
Huch, schon wieder so viele Kommis, ihr macht mich verlegen Leute =) *freu*
So, praktisch als 'Neujahrsgeschenk kommt hier Kapitel fünf endlich angedonnert! Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und werde mich mit dem nächsten Chap ach ganz sicher beeilen!
@Jess90: Schön, wenn sie dir gefällt =) Verkracht haben sie sich, aber das kommt noch in den nächsten Kapiteln gut raus. Ich hab heut das erste Date geschrieben, da wird das ganz toll! Und eine andere Szene in der großen Halle verdeutlicht das auch *mich in Schweigen hüll*
@Sirius Black 92: Entschuldige, dass es schon wieder so lange gedauert hat, auch wenn schon eine Woche Ferien sind ist bei mir immer was los. Okay, ich gebs zu, ich war richtig faul jetzt um Weihnachten (was der Grund ist, weswegen ich schon wieder zugenommen habe *g*) Aber das ändert sich jetzt, ich habe heute früh schon fleißig weitergeschrieben!
@Lily-Potter: Nein, sicher bin ich mir nicht, aber ich stelle mir Lily so vor, dass sie immer an das Gute im Menschen glaubt und immerhin kennt sie Snape seit ihrer Kindheit. Mir würde es nicht so leicht fallen, einen alten Freund einfach fallen zu lassen, auch wenn er mich beleidigt...
@KingsleyS: *g* So geht es mir auch oft =)
@CharlieEvans: In diesem Chap kommt einiges zur Beziehung James-Lily. Vielleicht ein bisschen irreal (wobei mir sowas ähnliches schon passiert ist^^) aber ich glaube, ganz okay...
Seht es euch selber an! Viel Spaß beim Lesen!
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Die Kutschfahrt überstand Lily relativ unbeschadet, denn zum Glück waren alle vier Marauder zusammen mit Frank in eine Kutsche gestiegen. Lily waren sehr wohl die Blicke aufgefallen, die ihre beiden Freundinnen den Jungen nachwarfen. Sie verkniff sich jedoch jeglichen Kommentar, schließlich hatte sie einiges vor in diesem Jahr und die Mädels dazu zu überreden würde nicht so einfach werden, auch ohne dass sie abfällige Bemerkungen über die Gryffindorjungs fallen ließ. Wobei sie nichts gegen Frank und Remus hatte. Nein, wirklich nicht. Auch wenn sie nicht verstand, warum sie so eng mit Potter und Black befreundet waren. Das ging einfach nicht in ihren Kopf hinein. Sie schüttelte ihre Haare, während sie neben ihren Freundinnen die Treppe zum Schlossportal hochging.
Die Schüler strömten alle in die große Halle, weswegen sich der Verkehr vor dem Eingang ein wenig staute. Unbemerkt schob sich eine schlanke, hoch gewachsene Gestalt mit hellem blondem Haar neben die rothaarige Hexe. „Hallo Lily! Wie waren deine Ferien?“ Sie sah überrascht auf und ein kleines Lächeln legte sich auf ihre Züge, als sie die Person erkannte. „Paul! Danke, sehr toll! Und deine?“ Sie log, ohne mit der Wimper zu zucken. Niemand wusste, wie es bei ihr zu Hause zuging. Und im Vergleich zu anderen waren ihre Ferien ja wirklich nicht schlecht gewesen. Da hatte sie schon Schlimmere erlebt. Der Vorteil in diesem Jahr war gewesen, dass Petunia ständig außer Haus gewesen war, bei ihrem neuen Verehrer, einer schweinegesichtigen Dampfwalze namens Vernon Dursley. Lily verstand einfach nicht, was ihre Schwester an diesem Klotz von Mann fand. Er war einfach eklig. Mitte August war er zu Besuch bei ihnen gewesen. Es war warm gewesen an diesem Abend, ihre Eltern hatten gegrillt. Schon als Vernon zur Tür hereingekommen war und ihrer Mutter einen großen Strauß Blumen in die Hand gedrückt hatte, mit einem wirklich schleimigen Lächeln, hatte es Lily geschüttelt. Wie konnte sich Pet nur so etwas antun? Aber der Höhepunkt war ja gewesen, dass er Lily einen Plüschteddy in die Hand gedrückt hatte. Sie war sechzehn verdammt noch mal?! Wer bitte spielte mit sechzehn noch mit Kuscheltieren? Sie schnaubte, als sie daran dachte. Zum Glück erzählte Paul gerade von seinem Urlaub in der Türkei, sodass es ihm nicht auffiel. Sie hörte ihm zu und schenkte ihm noch ein Lächeln, bevor sich ihre Wege in der Eingangspforte trennten.
Sie nahmen am langen Haustisch Platz. Der einzige Nachteil war, dass die Mädels spät gekommen und nur noch Plätze neben den Maraudern frei waren. Al und Em grinsten natürlich und steuerten die Jungen sofort an. Lily fügte sich seufzend in ihr Schicksal. Nicht einmal beim Essen würde sie ihre Ruhe haben. Reichte es denn nicht schon, dass James Potter Schülersprecher war? Musste sie nun auch noch beim Essen neben ihm sitzen? Er grinste sie unverschämt an. Sie versuchte, ihn zu ignorieren und sah stattdessen sehr konzentriert zum Lehrertisch hoch. Dort saßen alle die, die sie schon aus dem letzten Schuljahr kannten. Der Schulleiter Albus Dumbledore, dessen Haare in den letzten Jahren weiß geworden waren; die junge, aufbrausende Verwandlungslehrerin Minerva McGonagall, die Hauslehrerin der Gryffindors war; der junge, süße Lehrer für Muggelkunde Leonhard Thorn - er war wirklich heiß! Dann der Lehrer, der sie als Lieblingsschülerin erkoren hatte - Horatio Slughorn, der Zaubertrankmeister. Sie liebte das Fach, auch wenn ihr der gute Sluggi schon auf die Nerven ging. Dann war da noch die etwas seltsam anmutende Ursula Delphia, die Wahrsagerin, die nur selten aus ihrem Turm hervorkam. Sie war schon 75 und Lily vermutete, dass sie nicht ganz richtig im Kopf war. Neben ihr saß Boguslav Gutschinski, der ältere Lehrer für Alte Runen. Er konnte ziemlich lustig sein, doch sein Unterricht war sehr streng. Lily entdeckte Francine Cardinalia, Arithmantik; Filius Flitwick, Zauberkunst; den Geist Gregory Binns, der Geschichte der Zauberei unterrichtete und es fertig brachte, dass sogar die Musterschülerin Lily Evans in seinem Unterricht einschlief; Amélie Venice, Astronomie; Giovanni „Joe“ Kesselbrand, Pflege Magischer Geschöpfe; Pomona Sprout, Kräuterkunde und Rubeus Hagrid, den jungen Wildhüter, der von der Schule geflogen war und von Dumbledore großzügigerweise eingestellt worden war. Aber halt - da war noch ein neuer Lehrer! Verteidigung gegen die dunklen Künste musste sein Fach sein, denn der Lehrer vom Vorjahr, Caspar Dreamcatcher, war gegen Ende des Schuljahres mit einem unerklärlichen Anfall von Tobsucht ins St. Mungo eingeliefert worden. Es war schon komisch - jedes Jahr musste ein neuer Lehrer für dieses Fach her, weil alle in den Ferien oder kurz zuvor verschwanden oder unpässlich wurden. Aber der neue sah wirklich nicht schlecht aus. Wenn sie das richtig sah, dann trug er einen Schottenrock. Sie grinste anzüglich. Doch, diese Stunden würden interessant werden, da war sie sich sicher. Sie stupste ihre Freundinnen an und grinste. Die Beiden verstanden sie nur zu gut: Der Neue hatte braune Locken, graublaue Augen und war durchtrainiert und kräftig gebaut. Sein Kinn zierte ein kleiner Ziegenbart, was ihn aber durchaus attraktiv machte.
James waren ihre Blicke nicht entgangen. „Passt bloß auf, dass euch die Augen nicht aus dem Kopf kullern“, meinte er trocken und starrte auf den Tisch. Doch er hatte keine Zeit, Trübsal zu blasen, denn die Tür öffnete sich und wie jedes Jahr strömten viele Erstklässler mit großen Augen in die Halle und sahen sich um. Lily musterte sie neugierig - sie liebte Kinder. Die hier waren schon wieder zu alt, aber diese kleinen Dinger, wenn sie gerade mal ein oder zwei Jahre alt waren, die waren einfach zum Anbeißen. Auf ihr Gesicht trat ein träumerischer Ausdruck, der ihre Augen zum Strahlen brachte. Der Junge neben ihr wollte ihr eigentlich nur einen flüchtigen Blick zuwerfen, doch dieses Vorhaben scheiterte wie jedes Mal. Immer blieb er an diesen wundervollen grünen Augen hängen. Er schluckte schwer und versuchte, sich wieder auf die neuen Schüler zu konzentrieren, was ihm dadurch erleichtert wurde, dass der Hut zu sprechen anfing. Sirius hatte den Blick seines Freundes mitbekommen und schüttelte den Kopf. So ging es nun aber wirklich nicht weiter! Das konnte man nicht mit ansehen. Noch nie hatte er erlebt, dass es seinem Freund so ernst gewesen war. Klar, James hatte schon viele Freundinnen gehabt. Dass er keine wirklich geliebt hatte, war ihm auch klar gewesen. Na ja, gut, das mit Miley Peachcook aus der sechsten Klasse, das hatte schon so ausgesehen, als würde er es ernst meinen. Aber das war drei Jahre her. Und seit ihr hatte er keine andere Freundin mehr gehabt. Was Sirius eigentlich überrascht hatte. Klar, geflirtet hatte er, aber die Mädels nie näher heran gelassen. Ob das nun an der Enttäuschung mit Miley gelegen hatte oder daran, dass schon vor drei Jahren seine Blicke begonnen hatten, einer gewissen rothaarigen Zicke zu folgen, wusste er wohl selbst nicht so genau.
Der Hut sprach wieder von dunklen Zeiten, aus denen es nur einen Ausweg gab, wenn sich alle Häuser vereinigen würden. Das sagte er nun schon seit sieben Jahren und doch kümmerte es die Schüler nicht wirklich. Es gab überall, in jedem Jahrgang, diese Feindseligkeiten, die sich einfach nicht aus dem Weg räumen ließen. Es hatte erst vor einem Jahr einen kleinen Skandal gegeben, als eine Drittklässlerin aus Hufflepuff etwas mit einem Slytherin angefangen hatte. Es ging zwar das Gerücht, dass Beide an diesem Tag betrunken gewesen waren, doch das war nie eindeutig bewiesen worden. Es hatte drei Monate lang einen richtigen Krieg zwischen Hufflepuff und den Slyths gegeben, der erst durch die Sommerferien beendet worden war. Danach war die Schülerin nicht mehr nach Hogwarts gekommen und das Interesse hatte sich wieder zerstreut. James schüttelte den Kopf. Das würde nie funktionieren, wenn jeder Schüler schon mit der Muttermilch die Auffassungen und Meinungen der Eltern eingeflößt bekam. Es hatte nicht jeder den Mut und die Kraft, sich wie Sirius gegen die eigenen Eltern und deren Überzeugung zu stellen. In den meisten Fällen hatten die betroffenen Schüler mit dem sicheren Tod durch die Schergen jenes, dessen Name nicht genannt werden durfte, zu rechnen. Es war zum Verzweifeln.
Die neuen Schüler waren schnell eingeteilt und Dumbledore erhob sich, um seine übliche Ansprache zu beginnen: „Meine lieben Schülerinnen und Schüler! Ich darf euch mit Freude wieder hier auf Hogwarts im neuen Schuljahr begrüßen! Auch unsere Erstklässler heiße ich herzlich Willkommen! Ich wünsche euch allen ein schönes, ereignisreiches und vor allem lehrreiches Schuljahr! Ich freue mich einen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste vorstellen zu dürfen - was ja nicht selbstverständlich ist bei unserem Verschleiß an Lehrkräften für dieses Fach!“ Gedämpfte Lacher waren zu hören. „Begrüßen wir also Charly McBread!“ Die Blicke der Mädchen flogen wieder zu dem Lehrer hoch, der kurz die Hand hob und damit den wahren Beifallssturm, der nun ausbrach, quittierte.
Dumbledore grinste ein klein wenig anzüglich, doch als Lily blinzelte, war dieser Ausdruck von seinem Gesicht wieder verschwunden. Sie musste sich wohl getäuscht haben. Ein Schulleiter - noch dazu Dumbledore, dessen Haar schon weiß zu werden begann und der nicht den Eindruck hatte, als hätte er jemals eine junge Dame geküsst - grinste doch nicht anzüglich - oder doch? Er hatte Lilys Blick bemerkt und zwinkerte ihr zu. Sie musste lachen und spürte den verwunderten Seitenblick von James. Doch sie war immer noch zu wütend wegen seiner unverfrorenen Art, wenn auch nicht so sehr wie sonst immer. Schließlich hatte sie zum ersten Mal wirklich gemerkt, dass auch James Potter nicht unfehlbar war und seine Schwächen hatte. Dass sie seine größte Schwäche zu sein schien, ignorierte sie. Doch Dumbledore hatte seine Rede noch nicht beendet. „Ich möchte euch außerdem das heurige Schulsprecherpärchen“ - bei diesem Wort war über Lilys Gesicht ein sehr, sehr verärgerter Ausdruck gehuscht, während James einfach nur verdattert da saß. Dumbledore hatte doch nicht etwa die Absicht, ein Gerücht zu verbreiten. Das war doch sicherlich nur ein Versprecher gewesen!? - „vorstellen. Beide Schüler sind in Gryffindor, weswegen sie zusätzlich zum normalen Büro, das sich wie immer im vierten Korridor befindet, auch Räume im Gryffindorturm besitzen. Einen großen Applaus für Lily Evans und James Potter!“ Die Beiden standen auf und der gesamte Gryffindortisch pfiff lauthals. Lily funkelte vor allem Sirius wütend an, der mit diesem Unsinn angefangen hatte. Jetzt glaubte die ganze Schule, sie wäre mit James Potter zusammen! Na herzlichen Dank, Dumbledore! Was sollte das denn? Sie suchte mit den Augen die große Halle ab und wie erwartet fand sie auch den Blick des schwarzhaarigen Slytherins auf sich gerichtet. Sie schüttelte nur leicht den Kopf und verdrehte die Augen, was dem jungen Mann ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Na wenigstens glaubte er ihr! Sie sah es schon vor sich, wie die nächsten Wochen ablaufen würden. Jeden Tag würde sie die Gerüchte der Mädchen hören, neugierige Blicke und Fragen über sich ergehen lassen müssen. Sie warf einen Gift spritzenden Blick hinauf zum Lehrertisch. Doch Dumbledore grinste nur.
Wollte er sie etwa verkuppeln? Diese Erkenntnis drang erst in ihr Gehirn, als sie sich wieder gesetzt hatten und das Essen auf dem Tisch stand. Nein, das konnte doch nicht… Immerhin - das war Dumbledore! Und seit wann mischte der sich so in das Leben seiner Schüler ein? Natürlich, es gab viele, die sie und James für das perfekte Paar hielten - aber dass die Lehrer nun auch noch anfangen mussten? Sie hoffte, dass dem nicht so war. Sie konnte sich wirklich Schöneres vorstellen als sich in jeder Unterrichtsstunde einen Kommentar anhören zu müssen. Verdammter Drachenmist! Als sie sich am Tisch umsah, fühlte sie nicht nur die Blicke von James und ihren Freundinnen auf sich. Nein, auch die anderen drei der Marauder grinsten unverschämt. Sie warf ihnen nur einen wütenden Blick zu und widmete dann ihre ganze Aufmerksamkeit den Hähnchenkeulen auf ihrem Teller. Sie schüttelte noch immer fassungslos den Kopf, als das Essen vorüber war und die Vertrauensschüler die Schüler ihres Hauses in die Türme brachten. McGonagall war zu ihnen an den Tisch gekommen und hatte sie und James aufgefordert, noch zu warten, was Sirius natürlich wieder zu einer anzüglichen Bemerkung verleitet hatte.
Alle Schüler hatten die Halle verlassen, als die Lehrerin schließlich zu den frischgebackenen Vertrauensschülern kam, die schweigend nebeneinander auf der Bank saßen. „Miss Evans, Mr Potter, erst einmal herzlichen Glückwunsch Ihnen Beiden! Ich hoffe, dass Sie Gryffindor nicht enttäuschen werden!“ Lily und James grinsten verlegen. „Kommen Sie mit, ich werde Ihnen die neuen Räume zeigen. Das Schulsprecherbüro kennen Sie ja bereits!“ Die Beiden folgten ihr in tiefem Schweigen. Peeves, der Poltergeist, der ihren Weg kurz vor dem Gryffindorkorridor kreuzte, setzte schon an, ein Spottlied zu singen, als er sie alleine nebeneinander hergehen sah. Doch er entdeckte im richtigen Moment gerade noch, dass McGonagall, die seine Liedchen durchaus nicht billigte, auch anwesend war und bremste sich rechtzeitig. Doch das schelmische Funkeln in seinen Augen verhieß nichts Gutes. Lily begann langsam, sich vor den nächsten Tagen richtiggehend zu fürchten…
Sie durchquerten mit der jungen strengen Lehrerin den Gemeinschaftsraum, der wie ausgestorben war und blieben vor einer unscheinbaren Türe stehen. McGonagall murmelte das Passwort und sie traten ein. Lily blieb kurz stehen, um eine kurze Schadensanalyse vorzunehmen und riss geschockt die Augen auf. Erster Eindruck: negativ. Zweiter Eindruck: negativ! Dritter Eindruck: negativ!! Es musste doch auch irgendwelche Vorteile haben, Schülersprecher zu sein? Aber nein, sie musste mit James Potter in einem Apartment wohnen! Und dort gab es nur einen Schreibtisch. Effektive Arbeit als Schülersprecher und Lernen am selben Schreibtisch? Wie sollte das denn nur funktionieren. Aber gut. Er würde eine Chance bekommen. Wenn nicht, gab es ja immer noch den Gemeinschaftsraum. Sie atmete tief durch. ?Nicht wieder aufregen, ganz ruhig, Lily!' Das zweite Defizit war, dass ihre beiden Schlafzimmer nebeneinander lagen und durch eine Schiebetür verbunden waren. Hallo? Für was brauchten sie Passwörter, wenn man durch diese Tür gehen konnte? Und was sagte die McGonagall da gerade so gleichmütig als würde sie über das Wetter reden? Diese Tür hatte kein Schloss? Oh mein Gott! Das war der pure Wahnsinn! Sie schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Aber das Schlimmste kam ja noch: Es gab nur ein Badezimmer. Sie musste sich mit Potter ein Badezimmer teilen?! Um Himmels Willen, das war… Sie fand keine Worte - ja nicht einmal Gedanken, die ihre Situation angemessen beschrieben.
McGonagall zeigte ihnen noch, wo sich ihr Gepäck befand und verabschiedete sich mit einem fröhlichen und unbeschwerten „Einen schönen Abend noch. Ich treffe Sie dann morgen im Unterricht!“ So. Da standen sie nun und wussten vor lauter Verlegenheit nicht, wo sie hinsehen sollten. James deutete auf das rechte Zimmer und fragte mit rauer Stimme, die irgendwie so gar nicht zu ihm passte, ob er das haben könnte. Sie nickte nur, noch immer nicht fassen könnend, was hier gerade passierte. Irgendwie schaffte sie es, in das andere Zimmer zu gehen und sich aufs Bett zu setzen. ?Ganz ruhig! Einatmen und ausatmen. Zähle bis zwanzig, Lily!' Sie schloss kurz die Augen und fuhr zusammen, als ihr Kollege plötzlich in der Tür stand und sich räusperte. „Ähm. Wenn du magst, kannst du zuerst ins Bad.“ Auf ihrem Gesicht musste die Überraschung zu lesen sein, wie in einem offenen Buch. Sie hasste sich selbst dafür, ihre Gefühle manchmal so offen zur Schau zu stellen. Aber dass ihm, dem großen Weiberheld, so einfühlsame, kleine Dinge auffielen, das haute sie vom Hocker! Sie versuchte sich an einem Lächeln. „Danke!“ Er nickte knapp und verschwand wieder in sein Zimmer, wo er sich ans Vergrößern und Auspacken seines Gepäcks machte. Er sortierte seine Bücher ein und ordnete seine Bücher.
Lily stand währenddessen unter der Dusche, natürlich nicht, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass das Schloss wirklich zu war! Sie widerstand der Versuchung, wie sonst immer unter der Dusche zu singen, auch wenn sie nicht glaubte, das das ganze Schuljahr durchhalten zu können. Na ja, egal, sie war sich ziemlich sicher, dass auch James Potter einige weniger publikumsfreudige Angewohnheiten hatte. Sie grinste und genoss das wohlig warme Wasser auf ihrer Haut. Der Tag war anstrengend gewesen und sie hatte über vieles nachzudenken. Doch James - halt nein, Potter! - wollte sicher auch noch duschen, so beeilte sie sich. Zähne putzen musste sie dann wohl später, weil sie ihre Zahnbürste auf dem Zimmer vergessen hatte. Sie zog ihren samtblauen Pyjama an und huschte mit noch nassen Haaren, die in sanften Locken ihr Gesicht umrahmten, aus dem Bad. Als sie an James Zimmer vorbeikam, wollte sie eigentlich klopfen, aber die Türe stand offen. Sie lehnte sich an den Türrahmen und beobachtete ihn eine Weile. Er lag auf dem Bett und hielt ein Foto in der Hand. Vielleicht täuschte sie sich, aber er sah sehr traurig aus, als er es ansah. Ein paar widerspenstige Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht, doch er strich sie nicht weg. Er sah richtig süß aus, wie er da so lag. Aber halt - was dachte sie denn da? Sie hatte Potter nicht gerade wirklich als ?süß' bezeichnet? War sie noch bei klarem Verstand? Sie schüttelte den Kopf. Nein, das konnte nun ja wohl echt nicht sein!
Es standen schon andere Fotos auf seinem Nachtkästchen, doch das Mädchen konnte nicht erkennen, wer darauf abgebildet war. Sie kam sich plötzlich schäbig vor. Da stand sie hier und spionierte ihn aus, während er den ganzen Tag nur freundlich und lieb gewesen war… Na ja, fast den ganzen Tag! Sie räusperte sich und James wandte sich um. Ihm stockte der Atem. Da stand sie wie ein Engel mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen. Er hatte Lily Evans noch nie verlegen gesehen - so oft wie sie es heute gewesen war, verwunderte ihn das sogar. Aber er musste zugeben, dass es ihr wirklich stand. Ihre Haare wirkten durch die Nässe dunkelrot, fast wie Blut, und lockten sich süß. „Das Bad ist frei, du kannst gerne duschen!“ Und damit war sie schon wieder verschwunden. Ein kleines, trauriges Lächeln schlich sich auf seine Züge. Sie konnte so lieb sein, wenn sie ihn nicht dauernd anzickte. Aber er machte sich nichts vor. Am nächsten Tag würde sie wahrscheinlich ebenso kratzbürstig wie all die vergangenen Jahre sein. Sah man ihr gar nicht an, dieses Temperament. Aber es hatte etwas wirklich Anziehendes, eine Herausforderung, der er sich voll bewusst war und die er gerne einging.
Lily ging, als ihr Zimmernachbar im Bad war, in das ?Arbeitszimmer', in dem auch eine Couch stand. Sie kuschelte sich ins Eck, zog die Beine an und begann zu schreiben. Vor dem Fenster blinkten die Sterne um die Wette. Die Worte kamen und sprudelten nur so aus ihrer Feder, die leise auf dem Pergament kratzte. In den Ferien hatte sie einiges geschrieben, auch wenn sie nie die richtige Ruhe gefunden hatte. Sie war so versunken, dass diesmal sie nicht bemerkte, dass James in der Tür stand. „Gute Nacht, Evans!“, meinte er und verschwand dann ins Bett. Lily blickte auf die Stelle, wo er gestanden hatte. Da waren sie wieder, diese Gedanken, die sich einfach nicht abstellen ließen. Auch sie ging noch schnell Zähneputzen, ehe sich ihre Zimmertüre hinter ihr schloss. Doch sie schlief noch lange nicht. Sie saß am Fenster und blickte hinaus auf das Gelände ihrer Schule, das ihr so vertraut war und ihr mitunter mehr Heimat war, als ihr eigenes Elternhaus. Ihr wurde wieder einmal bewusst, dass dies hier ihre Welt war. Sie hatte keinen Kontakt mehr zu irgendwelchen Schülern aus ihrer ehemaligen Grundschulklasse - ausgenommen zu Severus natürlich. Sie mochte ihn irgendwie. Er war immerhin das einzige Verbindungsglied zu ihrer Kindheit, zu einer Zeit, in der sie noch Petunias geliebte kleine Schwester gewesen war. Sie sah die Szene noch genau vor sich:
Sie, ein kleiner rothaariger Wildfang von gerade mal fünf Jahren, hatte auf der Schaukel auf dem Spielplatz gesessen, traurig, weil sie sich mit Petunia gezankt hatte. Da war der schmächtige Schwarzhaarige aus dem Gebüsch getreten. Sie hatten sich unterhalten und waren im Laufe der Zeit immer bessere Freunde geworden. Dann kam die Nachricht - Hogwarts! Sie war zu Severus gerannt ohne nachzudenken und hatte ihm alles brühwarm erzählt. Und dann, die Riesenüberraschung: Er war auch ein Zauberer! Sie hatte sich so riesig gefreut, und gemeinsam hatten sie Pläne gemacht und waren vor Snapes Mutter auf dem Boden gesessen und hatten sich von ihr alles über diese Schule erzählen lassen. Tja, und dann war er in Slytherin gelandet und sie in Gryffindor. Er war ein eigenbrötlerischer Außenseiter ohne irgendwelche Freunde geworden und sie… Ja, was war sie eigentlich geworden? Musterschülerin, Jahrgangsbeste, Schülersprecherin und eines der am meisten begehrtesten Mädchen der ganzen Schule. Nicht dass sie sich etwas daraus gemacht hätte… Er war durch den Einfluss seines Hauses ein kaltblütiger junger Mann geworden, der seine einzige Freundin, die er jemals gehabt hatte, verriet. Na ja, so direkt verraten hatte er sie nicht, auch wenn es ihr so vorkam. Im 5. Schuljahr war das alles gewesen. Schon beim Gedanken daran, fühlte sie den altbekannten Stich in der Brust. Sie hatte ihn immer gegenüber Potter verteidigt! Und er hatte sie Schlammblut genannt! Ihr Gesichtsausdruck wurde gequält. Klar, sie hatte die Schuld in seinen Augen gesehen und er hatte ihr tausendfach versichert, dass es eine Reflexhandlung gewesen war, dass er nun den Schein hatte wahren wollen. Noch heute hörte sie das flehende „Lily, bitte!“ Und sie hatte tief in ihrem Inneren gespürt, dass er damit wohl Recht hatte. Nur deswegen hatte sie ihm verziehen, was sie verletzt hatte, wie noch nichts zuvor. Es tat weh, vom ältesten und besten Freund, den man seit seiner jüngsten Kindheit kannte, so abwertend bezeichnet zu werden. Es hatte einiges verändert. Sie vertraute ihm nicht mehr, hatte erkannt, dass er nicht mehr der Junge von früher war, sondern dass er sich verändert hatte - nicht gerade zum Positiven hin. Sie sprach zwar noch mit ihm, doch wenn sie lächelte, war sie nicht mehr mit dem Herzen dabei - und sie würde es nie mehr sein. Das Mädchen lehnte den Kopf an die Scheibe und schloss die Augen. Eigentlich wollte sie nur eine kurze Denkpause einlegen, doch dabei schlief sie ein.
Mitten in der Nacht tat es einen lauten Schlag, sodass James in seinem Bett auffuhr. Was war das gewesen? Er stürzte aus seinem Zimmer und klopfte beunruhigt nebenan. „Lily? Alles in Ordnung bei dir?“ Er dachte gar nicht daran, dass er sie mit ihrem Vornamen angesprochen hatte. Er hörte leises Fluchen, ehe sich die Tür einen Spalt öffnete und eine sehr zerstrubbelte Lily den Kopf herausstreckte. Ihren Gesichtsausdruck konnte man nur als - wieder mal - verlegen und sehr zerknirscht bezeichnen. „Bist du aufgewacht? Entschuldige, das wollte ich wirklich nicht… Ich bin nur im Schlaf vom Fensterbrett gefallen…“ Der Junge wirkte äußerst amüsiert und verzog die Lippen zu seinem typischen ehrlichen Lächeln. „Also ich weiß ja nicht, was es bei den Muggeln und im Hause Evans alles für seltsame Bräuche gibt, aber der Ottonormalverbraucher der Zaubererwelt schläft normalerweise in einem Bett!“, frotzelte er, doch wurde gleich wieder ernst. „Alles in Ordnung?“ Seine Augen waren dunkel vor Sorge. Sie musste lächeln und salutierte übertrieben. „Yes, Sir! Gute Nacht, Sir! Schlafen Sie gut, Sir! Ich hoffe, Sie nicht mehr um Ihren wohlverdienten Schlaf bringen zu müssen, Sir!“ Mit einem Grinsen gingen beide wieder ins Bett. Dieses Schuljahr würde heiter werden!
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