
von MissCadogan
Kurz war Draco geschockt, als Hermine Granger ihre weichen Lippen hart auf die seinen presste. Im nächsten Moment aber fühlte er, dass nichts richtiger war als dieser Kuss. Er war so anders als all die Küsse, die er mit all den Mädchen in all den Jahren hatten.
Die Gryffindor zog sich näher an ihn heran, ihre Zunge bat um Einlass, den der Blonde nur zu gern gewährte. So hätte er Granger nie eingeschätzt! So wild und fordernd. Was hatte er angestellt, dass sie ihn einfach küsste? Ehe er sich versah, saß die Löwin rittlings auf seinem Schoß. Beide atmeten während dieses Kusses zunehmend schwerer. Draco fuhr mit seinen Händen an beiden Seiten ihres Oberkörpers sanft hinauf, zog dabei leicht Hermines Shirt etwas hinauf und legte schließlich beide Hände auf ihre nackte Taille. Dem Slytherin fiel auf, wie weich ihre Haut war.
Plötzlich stoppte sie den Kuss, als hätte diese Berührung sie aufgeweckt, und riss ihre Augen weit auf.
„Was machst du da?!“, kreischte die dunkelhaarige. Er lachte.
„Ich? Darf ich dich daran erinnern, wer hier wen zuerst küsste?“
Sie sprang von ihm herunter und er war dankbar, dass seine Hose aus so fester Jeans bestand, dass sie nicht zu viel preisgab.
„Das ist nicht passiert“, schloss sie trocken, wandte sich ab und verschwand in ihrem Zimmer. Sekunden später öffnete sich ihre Tür erneut, sie stolperte ins Bad und schloss dann diese Tür.
So lustig die Schlange ihren verwirrten Gesichtsausdruck und ihr unbeholfenes Benehmen auch fand, so versetzte es ihm auch einen Stich. Dass Granger so angeekelt die Szenerie verlassen hatte, schockiert über sich selbst, machte ihn betroffen. Er wusste, dass es wohl kaum an seinem Äußeren liegen konnte, denn er kannte dessen Wirkung auf das weibliche Geschlecht nur zu gut. Also nahm Draco an, dass Hermine seine Persönlichkeit anwiderte. Vor ein paar Jahren wäre es ihm vielleicht noch egal gewesen, er hätte sich einreden können besser zu sein und es wäre ihm leicht gefallen. Aber in den heutigen Tagen waren die Karten anders verteilt und er fühlte sich wie ein Insekt, das es zu zerquetschen galt. Ihm wurde kalt. Draco erhob sich, um den Turm zu verlassen.
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Sie stand vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete sich. Ihre Lippen waren von dem Kuss noch geschwollen, ihre Wange rötlich gefärbt. Hermine Granger hatte Draco Malfoy geküsst. Ihrem Körper hatte wohl eine dumme Phrase gereicht, in der er sich von allem Bösen lossagte, damit er sich endlich auf den Blonden stürzen konnte. Anscheinend war sie doch eine von diesen hormongepeitschten Weibern, dachte sie düster. Gut, dass ihr Verstand sie zumindest nicht komplett im Stich gelassen hat und sie von dem Slytherin losriss, bevor zu viel passiert wäre.
Hermine wandte sich von ihrem Spiegelbild ab, als sie vernahm, dass eine Tür ins Schloss fiel. Sie nahm an, dass er den Turm verlassen hatte und war ein klein wenig enttäuscht. Nein, was?! Es war gut, dass sie ihn jetzt nicht sehen musste. Sie ging aus dem Bad in Richtung Sofa und nahm darauf Platz. Die Gryffindor starrte minutenlang auf den Sessel, in Gedanken ganz bei dem Geschehenen und sie konnte nicht leugnen, dass sich in ihr eine Wärme breit machte und es in ihrer Mitte angenehm zog. Aber das lag ganz sicher nicht an Draco Malfoy....ein Abenteuer nach langer Zeit gefiel sicherlich jeder jungen Frau. Aber da sie nicht 'jede' war, würde sie das ganze beenden bevor es überhaupt anfangen konnte. Ja, das erschien Hermine mehr als vernünftig, denn sie musste ja schließlich mit ihm zusammenarbeiten...
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Er hatte Pansy und Blaise im Gemeinschaftsraum der Slytherins besucht. Draco konnte allerdings nicht sagen, über was sie gesprochen hatten, denn er hörte nur halbherzig zu. Nach gut einer Stunde verabschiedete er sich auch wieder. Pansy drückte ihn für seinen Geschmack viel zu euphorisch und herzlich zum Abschied, Blaise gab ihm die Hand.
„Bis morgen, Alter“, zwinkerte der ihm noch zu.
Auf dem Weg zum Schulsprecherturm achtete er kaum auf seinen Weg, seine Füße trugen ihn wie von selbst, als plötzlich etwas gegen seine Seite krachte.
„Kannst du nicht aufpassen?!“, meckerte er, bevor er sah, wer ihn da angerempelt hatte.
Er blickte hinunter in grüne Augen, die allerdings blutunterlaufen waren.
„Ich bin ja wohl nicht die einzige, die aufpassen sollte“, gab ihm Ginny Weasley zurück, während sie ihr rotes, glattes Haar über die Schulter warf.
Ihre Stimme klang abgeschlagen, als hätte sie lange geweint.
„Kann ich dir helfen?“, kam es also von Draco.
„Ja sicher, Malfoy. Keiner ist dafür besser geeignet“
„Dann halt nicht. Mein Interesse daran hält sich sowieso in Grenzen“
„Ach, echt?“, fragte Ginny rhetorisch, „Hör zu, du hast mich hier gar nicht gesehen. Komm also bloß nicht auf die Idee Hermine etwas zu erzählen, nur weil du jetzt einen auf Gutmensch machst, klar?“
„Keine Angst, bei Weasleys verlässt mich meine Fürsorge plötzlich“, konterte er.
„Da bin ich beruhigt“, lächelte die rothaarige ihn tatsächlich an und verschwand.
Kopfschüttelnd, aber wenigstens auf andere Gedanken gebracht, machte Draco sich weiter auf den Weg. Er sprach das Passwort und trat in den Turm. Wie von der Tarantel gestochen, erhob sich Hermine, als hätte sie ewig auf ihn gewartet.
„Malfoy, der Kuss ist nie passiert und ich will und werde nie wieder darüber reden. Das einzige, das uns verbindet, ist unser Amt als Schulsprecher. Auch du hälst die Klappe, verstanden? Ich will nicht, dass die Schule denkt ich sei eins von deinen Weibsbildern!“
„Man würde es sowieso nicht glauben“, erwiderte er so arrogant und selbstsicher er konnte. Etwas Stolz wollte er sich trotz aller Unsicherheit bewahren.
„Oh ja, klar. Ich gehöre ja nicht in dein Beuteschema, weil ich länger als von zwölf bis mittag denken kann!“
Draco meinte ein klein wenig Schmerz in ihren braunen Augen flackern zu sehen und nahm dies mit Genugtuung auf.
„DAS hast du jetzt gesagt“, kommentierte er Hermines Aussage neutral, „aber ich werde nichts sagen und wir vergessen was war“, gab er nach, als der Blonde sah, wie sich ihr Gesicht gefährlich rot färbte.
„Bild dir ja nichts drauf ein, du hast mich schließlich zurück geküsst“, zickte sie als sie sah, dass Draco leicht selbstgefällig lächelte.
„Wollten wir das Thema nicht auf sich beruhen lassen?“, konterte er.
Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder, als wüsste sie dem nichts entgegen zu bringen.
„Es ist wirklich ok. Einfach vergessen“, zwinkerte die Schlange jetzt beschwichtigend.
„Genau, das meinte ich doch...“, nickte Hermine leicht verwirrt.
„Also, da das nun geklärt ist. Wir sollten die Party für Halloween planen. Und das Patenprogramm auch..“
„Du hast Recht. Wir treffen uns morgen nach dem Unterricht in der Bibliothek, in Ordnung?“, fragte die Löwin, „..ich muss dort noch was nachschlagen.“
Draco ahnte, wieso sie sich außerhalb des Turms treffen wollte, also stellte er keine dummen Fragen, die zu erneutem Streit geführt hätten.
„Ok“, antwortete er deswegen nur schlicht.
Es dämmerte bereits, also musste es bald Abendessen geben.
„Ich gehe runter zur Großen Halle, willst du mitkommen?“, fragte der Blonde.
„Ja, es macht vielleicht keinen schlechten Eindruck, wenn die Schüler und Lehrer die Schulsprecher zusammen sehen...das vermittelt Einigkeit“, erklärte sie, als Draco leicht amüsiert die Augenbrauen zusammenzog. Irgendwie fand er es süß, wie unsicher die vorlaute und intelligente Hermine Granger nach einem Kuss werden konnte. Es hatte etwas unschuldiges.
„Wahrscheinlich hast du Recht“, lächelte er ihr deswegen entgegen und als sie sein Lächeln erwiderte, fühlte es sich so an als könnte er erahnen, was seine innere Leere vielleicht füllen könnte....
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Er hatte so ganz anders reagiert, als Hermine erwartet hatte. Obwohl sie seine Arroganz deutlich hatte spüren können, so war ihr auch sein Charme aufgefallen. Bis vor nicht allzu langer Zeit hätte sie dieses Wort nie mit Draco Malfoy in Zusammenhang gebracht.
Nun ging die dunkelhaarige neben dem Blonden zur Großen Halle. Einige Mädchen tuschelten, als die beiden Schulsprecher gemeinsam an ihnen vorbei gingen.
„Werden die mich umbringen?“, fragte Hermine lachend. Sie war froh etwas sagen zu können.
„An deiner Stelle würde ich meinen Zauberstab auch beim Schlafen nicht mehr aus der Hand legen“, antwortete er sarkastisch.
Hermine fragte sich unwillkürlich, ob es ihm gefiel, dass die ganzen Mädchen ihn anhimmelten. Wenn dem so war, dann konnte er es gut verstecken, denn Draco sah ziemlich teilnahmslos aus. Vielleicht war es genau dieses Unnahbare, das die Frauenwelt so anziehend fand. Sie jedenfalls empfand es so.
„Erde an Granger?“, zwinkerte Malfoy.
Oh, Merlin nochmal, sie hatte wieder gestarrt. Sie wurde leicht rosa.
„Oh, 'tschuldigung. Ich war in Gedanken“, gab sie so souverän wie möglich zurück.
Er lächelte ausschließlich als Antwort. Hermine indes hatte gar nicht gemerkt, dass die zwei schon in der Großen Halle angekommen waren und irgendwie wurde ihr plötzlich ganz anders. Sie hatte das erdrückende Gefühl beobachtet zu werden und sah sich um, konnte aber zunächst nichts ausmachen.
„Hier trennen sich erstmal unsere Wege. Vielleicht können wir gleich auch wieder zusammen zum Turm gehen?“, schlug die Schlange vor, „du weißt schon, Einigkeit und so“, lachte er weiter.
„Gern“, gab sie lächelnd zurück, wenn auch leicht peinlich berührt.
Draco boxte ihr sanft gegen die Schulter und verließ sie, als er Richtung Slytherintisch spazierte. Hermine hingegen spürte den Blick immer noch auf sich und fühlte sich mehr als unbehaglich. Sie sah sich also ein weiteres Mal um und starrte in die giftgrünen Augen von Astoria Greengrass. Und die Gryffindor wusste, wenn Blicke töten könnten, wäre sie jetzt tot.....
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