
@CharlieEvans: Hey! Ja, ich hab da auch sogar schon einige viele Pläne, wie die Beiden sich durch diese Räume ein wenig näher kommen können… Aber verraten wird noch nichts!
@Nina911: Danke für deinen lieben Kommi, ich hoffe, dir gefällt meine Geschichte auch weiterhin!
@knuddelmuff: Na ja, aus dem schnell ist ja nicht geworden, aber ich hoffe, dass dieses Chap deine Erwartungen erfüllt!
@Jess90: Juhuu, meine FF ist lustig!! Ich bin mir da ja nicht immer so ganz sicher, aber wenn du sie teilweise amüsant findest, dann ist das schon mal sehr, sehr gut =) Danke für deinen Kommi!
@KingsleyS: Ich find es schön, wenn dir das Chap gefallen hat, ich hoffe, das hier macht genauso weiter =)
@Sirius Black 92: Wie gesagt, das schnell war nichts =) Ich versuche mich zu bessern…
@Pennsocke: Ja, diese Stelle ist auch eine meiner Lieblingsszenen… Ich find einfach, dass man die beiden nicht als Feinde darstellen kann, immerhin sind sie Brüder… Ich mein, die müssen sich ja total gern haben. Vor allem, wenn man Band 6 und 7 gelesen hat und sieht, dass auch Regulus nicht der typische Black'sche Musterjunge war!
@MOOKiE: Wow, danke für den langen Kommi. Das Gespräch hab ich nicht rein, weil da noch viele solcher Gespräche folgen und es in diesem Fall nicht wirklich relevant war. Du bekommst es aber schon ziemlich bald… Ich glaub so drei oder vier Chapters sind es noch, dann kommt einmal ein typischer Männerabend =)
Soo… Ich möchte mich noch mal dafür entschuldigen, dass es schon wieder so lange gedauert hat, aber ich hab am Donnerstag meine letzte Schulaufgabe und danach kommen die Weihnachtstage und die Ferien, wo ich denke, dass ich Zeit habe um die Grundgerüste der einzelnen Chaps ganz fertig zu stellen. Dann wird das ganze auch leichter =)
So, genug geschwafelt, viel Spaß beim Lesen!
*~*~*~*~*~*
Hä?! Da saß ihr hier doch wirklich Potter gegenüber und grüßte sie mit einem frechen "Guten Morgen"! Wie um alles in der Welt hatte das denn passieren können? Eigentlich hätte sie ja mehr etwas in Richtung „Würde Miss Endlich-wach-Evans wohl die Güte besitzen, mich in diesem Schuljahr nach Hogsmeade zu begleiten?“ erwartet. Aber nein. Nur ein „Guten Morgen“? Was war denn in den gefahren? War der selber nicht ganz ausgeschlafen? Sie starrte ihn immer noch an, auch wenn er seine Aufmerksamkeit auf das Blatt Papier vor sich gerichtet hatte und eifrig weiter schrieb. "Was tust du hier?" Als er verwirrt aufsah, schüttelte sie den Kopf und räusperte sich. "Was tust du da, meine ich?" Ihm lag eine schlagfertige Antwort auf der Zunge, die sich wohl etwa auf so etwas Abweisendes wie "Arbeiten, siehst du doch!", belaufen hätte und ihrem Gesichtsausdruck nach zu schließen, erwartete sie auch so eine Antwort. Doch er schluckte Er senkte den Kopf wieder über die Mappe und meinte nur leise: "Ich hab mir gedacht, ich lass dich schlafen und fang schon einmal an, die Passwörter einzuteilen..." Er schob ihr ohne ein weiteres Wort die Liste hinüber und sah sie erwartungsvoll an. Sie las sie sich durch und merkte, dass er sich wirklich viel Mühe gegeben habe. Eigentlich hatte sie ja überall solche Wörter wie Schlappschwanz oder etwas Ähnliches erwartet, aber dem war nicht so. Einzig und allein die Variante für Slytherin war ein wenig daneben. Doch sie sagte nichts, zog nur die Augenbrauen in die Höhe. "Ich meine, wenn sie nicht passen, kannst du sie gerne ändern, ich dachte nur...'" Sie schüttelte den Kopf und grinste. "Nein, die sind gut!" Wer war der Kerl, der ihr da gegenübersaß? Wieso war Potter überhaupt so freundlich? Er hatte sie die fünf Minuten, in denen sie nun schon wach war, kein einziges Mal nach einem Date gefragt. Sollte er sich tatsächlich geändert haben? Nein, widersprach ihr Gehirn. Das konnte nicht sein, denn ein Potter änderte sich nie. Ebenso wenig wie ein Black. Und vielleicht auch genauso wenig wie eine Evans. Sie grinste bei dem Gedanken. Oh ja, sie konnte eine sture Kuh sein. Aber eine nette sture Kuh. Okay, zu Potter war sie in den letzten Jahren alles andere als nett gewesen. Aber der hatte es ja auch verdient, oder etwa nicht?
Sie beschloss erst einmal abzuwarten, was weiter passieren würde. Lange würde er dieses Verhalten ohnehin nicht durchhalten können, da war sie sich ziemlich sicher. Sie musterte ihn genau, ehe sie sich wieder mit dem Pergament vor sich beschäftigte. „Wieso hast du das Schulsprecherbüro ausgelassen?“ James grinste verlegen, warum konnte sich Lily beim besten Willen nicht erklären. Hatte er etwa irgendwelche Gedanken gehabt, die sie gar nicht wissen wollte? Verdammt, hatte sie nicht gesagt, ihm eine Chance zu geben? Hatte sie es sich nicht selbst geschworen? Aber es half alles nichts, es ließ sich einfach nicht abschalten, dass sie ständig schlecht von ihrem Kollegen dachte. Sie schüttelte den Kopf und sah ihn fragend an. Dabei fiel ihr auf, dass er in den Ferien noch dünner geworden war, als er ohnehin schon war. „Ich dachte nur, wo wir da ja beide wohnen sollen, sollten wir die Passwörter gemeinsam ausmachen?“ Lily nickte abwesend, bis seine Worte bis zu ihr vordrangen. „Was meinst du mit ?Wir wohnen da beide?'“ Sie klang unverholen geschockt. James schob ihr wortlos die Mappe mit den Arbeitsaufträgen zu. Er beobachtete sie genau, bemerkte, wie ihr Gesicht sich beim Lesen des Pergaments immer mehr in die Länge zog. Er stützte den Kopf in die Hände und konnte nicht verhindern, dass seine Miene missmutig wurde. Es war ganz einfach hoffnungslos. Warum erfand denn niemand einen Knopf, mit dem man diese dumme Gefühlsdusselei ausschalten konnte? Schließlich waren sie doch Zauberer? Gab es denn kein Mittel dagegen? Doch der erwartete Wutausbruch von Lily blieb aus. Sie musste wirklich müde sein.
Das war sie zwar nicht, doch daher vorhin Potters blöder Spruch ausgeblieben war, hatte sich Lily entschlossen, auch ein wenig freundlicher zu sein. Ihm so etwas wie eine Chance zu geben. Vielleicht würde er sich ja bewähren, wer konnte das schon wissen? Sie glaubte es zwar eher nicht, aber nun ja. So murmelte sie nur leise „Na dann…“ und legte die Mappe beiseite. „Passwörter für unsere Räume also.“ Sie war sich nicht sicher, was sie von dem ganzen Theater hier halten sollte. Sie schwieg sie und sah nachdenklich aus dem Fenster. So schwer konnte es ja nun wirklich nicht sein, ein dusseliges Passwort festzulegen. Doch ihr wollte keines einfallen. Sie wollte gerade schon „Klatscher“ vorschlagen, doch James kam ihr zuvor. Ihm war die zündende Idee gekommen. Ein kaum zu knackendes Passwort. „Apfelstrudel!“, warf er scheinbar zusammenhangslos in den Raum. Lilys Reaktion war absehbar: Ihre Miene war so verwirrt, dass er fast lachen musste. Er verkniff es sich jedoch. „Als Passwort!“, erklärte er. „Das ist doch dein Lieblingsessen oder nicht?“ Sie sah ihn so verblüfft an, dass er doch grinsen musste. „Woher zur Schleiereule weißt du…?“ Er grinste nur noch breiter und zuckte die Schultern. „Maraudergeheimnis…“ Sie schnaubte durch die Nase und schwieg beleidigt. Jedoch musste sie zugeben, dass sie geschmeichelt war. Das herauszufinden musste ihn einige Mühe gekostet haben. Dass Remus es ihm verraten hatte, würde James ihr nämlich nicht auf die Nase binden. Er wartete gespannt, was sie sagen würde. Nach einigen Minuten in denen beide beharrlich schwiegen, nickte sie schließlich. „In Ordnung… Die Passwörter für die einzelnen Zimmer kann ja jeder alleine machen.“ Nun war es an James zu nicken. Er streckte die Hand aus.
„Was?“ Sofort waren Misstrauen und Ärger in die grünen Augen zurückgekehrt. Was wollte er jetzt schon wieder? Er schluckte, ehe er sich zu einer mehr oder weniger neutralen Antwort durchrang. Dass sie sehr sarkastisch klang, konnte er jedoch nicht verhindern. „Eigentlich wollte ich nur die Liste haben, da ich davon ausgehe, dass Miss Evans nicht möchte, dass ich das Passwort für ihr hochgeschätztes Eigenheim lese. Dann hätte ich meines halt zuerst eingetragen. Aber gut…“ Sie sah ihn verdattert an. So langsam verknoteten sich ihre Gehirnwindungen. Hatte dem in den Ferien irgendjemand den Kopf gewaschen? Was trieb Potter denn dazu, so zuvorkommend zu sein? Sie verstand die Welt nicht mehr. Dennoch reichte sie ihm die Liste hinüber, er kritzelte schnell sein Passwort drauf und gab sie zurück. Sie nahm das Stück Pergament ohne ihn anzusehen, doch James hielt es fest. Es musste ziemlich dumm aussehen, wie sie einander da gegenüber saßen, beide eine Hand an der Liste. Sie sah hoch und wollte ihn schon wütend anfahren, als ihr Blick seine Augen traf. Er sah sie direkt an und zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass sie golden gesprenkelt waren. Kleine Punkte, die schelmisch umhertanzten. Er sagte irgendetwas zu ihr, doch sie registrierte es nicht. Fasziniert starrte sie ihn an. Nur langsam fand die Tatsache einen Weg zu ihrem Gehirn, dass er mit ihr redete. Gewaltsam riss sie ihren Blick aus seinem und schüttelte verwirrt den Kopf. Was war denn das gewesen? War sie gerade wirklich von James Potter fasziniert gewesen?
„Entschuldige, was hast du gesagt?“ Er grinste und zum ersten Mal an diesem Tag konnte sie seine alte Selbstsicherheit an ihm erkennen. Doch es schwang noch etwas anderes mit - war das Triumph? Oh nein, so leicht würde sie es Potter nicht machen! Wie führte sie sich denn überhaupt auf? Starrte ihn an wie die kleinen Erstklässler. ?Herrschaftszeiten, Lily, reiß dich zusammen!', schalt sie sich. „Ich sagte, wenn es dir nicht recht ist, dass wir sozusagen Tür an Tür wohnen, dann kann ich auch in den Jungenschlafsaal ziehen. Wenn dir das lieber wäre.“ Lily fiel aus allen Wolken. „Seit wann bist du so freundlich, Potter? Wenn du denkst, mich mit dieser Masche leichter ins Bett zu kriegen, dann hast du dich gewaltig geschnitten.“ Die Worte waren aus ihrem Mund gekommen, ehe sie es verhindern konnte. Oh nein, was hatte sie da nur gesagt! Er wandte den Kopf ab, wenn auch nicht schnell genug, dass sie den Ausdruck des Schmerzes darauf nicht erkennen konnte. „Ach denk doch was du willst!“ Er schickte sich an zu gehen. „Ich werd dann wohl mal den ersten Rundgang machen.“ Auch wenn er versuchte, seine Stimme normal klingen zu lassen, zitterte sie doch ein wenig. Lily biss sich auf die Lippe. Nun war er sauer, das hatte sie nun wirklich nicht gewollt. „Entschuldige, Potter, ich…“ Er wandte sich zu ihr um und seine Miene war so hart, dass Lily zusammenzuckte. Nichts mehr mit funkelnden Punkten in seinen Augen. Sie waren dunkel, fast schwarz und unheimlich zornig. „Erzähl mir nichts, Evans! Nicht einmal ein alter Opa würde dir glauben, dass du das nicht ernst gemeint hast. Du hasst mich und daran wird sich wohl nichts ändern. Ich bin nun mal ein elendiger Trottel, weil ich mich ja auch ausgerechnet in eine Person verlieben musste, die zu blind ist, um zu sehen, dass ich es ernst meine!“ Rums! Und fort war er.
Er eilte mit einem so normalen Gesichtsausdruck wie möglich zur Toilette und sperrte hinter sich ab. Er lehnte sich gegen die Tür und fuhr sich zittrig durch die Haare. Wie hatte er glauben können, Lily würde ihren ganzen Hass auf einen Schlag vergessen? Hatte er sich ernsthaft eingebildet, sie würde ihm um den Hals fallen, wenn er sich nur für eine halbe Stunde nett und normal verhalten würde? Wenn er ehrlich war - gewünscht hatte er es sich. Er hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit so etwas. Er wusste nicht, was er ihr getan hatte, dass er diese Behandlung verdient hatte. Er schüttelte den Kopf und ließ sich eiskaltes Wasser über die Handgelenke laufen. Dummes, naives Herz. Er hasste sich dafür, dass er Lily Evans liebte. Dass er Tag und Nacht an sie dachte und sie einfach nicht vergessen konnte, seit zwei Jahren schon nicht. Als er meinte, sich wieder ein wenig unter Kontrolle zu haben, ging er nach draußen, um seinen Rundgang zu beginnen.
Lily hatte unterdessen auf die Liste gesehen und musste heftig schlucken. Um den Menschen musste es wirklich schlimm stehen. Sie hatte gar nicht nachschauen wollen, doch automatisch war ihr Blick auf James' Passwort gefallen. Es lautete Flower. Flower, so wie er sie immer nannte. Nein, genannt hatte. Damit war es ja nun wohl vorbei. Verfluchte Schleimkröter, wieso konnte sie denn nicht ein einziges Mal ihre elendige Klappe halten? Wieso war immer ihr Mundwerk schneller als ihre denkende Hälfte? Sie sprang auf. Das musste sie bereinigen, so schnell wie möglich. Sie rannte nach draußen, durch den Zug, bis zum Abteil, in dem ihre Freundinnen saßen. Beziehungsweise, in dem sie sitzen sollten. Was sie nicht taten. Keine Spur von Emy oder Al. Lily verdrehte seufzend die Augen. War ja klar, dass es Al nicht lange hier gehalten hatte. Sie war ja geradezu verrückt nach den Jungs. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich einen der fünf Gryffindorjungen angeln würde. Obwohl eigentlich nur drei in Frage kamen. Sirius Black, von dem sie sich hoffentlich fern halten würde, denn er war ja berühmt dafür, seine Eroberungen so schnell fallen zu lassen, wie er sie gemacht hatte. Blieben also noch Remus, der Schüchterne und Frank Longbottom, ein großer, schlanker Junge, der auch im Quidditchteam war. Jäger. Er sah nicht mal schlecht aus. Im Gegenteil. Wenn sie so darüber nachdachte, war er keine schlechte Partie. Sie stand unschlüssig vor der Tür des Abteils, ehe sie einen Entschluss fasste. Sie ging zügig weiter, bis sie am letzten Abteil des Zuges angekommen war. Sie lugte durch die Glasscheibe. Mhm. Alle zusammen, saßen sie da. Nur James fehlte, zum Glück. Eigentlich war es Lily nicht recht, dass ihre Freundinnen bei den Jungs saßen, hätte sie doch dringend mit ihnen reden wollen. Sie wollte sich schon davonschleichen, doch in dem Moment sah Remus auf und entdeckte sie. Ein Lächeln flog über sein Gesicht und er hob die Hand, um ihr zuzuwinken. Sie lächelte schwach zurück und trat ein.
Alle sahen sie auf und begrüßten sie freudig. Sie setzte sich ein wenig zu ihnen und frotzelte über alle möglichen Dinge. Sirius sah sie die ganze Zeit über mit einem undefinierbaren Ausdruck an. Sie schrak zusammen, als sich die Abteiltür öffnete und James den Kopf hereinsteckte. Sie übersah er dabei geflissentlich. Die Blicke der Abteilinsassen gingen hin und her zwischen den Beiden, denn die Spannung war nicht zu übersehen. „Männer“, meinte James mit einem kaum zu erkennenden Grinsen, „ich wollte euch nur darauf hinweisen, dass Schniefelus und seine Kumpanen drei Abteile weiter sitzen. Und sie unterhalten sich. Alles sehr verdächtig.“ Nun grinste er doch, auch wenn seine Augen nicht mitlachten. „Was ist mit dir? Kommst du mit, Prongs?“, fragte Sirius, nicht ohne einen grimmigen Blick in Lilys Richtung zu senden. „Ich kann nicht, die Schulsprecher sollen jetzt noch die Vertrauensschüler einführen.“ Lily sprang erschrocken auf. „Oh je, das hätte ich fast vergessen! Danke, Potter!“ Er nickte nur kurz abwesend und wandte sich um. Sie folgte ihm. Wie konnte sie sich nur entschuldigen? Jetzt würden erst einmal die ganzen Vertrauensschüler das Abteil belagern. Weil sie immer solchen Mist bauen musste! Aber Lily nahm sich fest vor, heute noch mit James zu reden.
Als sie wieder zurück ins Abteil kamen, saßen dort schon alle acht Vertrauensschüler beisammen - zwei aus jedem Haus. Für Gryffindor saßen da Emmeline Vance und Rupert Marx, für Hufflepuff Lola Swivern und Tobias Korn, für Ravenclaw Rosalind Greenhorn und Argus Boockle; Slytherin wurde von Annabell Regin und Regulus Black vertreten. James zog scharf die Luft ein, als er Sirius kleinen Bruder da sitzen sah. Stimmt, er war zwei Jahre jünger als Pad, das hatte er ganz vergessen. Aber warum war er Vertrauensschüler? Er kannte Regulus schon seit dessen Geburt, sie respektierten sich, wenn auch ihr Verhältnis nicht gerade das Beste war. Er nickte ihm kurz zu und Lily sah ihn überrascht an. Natürlich wusste sie, dass Regulus der Bruder seines besten Freundes war, doch dass die Beiden sich gegenseitig zur Kenntnis nahmen, hätte sie nicht erwartet. Aber was wusste sie denn schon von James Potter? Er kannte sogar ihr Lieblingsessen - und sie? Sie wusste nichts von ihm, was außerhalb von Hogwarts passierte. Weder wo er wohnte, noch wer seine Eltern waren… Sie schloss kurz die Augen. Das hatte Zeit. Jetzt waren erst einmal die Vertrauensschüler an der Reihe. Sie erklärten ihnen abwechselnd, was sie zu tun hätten. Beide waren gleichermaßen froh und nervös, als die acht endlich aufstanden und verschwanden. Lily lehnte den Kopf ans Fenster und schloss die Lider. Es war anstrengend. James hüllte sich in eisiges Schweigen. Schließlich gab sich die junge Hexe einen Ruck. „Eigentlich sind wir fertig…“ Weiter kam sie nicht, denn James sprang auf und wollte gehen. „Warte!“ Es hatte wie ein Befehl geklungen, dessen war sie sich bewusst, deswegen setzte sie noch ein leises „Bitte!“ dahinter. Er blieb stehen, den Rücken zu ihr. Sie konnte sehen, dass er die Fäuste geballt hatte. Sie sah ihn nicht an, wandte den Blick aus dem Fenster. „Ich habe das vorhin wirklich nicht so gemeint, glaub mir! Ich war nur so verwirrt, weil…“ Ihre Stimme wurde immer leiser. „Sei nicht sauer, bitte! Ich kann auch nichts machen, wenn meine Zunge mal wieder schneller reagiert als mein Gehirn.“ Sie sah nach draußen und beobachtete die Landschaft, die an ihnen vorbeizog. Es würde noch einige Zeit hell sein. Sie wartete auf seine Reaktion, wobei sie sich selbst fragte, was denn in sie gefahren war. Sie hatte sich noch nie bei Potter entschuldigt. Sie wusste wirklich nicht, warum sie das getan hatte. Sie wollte es auch gar nicht wissen. Schlimm genug, dass sie es getan hatte.
James schüttelte den Kopf. „Eine Entschuldigung von Lily Evans? Dass ich das noch einmal erleben darf!“ Man hörte wieder viel vom alten James heraus, der er noch vor den Sommerferien gewesen war. „Wie könnte ich da nein sagen?“ Mit einem schelmischen Grinsen, dem man nicht ansah, wie es eigentlich um ihn stand, wandte er sich um. Das Mädchen am Fenster atmete erleichtert aus, bis sie den Nachsatz hörte: „Aber für diese Bemerkung müsstest du eigentlich mit mir ausgehen, Evans!“ Das Blut schoss ihr ins Gesicht und nun war sie es, die die Fäuste ballte. „Wusste ich's doch! Ein Potter ändert sich nie! Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich nicht mit dir ausgehen werde!“ Sprachs und stürmte an ihm vorbei. Grinsend schlenderte James ihr hinterher. „Ich werte das mal als ein weiteres nein auf meiner Liste, Evans!“, rief er ihr noch nach. Lily schnaubte nur und ging schnurstracks weiter bis zum Abteil ihrer Mädels - zumindest hatte sie das vor. Stattdessen ging vor ihr eine Tür auf und ein Junge aus ihrem Jahrgang trat auf den Gang. Zu sehr in Rage um abzubremsen rannte Lily genau in ihn hinein.
Erschrocken blieb sie stehen, dachte im ersten Moment einen Fluch auf den Hals gehetzt zu bekommen, hatte sie doch die Farben des Hauses Slytherin erkannt. Doch als sie hochblickte, sah sie ein blasses Jungengesicht, dessen Wangen eine leichte Rötung aufwiesen. Ob das an ihr lag, vermochte sie nicht zu sagen. Aber sie war froh, dass es dieser junge Mann und nicht irgendein anderer war, mit dem sie zusammengestoßen war. „Severus!“, meinte sie leise und lächelte ihm zu. Der schwarzhaarige Slytherin erwiderte das Lächeln, wenn auch kaum sichtbar. Er sah sich schnell um und zog Lily dann neben sich, weg von der Tür des Abteils. „Sonst sehen es alle und es gibt wieder Ärger!“, meinte er entschuldigend und ließ ihren Arm sofort los. „Wie waren deine Ferien?“, fragte die Rothaarige, ein etwas trauriges Lächeln auf dem Gesicht. Sie kannten sich von klein auf, schließlich wohnte Snape in der unmittelbaren Nähe der Evans. Auch sie warf einen Blick über die Schulter. Gott sei Dank war von Potter noch nichts in Sicht. Würde er sie und Severus zusammen sehen, würde es nur wieder Ärger geben. Doch der blasse Junge kam gar nicht mehr zum Reden, Lily hörte nämlich aus dem Waggon vor ihnen James' Stimme. „Ich muss weiter! Lass dich nicht erwischen, dass du hier bist, sonst hängst du wieder an den Beinen in der Luft!“, meinte sie noch, drückte seinen Arm und war verschwunden. Severus berücksichtigte ihren Rat und verschwand in der Toilette neben ihrem Abteil. Es war doch ganz nützlich, wenn überall solche Räume vorhanden waren. Er hörte Potter vorbeigehen, doch erst als er ganz sicher sein konnte, dass die Luft rein war, ging er wieder in sein Abteil zurück. Er hatte nicht viele Freunde. Hatte er niemals gehabt. Die einzige ´Freundin', die er hatte, war Lily. Sie waren miteinander aufgewachsen und wenn er ehrlich war, dann empfand er mehr als Freundschaft für dieses energische Mädchen. Aber er war sich sicher, dass sie dieses Gefühl niemals erwidern würde. Er war einfach so ganz anders als sie. Es würde nur Ärger geben, da war er sich sicher. Die Hoffnung würde er deswegen nicht aufgeben. Denn sie hatte ja mehr als deutlich gezeigt, was sie von Potter hielt. Der einzige Konkurrent, den er glaubte zu haben, war ein Ravenclaw namens Paul McCarrey. Er hatte schon oft bemerkt, dass Lily diesem Verehrer, der nur einer unter vielen war, nicht s abgeneigt gegenüberstand wie vielen anderen. Seine Gedanken hingen von diesem Zeitpunkt an die ganze Zugfahrt über immer nur bei Lily Evans.
Lily hatte inzwischen das Abteil der Mädchen erreicht und stellte zu ihrer Erleichterung fest, dass Al und Emy dort saßen und sich angeregt unterhielten. Sie stürmte hinein und schmiss sich auf einen der bequemen Sitze. Man musste ihr ihren Gefühlszustand schon von weitem ansehen können, denn die Beiden verstummten abrupt und zogen die Köpfe ein. „Potter!“, war das Einzige, was Lily herausbrachte. Al begann zu lachen, doch angesichts Lilys bitterböser Miene hörte sie schnell wieder auf und kicherte nur noch erstickt vor sich hin. „Mann Lily, da hast du was vor dir!“ Die Angesprochene verdrehte die Augen gen Himmel und seufzte leise. Oh ja, da hatte sie wirklich etwas vor sich. Sie verstand noch immer nicht, was da vorhin in sie gefahren war. Sie hatte sich entschuldigt! Bei James Potter! Zuerst schlich er sich in ihre Gedanken. Dann brachte er sie dazu, etwas zu bereuen, wo es im Grunde nichts zu bereuen gab. Was kam als Nächstes? Würde sie von ihm auch in ihren Träumen heimgesucht werden? Sie seufzte leise. Em und Al tauschten wissende Blicke und grinsten vor sich hin. Zum Glück neigte sich die Zugfahrt dem Ende zu. Draußen wurde es langsam dunkel und wenn man aus dem Fenster sah, dann konnte man die vertraute Landschaft rund um Hogsmeade erkennen. Ein kleines Lächeln flog über Lilys Gesicht. Sie war fast zu Hause!
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