
von Okran
Das Ungewisse
Ich bin ein Geist, ein Geist im Nirgendwo, immer und überall. Ich streife durch die Gänge, durch die kalten und düsteren Gänge, die ich so gut kenne. Ich weiß nicht, wo ich hingehöre, in diese Welt oder in eine andere, ich weiß es nicht. Wo gehöre ich hin? Hierhin, dorthin, ich streife zwischen dem Hier und dem Dort, nur weiß ich nicht wo sich das Hier und das Dort befinden, ich kann nicht weg, dessen bin ich mir bewusst.
Aber was mache ich hier? Ich erzähle den Schülern von alten, längst vergangenen Zeiten, von der Zeit, in der ich lebte, von der Zeit, in der ich nicht mehr unter den Lebenden verweilte und von Zeiten, die selbst ich nicht mehr miterlebt habe.
Doch was es für einen Sinn hat, das weiß ich nicht. Ich schwebe Tag und Nacht durch diese Schule, ich kenne meinen Namen, doch ich weiß nicht, wer ich bin.
Einst, als ich lebte, da wusste ich, wer ich war, doch jetzt, jetzt, wo ich dahingeschieden bin, da weiß ich es nicht mehr. Ich lebe unter Lebenden und weiß nicht, warum ich mich hierfür, genau hierfür, entschied.
Das habe ich nach all den vielen Jahren, nach hunderten von Jahren vergessen.
Das Wort Tod schmerzt, da ich nicht weiß, wie ich mit ihm umgehen kann, selbst nach der langen Zeit.
Doch selbst der Tod ist für mich fern, er ist genauso fern wie das Leben – unerreichbar bis ins Grenzenlose.
In dem Gewissen, dass die anderen Leben und ich … naja, eben das bin was ich bin.
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