
von JuneMysterious
Es war dunkel in der kleinen Wohnung über „Jone's Mondlichtcafé“ und man hätte kaum meinen können, dass um halb drei Uhr morgens noch jemand in dieser Wohnung wach gewesen wäre.
Doch Jone Aristo, Besitzerin des Cafés unter der Wohnung, wälzte sich in ihrem Bett von der linken auf die rechte Seite. Dabei wuselten ihre langen, dunkelblonden Haare um sie herum und die Bettdecke rutschte halb vom Bett.
„Scheiße!“, entfuhr es der jungen Frau laut und ihre grauen Augen blitzten plötzlich eisig aus ihrem herzförmigen Gesichtes auf, bestrahlt von dem dezenten Licht, was von den Straßen und dem Himmel draußen durch das kleine Fenster flutete. Sie richtete ihren Oberkörper auf, schaute beiläufig aus dem Fenster und sah dass es wieder mal nebelig war. Und das mitten im Juli! Das war selbst für Londoner Verhältnisse merkwürdig.
Sie zog sich die restliche dunkelblaue Bettdecke vom Körper, stieg aus dem Bett und watete leichtfüßig durch die Schlafzimmertür ins Wohnzimmer, wo sie das Licht anschaltete. Sie ging direkt auf den kleinen runden Tisch in der hintersten Ecke zu, durchwühlte kurz den gesamten Papierstapel, bis sie auf ein hellblaues Kärtchen mit der Aufschrift „Steven Aristo, Rechtsanwalt“ stieß. Sie riss sich das Telefon, welches ebenfalls auf dem Tisch stand, unter den Nagel, ließ sich danach auf das bordeauxrote Polyestersofa fallen und tippte schnell die Nummer ihres Bruders ein. Er hatte ihr vor einigen Wochen den Vorschlag gemacht, dass Jone ihn anrufen könnte, wenn sie wieder unter Schlafstörungen litt. Es tutete zweimal.
„Hallo?“, meldete sich eine raue, verschlafene Stimme am Ende der Leitung. „Steve? Ich bin's, Jone“, meldete sich die Dunkelblonde und begann mit ihrem rechten Fuß zu wippen. „Jone, hi. Recht spät, was?“ „Ich weiß, aber du sagtest, du würdest dir Zeit nehmen, wenn ich Schlafstörungen habe“, gab sie zurück und wickelte sich eine Strähne um den Zeigefinger, welches einer ihrer Mankoswar, wenn sie Nervosität verspürte. „Klar, ich würd mich auch gern auf mein Fahrrad schwingen und vorbei kommen … aber … ehm ...“ Er stutzte kurz, legte eine kurze Pause ein. „Aber ich hab Damenbesuch.“
Jone rollte mit den Augen. „Typisch!“, zischte sie und hoffte, ihre Wut würde auch durchs Telefon mit aller Kraft zu ihrem fünf Jahre älteren Bruder dringen. „Sorry, Jone, wirklich! Ich komme gleich morgen früh vorbei, wenn es -“ „Nein, das musst du nicht. Nur weil ich erst achtzehn bin und alleine lebe, bedeutet das nicht, dass ich nichts alleine hinkriege. Ich frage mich sowieso, wieso ich dich angerufen habe, mir war direkt klar, dass du mal wieder keine Zeit haben wirst. So oft seit ... du weißt schon!“, brüllte sie noch kräftig ins Telefon bevor sie den Anruf abbrach, ohne auf eine weitere Reaktion des anderen Endes abzuwarten.
Sie schmiss das Telefon wütend gegen die Wand, wodurch die Batterieschale mitsamt Batterien herausfiel. „Mistkerl!“, fluchte Jone noch einmal laut.
Sie hatte tatsächlich damit gerechnet, dass ihr Bruder sich gerade anderweitig vergnügte, jedoch hätte sie erwartet, dass er sich um sie kümmern würde, nachdem ihre Eltern gerade mal seit drei Wochen tot waren. Die erhob sich vom Sofa, zog einige Kreise durch das ovale Wohnzimmer, welches gräulich gestrichen war, bis sie zurück ins Schlafzimmer schritt, sich dort eine Jeans und einen dunkelgrauen Pullover anzog, über den sie ihren dunkelroten Mantel zog, zurück durchs Wohnzimmer schritt, die Schlüssel von dem Hacken an der Wand nahm und aufbrausend aus der Haustür ging.
Mit schnellen Schritten sprang sie die Treppen hinunter, lief an der Personaltür zu ihrem Café vorbei und glitt durch die Haupttür hinaus in die dunklen Straßen.
Einige Sekunden blieb Jone stehen, schaute zu dem halbgefüllten Mond hinauf, atmete drei mal tief ein und nahm die Straße dann in die linke Richtung.
Sie hoffte, dass sie nach einem langen, ausgewogenen Spaziergang vielleicht etwas müder war, als zuvor, jedoch hatte sie kaum erwartet, was sie kurze Zeit später entdecken würde.
Sie war schon einige Meter gelaufen, bis sie urplötzlich einen lauten Knall hörte, der einem Kanonenschuss derartig glich, dass sie durch den Schock am ganzen Körper stark schüttelte und abrupt stehen blieb. Jone schaute kurz über die Schulter, wo sich nichts befand, doch dann wandte sie den Blick nach rechts;
Dort standen drei Gestalten, die mit sechs anderen um ihr Leben rangen, wobei immer wieder bunte Feuerwerkskörper losgingen und Funken in die Dunkelheit brachten, und da die Silhouetten vermutlich zu großen, starken Männern gehörten, schlich sich die junge Frau rasch in den Schatten links neben ihr und folgte dann einer Gasse, die sie niemals zuvor gesehen hatte.
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