
15.Kapitel
In Hogwarts wurde es nun kälter und es fiel auch schon Schnee. Die Weihnachtsferien rückten immer näher. Eigentlich hatte Lucy ja vor gehabt Weihnachten mit Anna und Karl zu verbringen. Aber als sie erfuhr dass Hermine, Ron und Harry in Hogwarts bleiben würden, beschloss sie auch zu bleiben. Doch sie wollte auch aus einem anderen Grund bleiben. Sie wollte in der Nähe von Patrick sein. Seid dem Kuss war eine Woche vergangen und sie musste dadurch eine menge nachdenken.
Als sie die Große Halle betrat suchte sie als erstes den Gryffindortisch ab. Patrick und Daniel saßen wie immer am Tisch und rührten ihr Frühstück nicht an.
Sie setzte sich zu Harry, Ron und Hermine an den Tisch. „Ich hab soeben erfahren dass Malfoy über die Ferien auch hier bleiben wird“, sagte Hermine. „Also finde ich dass wir es in den Ferien tun sollten. Der Vielsafttrank ist auch bald fertig.“, erklärte sie. „Ihr zwei braucht nur noch Haare von den Leuten in die ihr euch verwandelt.“, erzählte sie Ron und Harry.
„Wie sollen wir das anstellen?“, fragte Ron.
„Ich bin schon dabei einen Schlaftrank zu brauen“, antwortete Hermine.
„Und wenn rupfst du welche aus?“, fragte Lucy.
Hermine hielt ein kleines Fläschchen hoch, in dem man ein paar Haarsträhnen erkennen konnte. „Hier, ich hab meine. Milicent Bul-strode. Die habe ich von ihrem Umhang gesammelt.“, antwortete sie.
„Und wie sollen wir ihnen den Schlaftrank verabreichen?“, fragte Harry.
„Ich denke dass ich da schon was finden werde“, antwortete sie.
Patrick und Daniel waren nun aufgestanden und gingen an den vieren vorbei. Lucy spürte wieder ein Kribbeln in ihrer Magengrube und sie hoffte sehr dass sie jetzt nicht rot anlief.
„Ich muss jetzt an den Vielsafttrank weiter arbeiten. Lucy, ich denke dass ich da deine Hilfe gebrauchen könnte.“, sagte Hermine.
„Okay“, sagte sie und folgte Hermine aus der Großen Halle.
„Du hast irgendwie nervös gewirkt als Pat-rick an dir vorbei ging“, fing Hermine sofort an.
„Hermine, er hat mich geküsst. Wie würdest du dich da verhalten?“, erwiderte Lucy.
„Lucy, du hast mir versprochen dass du die Freundschaft nicht zu sehr vertiefst.“, ermahnte Hermine sie.
„Ich weiß“, sagte sie. „Aber auf mich wirken sie irgendwie gar nicht gefährlich. Im Gegen-teil.“, fand sie.
„Sie sind gefährlicher als du denkst“, erwiderte Hermine.
„Hermine, ich denke dass ich mich in Patrick verliebt habe“, sagte sie.
„Er ist ein Vampir“, stieß Hermine wütend hervor. „Sie sind alle beide Vampire“, fügte sie hinzu.
Lucy glaubte nicht was sie da gerade gehört hatte. „Was?“, fragte sie.
„Wir haben Vampire letztes Jahr in Vertei-digung gegen die dunklen Künste behandelt. Dadurch habe ich auch erkannt was die beiden wirklich sind.“, antwortete Hermine. Sie holte ein dickes Buch aus ihrer Umhängetasche. „Hier ist ein Kapitel, da steht alles drin was du wissen musst“, sagte sie und reichte es Lucy.
Lucy überflog den Titel. Magische Kreaturen und wie man sie erkennen kann. Sie wollte dies nicht glauben. Sie wollte nicht glauben dass Patrick ein Vampir war.
„Lies es dir durch“, unterbrach Hermine ihre Gedanken.
„Nein, ich lese es nachher. Ich hab ver-sprochen dass ich dir mit dem Trank helfe“, sagte Lucy.
Nachdem Lucy fertig war, ging sie in den Mädchenschlafsaal. Sie hatte das Buch von Hermine immer noch in ihrer Hand. Sie wollte endlich Gewissheit haben.
Mit dem Buch setzte sie sich im Schneider-sitz auf ihr Bett und schlug das Kapitel über Vampire auf.
Vampire sind zu erkennen an ihrer weißen kaltartigen Haut und ihrer Schönheit.
Daniel und Patrick hatten wirklich eine weiße Haut. Außerdem waren beide sehr schön. Sie hatte schon viele Schülerinnen in Hogwarts gesehen die den beiden nachgesehen hatten. Und dann noch Patricks eiskalte Hand.
Sie sind sehr schnell. Und haben unterschied-liche Fähigkeiten. Einige können Gedanken lesen oder in die Zukunft sehen. Es gibt aber auch welche die Wunden heilen können.
Sie hatte manchmal wirklich das Gefühl dass Patrick und Daniel ihre Gedanken lesen konn-ten. Und sie waren wirklich sehr schnell. Sie musste daran denken wie sie manchmal urplötzlich neben ihr auftauchten.
Vampire ernähren sich hauptsächlich von Blut. Ihre Augenfarbe verändert sich wenn sie durstig sind. Kurz nach ihrer Verwandlung sind die Augen erst rot. Doch sie gehen in den vielen Jahren rüber ins goldfarbene. Wenn sie allerdings durstig sind, sind die Augen schwarz.
Sie erinnerte sich dass sich ihre Augenfarbe wirklich veränderte.
Sie schlug das Buch zu. Mehr wollte sie wirklich nicht wissen, aber glauben konnte sie es immer noch nicht. Sie wollte nicht wahr haben dass Patrick und Daniel böse waren.
Aber vielleicht konnte sie sich Gewissheit schaffen wenn sie Patrick selbst darauf ansprach. Langsam stand sie auf und verließ den Mädchenschlafsaal. Hermine saß mit Ron und Harry am Kamin.
„Ist alles okay bei dir?“, fragte Harry, als Lucy bei ihnen stehen blieb.
Doch sie antwortete nicht. Stattdessen reichte sie Hermine das Buch zurück, wandte sich um und lief aus dem Gemeinschaftsraum. In der Eingangshalle traf sie auf Patrick und Daniel. Ich weiß Bescheid, schoss ihr durch den Kopf. Sie ging an den beiden vorbei und trat hinaus ins Freie. Sie ging hinunter an den schwarzen See. Sie spürte dass Patrick hinter ihr war.
„Du bist unfassbar schnell“, sagte sie. „Deine Haut ist bleich und eiskalt. Und manchmal sprichst du als wärst du aus einer anderen Zeit.“, erzählte sie.
Als Patrick nichts dazu sagte, drehte sie sich zu ihm um. „Ich weiß was du bist“, sagte sie.
„Sag es“, sagte er. „Ich will es hören“, fügte er hinzu.
Lucy atmete tief durch. „Ein Vampir“, sagte sie.
„Hast du Angst?“, fragte er.
Lucy schloss für einen Moment die Augen. Dann öffnete sie diese wieder und blickte ihn ernst an. „Nein“, antwortete sie.
„Das solltest du aber“, erwiderte er. „Ich bin ein Monster. Ich habe schon Menschen umge-bracht.“, erklärte er ihr.
„Ich hab immer noch keine Angst“, sagte sie. „Warum kannst du dich im Sonnenlicht zei-gen?“, fragte sie.
Patrick hielt ihr seine Hand hin. An einem Finger saß ein Ring mit einem merkwürdigen Symbol. „Dieser Ring schützt mich. Damit kann ich mich unter euch sterblichen blicken lassen.“, erklärte er.
„Und was passiert wenn du ihn abnimmst?“, fragte sie.
Patrick lächelte leicht und nahm ihre Hand. „Komm, ich möchte es dir zeigen“, sagte er.
„Wohin gehen wir?“, fragte sie.
„Nur zu den Baumkronen. Ins Sonnenlicht“, antwortete er.
Lucy zögerte, dann ergriff sie seine Hand. Er schleuderte sie auf seinen Rücken und kletterte die Weide hinauf. Für Lucy kam es vor als ob er fliegen würde.
Schließlich waren die beiden ganz oben in den Baumkronen. Patrick setzte sie auf einem Ast ab. Dann stellte er sich in die Sonne, öffnete sein Hemd und nahm seinen Ring ab.
Lucy blinzelte als sie sah was mit ihm passierte. Seine Haut glitzerte wie ein funkeln-der Diamant.
„Wie ein funkelnder Diamant“, sagte sie. „Darf ich dich anfassen?“, fragte sie. Er nickte nur. Lucy ging langsam auf ihn zu und berührte sanft seinen Oberkörper. Ihr Herz raste richtig. Am liebsten wollte sie diesen sportlich durchtrainierten Körper küssen.
Nach einer Weile löste sie die Hand wieder von seinen Oberkörper. Er knöpfte das Hemd wieder zu und steckte seinen Ring wieder an. Danach setzte er sich auf den Ast auf den die beiden standen.
„Wie alt bist du?“, fragte sie, während sie sich neben ihn auf den Ast setzte.
„Fünfzig Jahre“, antwortete er.
„Und warum hast du mich am Anfang zu sehr gehasst?“, fragte sie.
„Das tat ich weil ich dich zu sehr wollte“, antwortete er. „Ich weiß immer noch nicht ob ich mich kontrollieren kann“, sagte er.
„Ich vertrau dir“, sagte sie.
„Tu es nicht“, riet er ihr und stand auf.
„Ich weiß dass du es schaffen kannst“, erwiderte sie und stand ebenfalls auf.
Sie standen sich nun gegenüber. Er berührte sanft ihr Gesicht, wodurch sie wieder Herz-rasen bekam. „Ich kann deine Gedanken nicht lesen. Du musst mir sagen was du denkst.“, sagte er mit ruhiger Stimme.
„Wie meinst du das?“, fragte sie verwirrt.
„Ich weiß auch nicht. Ich kann nicht bei dir durchdringen.“, antwortete er.
„Um ehrlich zu sein wäre es mir lieber wenn du meine Gedanken nicht lesen könntest.“, fand sie. „Was ist mit dem Blut?“, fragte sie.
„Wir trinken nur tierisches Blut. Das hält aber nicht lange an.“, antwortete er. „Wenn wir jagen müssen, benutzen wir meist Ausreden“, sagte er.
„Wie zum Beispiel dass ihr eure kranke Mutter besucht?“, fragte sie. Er nickte nur. „Was ist mit Daniel? Kann er meine Gedanken lesen?“, erkundigte sie sich.
Er lächelte nun. „Er liebt es sogar“, ant-wortete er.
„Was für Fähigkeiten hat er?“, fragte sie.
„Er kämpft gerne. Er beherrscht auch Parsel. Ist aber kein Erbe Slytherin. Er kann außerdem die Gespräche anderer hören wenn sie meter-weit entfernt sind.“, antwortete er.
„Wirst du mir auch irgendwann erzählen wie du verwandelt wurdest?“, fragte sie.
„Ja, irgendwann“, antwortete er. „Aber nicht heute“, fügte er hinzu.
„Gibt es noch andere Vampire außer Daniel und dich?“, fragte sie.
„Ja. Meine Schwester Julie ist auch ein Vam-pir. Genauso wie ihre Freundin Kate. Die bei-den leben allerdings in Frankreich.“, ant-wortete er. „Und dann sind da noch zwei Freunde von mir. Stephanie und Ryan. Sie leben in Kanada. Ryan war es auch der Daniel und mich nach unserer Verwandlung gefunden hat.“, erzählte er.
„Also wurdet ihr zusammen verwandelt?“, fragte sie.
„Nicht direkt“, antwortete er. „Ich bin ein paar Tage jünger als Daniel“, sagte er.
„Und warum verzichtet ihr auf menschliches Blut?“, fragte sie.
Diesmal antwortete Patrick nicht sofort. Dann blickte er sie an. „Wir wollen keine Monster sein“, antwortete er.
„Verstehe“, murmelte sie. Schon eine ganze Weile standen sie so da. Inzwischen dämmerte es und Lucy fing an zu frösteln. Hätte sie sich doch bloß eine Jacke umgelegt.
„Komm, wir gehen ins Schloss zurück. Da kannst du dich aufwärmen“, sagte er. Lucy kletterte wieder auf seinen Rücken. „Schließ deine Augen“, forderte er sie auf.
Lucy tat was er gesagt hatte und schloss ihre Augen. Sie spürte wie Patrick den Ast hinunter sprang. Es kam ihr vor wie drei Sekunden, als er wieder auf dem Boden ankam.
„Das war ja der wahnsinn“, fand sie als sie von seinem Rücken stieg.
„Man muss sich nur daran gewöhnen“, sagte er. Gemeinsam gingen sie zum Schloss zurück. „Hast du Hunger?“, fragte er, als sie an der Großen Halle vorbei gingen.
„Nicht so richtig“, antwortete sie. Sie hatte ehr nach etwas anderes Hunger. Nach ihm. Seinen Lippen.
Der Gemeinschaftsraum war leer als die bei-den dort ankamen. Die beiden setzten sich an den Kamin.
„Du bist ja so still“, fiel ihm nach einer Weile auf.
„Darf ich dich noch etwas fragen“, bat sie.
„Tust du das nicht die ganze Zeit“, erwiderte er mit einem Lächeln.
„Warum hast du mich geküsst?“, fragte sie.
„Ist einfach über mich gekommen“, antwortete er. „Ich brauchte einen Beweis dass ich mich kontrollieren kann“, sagte er.
„Und kannst du es?“, fragte sie.
„Ist eine Gewöhnungssache“, antwortete er.
Er setzte sich neben sie. „Willst du etwa damit andeuten dass du es versuchen möch-test?“, fragte sie.
„Ich habe nicht die Kraft meinen Gefühlen für dich zu widerstehen“, antwortete er. Dann nahm er Gesicht in seine Hände und presste seine Lippen auf die ihre. Diesmal zögerte Lucy nicht erst. Sie öffnete ihre Lippen und erwiderte den Kuss. Sofort spürte sie wieder die Schmetterlinge in ihren Bauch. Sie vergaß alles um sich herum. Sie schlang die Arme um seinen Hals und genoss diesen einen Augen-blick.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel