free' von Iron Maiden, veröffentlicht auf dem Album ?Iron Maiden', veröffentlicht am 14.04.1980.
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